Am höchsten bewertete positive Rezension
4,0 von 5 SternenDer Kopfhörerer - Prima Kopfhörer, schawaches Mikro
Rezension aus Deutschland vom 14. Oktober 2015
Nachtrag vom 18. Okt. 2015:
Ich schicke gleich voraus, zum Hören ist das Cloud II absolut top notch.
Mittlerweile bin ich auf eine Testseite gestoßen, die Sprachaufnahmen mit einer Vielzahl von gängigen Headsets zum Anhören bereitstellt.
Und so muss ich sagen, trotz der folgend beschriebenen Mängel in der Mikrophonierungsleistung gehört das Mikro des Cloud II zu den besseren Probanten in jener Riege, da gibt es nur wenige die leicht besser sind und viele die viel schlechter und teils unterirdisch und/oder extrem leise sind. Den meisten gemein ist ein quäkender Ton ohne Höhen und schwacher Pegel. Aber fast allen gemein ist leider ein saft- und kraftloser, komprimierter Sound ohne Durchsetzungsvermögen.
Die dort anzuhörende Mikrophoncharakteristik des getesteten Cloud II stimmt mit der meines getesteten Cloud II überwiegend überein, also dürfte ich wohl keine Zitrone erwischt haben, bei mir gesellt sich allerdings leider noch ein moderater Brumm zum Nutzsignal dazu.
Aber ich bleibe dabei: Gute Mikrophonierung geht wirklich anders, aber offenbar scheint hier im gesamten Marktumfeld die Latte nicht sehr hoch zu liegen, jedenfalls hätte ein Hersteller, der hier neue Qualitätsmaßstäbe setzt bei mir einen großen Stein im Brett - und zumindest einen Kunden mehr, dafür wäre ich auch bereit ein paar Euro mehr auszugeben.
Aber hört doch einfach selbst:
Sorry Amazon hat den Link gelöscht, wer also Interesse hat bitte gurgeln nach:
hardware-journal Cloud II
Auf der letzten Seite des Test gibt es dann die Hörbeispiele.
Nun zur ursprünglichen Rezension:
Es gibt schon viele aussagekräftige Rezensionen zu dem Cloud II, deshalb von mir nur so viel, vor allem zum Klang.
Allgemein:
Verarbeitung, Materialwahl, Zubehör, Design und Verpackung sind wertig und stilvoll, textilummanteltes Kabel, eingesticktes, mattschwarzes Logo auf der seidenmattschwarzen Bügeloberseite - edel. Stiel-Mikrophon auf wirklich gut positionierbarem Schwanenhals, absteckbar, Buchse per Deckel verschließbar (Deckel allerdings als kleiner Einzelteil leicht verlierbar). Schöner Transportbeutel aus schwarzem, leicht polsterndem Textilmesh, Flugzeugadapter und sogar ein zweites Paar Ohrpolster in Velourtextil sind mit dabei. Alles ein erfreulicher Anblick, feine Haptik, über jeden Zweifel erhaben, nichts wirkt billig oder geschludert, trotz Made in China.
Ein Y-Splitadapter von 3,5mm 4-pol.-Miniklinkenbuchse auf 2 mal 3,5 mm 3-pol.Miniklinkenstecker wäre im Lieferumfang noch schön gewesen (wie beim 1st-Gen Cloud noch dabei, aber andersrum), um das Headset auch an anderen Audiogeräten oder PC-internen Soundkarten analog anstecken zu können und sollte um den gehobeneren Preis auch noch drinnen sein - lässt sich aber auch ab 5 Euro bei Amazon zusätzlich kaufen.
Die großen HyperX-Logos außen an den Ohrmuscheln (hab die rote Version), auf eigenen Aluminiumplättchen aufgebracht, hätte ich persönlich nicht unbedingt gebraucht, oder zumindest dezenter, aber sind für ein, dem Gaming gewidmeten, Headset schon OK und vermutlich dem jugendlichen Lifestyle geschuldet, oder dem, was sich der erwachsene Hersteller unter juvenil-dynamisch-cool halt so vorstellt. Zumindest erschien mir die Marke Kingston bisher eher als adult-konservativ und weniger als spritzig-witzig-hip.
Gewicht und Tragekomfort sind für durchschnittliche Kopf- und Ohrgrößen in Ordnung, der Hörer sitzt nicht zu fest, um bei längeren Sessions zu drücken, aber auch nicht zu schlapp, um bei der geringsten Kopfbewegung gleich abzufallen. Die von Kingston als "Memory-Foam" bezeichnete Polsterung ist wirklich gut und angenehm am Ohr. Der Größenverstellbereich ist ausreichend groß, die Ohrmuscheln sind in eng begrenztem Winkel leicht pendelnd aufgehängt um sich an die Kopfform anschmiegen zu können (dies könnte aber auch einer der wenigen mechanischen Schwachpunkte sein, hier trifft Alu auf Kunststoff - das wird die Zeit zeigen), die Rasterung der Größenverstellung könnte aber etwas strammer sitzen, mal sehen wie sich auch das auf Dauer verhält und hoffentlich mit der Zeit nicht noch leichtgängiger wird. Alle Kunstlederpolster sorgen für warme Ohren und neigen, vor allem im Sommer, zum Schwitzen, aber hier kann man ja auch zu den Velourpolstern wechseln - vorbildlich! Die interne Verkabelung ist nicht ganz optimal gelöst, da der Übergang vom Bügel zu den Ohrmuscheln frei verlegt ist und trotz robust textilummantelten Kabeln der Gefahr des Hängenbleibens und Abreißens ausgesetzt ist - da ist Vorsicht im Umgang geboten.
Die allgemeine Haltbarkeit wird sich also zeigen, aber da bin ich zuversichtlich, nachdem was ich so gesehen habe.
Klang:
Der Kopfhörer ist bassbetont, aber trotzdem sehr präzis, trocken und konturiert im Tiefbass, auch tiefer gestimmte Bassläufe belassen die Melodielinie klar abgebildet hörbar und werden nicht nur als undefinierbares Gewummse hingematscht, nichts dröhnt oder mulmt. Die wichtigen Mitten (Sprache, Gesang, Instrumente) gehen trotzdem nicht unter, Stimmen haben guten Wiedererkennungswert. Die Höhen glitzern brillant und hochauflösend. Die Transientenwiedergabe ist schnell, klar und natürlich. Der angegebene Frequenzgang ist glaubwürdig (Mit SweepGen getestet: Spielt mühelos ohne nennenswerten Pegelverlust tiefschwarze Subbässe unter 20 Hz runter, ab 13 kHz hören meine alten Ohren nicht mehr viel, aber die dreiviertelte Oktave bis rauf auf über 20 kHz glaube ich ihm auch so). Fein- und Grobdynamik sind vorbildlich. Grundsätzlich spielt der Hörer sehr offen, klar, unangestrengt und hochauflösend, sowohl bei leisen, als auch lauten Pegeln, alles wirklich HiFi-tauglich, da hat das Marketing nicht übertrieben.
ABER OBACHT:
Der Hörer ist auch bei geringen Volume-Einstellungen bereits sehr, sehr laut und durch die klare, unverzerrte Wiedergabe ist man schnell verleitet zu laut abzuhören und sein Gehör nachhaltig zu schädigen!!!
Der beteiligte Wandler und der Kopfhörerverstärker in dem kleinen Kabelkontroller machen ihre Sache auch sehr gut und gehen präzis und dynamisch und mit genügend Reserven zur Sache. Eine etwas sensiblere Lautstärkekontrolle würde ich mir wünschen, selbst die geringste Rasterung 1 von 100 kann für gewisse Anwendungen bereits zu laut sein.
Grundsätzlich könnten sich hier einige sogenannte High-End Headphones mit doppelt bis vierfachem Preis, für den HiFi-Bereich einiges abschauen/abhören.
Wegen des zu füllig dargestellten Tieftonbereiches sind mir für den Homerecording- und Studiobereich allerdings meine linearer abgestimmten (und übrigens sehr günstigen) Monitorkopfhörer von Audio-Technica und Superlux lieber, um eine Aufnahme oder einen Mix sachlich in punkto Frequenzverteilung beurteilen zu können, aber um zwischendurch gegenzuhören, wie das dann auf fett klingt, ist er auch gut zu gebrauchen und wenn man ab ca. 120 Hz abwärts etwa 3 db pro Oktave mit dem Equalizer wegnimmt, ist er auch ganz passabel linearisiert - wegnehmen geht ja immer gut, aber dazugeben wo fast nichts ist ginge eher schwer.
Die Außendämmung (laut Datenblatt 20 dBa) ist für einen geschlossenen Hörer eher mager, man hört doch einiges durch, in beide Richtungen - also nicht so gut für Recording, Sprecherkabine, Schlagzeuger oder als Gehörschutz am Bau ;-)
Die Kernkompetenzen Musik hören, Filme schauen und Gaming aber machen mit dem Cloud II definitiv richtig viel Spaß, da hat alles Körper, Kraft und entfesselte Dynamik - Super!
Soweit bis hier alles sehr fein!
Virtueller 7.1-Surround-Mode:
Dem sogenannten virtuellen 7.1-Modus kann ich ehrlich gesagt nicht sehr viel abgewinnen und klingt mit dem meisten Sound-Material eher wie eine Stereoverbreiterung mit ein paar Phasentricks und Reverb, um dem Ganzen ein wenig 3D-Anmutung per Psychoakustik zu verleihen. Auch dedizierte 7.1-Demos konnten bei mir kein richtiges Hinten-Center, Hinten-Links, Hinten-Rechts ergeben, nur ein undefinierbares Zumindest-Nicht-Von-Vorne. Links-Seite und Rechts-Seite lassen sich immerhin eher erahnen, aber auch nicht genau positionieren. Vorne-Center, Vorne-Links und Vorne-Rechts lassen sich naturgemäß mit 2 Treibern problemlos darstellen, aber dafür braucht's kein 7.1, dafür reicht auch 2.0.
Ich möchte das jetzt nicht schlechter machen als es ist und es klingt mit manchem Material besser, mit manchem weniger gut und ist auch keine dieser klanglich sehr grausigen DSP-Verschlimmbesserungen, die von manchen Smartphones oder Bluetooth-Speakern bekannt sind, aber wer 2-kanalige Kunstkopfaufnahmen mit diesem Kopfhörer hört, wird mehr echte 3D-Räumlichkeit wahrnehmen und erleben als mit diesen künstlichen 7.1-DSP-Tricks. Und wenn schon DSP, dann bitte mit Softwaresteuerung, um verschiedene Hallräume zu simulieren und Parameter anpassen zu können - somit irgendwie eine halbe und halbherzige Sache.
Ich ziehe also einen halben Stern dafür ab, weil der Kopfhörer sehr frech und prominent mit diesem 7.1-Hardware-Feature beworben wird, es aber nicht wirklich leisten kann.
Ich persönlich werte es als netten Versuch und Spielerei und war für mich auch kein wichtiger Kaufgrund, könnte es für andere aber sehr wohl sein. Jedenfalls sollte man sich nicht der Illusion hingeben, beim Gaming nun die Angreifer beim Von-Hinten-Links-Anschleichen zu hören und deshalb gezielter und schneller reagieren zu können. Die von manchen Testberichten bemängelte Bassabsenkung im 7.1-Modus ist zwar tatsächlich vorhanden, aber eher marginal und linearisiert den sonst fast zu bassstark auftretenden Hörer eigentlich eher in die richtige Richtung.
All jene denen die zusätzliche 7.1-Spielerei unwichtig ist und auch keine externe USB-Soundcard brauchen, können daher auch anstatt zum Cloud II getrost zum mittlerweile ca. 20 Euro günstigeren Cloud greifen, der Unterschied liegt da vor allem in der etwas klobigeren Controllerbox ohne Soundcard (rein analoger Anschluss per 2 mal 3,5 mm 3-pol Klinkenstecker, Y-Splitadapter auf 1 x 4-pol. Klinkenstecker enthalten, z.B. für Smartphone, Tablet), eben ohne 7.1 und, zumindest nach den technischen Daten zu schließen, in einem anderen Mikrophon, wobei wir dann beim Thema wären...
...dem Grund warum das Teil bei mir leider wieder zurück muss:
Das Mikrophon!
Ich gebe zu, ich bin verwöhnt, weil ich mit professionellen Mikrophonen arbeite und einfach gewohnt bin, dass akustische Ereignisse, die ein Mikro einfängt, dann auch auf der Tonkonserve (annähernd) so klingen wie in Natura. Dass ein 100 Euro Headset, das nicht leisten kann ist auch klar und hatte ich auch gar nicht erwartet. Andere Rezensionen und ein Frequenzgang (am Papier) von 50 bis 18000 Hz ließen aber immerhin auf brauchbare Mikro-Qualität schließen, noch dazu, da es als tonadergespeistes Back-Electred-Condenser-Mic ausgelegt ist und nicht als billiges, dynamisches Allerwelts-Mic. Um so mehr war ich sehr überrascht, dass dies leider überhaupt nicht der Fall ist - Mittenbetont, trotzdem nasal, kein Bass, trotzdem dumpf, kein Körper, kein Bauch, keine Höhen, keine Präsenz, von Brillanz will ich gar nicht reden, viel zu wenig Pegel trotz allen Aufnahmereglern auf Rechtsanschlag, spricht man aber lauter um das zu kompensieren, beginnt es sofort zu klirren. Der Störabstand ist gering - sowohl im Netzteilbetrieb, als auch im Akkubetrieb meines Notebooks ist ein Hintergrundbrummen hörbar, im Akkubetrieb allerdings deutlich weniger, aber immer noch hörbar in leisen Stellen.
Absolut ungeeignet um z.B. schnell mal im Audacity ein paar Gedanken aufzunehmen, die einigermaßen klingen sollen, ohne dass man nun das ganze Recording-Equipment rauskramen muss.
Zur Hintergrundinfo: Weil wir das gar nicht so richtig glauben konnten, haben wir das extra auch noch auf einem i7-Gaming-PC mit fettem Netzteil getestet, um zweifelsfrei auszuschließen, dass die USB-Stromversorgung meines Notebooks das Back-Electred-Condenser-Mic möglicherweise zu schwach speist (braucht aber laut Datenblatt ohnehin nur 2 Volt und ein halbes Milliampere, aber man soll ja nichts unversucht lassen).
Selbst für VOIP wie Skype oder TeamSpeak kann ich mir, trotz aller wichtig anmutenden Zertifizierungen am Verpackungstext, nicht recht vorstellen, dass das befriedigend beim Gegenüber ankommt, weil dem Mikro einfach das stimmliche Durchsetzungsvermögen und die Präsenz fehlen - Ich möchte aber festhalten: VOIP habe ich nicht getestet.
Im Windows10-Treiber (Standard-Treiber, keine Software beiliegend) lässt sich rein gar nichts einstellen, kein Gain, nichts, der Schieberegler pickt ganz links auf 0dB und lässt sich nicht bewegen, wohl wegen dem AGC (Auto Gain Control - bemerkt habe ich davon jedoch nichts), aber wenn, dann macht dieses AGC seine Arbeit entweder schlecht oder gar nicht, weil unterpegelig. Vielleicht ist aber auch der Mic-Preamp im Controller-Kästchen zu schwachbrüstig ausgelegt.
Wäre ich zynisch, würde ich sagen: Es hat wohl einen Grund warum das Mikro abstöpselbar ist, denn bei mir würde es wohl bald wieder in der schönen, roten Schachtel darben.
Theoretisch könnte man natürlich, der Abnehmbarkeit des Mics sei Dank, auch ein anderes Mic mit 3,5 mm Stereoklinke am Kopfhörer anstöpseln, aber dann, ist das mit der 2 Volt-Tonaderspeisung kompatibel? Und wo anbringen?
Wohlwollend und schweren Herzens deshalb: 1 Stern Abzug
Fazit: Ehrlich schade, ich hätte das Headset wirklich gerne behalten wegen seiner wirklich exzellenten Leistung als Hörer, aber ein Headset besteht nun mal aus zwei Kernteilen. Eigentlich würde ich meiner Abzüge entsprechend nur 3,5 Sterne geben, da ich das aber nicht kann, runde ich mathematisch auf 4 auf, damit fühle ich mich auch wohler, weil der Hörerteil einfach so gut ist.
Würde ich getrennt bewerten würde dies so aussehen:
Hörer: 5 Sterne (verdient)
Mikro: 2 Sterne (wohlwollend)
Somit: Kopfhörerer mit Micky-Mic
Übrigens:
Wer einfach nur einen guten Kopfhörer sucht: Die Mikrobuchse lässt sich mittels beigelegtem Deckel fast unsichtbar verschließen, somit spricht auch wenig dagegen das Headset einfach nur des guten Kopfhörers wegen zu kaufen und das Mikro eben Mikro sein zu lassen.
Bitte zur geneigten Kenntnisnahme:
Meine Rezension gibt meinen subjektiven Eindruck wieder und ist auch nicht durch professionelle, messtechnische Diagnosen untermauert, wie bei ernsthaften Tests. Bei Mikrophonen bin ich berufsbedingt sehr pingelig, weil ich hochwertigen und hochpreisigen Vergleich habe. Für VOIP müsst ihr selbst ausprobieren, ob ihr mit dem Mikro glücklich werdet.
Ganz grundsätzlich kann ich natürlich auch nicht ausschließen beim Mikro vielleicht eine defekte oder zumindest teildefekte Zitrone, oder einen Serienausreißer erwischt zu haben, möglicherweise haben andere damit auch bessere Erfahrungen gemacht, dann lasst mich das gerne per Kommentar wissen - vielleicht bestelle ich es mir dann doch nochmal, wer weiß...
> Siehe auch ganz oben unter Nachtrag vom 18. Okt. 2015