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am 5. April 2014
Die Autorin weist zu Recht darauf hin, dass Tiere rechtlos sind. Das beklagte schon vor fast zweihundert Jahren der Philosoph Arthur Schopenhauer, Mitbegründer des ersten Tierschutzvereins in Frankfurt. Er führt diesen Mangel auf das Dogma von der gänzlichen Verschiedenheit von Mensch und Tier zurück, das dem Schöpfungsritus des Alten Testaments entstammt und vom Christentum übernommen wurde. Der Grundfehler resultiere aus der Schöpfungsgeschichte, in der Tiere wie Sachen behandelt werden „und ohne alle Empfehlung zu guter Behandlung“.

In der Schöpfungsgeschichte, 1. Buch Moses, heißt es:
>>Und Gott segnete sie; und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über alles Lebendige, das sich regt auf der Erde!
Das Christentum, so Schopenhauer, habe diese Vorstellungen übernommen und damit die gesamte Tierwelt rechtlos gemacht.<< (PII, § 177, 393f).

2002 wurde im Grundgesetz das Staatsziel Umweltschutz auch auf den Tierschutz ausgedehnt (Artikel 20a). Eine praktische Bedeutung hat das nicht. Es handelt sich um ethischen Tierschutz, den die Autorin in diesem Buch ausführlich behandelt.
Die Autorin befasst sich in ihrem Buch hauptsächich damit, was man den Tieren antut, zum Beispiel mit der Massentierhaltung. Sie setzt auf Bewusstseinswandel. Würden alle auf Fleisch verzichten, wäre schon viel geholfen. Ist das realistisch? Es ist sicher vernüftig, dieses Problem einmal näher zu beleuchten, wie die Autorin dies macht. Aber das die meisten Vegetarier oder gar Veganer werden, ist wohl so schnell nicht vorstellbar. Da wir ein demokratisch verfasster Staat sind, müsste sich die Mehrheit schon für mehr Tierschutz entscheiden, was in absehbarer Zeit auch nicht zu erwarten ist. Aber haben wir nicht ein Tierschutzgesetz? Ohne „vernünftigen Grund“ darf man einem Tier kein Leid zufügen. Würde man diese Bestimmung konsequent anwenden, gäbe es weder Massentierhaltung noch die Jagd. Den Hirsch, den ein Jäger mit einem Schuss großes Leid zufügt, indem er ihn verletzt, um ihn dann den großmöglichsten Schaden zufügt, indem er ihn tötet. Es gehört sehr viel Phantasie dazu, das Freizeit-Vergnügen von Hobby-Jägern als einen vernünftigen Grund zu bezeichnen. Wir brauchen das Fleisch nicht, um zu überleben und das Geweih des Hirschen als Trophäe schon gar nicht.

Fazit
Ein interessantes und nützliches Buch. Es fehlt der gesellschaftliche und politische Aspekt. Was sollten wir ändern? Bewusstseinsänderung ist notwenig, reicht aber nicht aus.
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am 10. Februar 2014
Ich bin ausgebildeter Landwirtschaftsmeister und habe jahrzehntelang als Biobauer gearbeitet. Tiere mochte ich schon , aber es war für mich normal sie zu benutzen; bloß fühlte es sich immer weniger gut an. Vor zehn Jahren konnte ich dann nicht mehr, ich wollte meine Kühe nicht länger als Milchmaschinen benutzen, ihnen die Kinder wegnehmen und sie wenn sie nicht mehr konnten zum Schlachter schicken. So gründete ich einen Lebenshof und ein Altersheim für Kühe.
Mir ist das, was Sezgin beschreibt, sehr vertraut, aus beiden Perspektiven. Was sie über die Landwirtschaft sagt, stimmt, und was sie daraus folgert, stimmt auch. Im ersten Kapitel schreibt sie allgemein über Ethik, im zweiten über Tierversuche, im dritten über das Töten von Tieren. Das lehnt sie ab. Aber sie geht noch weiter und zeigt im vierten Kapitel mit vielen Argumenten , warum eine gute Tierhaltung nicht existiert und nicht funktionieren kann.
Die vielen Beispiele, die sie aus der landwirtschaftlichen Literatur und Praxis heranzieht, sind alle zutreffend und können selten außerhalb der Branche gelesen werden; das verbindet sich gut mit den eher philosophischen Passagen. Am Ende gibt sie einen Ausblick, wie wir mit Tieren leben können, wenn wir sie nicht mehr nutzen: sozusagen freundschaftlich , oder jedenfalls friedlich. Genau das wünsche ich mir auch!
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am 2. Januar 2015
Die Gleichsetzung von Tierrechten und Menschenrechten zieht sich wie eine Selbstverständlichkeit durch das Buch. Dadurch wirkt es oftmals konstruiert, wenn Sezgin Fragen stellt oder Argumente liefert, die ihre eigene Tierethik widerlegen könnten – um sie dann ihrerseits zu entkräften. Das Ziel des Buches ist ja klar. Alles ist darauf zugeschnitten. Dennoch kann ich mir vorstellen, daß Sezgin in einem echten Schlagabtausch mit Befürwortern von Fleischprodukten oder Tierversuchslaborbetreibern den Sieg davon tragen würde. Trotzdem schwingt in der Gleichsetzung von Mensch und Tier stets ein fader Beigeschmack mit. Denn unsere Rechtsordnung hat entschieden, daß Menschen Rechtsubjekte sind und Tiere nicht. Tiere handeln nicht vorsätzlich oder schuldhaft. Man kann an Tieren keinen Diebstahl begehen, keinen Mord. Der Schutz durch das Tierschutzgesetz soll unnötige Schmerzen verhindern, macht das Tier jedoch nicht zum Rechtsträger. Das blendet Sezgin völlig aus und wendet juristische Kategorien, die für Menschen gelten, ganz selbstverständlich auf Tiere an. Für die Tiere ist das nicht schlimm. Aber es ist schier unvorstellbar, daß die Welt der Menschen dieses Denken, diese Tierethik übernimmt. Ja, wie könnte es jemals eine Gesellschaft geben, in der wirklich jeder weder totes Tier noch Eier oder Milchprodukte essen möchte?

So ist das Buch zugleich der Spiegel eines mehrfachen Dilemmas: Für die einen existiert das Dilemma nicht. Alles (!), was dem Menschen irgendwie nützen könnte (!), ist zum Nachteil von Tieren erlaubt. Für die anderen – wohl die träge Masse – ist das jetzige Leben ohne Wissen oder mit etwas Wissen, das man jedoch ausblendet, schlichtweg so bequem und angewöhnt, daß man sie nur schwer bis gar nicht auf eine konsequente Tierethik wird einstimmen können. Dann gibt es noch jene, die gerne etwas zum Wohle der Tiere ändern möchten und sich nach und nach an ein (unerreichbares?) Ziel herantasten, ohne jemals an einen Schlußpunkt zu kommen. Schließlich gibt es die Hilal Sezgins unter Rainer Langhansens diese Republik, die es in Sachen Tierethik verdammt weit gebracht haben – und beweisen: Der Weg ist das einzig denkbare Ziel.

Ideale sind wie Sterne. Wir werden sie nie erreichen und sollten trotzdem nach ihnen streben. Wer zu diesen Idealisten gehört, sollte Hilal Sezgins „Artgerecht ist nur die Freiheit“ seine Aufmerksamkeit schenken. Besser wäre es selbstverständlich, das Buch liest auch mal jemand, der es völlig in Ordnung findet, daß der Mensch nun einmal die Gelüste und die Macht hat, sich das Tier als Nahrungsmittel gefügig zu machen.
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am 4. Februar 2014
Vorab: für dieses Buch benötigt man Zeit und Ruhe. Ich habe im letzten Jahr keine interessanteres Buch lesen dürfen. Viele Aspekte klären den Blick darauf, wie viele Menschen denken ( und nicht denken) und wieso das Verhältnis der meisten Menschen zu den Tieren absurd und paradox ist. Für alle, die daran arbeiten, dies zu ändern, ist dieses Buch ein Wissensquell! Dass Hilal Sezgin für Jornalismus ist, spricht aus vielen Zeilen dieses Buches. Alleine der brilliante Stil ist so umwerfend gut, dass es einen Sonderplatz in jeder Buchsammlung verdient .Für eine tiefere Auseinandersetzung mit Tierethik ist dies ein wirklich wichtiges Buch!!!! Was bleibt, ist die Erkenntnis, das wir alle Kreaturen mit Würde behandeln müssen. Oder besser: müssten. Den persönlichen Schluss muss jeder Leser natürlich selbst ziehen, aber lesen sollte Pflicht sein! Denn so mancher dürfte nach dem Lesen dieses Buches erkennen, dass sein Mitleid für andere Wesen ein authentisches Gefühl ist, das er zulassen sollte. Ich werde dieses Buch jedem kaufen, an dem mir was liegt!
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am 17. März 2014
Eigentlich müsste man jeden Satz aus diesem Buch zitieren. Hilal Sezgin legt mit Artgerecht ist nur die Freiheit ein moralphilosophisches Handbuch vor, das intelligent, verständig und so deutlich wie nachvollziebar zeigt, dass und warum nichtmenschliche Tiere einen Platz in unserer Vorstellung von Ethik haben sollten, ja: brauchen.

Sezgin bezieht in ihre Diskussion nicht nur die Geschichte und aktuelle Standpunkte der Tierethik ein und lässt diejenigen, die direkt oder indirekt von Tieren profitieren, zu Wort kommen, sondern bringt viele Einzelbeispiele aus eigener Beobachtung und eigenem Erleben ein. Da gibt es etwa die Geschichte der Henne Keira, die, aus einem Bio-Freiland-Betrieb stammend, bei der Autorin nach dem berüchtigten Ausstallen ein Zuhause und ein Leben bekam. Nach einem vermuteten Schlaganfall stellte sich die Frage, wie es mit ihr weitergehen sollte – sie schien apathisch und nicht mehr am Leben interessiert. Der Tierarzt wurde gerufen, um sie zu erlösen. Plötzlich jedoch aß sie wieder, nahm am Leben teil. Dann wieder der Rückfall in Regungslosigkeit. Das Ganze wiederholte sich einige Male, der Tierarzt wurde einige Male gerufen und wieder abbestellt. Schließlich fuhr Sezgin mit Keira zur Vogelklinik nach Hannover. Die spezialisierte Tierärztin dort sah keine Hoffnung mehr, es sei das beste, das Tier einzuschläfern. Sezgin erzählt diese Geschichte im Rahmen ihrer Ausführungen zur Euthanasie, doch es stecken ganz grundlegende Fragen darin: Wie würden wir, wie sollen wir moralisch richtig handeln? Wie gehen wir mit der Verantwortung um, die wir gegenüber Tieren haben, die mit, bei oder sogar für uns leben? Und haben wir das Recht, auf solch drastische Weise in ihr Leben (indem wir ihren Tod herbeiführen) einzugreifen? Diese Fragen stellen sich im übrigen nicht nur in Bezug auf das an sich schon komplexe Thema Euthanasie, sondern lassen sich überhaupt auf unser Verhältnis zu Tieren übertragen und Sezgin geht ihnen in verschiedenen Zusammenhängen wie dem Tierexperiment und der Nahrungsmittelproduktion nach.

Die Fragen, ob wir Tiere quälen, töten und/oder nutzen dürfen, die den einzelnen Kapiteln als Überschriften zugeordnet sind, beantwortet Sezgin mit einem sehr klaren Nein. Schließlich stellt sie sich und uns die Frage, wie wir denn überhaupt mit Tieren zusammenleben können. Eine Aufforderung an uns alle lautet als Schlussfolgerung aus Sezgins vorangegangener Diskussion: “Die erste und wichtigste Entscheidung wäre zu sagen: Diese Leben sind nicht die unseren, wir haben keine Vollmacht für sie und wollen uns eine solche nicht weiter anmaßen. Wir werden also keine Tiere mehr fangen, verschleppen, züchten und einsperren oder töten, weil niemand das Recht hat, dermaßen vollständig über das Leben Unbeteiligter zu bestimmen.” Denn nur, wenn wir das Recht dieser Unbeteiligten auf ihr eigenes Leben, das als Gut an sich wertvoll ist, respektieren, kann es so etwas wie ein Zusammenleben mit ihnen “als Nachbarn und Mitbewohner”, statt “als Nutztier oder Kuscheltier” überhaupt erst geben. Ein bisschen weniger Eingesperrtsein, ein bisschen mehr Auslauf, ein paar mehr der berühmten “Bauern um die Ecke” ändern eben nichts daran, dass im System an sich der Fehler begründet ist. Sezgin plädiert daher dafür, dass wir wieder lernen, Verantwortung zu übernehmen für unsere Handlungen. Ganz praktisch wirbt Sezgin daher für den ethisch motivierten Veganismus als Basis dieses neuen (Zusammen)Lebens, das nichtmenschliche Tiere als an ihrem Leben interessierte Individuen anerkennt und in moralische Überlegungen als Mitglieder einbezieht, gerade und besonders auch dort, wo wir es abseits von unnötigen Tierversuchen und Fleischproduktion mit Dilemmata zu tun haben, die schwer zu lösen sein mögen.
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am 4. Juni 2014
Hilal Sezgin findet in diesem Buch über Tierethik die perfekte Mischung zwischen guter Lesbarkeit und philosophischem Anspruch! Untermauert wird ihre Argumentation durch anschauliche Beispiele, die jeder nachvollziehen kann.
Perfekt für Neulinge im Themenbereich Tierrechte und Tierethik aber auch für alte Hasen mega interessant.

Kann ich auf jedenfall weiterempfehlen, da es den Wissenshorizont erweitert und sein Geld wert ist. Auch gut als Geschenk oder zum weiter verleihen =)
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am 29. Januar 2014
Mir hat es sehr sehr gut getan, das Buch von Hilal Sezgin zu lesen. Ich bin begeistert von ihrer Sorgfalt und der akademischen Untermauerung ihrer Thesen. Für mich ist es eine Bestätigung, dass meine intuitiven Moralvorstellungen, all das, was mein Herz und mein Mitgefühl mir sagen, auch noch Sinn und Verstand haben.
So habe ich während des Lesens immer wieder laut "Ja, genau!" gesagt und mich sehr gefreut wie schön meine Gefühle wissenschaftliche Bestätigung erfahren.
Bei all dem Sachverstand ist der typische Hilal Sezgin Humor, den ich in an ihren Kolumnen und Facebook Einträgen so schätze, an vielen Stellen herauszulesen. Ich habe mir das Buch in kürzester Zeit "einverleibt". Danke schön für dieses wertvolle Geschenk!
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TOP 500 REZENSENTam 29. Januar 2014
Die Fragen, die Frau Sezgin im Buch stellt, sind unbequem - selbst für Vegetarier. Denn es geht ihr nicht nur um die Frage, ob wir Tiere essen dürfen, sondern ob es überhaupt ethisch vertretbar ist, dass sie zum Vorteil des Menschen in irgendeiner Form leiden müssen, dass sie ausgenutzt und ausgebeutet werden.

Die Autorin bringt im Buch selbst erlebte Beispiele, die wirklich traurig machen und zu Herzen gehen. Etwa wenn die Kälber ihren Müttern weggenommen, und in kleinen Plastikhütten eingesperrt werden, während die Mütter vom Stall her nach ihren Kindern schrein. Sie fragt daher zurecht: Kann man einer Säugetiermutter Schlimmeres antun, als ihr das Kind wegzunehmen (und umgekehrt) - obwohl genau das unser heutiger Milchkonsum zur Voraussetzung hat? Dürfen wir Tiere einsperren und quälen, nur weil sie uns so nützlich sind, wir nicht nur Arzneimittel an ihnen testen, sondern sogar Kosmetika und Putzmittel?

Die Antwort zu jeder dieser Fragen müsste eigentlich bei jedem ethisch denkenden Menschen ein klares Nein sein. Und trotzdem passiert tagtäglich das Geschilderte. Und warum? Weil wir die Gewalt gegenüber den Tieren gern verdrängen, weil sie hinter verschlossenen Fenstern und Türen stattfindet, damit sie der empfindsame Normalbürger nicht sieht. Das Verdienst des Buches ist es daher aus meiner Sicht, dass es aufrüttelt und uns Menschen daran erinnert, dass auch Tiere Empfindungen, Schmerzen, Wünsche und Rechte haben - und wir Menschen die moralische Pflicht, diese ernst zu nehmen und zu respektieren.
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am 24. April 2016
Ich habe dieses Buch geschenkt bekommen als jemand, dessen Verzicht auf industriell produziertes Fleisch vor allem gesundheitliche Gründe hat (Antibiotikaeinsatz in der Tierzucht, so ungesunde Tiere können keine gesunde Nahrung sein). Tierethische Gesichtspunkte waren für mich sekundär.

Trotz anfänglicher Skepsis hat mich das Buch positiv überrascht. Die Autorin, die als studierte Philosophin eine Schafherde besitzt, trifft die richtige Mischung aus Anschaulichkeit und stringenter Begründung Ihrer Argumente. Allerdings denke ich, dass all die Widersprüche in den Gegenargumente, die die Autorin ziemlich systematisch zerlegt, im Grunde von einem einzigen großen Widerspruch abgeleitet sind, dem von Natur und Humanität. Die Evolution, deren Wirken wir in der Natur beobachten, ist moralfrei, und daher nicht in Einklang zu bringen mit den Vorstellungen, die die Menschheit von Moral und Ethik entwickelt hat.

Die Autorin sucht eine möglichst moralische Lösung aus diesem Dilemma, dessen Lösung aber vielleicht gar nicht existiert. Respektabel ist ihr Ansatz aber allemal. Sie diskutiert Ihre Thesen auf Augenhöhe mit jenen, die sich wissenschaftlich mit den Thema auseinandergesetzt haben, ohne dabei bevormundend zu wirken. Sie trägt Ihre Argumene überzeugend vor, und zwar ohne dass Sie zu der Strategie greift, den Leser mit detaillierten Grausamkeiten der Fleischproduktion zu schockieren. Tierschutzaktivisten mögen dies für zu soft halten, aber dadurch bleibt das Buch trotz des ernsten Themas angenehm zu lesen, in diesem Sinne ähnlich wie Jonathan Safran Foer. Erinnert fühlte ich mich an den Begriff "Ehrfurcht vor dem Leben" von Albert Schweitzer.

Manchmal kommt einem schon der Gedanke, ob das Töten von Tieren nicht ein Relikt aus vorzivilisatorischer Zeit ist, das von einer entwickelteren Menschheit einmal abgelegt werden wird. Die Verzichtsängste werden allerdings dazu führen, dass dies ein längerer Prozess sein wird. Zur Umsetzung kann Sie noch wenig Konkretes vorschlagen, was aber kein Vorwurf ist bei einem Buch, das Bewusstsein bildet.

Eine Umstellmöglichkeit für alle auf vegane Lebensweise die weder unökologische Nebenwirkungen hat noch als Verlust von Lebensqualität empfunden wird, sehe ich im Moment noch nicht, aber es könnte eie erstrebenswerte Vision sein. In ähnlicher Weise konnten sich viele in den 1980er Jahren den Verzicht auf motorisierten Individualverkehr trotz dessen schädlicher Auswirkungen kaum vorstellen - heute sind mit regenerativer Energie betriebene Elektrofahrzeuge greifbar nahe.

Ebenfalls nicht als Kritik gemeint, lediglich als Einordnung, empfinde ich andere Missstände der heutigen Welt einfach noch als dringender - ich denke dabei an Bücher wie "wir lassen sie verhungern" von Jean Ziegler - obwohl der exzessive Fleischkonsum des reichen Teils der Welt ja auch zum Hunger anderswo beiträgt. Auch diese Dinge hat die die Autorin in Blick, und es geht eine Botschaft von dem Buch aus, die über das eigentliche Thema hinausgeht. Darüber zum Nachdenken angeregt worden zu sein, empfand ich als großen Gewinn.
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am 29. März 2014
ich bin KEIN Vegetarier, meine Frau ist Veganerin und überzeugte Tierschützerin: wir diskutieren viel über "Rechte von Tieren" und das Buch von Hilal Sezgin ist eine hervorragende Zusammenstellung, was aus philosophischer und wissenschaftlicher Sicht zum Thema heute gesagt werden kann.

Ich bin mir nach dem Lesen relativ sicher, dass in 100 Jahren die meisten Menschen nicht mehr verstehen, wie wir mit den Tieren in Massenzucht etc. umgehen, so wie wir heute nicht mehr verstehen, dass vor 200 Jahren Menschen in Sklavenhaltung gezwungen wurden.

gibt es einen fairen Umgang, der das Essen / Nutzen von Tieren einschließt? Aus meiner Sicht ja, aber das muss jeder für sich selber entscheiden.

Jedenfalls sollte sich jeder der Diskussion stellen, jeder sollte zumindest wissen, was sein Fleischkonsum (Lederkonsum, Gummibärchen, Eiernudeln etc.) als Grundlage hat und wer danach als "educated decision" immer noch Fleisch isst etc. macht es dann mit einem anderen Bewusstsein als vorher.

Sehr gutes Buch, gut recherchiert, sehr gut geschrieben: 7 von 5 Sternen
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