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Kundenrezension

27. August 2016
Die Frage, wie man zu angemessenen Entscheidungen gelangt, steht im Mittelpunkt einer großen Anzahl von Büchern und Zeitschriftenbeiträgen. Sie lassen sich in der Regel der Ratgeber-Literatur zurechnen, die sich darauf fokussiert, einzelnen Personen für ihre individuellen Entscheidungen – beispielsweise in Bezug auf Partnerwahl oder Beruf - Hilfestellungen zu geben. Einen darüber hinaus gehenden und wissenschaftlich fundierten Anspruch erhebt das Buch “Wie Organisationen gut entscheiden” von Othmar Sutrich & Bernd Opp. Darin geht es um die Perspektive von Entscheiden in und von Organisationen, also um das Zusammenspiel des Entscheidens von vielen Menschen und Teams. Zwar sehen die Autoren Führen als “Zwillingsschwester” von Entscheiden; dennoch beleuchten sie die Dynamiken vernetzten Entscheidens, bei denen nicht nur die Spitze eines Unternehmens eine Rolle spielt. Das Buch kritisiert den Fokus, Entscheidungen lediglich im Sinne eines Beschlusses zu betrachten. Dies lasse wesentliche Aspekte der Entscheidungsfindung außer Acht. Bereits an diesem Anspruch zeigt sich das Grundverständnis der Autoren. Es geht ihnen um Wohlergehen von Organisationen und es geht ihnen darum, wie Menschen für sich und für ihre Organisation Verantwortung übernehmen und Sinn stiften können. Dazu zählt das Verständnis der Gestaltbarkeit und Veränderbarkeit von Organisationen, einem sozialen Prozess, an dem die unterschiedlichen Mitglieder mitwirken (sollten) und bei dem die kulturellen Prägungen und Gewohnheiten eine Rolle spielen. Eine weitere Besonderheit des Buches liegt darin, dass es sich sowohl an Führungskräfte und Teams als auch an Organisationswissenschaftler (zumindest implizit) richtet.

Das Buch enthält fünf unterschiedliche Zugänge, die sehr differenziert miteinander verwoben sind: Sie beziehen sich erstens auf konzeptionelle Grundlagen, zweitens auf das Handwerk des Entscheidens, drittens auf Anwendungsbeispiele, viertens auf eine Vielzahl an erläuternden Bildern und fünftens auf eine Landkarte des Entscheidens, die den Namen “Decisio” trägt.

Entscheiden sehen die Autoren als “Leerraum” und die konkrete Entscheidung als “Bindeglied”. Dabei spielen mentale Konzepte ebenso eine Rolle wie der “energetische Raum”, aus dem heraus Neues entstehen kann. Dabei komme es stets auf das Wechselspiel von Reflexion und Handeln an. Die Autoren stellen sich der anspruchsvollen Frage: “Wie wirkt (in Organisationen) das gelungene oder misslungene Handeln auf das Denken, Reden und Entscheiden zurück?” Schließlich interessiert sie, welche Maßstäbe bei diesem Rückkopplungsprozess angelegt werden. Als Gegenbegriff zum Entscheiden sehen Othmar Sutrich und Bernd Opp das “Driften”, das eher als “Downloaden” verstanden werden könne und die produktiven Lernpotentiale außer Acht lasse. Der primäre Fokus der Entscheidung bezieht sich auf 1) das Team, 2) die Strategie, 3) jedwede Krise und 4) Projekte. Auch an dieser Differenzierung der Autoren wird deutlich, wie sehr bewusstes und veränderndes Entscheiden Energie beansprucht. Beleuchtet wird auch, wie sehr Macht, Konflikt, das Lösen von Problemen sowie das Verhandeln mit Entscheiden korrespondieren bzw. von ähnlichen Motiven getragen werden (können).

Othmar Sutrich und Bernd Opp zeigen nicht nur auf, wie sehr Entscheiden ein mühevoller Prozess ist, sondern identifizieren ebenso Ermutigungspotentiale. Dazu zählen sie den “Möglichkeits- und Entscheidungsraum” im Sinne von Ellen Langer (1990) als “power of possibility”. Die Autoren haben die visionäre Perspektive, dass Organisationen und Teams “in voller Breite und Tiefe“ lernen. Hierzu bedarf es Inklusion, Partizipation, Mitbestimmung sowie Empowerment. Die Autoren betrachten Organisationen als Systeme und Netzwerke, die vier primäre Gestaltungsaufgaben zu leisten haben. Das “Kaleidoskop des Gestaltens” bezieht sich auf 1) Entscheiden, 2) Verantworten, 3) Sinn erzeugen und 4) Führen.

Sehr praktisch wird das Buch mit der Erläuterung des innovativen Konzeptes “Pentaeder”. Folgende fünf Eckpunkte werden darin als unabdingbare Aspekte des Entscheidens angesehen: 1) Risiken im Entscheidungsprozess, 2) Risiken in der Sache, 3) Teams/Netzwerke, 4) Person in Funktion und Rolle und 5) Organisation. Das Pentaeder-Modell bietet Hilfestellung, um die Qualität des Entscheidens zu verbessern und Risiken im Entscheidungsprozess zu minimieren.

Das Buch von Othmar Sutrich und Bernd Opp ist eine ungewöhnliche Mischung aus Grundlagenbuch und Ratgeber. Selbstredende Überschriften erleichtern die Orientierung ebenso wie die äußerst hilfreichen Abbildungen und die Landkarte “Decisio” im Anhang. Letztere erschließt die Phasen eines Entscheidungsprozesses sehr anschaulich und eröffnet Gestaltungshorizonte. Es werden Begriffe genutzt, die der Geografie entlehnt sind und eine ganzheitliche Sichtweise der Autoren auf den Prozess des Entscheidens unterstreichen. So sprechen Othmar Sutrich und Bernd Opp vom “Quellgebiet”, dem “Land der Realisierung” oder der “Terra Incognita”, aus denen sich Entscheidungen speisen. Handwerkszeug bietet ebenso das Kairos-Entscheidungsprofil, das sich über einen Fragebogen zur Ermittlung der eigenen Entscheider-Kompetenz nutzen lässt. Ein Glossar, ein ausführliches Literaturverzeichnis sowie ein umfassendes Stichwortverzeichnis ergänzen das Buch.

Othmar Sutrich und Bernd Opp ist mit ihren Koautorinnen ein besonderes Buch gelungen, das nicht nur für Führungskräfte und Praktiker, sondern auch für Organisationswissenschaftler wertvolle Einblicke und Perspektiven bietet.
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