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Kundenrezensionen

3,9 von 5 Sternen
20
3,9 von 5 Sternen
Enemy - Steelbook [Blu-ray] [Limited Edition]
Format: Blu-ray|Ändern
Preis:13,98 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 26. September 2015
Obwohl Denis Villeneuves Enemy streng durchkomponiert ist und jede Szene und jeder Satz auf einer tieferen Ebene semantisch geladen sind, ist eine rationale kohärente Deutung des Films kaum möglich. Dazu spielt er zu sehr mit der Nicht-Erfüllung des Bedürfnisses des Zuschauers nach vollständiger Auflösung. Nichtsdestotrotz lassen sich die meisten Teile dieses Puzzles erklären und zu einem sinnvollen Bild zusammenfügen. Chris Stuckman hat die Eckpfeiler einer plausiblen Lesart in seiner Analyse bereits herausgearbeitet. Enemy handelt von einem Mann, der seiner Frau untreu ist, aber reuevoll zu ihr zurückkehrt. Er hat Ambitionen, Schauspieler zu werden, ist jedoch nicht talentiert genug. Dabei gibt es immer wieder Anspielungen auf Diktaturen, die – wie er im Hörsaal sagt – die individuelle Lebensausführung unterdrücken. Allerdings bleibt Stuckman in seiner Interpretation hinter seiner potentiellen Erkenntnis stehen und kommt nicht auf den ausschlaggebenden Begriff: Der Film fundiert auf dem Paradigma der klassischen Psychoanalyse.

Denis Villeneuve gibt einen klaren Hinweis, wenn er den Film als Dokumentarfilm über sein oder Jacks Gyllenhaals Unterbewusstsein bezeichnet. Es geht also weniger um das Leben einer bestimmten Figur als um generelle Strukturen im Unterbewusstsein eines Mannes. Aber auch der Film leistet zum Ende eine unmissverständliche Andeutung: Gyllenhaal öffnet den Brief, der als großes Geheimnis leitmotivisch den ganzen Film durchzieht, und findet darin einen Schlüssel. Dies ist vor allem ein Schlüssel für den Zuschauer, denn auf dem Schlüssel ist der Schriftzug UNIKA zu lesen, was nicht anders verstanden werden kann als dass der Protagonist ein Unikat ist. Wenn es keinen Doppelgänger gibt, müssen wir es mit einem innerpsychischen Phänomen zu tun haben.

In Enemy kämpfen zwei Ich-Anteile um ihre Vorherrschaft. Auf der einen Seite steht der Dozent, der einer hochqualifizierten, gesellschaftlich angesehenen Arbeit nachgeht und dennoch sichtbar geknechtet ist. Der verkniffene Gesichtsausdruck und die gebückte Körperhaltung verraten es sofort. Er ist der Ich-Anteil, der der Diktatur des freudschen Über-Ichs, des kulturellen Gesetzes (dem lacanschen Großen Anderen) nachgibt. Auf der anderen Seite steht der erfolglose Schauspieler, ein Mensch, der ohne Gewissensprozesse tut, wonach ihm ist. Er pflegt einen ungemein saloppen Umgang mit seiner Frau und nimmt keine Rücksicht auf andere Menschen. Dies ist der Ich-Anteil, der den Impulsen des Es, einer narzisstischen Weltwahrnehmung (im lacanschen Imaginären verortet) nachgeht. Beides sind Anteile ein und derselben Person. Dadurch rückt die Frage, welche Szenen analeptisch, imaginiert oder wirklich sind, stark in den Hintergrund. Villeneuve geht es nicht darum, einen stringenten Plot zu liefern, der wie ein Rätsel aufgelöst werden kann. Er veranschaulicht Strukturen einer Protagonistenpsyche, die prototypisch für viele Männer gelten kann.

Nun hat Stuckman bereits herausgearbeitet, dass die Spinnen in enger Verbindung zu den Frauen stehen. Das ist mehr als naheliegend, substituiert doch in der finalen Szene eine Spinne die schwangere Frau. Die Spinnen stehen für die Unsicherheit des Protagonisten in seiner Beziehung zu Frauen. Er geht ihnen einerseits ins Netz, indem er sich immer wieder zum Fremdgehen verführen lässt, andererseits hat er große Angst, im Netz der Ehe gefangen zu werden. Viele weibliche Spinnen fressen das Männchen nach dem Sex auf. Diese Bindungsangst rührt offensichtlich von der Beziehung zur Mutter her. Das ist kein freudsches Phantasma, sondern wird im Film unmittelbar demonstriert. Die erste Stimme in der ersten Szene ist die der Mutter. Sie hat allerdings einen entfremdeten Aspekt, da sie einerseits über die Nachträglichkeit des Anrufbeantworters zu hören ist (Distanz) und infolge der telefonischen Sprachaufnahme sämtliche Bass-, d.h. Grundfrequenzen in der Stimme verloren hat (Verfremdung). Sie wird verknüpft mit der tristen, kalten, eintönigen Skyline einer grauen Stadt voller Plattenbau. Dass die Stadt ein Spiegelbild von Adams/Anthonys Psyche ist, bedarf keiner weiteren Erläuterung, das zeigt bereits das Filmplakat. In der zweiten Szene wird die werdende Mutter Helen präsentiert. Zwischen diesen beiden Punkten zirkuliert die gesamte Problematik des Protagonisten: Der entfremdeten Beziehung zu seiner Mutter und der Aufgabe, einer Mutter ein guter Partner zu sein. Interessanterweise zeigt die erste Szene im Vordergrund der öden Großstadt viele grüne Bäume. Sie entsprechen der Tatsache, dass der Protagonist gewillt ist, ein treuer Ehemann zu sein, er ist nicht vollständig entfremdet, es gibt einen Nährboden für gedeihendes Leben.

Wie es sich mit der Beziehung zur Mutter verhält, wird während seines Gesprächs mit ihr deutlich. Sie ist kaum empathisch, ungeduldig, streng und gibt ihm Befehle: „Iss die!“ Gleichzeitig will sie offenkundig sein Bestes und steht in enger Verbindung zu ihm, denn nach dem Befehl folgt die gutmütige Frage: „Möchtest du Kaffee?“ Wir sehen Adam/Anthony mit einem stark irritierten Gesichtsausdruck. Es ist in diesem Zusammenhang hochinteressant, dass der Vater im Film keine Rolle spielt. Die Mutter verkörpert nämlich beide Seiten des Ödipuskomplexes: Die liebende Mutter und den kastrationsandrohenden Vater. Den Ödipuskomplex hat Freud als normalen Zustand eines Heranwachsenden verstanden. Um dieses Prinzip nach heutigen Maßstäben richtig nachzuvollziehen, ist es wichtig, die ödipale Szenerie nicht wörtlich zu nehmen. Es geht nicht um konkreten Sex mit der Mutter und Angst vor physischer Kastration vor dem konkurrierenden Vater. Es geht vielmehr um das öffnende Prinzip der Liebe (mütterlich) und das einschränkende Prinzip des Gesetzes (väterlich). Der Protagonist kann aufgrund dieser ambivalenten Beziehungsstruktur zu seiner Mutter diese beiden Prinzipien nicht trennen. Das Liebesprinzip der Bindung wird verbunden mit der Angst vor Unterdrückung. Seine Mutter fördert die Anthony-Seite, indem sie ihm gibt, was er mag und sie fördert die Adam-Seite, indem sie ihn kontinuierlich maßregelt. Liebe und Gesetz sind für den Protagonisten in der weiblichen Mutter-Imago vereint. Darum erfährt er eine konstante Nähe zu Frauen als Diktatur. Direkt nach dem Treffen mit der Mutter folgt die Sequenz, in der sich eine riesige gruselige Spinne durch die bzw. aufgrund ihrer Größe besser gesagt über der Stadt fortbewegt. Stuckman hat bereits dargelegt, dass sie der Bauart einer sogenannten Mutterspinnen- Statue am Drehort entspricht. Wenn wir das Bild der Spinne als Mutter und der Stadt als Psyche übersetzen, ist die Mutter das furchterregende und gleichzeitig dominierende Element in der Einöde der Seelenlandschaft des Protagonisten. Alle weiteren im Film auftauchenden Spinnen sind also Stellvertreter dieser überragenden Mutterspinne. Auch der Autounfall endet mit einem Blick auf ein Spinnennetz. Wer das davor stattfindende Streitgespräch im Auto erinnert, wird den Zusammenhang vielleicht schon hergestellt haben. Es ist ein metaphorisches Kastrationsgespräch und inszeniert die Problematik des Protagonisten allegorisch: „Ich bin kein Mann? Ich bin kein verdammter Mann?“ Er fühlt sich gegenüber der Frau unfrei, doch sein Lösungsversuch ist unbeholfen und endet im Unfall. Diese elementare Szene zeigt also nicht nur (in Verbindung mit dem gleichzeitigen innigen Küssen Helens) die Absage an die Anthony-Persönlichkeitsanteile, sondern auch die generelle Beziehungsstruktur des Protagonisten: Seine Kastrationsangst triggert das Abstoßen der Partnerin. Unter diesem Gesichtspunkt ist es seitens des Drehbuchs ein riesiger Wink mit dem Zaunpfahl, dass die Geliebte ihm zu einer Therapie rät.

Es geht Enemy demgemäß überhaupt nicht um einen stringenten Plot, es geht um die anschauliche Skizzierung unterbewusster Verhältnisse. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass Athony Adam vorwirft, mit seiner Frau geschlafen zu haben. Natürlich hat er es, es ist ja ein Selbstgespräch. Inszeniert wird an dieser Stelle Adams kräftezehrende Entscheidung, die Anthonyanteile zugunsten seiner Ehe zu unterdrücken, sprich die Exposition zum Autounfall: „Und dann verschwinde ich für immer aus Ihrem Leben“, sagt Anthony. Der Plot ist eine symbolisch-analogische, stellvertretend-visuell-auditive Übersetzung dessen, was im Unterbewusstsein des Protagonisten vor sich geht. Beispielsweise steht die karge Ausstattung von Adams Wohnung im Vergleich zur noblen Ehe-Wohnung dafür, dass andere Frauen kein Äquivalent zu seiner Ehefrau sind. Die am Ende erscheinende Spinne entspricht der Tatsache, dass ein Mensch seiner unbewussten Programmierung nicht entkommen kann. Der Geschichtslehrer referiert über Hegels Theorem der Wiederholung weltgeschichtlicher Ereignisse, die dadurch zu einer Farce werden, und rekurriert damit auf seinen eigenen Wiederholungszwang im Sinne Freuds. Bereits kurz zuvor ist die hochschwangere Helen in der Dusche vor einem Muster der Duschwand zu sehen, das Spinnenfäden ähnelt. Der Kampf um seine Ängste vor einer Diktatur der Zweisamkeit bleibt, auch wenn der Protagonist sich entschieden hat, bei seiner Frau zu bleiben. Darum ist sein Blick in der letzten Szene resignierend. Die Spinne wiederum macht eine ängstliche Gebärde, weil sie eben seiner Angst entspricht.

Wir können annehmen, dass Adam der primären Persönlichkeitsstruktur des Protagonisten gleichkommt. Darauf deuten nicht nur der biblisch-ursprüngliche Name hin, sondern diverse Umstände. Anthony hat beispielsweise nur drei kleine Rollen gespielt, während der Stelle eines universitären Lehrers eine lange wissenschaftliche Laufbahn vorausgeht. Allerdings hat auch Anthony Eigenschaften, die bereits in der Kindheit gegeben waren und die der filmische Adam nicht teilt, z. B. den Genuss von Blaubeeren, wie die Mutter weiß. Dementsprechend wäre es falsch anzunehmen, dass Anthony aus einer dissoziativen Persönlichkeitsspaltung hervorgegangen wäre. Er ist tatsächlich ein Anteil einer einzigen Persönlichkeit, so wie Adam ein anderer Anteil ist. Das menschliche Ich wird eben sowohl von den Maßregelungen der Gesellschaft und des freudschen Über-Ichs als auch von dem Begehren narzisstischer Dispositionen und den affektiven Bedürfnissen des freudschen Es zwiespältig beansprucht. Das menschliche Unbewusste ist weder rational noch in seinen Intentionen kohärent.

PS:blu ray bild plus ton tip top!
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am 9. Januar 2015
Wenn ein Film mindestens zwei Mal gesehen werden muss, um verstanden zu werden, dann ist der Film entweder ganz besonders gut, oder ganz besonders schlecht.
Enemy fällt in die erste Kategorie und regt zum Nachdenken an, zwei Mal reicht nicht aus um überhaupt zu beginnen diesen Film zu entschlüsseln. Allerdings wirkt dieses Meisterwerk von Denis Villeneuve nie selbstebeweihräuchernd oder chaotisch, selbst wer nicht aktiv versucht jede Nuance des Films zu verknüpfen kann den Film absolut genießen und die Geschichte über einen Mann, der plötzlich seinen Doppelgänger kennen lernt ist auch solo sehr gut.

Wer nach dem überraschenden Ende nicht genug bekommen kann, der kann im Internet ungefähr einhundert verschiedene Interpretationen (von einem Faschistischen Spinnenregime, über den Misogynismus des Protagonisten, bis hin zu viele komplexen Zeitreihen) finden, die meiner Ansicht nach alle noch zu viele Schwächen haben um zum Kern vorgestoßen zu sein.

Absolut faszinierendes Kunstwerk!
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am 14. August 2014
(meine Rezension bezieht sich nur auf den Film, auch unabhängig vom Buch, da ich dieses leider nicht gelesen habe)

Ich persönlich finde diesen Film beeindruckend gewagt und vollauf gelungen. Gut, es muss gesagt sein, dass er für die Mehrheit der Kinogänger und DVD-Käufer eher weniger bis gar nicht geeignet sein wird. Leider wird diese außergewöhnliche Machart und Umsetzung des Films im Trailer nicht deutlich gezeigt, daher werden einige wohl enttäuscht sein, wenn sie den Film lediglich aufgrund des Trailers aussuchen.

Für echte Cineasten und Literaturliebhaber ist die DVD/Blu-ray allerdings ein Muss. Zwar empfehle ich ihn mehrmals anzuschauen, wenn man ihn komplett verstehen möchte, doch ich denke, der Film möchte lieber zum Nachdenken anregen als bis in die Einzelheiten verstanden zu werden. In dieser Hinsicht ist er aufregend, interessant, tiefgründig, spannend, melancholisch und überraschend bis zur letzten Minute und darüber hinaus.

Da ich persönlich Rezensionen, die zu viel über die Handlung verraten, überhaupt nicht ausstehen kann und mir Filme prinzipiell gerne anschaue ohne vorher zuviel davon gelesen zu haben, werde ich die Handlung hier nicht zusammenfassen. Auch weil man das meiner Meinung nach nicht kann, ohne gleich die ersten 5 Minuten des Films zu spoilern.

--> Deshalb rate ich einfach allen, die sich für ruhige, rätselhafte und außergewöhnliche Filme begeistern können, ihn zu kaufen. Und allen anderen rate ich davon ab.
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am 9. Oktober 2016
Selten, sehr selten gibt es heute noch Filme, die den reflektierten Zuschauer vollkommen mit allen Sinnen aufsaugen, die dieses lang ersehnte Gefühl von Schwerelosigkeit in einem anderen fremden Kosmos erzeugen. Wenn Filme die Bauteile der Realität zerschlagen und sie neu zusammensetzen , wenn sie uns in eine Art Dauerhypnose versetzen durch ihren manipulativen Einsatz aller kinematographischen Mittel , durch ihre verfremdete Bedrohlichkeit bei gleichzeitiger Verführungskraft, dann hieß in der Vergangenheit der Regisseur oft David Lynch, auch Stanley Kubrick , neueren Datum womöglich noch Jonathan Glazer oder Winding Refn. Kaum einem Werk ist es jedoch in letzter Zeit so perfekt gelungen die Gehirnwindungen um und um zu drehen , rätselhaft und dabei unterschwellig beklemmend in eine Parallelwelt einzutauchen wie " Enemy" . Regisseur Dennis Villeneuve ist bei den wenigen wirklich aufregenden und vielversprechenden Regisseuren des heutigen Independent Films in erster Reihe zu nennen . Sein " Prisoners" ist wohl der fulminanteste Nervenzerrer schlechthin der letzten Jahre. " Enemy" , der ein Jahr früher entstand und ebenfalls mit dem brillanten Jake Gyllenhaal besetzt ist, ist da eine ruhigere, umso dunklere und surrealere Reise in ein menschliches Unterbewusstsein. Tagelang wird dieser Film in Ihnen noch nachwirken, so Sie, lieber Interessent eher den suggestiven Angsträumen und Metaebenen, denn der flachen Popcorn Action zugetan sind und schon immer selbst das irdische Dasein in letzter Konsequenz als mehrdimensionales Rätsel und geheimnisvolles Labyrinth begriffen haben . " Enemy" ist dann auch für Sie reine Kinomagie.

Detaillierter bin ich noch in der herkömmlichen Bluray Ausgabe auf das beunruhigend betörende Meisterstück eingegangen. Steelbook und BluRay Ausgabe sind auch in den Extras identisch , nur die äussere Verpackung differiert. Für etwas Verwirrung sorgt jedoch die erhöhte Altersfreigabe FSK 16 bei dem Mediabook . Diese ist dadurch zu erklären, dass auf dem drei Disk umfassenden Set sich auch noch Villeneuves Amokdrama" Polytechnique" befindet.Ebenfalls ein unglaublich bestürzender Streifen, um die realen blutigen Ereignisse an einem Polytechnikum im kanadischen Quebec im Jahr 1989. Ein Amokläufer mit Hass auf Frauen tötete dort mit seiner Schnellfeuerwaffe zahlreiche Schülerinnen und Lehrerinnen. Das knapp achtzigminütige erschütternde Schwarzweiß Drama ist dort zum ersten Mal in deutsch synchronisiert in den Extras mit enthalten . Aus welchem Grund man dieses dann nicht auch auf dem Cover des Mediabooks angibt, ist mir schleierhaft. Beide Filme dieses Regietalents sind jede Empfehlung wert, und ob Sie sich nur für die alleinige " Enemy" Veröffentlichung oder für das Mediabook inklusive " Polytechnique" entscheiden, Denis Villeneuve wird ihnen mit seiner Inszenierungskunst den Boden unter den Füßen wegziehen.
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am 27. März 2015
denn mittlerweile kann man sich beinahe blind darauf verlassen, daß ein Film, der unter Beteiligung von JG entsteht, interessant und gut ist. Zuletzt "Prisoners", jetzt "Enemy" und "Nightcrawler". Der gute Mann trägt mittlerweile sogar problemlos annähernd alleine einen Film, siehe "Enemy". Ich habe den mit bescheidenen Mitteln gedrehten Film mittlerweile dreimal gesehen und der Streifen wird nicht langweilig. Ständig gibt es neue Details zu entdecken. Außerdem hallt der Film auch gut nach, man denkt über sehr persönliche Dinge nach, Familie, Beziehungen.

Die Blu-ray-Umsetzung ist toll, allerdings muß man mit dem künstlerisch gewollten Gelbstich klarkommen. Das verleiht dem Film einen sehr speziellen und irgendwie auch ungemein morbiden Look. Paßt absolut! Das Steelbook ist auch richtig schön gestaltet.
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am 25. November 2015
Also, jemand hat es hier ja bereits erwähnt: Fans von David Lynch-Filmen sitzen ja schon seit längerer Zeit auf dem Trockenen. Und da es nun nicht mehr reicht, zum bestimmt 30ten Mal Inland Empire oder Lost Highway bzw. Mulholland Drive zu schauen, stürze ich mich praktisch auf alles, was im Bereich Arthouse- oder Independent-Kino erscheint. Oft werde ich dabei leider enttäuscht, weil natürlich einerseits zwischen all' den Marvel-Comicverfilmungen, The Hunger Games und Fast & Furious-Filmen nur noch wenig Platz für Filme wie eben z.B. "Enemy" oder auch "Under the Skin" (Scarlett Johansson) bleibt aber andererseits auch, weil -wenn mir dann solch' ein Film ins Haus bzw. in den Blu-Ray-Player flattert, die Erwartungshaltung extrem groß ist. Viele Filme werden eben jener Erwartungshaltung dann nicht gerecht. Und so auch "Enemy". Wobei mich "Enemy" auf einem qualitativ so derart hohen Niveau enttäuscht hat, dass der Film eben doch 4 von 5 Sternen bekommt und eine klare Empfehlung für Arthouse- oder eben David Lynch-Fans bleibt. (Ganz präzise hätte ich ihm 3,5 von 5 Sternen gegeben)

Ok, warum ist der Film echt toll, dennoch aber in gewisser Hinsicht eine Enttäuschung und viel wichtiger: sollte man ihn sich für die Sammlung zulegen? Und das Ganze jetzt komplett ohne Spoiler. Spoiler jeglicher Art versauen einem das Filmerlebnis bei diesem Film nämlich so ziemlich komplett.

Also, worum es geht, ist schnell und kurz gesagt:

Wir sehen in "Enemy" Jake Gyllenhaal in einer Doppelrolle. Er spielt den Geschichtsprofessor Adam Bell als auch den Schauspieler Anthony Claire. Adam entdeckt seinen Doppelgänger (so der deutsche Titel des Buches, auf welchem der Film basiert) aus einem seltsamen Zufall heraus, will dann mehr über ihn rausfinden (würden wir wohl alle tun), entwickelt dabei beste Stalker-Qualitäten und gerät zusammen mit Anthony Claire in einen Sog, der beide nicht mehr loslässt. So, mehr zur Story zu sagen, wäre schon fast zu viel. Außer vielleicht noch, dass auch die Partnerinnen der beiden (schwangere Ehefrau und "Sex-Freundin") mit in diesen Strudel der Ereignisse gezogen werden.

Ok, wie hat der Film auf mich gewirkt? (Hab ihn mittlerweile dreimal angesehen...der Kauf hat sich also so oder so gelohnt) Der Film ist definitiv sehr spannend, hat eine intensive wie bedrückende, bedrohliche, Atmosphäre und ist mit durchweg guten bis grandiosen Schauspielern besetzt. Jake Gyllenhaal sticht hierbei absolut hervor, er liefert wirklich eine absolute Glanzleistung seiner Karriere ab. Bitte mehr Filme dieser Art, Jake! Die Rollen von Mélanie Laurent, Isabella Rossellini und Sarah Gadon (was für eine auffallend natürliche wie schöne Frau! Das muss einfach mal kurz gesagt werden.) sind von ihrer Entfaltung her begrenzt, hier und da beinahe klischeebeladen (die natürlich eifersüchtige Ehefrau, die Angst hat, verlassen zu werden...etc.), werden aber von den Schauspielerinnen im Rahmen ihrer Möglichkeiten hervorragend gespielt.

Die surreale Optik des Films unterstreicht die ebenso surreale wie eben atmosphärische Gesamtstimmung perfekt und erinnert in vielerlei Hinsicht an David Lynch-Streifen. Der gute Mr. Lynch ist ja auch ein Freund von Farben, vor allen Dingen vom Wechsel zwischen Blau und Rot. So wird das in "Enemy" nicht umgesetzt, der Regisseur bedient sich aber definitiv dem Stilmittel "Farbe".

Die Kamera und auch die Kamerafahrten sind grandios. Wie bereits gesagt...die Atmosphäre des Films ist sehr, sehr dicht und teils bedrohlich...und Kamera wie auch Regie verstehen dabei ihren Job absolut. Surreale Traumsequenzen runden das Spiel zwischen Realität und Illusion gekonnt ab.

Und Freunde dieser Filme wissen ja, dass es sich bei einem solchen Film immer lohnt, genau auf Objekte im Hintergrund und generell auf Details oder die Wortwahl zu achten...und für dieses Verhalten wird man vom Film auch belohnt. Der Regisseur streut subtil Brotkrumen aus, die einen teilweise auf die richtige, teilweise auf die falsche Spur bringen. Allein deswegen nehm ich das nochmal vorweg: der Kauf lohnt, weil man diesen Film definitiv mehr als einmal ansehen sollte.

Warum jedoch war ich etwas enttäuscht und warum gibt's keine fünf Sterne? Weil der Film in seinem surrealen Gesamtgefüge eben doch nicht so perfekt ist wie ich es von David Lynch-Filmen gewohnt bin. Vielleicht lag es auch daran, dass er in meinen Augen zu kurz war. Dem Film hätten 10 bis 20 Minuten mehr gut getan. Man ist nämlich grad noch so richtig "drin", freut sich auf die nächste Szene...auf etwas, was einer Auflösung irgendwie nahe kommt...und peng!....der Film ist vorbei. Mir hat das so nicht gereicht. Nicht falsch verstehen, ich erwarte bei einem solchen Film keine perfekte Auflösung...würde ich das tun, wäre ich ja kein Fan von David Lynch...aber das grundlegende Problem, was ich mit "Enemy" hatte bzw. habe, ist, dass die Story an sich eigentlich hätte mehr hergeben können...mehr in vor allen Dingen psychologischer Natur...aber in meinen Augen beschreitet der Regisseur dann doch einen zu sicheren Pfad...und verschleiert die eigentlich banale Wahrheit dann wieder durch teils unlogische Szenen und die bereits genannten "Brotkrumen", um das Geheimnis nicht zu früh preisgeben zu müssen. Und dann ist es nach 90 Minuten mehr oder weniger plötzlich da und der Film endet...und ich für meinen Teil bin damit nach wie vor nicht zufrieden. Interpretationen des Films hin oder her...ich hab mich nach 90 Minuten (man verzeihe mir den Ausdruck) etwas verarscht gefühlt. Aber einen solchen Film wird jeder Filmfreund anders auffassen und während ich am Ende nicht richtig zufrieden war, werden andere das Ende vielleicht sehr schätzen oder sogar genial finden.

Es ist ohnehin schwer, einen solchen Film objektiv zu bewerten...von daher jetzt ein kurzes Fazit zum Schluss:

klare Kaufempfehlung (bei dem niedrigen Preis des Steelbooks) für Fans von Arthouse- bzw. David Lynch-Filmen wie vor allen Dingen Lost Highway und Mulholland Drive. Es finden sich in meinen Augen sogar viele Anleihen aus jenen Filmen hier wieder. Jedoch sollte man seine Erwartungshaltung etwas zurückschrauben und daran denken, dass der Film mit 90 Minuten ziemlich kurz ist. Ebenfalls sollte man sich direkt davon freimachen, einen Doppelgänger-Thriller serviert zu bekommen, der am Ende das große Geheimnis Hollywood-mäßig auflöst und auch noch für Sechsjährige begreiflich macht. Bei diesem Film ist eine Menge Fantasie und Interpretationsvermögen gefragt und damit lässt der Film einen dann auch nach 90 Minuten zurück.

Nicht empfehlen kann ich diesen Film Leuten, die einen einfach spannenden Thriller nach gewohntem Schema serviert bekommen wollen. Ebenfalls nutzt dieser Film das Medium Blu-Ray qualitativ nicht aus, was bei dem Film mit seiner Optik und den ausgewaschenen Farben aber in der Natur der Sache liegt. Hier finden sich keine knallbunten Bonbon-Farben wie in Marvel-Comicverfilmungen á la Avengers, etc. Dieser Film ist ganz stark in der Arthouse-Ecke verwurzelt und will in meinen Augen auch nicht zwangsläufig unbedingt verstanden werden.

Ach, und: ich habe den Film nur auf Englisch gesehen und kann deswegen nichts zur Qualität der deutschen Tonspur bzw. Übersetzung sagen.

Und: ich habe das Buch "Der Doppelgänger" nicht gelesen und kann dementsprechend nicht sagen, ob man den Film dann in einem anderen Licht betrachtet.

Und wer bis hierhin gelesen hat: vielen Dank für die Aufmerksamkeit! :-)
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am 12. August 2016
eine geschichte. bringe lauter stranges zeug hinein, was man so oder so oder gernicht interpretieren kann, und kritisiere alle die, das pseudo-intellektuelle nicht versteht, als plflicht-schul-abschluss-verweigerer.
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am 22. Juli 2014
Adam Bell (Jake Gyllenhaal) ist ein Geschichtslehrer, der von seinem Leben gelangweilt ist. Dies ändert sich schlagartig, als er eines Abends einen von seinem Kollegen vorgeschlagenen Film sieht: Einer der Darsteller sieht haargenau so aus wie er. Adam stellt Nachforschungen an. Ist dieser Anthony St. Claire vielleicht sein Zwillingsbruder? Seine Mutter (Isabella Rossellini) bestreitet dies. Als Adam schließlich den Kontakt zu Anthony aufnimmt, setzt dies Entwicklungen in Gang, die nicht nur ihrer beider Leben erschüttert, sondern auch das ihrer jeweiligen Freundinnen, Mary (Mélanie Laurent) bzw. Helen (Sarah Gadon)...

Wow, was für ein schwerer Film. Nicht im Sinne von erschreckend. Eher schwer zu durchschauen und noch schwerer zu verstehen. Ein bedrückender und gleichzeitig schöner Film, der einem den Blick ins Innere eines mit sich und seinem Leben zutiefst unzufriedenen Mannes gewährt, dessen wahrer Horror seine eigene Zerissenheit und vielleicht auch Sexualität ist. Komplex statt kompliziert, schwer greifbar und beinahe gänzlich unfassbar.

Jake Gyllenhaal überzeugt in seiner Doppelrolle vollauf. Doch auch seine schwangere Frau (Sarah Gadon) performt das Leiden einer Beziehung gekonnt, die im vermeintlich perfekt eingerichteten Leben und einer traumhaft schönen Wohnung nur so vor sich hin siecht. Mélanie Laurent, die man vielleicht noch als Shosanna in "Inglourious Basterds" kennt, ist eine ebenso perfekte Besetzung für die Rolle der Geliebten.

Die kaum wahrnehmbaren Längen des Films packen den Zuschauer durch seine eigene Neugier auf eine mögliche Auflösung aller Kafkaesk-konstruierten Symboliken und Stimmungen. Diese Spannung ist so unheilvoll wie elektrisierend und lässt einen wie gebannt auf die Leinwand starren und es nicht wagen zu blinzeln, aus Furcht, man könne etwas verpassen. Und dann ist da noch dieser durchgehend trist-gelbe Farbton, den Regisseur Denis Villeneuve benutzt und so für eine fesselnde Atmosphäre sorgt.

Doch klatscht es der Schluss schließlich nur zynisch-pessimistisch an die Leinwand: der Ekel und die Abscheu des Protagonisten vor seinem eigenen Leben sitzt zu tief - ein Entrinnen daraus bleibt Hoffnung, stellt sich mit seinem eigenen Film im Kopf wohl aber nicht ein. Der Zuschauer wird von jetzt auf gleich zurückgelassen, tief versunken in seiner Gedankenwelt. Ein Film, der geradezu nach Zweitsichtung und definitiv Interpretationshilfe schreit - bei Whiskey und Zigarre.
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am 30. Oktober 2015
Eins vorweg, wer mit den Filmen von David Lynch mal so einfach überhaupt nichts anfangen kann, sollte einen großen Bogen um „Enemy“ machen. Allerdings muss man auch kein Riesenfan von seinen Werken sein, um Enemy genießen zu können. Man sollte nur grundsätzlich Interesse an der Machart solcher Filme haben.

Denn „Enemy“ ist meiner Meinung nach doch um einiges zugänglicher als die Filme von Herrn Lynch. Die Geschichte ist einigermaßen chronologisch erzählt und auf den ersten Blick erscheint eine logische Erklärung für die Ereignisse auch gar nicht so abwegig.
Mit zunehmender Länge merkt man aber, dass die Grenzen zwischen realen Ereignissen und den Vorstellungen im Kopf des Protagonisten immer mehr verschwimmen, bis man überhaupt nicht mehr weiß, was real oder irreal ist. Um diese Unterscheidung überhaupt treffen zu können, ist mehrmaliges Ansehen meiner Meinung nach unerlässlich.

Des Weiteren möchte ich lobend erwähnen, dass der Film sich wirklich zu keiner Zeit gezogen hat, was unter anderem an der großartigen Leistung Gyllenhaals liegt, der sich mittlerweile zu einem meiner Lieblingsschauspieler gemausert hat.
Das Ende soll hier auch noch einmal besonders herausgestellt werden, da es einen mit einem richtig schönen „What the f***“-Moment im Sessel zurücklässt und man sich fragt. „Was zur Hölle hab ich da grad eigentlich gesehen?“

Kurzum; ein Meisterwerk.
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am 4. Februar 2016
was für ein Meisterwerk was schreiben die da Alle. Oh der Regisseur tolle Farben und Kammer und die Mimik Oh Ganz toll. Nein Langweilig.
Eines stimmt ja mann wartet das da was passiert bis zum Schluss, ja mann wartet und wartet. dann Schluss und mann wartet immer noch das da noch was kommt, so wie bei den Avengers nach dem ende des Films kommt noch was, hir kommt nix also NICHT warten.
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