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Kundenrezension

am 27. Oktober 2012
Auch wenn schon viele Rezensionen erschienen sind: die muss noch sein! So kann man das Buch nicht stehen lassen! Nach guten Fakten zu Beginn, einem entsetzlich polemischen Mittelteil und kurzem Re-Aufschwung zu ernüchternden Zahlen folgt dann ein blasses Kapitel, was zu tun wäre. Wer mag, kann ja gerne im Bioladen einkaufen, sich vegetarisch ernähren oder Elektroauto fahren. So lapidar werden mit einem einzigen Satz die Möglichkeiten des Einzelnen abgehandelt. Okay, die später beschriebenen Ideen, Verschmutzungszertifikate wegzukaufen und Bäume zu pflanzen, sind zumindest originell und zwingen vor allem nicht dazu, den eigenen verschwenderischen Lebensstil zu ändern.

Das ist ja auch nicht erwünscht. Ist ja alles kein Problem. Ich lerne: Papiertüten sind schlechter als Plastiktüten. Von Plastikmüll im Meer oder dem anregenden Buch "Plastikfreie Zone" hat der Autor natürlich noch nichts gehört. Die Ökolandwirtschaft kann die Welt nicht ernähren, wie gut sind da Dünger, Gentechnik und Technikeinsatz. Kein Wort natürlich von Erosion, Monokulturen, ausgelaugten Böden, Landraub in vielen Ländern durch Agrokonzerne, und der durchaus gegebenen Möglichkeit, mit ökologischem Anbau die Menschheit ernähren zu können. Allerdings sollte die - meine ich - wirklich nicht mehr allzu sehr wachsen!

Über die moralischen Öko-Verfechter wird gelästert - dabei aber selbst nicht vor billigem Schwarz-Weiß-Denken und dümmlichen Argumenten zurückgeschreckt. Da werden etwa schnell in einem Satz die Prognosen des Club of Rome ("Grenzen des Wachstums") zu "Unsinn" erklärt. Es waren keine Prognosen, sondern Modelle mit Wahrscheinlichkeiten, aber solche feinsinnige Differenzierung interessiert ihn nicht. Hat er jemals einen dieser Berichte gelesen, etwa das 30-Jahres-Update? Von etlichen renommierten Autoren und Wissenschaftlern wird die Grundtendenz dieser Warnungen bestätigt!

Natürlich gab es im Einzelnen schon viel Fehlalarme, und massenweise Geigerzähler nach Fukushima zu kaufen war hysterisch, da hat er mal Recht! Aber Politiker, die nach Tschernobyl Molke gefuttert haben oder uns Atomkraftwerke, Wiederaufbereitungsanlagen oder Endlager als harmlos verkauft haben, hat es auch gegeben! Apropos: weiß der Atomenergie-Verfechter Neubacher eigentlich, dass wegen Tschernobyl Pilze und Wild aus süddeutschen Wäldern immer noch gemieden werden sollten. Weiter verstrahlt!

Die Sorge vor zu Ende gehenden Ressourcen wird natürlich auch belächelt. Liest der Mann keine Zeitung, wenigstens seinen "Spiegel"? Seltene Erden, benötigt auch für Computer und Handys, Lithium, Kupfer, Öl, auch Uran (für die geliebten Atomkraftwerke), all das neigt sich dem Ende zu! 90 Millionen Barrel Öl werden täglich weltweit verbraucht - der Planet ist endlich. Aber der Menschheit wird ja was Neueres, Besseres einfallen, schreibt er wörtlich. Bis jetzt - tut mir leid - haben sich die Weiterentwicklungen erst als gut, dann aber zumeist als Verursacher neuer, noch komplizierterer Probleme erwiesen, siehe gerade fossile Energieträger!

Auch ich will nicht in die Höhle zurück (dass dieses Totschlagargument immer noch herhalten muss ...!), aber blindes Vertrauen auf technischen Fortschritt ist sicher auch keine Lösung. Förderung von Öl aus der Meerestiefe oder Herauspressen von Gas aus Schiefer ist nun wirklich keine segensreiche Weiterentwicklung, sondern Ausdruck eines energiesüchtigen Junkieverhaltens mit potenziell großen Umweltschäden (siehe Golf von Mexiko!).

In manchen Punkten gebe ich ihm Recht: Photovoltaik scheint - gemessen an den ökonomischen Kosten - eher uneffektiv zu sein, die Energiesparlampen sind allein schon wegen des Quecksilbergehaltes Unfug, hier eingespartes Kohlendioxid wird woanders verpustet, und Wasser sparen scheint in unseren Landen kontraproduktiv zu sein, da die Leitungen ausreichend gespült werden müssen (war mir neu, okay). Aber Laubblätterbläser könnten ruhig verboten werden, was er auf Seite 120 schon als Merkmal einer Ökodiktatur sehen würde.

Daher: es gab einige Punkte, die mich als alten Ökokämpfer angesprochen und nachdenklich gemacht haben, aber die verunglimpfenden Passagen (lieber Herr Neubacher: ich mag Trittin im Übrigen auch nicht!) haben die Gesamtbewertung dieses Buches leider doch ins Negative gezogen. Geben wir's doch zu: in dieser menschheitshistorisch und global einmaligen Ökokrisen-Ressourcenmangel-Situation hat keiner ein Patentrezept, wir stehen letztlich alle ratlos vor der Komplexität der Dinge und müssen es aushalten, den Dingen ihren Lauf lassen zu müssen.
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