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Kundenrezension

am 30. Juli 2010
Mit großem Vergnügen habe ich diese Inszenierung aus dem Jahre 2007 aus dem Opernhaus Zürich gesehen. Dennoch habe ich einige Reserven anzumelden.

Beginnen möchte ich aber mit dem absoluten Plus: Robert Carsens' Regiekonzept, erstmals 1996 mit großem Erfolg beim Festival in Aix en Provence gezeigt, später mehrmals - etwa 1999 oder 2004 in London - wiederaufgenommen. Es erzählt die Geschichte von Semele - der Sterblichen, die keinen Sterblichen heiraten will, sich dagegen unsterblich in den Gott Jupiter verliebt und sich danach sehnt, Göttin an seiner Seite zu sein - als durch und durch kleinbürgerliches ("menschliches") Beziehungsdrama im Britischen Königshaus. Das ist ebenso witzig wie berührend, eine gelungene, unterhaltsame Mischung aus Tempo (Komödie) und kontemplativen Momenten (Drama/Tragödie).

Zu meinen Reserven: Kleinere Abstriche sind zunächst beim Orchester zu machen. William Christies Leitung ist zwar überzeugend, von großer Sensibilität in den langsamen Teilen (die Arie "Where'er you walk" des Jupiter im zweiten Akt ist ein besonders schönes Beispiel), zupackend in den zündenden Teilen (etwa im Finale des dritten Aktes), aber das Orchester "La Scintilla" des Zürcher Opernhauses kann mit den "Arts Florissants", jenem Ensemble, dem William Christie vorsteht und mit dem er üblicherweise musiziert, nicht konkurrieren. Den Streichern fehlt durchgängig die Wärme der "Arts", und zu selten gelingt dem Zürcher Orchester jenes wunderbar gemeinsame "Atmen" und Phrasieren, das die "Arts Florissants" zu einem der gegenwärtig besten Originalklangensembles macht.

Während jedoch das Spezialensemble "La Scintilla" seine Aufgabe immerhin über weite Strecken sehr solide löst, kann man dies vom Chor des Opernhauses Zürich nicht behaupten. Auch hier hätte man meiner Meinung nach auf ein Spezialensemble zurückgreifen müssen. So aber ist im Falle des Chors von einer echten "Fehlbesetzung" zu sprechen. Schließlich handelt es sich bei Händels Semele nicht um eine romantische Oper, sondern um ein - hier szenisch dargebotenes - barockes Oratorium mit einem überaus anspruchsvollen Chorpart, den der Chor des Opernhauses Zürich nicht zufriedenstellend bewältigt. Dafür ist sein Klang zu massiv und inhomogen, im dynamischen Bereich fehlt die Feinabstufung, und immer wieder treten in typischer Opernchormanier Einzelstimmen mit unkontrolliertem Vibrato hervor, besonders bei den Sopranen. An den Standard, den man von Vokalensembles im Konzertsaal heute gewohnt ist, kommt der Zürcher Chor nicht annähernd heran: Der einzige wirkliche musikalische Schwachpunkt der Produktion aus Zürich.

Die Leistung der Solosänger/innen ist insgesamt gut, mitunter sehr gut, zur internationalen Spitze gibt es freilich noch Spielraum. Ich möchte an dieser Stelle keinen der Sänger/innen besonders loben oder tadeln.

Mit einer Ausnahme: Primadonna Cecilia Bartoli. Sie ist tatsächlich eine Klasse für sich. Ihre vokale Leistung ist - sofern man sich an ihrem Markenzeichen, den akrobatisch-maschinell heruntergespulten Koloraturen nicht stört - phänomenal, als Opernschauspielerin dagegen kann mich Frau Bartoli nicht überzeugen.

Ihre bisweilen linkischen Bewegungen, ihr zumeist übertriebenes, aufgesetzt wirkendes Minenspiel oder ihre klischeehafte Gestik stören dabei gar nicht so sehr. Was wirklich stört, weil es das Erlebnis von Musiktheater beschädigt, ist Frau Bartolis Unvermögen, dem Zuschauer das Schicksal der von ihr verkörperten Figur nahe zu bringen. Von einer schlüssigen Darstellung der Semele - einer zweifellos hochinteressanten Persönlichkeit - ist die Bartoli mit ihrem Spiel meilenweit entfernt. Mitgefühl oder Verständnis für ihre Figur stellt sich in keinem Moment ein. Man hat vielfach den Eindruck, dass hier eine Primadonna ein Recital gibt - in Kostümierung und auf der Opernbühne, garniert mit ebenso artifiziellen wie präzise berechneten Posen. Stimmlich stets perfekt, stets aber auch an der Oberfläche des musikalischen Effekts bleibend, und vor allem: stets sich selbst zur Schau stellend. Was Cecilia Bartoli als Semele in Vollendung bietet, ist Show-Effekt anstelle von barockem Affekt.
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