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am 11. August 2016
Ich habe mich entschieden 5 Sterne zu vergeben, weil sich die Autoren mit einem wirklichen Problem der Kirchen und Gemeinden beschäftigen wollen, was nicht unbedingt schön ist, aber sehr ernst. Martin Hoffman sagte in einem Interview bei Bibel TV, Einige wenden sich sogar komplett von Gemeinde und Glauben ab, nur weil sie umgezogen sind. Das widerspiegelt nur oberflächlich betrachtet schon die Problemlage, die Relevanz des Christentums in unseren Breitengraden hat deutlich abgenommen. Die Autoren gehen dem traurigen Tatbestand nach, das wir ganz nüchtern betrachtet, nicht nur ein verschwinden des christlichen Glaubens im Westen verzeichnen können, sondern dass auch noch Kirchen und Gemeinden aktiv dazu beitragen.
Wir wissen, wenn man wirklich ein Problem hat sucht man auch wirklich eine Lösung, wenn ich im Kleiderschrank nichts mehr wieder finde werde ich aufräumen, oft ist es ein Schmerz, der uns zum Handeln bewegt. Sicher ist das auch so bei diesem Buch, so mansch eine Geschichte kann einen traurig stimmen, und die Autoren wollen bewusst machen, sensibilisieren und analysieren, was vor sich geht. Für mich ist das eine zutiefst liebevolle Auseinandersetzung mit Kirche und Gemeinde und den Menschen, die Jesus folgen möchten, weil dieses Buch so gut aufzeigt, wie man mit Anderen eben nicht umgeht. Ich finde es ganz ausgesprochen gut, wie die Autoren über die Personen schreiben, die schlechte Erfahrungen gemacht haben und ihnen den Glauben nicht absprechen, das zeugt doch von einer starken Reife, die leider immer wieder christliche Leiter vermissen lassen.
Ich habe mir mal den Spass gemacht und geschaut, ob das Buch in der theologischen Abteilung der Umpolt Universität zu Berlin gelistet wird, weil ich da ab und zu Sachen suche und tatsächlich, es ist im Bestand. Das finde ich eine ganz tolle Entwicklung, die Autoren haben hier wissenschaftlich gearbeitet, ganz einfach, aber sauber und ich finde das passt auch. Sie arbeiten im Buch mit der Kombination einer quantitativen und qualitativen Forschung. Am Ende kristallisieren sie 4 Motive heraus, die so mancher Christin und so manchem Christ Land auf, Land abwärts Bauchschmerzen bereiten und sie vor Herausforderungen stellen. Herausforderungen, die so nicht sein müssten. Schön, ich freu mich über dieses Buch, das ist ein Schritt in die richtige Richtung und das Buch spricht die Sprache unserer Zeit. Die Autoren geben Gemeinde und Kirche keineswegs auf, sondern im Gegenteil, sie wünschen sich auch Gemeinschaften, die ein Segen sind. Ich würde sagen es geht im weitesten Sinne auch um die Gemeindekultur, den Charakter einer christlichen Gruppe und der darf nicht antithetisch sein, weil die Gruppe sich sonst selbst zerstören könnte, wie wir gesehen haben. Die Autoren leisten einen wirklichen Beitrag für eine gute reflektierte Gemeindkultur und eine liebesvolles, soziales Miteinander. Ich muss sagen, ich bin wirklich begeistert von dem Ansatz des Buches und ganz überwältigt, wie gut sie das machen.
Das Buch ist auf jeden Fall Pflichtlektüre für angehende Multiplikatoren, die in der Gemeinde mal Verantwortung übernehmen wollen und solche, die es schon tun, einfach um sensibilisiert zu werden für diese Fragen in unseren Breitengraden. Dazu muss man dann eigentlich noch ein Buch lesen, was sich mit Bekehrung beschäftigt oder dem Weg dahin, weil die Kirche im Westen komplett gesehen schrumpft und dringend eine Neubelebung benötigt. Dazu ist mir positiv aufgefallen: Johannes Reimers Buch Hereinspaziert: Evangelisation und Willkommenskultur.

Beste Grüße

Tripleact Centerflow / YouTube
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am 18. Januar 2015
"Warum ich nicht mehr glaube", ein Buch das mein Herz bewegt. Faix, Hofmann und Künkler stellen sich in "Warum ich nicht mehr glaube: wenn junge Erwachsene den Glauben verlieren" der Tatsache, dass junge Menschen aus verschiedensten Motiven dem christlichen Glauben den Rücken kehren. Aus acht qualitativen Interviews wurden Lebensberichte von jungen Menschen zusammengestellt, die einen ehrlichen und tiefen Einblick in ihr Erleben und Fühlen geben. So erzählt der „Zweifler“ Nicolo, welcher in einer Freikirche konservativer Tradition aufgewachsen ist:

„Ich habe weiter als Christ gelebt und habe eigentlich mit niemandem darüber geredet (über die Dekonversion, Anm. DJ). Ich wollte das mit mir und mit Gott ausmachen. Ich habe viele Bücher gelesen und viel in der Bibel gelesen, über Monate ging das so. Und ich habe viel gekämpft und langsam, langsam merkte ich: Das passt hier nicht. Hier ist etwas falsch. Und dann habe ich gesagt: Ich glaube nicht mehr an Gott.“

Die Autoren gehen der Frage nach, welche Motive zu einer Dekonversion führen sind und was darin die Verantwortung der Kirche ist. Der Kreis schliesst sich in den Anfragen der Interviewpartner wieder und führt zu den vorhergehenden Büchern: Wieso lässt Gott das Leid zu wenn er es verhindern könnte? Wieso werden gewisse Personengruppen von gewissen Christen ausgeschlossen (Homosexualität)? Wieso wird gesagt, dass die Bibel wörtlich genommen wird, aber nur dort wo es einem gerade so passt?

Und das Buch führte bei mir selber zu weiteren Fragen: Gibt es in der Kirche Raum für Zweifel? Wo ist Glaube nur Religion und wo haben sich unmerklich Regelwerke herausgebildet die nicht hinterfragt werden? Wie sieht ein erwachsener Glaube aus? Wo findet sich die oft proklamierte Freiheit des christlichen Glaubens wirklich? Wo sind meine Anfragen an Gott, die Bibel, den Glauben und wage ich diese Fragen zu stellen?

Ein erwachsener Glaube zeichnet sich doch gerade dadurch aus, dass man sich diesen Fragen stellt und sich von ihnen bewegen lässt, ohne bereits im Voraus zu wissen, worauf die Antwort hinausläuft. Dialog statt Diskussion, finden neuer Wege und Ansätze im Gespräch miteinander und der Bibel. Persönlich merke ich, wie mein Glaube an Gott dadurch nicht kleiner, sondern durch diese Faszination an der Freiheit gerade grösser wird! Wie befreiend ist es für mich, nicht glauben zu müssen, dass die Bibel wortwörtlich „eingegeben“ wurde, dass ich nicht glauben muss, dass Mose alle fünf Bücher in einem Zug selber runtergeschrieben hat. Vielleicht wurde an die klassische Bibelstelle (2Tim 3,16f.) zum „Beweis“ für die Inspiration ja einfach die falsche Frage herangetragen? Vielleicht geht es bei dieser Stelle weniger um die Frage nach der Inspiration als um die Aussage, dass uns die Bibel für „jedes gute Werk“ ausrüstet? Oder wie es N.T. Wright betont:

„Mit anderen Worten: Die Bibel ist nicht für Menschen da, die einfach einige Dinge nachschlagen und sicherstellen wollen, dass sie recht haben. Sie ist dazu da, Gottes Volk auszurüsten, damit es die Absichten Gottes – den neuen Bund und die neue Schöpfung – vorantreiben kann. Sie ist dazu da, Menschen zu befähigen, für Gerechtigkeit zu arbeiten. Sie ist dazu da, den Menschen beim Kampf für Gerechtigkeit die Spiritualität zu erhalten. Sie ist dazu da, auf jeder Ebene Beziehungen herzustellen und zu fördern. Sie ist dazu da, jene neue Schöpfung hervorzubringen, die etwas von Gottes eigener Schönheit widerspiegelt.“

Das Buch will, wie ich denke, bewusst keine Antworten auf die Fragen der jungen Leute geben sondern Raum schaffen für eben solche. Nicht die Verteidigung des Glaubens mit einem um sich Werfen von Bibelstellen ist das Ziel (siehe Kritik anderer Rezensionen), sondern die Anregung des Lesers, sich Gedanken zu einem empirisch nachgewiesenen Phänomen zu machen.

Wieso aus diesem Buch der Glaube der Verfasser angezweifelt werden kann ist mir schleierhaft (siehe auch dazu das Urteil in anderen Rezensionen) und zeugt eben gerade vom Unverständnis und der Lieblosigkeit im christlichen Kontext, welche junge Leute dazu bewegt, einem solchen Glauben den Rücken zu kehren.
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am 27. November 2015
hier wird das Ergebnis einer Studie wiedergegeben. Junge Menschen 18 - 25 Jahre alt beschreiben offen warum sie nicht mehr glauben können bzw. wollen. Es wurden vier Leitmotive mit jeweis zwei Varianten herausgearbeitet. Überraschend war für mich, dass dies ein Thema war und wie offen darüber gesprochen wird. Das fand ich richtig gut. Die Beiträge bringen zum Nachdenken. Am Ende des Buches werden dann noch 10 Fragen für die gemeindliche Praxis mit zum Nachdeken gegeben. Für Leiter in Gemeinden fast ein Muss. Ich freue mich schon auf die Auswertung in dem Buch "Warum wir mündig glauben dürfen".
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am 8. September 2014
Ich habe mir das Buch gekauft, weil ich auch ,,nicht mehr glaube". Bewundernswert, dass es Christen gibt, die sich an dieses Thema wagen. Ich persönlich habe mich sehr verstanden gefühlt.
Sehr wertvoll war mir die Haltung, aus welcher heraus das Buch geschrieben wurde: nämlich mit viel Wertschätzung und (soweit möglich) Neutralität - nicht verdammend oder verurteilend. Erlebnisse, Geschichten, Sichtweisen und Meinungen von Menschen, die nicht mehr glauben, werden wieder gegeben ohne Bewertung.
Vor allem für Christen finde ich das Buch sehr empfehlenswert. Sie sollten Mut haben, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen!
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am 16. Januar 2017
Nachdem ich selbst eine Dekonversion (oder Entkehrung) aus einem freikirchlichen Hintergrund durchgemacht habe und heute ein Atheist bin, kann ich zu diesem Buch nur eines sagen:

Ich persönlich habe mich mit meiner eigenen Erfahrung und gemachten Erlebnissen in unzähligen Abschnitten wiedergefunden. Die verschiedenen entwickelten Typen von Dekonvertierten, die Abnabelungsprozesse, oder die Geschichten und die Erklärung der methodisch-analytischen Herangehensweise sind fair und offen dargelegt.

Was mich jedoch am Meisten beindruckt hat: Die Autoren legen hier keinerlei Wertung an. Sie folgen einem klar wissenschaftlichen Ansatz: Erforschung, Dokumentation und anschließende Thesenbildung (siehe Sir Karl Popper). Eigentlich handelte es sich hierbei nicht nur um die Publikation einer wissenschaftliche Studie (noch dazu auf einem bis dato recht spärlich erforschten Gebiet). Es ist vielmehr auch eine Reportage über Menschen, ihre Lebenswege und ein bis dato wenig beleuchtetes Phänomen, ohne jemanden anzuklagen oder eine wertende Aussage zu treffen. Es ist eigentlicht das, was guten Journalismus ausmachen würde (der ja auch Mangelware ist). Weder wertet es (aus christlicher Sicht), die Erlebnisse und Aussagen der Dekonvertierten ab, noch geht es umgekehrt den Weg und startet einen Generalangriff auf die christliche Religion alà:"DAS und DAS ist der Grund warum Menschen nicht mehr Glauben, HIER hat die Kirche ganz besonders versagt". Angesichts eines so poralisierenden Themas wie Religion und Glaube kann man dem Autorenteam für diese Sachlichkeit nur größtes Lob aussprechen.

Alles in allem, das Buch mag nicht sonderlich lang sein, aber hier liegt die Kürze in der Würze. Es widmet sich einem Thema, dass mich bereits seit Jahrzehnten beschäftigt, es liefert Einblicke, Modelle und Erklärungsversuche, die einem Hilfestellung für die vielen Fragen zu diesem Thema geben können. Es ist sowohl gut leserlich geschrieben, als sachlich und auf hohem Niveau. Ich kann diesem Buch nur die höchste Sternanzahl vergeben. Was ich hiermit auch getan habe.
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am 22. Oktober 2017
Kurz gefasst: Ich finde es grundsätzlich gut, dass dieses Thema angegangen wurde, denn die Problematik von jungen Menschen, die gleichzeitig in unserer postmodernen Gesellschaft und in einer wert- und moralkonservativen Freikirche sozialisiert werden, ist enorm spannend. Es bleibt unklar, wie repräsentativ diese Studie ist, und es wird von vorneherein nur ein Teilaspekt der Glaubensproblematik von jungen Erwachsenen beleuchtet. So bleibt es im Wesentlichen bei einer traurigen, betroffen und sprachlos machenden „Nabelschau“.

Sternebewertung:
***** Qualitatives Aufgreifen der Thematik
** Quantitative Relevanz und Gewichtung
** Analyse der Hintergründe von Dekonversion

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Ausführlich:

Das Buch handelt von jungen Erwachsenen, die sich nicht nur von einer bestimmten christlichen Glaubenspraxis oder Kirche, sondern von Glauben und Religion insgesamt abgewendet haben.

Ich selbst bin in einer christlichen Familie aufgewachsen und als junger Mann nach einem starken Bekehrungserlebnis von der Römisch-Katholischen zu einer evangelikalen Freikirche übergewechselt (war das dann eine „Rekonversion“?). Ich kenne wirklich viele andere, die so christlich sozialisiert sind wie ich, und die meisten davon haben sich vom Glauben abgewandt (allerdings mit deutlich weniger Herzblut). Aber ich kenne auch viele, die so wie ich erst im jungen Erwachsenenalter dem „sozialisierten Glauben“ den Rücken gekehrt haben, um mit Haut und Haaren gläubig zu werden. Und ich kenne viele junge Erwachsene aus meinem eigenen Umfeld; die Problematik ist mir gut vertraut.

Ich vermisse deshalb bei diesem Buch sehr stark zwei Aspekte:

a) eine wirklich representative Erfassung des Problems, denn nicht nur die, die sich ganz vom Glauben abwenden haben ein Problem, sondern - und davon gibt es viel mehr, meine ich - gerade die, die weiter glauben wollen und es auch tun, aber nicht wissen wie, weil sie in keiner der 45000 Kirchengemeinden und 256 Denominationen in Deutschland eine geistliche Heimat finden (oder lange suchen mussten). Bei aller Wertschätzung der Menschen, die sich hier sehr intim äußern wird nicht klar, wie prävalent das in dem Buch so ausführlich behandelte Problem eigentlich in der Kirche insgesamt ist.

b) eine breiter angelegte Analyse der Gründe des Problems, die nicht bei der Betroffenheit stehen bleibt. Das Buch sagt im Grunde mehr über den enormen Erfolg von Richard Dawkins’ Werk und die Attraktivität des Neuen Atheismus als über die innere Problematik der jungen Christen, bevor sie sich vom Glauben abwenden. Auch werden die Aussagen nicht auf weitere, komplexere Hintergründe hin analysiert. Das finde ich schade, aber es kann ja guter Stoff für eine Fortsetzung sein.

Der Autor verwendet für die Abwendung vom Christentum den Begriff der „Dekonversion“, also so etwas die Rücknahme der Bekehrung (Konversion). Der Begriff fühlt sich semantisch so an wie „Ent-Ermutigung“. Die ganze Sprachwelt des Buches hat für mich etwas Gekünsteltes.

Von einem Werk eines Hochschulprofessors, der als Grundlage des Buches eine sozialwissenschaftliche Studie, Literaturrecherchen und eine qualitative Vertiefungsarbeit mit 8 ausgewählten Interviewpartnern angibt, hätte ich mir deutlich mehr Faktenmaterial und deutlich mehr Aufschlüsse erhofft.

Aber immerhin ein Anfang!
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am 25. Januar 2017
Zunächst muss klar sein:
1. Dieses Buch ist vorwiegend für die evangelikale Szene relevant - zumal die darin benannten bzw. untersuchten Problemfelder dort verortet sind.

2. Man muss das Buch zuerst als wissenschaftliche Studie begreifen. Die Autoren haben ihre Protagonisten mittels quantitativer Studie (per Fragebogen) ermittelt. Im Vordergrund stehen jedoch die qualitativen Untersuchungen mittels Interview. Wichtig ist hier bei, dass die Autoren ihre Ergebnisse durchweg deskriptiv - also ohne Wertung durchführen. Das ist gelungen, entspannt und deshalb lobenswert - deshalb auch 5 Sterne. Wer also eine theologische, psychologische oder soziologische Bewertung erwartet, wird hier eher das Nachsehen haben. Wer aber seriöse Forschungsarbeit kennt, erwartet, dass erst Mal nur die Fakten dargelegt werden, damit der interessierte Leser seine eigene Meinung bilden kann und nicht beim Lesen schon subtil beeinflusst wird.

Ansonsten wurde in den vergangenen Kommentaren der Inhalt des Buches sehr gut erfasst - mancher Kommentar ist allerdings zu lang, erinnert eher an einer Buchbesprechung, in der man unbedingt auch noch seiner eigene Meinung zu besten geben muss. Deshalb von mir noch ein ergänzender Gedanke:
Das Buch befasst sich mit Menschen, die ihren "echten" Glauben an Gott verloren haben. Die Problemfelder, die einen solchen Ent-Kehrungsprozess begünstigen, ausgelöst oder gar zur Vollendung gebracht haben sind jedoch grundsätzlich alarmierend. Die genannten Faktoren werden ja nicht erst zu Problemen, wenn jemand dem Glauben den Rücken kehrt. Sie belasten auch das ganze Glaubensleben von vielen Christen an sich! Die psychischen und physischen (psychosomatisch) Schäden müssen nicht zwingend zur Ent-Kehrung führen. Es reicht ja schon, wenn Christen z. B. unter dem Glaubensdruck zusammenbrechen und sich dafür noch selber die Schuld geben. Die Kliniken sind voll von solchen Christen - z. B. durch Gesetzlichkeit oder Missbrauch völlig traumatisiert. Um sich damit auseinander zu setzen ist dieses Buch ebenso hilfreich - ungeachtet seines zielführendes Themas.

Übrigens: Es gibt hier ein zwei Kommentare, die das Buch beispielsweise nur mit einem Stern bewertet haben udn die Autoren sozusagen in die Pfanne hauen. Mein Tipp: UNBEDINGT LESEN! Denn in diesen Kommentaren bekommt man hautnah mit, von welchen Menschen die Probleme ausgehen, welche als Ergebnisse der Studien benannt wurden! Ich finde das richtig gut, dass hier auch solche verblendende Christen ihre typisch christlichen Parolen zum Besten geben. Sie machen umso mehr deutlich, dass die Probleme "lebendig" sind und viele Christen solchen vermeintlich frommen Menschen tagtäglich mehr oder weniger ausgeliefert sind.

Bin gespannt auf das Buch, dass diesem folgt. Die Bewertungen lesen sich zwar gut, aber bin da erst Mal skeptisch. Die emergente Szene ist zwar stark im analysieren und im de-konstruieren. Was nicht ihre Stärke ist, ist das Aufzeigen von gezielten, konkreten Alternativen, die eben nicht nur abstrakt und schwammig ausgeführt werden.
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am 11. Mai 2017
"Du gehst halt lieber in die Disko und führst ein schlechtes Leben, als dem Herrn Jesus nachzufolgen" - so und ähnlich lauten oft die Abschiedsworte an die Mitglieder evangelikaler Gemeinden, die sich (grässliches Wort) "entkehren", also dekonvertieren. So einfach ist die Sache aber nicht. Tobias Faix und seine MitarbeiterInnen studieren anhand einer Gruppe "verlorener Schafe" mit wissenschaftlicher Unparteilichkeit, welche Gründe zur Abkehr führen. Anders als bei den üblichen "Wie ich den falschen Glauben verließ und den wahren Glauben fand"-Büchern liegt hier das Schwergewicht tatsächlich auf der Abkehr und nicht auf dem weiteren Weg. Vom Inhalt hoch interessant, recht gut lesbar, ein wenig professorenhaft in den ständigen Beteuerungen, dass hier wissenschaftlich gearbeitet wurde - was ohnehin niemand bezweifelt.
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am 30. Juli 2014
Viele Bücher handeln von der Frage, wie Menschen zum Glauben finden können. Erstaunlich wenig wurde bislang beschrieben, wie sie ihn verlieren. Dieser Frage nachgegangen zu sein, macht das Buch "Warum ich nicht mehr glaube" so ungemein lesenswert, verstörend wie anregend. Die Autoren haben sich dieser Frage in einer empirischen Untersuchung angenähert. Anders als in anderen Studien wollten die Verfasser nicht nur die Abwendung von der Kirchenmitgliedschaft bzw. von kirchlichen Angeboten erforschen, sondern auch das innere Geschehen eines Glaubensverlustes verstehbar machen. Der erste Teil des Buches enthält einen informativen Überblick über den bisherigen Forschungsstand zum Thema Glaubensverlust bzw. Dekonversion. Die Autoren erläutern die Grundlage ihrer eigenen empirischen Untersuchung, eine Kombination aus quantitativer Erhebung (eine schriftliche Umfrage mit 322 Teilnehmern) und qualitativer Auswertung (Einzelinterviews mit 15 ausgewählten Teilnehmern).
Im zweiten und dritten Teil ihrer Studie stellen die Verfasser ihre Ergebnisse anhand persönlicher Interviews und Fallbeispiele vor. In Anlehnung an andere empirische Untersuchungen entwickeln die Autoren aus der Untersuchung ihrer Interviews einige Glaubensverlust-Grundtypen, wie bespw. den Eingeengten oder den Zweifelnden etc.. Fast immer sind bestimmte Dissonanzerfahrungen entscheidend:
- Der empfundene Widerspruch zwischen dem Wahrheitsanspruch des christlichen Glaubens und konkurrierenden Welterklärungen der modernen Wissenschaft bzw. Bibelkritik;
- Die Spannung zwischen der angenommenen moralischen Überlegenheit der Christen und dem faktischen Verhalten, das sich in Gemeinden beobachten lässt oder von dem einzelne Interviewte direkt betroffen waren;
- Der Abstand zwischen der gesungenen und erwarteten Gotteserfahrung und ihrer vielfachen Frustration im Alltag;
- Das zunehmende Auseinandertreten eigener persönlicher Reifung durch Bildung und Entwicklung und der Glaubensformen, die in einer anderen Lebensphase einmal angenommen worden sind.
Für viele sind solche Spannungen irgendwann zu groß geworden, etwa wenn sie merkten, dass bestimmte Lebenserfahrungen sich auch säkular ebenso gut oder besser verstehen lassen. Oder wenn bestimmte christliche Deutungsmuster als gescheitert erlebt werden (z.B. der Gedanke eines liebenden Gott und dagegen die bedrückende Macht des Leidens). Des Weiteren wenn wichtige neue Erfahrungen (wachsende Autonomie und Reife) im Rahmen der bisherigen Glaubensvorstellungen nicht mehr deutungsfähig sind.
Für christliche Gemeinden von besonderem Interesse ist nicht zuletzt der vierte Teil des Buches. Die empirische Untersuchung mit ihrer wissenschaftlichen Perspektive wird vor allem in diesem letzten Teil ausdrücklich verknüpft mit einem engagierten Interesse der Autoren an der Reife und Entwicklungsfähigkeit des Glaubens. Manche Geschichte eines Glaubensverlustes verrät allzu viel über Denkverbote, Heuchelei und Oberflächlichkeit; nicht bei den Betroffenen, sondern in ihrer ehemaligen religiösen Umgebung.
Menschen finden ihren Glauben nicht allein, sondern stets in der Gemeinschaft ihrer Familie bzw. christlicher Gemeinden. Dann aber ist der persönliche Glaubensverlust Einzelner auch mehr als ein individuelles Geschehen. Er sagt etwas über Gemeinden aus: welche Fragen offen diskutiert, welche Zweifel ausgehalten, welche Denkverbote faktisch aufgestellt und welche persönlichen Entwicklungen gefördert werden. Wer sich eine Gemeinde wünscht, in der man den christlichen Glauben nicht nur finden, sondern auch behalten und darin wachsen kann, wird in diesem Buch hilfreiche Anstöße finden.
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am 22. März 2014
Wenn junge Erwachsene den Glauben verlieren. Diesem Sachverhalt gehen Faix, Hofmann und Künkler näher auf dem Grund. Ihre Methodik dabei ist klar und verständlich niedergeschrieben. Trotz wissenschaftlichem Anspruch verlieren sich Theorie, Studie und Auslegung nicht ins Fachchinesische. Den Ausführungen ist also leicht zu folgen.

An Fallbeispielen arbeiten die drei Autoren sogenannte Leitmotive wie zB Moral und Intellekt heraus, die den Prozess der Dekonversion einleiten. Es zeigt sich, dass niemals ein Leitmotiv allein zur Dekonversion führt. Vielmehr ist es immer das Zusammenspiel mehrerer Motive und Faktoren aufgrund komplexer Lebensgeschichten und biografischer Erfahrungen.

Für mich interessant ist hierbei der Personenkreis, der dem Glauben entwachsen ist. Anders ausgedrückt, dieser Personenkreis hat keinen eigenständigen Erwachsenenglauben aus seinem vorherigen kindlichen Glauben entwickelt. Ich möchte hierbei eine andere Sichtweise aufzeigen. Auch wenn diese Personen während des Dekonversionprozesses hadern, so sehe ich das Ablegen des Glaubens in diesem Fall als vergleichsweise sehr friedlich ähnlich wie bei dem Leitmotiv Intellekt. Aus wissenschaftlicher Sicht muss ich mir hierbei die Frage stellen, ob ein Entgegensteuern, zB vonseiten der Gemeinde, überhaupt nötig ist/wäre. Das mag dem ein oder anderen jetzt nicht gefallen, aber Abnabelungsprozesse sind Teil des Lebens eines jeden Individuums. Abnabelungen werden oftmals auch von negativen Gefühlen begleitet, bis der Prozess vollständig beendet ist.

In diesem Fall nabelt sich der Heranwachsende im Laufe seines Lebens von seiner Kindheit ab. Bei einigen geht dabei u.a auch der Glaube verloren. Sofern das Individuum mit diesem 'Neuanfang' zurechtkommt, gibt es an diesem Umstand nichts zu mäkeln. Leider reflektiert das Autorentrio diesen Sachverhalt kaum, sondern beachtet im letzten Kapitel hauptsächlich die Aufgaben der Gemeinden im Sinne von 'den Glauben möglichst wahren'. Man könnte in diesem Fall auch nicht damit argumentieren, dass sich die Gemeinde nur weiter gegenüber kritischen Fragen öffnen müsste, um so dem Loslösen vom Glauben entgegenzuwirken. Das wäre wohl zu einfach. Schließlich ist die Dekonversion ein Produkt vieler Prozesse, wobei die Entscheidungsfähigkeit des Individuums nicht zu vernachlässigen ist.

So allerdings wirkt die Analyse der Daten stellenweise doch etwas voreingenommen. Bei einem wissenschaftlichen Anspruch bevorzuge ich allerdings immer noch die Wahrung der Objektivität.
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