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2,0 von 5 Sternenbringt keine wirkliche Erleichterung oder Zeitersparnis
VonSteffenam 4. Januar 2016
Vorweg: An die Anschaffung eines Saugrobotters bin ich sicherlich nicht vollkommen blauäugig rangegangen sondern mit einer gewissen Portion Skepsis und dem nötigen Realitätssinn. So war mir zu 100% klar, dass ein solcher Saugrobotter keinen herkömmlichen Staubsauger bzw. das manuelle Saugen ersetzen kann.
Unsere Beweggründe waren vielmehr:
Der Roboter sollte für eine gewisse, dauerhafte Grundsauberkeit sorgen. Unser komplettes Haus ist mit anthrazitfarbenem Feinsteinzeug gefliest.
Schon wenige Krümel reichen hier, dass es beim Laufen hässlich unter den Sohlen knirscht und man das Gefühl hat es wäre dreckig.
Wir haben einen Zentralstaubsauger und es war uns sehr müßig, wegen jedem Krümel immer den meterlangen Saugschlauch aus dem Keller zu holen. Aus Faulheit hat man den Saugschlauch nach getaner Arbeit meist nicht wieder in den Keller gebracht, sondern irgendwo im Gästezimmer liegen lassen. Dieses Problem sollte der Roboter lösen.
Ein Roomba Sauger wurde uns von Freunden empfohlen. Die haben einen Hund im Haushalt - also harte Anforderungen - und waren mit einem kleineren Modell extrem zufrieden.
Nun, nach etwa fünfmaliger Verwendung kann ich folgendes Fazit ziehen:
Der Roboter bringt uns nicht wirklich eine Erleichterung oder Zeitersparnis. Wie hier schon an anderer Stelle geschrieben ist der Zeitbedarf für notwendige Vorbereitungen so immens, dass man auch locker händisch hätte Saugen können.
Das kann nun auch an Schnitt und Ausstattung unserer Räume liegen aber in diesem Fall wäre ein solcher Saugroboter nur für sehr sterile und spartanisch ausgestattete Räume zu gebrauchen.
Hauptproblem sind unsere Schwingstühle im Esszimmer. Diese haben ein U-förmiges Fußprofil. Der Roboter fährt auf dieses Rohrprofil auf und sich dann in diesem U fest. Darum müssen alle Stühle für den Betrieb des Roboters hochgestellt werden.
Herumliegende Kabel mag er gar nicht und kehrt diese ein. Hier kann auch mal was zu Bruch gehen. Also alle Kabel entfernen.
Die Sensoren des Roboters funktionieren auch nicht sonderlich gut. Das mag wohl an unserem dunklen Boden liegen. In der Küche fährt er oft mit vollem Tempo gegen die Schutzleisten. Im Wohn und Essbereich fährt er auch mal eine Stehlampe oder einen Weinständer um.
Also auch das alles hochstellen/sichern.
Wir haben einen sehr flachen Teppich. auf diesen fährt er nur manchmal und auch nur aus einem gewissen Winkel auf. Manchmal betrachtet er ihn als Hindernis. Als Folge wird dieser Bereich entweder gar nicht gereinigt oder er verbringt aus unerfindlichen Gründen eine gefühlte Ewigkeit auf dem Teppich.
Ein weiteres Hauptproblem für mich, als sehr logisch denkender und handelnder Mensch:
Die Logik mit der der Roomba arbeitet ist absolut nicht nachvollziehbar. Und bevor jetzt neunmalkluge Kommentare zu meiner Rezension kommen - mir ist klar, dass Saugen nach dem Zufallsprinzip bedeutet, dass der Roboter kreuz und quer fährt bis er irgendwann an jeder Stelle war.
Was mich aber besonders stört ist, dass er zum zehnten Mal ein und die gleiche Stelle saugt (z.B. entlang eines Schrankes) aber an vielen anderen Stellen noch Dreck liegen bleibt obwohl er schon eine Stunde zu Gange ist. So lange braucht er für unsere Küche mit einer reinen Bodenfläche von ca. 10 qm.
Unbegreiflich ist für mich, dass er sich an Stellen beinahe festfährt wo es gar nichts zum festfahren gibt. In einer Fensterecke steht bei uns ein Ficus. Ich habe diesen so weit aus der Ecker herausgezogen, dass der Roboter rings herum seine eigene, doppelte Breite Platz hat.
Was soll ich sagen. Er wollte diese Ecke gar nicht mehr in Ruhe lassen. Nachdem er dem Blumentopf zum zehnten Mal umkreiste und die Ecke saugte, war es mir genug und ich habe ihn manuell woanders platziert.
Die Folge von alledem: Er schafft noch nicht einmal unsere Küche, Wohn und Esszimmer mit einer Akkuladung (Grundfläche 60 qm abzüglich Möbelgrundfläche). Nachdem er auf die Ladestation gefahren ist weiß er natürlich nicht, dass er noch nicht fertig war und startet nicht selbständig nochmal neu. Eine Programmierung von Reinigungszeiten ist also Blödsinn. Der Sauger muss quasi permanent manuell gestartet werden und nach dem Aufladen nochmals manuell losgeschickt werden. Sonst muss ich die Stühle die ganze Woche hochgestellt lassen, wenn er nicht das ganze Zimmer schafft.
Ich hatte noch ein weiteres Lighthouse bestellt um kleinere Unterbereiche zu erstellen. Zum Zeitpunkt der Lieferung stand für mich jedoch schon fest, dass das ganze Package zurück an Amazon geht.
Ein weiteres Problem ist, dass die Abluft des Saugers einfach nach hinten geleitet wird und nicht nach oben. Beim Fahren und Drehen werden umherliegende Staubflusen und Krümel weggeblasen und gelangen damit an Stellen, die er u.U. schon abgefahren hatte und nicht nochmal passieren wird.
Auch zottelige, langhaarige Vorleger und Teppiche mag der Roomba nicht. Hier verfängt er sich und im Display erscheint das Symbol, dass er versucht sich zu befreien.
Alles in Allem hat mich der Roomba 782 nicht begeistert. Das Gerät ging nach langem Zögern zurück, denn auch meine Frau sah ein, dass das Ganze keinerlei Mehrwert bietet. Selbst den Sonderpreis von 399 Euro war uns der Spaß nicht mehr wert.
Ich hoffe, dass meine Rezension einigen Leuten hilfreich ist, die vor dem Kauf kritisch prüfen wie die Räume beschaffen sind in denen sie den Robi einsetzen wollen.