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Kundenrezension

TOP 500 REZENSENTam 30. Oktober 2013
Der Name Christiane F. wirkt durch seine stempelartige Schriftform, wie eine Marke. Eine Marke die für eine gewisse Faszination und gleichzeitige Abwehr sorgte. Ihr damaliges Buch und der dazugehörige Film von Bernd Eichinger, war wie ein endloser Aufschrei, war Skandal, und hat die Menschen aufgerüttelt, aber auch erschüttert und traurig gemacht. Bücher die von tatsächlich Erlebtem berichten, haben ganz einfach einen ganz eigenen Geschmack, noch mal eine ganz andere Botschaftskraft, weil ihr unmittelbares Erleben dahinter steht. Man kann vieles an diesem Buch gut finden, genauso wie man vieles daran schlecht finden kann. Das Leben von Christiane F zu beurteilen, finde ich schlicht nicht angebracht, weil ich der Meinung bin, dass wir das nicht können oder anders ausgedrückt: Menschen eben auch genau diese Erfahrung "brauchen" die sie in ihrem Leben machen, und sei sie noch so grauenvoll. Allerdings gibt es sicherlich an der Machart des Buches, seinem Aufbau, seiner Struktur und Schreibweise etwas zu kritisieren. Unabhängig davon bin ich davon überzeugt, dass uns Christiane F mit ihrer "Leiderfahrung" auch etwas gegeben hat, sonst hätten ihre Bücher nicht nahezu Verkaufszahlen erreichen können, die nahe an die 5 Mio. Grenze kommen. Warum interessiert das so viele Menschen, wenn doch niemand Gesunder im Grunde damit zu tun haben will? Wer Christiane F liest, liest die Geschichte eines Lebens, das um Abhängigkeit und Sucht kreist, ein immer wieder neues Scheitern einer damals jungen Frau, die es nicht anders wusste und wollte, nach 35 Jahren zeigt sich die Autorin auch öffentlich, erzählt von Vergangenheit und jetzigem Leben, mit all' seinen Ups and Downs, was berührt ist das Persönliche, das Intime, ohne das so eine Geschichte, nie erzählt werden könnte, auch wenn Sonja Vukovic an ihrer Seite, die leicht grauen Blätter aus Umweltschutzpapier, mit ihren Sachkapiteln um wertvolle Informationen ergänzt hat, die sich wie Sozialberichte lesen.

Was mich an diesem Buch gestört hat, dass hier kein Lektorat für eine gewisse Chronologie, eine gewissen Struktur oder der Vermeidung von Redundanzen gesorgt hat. Das kann nerven, irritieren und nimmt dem Buch so etwas wie Qualität, was zu vermeiden gewesen wäre. Da kann man sich fragen, warum die Co-Autorin nicht das übernommen hat, aber egal. Dass das eine Autobiographie sein soll, weiss ich nicht so recht. Es hat autobiographische Teile und Lebensbeschreibungen, doch ist es für mich keine Autobiographie. Die Sachkapitel wollen informieren, aber gehören sie wirklich in eine Autobiographie? Dann hat dieses Buch auch Lücken, die Autorin macht viele Zeitsprünge, vorwärts, rückwärts, lässt den Leser auch so manches Mal im Unklaren. Warum lässt man so etwas nicht Gegenlesen und ergänzt es um das, was nicht verständlich ist? Das sind Dinge, die ich persönlich nicht an diesem Buch verstehe. Wer war dieser Gauner "Beckermann" wirklich, ausser dass er von einem Drogenboss adoptiert wurde und ständig ihr Geld geklaut hat? Wer diese ominösen Fremde waren, die in ihrem Haus ein und ausgingen, nachts Löcher bohrten und was sie wirklich gemacht haben und wer sie sind, bleibt für den Leser unklar und suspekt, er weiss einfach, dass sich Christiane F verfolgt fühlt, aber das ist auch eine Sackgasse...Vieles wirkt hier, wie wenn es im Tagebuch-Stil verfasst worden wäre. Gewisse "Leerläufe" und banale Lebensschilderungen hätte man hier weglassen können, aber eben, auch das wäre die Sache des Lektorats gewesen. Am Ende schreibt sie: "Viele meiner Träume sind geplatzt", aber als Leser hätte ich gerne gewusst, was das für Träume waren. Diese sind zwar angedeutet und teilweise geschildert, aber werden nicht wirklich ins Licht gerückt. Viele Menschen die hier erwähnt werden, möchte Christiane F nicht mit Namen nennen, was ich persönlich als eine respektierende Diskretion empfinde. Doch hat ihr Schreibstil an so mancher Stelle auch etwas sehr Menschliches, was ich für eine Qualität in diesem Buch halte, trotz meiner geäusserten Kritik in anderen Punkten. Lebensfragen wie: Wie möchte ich leben?, kreisen ständig in diesem Buch, auch die ständige Anwesenheit eines möglichen Todes ist über das ganze Buch hinweg hier spürbar.

Christiane F erzählt weiterführend von ihrer Jugend, ihrer Zeit in Griechenland, von ihren Beziehungen, von ihrer Abtreibung, von ihren Wohnungswechseln, von anderen Fixern und Kontakten, die sie in der damaligen Zeit hatte, ihrer Zeit im Gefängnis Plötzensee. Natürlich wird erzählt, wie die beiden Stern-Redakteure sie kennenlernten, und wie es 1978 zum Buch kam. Auch ein Herr Kai Herrmann und ein Herr Horst Riech, die damaligen Stern-Redakteure, sind durch die Leidensgeschichte einer Christiane F reich geworden, die es immerhin geschafft hat, sich 35 Jahre nur von den Einkünften des Buches über Wasser zu halten. Ich glaube kaum, dass das jetzige Buch, auch nur annähernd an die Auflagezahl ihres damaligen Buches heranreichen wird. Welche Rolle die Medien gespielt haben, erfahren wir hier genügend, das ging soweit, dass Zeitungsleute von bestochenen Fixern informiert wurden, sobald sich Christiane F in Drogenkreise bewegte. Man kann auch hier vieles gut oder schlecht finden, nur eines möchte ich doch dazu sagen, ohne einen Stern, hätte auch eine Christiane F nie diese Bekanntheit erfahren und diese Einkünfte erhalten, auch wenn sie irgendwann die ganze Presse nicht mehr ausgehalten hat. Das kennt man ja auch sonst von der Boulevard-Presse und würde nur erstaunen, wenn es hier nicht so wäre. Was mir aber ausserordentlich an diesem Buch gefallen hat, ist die Hommage an Anna Keel und die beschriebene Erfahrung mit ihrem Sohn. Alleine dafür bin ich diesem Buch dankbar. Ich wusste nicht, wie sehr sich Anna Keel (1940-2010) die Frau des Verlegers Daniel Keel (Diogenes Verlag) um Christiane F gekümmert hat. Für sie alleine schon ist ein Kapitel gewidmet. (Warum erscheint das Buch nicht im Diogenes Verlag?) Und zum Anderen ist da die Geschichte zu ihrem Sohn Phillip, der ihrem Leben eine neue Richtung gegeben hat. Auch der Schmerz darin, das Sorgerecht zu verlieren, das Kind das einem weggenommen wird, ist berührend, Sucht hin oder her. Trotz allem hat man das Gefühl, dass heute Christiane F in Frieden damit ist. Ihre ganze Verzweiflung darin ist spürbar und auch nachvollziehbar.

Auch in diesem Buch ist zu erfahren, wie tief das Leid einer Drogensucht gehen kann. Das Kinder Erwachsenen wieder einen Sinn geben können, wird auch hier am Beispiel Christiane Fs spürbar. Sogar Alice Miller hatte sich mit Christiane F in ihrem Buch "Am Anfang war Erziehung" aus psychoanalytischer Sicht beschäftigt, was auch hier erwähnt wird. Auch wenn dieses Buch nur teilweise überzeugt und an anderen Stellen nervt, bin ich froh es gelesen zu haben. Man hätte sicher mehr aus diesem Buch machen können. Die Dankbarkeit, aus der Christiane F immer wieder schreibt, ist angesichts all des Leids für mich bewundernswert, auch wenn wir vielleicht das Leben eines drogenabhängigen Menschen nie wirklich nachvollziehen können. Schade, hat ihr Sohn keine wirkliche Stimme in diesem Buch erhalten. Christiane F lebt heute noch unter Methadon, das hier ausführlich und verständlich erklärt wird und bei Ex-Heroin-Abhängiggen angewendet wird. Was mich doch unterm Strich am Leben der Christiane F gewundert hat, wie viel Hilfe und Unterstützung ihr angeboten wurde. So bleibt nur noch, Christiane F zu wünschen, ihr Leben möglichst sinnvoll zu leben und "gesund" zu bleiben, nach all dem was sie ihrem Körper angetan hat. Die Aufklärungsarbeit, die durch ihr Buch geschaffen wurde, ist trotz allem für meine Begriffe unbezahlbar, und sei sie noch so grauenhaft abstossend geschildert, Christiane F steht ganz sicher für einen Lebensbereich in unserer Gesellschaft, mit dem wir alle auf eine gewisse Art und Weise überfordert sind. Ob es wohl zu den Aufgaben von Christiane F gehören könnte, Menschen in gefährdeten Drogenabhängigkeiten zu helfen? Wenn ich sie fragen könnte, würde ich ihr diese Frage stellen...

Nachtrag: Dass Sich Christiane F in Ihrer Sonderausgabe auf Ihrer Website, mit einer persönlichen Signatur / Widmung für 50 Euro bezahlen lässt, finde ich völlig daneben. Jeder Erfolgsautor signiert heute immer noch seine Bücher "gratis". Das erhärtet leider den leisen Verdacht, dass hier Vieles nur des Geldes Willen geschaffen wurde. Schade. Obwohl ich mich sonst nicht in diese "Kritikecke" bewege, liegt diese Vermutung dann eben doch verdächtig nah. Das könnte einer der Gründe sein, warum eben dann doch die Qualität am Buch teilweise enttäuschen kann...
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