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Kundenrezension

26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Großartiges Thema plattgeklopft, 15. April 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der dunkle Thron: Historischer Roman (Waringham Saga) (Gebundene Ausgabe)
Der "kleinste gemeinsame Nenner" ist im übertragenen Sinne ein angestrebtes Tiefniveau in der Unterhaltung, das möglichst viele Leute ansprechen und doch niemanden überfordern soll. Bei diesem Roman bekam ich mehr und mehr den Eindruck, auch hier wurde nach dieser Vorgabe gearbeitet.
Die Zeit unter Henry VIII ist eine hochspannende Epoche, eine Zeit enormer Umwälzungen in der britischen Gesellschaft. Ich meine, wir reden hier nicht zuletzt vom Bruch mit der katholischen Kirche sprich dem Papst und allen sich daraus ergebenden Konsequenzen.
Was war damals eigentlich in der europäischen Geschichte passiert, dass nach Jahrhunderten der allgemeinen Akzeptanz religiöser Dogmen und Machtstrukturen die Reformbewegung begann? Darauf wird man in diesem Buch keine Antwort finden. Alles, was man erfährt ist, dass es die Reformer = Ketzer und die Katholiken = Papisten gibt. Und dass man sich gern gegenseitig angiftet, ohne dass diese Diskussionen aber jemals in die Tiefe gingen (hey, das soll hier ja nicht zum Denken anregen, sondern unterhalten!).

Henry VIII, einer der berühmtesten englischen Könige, wird auf einen kindischen, fresssüchtigen und sogar dümmlich wirkenden bösen Onkel reduziert, der immer mal wieder durch die Szene grummelt, aber den man nicht näher kennen lernt. Solch ein Mann hätte aber nicht sein Land so lange so erfolgreich regieren können. Man könnte nun einiges aus der Literatur heranziehen, dass zeigt, das Henry nur am Ende seines Lebens ein zerrütteter, kränklicher Wirrkopf war, die ganzen Jahre davor eine respekteinflößende Persönlichkeit mit scharfen Verstand und Charisma. Aber es ist eben wieder offensichtlich, dass die historische Person hier zweckdienlich trivialisiert wurde. Denn Henry ist hier der Bösewicht im Hintergrund. Mehr hat er sozusagen nicht zu tun.
Im Nachwort fällt es verwunderlich auf, dass die Autorin Henry radikal verurteilt, ohne auf seine Beweggründe einzugehen, zugleich aber seine Tochter Mary ebenso radikal verharmlost, bis hin zu der verblüffenden Feststellung: damals verbrannte man eben Leute. Das erklärt natürlich fast 300 solcher Hinrichtungen in Marys fünf Regierungsjahren im Vergleich zu ca. 80 in Henrys rund 40 Jahren...

So bleibt auch Marys Darstellung undifferenziert. Alles, was sie tut und sagt, wird durch den Protagonisten Nick of Waringham akzeptiert, oft sogar bewundert. Anders als seinen Vorgängern unter den Waringhams, allen voran dem oft unschlüssigen Julian, gehen ihm eigentlich nur wenige Gedanken über richtig und falsch durch den Kopf. Oder wieder einfach gesagt: er glaubt schon, dass er richtig denkt. Er hinterfragt dies jedoch nie.

Auch dann nicht, wenn Nick seinen moralischen Ansprüche, die er ständig und mit einiger Penetranz an andere stellt (vor allem natürlich an den König) selbst nicht erfüllt. "Hochmütig und selbstgefällig" nennt ihn seine Stiefmutter, die als ein durch und durch bösartiger, geradezu unmenschlicher Charakter dargestellt wird. Nur leider - die Frau hat damit Recht. Nick ist egoistisch, verblendet und halsstarrig in seinen Ansichten. Er hat einen Dünkel, der früheren Waringhams peinlich gewesen wäre. Zudem wird er sogar von der Autorin selbst wiederholt als launisch beschrieben (was auch zutrifft). Jetzt wäre die Konsequenz, andere Figuren entsprechend auf ihn reagieren zu lassen, was bei ihm vielleicht auch mal zur Reflexion führen könnte.
Aber das geschieht nicht. Wie die anderen Waringhams darf Nick den Helden spielen, wird als "aufrechter Mensch" verkauft.

Auch nimmt sich Nick gegenüber Höhergestellten und sogar dem König mitunter verbal Dinge heraus, die ihn in einem realistischeren Roman konsequent in den Tower gebracht hätten.
Der König darf sich beispielsweise nach Nicks Meinung nicht scheiden lassen, weil er in eine andere Frau verliebt ist und auch einen Erben braucht. Nick darf das aber schon. Zudem darf Nick seine erste Frau auch abfällig behandeln und ihr nach Belieben zeigen, dass sie in seinen Augen nur dummer Pöbel ist, dem er seine Abscheu zeigen und zugleich ihre Liebesdienste in Anspruch nehmen darf.
Wenn Nick könnte, würde er sie sicher auch gern enthaupten lassen, aber er ist eben nicht König. Vielleicht nimmt er auch das Henry so übel. Denn Nicks wiederkehrende Hass- und Mordgedanken gegen seine Stiefmutter sind moralisch nicht besser als Henrys tatsächliche Hinrichtungen. Übel stößt es auch auf, dass Nick mit wirklich gehässigem Sadismus Freude empfindet, wenn Menschen, die ihm tatsächlich Schlechtes getan haben oder die er einfach nicht mag, grausam hingerichtet werden. Da fällt schon mal eine Äußerung wie, dass Nick es schadet findet, dass jemand nur enthauptet und nicht als Verräter ausgeweidet und gevierteilt wurde. Der harmlosen Katherine Howard wünscht er ein stumpfes Beil und einen unfähigen Henker.

Das ist alles so seltsam gemacht, dass ich mich immer noch frage, ob die Autorin da zu subtil vorgegangen ist (glaube ich aber eher nicht), oder ob ihr dieser Widerspruch zwischen Nicks Verhalten und seinem so positiven Selbstbild, das durch die personale Erzählhaltung, die sich fast immer auf seine Sicht bezieht, geschaffen wird, nicht aufgefallen ist.

Insgesamt geht der Roman erschütternd salopp mit den vielen dramatischen und tragischen Ereignissen um. Mir bleibt eine Szene in Erinnerung, in der sich Nick und ein paar andere erst über die neuesten Hinrichtungen unterhalten und im nächsten Satz Witze reißen. Sollte das "comic relief" sein? Ich weiß es nicht.

Schließlich entstand bei mir das Gefühl, dass die Autorin diesmal mit den historischen Ereignissen schlicht überfordert war, denn was zu dieser Zeit geschah, war einfach zu viel und zu komplex für einen Unterhaltungsroman, der sich um einen fanatischen Anhänger Marys dreht, aber in den Hintergründen nicht zu schwierig werden darf.
"Gablé" hatte vorher Bedenken gehabt, ob sie die Tudor-Zeit in einem ähnlichen Stil wie die alten Waringham-Bände behandeln könne. Zu Recht, wie man sieht.

Vermutlich gibt es deshalb auch so viele Schmöker, die im MA spielen: die Zeit lässt frei erfundene Abenteuergeschichten besser zu als die akribisch dokumentierte Neuzeit.
So bleibt am Ende von "Der dunkle Thron" doch wieder nur der Eindruck, dass Henry VII, der "dicke König mit den vielen Frauen" war. Außer seiner ersten bleiben auch diese blasse Figuren, bzw. erfüllen die eh schon bekannten Klischees, wie Anne Boleyn als gemeine Hexe.

Wer auf der Suche nach guten Büchern über die Tudorzeit bzw. Romanen zur Zeit von Henry VIII ist, würde ich eher die Reihe von C.J. Sansom empfehlen.
Während der große Aufstand des englischen Nordens hier nur in ein paar Sätzen erwähnt wird, beschreibt Sansom spannend die Situation in York in Der Anwalt des Königs. Während Nick auf seiner Pferdezucht in Waringham sitzt, weil er schmollt und dem König keinen Kriegsdienst leisten möchte (oder weil dies mehr Recherche erfordert hätte), erlebt man bei Sansom in Der Pfeil der Rache den Untergang der Mary Rose.

PS: Die Rezension ist viel gemäßigter ausgefallen, als hätte ich sie direkt nach dem Lesen geschrieben. Meine erste Reaktion auf diese Banalisierung bzw. Trivialisierung des Tudor-Stoffs war schon eine gewisse Verärgerung.
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 06.12.2012, 17:26:58 GMT+1
w.son meint:
heinrich und seine mittäter waren auslöser einer der schlimmsten menschenverfolgungen in der geschichte, die jahrzente andauerte und tausende abgeschlachtete todesopfer forderte - was plappern sie da von nur 80 hinrichtungen!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.12.2012, 17:32:19 GMT+1
Zuletzt vom Autor geändert am 08.12.2012, 17:33:45 GMT+1
Anna meint:
Zitat aus der Rezension:
"Im Nachwort fällt es verwunderlich auf, dass die Autorin Henry radikal verurteilt, ohne auf seine Beweggründe einzugehen, zugleich aber seine Tochter Mary ebenso radikal verharmlost, bis hin zu der verblüffenden Feststellung: damals verbrannte man eben Leute. Das erklärt natürlich fast 300 solcher Hinrichtungen in Marys fünf Regierungsjahren im Vergleich zu ca. 80 in Henrys rund 40 Jahren."

Ich plappere das nach, was Frau "Gablé" im Nachwort geplappert hat. Danke der höflichen Nachfrage, woher ich die Angaben habe, da habe ich doch gern weiter geholfen, wenn man so nett angesprochen wird.
Vielleicht haben Sie ja auch eine Quelle für "tausende abgeschlachtete Todesopfer" oder wollten Sie nur etwas pöbeln?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.03.2014, 18:06:18 GMT+2
Lily 52 meint:
Während der Regierungszeit Heinrich VIII, die immerhin fast vierzig Jahre dauerte waren nur achtzig Todesopfer zu beklagen, wobei die meisten wegen Verrats auf dem Schafott landeten. Siene Tochter Mary, die als Maria I den Thron bestieg waren es um die dreihundert Seelen, die sterben mussten, die meisten der dreihundert wurden getötet, weil sie ihren Glauben behalten wollten ( anglikanisch ) was Mary nicht passte, daher bekam sie dan auch von ihrem Volk den "netten" Namen Bloody Mary.

Veröffentlicht am 05.06.2015, 19:11:04 GMT+2
Pauline meint:
Bei ''Anna und Otto'' möchte ich mich für diese Rezension herzlich bedanken! - Ich war nach der Lektüre des Buches so verärgert, daß ich, hätte ich eine Rezension zu schreiben versucht, vermutlich ''Gift und Galle'' gespuckt hätte - und das wollte ich nicht!

Leuten, die sich für die Zeit des ''Dunklen Throns" interessieren, möchte ich Charlotte Lyne, ''Die Zwölfte Nacht'' als Lektüre empfehlen!
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