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am 6. Juni 2014
Jaron Lanier hat mich angesteckt mit seinem Optimismus für eine neue digitale Welt. Wirklich mal ein paar neue Gedanken. Er bekennt sich als digitaler Idealist und liefert dennoch eine tolle und objektive Analyse der heutigen Missstände in der digitalen Welt.

Die Grundidee von Lanier ist, dass echte Demokratie nur mit einer breiten Mittelschicht machbar ist. Genau diese Mittelschicht aber wird systematisch ausgehöhlt durch die vielen im Silicon Valley produzierten BigData Unternehmen, die mit unseren Daten ihr Geschäft aufgebaut haben. Indem wir unsere Daten so bereitwillig herausgeben, unterstützen wir diese Modelle und lassen eine Zentralisierung der Macht bei diesen Unternehmen zu - und das ist schlecht für uns alle, so Lanier.

Der Autor reiht sich aber nicht einfach in die lange Liste der Internet- und Digital- Kritiker ein, sondern er trägt neue Sichten zu einem neuen Bild zusammen. Lanier sieht diese digitale Welt der Vernetzung einfach ein Stück anders als viele Autoren zuvor, die sich an das Thema herangewagt haben.

Das für mich Lesenswerteste an seinem Buch ist jedoch, dass er sich Gedanken über eine neue, humanistische digitale Gesellschaft macht und dafür ein Konzept entwirft. Für die Kritiker ist es natürlich ganz einfach, hier Naivität ins Feld zu führen, um dieses Konzept nicht inhaltlich diskutieren zu müssen.

Inmitten des vielen Grusels (O-Ton!) den die digitale Vernetzung uns bringt, baut Jaron Lanier ein facettenreiches neues Gedankengebäude auf, das aus so vielen neuen oder neu zusammengetragenen Ideen besteht, dass es aus meiner Sicht nicht direkt zusammenfällt, auch wenn man sich mit einzelnen Bausteinen nicht anfreunden kann, oder diese für zu utopisch hält.

Es ist ein toller Ritt durch Konzepte zur beidseitigen logischen Verknüpfung von Informationen (von der Quelle zum Ziel UND in die andere Richtung), sowie Themen wie Urheberrecht, elektronisches Geld und viele andere mehr, die Jaron Lanier in neuer Form miteinander verbindet und uns damit die Augen öffnet.

Ja, so einfach wird sich das Alles nicht umsetzen lassen. – Aber hier ist endlich mal jemand, der nicht den Kopf in den Sand steckt, sondern mit dem die dringend notwendige Debatte zur digitalen Gesellschaft einen Hoffnungsschimmer erhält.

Und auch wenn ich selber nicht alle vorgeschlagenen Schritte mitgehen kann, ist mein Fazit zum Buch ohne Wenn und Aber positiv. - Lesen!

Durch die Auszeichnung mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels werden sich jetzt hoffentlich noch mehr Leute mit Laniers Gedanken auseinandersetzen. Das kann der Diskussion über die Möglichkeiten und unserer Gestaltung der digitalen Welt nur gut tun!
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am 6. Juni 2017
Jaron Lanier hat in seinem letzten Buch "Wem gehört die Zukunft?" eine interessante Idee verfolgt: Daten, so schreibt der Mann, den viele als einen Vordenker einer kritisch-konstruktiven Haltung zum Netz feiern, müssten wieder in den Besitz der User zurückkehren. Der User wiederum entscheidet in diesem Modell dann, was er mit den Daten machen will. Komplett für sich behalten? Oder weitergeben und damit dann auch Geld verdienen? Laniers grundsätzliche Idee: Daten gehören demjenigen, der sie erzeugt. Und nur er darf sie auch verkaufen. Und nicht etwa Großkonzerne, die sich auf das weitgehend kostenlose Einsammeln fremder Daten spezialisiert haben. Micropayment für Big Data - warum eigentlich auch nicht?

An solchen Stellen ist Laniers Buch richtig gut. Weil konkret und manchmal auch Visionär. Leider verliert er sich manchmal sehr in Details, so dass man Mühe hat, den roten Faden wiederzufinden. Zumal der Titel auch ein bisschen trügt: Um die großen Konzerne geht es eher am Rande, stattdessen (und das sind dann die schwächeren Stellen des Buchs) wird es stellenweise sehr philosophisch.Trotzdem: Auch wenn man Lanier nicht immer und überall recht geben muss, lesenswert ist das Buch allemal.
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TOP 500 REZENSENTam 17. Februar 2014
"Wenn alles frei verfügbar und umsonst ist, klingt das demokratisch, ist es aber nicht." So könnte man in etwa die Kernthese von Jaron Lanier im Buch beschreiben. Denn die großen Internetkonzerne wie Google oder Facebook mit ihren technischen Möglichkeiten, all diese Informationen auszuwerten und weiterzuverkaufen, sind am Ende die wahren Profiteure.

Lanier schreibt: "Damit der Mensch den Verlust der Freiheit widerspruchslos akzeptiert, muss man diesen Verlust wie ein Schnäppchen wirken lassen. Den Verbrauchern werden "kostenlose" Dienste angeboten (etwa Suchmaschinen oder soziale Dienste), wenn sie sich dafür ausspionieren lassen." Und der Preis für das Ausspionierenlassen ist höher als man glaubt. Denn mit gezielter Werbung, die die meisten nur lästig finden, aber an die man sich doch irgendwie gewöhnt hat, ist es nicht getan. Lanier bringt hier das Beispiel von Versicherungen. Durch entsprechende Suchanfragen oder auch Postings in sozialen Netzwerken kann man nämlich selbst dazu beitragen, als "schlechtes Risiko" erkannt und eingestuft zu werden. Und wenn Versicherer an diese "wertvollen" Informationen kommen, braucht man sich dann nicht mehr zu wundern, wenn man von diesen abgelehnt wird. Denn in der Versicherungsbranche geht es schon lange nicht mehr darum, möglichst viele Kunden zu versichern, sondern die "Richtigen", also die, die laut Computer-Vorhersage die Versicherung möglichst wenig belasten.

Aber was kann man tun, damit man als normaler Konsument mit seinen kostenlos zur Verfügung gestellten Daten nicht zur Gewinnmaximierung der großen Internetkonzerne beiträgt, und sich letztlich sogar selber schädigt? Laniers Lösung klingt plausibel: indem man die Daten eben nicht mehr kostenlos zur Verfügung stellt. Lenier schreibt dazu: Wir speisen unsere Daten bei Facebook ein, wissen aber nicht, was hinter den Kulissen mit ihnen passiert. Das würde sich ändern, wenn etwa Facebook für unsere Daten bezahlen müsste. Denn dann würde aus der einfachen Nutzung eines Dienstes eine Geschäftsbeziehung, mit entsprechender Offenlegung des materiellen Vorteils, der daraus gezogen wird. Obwohl das natürlich erstmal gut klingt, kann man sich schwer vorstellen, wie das rechtlich und technisch umzusetzen wäre. Und auch Lanier selbst bleibt hier sehr vage.

Die Beendigung der Gratis-Kultur im Internet würde allerdings auch in der umgekehrten Richtung gelten: also das jeder Nutzer für die Nutzung solcher Dienste wie Google oder auch Facebook künftig zahlen müsste. Lanier findet das nicht so schlimm, weil die bisherige Pseudo-Kostenlosigkeit ohnehin nur eine Illusion ist. Er plädiert für eine Art Grundgebühr. Zusammen mit der Gebühr, die die großen Internetplayer für die Nutzung unserer persönlichen Daten entrichten sollen, liefe es auf die komlette Monetarisierung des Datenverkehrs im Internet hinaus. Aber kann das wirklich die Lösung sein? Kann man "Big Data" mit noch mehr "Big Data" bekämpfen, den Teufel also sozusagen mit dem Beelzebub austreiben? (bei einer Grundgebühr für Google müssten z.B. etwa viele Millionen neue Konten eröffnet werden) Hier widerspricht sich also Lenier aus meiner Sicht selbst etwas.

Fazit: Die Fragen, die der Autor in seinem Buch aufwirft, sind interessant, seine Antworten dazu wirken für mich nicht immer überzeugend. Aber es wäre wohl auch unredlich, ausgereifte Lösungsmodelle für so große Zukunftsfragen von einem einzelnen Spezialisten zu erwarten. Dies kann wohl nur in einer breit angelegten gesellschaftlichen Debatte erfolgen. Und dafür hat er mit seinem Buch einen guten Beitrag eingebracht.
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TOP 500 REZENSENTam 11. März 2014
Ein überraschend anderer Blick auf die Zukunft des Wirtschaftens generell - dieses Buch hat jemand geschrieben, der tief in den Weiten des Internets zuHause ist und der eine echte Vision für die Zukunft besitzt.

Auf den Punkt gebracht: die Wirtschaft weltweit agiert mit Großkonzernen, die ihre Geldmacht auf alles setzen und erpressen, was & wer möglich ist. Menschen dürfen Crowdsourcen, d.h. kostenlos beitragen. Sie scheffeln damit wie Sklaven früher unerträgliche Reichtümer für Menschen, die immer dickere Mauern brauchen und mehr Polizei, um in Sicherheit leben zu können. Diese Menschen haben so viel Geld, dass sie sogar atomare Katastrophen eine Zeitlang überleben können. Also: die Mittelschicht und Kaufkraft stirbt aus - und zwar solange, bis wir aufstehen, um eine Revolution zu veranstalten, weil wir nichts mehr kaufen können. Solange werden sogenannte Sirenenserver unerträgliche Reichtümer scheffeln damit, dass wir unsere Daten und Beiträge kostenlos hingeben.

Diese erste Phase des Internets könnte man mit Anerkennung umschreiben. Die meisten Menschen erhielten bislang Anerkennung nur am Ende des Lebens: meist durch eine Todesanzeige und durch eine Schubladenpredigt zur Beerdigung. Heute kann jeder etwas beitragen und auf Facebook geliked werden. Sie tun alles dafür, Hausfrauen, Pensionäre und sonstige, die durch feste Jobs in Konzernen, Staatlichen Stellen, ererbtem Vermögen oder durch Oma gesponsert werden. Und zwar kostenlos. Warum? Weil sie ihren eigenen Wert nicht kennen, monokausal mit der Wirtschaft verhandelt sind, faul und bequem, keine Notwendigkeit zum Nachdenken.

Neben einer Vielzahl von Ideen geht es vor allem darum, individuellen Zeitaufwand zu bewerten und seine Relevanz für andere in Micropayments zu bewerten, d.h. jedem Entgelte auszuzahlen oder in Tauschwährungen zu übergeben. Menschen müssen lernen, sich selbst einzuschätzen und ihr Geld demokratisch im Netz zu verdienen. "Irgendwann wird es einen Übergang dieser Art geben müssen. Er wird wahrscheinlich nach der Katastrophe der massiven Verrentung der Babyboomer stattfinden." (S. 424)

Jaron Lanier zeigt im abschließenden Kapitel (Führerschaft), wie die einzelnen Netzteilnehmer bzw. Zielgruppen entsprechende Maßnahmen steuern können. "Viel zu oft entscheiden wir uns für die einfache Lösung und nehmen Missstände hin, solange sie nur mit Coolness überzuckert werden." (S. 449) Dieses Buch ist ein Ansatz und konkrete Vision, wie es morgen, nach dem Wahnsinn der Konkurrenzwirtschaft, aussehen wird. Nicht alles ist ausgedacht bis ins Detail, aber diese Vision ist die Überzeugendste, die ich bislang gelesen habe. Nicht nur, weil sie sich zu weiten Teilen mit meinen Überzeugungen und Erfahrungen deckt. Vor allem, weil sie auf das Gute setzt und nicht das lächerliche Böse des Menschen konstituiert, welches uns lediglich an den Rande des Nichts und der unerträglichen Gier gebracht hat.

Wohlstand und Würde für alle, darum geht es. Um die Weiterführung einer Idee, die in diesem Buch ihren Anfang nahm: Das Cluetrain Manifest. 95 Thesen für die neue Unternehmenskultur im digitalen Zeitalter. Auf Seite 467 von "Wem gehört die Zukunft" steht: "Wir zahlen einfach jedem ein Grundeinkommen - dafür, dass er lebt. Viel mehr Menschen könnten etwas zur Gesellschaft beitragen, wenn sie sich keine Sorgen machen müssten, wie sie überhaupt über die Runden kommen." Jaron Lanier hat das Grundeinkommen noch nicht ganz durchacht, meint aber, dass es für die sogenannte Dominanz von Sirenenservern wie Amazon und anderen Datenagglomerationen die beste Lösung sei, dass Kunden immer weiter kaufen können. Er selbst hat dazu noch keine abschließende Meinung. Ich glaube, dass es eine Möglichkeit ist, Menschen selbstbewusst zu machen in der Einschätzung ihres Gegenwertes in der Informationsökonomie von morgen und im Grunde das Ziel von autonomem ökonomischen Handeln im Micropaymodus fördern wird.

Ein faszinierendes Buch.
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am 3. März 2014
Ist etwas wirklich "kostenlos", wenn wir dafür bereitwillig unsere Daten preisgeben? Wir nutzen Suchmaschinen und machen uns keine Gedanken darüber, ob die eingegebenen Suchbegriffe vielleicht für Unternehmen von Wert sein könnten. In sozialen Netzwerken wie Facebook veröffentlichen wir unsere Interessen oder geben bei Gewinnspielen unsere Freundesliste frei. Beim Einschalten unseres Tablet-PCs wird automatisch unser Standort abgefragt und verschiedenen Apps wie Wetterdiensten oder Routenplanern mitgeteilt. Und die ersten Kfz-Versicherer gewähren Rabatte, wenn die Blackbox im Auto das Fahrverhalten protokolliert. Alles nur zum Wohl der Verbraucher oder werden wir eines Tages dafür bezahlen? Welchen Einfluss haben wir (noch) auf diese Entwicklungen?

Jaron Lanier, ein für Microsoft tätiger US-amerikanischer Computerwissenschafter, geht in seinem Buch "Wem gehört die Zukunft?" der Frage nach, wie es zu dieser Entwicklung gekommen ist, welche Vorteile sie mitbringt, mit welchen negativen Einflüssen wir bereits heute zu kämpfen haben und was uns in der Zukunft noch erwarten wird. Mal analytisch und sachlich, mal provozierend und pointiert stellt Lanier die Richtigkeit unseres Handels in Frage. Er widmet sich auch ausführlich der Frage, welche Rolle die digitalen Netzwerke bei der Finanzkrise gespielt haben. Seiner Meinung nach wäre die Aufblähung des Finanzsektors nicht ohne die gigantischen Rechnerleistungen möglich gewesen (z. B. durch Hochfrequenz- und Derivatehandel).

Immer wieder taucht im Buch der Begriff "Sirenenserver" auf. Für Lanier sind dies Datensammler, die für ihr Produkt (=Daten) meist nichts bezahlen müssen. Diese Daten werden mit den leistungsfähigsten Rechnern analysiert, die nur für sehr wenige erschwinglich sind. Die Ergebnisse werden dann zum eigenen Vorteil geheim gehalten. Sirenenserver sind dazu bestimmt, Illusionen zu verbreiten und uns vom eigenen Denken abzuhalten. Datenkraken wie Google oder Facebook mischen dabei ganz vorne mit. Lanier rät, möglichst nah an einen Sirenenserver heranzukommen, weil dort derzeit die großen Vermögen gemacht werden. Mittelfristig werden aber nur einige wenige daran verdienen und der Rest der Gesellschaft muss sehen, aus welchen Töpfen sie sich versorgt. Wenn sich dieses Szenario tatsächlich bewahrheitet, wird das wohl weltweite Revolutionen auslösen.

Geht es nur nach dem Markt, würde es keine Mittelschicht geben, sondern nur sehr wenige extrem Reiche und viele Arme ("The winner takes it all"). Erst staatliche Eingriffe und dauerhafte Mechanismen wie soziale Sicherungssysteme mildern die Auswirkungen des Marktes und schaffen eine stabile Mittelschicht. Das reine Marktsystem fördert nur die Besten und die Skrupellosesten, aber solche Systeme, das hat die Geschichte gezeigt, sind niemals stabil. Derzeit greift der radikale Marktliberalismus immer mehr um sich, mit dem Nachteil, dass diese Fehlentwicklung die für eine Marktdynamik besonders wichtige Mittelschicht schwächt. Ein weiteres Kapitel, das der Autor mit Beispielen untermauert, zeigt, wie die Mittelschicht in Zukunft möglicherweise (über)leben kann.

Lanier verzichtet auf einen Index, dafür hat das Buch ein sehr ausführliches Inhaltsverzeichnis mit Stichworten zu den einzelnen Kapiteln. Leider sind diese Schlagworte von Lanier oft selbst geschaffene Wortschöpfungen, die sich nicht selbst erklären, sodass sie höchstens als Erinnerungsstütze dienen, um noch einmal etwas nachzuschlagen, aber keine gezielte Orientierung erlauben. Insgesamt hat das Buch manche Längen und relativ viele Redundanzen.

Dennoch ist "Wem gehört die Zukunft" eine lesenswerte, anspruchsvolle und hervorragend übersetzte Streitschrift, die bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Meine Daten gehören mir und ich werde es anderen so schwer wie möglich machen, damit reich zu werden.
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am 11. August 2014
Ich finde Jaron Laniers Buch einfach nur genial und wirklich entlarvend.
Entlarvend in mehrfacher Hinsicht:
1) Die von Lanier schonungslos umgesetzte Analyse der Fehlentwicklungen und dubiosen Praktiken der Sirenenserver und der Online-Wirtschaft sind beachtlich und sollten von jedem scheuklappentragenden Technologie-Hörigen gelesen werden.
2) Es ist unglaublich wohltuend von einem anerkannten Fachmann zu lesen, dass hinter dem Internetboom eine sich neu etablierende Religion steckt, die ihren Anfang im Silicon Valley hat. Uns Normalsterbliche, die das vor dem Buch schon kritisiert haben, hat man ja bisher nur milde belächelt. Und auch dieses arrogante "in den Bart Lächeln der Wissenschaft" (Musil) spricht er offen an. Danke Jaron Lanier!
3) Jaron Laniers Kritik an den ebooks und den damit einhergehenden Qualitätsverlust und die Entmündigung der Leser ist genau das, was in der Diskussion darüber bisher gefehlt hat: Die allergrößten Kälber wählen ihre Schlächter selber.
Hätte das alles ein anderer geschrieben: mildes besserwissserisches Lächeln und S***storm...
4) Und darum habe ich mich gegen den letzten und fünften Stern entschieden:
Von der Schlusspointe auf den letzten Seiten bin ich ehrlich enttäuscht. Die Lösung aller wirtschaftlichen Probleme wieder in einer staatlichen Maßnahme zu sehen (und zu zeigen) entlarvt für mich leider nur eines: Die Technologie bringt nicht die Lösung, auch nicht als Informationswirtschaft im Lanierschen Sinn, die er mit der Schlusspointe - Grundeinkommen für alle - auch ziemlich relativiert.
Die von Lanier im ersten Teil des Buches so genial kritisierte Technologie ist das Problem.
Wir leben auch gemäß Lanier in der Zeit der größten geistigen und technischen Verarmung der westlichen Geschichte. Und wer's nicht glaubt, der möchte sich einmal irgendwo aufs Land oder in Stadtarchive bemühen und nachsehen, welche Handwerksbetriebe, Erwerbszweige und Arbeitsplätze in den letzten 150 Jahren verschwunden sind. Das Internet hat mehr Arbeitsplätze in den letzten beiden Jahrzehnten zerstört als geschaffen.
Mein Fazit aus dem wirklich genialen Buch: Das Internet in der heutigen Anwendung ist nicht die Lösung, es ist und bleibt das Problem.
Die Zukunft muss wieder den Menschen und der nicht-virtuellen Realität gehören.
Ad multos annos!
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am 11. Februar 2015
Vorweg: Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich das Buch nicht beim Einzelhandel - sondern bei Amzon gekauft habe; Aber ich bin dran, mein Web-Verhalten zu ändern. Mir ist nach der Lektüre des Buches bewusst geworden, das ich als Amazon- oder Samsung-Kunde oder sonstiger Account-Inhaber bei anderen "Mächtigen" durch mein Verhalten Teil der weltweiten Vernichtungsmaschinerie von Solidargemeinschaften bin!

Das Buch muss ein Standwerk für aller Bildungseinrichtungen/Schulen werden und als Beilage jedem "Ding" das man kauft und mit dem Internet verbinden kann - und vermutlich zukünftig ohne Chance der Nutzung mit dem Internet verbinden muss - als Pflichtlektüre bzw. "Nutzungsbedingung" des "Dings" mit auf den Weg geben!

Ich befinde mich in der sogenannten 3. Lebensphase und wünsche mir von der Enkel-Generation die Umsetzung der Lösungsangebote von Jaron Lanier; wenn es denn noch in demokratischen Gesellschaften und Solidargemeinschaften möglich sein sollte. Denn die bereits heute real existierende Macht der Datensammler, wie Amazone, Google, Dropbox, Facebook, Apple, Samsung, Microsfoft, Uber, Watsup, Twitter, Airbnb & u.v.a, sind "Tolle" Mittelschichtsvernichtende und Steuerzahlungsvermeinde Unternehmen. Die "Mächtigen" sammeln nicht nur Daten, sondern Geld, sehr, sehr viel Geld. Und Geld regiert die Welt, und nicht etwa die demokratisch Gewählten; die sind zudem viel zu langsam, es fehlt ihnen ebenso der Intellekt im Wettbewerb mit den Besten der Besten von Top-Unis aus aller Welt; die Gewählten kennen nicht mal die Langbezeichnungen von TTIP, CETA oder Tisa, geschweige deren geheime Inhalte und Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Und die "Eliten", die aus unseren Daten und unserem Verhalten Geld machen - und Banken, die aus nichts (Schulden) Geld machen, unterwandern und zerstören unsere demokratischen Gesellschaftsysteme; sie entziehen sich jeglicher Verantwortung! Am Beispiel der letzten Apple-Anleihe wird deutlich, dass ein Unternehmen mit mehr als 150 Mrd. US-Dollar steuerfreiem Barvermögen im Ausland - einen Kredit - hier Anleihe -ausgibt, um auch noch die paar Dollar Steuern in den USA zu sparen, die sie sonst in den USA bezahlen müssten!

Es gibt immer eine "kreative" Lösung! Es muss nicht die Beste sein, es reicht vielleicht Zweitbeste; sie muss kommen und zwar schnell! Vielleicht ja mal schneller, wie die Lieferung des vorgenannten Buches;>)
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am 3. Juni 2014
Um es vorweg zu sagen, die konstruktive Seite dieses Buches, die Ideen, die Lanier entfaltet, um „dem Übel“ entgegen zu treten, die geraten schwierig. Weniger im gedanklichen Bereich, eher im praktisch-technischen Bereich.

Aber die Fragen, die Lanier aufwirft, der Kern dessen, für das er dem Leser die Augen öffnen möchte, der ist trotz seiner eher schlichten Reduzierung auf das „Eigentum“ und Normalität, für eine „eigene Leistung“ auch bezahlt zu werden, so man diese nicht „freiwillig ehrenamtlich erbringt“, durchaus augenöffnend.

Mannigfaltig greifen die Big Player im Internet (allzu) bereitwillig zur Verfügung gestellte Daten ab, welche die Nutzer „von sich geben“ (auch nachzulesen in der „digitalen Vermessung).

Daten, die bares Geld wert sind. Denn unter anderem der gesamte „Wert“ von Facebook an der Börse liegt ja z.B. in der Prognose begründet, dass Facebook Geld verdienen wird, ein profitables Unternehmen ist und dies noch ausbauen wird. Die „Ware“ auf Facebook aber sind die Informationen über die Nutzer. Ähnlich wie bei Google, wo werberelevant gearbeitet wird und Nutzerverhalten umgehend mit „Unternehmen und Angeboten“ zusammengeführt werden. Wofür jene Unternehmen dann natürlich ihren Obulus entrichten.

Stand aktuell somit ist, dass das „Internet“ den Nutzern Kosten verursacht. Direkt durch Gebühren, direkt durch Auswertung ihrer (kostenfrei erbrachten) Daten, indirekt auch dadurch, dass immer weniger Arbeitsplätze geschaffen werden, immer mehr Mitarbeiter (auch in der „alten, realen“ Wirtschaft überflüssig werden und für beides, die „Erbringung von Leistungen“ und den „Wegfall“ realer Einkommen und Kaufkraft keine Erstattung stattfindet.

Momentan also noch ein Paradies für die „Big Player“ des Internet, die mit wenig Kosten einen hohen Gewinn generieren, durch ihre Millionen bis Milliarden „kostenfreien“ Mitarbeiter, die erst das verkaufbare „Gut“ dieser Net-Unternehmen erzeugen.

Immer anhand eingängiger Beispiele illustriert Lanier dabei seine Thesen und zeigt im ganz praktischen Leben auf, wie die digitale Technik Menschen zu messbaren Faktoren reduziert, die dann meistbietend „verkauft“ werden, wie „gefräßige Datensammler“ auch Veränderungen im bis heute „analogen Leben und Wirtshaften“ vorantreiben.

Wer also droht, demnächst „Eigentümer der Welt“ zu sein? Einige Wenige an den Schaltstellen der großen, digitalen Anbieter, die ob der kostenfreien „Ausbeute“ an persönlichen Daten die einzelnen Menschen immer mehr „in die Schlinge“ ziehen.

Das ist interessant zu lesen und passt in die vielfachen aktuellen Diskussionen über die Macht der „Big Player“ wie Google und Facebook und dem damit einhergehenden allgemeinen Unwohlsein bei der Frage, wer alles was über einen schon weiß oder wissen wird. Wie sorglos viele mit ihren Daten „hausieren“ gehen. Und wie der Satz immer mehr Wirklichkeit werden kann: „Willst Du nicht, dass es öffentlich wird, dann tue es nicht“.

Und auch wenn sein Aufruf zu einer „humanistischen Informationsökonomie“ noch ein wenig vage klingt, auch wenn konkrete, umsetzbare Ideen im Buch fehlen, ein „Wach werden“ steht an, ein kritischer Blick auf all das, was da kontenfrei „gesaugt“, ausgewertet und verkauft wird durch wenige unter Wegfall zigtausender Arbeitsplätze und Verdrängung ganzer Kulturlandschaften ( wie den Buchdruck und die Vielfalt von Verlagen und Mediengruppen).

Eine sehr interessante Lektüre, trotz mancher polemischer Zuspitzung, trotz mancher mangelnder Differenzierung und trotz der Tatsache, das Lanier wenig aktuell gangbare Lösungen anzubieten hat.
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am 26. August 2014
Laniers Analyse der Internetwirtschaft ist interessant, das Buch in diesem Punkt empfehlenswert. Das gilt nicht für seine Lösungsvorschläge: eine derartige Häufung von ungewissen Voraussetzungen, problematischen Folgerungen, verbunden mit Relativierungen und in Konjunktiv-Sätzen verpackt, habe ich selten gelesen. Es ist ein großes Maß an Geduld und Nachsicht erforderlich, das Buch mit diesen Ausführungen zu Ende zu lesen!
Lanier sieht die Ursache für die heutigen, durch das Internet geschaffenen Wirtschaftsprobleme im Paradigma (scheinbar) kostenloser Angebote und Leistungen. Er beschreibt die Funktion der Internetwirtschaft, insbesondere der „Sirenen-Server“ sehr anschaulich als marktbeherrschende Plattformen mit scheinbar kostenlosen Dienstleistungen und Service-Angeboten. Dabei gewinnen diese fast unbegrenzt, praktisch ohne Entgelt, mehr oder weniger sensible Daten der Internet-Nutzer und ermitteln mit intelligenten Algorithmen möglichst genaue Informationen über das Verhalten und die Bedürfnisse der Nutzer als Kunden für Angebote jeder Art. Nutzer und Produkte bedingen sich wechselseitig, so wie es der Untertitel zu Recht behauptet!
Diese Informationen bilden das eigentliche „Kapital“, mit dem Gewinne erwirtschaftet werden: Die Betreiber dieser Plattformen verkaufen diese Informationen aber nicht etwa an ihre eigentlichen Kunden in der Werbewirtschaft, Dienstleistern, Handel oder produzierendem Gewerbe, sondern bieten maßgeschneiderte Werbekontakte an, behalten also den exklusiven Zugang zu den Nutzern – oft sogar die Kontrolle über Transaktionen.
Um die Quellen ihrer Geschäftstätigkeit zu sichern, arbeiten die Plattformen mit Feed-back-Systemen, die subtile Formen von Belohnungen und Bestrafungen einsetzen, wie man sie aus der Spiele-Entwicklung kennt, die das menschliche Suchtpotential ansprechen.
Die Betreiber der Sirenen-Server agieren vergleichbar klassischen Verlegern heutiger Medien, die spezifische Zielgruppen über das „redaktionelle Umfeld“ ansprechen und damit die Möglichkeit für zielgruppenspezifische Werbeansprache schaffen. Der Unterschied – die Perfektion der Methode – besteht darin, dass in diese neuen, „sozialen“ Medien die „gläsernen Kunden“ das Äquivalent für das redaktionelle Umfeld selbst und für den Betreiber des Servers praktisch „kostenlos“ bereitstellen – Informationen und Wissen werden unter den Nutzern geteilt, nutzen aber vor allem dem Plattform-Betreiber.
Dabei gerät der Kunde immer mehr in Abhängigkeit und bezahlt auf die eine oder andere Weise doch für scheinbar kostenlose Angebote – mit seinen Daten und nicht zuletzt mit seiner Entscheidungs- oder Handlungsfreiheit.
Damit einher geht aber eine Verschiebung der Eigentumsverteilung zu wenigen, die über große Vermögen verfügen und vielen, die praktisch über nichts verfügen: Der Mittelstand als Leistungsträger stabiler Gesellschaften blutet aus. Das Internet schafft weniger Arbeitsplätze als es vernichtet; ganze Branchen verlieren die Geschäftsgrundlage – sogar im produzierenden Gewerbe, wenn perfektionierte 3D-Drucker ferngesteuert vor Ort das gewünschte Produkt ausspucken.
Diese Sorge treibt Lanier um; er sucht nach Möglichkeiten, diese Entwicklung zu stoppen und umzukehren. So weit hat mir das Buch gefallen; so weit halte ich es für ausgesprochen empfehlenswert.
Lanier schwebt eine Art „sozialer Marktwirtschaft“ vor, die dadurch eingeführt bzw. stabilisiert werden soll, dass Nutzer für ihre Daten - Basisdaten wie zusätzliche, eigene Beiträge oder Verweise - als Basis für das heutige Geschäftsmodell honoriert werden, um mit diesen Mitteln den eigenen Internetkonsum bezahlen zu können.
Mit dem Prinzip „Wachstum durch Information“ hofft Lanier die Gefahr eines Nullsummenspiels oder der Abwärtsspirale zu vermeiden, in der man sich nur wechselseitig – ohne Wertschöpfung - informiert.
Lanier erwähnt vieles, will aber in seinem Optimismus, der fast verbohrte Züge annimmt, keine Konsequenzen daraus ziehen: so deutet er an, dass viele Nutzer als „Information“ nur Informationsmüll beitragen; soll dieser wie ernsthafte Aktivitäten honoriert werden, damit auch diese Teilnehmer sich den Luxus der Internet-Leistungen gönnen können?
Findet hier nicht bereits im Ansatz die Bifurkation der wirtschaftlichen Möglichkeiten der realen Welt in der virtuellen Welt ihre Fortsetzung?
Wie könnte der Übergang von der heutigen Situation in eine neue Start-Phase gelingen; wo ist der Reset-Knopf, der nicht mit einer Katastrophe verbunden ist?
Der Autor kennt die Situation, denn er schreibt aus der Sicht eines betroffenen Musikers einerseits, als einer der kreativen Köpfe, die nicht ganz unschuldig sind, dass die heutige Situation so eingetreten ist, wie sie ist, andererseits …
Die Fakten leugnet Lanier nicht, aber seine Lösungen zeichnen sich durch Wunschdenken und damit das Ausblenden von Alternativen wie z. B. eines bedingungslosen Grundeinkommens aus, das durchaus ernsthafter diskutiert werden kann.
So entsteht beim Leser ein zwiespältiger Eindruck: wird hier Kreativität mit Narrenfreiheit verwechselt?
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HALL OF FAMETOP 500 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 17. Februar 2014
Auf eindrucksvolle Weise zeigt Jason Lanier in seinem Sachbuch, wie wir Nutzer von Fb und Google immer mehr zu gläsernen Wesen werden. Wir offenbaren ihnen alles von uns, haben damit eine virtuelle Welt geschaffen, die unbemerkt mächtiger geworden ist als die Realität vor der Haustür. Selten habe ich so ein spannendes Sachbuch gelesen und die vielen Beispiele die der Autor heranzieht beeindrucken mich sehr.

Der Autor warnt aber nicht vorrangig vor dem falschen Umgang mit den sogenannten "sozialen" Netzwerken. Er beschreibt wie wir von Tag zu Tag immer mehr zu Sklaven dieser mächtigen Netzwerke werden. Die verdienen sich eine goldene Nase an uns und unseren Informationen und gaukeln uns vor, sie täten uns etwas Gutes damit. Lanier überführt sie und stellt mich vor Tatsachen die mir überhaupt nicht gut tun.

Und genau da setzt Lanier an. Er will nicht, dass die Netzwerke immer noch reicher werden. Er will, dass ich Geld für meine Informationen bekomme. Er will einen fairen Umgang miteinander in Gang bringen. Das alles ist sehr löblich, aber ich hege Zweifel an der Umsetzung von Laniers Vision - so gut sie auch sein mag!
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