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Kundenrezension

137 von 175 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großes Buch, ein sehr guter Film, 25. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Medicus (DVD)
Eine Bemerkung vorab: Dieser Besprechung liegt der Kinobesuch zugrunde; die DVD erscheint erst ein Jahr später, ich werde sie mir aber mit Sicherheit kaufen! In der Zwischenzeit kann die Besprechung vielleicht als Anregung für einen Kinobesuch wirken. Ohne entsprechende große Kinofilme könnte Amazon auch keine DVD 's verkaufen! Und noch eine Vorbemerkung: Für das Buch gibt hier es mehrere hundert Besprechungen, die auch auf den Inhalt eingehen, insoweit sei hier auf die Kurzbeschreibung verwiesen. Die vielen Millionen, die das Buch gelesen haben werden noch nicht einmal diese benötigen.

Wenn ein großer und sehr erfolgreicher Roman verfilmt wird, dann hört man als Reaktion immer: „Das Buch ist besser gewesen“. Für die Verfilmung des „Medicus“ gilt dies nicht: Der Film ist etwas anderes, und zum Teil ist er sogar besser als die Romanvorlage. Letzteres deshalb, weil der bei einer Verfilmung immer gegebene Zwang zur Verkürzung und Dramatisierung hier dazu führt, dass einige historische Fehler der Romanvorlage mit weggekürzt worden sind. Das fängt gleich im ersten Teil des Films an, dem Leben des jungen Waisen Rob Cole im England kurz nach der ersten Jahrtausendwende. Der Roman schildert zwar auch ein hartes Leben, aber immerhin sorgt ein blühendes Zunftwesen (im Jahr 1020!) zumindest für ein ganz kleines Mindestmaß an sozialer Sicherung. Ein solches Zunftwesen gab es damals nicht. Der Film zeigt das elende Leben der einfachen, armen Bevölkerung mit aller Härte. Wenn ich das Buch erneut, dann zum dritten Mal, lese, werde ich diese Bilder im Kopf haben.

Natürlich ist die Verkürzung nicht immer gut: Für den ganzen Film gilt, dass die gigantische Willensanstrengung des Titelhelden, der sich immerhin in die jüdische Lebensweise einleben muss und auch noch Fremdsprachen wie arabisch zu lernen hat, überhaupt nicht rüber kommt. Schon bei seinem Bader in England war es für ihn (im Buch) eine Frage des Überlebens, mit möglichst vielen Bällen jonglieren zu lernen, im Film ist auch die Schaustellerei des Baders nur eine Randnotiz. Richtig schade habe ich einen, den wohl größten Schnitt gefunden. Die ganze Reise durch das mittelalterliche Europa, vom (heutigen) Frankreich auf dem Festlandweg über Byzanz und das Osmanische Reich bis nach Isfahan ist weitestgehend weggefallen. Das hätte tolle Bilder gegeben. Allerdings wäre der Film dann mindestens eine Stunde länger geworden, etwa so lange wie „Vom Winde verweht“, und das machen die Kinos heute wohl nicht mehr mit. Die ARD, die ja Mit-Produzent ist, hätte allerdings eine Mini-Serie draus machen können, 4 Folgen zu je eineinhalb Stunden; es wäre nicht das erste Mal, dass man von einem Kinofilm eine wesentlich längere TV-Fassung produziert. Herr Stölzl, Herr Hofmann, noch leben alle Schauspieler und sind nicht wesentlich gealtert, könnte man nicht ein paar Stunden nachdrehen? Zumal Tom Payne als Titelheld eine echte Entdeckung ist. Das gute an dem Schnitt: die grotesken historischen Fehler von Noah Gordon hinsichtlich der politischen Situation in Mitteleuropa sind so gleich mit weggefallen. Der Grenzübertritt vom schönen Frankreich ins finstere und gefährliche Deutschland, das es damals noch gar nicht gab; und das Ganze auch noch bei Straßburg, einer rein französischen Stadt? Man kann sich ja mal irren, aber gleich um mehr als ein halbes Jahrtausend?

Leider fehlt im Film damit auch die Schilderung des faszinierenden jüdischen Netzwerkes, von Europa bis zu Orient, mittels dessen Rob Cole sich bis nach Isfahan zu dem berühmte Ibn Sina durchschlagen kann. Er muss sich ja als Jude ausgeben, da er als Christ in den islamischen Staaten nie geduldet worden wäre. Allerdings auch hier eine positive Seite: Dadurch, dass Rob im Hafen von Dover das Schiff besteigt und in der nächsten Szene im Orient, in Ägypten wohl, wieder aussteigt wird der Kontrast zwischen dem damals zurückgebliebenen Europa und dem damals blühenden Orient um so deutlicher. Der unbändige Drang von Rob, dort lernen zu wollen, wird so umso verständlicher.

Bei der Schilderung von Isfahan im Film fängt dann richtig großes Historienkino an. Der Schah, wie im Roman ein halb aufgeklärter Tyrann, wird hervorragend von Oliver Martinez dargestellt: genauso habe ich ihn mir nach der Lektüre des Buches vorgestellt. Ben Kingsley wird auch in anderen Besprechungen als Idealbesetzung dargestellt, dem kann ich beipflichten. Mit der Figur der Rebecca (Emma Rigby) ist das so eine Sache: Der Roman ist in sexueller Hinsicht sehr freizügig; der Film ist auf eine FSK-Freigabe ab 6 Jahren getrimmt. Da Rebecca auch noch mehr Objekt als Handelnde ist bleibt sie relativ blass. – Dafür überzeugen großartige, monumentale Aufnahmen der Landschaft und der mittelalterlichen Stadt Isfahan (gedreht in Marokko), und auch der Schrecken einer mittelalterlichen Pest-Epidemie vermittelt sich dem Zuschauer eindringlich.

Nach Intrigen und der Eroberung von Isfahan durch die Seldschuken kehrt Rob als ausgebildeter Medicus nach England zurück. Warum tut der Drehbuchautor dem gelungenen Film ein solch abstruses Ende an: Der nach London zurückgekehrte Bader, der einst den jungen Waisen aufgenommen hatte, hat plötzlich keine Kunden mehr; er erfährt von einem Wunder-Medicus aus dem Orient namens Rob Cole, der ein Krankenhaus betreibt, wo selbst arme Bettler-Jungen stationär behandelt werden, mit Wunder-Medizin, in Betten mit weißen Laken, mit Musikberieselung. Und das im Jahr 1030 oder 1040 in London!!

Hat der Film auch eine Aussage? Oh ja, und sie kommt m.E. wesentlich deutlicher rüber als in dem 850-Seiten-Roman. Der Feind allen Wissens ist der Aberglaube, und wo die Grenze zwischen Religion und Glaube einerseits und Aberglaube andererseits ist, das ist so eine Sache. Schon der junge Rob Cole, der gerne wissen möchte, wie es im menschlichen Inneren aussieht, um besser helfen zu können, wird von seinem entsetzten Bader belehrt, dass allein schon der Wunsch dazu führen könnte, dass ihn seine christlichen Mitmenschen bei lebendigem Leibe auf dem Scheiterhaufen zu Tode rösten. Und seine (bescheidene) Heilkunst darf auch nicht zu erfolgreich sein, sonst setzt er sich dem Vorwurf der Zauberei aus. Bedrohlich tauchen im Film denn auch einige Herren mit Mönchskutte und Tonsur auf. – Richtig ernst wird es in Isfahan, wo konservative Mullahs den Schah stürzen wollen, und natürlich auch dem sündigen Universitätsklinikum von Ibn Sina den Garaus machen wollen. Einige Szenen des Films könnte man in der Tagesschau als Zwischenschnitt einfügen, so aktuell wirken sie. Auch die Juden bekommen ihr Fett weg, als sie die schöne Rebecca wegen Ehebruch zu Tode steinigen wollen. Obwohl ihr Ehemann sie durch Handelsgeschäft doch rechtmäßig käuflich erworben hat. So gesehen ist der Film auch ein Aufruf zu Menschlichkeit und Rationalität, und gegen Intoleranz und Fundamentalismus, gleich durch welche Art von Religion, soweit deren Credo heißt: “Du sollst nicht erkennen“. Essen vom Baum der Erkenntnis als Ursünde, die zur Vertreibung aus dem Paradies geführt hat, dieser Film sieht das etwas anders.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 30.12.2013, 15:57:49 GMT+1
Zuletzt vom Autor geändert am 30.12.2013, 15:58:23 GMT+1
Setanta meint:
Zunächst einmal einen anerkennenden Dank für die ausführliche Kritik zu der gerade angelaufenen Verfilmung des "Medicus". Trotz vielfacher Zustimmung erlaube ich mir zu einigen Passagen eine gegenteilige Ansicht zu formulieren:

<<Einige Szenen des Films könnte man in der Tagesschau als Zwischenschnitt einfügen, so aktuell wirken sie.>>

Exakt dies ist auch der Grund, warum diese Handlungsänderungen vorgenommen wurden: Moderne Zusammenhänge und Ansichten werden auf eine Folie projiziert. Diese Folie hat zwar einen historischen Bezug, doch werden moderne Konflikte in Zeiten versetzt, wo sie im Grunde wenig bis gar nichts zu suchen haben. Und auch wenn die Buchvorlage ihrerseits Anachronismen enthält (das auch von Ihnen genannte "französische" Straßburg oder normannische Namen fast ein halbes Jahrhundert vor der normannischen Eroberung Englands), es wurde zumindest der Versuch unternommen, die Protagonisten der Geschichte wie Menschen ihrer Zeit denken, fühlen und handeln zu lassen.

<<Die ganze Reise durch das mittelalterliche Europa, vom (heutigen) Frankreich auf dem Festlandweg über Byzanz und das Osmanische Reich bis nach Isfahan ist weitestgehend weggefallen.>>

Hier hat sich leider ein Fehler eingeschlichen: Ein osmanisches Reich gibt es im 11. Jahrhundert noch nicht, eben jener Zeit, in der die Seldschuken große Teile des vorderen Orients eroberten. Doch zum Zeitpunkt der Handlung von Buch und Film ist Kleinasien noch byzantinisch; der Verlust der dortigen Provinzen nach der Schlacht von Mantzikert fand erst einige Jahrzehnte nach dem Handlungszeitraum statt.

Leider hat der Film auch eine Schwäche vieler "Monumentalwerke": Handlung findet fast ausschließlich rings um den oder die Hauptprotagonisten statt oder wird von diesem(n) initiiert. Auch hier: Rob wird von Avicenna, bzw. Ibn Sina, mehr oder weniger aus einer Laune heraus als Student angenommen. In Kürze überwindet er eben diesen Meister, dessen Gelehrsamkeit sich zuvor selbst bis ins entlegene England durchgesprochen hatte. Er ist es, der bei der Pestbekämpfung den richtigen Zusammenhang erkennt (es wäre schön gewesen, wenn dies tatsächlich der Fall gewesen wäre. In den großen Pestepedemien späterer Zeiten hat man von Robs Kenntnissen wohl nichts mehr gewusst ...), er ist es, der den Schah (eigentlich ein kakuyidischer Emir, aber wer kann damit etwas anfangen?) erfolgreich operiert. Rob bleibt tatkräftig, rettet die Juden Isfahans und setzt Ibn Sinas Forschungen fort, als dieser den Ausweg im Selbstmord sucht. Und selbstverständlich gewinnt er auch seine Geliebte für sich: "He, who saves the day, gets the girl!"

Damit steht Rob Cole, so wie ihn der Film präsentiert, in einer literarischen und auch filmischen Tradition: Der tatkräftige Mensch aus dem westlichen Kulturkreis, der im Orient die Einheimischen übertrifft. (Ein weiteres Beispiel: "Hidalgo" mit Viggo Mortensen.) Hier zeigt das Buch aus meiner Sicht einen größeren Respekt vor einem anderen Kulturkreis als der Film.

Die Schauwerte des Films sind beträchtlich, er ist visuell beeindruckend und viele Rollen sind gut bis sehr gut besetzt. Doch die Einschätzung, er übertreffe die literarische Vorlage, kann ich unter anderem aus den genannten Gründen so nicht annehmen. Dennoch schließe ich mich gern der Empfehlung an, sich den Film anzusehen. Ergänzen würde ich dies um die Anregung, nach all den Jahren, in denen es wahrscheinlich inzwischen seinen Platz im Regal gefunden hat, auch das Buch wieder einmal zur Hand zu nehmen.

Ein herzlicher Gruß,
Setanta
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