Am höchsten bewertete kritische Rezension
2,0 von 5 SternenErstlingswerk mit eklatanten Schwächen
Rezension aus Deutschland vom 31. August 2020
Bei Trible handelt es sich um das Erstlingswerk einer noch sehr jungen Nachwuchsautorin. Die Grundidee ist gar nicht mal schlecht und bietet durchaus Potential für eine spannende Fantasygeschichte, aber das war auch schon wirklich alles Positive, was mir dazu einfällt. Die Freunde und Verwandte, die hier fünf Sterne gegeben haben, in allen Ehren, aber dieses Buch hat eine derart überschwenglich positive Bewertung aus objektiver Sicht einfach nicht verdient.
Achtung, kann Spuren von Spoilern enthalten ;-)
Wo soll ich nur anfangen? Im Kern geht es um ein Waisenmädchen, welches zusammen mit seiner vermeintlichen Schwester an Pflegeeltern in Australien vermittelt wird. Sie hat noch nicht einmal die Koffer ausgepackt, als ihr bereits eröffnet wird, dass die Pflegeeltern Teil eines Drachenschwarms sind, der sich dort vor den Schatten versteckt, welche Jagd auf die Drachen machen und damit eine Bedrohung für deren Fortbestehen sind. Kathy, das Waisenmädchen, ist natürlich auch kein normaler Mensch (nein, sie ist auch kein Drache) und wird somit schnell in die Geschichte dieses Kampfes hineingezogen.
Mehr möchte ich zum Inhalt gar nicht schreiben. Es gibt im Laufe des Buches noch ein paar interessante Wendungen und man merkt, dass die Autorin bemüht war, eine spannende und unvorhersehbare Geschichte zu erzählen, doch das Ganze wird so hemdsärmlig präsentiert, man könnte sich die Haare raufen, auf Grund der vielen vergebenen Chancen. Der finale Twist ist schon sehr früh absehbar und verpufft daher am Ende. Selbst die Protagonistin wird im Laufe des Buches schon beinahe brachial daraufgestoßen, will es aber einfach nicht kapieren und ist dann natürlich zutiefst erschüttert, als es dann endlich soweit ist. Generell benimmt sich die Hauptfigur recht oft seltendämlich und ist schwer von Begriff, was aber auch auf die anderen Figuren zutrifft. Man spürt einfach bei jedem Satz, dass dieses Buch von einer jungen Frau geschrieben wurde, die sich größten Teils noch in der Teenagerära befindet. Die Dialoge sind dümmlich, durchgehend in Teeniesprache verfasst und auf dem Niveau von nervigen Kindern, die zwar alles besser wissen, aber keinen einzigen grammatikalisch richtigen Satz zustande bringen. Die Protagonistin ist eine bockige Nervensäge, für die man keinerlei Sympathien entwickelt und die man im Sekundentakt an die Wand klatschen möchte und die restlichen Figuren sind derart austauschbar, dass ich irgendwann den Überblick verloren habe, wer eigentlich wer ist. Die Namen entsprechen allesamt dem Klischee von amerikanischen Teeniefilmchen und die Charaktere sind einfach nicht gut genug ausgearbeitet, um sie unterscheiden zu können. Ich habe mich mehrfach dabei ertappt, wie ich mich gefragt habe, wer da jetzt eigentlich gerade mit wem redet. Ähnlich simpel gestaltet sich die Gefühlswelt der Figuren. Kathy findet grundsätzlich jeden Typ erstmal scharf, verliebt sich dann aber in Sekundenschnelle in den Nächstbesten. Kein Kennenlernen, keine Entwicklung von Nähe oder Gefühl, kein Garnichts. Alle zwei Sätze vermisst sie irgendjemanden ganz schrecklich, und dann auch noch Personen, die sie erst vor kurzem kennengelernt hat und die sie überhaupt noch nicht richtig kennt. Ihre richtige Schwester trifft sie beispielsweise nur zwei- oder dreimal ganz kurz, fühlt sich mit dieser aber dann derart verbunden, als hätten sie schon mehrere Leben miteinander verbracht. Das alles wirkt sehr unreif und mit dem Holzhammer präsentiert.
Die oben genannten Punkte könnte man noch wohlwollend unter Unerfahrenheit einer jungen Autorin verbuchen und darüber hinwegsehen. Kann man ja alles noch lernen und beim nächsten Mal besser machen. Auch dass es Logiklöcher und -fehler gibt, die jedem Schweizer Käse zur Ehre gereichen, kann einer jungen Autorin passieren und wäre zu verschmerzen. Beispiel gefällig?
Die Protagonistin verschlägt es im Laufe der Handlung wieder in die USA und ihr Love Interest reist ihr hinterher, um sie zu finden. Nachdem sie verbotenerweise telefonisch Kontakt hatten, weiß der Casanova, dass sich seine Angebetete im selben Bundesstaat befindet, aber nicht in welcher Region, geschweige denn in welcher Stadt. Beim nächsten Telefonat sagt er dann zu ihr: "Wir treffen uns in einer Stunde an der Schule" Aha! An welcher denn bitte??? Und nein, ich habe nichts überlesen. Ich habe extra den ganzen Abschnitt noch einmal durchgeackert, da ich ja niemandem Unrecht tun möchte, aber er weiß nach wie vor nicht, wo sie sich befindet, möchte sich mit ihr aber an der Schule treffen. Ist klar!!!
Solche Ungereimtheiten gibt es am Fließband und stören irgendwann deutlich.
Das alles ist noch nicht so wahnsinnig dramatisch. Es gibt jedoch zwei Punkte, die immens stören und das Buch beinahe unlesbar machen. Der erste Punkt betrifft die Rechtschreibung. Ich habe in meinem ganzen Leben noch kein Buch gelesen, in dem es eine derart gigantische Anzahl von Rechtschreibfehlern gibt. Und ich lese sehr viel! Wer einen Satz ohne Fehler findet, kann sich glücklich schätzen. Versteht mich nicht falsch. Mir ist durchaus bewusst, dass sich junge Nachwuchsautoren und Selfpublisher kein professionelles Lektorat leisten können und ein Tippfehler hin und wieder ist kein Beinbruch, aber wenn ich ein Buch schreibe und dieses veröffentliche, dann sollte sich der Text in einem halbwegs lesbaren Zustand befinden. Ich gehöre zu den Personen, die am Kindle die Rechtschreibfehler korrigieren und melden. Bei diesem Buch habe ich es zum ersten Mal aufgegeben, da ich irgendwann nichts mehr anderes gemacht, so für eine Seite Ewigkeiten gebraucht und von der eigentlichen Geschichte überhaupt nichts mehr mitbekommen habe. Die Fehler beschränken sich auch nicht auf einfache Tippfehler. Es ist tatsächlich alles dabei, was das Deutschlehrerherz begehrt. Zeichensetzung, doppelte Wörter, fehlende Wörter, schlicht und ergreifend falsche geschriebene Wörter. Mit der Grammatik sieht es nicht viel besser aus. Der Satzaufbau ist verwirrend, die Zeiten werden munter gewechselt, selbst innerhalb eines Satzes und von Deklination hat die Autorin garantiert noch nie etwas gehört. Ach ja, bevor ich es vergesse! Die Formatierung des E-Books ist ebenfalls nicht durchgängig. Von einem Kapitel zum anderen wechseln die Zeilenabstände und die Größe der Schrift.
Und nun zu meinem absoluten Highlight, das dem Fass den Boden ausgeschlagen hat: das Ende! Beziehungsweise das Fehlen eines selbigen. Das Buch hört einfach auf! Mittendrin und ohne Vorwarnung, obwohl die Geschichte bei weitem nicht zu Ende erzählt ist. Und auch hier bitte nicht falsch verstehen, ich rede nicht von einem Cliffhanger. Mit einem gut gemachten Cliffhanger kann ich etwas anfangen, aber hier endet das Buch einfach an einer beliebigen Stelle, als hätte man eine Geschichte völlig willkürlich irgendwo in der Mitte geteilt. Anscheinend wird es wohl eine Fortsetzung geben, was für mich jedoch nicht ersichtlich war und ich habe inzwischen auch gar keine Lust mehr, dieser Geschichte weiter zu folgen. Zumindest nicht auf diesem Niveau!
Warum dann also doch zwei Sterne? Wegen der einigermaßen interessanten Grundidee und ein paar nette Passagen und Wendungen gibt es dann doch. Allerdings ist das Ganze dermaßen schlecht umgesetzt, dass es einfach keinen Spaß macht, dieses Buch zu lesen. Ich wünsche der Autorin, dass sie die handwerklichen Fähigkeiten erwirbt bzw. verbessert, denn die Kreativität für gute Geschichten scheint vorhanden sein. Den Preis von über 6,- Euro ist dieses Buch aber derzeit keinesfalls wert.