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Kundenrezension

Eins vorab: die neuen 2009er Stones-Remasters klingen wirklich etwas differenzierter als die '94er Auflage (mit der ich auch schon gut leben konnte) - erstaunlich, was aus den Bändern noch alles rauszuholen ist. Auf der anderen Seite sind die Songs nun noch stärker komprimiert als bisher, was okay sein mag beim Autofahren oder im Fitnessstudio, aber zu Lasten der Dynamik geht. Geschmackssache. Bei dieser Ausgabe fällt Star Star auf, das mir von den US-Bändern übernommen zu sein scheint. Ich hatte immer von einer für die US-LP zensierten Version gelesen, und der "John Wayne" in der Zeile "I'm makin' bets that you gonn' get John Wayne before he dies" wurde leicht, vor allem aber wurde die Zeile "I bet you keep your pu**y clean" deutlich hörbar verfremdet (was den Fokus natürlich umso mehr auf diese Zeile lenkt) - CD-Premiere!

Ihr Status als Steuerflüchtlinge hatte die Stones '71 für die Aufnahmen zu "Exile on Main St" nach Frankreich geführt und Ende '72 für "Goat's Head Soup", das letzte von Jimmy Miller produzierte Stones-Album (und das letzte für lange Zeit, auf dem die Bläsersätze eine feste Größe waren), nach Jamaika. Auf den Vorwurf hin, die Qualität der Stones-Songs ließe langsam nach, räumte Keith später ein, es sei auch schwer, gute Songs zu schreiben, wenn der Songschreibepartner (anders als in den Sechzigern) den größten Teil des Jahres in einem anderen Land verbringe.

Jahrelang empfand ich den Sound des Albums als etwas muffig und manche Songs als leicht unfertig; mit der Zeit hat "Goat's Head Soup" bei mir aber einen Reifeprozess durchlaufen und ist gewachsen. Exemplarisch dafür steht Keiths sehr persönliches Coming down again, das ich früher eher langatmig fand, wenig Text und viel Leerlauf; mittlerweile finde ich es sehr atmosphärisch und genieße jede Sekunde, besonders Bobby Keys' Saxophon-Passagen.

Winter ist eine weitere atmosphärische Stones-Ballade, die sich mit der Zeit so richtig entfaltet. Das abgefahrene, leicht psychedelisch anmutende Can you hear the Music hätte ich mir auch gut auf "Their Satanic Majesties" vorstellen können.

War Sympathy for the Devil beunruhigend und bedrohlich und haben sich Mick und Keith Ende der Sechziger wirklich für Okkultismus interessiert, wirkt Dancing with Mr. D. eher wie eine Pose, wie ein müder, etwas statischer Abklatsch davon; mehr als ein billiger Gruselschocker mit Glam-Rock-Schick ist trotz Schreien aus dem Hintergrund nicht dabei herausgekommen. (Funktionierte live besser.) Vielleicht brauchten die Stones eine Erklärung für den Albumtitel; "Ziegenbockkopf-Suppe" (auf dem beigefügten widerlichen Foto entsprechend illustriert) soll irgendwas mit einem auf Jamaika praktizierten Voodoo-Ritual zu tun haben.

100 Years ago besteht aus zwei Teilen und hat Feuer, auch wenn der Song fertig ist, bevor er richtig gar ist; Mick Taylor bekommt hier, wie auf dem ganzen Album, erfreulich viel Spielraum. Mick Jagger scheint sich die Zeile "don't you think it's sometimes wise not to grow old" Jahrzehnte später zum Lebensmotto erkoren zu haben.

Angie, eine der erfolgreichsten Stones-Singles (UK Nr. 2, US Nr. 1) liebe ich, seit ich es zuerst im Radio hörte. Ich kann verstehen, wenn Leute es kitschig finden; ich würde es wohlwollend als "Edelkitsch" bezeichnen - vielleicht, weil Mick Jagger mir das Gefühl gibt, dass er hier zur Abwechslung mal mit echtem Gefühl über eine reale Person singt (ob es Angela Bowie war, sei dahingestellt). Lenny Kravitz stellte ganz richtig fest, dass Mick weder vorher noch nachher mit solcher Intonation gesungen hat. Bei genauem Hinhören hört man ihn auf dem linken Kanal im Hintergrund zu Keiths Akustikgitarre mitsingen. (Seit "Stripped" spielen die Stones live eine um eine Dreiviertelminute gestraffte Fassung.)

Die B-Seite von Angie, Silver Train, soll wohl daran erinnern, dass die Stones auch Bluesrock können, viel passiert nicht; diesmal hätten sie aus den drei Akkorden etwas mehr rausholen können. Johnny Winter hat's besser gemacht. Hide your Love klingt ein wenig, als hätten die Stones ein Jagger-Piano-Demo nachträglich mit Bandbegleitung unterlegt; ich mag den rumpelnden Charme.

Die andere Single war Heartbreaker, das (trotz des etwas pseudo-sozialkritischen Textes) nicht zuletzt dank Billy Prestons Tastenarbeit (der auf diesem Album ebenfalls viel Spielraum bekommt, ebenso wie Nicky Hopkins am Piano) eine düstere Atmosphäre erzeugt. Auf Bootlegs aus den Siebzigern klingt es aufregender als auf dem Album; heutige Liveversionen sind zu zahm (s. z.B. "Four Flicks"-DVD.)

Den Gute-Laune-Boogie Star Star, mit seinem über den Stereokanal gezogenen Chuck Berry-Intro und dem augenzwinkernden Text über Groupies, werde ich immer lieben. Der nötige Humor, das Lied unter seinem Originaltitel Starfucker zu veröffentlichen, fehlte damals der Plattenfirma ebenso wie den Sendern, es im Radio zu spielen. Jagger kommentierte den Text später, das sei eben das, was er erlebe, und darüber könne er auch genauso gut schreiben.

Through the lonely Nights, ein Outtake aus diesen Sessions, erschien ein Jahr später als B-Seite von It's only Rock'n'Roll und ist mittlerweile auf "Rarities 1971-2003" zu finden.

An der Covergestaltung fand ich immer schade, dass die Stones meinten, Mick Jaggers Gesicht als alleiniges Aushängeschild verwenden zu müssen; immerhin ist Keith (samt seinem restaurierungsbedürftigen Gebiss) auf der Rückseite (so wie später nochmal auf "TATTOO YOU") und die Band in der Mitte des Klappcovers abgebildet. Es lohnt sich, dem Album etwas Zeit zum Kennenlernen zu geben. Laut Bill Wyman (in "Rolling with the Stones") soll es sogar das viertbestverkaufte im Stones-Katalog sein! Mir persönlich gefällt es besser als "Exile on Main Street", auch wenn ich damit wohl ziemlich allein stehe.
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