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Kundenrezension

am 11. August 2014
Auch wenn die üblichen Kriege im Nahen Osten den Themenkomplex "Geheimdienste & Überwachung" aktuell aus den Schlagzeilen verdrängt zu haben scheinen - die Snowden-Odyssee hält den deutschen Medien-Zirkus seit über einem Jahr auf Trab und wird es wohl auch noch einige Zeit tun. Die Entscheidung, mir jetzt doch das Buch von Glen Greenwald zuzulegen, folgte aus einer frustrierten Einsicht: Obwohl Spiegel und Co. ihrer Leserschaft seit mittlerweile mehr als einem Jahr fortlaufend Beiträge voller kryptischer Akronyme und Tarnnamen, wilder Graphiken und brüchigem Halbwissen auftischen, hatte zumindest ich immer noch nicht das Gefühl, im Kern verstanden zu haben, was hier eigentlich enthüllt worden war.

Von dem Buch wollte ich also wissen:

(Hinsichtlich der zur Anwendung kommenden Technologie:)

- wie die verschiedenen Programme heißen
- was sich hinter den Namen verbirgt, was diese Programme also tatsächlich können
- wie die Programme zusammenwirken, d.h. welche Synergieeffekte sich ergeben

(Hinsichtlich der gesellschaftlichen Folgen:)

- wie eng die Verknüpfung zwischen Regierung und privater Sicherheitsindustrie tatsächlich ist
- welche Prognosen für die Weiterentwicklung des Überwachungsapparats in Zukunft realistisch sind
- welche Implikationen sich aus den Enthüllungen und den zu erwartenden Entwicklungen für den Einzelnen ergeben

Antworten - oder wenigstens Anstöße dazu, eigene Antworten zu finden - bietet dieses Buch schon, dennoch bin ich etwas enttäuscht.

Zu den technischen Fragen:

Die Tarnnamen und Projektbezeichnungen, die man hier erklärt bekommt, kennt man fast alle aus der normalen Berichterstattung. Nichts neues hier, was aber eigentlich zu erwarten war. Leider gelingt es Greenwald aber auch nicht, schlüssig und umfassend zu vermitteln, was diese Programme wirklich können. Sicher, die Zahlen und Fakten, die er listet, geben einen Einduck von dem enormen Ausmaß der Überwachung, und auch das eine oder andere Beispiel für die Anwendung wird angeschnitten - mehr aber auch nicht. Stellenweise wirkt es so, als habe er einfach die Kernaussagen der hier übrigens abgebildeten Original-PowerPoint-Folien der NSA exzerpiert und wiedergegeben, ohne die nötige Transferleistung zu erbringen. Ohne die konsequente Darstellung der grundlegendsten Aufbauten und Funktionsweisen der zentralen Programme ist klar, dass man sich auch keinen Überblick über das von Greenwald mehrfach angesprochene Zusammenwirken zwischen den einzelnen Elementen verschaffen kann.

Die Mängel, die dieses Buch bei der Bewältigung des Kernthemas zweifelsohne hat, kann man dem Autor gleichwohl nicht wirklich anlasten: Er stand hier vor der Herausforderung, als Laie für Laien ein Buch über ein Thema zu schreiben, das hinsichtlich der zu verarbeitenden Quantität der Informationen extrem umfangreich und gleichzeitig hinsichtlich der Qualität der Informationen extrem kompliziert ist - letztlich geht es hier im Kern um Algorithmen und damit um höhere Mathematik.

Zu den gesellschaftlichen Fragen:

Leider gilt auch hier, dass Greenwald allenfalls an der Oberfläche der Fragen kratzt, die diese Enthüllungen zweifelsohne aufgeworfen haben. Die Verknüpfung von Militär und Industrie sind schon seit Eisenhower bekannt, trotzdem hätte ich mich gefreut, gerade in diesem Kontext etwas mehr dazu zu lesen als das abgehangene Klischee der rotierenden Drehtür zwischen den beiden Bereichen. Auch vorsichtige Prognosen, die ja angesichts der aufgedeckten Pläne möglich sein sollten, fehlen weitgehend. Die Auseinandersetzung mit den weitreichenden Implikationen des rasanten technologischen Wandels wäre wahrscheinlich noch viel wichtiger gewesen und fehlt in diesem Buch auf geradezu schmerzhafte Weise...

Was bleibt zu sagen? Eigentlich hätte ich dem Buch eher drei Sterne gegeben - den vierten hat es dann aber doch bekommen, weil Greenwald im ersten Teil, in dem es um die Kontaktaufnahme mit Snowden geht, zeigt, dass er sein Kerngeschäft - Journalismus - doch beherrscht, und weil er im dritten Teil des Buches eine rasiermesserscharfe und hoch präzise, dabei zurecht vernichtende Kritik an der amerikanischen Medienlandschaft anbringt, die bereits für sich den Kauf des Buches rechtfertigt.

Um wirklich in das Thema einzusteigen, muss man wahrscheinlich tiefer in den Kaninchenbau schauen - an handfester Fachliteratur zu Programmierung kommt man wahrscheinlich bald nicht mehr vorbei. Wer dafür Zeit hat, wird sicher ganz schön was zu staunen bekommen... Ich persönlich hoffe darauf, in zehn Jahren Snowdens eigene Erklärung der Dinge in dem unvermeidlichen 2000-Seiten-Wälzer lesen zu können - auch wenn PRISM, XKEYSCORE etc. dann so brandaktuell wie ein c64 sein werden...
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