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am 10. März 2014
Die Bücher des evangelischen Systematikers Friedrich Wilhelm Graf gehören seit vielen Jahren zum Besten, was man unter Publikationen von deutschen Theologen finden kann. Und das hängt auch damit zusammen, dass er unter Bewahrung einer klaren Orientierung an die reformatorischen Erkenntnisse und biblischen Überlieferungen diese konfrontiert und ins Gespräch bringt mit aktuellen religiösen Entwicklungen auf der ganzen Welt.

Dabei spart er nie mit oft beißender Kritik an seiner eigenen Kirche, der EKD, deren Positionen und Verlautbarungen oft von einer erschütternden theologischen Unkenntnis geprägt seien.

Sein neues Buch beschäftigt sich mit der wachsenden Macht der Religionen, die durch weltweite Migration, das Internet und einen entgrenzten Kapitalismus in eine so vorher niemals erlebte Bewegung geraten sind. Auf den weltweiten Märkten der Religion wird mit harten Bandagen gekämpft.

An vielen Beispielen beschreibt Graf belesen und kritisch die Muster dieser neuartigen Konflikte um die Religion, die sich eben nicht nur auf den Bereich der Religion beschränken, wie das früher vielleicht war, sondern immer und sofort schwerwiegende politische Folgen zeigen. Wenn man als kritischer Christ etwa, aber auch als religionskritisch eingestellter Mensch diese neuartige Macht der Religionen besser verstehen will, findet man in diesem Buch eine Fülle von intellektuell anregendem Stoff.

Nicht zuletzt seine im Epilog genannten beiden Wege zur Zivilisierung der Religion, die er dringend für nötig erachtet, bieten insbesondere christlichen Theologen ein Menge Anregungen für ihre Arbeit in Lehre und Verkündigung.
Zum einen schlägt er vor, die Religion durch die Religion zu domestizieren und zum anderen ganz neu über die Bedeutung der Inkarnation und der Trinität nachzudenken.
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TOP 100 REZENSENTam 29. Juli 2014
In diesem Buch wird eine detaillierte Übersicht zu allen Religionen vermittelt, in großer Fülle und mit zahlreichen, gut lesbaren Fakten erfährt man die wesentlichen Inhalte und projizierten Entwicklungen aller weltweiten Glaubensgemeinschaften.

Dabei wird die Spannung aus konsumorientierter Leere im Kapitalismus und den starken Eckpfeilern verbindlicher Sicherheiten deutlich, die in einfachen Religionen mitschwingen, und wenn sie fundamentalistisch sind, in den Wettbewerb zu anderen Anbietern mit härtesten Bandagen treten, die Märkte kennen. Religious economics - Religionsökonomie - ist eine relativ neue wissenschaftliche Disziplin, die religiöse Wandlungsprozesse in ökonomischen Deutungsmuster überführt, bloßlegt und Dinge erklärt, die man gemeinhin vom Marketing kennt. Fundamentalistische Strömungen sind oft ein Reflex auf sich öffnende, weltliche Sichtweisen, heute vielfältig - und nicht nur im Islam zu beobachten.

Religionen sind in diesen Jahren wenig mehr als Märkte für Macht, leider. Und noch trauriger sind die dabei eingesetzten, kriegerischen Mittel, die in keiner Religion notwendig wären, wenn Toleranz gelebt, der eigene Weg nicht als der allein selig machende gesehen würde. Fundamentalismen schenken schnelle, einfache Befreiung vom Nachdenken, ja, aber sie limitieren Menschlichkeit oft ebenso sehr. In diesem Spannungsbogen fällt mir die Wahl immer leicht, wenn ich an einer Religion zu hängen hätte. Es ist immer wieder das Judentum, eine Gemeinschaft, nur 14 Millionen groß, 0,2 % der Weltbevölkerung, die wie keine andere NICHT missioniert und vielleicht gerade deshalb so sehr verfolgt wurde und wird. Weil sie Gläubigen die Freiheiten bis hin zum Nichtglauben lässt und doch höhere Bindungen schafft.

Israel hat heute mehr jüdische Glaubensrichtungen als je zuvor, eine Entwicklung, die das äußere Problem noch vervielfältigt - und doch können Juden alle Strömungen vereinen, vom Tel Aviv'er Partystrand (7/24h Party) bis hin zu den bitterarmen Haredim, die ihre Aufgabe lediglich im Lesen in den Heiligen Schriften sehen und deshalb nicht arbeiten können, sich sogar der Wehrpflicht verweigern. Wenn man sich die Ergebnisse an Assimilierung und Toleranz, die Juden erdulden mussten, betrachtet, dann wird es düster. Das Ergebnis war der Versuch ihrer totalen Vernichtung, heute als Antwort aktiv, die alttestamentarische Antworten als Pflicht und Notwendigkeit ansieht.

Nichts kann so sehr binden wie religiöser Glaube, nach wie vor kann er Elend und Hungern weg-zaubern, während die Führer aller denkbaren fundamentalistischen Strömungen leichtes Geld mit den Strenggläubigen machen. Es kommt heute darauf an, dass alle monotheistischen Religionen ihre Verbindungen zur parlamentarischen Demokratie überdenken und in den Fluss des Menschlichen bringen. So ist z.B. die NU, größte muslimische Vereinigung der Welt mit 30 Mio Mitgliedern auf den Philippinen, ein Vertreter für Religionsfreiheit. Trotzdem ist dies vielen muslimischen Akteuren noch nicht wirklich gelungen, ihre Reformation steht noch bevor, mit all den Schmerzen, die wir aktuell erleben. "Soll religiöser Glaube mit einer freiheitlichen politischen Ordnung kompatibel sein, muss er sich selbst begrenzen können und zivilisieren." (S 249)

"Denn Allmacht ist ein hoch ambivalentes, überaus problematisches und bedrohliches Wort....Gott will selbst gar nicht allmächtig, er will menschlich sein. Und das ist ein Satz, der den Machtphantasien der Herrschenden jede theologische Legitimität bestreitet." (S. 253) Harte, klare Religionen waren in den Religionsmärkten der letzten 30 Jahre erfolgreicher als alle anderen. Friedrich Wilhelm Graf hält am Ende fest, dass in der nahen Zukunft nichts für ein Ende der Religionskonflikte spricht. Dies umso mehr als Armut, Korruption und Ungerechtigkeit viele Menschen in die weiten Arme harter Religionen treiben, es also weiter Götterkämpfe geben wird.

Das Ende aller Absolutheitsansprüche wäre der Anfang, um die eigenständige "Geschichtspotenz des Religiösen" zu brechen und die Hoffnung einer Selbstzivilisierung der Religiösen eine zweite, oftmals leider unerfüllte. Die Appelle am Ende des Buches sind gut und doch fehlen die grenzüberschreitenden Hinweise. Keine Religion ist allmächtig, kein Gott zudem, einzig unser Wille zum Guten und dem Wunsch Jesus zu entsprechen, nämlich eine neue Erde bereits jetzt, in jedem selbst, zu errichten, wären richtig. Nichts anderes hat dieser jüdische Reformer gemeint in der Offenbarung: "Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde;" (Offenbarung Kapitel 21) Wie wenig anderen ist es Eckhart Tolle gelungen, religionsüberschreitende Verbindungen zu sehen, und die Worte von Jesus, Buddha und Allah in einen menschlich direkten, liebevollen Zusammenhang zu stellen. Eine neue Erde: Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung
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am 11. November 2014
Der Autor betreibt zum einen eine Bestandsaufnahme der weltweit vorhandenen Religionen: wie haben sich Christentum, Islam, Judentum, Bhuddismus usw. jeweils in ihren regionalen und weltanschaulichen Aufsplitterungen zahlenmäßig und ideologisch entwickelt. Sein Schwerpunkt liegt dabei eindeutig auf dem sog. "Buchreligionen", bei denen sich Graf als ev. Theologe offensichtlich am besten auskennt. Das ist zwar einerseits verständlich, begrenzt aber andererseits die Gültigkeit seiner Ergebnisse.
Zum Zweiten versucht er die Religionen unter dem Gesichtspunkt der Religionsökonomie zu betrachten, d.h. als Anbieter auf einem globalen Markt von Weltanschauungen und versucht unter diesem Gesichtspunkt gerade das Wachstum von fundamentalistischen Strömungen sowohl im Christentum als auch im Islam zu deuten. Gerade der Abschnitt über den Kreationismus als religionsübergreifende Strömung ist dabei interessant. Dabei kann er sich aber nicht verkneifen einige Seitenhiebe in Richtung Richard Dawkins zu erteilen, die er jedoch in keinster Weise belegt.
Auch verfängt sich Graf gelegentlich in dem Grundwiderspruch der universitären Theologie, einerseits eine Sozialwissenschaft andererseits aber auch Bekenntnislehre zu sein.
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am 5. November 2015
In Götter Global beschreibt und bewertet Graf religiöse Entwicklungen der großen Weltreligionen. Dabei bezieht er sich auf viele religionssoziologische Studien und versucht mit der funktionalen Deutung von Religion in einer pluralistischen Welt divergierende religiöse Entwicklungen zu charakterisieren. Der Theologe lenkt die Aufmerksamkeit auf fundamentalistische, antimoderne Tendenzen aller Religionen. Speziell geht er auf die verschiedenen "Christentümer" und ihr Verhältnis zu modernen demokratischen Gesellschaften ein. Graf legt ein Buch vor, das in der jetzigen Situation der Migrationsbewegungen hilft, religiöse Entwicklungen besser zu verstehen und einzuordnen. Dabei weist er vehement darauf hin, welche zerstörerische und welche heilsamen Impulse von Religion ausgehen kann. Jede Religion hat die Aufgabe sich selbst zu zivilisieren. Das muss von innen her geschehen. Gewalt- und Friedenspotential liegen dicht beieinander. Lange Zeit hat die Soziologie mit der Rede von der Säkularisierung die identitätsstiftende Kraft von Religion unterschätzt. Die Religionskonflikte sind auch wieder im Westen angekommen. Wer sie differenziert verstehen will, ist bei der Lektüre von "Götter global" gut aufgehoben. Auch wenn Grafs systematisch-theologisches Wissen immer wieder durchblitzt, wie bei der Deutung von Inkarnation und Trinität, hätte ich mir ein extra theologisches Kapitel gewünscht.
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am 19. August 2014
Vor wenigen Jahrzehnten wurde noch erwartet, daß mit fortschreitender Modernisierung der Stellenwert der Religionen bis zur Bedeutungslosigkeit abnehmen werde. Heute wissen wir, daß sich diese Säkularisierungstheorie als ebenso falsch erwiesen hat wie die vom "Ende der Geschichte" nach dem Fall des Sowjet-Kommunismus. Statt dessen erleben wir im globalen Maßstab eine stärkere Pluralisierung religiöser Erscheinungsformen, selbst in bislang religiös homogenen Gesellschaften. Gott ist nicht tot - aber die Säkularisierung ist es.

Auch Deutschland ist von dieser verwirrenden Entwicklung erfasst. Den Großkirchen laufen die Mitglieder davon, während kleine Religionsgemeinschaften Zuwächse erfahren. Hinzu kommt eine stärkere Präsenz nicht-christlicher Religionsgemeinschaften, vor allem aus dem Islam. Im "religionsblinden" Deutschland gibt es einen erheblichen Nachholbedarf, diese komplexe Entwicklung transparent und verstehbar zu machen. In diese Lücke stößt der renommierte Theologe Friedrich Wilhelm Graf mit seiner Untersuchung "Götter global. Wie die Welt zum Supermarkt der Religionen wird". Der Untertitel deutet es schon an, daß Graf diese Vorgänge mit dem Instrumentarium der Religionsökonomie betrachtet: der Gläubige als Konsument religiöser Dienstleister.

"Migration stärkt Religion", indem Zuwanderer in der ungewohnten Fremde sich auf ihren traditionellen Glauben besinnen. Über das Internet vernetzen sich Gläubige untereinander, werben für ihre Gemeinschaften oder transportieren über diesen effektiven Kanal ihre Haßbotschaften. Eine Fülle höchst widersprüchlicher religiöser Subkulturen breitet sich auf Kosten etablierter Strukturen aus. Auf dem Markt der Religionen zeichnen sich die erfolgreichsten Anbieter durch Hochverbindlichkeit und Profilschärfe aus. Der Rückzug der Religion auf den Privatbereich hat sich als Illusion erwiesen, denn der Konkurrenzkampf vollzieht sich im öffentlichen Raum, auch durch die sichtbare Präsenz religiöser Symbole wie das demonstrative Tragen des muslimischen Kopftuchs.

Kaum ein religiöser Akteur hat mehr von den Errungenschaften der technischen Moderne profitiert wie die Kreationisten. In einem der interessanten Abschnitte seines Buches beschreibt Graf, wie sich die Anhänger dieser wissenschaftsfeindlichen Ideologie durch das Internet über alle Religionsgrenzen hinweg zu einer internationalen, geistigen Machtgröße vernetzten. Selbst im säkularen Westeuropa müssen sich immer mehr Bildungseinrichtungen mit den religiösen Gegnern der Darwin'schen Evolutionstheorie auseinandersetzen, ohne daß sich bislang eine nennenswerte Gegenwehr gebildet hätte.

Wie sehr Max Webers Diktum vom engen Zusammenhang zwischen ökonomischen Erwerbsverhalten und kulturell-religiöser Prägung allen Unkenrufen zum Trotz auch heute noch seine Gültigkeit behalten hat, erläutert Graf am Beispiel Lateinamerikas. Dort gewinnen evangelikale Pfingstgemeinden immer mehr Anhänger, deren Lebenssituation dank der rigiden Sozialmoral nach der Konversion oftmals eine deutliche Besserung erfährt, während die katholische Kirche trotz ihrer Fürsprache für die Notleidenden nur zur Konservierung der Armut beigetragen hat.

Reichlich verwirrend erweisen sich Grafs vielschichtige und detaillierte Reflexionen zum "Heiligen Krieg", die auf eine Dekonstruktion dieses Begriffspaars hinauslaufen, an deren Ende man gar nicht mehr weiß, ob überhaupt jemals "Heilige Kriege" und "Religionskriege" in dem Sinn geführt wurden, wie es heute allgemein verstanden wird. Und wenn Graf die Deutung des Dschihad als "Heiliger Krieg" auf "eine genuin westliche, zunächst europäische Überlieferung" zurückführt, beschleicht einen das ungute Gefühl, als ginge es dem Autor vor allem darum, einem bestimmten Teil der Islamkritik den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Von den aktuellen Ereignissen überrollt ist Grafs Lagebeschreibung für Deutschland. Einerseits erkennt er in der religiöser Vielfalt auch ein wachsendes Konfliktpotential, sieht aber für Panik auch und gerade im Hinblick auf den Islam keinen Anlaß: "Mehr Verschiedenheit kann auch mehr an Lernchancen und kreativer Spannung bedeuten"! Ein solcher Satz wirkt geradezu zynisch vor dem Hintergrund zahlreicher Solidaritätsdemonstrationen junger, aufgeheizter Muslime für die Terrororganisationen Hamas und ISIS, die ausgerechnet auf deutschen Straßen aggressiv Haßparolen gegen Israel und die Jesiden skandieren. Und geradezu unverschämt ist Grafs Einlassung, in der er für die erfolgreiche Integration der Muslime allein die autochthonen Europäer in die Pflicht nimmt.

Der entscheidende Fehler in Grafs Handlungsempfehlungen für den Umgang mit religiöser Vielfalt liegt in seinem relativistischen Standpunkt, der alle Religionen über den gleichen Kamm schert: Religion kann zum Guten wie zum Bösen tendieren, ohne Unterschiede. Ach, das wäre schön!

In der kapitalistischen Marktwirtschaft kommt es immer wieder zum Auftritt von Akteuren, denen es nicht um einen gleichberechtigten Wettbewerb mit der Konkurrenz geht, sondern die - zuweilen auch mit unlauteren Mitteln - eine marktbeherrschende Position, eine Monopolstellung einzunehmen versuchen. Das wird im Markt der Religionen nicht anders sein.

Tritt eine raumfremde Religion in einen neuen "Markt" ein, wird sie nur dann erfolgreich neue Gläubige bekehren, wenn sie an vorhandene Traditionen anknüpft. Genau so ist das Christentum vorgegangen. Dem Islam jedoch ist derartige Rücksichtnahme fremd. Seine Ausbreitung in Europa verdankt sich nicht der überzeugenden Missionierung, sondern der Einwanderung. Es geht nicht um Bereicherung, sondern Verdrängung. Brisant ist sein exklusiver Wahrheitsanspruch, gepaart mit seinem bis heute ungeklärten Verhältnis zur Gewalt, ein Mittel, dessen er sich seit seinen Uranfängen bedient und sich im Koran imperativ begründet. Aufschlußreich ist hierzu eine Studie des Kriminologischen Instituts Niedersachsen, wonach die Gewaltbereitschaft muslimischer Jugendlicher mit ihrer Religiosität ansteigt. Dagegen verhält es sich bei deutschen Jugendlichen genau umgekehrt. Bei Graf liest man nichts davon. Alle Religionen sind gleichwertig?

Der deutsche Sozialstaat ist kein Perpetuum Mobile. Wenn das die kulturellen Divergenzen überdeckende Wirtschaftswachstum an sein Ende gelangt ist, wird die gesellschaftliche Fieberkurve die uns bekannte Skala sprengen. Dann kann sich die multireligiöse Gesellschaft nahtlos an all die anderen gescheiterten Sozialexperimente des 20. Jahrhunderts anschließen. Graf sieht im Schlußsatz seiner Untersuchung "noch viele dunkle Tage mit hartem Götterkampf" kommen.

Oh, ob er wirklich ahnt, wie dunkel und hart es ist, wenn aus dem Marktplatz der Religionen das Schlachtfeld der Kulturen wird?
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am 1. Juni 2014
Das weltweite Wachstum der Pfingstkirchen wird u.a. objektiv und umfassend geschildert. Dabei hebt der Verfasser den segensreichen Einfluss dieser lebendigen uns Europäern oft befremdenden "sektiererischen" Bewegung in den ärmeren Bevölkerungsschichten hervor. Das Buch gibt viele wichtige Denkanstöße für den am Christentum interessierten Leser.
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am 5. September 2014
Religionen wandeln sich von tiefen Glaubensüberzeugungen zu Marktanbietern. Sie „müssen fortwährend darauf achten, besonders kundennahe… Dienstleistungen zu erbringen.“ (31) Dienstleistungen, mit denen die Religionen um Anhänger buhlen, sind das Liefern von Gewissheiten, klare Regeln für den Alltag und eine emotionale Gemeinschaft Gleichgesinnter. Die Konsumenten basteln sich dabei aus verschiedenen Religionen und unter Verwendung überkommener religiöser Symbole ihr persönliches Modell zusammen. Der Autor nennt das „Bricolage Prozess“ (60). Entscheidend sind dabei weniger die unterschiedlichen religiösen Deutungen, als vielmehr die Regeln für die Lebensführung. Die Anhänger der neuen Religionen „nehmen ihren Glauben so ernst, dass sie ihr ganzen Leben in allen seinen Facetten streng nach dem Willen ihres Gottes zu führen versuchen.“ (31) Das kann höchst unterschiedlich ausfallen. Während einige Religionen Gesundheit und körperliche Reinheit als höchstes Gut propagieren, fordern andere grade den Verzicht aufs Waschen und Haareschneiden. In vielen Religionen spielen selbstbereitete körperliche Qual und Züchtigung eine große Rolle. (66)
Als ein Beispiel von vielen führt der Autor das urban womens mosque movement aus Ägypten an. Hauptsächlich gebildete Frauen aus der Mittelschicht, die den alten Glauben des Propheten für ihr Alltagsleben neu auslegen und aus ihm genaue Regeln zur Kindererziehung, zum Umgang mit Geld, zur richtigen Kleidung und gar zum maßvollen Gebrauch von Internet und Handy ableiten (67) Man könnte vermuten, dass eine solche „wertorientierte Lebensführung“ grade in islamischen Ländern mit hoher Homosexuellenfeindlichkeit einhergehe, und in zahlreichen muslimischen Staaten ist das zweifellos der Fall. Interessant aber, dass der Autor aufzeigen kann, dass Homophobie kein spezielles Merkmal des Islams ist. Im vormodernen Islam habe es eine gelassene Hinnahme homosexueller Beziehungen gegeben. In Pakistan sei inzwischen sogar das dritte, transsexuelle Geschlecht staatlich anerkannt. Der Islam unterscheide sich nicht wesentlich von den christlichen Kirchen, von denen viele ebenfalls durch Homophobie gekennzeichnet seien und Homosexualität als zu heilende Krankheit ansähen. (69f)
Die Auseinandersetzung mit den rasch wachsenden evangelischen Konfessionskirchen war für mich der interessanteste Teil des Buches. Es ist ein großer Irrtum anzunehmen, dass lediglich in den islamischen Ländern die Religion zunehmend Bedeutung gewänne. Besonders den USA und Südamerika wachsen die Pfingstkirchen in atemberaubenden Tempo. Auch bei ihnen stehen weniger besondere religiöse Deutungen als vielmehr Fragen guter christlicher Lebensführung im Vordergrund. Max Webers These, dass der Kapitalismus lediglich in seiner Anfangsphase den Puritanismus benötigt habe, sei problematisch (140), das Wachsen der Pfingstler spreche dagegen. Die strenge asketische Selbstdisziplin und ihr harter Arbeitsethos ( health and wealth) machten diese Religion für die ehrgeizige Mittelschicht in schnell wachsenden Ländern wie zum Beispiel Brasilien höchst attraktiv. Nicht zufällig sei Brasilien dabei, sich vom katholischen zum evangelischen Land zu wandeln.(146ff) Den Pflingstlern gilt ökonomischer Erfolg als Zeichen besondere Gottesnähe. Im katholischen Diskus seien Reiche dagegen tendenziell faul und hedonistisch, sie sind zum Almosengeben moralisch verpflichtet. (160)

Die Beschreibung der Pfingstler mit ihrer starken Selbstdisziplinierung, dem Verzicht auf Tabak und Alkohol, der Betonung von Kindererziehung und Bildung, der Wichtigkeit eines gesunden Lebensstils und ihre Verwurzelung in der Mittelschicht lässt unwillkürlich an die grüne Bewegung Deutschlands denken. Auch dieser geht es ja um „Ethik, um eine tugendhafte individuelle Lebensführung“ (168) Der Autor sieht durchaus, dass sich das Protestantische „entgrenzt“ habe und zu einem Ideenkomplex geworden sei, der in die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereiche vordringe (143). Er führt das leider nicht weiter aus und belässt es bei der Bemerkung, dass einige „Gesundheit als religiösen Letztwert“ predigten und „in ihrem selbstkomponierten Bio-Müsli eine heilige, gleichsam eucharistische Speise“ sähen. (35) Und in der Epidemiologie eine so unbedingte Wahrheit vermuten wie der gläubige Moslem im Koran, möchte man ergänzen. Schade, hierzu hätte ich mir mehr gewünscht. Ebenso zum Katastrophendenken, dem nur ein kurzes Kapitel gegönnt wird, obwohl die Angst vor Seuchen oder klimatischen Veränderungen doch im Alltag vieler Menschen grade Westeuropas eine lebensbestimmende Bedeutung hat. Die Auseinandersetzungen mit dem Kreationismus und dem heiligen Krieg, für Nicht-Theologen ohnehin schwer nachzuvollziehen, hätten dagegen für mich kürzer ausfallen können.
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