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am 1. August 2014
"Mundus vult decipi, ergo decipiatur" frei übersetzt "Urheberschaft spielt keine Rolle, was zählt, ist das Werk".
Manche Künstler ahmen die Natur nach, manche die Kunst….aber alle ahmen nach. Michelangelo hatte die Angewohnheit Originale auszuleihen und Kopien zurückzugeben, was für die besondere Magie des Originals zu sprechen scheint. Nur, wer merkt es? Selbst weltberühmte Kunsthistoriker sind nicht in der Lage den Unterschied zu erfassen. Bedeutet das, sie sind nicht von der Magie des Originals berührt worden? Also Hut ab vor Herrn Beltracchi, genial ist er, da beisst die Maus kein' Faden ab.
Wir können das Ganze auch wohlwollender ansehen: Wählen wir Rembrandt. Wie alle guten Zeichner ist er kein isoliertes Einzeltalent, sondern ein Glied in der langen Traditionskette des Zeichnens. Was wir sehen, gleicht der Eisbergspitze eines riesigen Eisbergs, drunter liegt eine gewaltige Masse geringerer Künstler, die es zwar nicht geschafft haben, als Gipfel übers Wasser hinaus zu ragen, die aber gleichwohl das Fundament bilden, ohne das es unseren Giganten Rembrandt nicht gäbe.
Es gibt nur ein Problem und das ist der Kunstmarkt: Nicht das Kunstwerk, sondern der Kunstwert entscheidet. Liebes Ehepaar Beltracchi, ich danke Ihnen herzlich, für dieses wirklich amüsante Buch. Fünf Sterne, weil es mir vergnügliche Stunden bereitete.
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TOP 500 REZENSENTam 5. April 2016
Nun, ich bin kein Mensch, der hinter den Sensationen herhechelt und sich auf alle möglichen Veröffentlichungen stürzt, die von Menschen kommen, deren verurteilte oder zu verurteilende Taten ihnen medial ausreichend Aufmerksamkeit verschafften. Wenn ein schwedischer Massenmörder oder ein Verbrecher, der zur eigenen Bereicherung nicht vor dem Mord an einem Bankierssohn zurückschreckte ihre Memoiren veröffentlichten hält sich mein Interesse und meine Begeisterung sehr in Grenzen.

Die Eheleute Beltracchi sind allerdings da doch etwas differenzierter zu betrachten. Zwar nutzen auch sie die Aufmerksamkeit der Medien, allerdings ist ihr Zusammenwirken bei der Herstellung von Fälschungen und deren Vermarktung auf dem Kunstmarkt etwas Außergewöhnliches. Wenn selbst das gefälschte Bild schon einen eigenständigen Kunstwert besitzt und das einen Picasso nachahmende eigenständige Bild Beltracchis vielleicht mal ebenbürtig im künstlerischen Wert betrachtet werden kann, wie die Werke des nachgeahmten Künstlers, kommt eine andere Dimension des Handelns und des Könnens zu Tage. Es steht außer Frage, dass eine unerlaubte Handlung geahndet werden muss. Das ist juristisch geschehen. Allerdings kann man nicht übersehen, dass der Betrug meisterhaft eingefädelt und umgesetzt wurde. Die Grundzüge der Märchenfiguren aus "Der Kaisers neue Kleider" oder "Der Meisterdieb" scheinen hier Pate gestanden zu haben.

Neben dem außergewöhnlichen Fälschungstalent, meisterhafter, als es ein Kujau mit seinen falschen Hitlertagebüchern vermochte, ist auch die sonstige Lebensgeschichte, die Raffinesse, mit der dies gemeinsam geplant und vollzogen wurde, in spannender unterhaltsamer Art und Weise von Helene Beltracchi erzählt.

Hape Kerkeling hat mit seiner Parodie "Hurz" der blasierten Kunstkennerwelt den Spiegel vorgehalten, Beltracchis erscheinen da nicht parodierend aber bei aller ins Grotesk-Komische verzerrten Realität als moderne Eulenspiegel der Malerei.

Die Geschichte ist so gut und auch so hervorragend unterhaltsam erzählt, dass ich dem Buch meine Anerkennung nicht zu versagen sondern es nur ausdrücklich zu empfehlen vermag.
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am 9. Februar 2014
Ich bin weder Kunstkenner noch aufmerksamer Beobachter dieser Szene. Auf Wolfgang Beltracchi wurde ich durch die Presseberichterstattung vor ein paar Jahren aufmerksam. Vor einigen Wochen sprang mir der Name wieder ins Auge. Meine Neugier war geweckt. Mit Hilfe des Internet verfolgte ich aufmerksam die zum Teil sehr positiven und mit Erstaunen auch die im Ton manchmal extrem ausfallend formulierten Berichte über die Buchveröffentlichung. Der „angestochene“, moralinsaure und oft mehr als unerzogene Ton der Journaille machte mich neugierig.

Ich las ein Buch, dass ich sicher noch manches Mal in die Hände nehmen werde. Witzig geschrieben und voller Überraschungen beschreibt das Paar nicht nur ein außergewöhnliches Leben, man erfährt einiges über Malerei, pikantes über die Kunstvermarkter und darüber wie sich die manchmal selbstherrlichen Vertreter der schreibenden Zunft irren können. Dabei gleitet das Buch nie in Zynismus oder Boshaftigkeit ab. Die Autoren haben sich besser im Griff, als die sie kritisierenden Journalisten.

Meine Meinung: besonders lesenswert und es macht Lust auf das Briefe-Buch, das ich mir noch heute bestellen werde.
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am 21. Februar 2014
Wolfgang Beltracchi, den die Medien als „Kunstfälscher des Jahrhunderts“ bezeichnen, wurde als solcher 2010 zusammen mit seiner Frau und zwei weiteren Personen verhaftet. Ein Jahr später erhielt das Ehepaar nach einem umfassenden Geständnis Haftstrafen von sechs und vier Jahren. Wolfgang Beltracchi verbüßte sie im offenen Vollzug, seine Frau Helene wurde vorzeitig aus der Haft entlassen.
Das Besondere an dem Fälscher Beltracchi ist, daß er die Originale anderer Maler nicht kopierte, also keine Replik eines bereits existenten Kunstwerks anfertigte. Hätte er diese nicht unter dem Namen der berühmten Kollegen sondern unter seinem eigenen verkauft, wäre es nie zur Causa Beltracchi gekommen und vielleicht auch nie, was äußerst schade gewesen wäre, zum vorliegenden „Selbstporträt “.
Diese von dem Paar gemeinsam verfasste Doppelbiographie zeigt wie Beltracchi sich Künstlern näherte und ihren Stil, Motive, Intentionen und Ausdruckswillen nachzuempfinden suchte. Unter ihrer Signatur kreierte er vermeintlich neue, unbekannte Gemälde, die von den Experten geprüft und in die Werkverzeichnisse aufgenommen wurden.
Sehr neugierig erwartete ich in „Selbstporträt“ einen Bericht Beltracchis zu lesen, nicht über seine Tricks, das wäre zu simpel, nicht über seine Genialität, was zu überzogen wäre, sondern über seine Kunst.
Als dann das rund 600 Seiten starke Œuvre vor mir lag, staunte und stöhnte ich zugleich. Doch alles, was bei derartigen Wälzern sonst zuweilen stört, findet sich hier nicht. Informativ enthüllen die Beltracchis ihr Vorgehen als Fälscher. Man folgt einer Kunst– und Künstlergeschichte, die sich unterhaltsam wie ein Abenteuerroman liest und gleichzeitig sehr persönliche Einblicke gewährt.
In sieben Kapiteln begleiten wir Beltracchi, der auf seinem Weg zum Maler allmählich zum Fälscher wird. Kunst spielt schon in seiner Kindheit eine bedeutende Rolle. Vom Vater, einem Kirchenmaler und Restaurator, lernt er das Zeichnen. Natürlich fehlt unter den Kindheitserinnerungen nicht die der Entdeckung des jungen Genies durch den Vater, der wie einst Picassos Vater im Talent seines Sohnes beschämt sein Mittelmaß erkennt.
Beltracchi studiert an der Düsseldorfer Akademie, unter anderem bei Beuys, und hat mit eigenen Werken eine erste Ausstellung. Schließlich steigt er bei seinem belgischen Schwager ein, der mit antiken Bildern handelt. Er restauriert die Flohmarktfunde, macht sie mit Figuren attraktiver und malt sie schließlich selbst, auf antiken Leinwänden mit alten Rahmen und viel besser als die ursprünglichen.
Dies sind Anfänge der Fälschergeschäfte, die im Laufe der Zeit immer größere Ausmaße annehmen sollten und die er immer wieder unterbricht, um auf Reisen zu gehen.
Nicht nur diese Erlebnisse inspirieren ihn. Oft sind es bestimmte Situationen, die er im Stil eines bestimmten Künstlers ausdrücken will. Die Möglichkeit aus der Vielfalt der Stile frei zu wählen entspricht Beltracchis Selbstverständnis als Künstler.
Viele Bilder entstehen allerdings in minutiöser Vorbereitung. Beltracchi recherchiert in Fachliteratur und Katalogen, besichtigt die Bilder in Museen, liest Briefe und reist an die Orte der Maler. Erst dann beginnt er in einer Art kreativer Eruption mit dem Malen. Im Buch schildert er dies mit vielen Details und lässt seinen Leser teilhaben an der Erschaffung eines Campendonks oder Max Ernsts.
Unter derartige Offenbarungen, wozu auch die Legende des Sammlers Werner Jägers und deren fotografische Ausschmückung zählt, mischt Beltracchi kunsttheoretische Betrachtungen und Kritik am Kunstbetrieb.
Er stellt den Begriff des Originals in Frage, da kein Kunstwerk unbeeinflusst von seinen Vorgängern entstehen könne.
Daneben kritisiert Beltracchi die Auktionshäuser und Galerien, die sich nur zu gerne von großen Namen blenden ließen. Diese Gier nach Geld stand natürlich auch hinter seiner Arbeit, die ihm Häuser und ein schönes Leben bescherte. Aber er verdiente nicht als Einziger, die Händler erzielten weitaus größere Summen für seine Bilder und mancher Kunsthistoriker ließ sich seine Gutachten fürstlich entlohnen.
Was die Kunstwelt angeht, so liest man amüsiert von ihren Fehlurteilen, die der aufgeflogene Fälscher ins rechte Licht rückt, von verschleiernden Restaurierungsmaßnamen und Provenienzen aufgescheuchter Händler.
Vieles steckt in diesem „Selbstporträt“, in dem sich das Künstlerpaar auf seine Weise darstellt. Unterhaltsam und informativ erzählt es auch manche Anekdote, für die gelten mag, was für Beltracchis Bilder gilt, „Se non è vero, è molto bene trovato“.

Der Band ist mit Tafelteilen, Zeichnungen, Inhalts– und Abbildungsverzeichnis sowie einem Lesebändchen ausgestattet .

Eine ausführliche Rezension mit weiteren Informationen finden Sie auf dem Literaturblog „Atalantes Historien“.
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Ein Kunstfälscher erzählt aus seinem Leben und berichtet von seiner Arbeit. Das hat mich sofort fasziniert, der Schnittpunkt von Kunst und Kriminalität verspricht spannende Unterhaltung und tiefere Einblicke in die Welt von Malern und Sammlern. Das Buch hat sich dann auch wirklich gut runtergelesen. Über weite Strecken spannend geschrieben, vor allem die Hippiezeiten sind interessant. Später wird das Buch aber doch teilweise ein bisschen langatmig. Selbstbeweihräucherung und eine insgesamt doch etwas kitschige Darstellung der Liebesbeziehung der beiden Protagonisten haben den Spaß am Buch doch etwas geschmälert. Das Buch hätte man mit der Hälfte der Seiten sicher genau so gut schreiben können. Trotzdem bleibt man dran und lernt nebenbei auch ein bisschen was über den Kunstmarkt und das Handwerk des Bilderfälschens. Ich musste ja schon ein bisschen grinsen, als ich die Stories gelesen habe, wie es losging und Beltracchi (damals noch Fischer) einfach originale niederländische Landschaftsbilder mit ein paar Personen ein bisschen aufgewertet hat und dafür dann natürlich beachtliche Preise erzielen konnte.
Insgesamt ein spannendes Buch mit ein paar Längen, die man vielleicht überblättern kann und außerdem kann man hier ein paar (könnten noch mehr sein) Hintergründe über den Markt für Gemälde erfahren.
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TOP 500 REZENSENTam 22. Januar 2014
Eine Zeitlang hat man nichts mehr von dem Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi gehört. Mit seiner Autobiographie bringt er sich jetzt wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Das voluminöse Buch, das auch einige kurze Beiträge von Beltracchis Ehefrau (und Komplizin) Helene enthält, schlägt einen Bogen von Beltracchis Kindheit bis zur Aufdeckung seiner Fälschertätigkeit im Jahre 2010. Um eines vorwegzunehmen: Das Buch ist unnötig lang und umfangreich. Beltracchi hätte seine Geschichte auch auf 300 statt auf 600 Seiten erzählen können. In vielen Kapiteln geht es ausschließlich um das Privat- und Familienleben des Fälschers, einen Aspekt, der für viele Leser von zweitrangigem Interesse sein dürfte, wenn nicht gar irrelevant. Ein langatmiges Kapitel über Erlebnisse in Marokko (S. 145-199) kann man getrost komplett überspringen. Andere Kapitel, in denen die Beltracchis abwechselnd ihr Liebes- und Eheglück beschreiben, schrammen hart an der Grenze zum Kitsch entlang.

Viele Leser werden sicherlich deshalb zu dem Buch greifen, weil sie Genaueres über Beltracchis Arbeit als Fälscher erfahren wollen. Für die Öffentlichkeit ist nur der Fälscher interessant, nicht der Privatmann. Rasch zeigt sich, dass Beltracchi schon als junger Mann ins Fälschergewerbe einstieg, nachdem er von seinem Vater, einem Kirchenmaler, in Mal- und Restaurationstechniken eingeführt worden war. Glaubt man seiner Darstellung, so verspürte er nie den Ehrgeiz, ein eigenes Werk zu schaffen und unter seinem eigenen Namen als Künstler bekannt zu werden und zu reüssieren. Öffentlicher Erfolg und der reguläre Kunstbetrieb hätten ihn nie interessiert (S. 143).

Beltracchi stilisiert sich zum Anarchisten, zum unangepassten Aussteiger und Verweigerer, und (allzu) ausführlich schildert er das "Lotterleben", das er bis Mitte der 1980er Jahre führte, vom Vagabundentum über den Drogenkonsum bis hin zum Frauenverbrauch. Nach bescheidenen Anfängen in den 1970er Jahren nahm Beltracchis Fälschertätigkeit in den 1980er immer professionellere und ambitioniertere Formen an. Die Namen der Künstler, deren Werke er fälschte, wurden zusehends prominenter, und damit stiegen auch die "Erlöse" aus den Verkäufen, bis Beltracchi schließlich siebenstellige Beträge für ein einzelnes Gemälde einstreichen konnte. Der Fälscher flog nicht zuletzt deshalb erst nach so langer Zeit auf, weil er nur wenige Komplizen hatte und stets sehr diskret und vorsichtig agierte.

Was Beltracchi über seine Arbeit als Fälscher schreibt, ist aufschlussreich, aber keineswegs spektakulär. Man muss anerkennen, dass er sehr professionell zu Werke ging und einen enormen Aufwand betrieb, um Bilder zu schaffen, die so gut waren, dass sie jahrelang nicht als Fälschungen erkannt wurden. Wer es als Kunstfälscher zu etwas bringen will, darf kein Dilettant sein. Das ist die Quintessenz aus Beltracchis Buch. Die Arbeit des Kunstfälschers ist ein Fulltime-Job. Detailliert beschreibt Beltracchi, wie intensiv er sich mit Leben und Werk derjenigen Künstler beschäftigte, die es ihm angetan hatten. Im Laufe seiner Arbeit legte er sich eine umfangreiche Fachbibliothek zu, die er später vernichtete, als ihm die Behörden auf die Schliche kamen.

Seine Fälschungen lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: Bilder, die ein Künstler "gemalt haben könnte", und Nachschöpfungen von Gemälden, die verlorengegangen sind und von denen keine Abbildungen existieren. In die zweite Kategorie fällt beispielsweise Beltracchis wohl bekannteste Fälschung, "Rotes Bild mit Pferden", die Nachschöpfung eines verschollenen Gemäldes gleichen Namens von Heinrich Campendonk. Beltracchi machte sich den Umstand zunutze, dass zahlreiche Werke der deutschen Expressionisten im Dritten Reich verloren gegangen sind. Seine Fälschungen wurden von der Kunstwelt als Wiederauffindung verloren geglaubter Meisterwerke gefeiert.

Beltracchi hätte nicht so lange Erfolg haben können, wenn seine "Abnehmer" nicht so blind und gutgläubig gewesen wären. Die Aussicht auf einen lukrativen Weiterverkauf der von Beltracchi erworbenen Werke trübte mehr als nur einem Händler den Blick. Sachlich und nüchtern, ohne sich in Spott und Häme zu ergehen, schildern Beltracchi und seine Frau, wie leicht ihnen Kunsthändler und Kunstsachverständige auf den Leim gingen. Selbst Angehörige verstorbener Künstler bescheinigten die Echtheit der ihnen vorgelegten Fälschungen, darunter die Witwe Francis Picabias (S. 303f.) und der Sohn Heinrich Campendonks (S. 400). Nach der Herkunft der bislang unbekannten oder verloren geglaubten Bilder wurde nur selten gefragt, eine Nachlässigkeit, die aus Laiensicht schwer nachzuvollziehen ist. Die lapidare Angabe "aus Familienbesitz" wurde erst viel zu spät hinterfragt.

Misstrauen kam erst auf, als die Beltracchis den Bogen überspannten. Sie erfanden eine fiktive "Sammlung Werner Jägers" und gaben sie als Quelle derjenigen Gemälde an, die sie auf dem Kunstmarkt unterbringen wollten. Nachdem nun die Beltracchis ihre Version des Kunstschwindels dargelegt haben, wäre es interessant, die gleiche Geschichte aus der Sicht der anderen beteiligten Akteure erzählt zu bekommen. Es ist aber unwahrscheinlich, dass sich die blamierten und betrogenen Händler, Gutachter und Auktionshäuser zu Wort melden werden. Ihr Versagen wirft ein ungünstiges Licht auf den Kunsthandel, wo eine hohe Nachfrage und ein begrenztes Angebot dazu führen, dass die Aussicht auf ein gutes Geschäft die Akteure leichtsinnig werden lässt.

Wie jeder autobiographische Text ist auch Beltracchis Buch eine Kombination von Dichtung und Wahrheit. Streckenweise liest es sich wie ein Roman. Erlebnisse und Gespräche, die Jahrzehnte zurückliegen, werden geschildert, als hätten sie sich erst gestern zugetragen. Beltracchi schreibt gegen das Image eines gewieften Kriminellen an. Er möchte als liebenswerter Tunichtgut und kreativer Pfiffikus wahrgenommen werden, als geborener Künstler, dem es doch stets "nur" ums Malen gegangen sei. Bekundungen von Reue, Zerknirschtheit und Unrechtsbewusstsein sind sehr sparsam über das Buch verteilt. Das Leid, das der Skandal seinen Kindern zugefügt hat, beschäftigt den Fälscher mehr als der Schaden, den seine Opfer davongetragen haben. Beltracchi bereut den Verkauf seiner Fälschungen, nicht aber, die Fälschungen gemalt zu haben (S. 575).

Die Lektüre ändert nichts daran, dass man Beltracchi eine beachtliche kriminelle Energie unterstellen muss. Was hätte Beltracchi mit all den Bildern getan, wenn er sie nicht verkauft hätte? Seine Bewunderung für die Meister der Klassischen Moderne in allen Ehren - Beltracchi schuf seine Fälschungen nicht, um sie sich ins eigene Wohnzimmer zu hängen. Wann immer er ein neues Bild in Angriff nahm, war der betrügerische Verkauf schon geplant. Wer Kunst fälscht, der hat immer unlautere Motive. Beltracchi war als Fälscher tätig, weil er zeitlebens nicht willens war, auf legale Weise seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Es fällt schwer, einen Kunstfälscher auf eine Stufe mit anderen, "gewöhnlichen" Berufsverbrechern zu stellen. Das darf aber nicht dazu verleiten, Beltracchis Betrug zu verharmlosen und als Bagatelldelikt abzutun.
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am 9. Oktober 2015
Spannende Geschichte über Kunstfälschung. Beltracchi hat nicht Bilder kopiert, er hat gleich ganz neue erschaffen, als wären sie erst Jahre nach dem Tod des angeblichen Urhebers ans Licht gekommen. Vermutlich bewundern wir noch heute Beltracchi-Bilder in Museen, ohne zu ahnen, dass sie nicht vom Künstler stammen, dem sie zugeordnet sind. Wer soll denn daran interessiert sein, dass dies aufgedeckt wird? Das Museum, das Millionen für das Bild bezahlt hat nicht, der Gutachter, der sich hat täuschen lassen und die Echtheit des Bildes bestätigt hat nicht, der Fälscher, der kein neues Strafverfahren durchlaufen will, nicht... Interessant ist auch die Schilderung seines Lebenswegs. Beltracchi hat an vielen Orten in Europa und Marokko gelebt und viele Projekte in Angriff genommen.
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am 1. Februar 2014
vorausgesetzt man ist kein schon in jungen Jahren vergreister, ewig angepasster Piefke. Denn dann kann das von Beltracchi beschriebene "Lotterleben" mitsamt seinem "Frauenverbrauch", wie das hier an anderer Stelle genannt wurde, schon zu erheblichem Erlebnisneid führen. Für andere, die in dieser Zeit groß geworden sind, oder für Menschen mit Einfühlungsvermögen, gibt es ganz viel Zeitgeist (mit-) zu erleben. Gerade auch die Schilderung seiner Marokko-Reise trifft das damalige Gefühl auf den Punkt, (fast) alle wollten nach Marokko. Und sicher ging es nicht selten so ab wie in Beltracchi's Schilderungen. Es waren, wie beschrieben, eben oft Träume, die mit der Realität des Landes kollidierten. Aber man hatte doch wenigstens mal welche. Seine Rückkehr zur "Bürgerlichkeit", mit Frau und Kindern, liest sich wie ein spannendes Märchen und man kann den beschriebenen Kick nachfühlen, wenn es geklappt hatte mit einem Bilder-Deal. Irgendwer nannte den Roman ein "großartiges Roadmovie", ich schließe mich dem an. Langweilig ist das Buch nie, und so nebenbei entsteht womöglich bei dem einen oder anderen ein Interesse an Malern und ihren Werken, das vorher vielleicht noch nicht so da war. Tja, und zum Schluß habe ich mich gefragt, was mit den Bildern wohl geschieht, die dann mit Bekanntwerden der Fälschung angeblich so plötzlich ihre Aura verloren. Was wird zum Beispiel mit ihr, der wunderschönen "Katze vor Berglandschaft" á la Campendonk .......?
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am 31. Januar 2014
Nachdem das kurz nach Prozessende erschienene Buch « falsche Bilder-echtes Geld »
> eigentlich nur eine Zusammenfassung der Informationen enthielt, die schon im Spiegel, Der Zeit und der Süddeutschen zu lesen waren, angereichert durch die vage Verdächtigung, dass ein gewisser « André C » Helfer des umfangreichen Fälscherwerks gewesen sei, hier ein tiefer Einblick in das bewegte Leben der Beltracchis mit vielen neuen Informationen.
> Das Buch ist fabelhaft geschrieben, von hoher literarischer Qualität, spannend und, unterhaltsam.
> Es gibt handfesten Einblick in die Welt des Kunstbusiness und seiner Spieler.
> Das geniale « business model » der Beltracchis wird transparent und man erfährt, dass die « Geschädigten » , die ihr Vermögen sicher nicht nur durch ehrliche Arbeit und braves Steuerzahlen erworben haben, dafür sorgen, dass der « Schaden » noch kräftig aufgeblasen wird.
> Interessant auch mit welchem Eifer die Staatsanwaltschaft hier tätig wurde, während sie im Fall der Verkäufer von CDBs und anderer Finanzprodukte , die den « kleinen Leuten » das Geld aus der Tasche gezogen haben, deutlich weniger Engagement zeigt.
> Auch das Geheimnis von « Andrè C » wird gelüftet: Seine Hilfe war bei der Schaffenskraft und dem Tempo von Wolfgang Beltracchi wahrlich nicht von Nöten.
> In Summe ein Buch, nicht nur für Leser, die den Fall Beltracchi weiterverfolgen wollen.
> Eine lohnende Lektüre allemal.
>
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am 24. Januar 2016
Dieses Buch hat mich fasziniert, gibt einen sehr guten Einblick über die Qualität des Fälschers und auch wenn er aus dem Gefängnis kommt, mache ich mir keine Sorgen um ihn. Anfang berichtet das Buch sehr lang über seine Hippie-Zeit, jedoch ist jeden Moment interessant und war mir eine große Bereicherung!
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