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Kundenrezension

am 20. Februar 2013
Es ist fast 80 Jahre her, dass Stefan Zweig in einem Essay "Die Monotonisierung der Welt" beklagte: "Alles wird gleichförmiger in den äußeren Lebensformen, alles nivelliert sich auf ein einheitliches kulturelles Schema. Die individuellen Gebräuche der Völker schleifen sich ab.[...] Immer mehr scheinen die Länder gleichsam ineinandergeschoben, die Menschen nach einem Schema tätig und lebendig, immer mehr die Städte einander ähnlich." Dieses "Ineinanderschieben der Kulturen" dechiffrierte Zweig an der Mode, dem Tanz, dem Kino und stellte fest, dass Erfindungen wie das Kino und das Radio "nur einen Sinn haben: Gleichzeitigkeit." Dieser Essay, der sich aus heutiger Sicht beklemmend hellsichtig liest, hatte nicht annähernd den Erfolg, den Stefan Zweig mit seinen Erzählungen und Künstlerbiographien erzielte. Offenbar lassen wir Menschen uns nur höchst ungern nachsagen, dass wir immer uniformer werden.
Das erklärt auch zu einem großen Teil die gereizten Reaktionen auf Schirrmachers neues Buch. Denn 78 Jahre nach Stefan Zweigs Diagnose spürt hier wieder ein Autor einer Uniformierung des Denkens und Fühlens nach, die für jeden, der nicht mit Balken vor den Augen durchs Leben läuft, sichtbar ist: Die Menschen richten sich auf Erfolg um jeden Preis ab, sie organisieren ihr Leben mehr und mehr nach ökonomischen Gesichtspunkten und versuchen sich psychisch und physisch zu optimieren, oder wie es gleich der erste Satz provokativ darlegt: "Wir sind alle wahnsinnig unkompliziert geworden." Spüren muss es eigentlich jeder, aber die Gründe dafür zu finden ist schwer.
Ein großes Verdienst dieses Buches ist es, dass sein Autor sich der Mühe unterzogen hat, die ganze amerikanische Wirtschaftsliteratur (etwa "Überfluss", die 'Bibel' der Silicon-Vallaey-Macher) , die - mit teilweise staunenswerter Offenheit - die Nivellierungsrezepte der neuen Ökonomie ausplaudert, gesichtet und ausgewertet hat. Genau für diese Arbeit scheint sich ein großer Teil der deutschen Intelligenz in den letzen zwei Jahrzehnten zu schade gewesen zu sein, sonst hätte man es eher merken müssen, was auf uns zukommt: zum Beispiel Googles neueste Erfindung, die Datenbrille Google Glass, "die Apps anziehen wird, die die Authentizität des Lächelns und die Botschaft der Körpersprache entziffern" (S. 253). Es ist daher nachvollziehbar, dass für für den Autor von "Ego" der literarische Urtext für unsere Zeit Huxelys "Brave New World" und nicht Orwells "1984" ist. Die Beweise, die Schirrmacher für seine grundlegende These, dass Denkmodelle des Kalten Krieges auf amerikanischer Seite nach dem Zusammenbruch des realen Sozialismus auf die Finanzmärkte übertragen wurden und dabei in Computer-Algorithmen eingingen, wodurch sie besonders wirkmächtig wurden, sind erdrückend. (Zumal diese Kontinuität ja auch auf personeller Ebene aufgezeigt wird). Dabei kamen mit der Spieltheorie Denkmodelle zur Anwendung, die die Wirklichkeit, die sie zu beschreiben vorgaben, überhaupt erst schufen. Es wurde so sehr davon ausgegangen, dass der Mensch ausschließlich von Eigennutz getrieben wird, dass auch Menschen, die eigentlich eher auf Kooperation bedacht waren, schließlich von diesem Modell erfasst worden sind. Der Informationskapitalismus ist damit in "die Ära selbsterfüllender Prophezeiungen" eingetreten. Und die Staaten, die den sich immer mehr verselbständigen Finanzmärkten hilflos hinterhecheln, spielen nur noch Souveränität, wie hier an mehreren Beispielen demonstriert wird.
So beklemmend es ist, diesen Nivellierungsprozess nachzuvollziehen, dem wir alle unterworfen sind, so unterhaltsam, ja, man traut es sich kaum zu sagen: kurzweilig, ist die Lektüre auch; erstens wegen der vielen zündenden, prägnanten Formulierungen ("Man muss sich die Voltaires oder La Mettries, die Friedrich sich an seinen preußischen Hof holte, immer auch wie die McKinseys des 18. Jahrhunderts vorstellen", S. 120, !), zweitens, weil immer wieder interessante Nebenerkenntnisse, Anekdoten und Informationen zu verwandten Phänomen abfallen (etwa über das von der Industrie bewusst in die Produkte eingebaute vorzeitige Veralten oder über das Aufkommen der Automaten, von Diderot "Androiden", genannt, ab 1738; über einen hundert Jahre lang nicht bemerkten sachlichen Fehler in Defoes Robinson Crusoe-Roman; über das seltsame Revival von Vampiren und Alchemie in der gegenwärtigen Unterhaltungsindustrie).
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