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Kundenrezension

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Sie sind perfekt für den Job.", 21. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Love Crime (DVD)
- leichte SPOILER-
Ich tue mich etwas schwer damit, die Begeisterung, die manche diesem Film entgegenbringen, zu teilen. Anscheinend hatte der letzte Film von Alain Corneau ("Wahl der Waffen") nach den Festivals in Berlin und Hamburg keinen regulären Filmverleih. Tatsächlich beginnt der Film furios als mörderischer Zickenkrieg, lässt mich in der zweiten, vollkommen überkonstruierten und für mich nicht mehr überraschenden zweiten Hälfte aber ziemlich kalt.

Zur Handlung: Bei einer Arbeitsbesprechung im Haus der Managerin Christine (Kristin Scott Thomas) bereiten diese und ihre Mitarbeiterin Isabelle Guerin (Ludivine Sagnier) einen Geschäftstermin in Kairo vor. Christine schwärmt von ihrer Teamarbeit. Am nächsten Tag lässt sie Isabelle sogar alleine nach Kairo reisen. Nach erfolgreichem Geschäftsabschluss lässt diese sich sogar mit Christines Liebhaber Philippe (Patrick Mille) ein. Zurück in Paris erkennt Isabelle, dass Christine ihre erfolgreichen Ideen als ihre eigenen ausgibt, um nach New York befördert zu werden. Der loyale Mitarbeiter Daniel (Guillaume Marquet) [1] ermutigt Isabelle, in ihrem eigenen Namen Ideen gegenüber ihren Vorgesetzten zu entwickeln. Christine fühlt sich ausgebootet und beginnt Isabelle auf übelste Weise zu schikanieren, wobei auch Philipp eine zweifelhafte Rolle zu spielen beginnt.
Mitten im Film geschieht ein recht blutiger Mord. Der Zuschauer sieht, wer dafür verantwortlich ist. Es ist ja auch nichts dagegen einzuwenden, der Wissensvorsprung erhöht im Idealfall die Spannung. Der Mensch versucht, mit einem perfekten Mord selbst ungeschoren davon zu kommen. Um jeglichen Zweifel an der eigenen Unschuld zu zerstreuen, werden zunächst Indizien geschaffen, die auf die eigene Täterschaft hindeuten, um sie später mit anderen, ebenfalls gefälschten Indizien zu widerlegen [2]. Klingt clever, funktioniert allerdings nur, wenn man in früher Jugend nicht mehr Agatha Christies gelesen hat als es für die literarische Bildung notwendig gewesen wäre. Ich möchte mich nicht aufplustern und sagen, ich hätte alles vorher gewusst, aber wer Der Tod auf dem Nil gelesen hat, wird sich hier etwas verwundert an den Kopf fassen. In diesem Christie-Roman schreibt eine Mörderin mit dem Blut einer Toten ihren eigenen Namen, damit eben jemand den Eindruck hat, ein anderer Täter wolle sie in Misskredit bringen, um damit ihre Unschuld zu "beweisen" (ah, man denke nur an das verächtliche Lachen von Hercule Poirot bei diesem "Indiz"). Hier geht die Polizei wirklich davon aus, dass das Mordopfer kurz vor dem Tod den Finger ins eigene Blut getaucht habe, um den Namen des Täters oder der Täterin zu notieren. So blöd soll die französische Polizei sein? Wenn mir so etwas passierte (hoffentlich nicht!), würde ich mir die Seele aus dem Leib schreien statt wie Faust das eigene Blut als Tinte zu verwenden.

Da die Vorbereitung auf den perfekten Mord schon recht früh einsetzt, überraschte mich die zweite Hälfte des Films nicht mehr. Der aufmerksame Betrachter sammelt die Informationen, zuckt einmal zusammen, als ein Fehler passiert [3] und wundert sich schließlich nicht über einen Mitwisser. Kluge Thriller lösen das Geheimnis durch den "Zufall" (falls es so etwas gibt), ich denke da an das wunderbar makabere Ende von Nur die Sonne war Zeuge, das zwar der Vorlage von Highsmith widerspricht, aber ganz eigene, filmische Qualitäten hat. Im Roman selbst ging es grimmiger zu, so dass Tom Ripley einen geliebten Mitwisser töten musste, um ungeschoren davon zu kommen. Ob Täter und Mitwisser in diesem Film ein ähnliches Schicksal verbinden wird, ist sicherlich noch eine der interessantesten Fragen. Die Konstruktion gerät teilweise ermüdend und nicht immer überzeugend. Natürlich muss ein verdächtiger Mensch an bestimmten Punkten maßlos übertreiben, damit er in Erinnerung bleibt (bei jeder Nervensäge werde ich Zukunft daran denken, ob sie ein Alibi für irgendetwas braucht). Schwächeanfälle zu simulieren, ist nun auch überschaubar anspruchsvoll. Einem Freund, der sich vor einer Reserveübung der Bundeswehr drücken wollte, gelang das so überzeugend, dass er gegen seinen Willen einen Tag zur Beobachtung im Krankenhaus verbringen musste.

Empathie oder Interesse kommen leider viel zu kurz, da die Charakterisierung der beiden Frauen doch recht oberflächlich ist. Die Anfangszene ist noch recht vielversprechend, als Christine an Isabelle schnuppert und fragt, welches Parfüm sie benutze, das erinnerte mich an die Szene zwischen Maggie und Brick in "Die Katze auf dem heißen Blechdach", als erstere verzweifelt versucht, ihren Ehemann zu verführen. Ja, wie ist die Beziehung der beiden zueinander? Zunächst scheint Christine Mentorin für die spröde Isabelle spielen zu wollen. Die Ausbeutung ihrer Kreativität erinnert an Die Waffen der Frauen (sogar das Motiv des abspenstigen Liebhabers findet sich dort), nur dass hier keine Komödie, sondern ein Thriller entstehen soll. Folgerichtig hätte Isabelle durch ihre Kündigung Christine effektiver treffen können als durch den Zickenkrieg. Der kreative Aderlass wäre verheerend genug gewesen. Eine imaginäre Drohung Christines, Isabelles Karriere zu ruinieren stand nicht im Raum.
Isabelle wird lediglich mehrmals in ihrer teuer ausgestatteten, aber sterilen Wohnung gezeigt. Es ist fast bemitleidenswert, wie sie gleich nach dem Frühstück das Geschirr wäscht, damit der Raum besonders unbewohnt wirkt. Die Frau hat ein Problem und fast wäre der Zuschauer bereit, ihr zu glauben, wenn sie sich mit ihrer älteren Schwester (Marie Guillard) ausspricht. Doch gleich wird diese in ihre finsteren Pläne eingespannt und die vormalige Aufrichtigkeit scheint fragwürdig. Insgesamt ist der Film so kalt wie die Gefühle der beiden Hauptdarstellerinnen. Dass "Liebesbeziehungen" nach rein ökonomischen Gesichtspunkten (lediglich eigener Lustgewinn, Erklimmen der Karriereleiter usw.) eingegangen werden, ergibt sich fast von selbst, nur wirkt die Darstellung von Lust in diesem Kontext eher unfreiwillig komisch. Die Geschäftsbesprechung als "Vorspiel", das umständliche Hantieren am engen Businesskostüm als unerotische Lachnummer.

Eines der Highlights des Films ist die Darstellung Kristin Scott Thomas`, die auch als fiese Chefin vollkommen überzeugt, wenngleich ich bei "Vier Hochzeiten und ein Todsfall" nie verstanden habe, warum sich Hugh Grant für Andie MacDowell statt für sie entschieden hatte. Verglichen mit ihrer Darstellung in Swimming Pool erscheint Ludivine Sagnier hier etwas weniger mysteriös. Werkimmanent könnte ich behaupten, dass Patrick Mille als Jammerlappen gut besetzt ist [4], allerdings sollte zumindest am Anfang der Eindruck entstehen, dass sich Isabelle ernsthaft in ihn hätte verlieben können. Fast könnte der Eindruck entstehen, Corneau versuche der These "Dumm f.... gut" Nahrung zu verschaffen.
Der Film kommt lange Zeit ohne Musik aus, nervt aber in der zweiten Hälfte mit einem Knödelsaxophon. Musste das sein?
In manchen Szenen sieht Ludivine Sagnier etwas wie die junge Nancy Allen aus. Ein Grund für de Palma, ein Remake zu drehen? Leider lief jener Film zu schnell durch die Kinos. Angesichts der eher rauschhaften Inszenierung de Palmas hoffe ich, dass er sich dem Fehler widersetzt, den Blick des Insektenforschers einzunehmen. Selbst tendenziell etwas enttäuschende Filme waren immer virtuos in Szenen gesetzt und mit einen unglaublichen Filmscore bereichert, so dass ich als Fan hoffe, dass er den Stoff besser in den Griff bekommen hat.
Die DVD verfügt über optionale deutsche Untertitel, den deutschen Trailer, ein paar andere Werbetrailer und ein Wendecover.

Fazit: Starker Anfang, blasse Charakterzeichnung. Ab Filmminute 48 war für mich der Film leider vollkommen spannungsfrei. Knapp drei Sterne (vor allem wegen der immer wieder herausragenden Kristin Scott Thomas).

Stärkere SPOILER in den Anmerkungen
[1] Es lohnt, diese Figur im Auge zu behalten.
[2] Absurdestes Indiz für die Unschuld: Verdächtige/r X kann sagen, was in einem Film vorkommt, der im Kino lief: Soll das beweisen, dass jemand zu einer bestimmten Zeit im Kino war? Also ich könnte auch mehrere Filme aus dem Gedächtnis wiedergeben, die ich irgendwann mal im Kino gesehen habe.
[3] Wer erfolgreich den Konsum von Psychopharmaka simuliert, sollte nicht ein Placebo vergessen, das ein aufmerksamer Mitarbeiter analysieren lässt.
[4] Phillip kokst nicht nur, sondern hat auch noch Geld unterschlagen. Und er wundert sich, dass seine Karriere den Berg runter zu gehen droht? Peter-Pan-Prinzip?
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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 22.05.2013 13:54:11 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.05.2013 13:56:56 GMT+02:00
Berlinoise meint:
Ah, schön, daß Du den Filter doch noch überlisten konntest ;-)
Schade, daß der Film trotz der beiden von mir geschätzten Damen offenbar eher mittelmäßig ist (auch die anderen Rezensenten sprechen trotz teilweise höherer Besternung ja fast unisono von einem Abfall in der zweiten Hälfte), da muss ich mir wohl schleunigst selber mal ein Bild machen.
LG, T

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.05.2013 17:54:33 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.05.2013 17:54:44 GMT+02:00
christine meint:
Tja, ein anders gesetzter Punkt oder dergleichen bewirkt manchmal Wunder, Danke für den Tipp, ;-).
So richtig schlecht fand ich den Film gar nicht. Es war nur schade, dass anscheinend der Drehbuchautor allzu selbstverliebt gegenüber seinem Plot war. Ein guter Thriller gibt Einblicke in die Personen und vielleicht wird nebenbei noch ein Verbrechen gelöst. Hier sind die Inhalte ganz anders gewichtet. Jetzt bin ich noch gespannter auf den de Palma und werde mal wieder ein paar seiner älteren Filme herauskramen.
LG, Christine

Veröffentlicht am 26.01.2014 12:54:57 GMT+01:00
L. Raphael meint:
Selten so eine treffende Rezension gelesen. Ich bin mit Ihnen 100% einig.

Veröffentlicht am 10.02.2015 16:46:39 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.02.2015 16:55:34 GMT+01:00
Hallo Christine,
etwas zuviel gespoilert, aber die Beurteilung ist zutreffend: nach der 1.Hälfte war die Luft raus.
Und auch die Beurteilung von Kristin Scott Thomas teile ich. Wie sie eine eiskalte Karrierefrau spielt, die gegenüber Ludivine Saginer die warmherzige dankbare und von Teamwork sprechende Chefin mimt, wie das aus ihrem Minenspiel rübergebracht wird, das ist großartig. Nebenbei: wer im Todeskampf noch den Namen des Mörders mit dem eigenen Blut schreibt, hätte nicht so sauber und vor allem nicht quer, sondern eher parallel zur Lage seines Körpers geschrieben. Außerdem hätte sie sich zum Schreiben auf die Seite drehen müssen und wäre nicht in entspannter Rückenlage gestorben.
Tolle Rezension.
Gruß Doc Halliday

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.02.2015 21:55:09 GMT+01:00
christine meint:
Danke, J.A. Hallbauer ;Doc Halliday (spreche ich mit einer oder zwei Personen ;-)?),
ich hoffe die Spoiler-Hinweise waren ausreichend. Es wäre unglaublich schwierig, meine Kritik zu formulieren, ohne es an der Handlung festzumachen. Obwohl mich der Film etwas enttäuscht hat, werde ich ihn mir sicherlich irgendwann noch einmal vornehmen, weil Scott Thomas einfach toll ist (dazu muss man ja nicht den ganzen Film ansehen, höhö). De Palmas Remake hat ja versucht, daraus einen Whodunit zu machen, was auch nicht so richtig geklappt hat. Die Finger-im-Blut-Szene ist natürlich das "I-Tüpfelchen", so absurd, dass es fast schon wieder gut ist, aber auch nur fast.
Weiterhin schöne Filmeindrücke wünscht
Christine

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.02.2015 16:04:01 GMT+01:00
Hallo Christine,
eine Person, Doc Halliday ist mein Spitzname in der Klinik.
Die ersten 45 Minuten sind wegen Scott Thomas wirklich sehenswert, auch die Handlung bis dahin.
Kristin fand ich bisher immer sehenswert.
Einen tollen Filmeindruck hatte ich gestern bei "Mein erstes Wunder". Der Film ist bewegend, und die 11jährige Henriette Confurius spielt sensationell.
Gruß
Doc Halliday
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