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am 19. April 2017
Ich gebe dieser Monografie fünf Sterne aus folgenden Gründen, die ich der Relevanz nach ordne:
(1) Herr Münkler hat als deutscher Politologe - neben bisher entworfenen Kriterienkatalogen zum Imperiumkonzept und zahlreichen wissenschaftlichen Diskursen - einen komplett anderen wissenschaftlichen Diskurs und damit verbunden einen neuen, aus zeitgeschichtlichen Gründen entworfenen Zugang entwickelt. Folglich stieß er im deutschsprachigen Raum eine neue Imperiunsdiskussion an, indem er diesen Begriff von bereits vorhanden Vorstellungen entkleidete und eine präzise, analytische Schärfe in die Beschäftigung mit Imperien trasportiert.
(2) Innerhalb seiner Arbeit geht er systematisch, analytisch und kritisch vor, um den Begriff des Imperiums näher zu beleuchten. Um ein Beispiel zu nennen: Er geht auf die begriffsgeschichtliche und ideologische Aufladung dieses Begriffes ein.
(3) Innerhalb seines neuen Zugangs nimmt er Bezug zu anderen Zugängen und untermauert seine Ergebnisse mit ausreichenden historischen Beispielen.
(4) Herr Münkler schafft es der Abstraktion dieser Thematik einen einfachen Wortlaut zu geben, sodass dieses Buch keine allzu schwierige Kost ist und sich zügig lesen lässt.
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am 14. Januar 2006
War nach der Selbstauflösung der Sowjetunion schon voreilig vom "Ende der Geschichte" und "vom Ende des imperialen Zeitalters" die Rede, so wirft dieses Buch die Frage auf, ob es auch heute Imperien geben darf, kann oder muss. Dieser Frage widmet sich Herfried Münkler in einem sehr lesenswerten und interessanten politischen Sachbuch.
Dabei wird der Begriff aus verschiedenen Richtungen beleuchtet, werden die bekannten Autoren zu diesem Thema vorgestellt und der Begriff Imperium definiert. Immer auch - und das macht dieses Buch sehr lesenswert - aus der heutigen Perspektive, die das Imperium schon tot glaubte.
Münkler stellt die verschiedenen Imperien der Weltgeschichte dar, so z.B. das Rom, China, sowie die "Steppenimperien" und klärt die Frage warum und unter welchen Bedingungen Imperien als stabile Gebilde anzusehen sind, und ob es Ihnen darüber hinaus gelingt Stabilität aus dem Zentrum des Imperiums in die Randgebiete (sog. Peripherie) zu tragen.
Überhaupt nimmt die Frage, wie diese Randgebiete Einfluss auf das Machtzentrum eines Imperiums nehmen und welche Auswirkungen die Vernachlässigung der Peripherie auf das Zentrum hat, einen großen Raum ein. Hierbei wird der sog. Barbarendiskurs vorgestellt und erläutert.
Nicht zuletzt widmet sich Münkler natürlich der Frage, welcher Einschätzung die USA heute unterliegen. Handelt es sich um ein Imperium? Eine Hegemonialmacht oder gar beides? Kenntnisreich schildert Münkler hier alle Aspekte und Möglichkeiten, die der "letzten Supermacht" zur Verfügung stehen und wie Europa in das durchaus komplexe Bild aus Wirtschafts- und Militärmacht hineinpasst.
Ein Buch, welches jedem Leser, der Interesse an dieser Thematik hat, empfohlen werden kann. Nach Lektüre dieses Buches kann sich jeder ein Bild über den wieder zu "Ehren" gekommenen Begriff "Imperium" machen. Uneingeschränkt auch deshalb empfehlenswert ist, weil Herfried Münkler ein Meister des Erzählens ist.
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am 14. September 2005
Immer häufiger werden die Vereinigten Staaten neuerdings als Imperium bezeichnet. Nur unter dieser Voraussetzung, so heißt es, seien ihr Verhalten und die gegenwärtige Konstellation der internationalen Politik angemessen zu begreifen. Aber was sind Imperien eigentlich? Worin unterscheiden sie sich von anderen politischen Einheiten, wie Nationalstaaten oder Stammesverbänden, und gehören sie im 21. Jh. nicht längst der Vergangenheit an?

In seinem neuen Buch versucht Herfried Münkler diese Fragen zu beantworten. Dabei geht er von der Feststellung aus, daß die Erklärungskraft der traditionellen Imperialismustheorien (Hobson, Lenin, Schumpeter usw.) enttäuschend sei. Sie konzentrierten sich nämlich auf die europäischen Kolonialreiche des 19. Jh., vernachlässigten die Peripherie zugunsten des Zentrums, berücksichtigten fast nur die Entstehungsphase von Imperien und seien weitgehend normativ statt deskriptiv-erklärend ausgerichtet.

Ihnen möchte Münkler eine theoretische Alternative gegenüberstellen, die all diese Schwächen überwindet. Sie soll universalhistorisch fundiert sein, eine umfassende Typologie von Imperien entwickeln, deren Konsolidierung und Untergang gebührend berücksichtigen, und vor allem ihre inneren Zwänge, die „Logik der Weltherrschaft“ (S. 9) herausarbeiten. Was Münkler also anstrebt, ist nichts geringeres als eine historische Soziologie der Imperien, vergleichbar etwa mit Max Webers Soziologie der Herrschaft. Auf dieser Grundlage möchte er auch die weltpolitische Situation der Gegenwart verorten und Prognosen über Dauer und Stabilität des amerikanischen Imperiums wagen.

Anders als Weber bezieht Münkler sein theoretisches Instrumetarium ganz offen von fremden Autoren. Seine Soziologie der Imperien beruht auf einer Kombination von Machiavellis Zyklentheorie, Michael Manns Typologie der Machtformen (militärisch, politisch, ökonomisch, ideologisch) und Michael Doyles Idee der „augusteischen Schwelle“.

Zusammengehalten wird diese Mischung durch einen simplen Gedanken: Imperien, so Münkler, werden mit militärischer oder wirtschaftlicher Macht gegründet, können aber nur unter Zuhilfenahme anderer Machtformen stabilisiert werden. Gelinge dieser Übergang (z. B. Rom, China), könne von einem Überschreiten der „augusteischen Schwelle“ gesprochen werden, was die Grundvoraussetzung für den längeren Bestand eines Reiches darstelle. Scheitere er hingegen (z. B. Spanien, Rußland, osmanisches Reich), müsse die Reichsbildung prekär bleiben.

Je mehr Machtsorten einem Imperium zur Verfügung stünden, desto größer sei der Handlungsspielraum seiner Führer und Eliten, und desto günstiger seine Aussichten auf Stabilität. Auch die beste politische Führung könne jedoch nur den Aufenthalt ihres Reiches im oberen Zyklussegment verlängern, nicht aber die zyklische Abfolge von Aufstieg, Blüte und Niedergang als solche beseitigen.

Dieses einfache theoretische Modell ergänzt Münkler durch eine Reihe locker angefügter, eher impressionistischer Überlegungen zur Legitimation von Großreichen (Hauptthemen: Frieden und Wohlstand), zu den Gefahren imperialer Überdehnung sowie über die Aussicht beherrschter Völker, der Imperialmacht durch asymmetrischen Widerstand (Guerillakrieg, Terrorismus) Niederlagen zuzufügen.

Sehr aufschlußreich ist Münklers Einschätzung, daß die Entstehung von Weltreichen nur wenig mit der Eroberungslust einzelner Führer zu tun habe und mehr auf objektive Strukuren der Staatenwelt zurückgehe, die eine solche Entwicklung begünstigten oder sogar herausforderten.

Hält Münkler sich in seinen historischen Ausführungen weitgehend an die Beispiele des römischen, des chinesischen, des spanischen, des osmanischen und des russischen Reiches, so gelten seine aktuellen Schlußfolgerungen überwiegend den Vereinigten Staaten. Aus seiner Unterscheidung zwischen Imperium (großer, institutionalisierter Machtunterschied zwischen Herrschern und Beherrschten) und Hegemonie (relativ geringer Machtunterschied; Führungsmacht kann nicht ohne Zustimmung der Verbündeten dominieren) folgt, daß Amerika gegenwärtig beides ist: Imperial- UND Hegemonialmacht. In der Tat scheint es plausibel, die Position der USA in der Karibik und im Nahen Osten als imperial, in Europa dagegen als hegemonial und in Ostasien nur als die einer Großmacht unter anderen zu bestimmen.

Zu den interessantesten Passagen des Buches gehören Münklers Ausführungen über die imperiale „Dynamik“ der Gegenwart. Die Vereinigten Staaten seien - ebenso wie die europäischen Mächte des 19. Jh. - durch Konflikte und Krisen der Peripherie in eine von ihnen ursprünglich nicht erstrebte imperiale Rolle hineingezogen worden. Da die Globalisierung auf vormoderne gesellschaftliche Strukturen zersetzend wirke, schaffe sie Zustände (Anarchie, Völkermord, ethnische Säuberungen, Fundamentalismus), die den Industrieländern inakzeptabel erscheinen. Nachdem die UNO an diesen Herausforderungen völlig gescheitert sei, habe Amerika der imperialen Versuchung nicht mehr widerstehen können. Die Europäische Union, so schließt Münkler an, werde auf entsprechende Vorgänge in ihrer Umgebung mittelfristig ähnlich reagieren müssen.

Nicht minder bedenkenswert sind Münklers Überlegungen zum Verhältnis von Demokratie und imperialer Herrschaft. Unter dem Zwang, ihrer Bevölkerung kurzfristige Erfolge zu präsentieren, neigten demokratische Imperien stark zu militärischen Lösungen und wirtschaftlicher Ausnutzung ihrer Macht. Demokratische Großreiche seien also nicht friedlicher als autoritäre, sondern im Gegenteil aggressiver und ausbeuterischer.

Trotz der Vielzahl wertvoller Informationen und Anregungen, die Münkler zusammenträgt, gelingt es ihm jedoch nur begrenzt, eine historische Soziologie der Imperien zu entwerfen. Schon seine theoretischen Grundannahmen bleiben unklar. Was bedeutet etwa die Rede von verschiedenen Machtformen? Michael Mann mag sie im Einzelnen erläutert haben, Münkler tut es nicht. Auch für Machiavellis Zyklenlehre fehlt bei ihm jede Begründung. Entsprechend dünn ist die historische Auswertung der Theorie. Keines der von Münkler behandelten Welteiche wird dem Leser in seiner Geschichte und Struktur wirklich verständlich. Wer nach den Gründen für den Untergang des Römischen Reiches fragt oder wissen möchte, warum sich die Staatsgründung der Osmanen als die langlebigste aller Turkvölker erwies, wird die Antwort bei Münkler nicht finden.

Münklers Gegenwartsanalyse bleibt ebenfalls fragmentarisch, was nicht erstaunlich ist. Um die Zukunftsaussichten des amerikanischen Imperiums beurteilen zu können, reicht es eben nicht aus, seine Probleme mit der „Macht der Schwachen“, im wesentlichen also der islamischen Welt, zu analysieren. Viel wichtiger dürfte in dieser Hinsicht das Verhältnis Amerikas zu den „Starken“ von morgen sein (China, Indien, Europa, Rußland).

Andererseits ist zu bedenken, daß die Theorie der Imperien, wie Münkler zu recht bemerkt, noch in ihren Anfängen steckt. Nimmt man sein Buch als einen ersten Ansatz, so hat es trotz mancher Schwächen allen Respekt verdient.
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TOP 100 REZENSENTam 12. Mai 2016
Das Thema "Imperien" finde ich toll und es ist auch toll, dass da einer sich mit Imperien auseinandersetzt. Dabei muss denken und querdenken erlaubt sein, ja, höchste Zeit, dass das einer tut.
Weniger toll finde ich, wenn einer mühsam Begriffe neu erfinden muss, weil er offensichtlich die Primärliteratur nicht gelesen hat. Imperium und Hegemon, ja glaubt Münkler ernsthaft, er ist der erste, der darüber nachdenkt? Das glaubt er wohl selber nicht, gibt aber seine Quellen nicht richtig an bzw. übersieht, dass es längst Universalhistoriker gibt, die lesenswerte Antworten gefunden haben.
Aufstieg, Dauer und Fall von Imperien, Mittel des Machterhalts, militärische, wirtschaftliche, kulturelle und ideologische Macht, Imperien versus Imperialismus, Rom, Osmanen, Russland, Spanier, Briten, zukünftige Imperien - all das hat Arnold ToynbeeDer Gang der Weltgeschichte: Aufstieg und Verfall der Kulturen ausführlichst in seiner Universalgeschichte beschrieben. Ich bin fassungslos, wie diese so genaue und historische belegte Theorie geflissentlich übergangen wird.
Einige Beispiele:
Laut Toynbee erreichte jede bisher existierende Kultur den Zustand des Imperiums (Toynbee nennt dies Universalreich, aus dem Anspruch heraus, alle Länder eines Kulturkreises zu beherrschen). Bei 21 Kulturen macht das 21 Imperien, die bekannt sind.
Imperien dauern 200 - 400 Jahre und gehen dann an inneren Widersprüchen zugrunde.
Imperien sind langlebiger, wenn sie von inneren Eliten geführt werden (Rom, China)
Imperien sind unbeliebt, wenn sie von Fremdherrschern geführt werden (Osmanen, Briten)
Eine Auseinandersetzung Münklers mit den Theoretikern der Universalgeschichte könnte methodisch fruchtbar sein, steht meines Wissens aber noch aus.
Dr Rüdiger Opelt, Autor von "Tantalus Welt. Die Überwindung nationaler Traumata"
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am 11. Januar 2007
Alle Imperien der Geschichte erlebten drei Phasen: Aufstieg, Höhepunkt und Untergang. Was für das Osmanische Reich, das britische Empire und die Sowjetunion galt, trifft also auch auf die Hegemonialmacht USA zu. Das jedenfalls verspricht der Untertitel des Buches: "Die Logik der Weltherrschaft - vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten".

Es macht Spaß, Autor Münkler bei seinem Streifzug durch die Geschichte zu begleiten. Leider baut er vor dem Leser jedoch die ein oder andere Hürde in Form von Fremdwörtern auf: Hand aufs Herz, wissen Sie auf Anhieb, was "Hegemonialmacht" bedeutet? Der "Hegemon" ist laut FremdwörterDuden ein Wort aus dem Griechischen und bezeichnet einen "Fürst, der über andere Fürsten herrscht".

Lesen soll ja bilden, trotzdem wäre ein Glossar bei diesem Buch sinnvoll gewesen. Wenn der Leser allerdings bereit ist, solche Wissenslücken quasi nebenbei zu klären, die leider bei Autoren aus der Wissenschaft häufig vorkommen, dann öffnen sich Ein- und Seitenblicke in beziehungsweise auf bestehende und untergegangene Weltreiche.

Münkler ist Professor für Politikwissenschaft in Berlin. Sein Buch unterscheidet sich wohltuend von anderen Publikationen. Denn der modischen Versuchung zur US-Schelte entgeht er. Vielmehr beschreibt er den gegenwärtigen Zustand ' wertneutral, sachlich, präzise.

Das Buch beinhaltet zehn Karten, vom Athener Seeimperium bis zur Weltkarte mit US-Stützpunkten und den jeweiligen Truppenstärken. Selbstverständlich bietet es Quellenverweise und Erläuterungen.

Münkler zufolge prägt der große Machtunterschied zwischen dem Herrscher und den Beherrschten ein Im'perium, während eine Hegemonie nicht ohne Zustimmung der Verbündeten dominieren kann. Für ihn ist Amerika beides, Hegimonialmacht und Imperium in

einem. In seinem Buch geht Münkler auf die Suche nach Strukturen und Gesetzmäßigkeiten. Gibt es eine Linie, die allen imperialen Bestrebungen innewohnt?

Dem Leser erschließt sich so, aus seinem historischen Interesse heraus, eine Deutung für die weltpolitischen Probleme der Gegenwart. Ein Blick ins Verzeichnis der sechs Hauptkapitel zeigt, dass hier keine Langeweile aufkommt. Kapitel eins fragt: "Was ist ein Imperium?", das letzte Kapitel lautet: "Die überraschende Wiederkehr des Imperiums im postimperialen Zeitalter".

Was der Titel wirklich nicht vermuten lässt: Gerade dieser letzte Buchteil hat es in sich. Neben einer präzisen Diagnose der heutigen US-Politik leitet Münkler Erkenntnisse für die Europäische Union ab. Wie viel Imperium muss Europa sein, um im 21. Jahrhundert zu bestehen? Reichen unsere Fähigkeiten und Konzepte für die Herausforderungen der Zukunft?
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am 16. Januar 2016
Herfried Münkler versucht in diesem Buch herauszuarbeiten, welcher Dynamik Imperien gehorchen. Dabei unterscheidet er zwischen Imperien und Hegemonien sowie Steppenimperien und Seereichen (bzw. globaler Ökonomie). Treibend scheint die Fragestellung sein, ob man vorhersagen kann, wie sich welche Imperien entwickeln werden. Speziell angesichts der imperialen Entwicklung der heutigen USA ist das eine sehr aktuelle Fragestellung.

Warum man dieses Buch lesen sollte

* Herr Münkler greift auf ein sehr breites Repertoire aktueller Literatur zurück. Er ordnet dabei die verschiedenen geschichtlichen
Ansätze zur Imperiumstheorie in einen größeren Rahmen ein.
* Meistens vermeidet das Buch vereinfachende einseitige Sichtweisen. Die Wirklichkeit, in der wir leben, ist sehr komplex.
Die Reduktion dieser Komplexität durch übersimplifizierende Ansätze hilft nicht weiter. Auch die Suche nach "Schuldigen" nicht.
* Immer wieder lassen sich hier sehr interessante Ansätze finden, bestimmte Handlungstendenzen von Imperien logisch zu erklären -
zum Beispiel: Warum beginnt dort, wo das Imperium (räumlich) endet, aus Sicht des Imperiums immer die Barbarei? (Bei den Römern lebten
jenseits der Grenzen die kultur- und gesetzlosen, grausamen und gottlosen Barbaren, heute befindet sich dort, wo die Macht der USA endet,
das "Reich des Bösen"). Oder: Warum sind Imperien, die sich aus Randlagen entwickeln, in der Regel erfolgreicher als Imperien, die sich
aus geografischen Zentren entwickeln.

Warum man dieses Buch nicht lesen sollte

* Über lange Strecken fehlt es diesem Buch an Tiefe. Die Dinge werden beschrieben und kommentiert, aber es wird sehr wenig analysiert und
erklärt.
* Häufig kommt das Buch nicht über intellektuelles Stammtischniveau heraus. Speziell die Textstellen, die die Genese und die Dynamik des
internationalen Terrorismus behandeln, scheinen mir regelrecht hanebüchen.
* Um das Buch kritisch lesen zu können, sind intensive, gründliche Kenntnisse der abendländischen Geschichte zwingend erforderlich.
* Manchmal lässt sich Münkler zu Gelehrtensprache hinreißen. Ein Beispiel:
"Nun lässt sich freilich die Führung von Pazifizierungskriegen an der Peripherie auch als eine Folge der imperialen Übedehnung begreifen,
der umso weniger Bedeutung zukommt, je stärker sich die Vormacht auf die inneren Ringe und Ellipsen der Wohlstanbdszone konzentriert
und sich darauf beschränkt, diese gegen die von der Peripherie hereindrängenden Bedrohungen abzusichern." (S.232) Das lässt sich bestimmt
einfacher und treffender formulieren. Wozu gibt's eigentlich Lektoren?

Bewertung:
Ein interessantes Buch, um einen Überblick zu gewinnen.
Wer aber wirklich verstehen will, was die innere Dynamik von Imperien ausmacht, muss sich erheblich mehr Mühe bei der Detailanalyse und beim Herausarbeiten von Ursache-Wirkungs-Ketten geben.
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Dieses Buch ist nicht ganz das, was ich erwartet habe. Es geht um die "Logik der Weltherrschaft", also um eine politikwissenschaftliche Betrachtung, wie Imperien entstehen, wie sie spezifische Herausforderungen meistern und weshalb sie schließlich untergehen. Obwohl der Titel verspricht, dies "vom alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten" darzustellen, ist es *kein* historisches Werk, weil es nirgendwo eine chronologische Ordnung einhält, sondern sich an allgemeinen, nach Ansicht des Autors überzeitlichen Strukturen orientiert. So wird einmal auf das Beispiel des britischen Empire, ein anderes mal auf das des Osmanischen Reiches zurückgegriffen, um etwa zwischen Imperialität und Hegemonie oder zwischen den Faktoren imperialer Macht (militärisch, ökonomisch, ideologisch u.s.w) zu unterscheiden. Neben der allgemein wissenschaftlichen Ausbreitung der Theorie kommt als zweiter Gegenstand in Münklers Betrachtungen die zeitgeschichtliche Frage hinzu, ob die USA bereits ein Imperium sind (oder etwa nur ein Hegemon), inwieweit sie den Übergang zu einer Phase imperialer Stabilität (Stichwort: Augusteische Schwelle) schaffen könnte und was die zu erwartenden Hindernisse oder Hemmnisse sein könnten auf diesem Weg.
Obgleich die Datengrundlage sehr schmal ist, einfach weil es in den letzten 6000 Jahren eben nur eine begrenzte Anzahl auch langlebiger Weltreiche geben konnte, sind die Ausführungen Münklers durchaus einleuchtend. Andererseits stellt sich die Frage, ob die letzten zweihundert, dreihundert Jahre nicht einen so dermaßen großen Wandel in Technologie und Wissenschaft mit sich gebracht haben, der jeden Vergleich zu früheren Epochen unmöglich macht. Nur zwei große Wandlungen seien erwähnt: Zum einen leben wir zum ersten mal im Verlauf der letzten 6000 Jahre wieder in einer Zeit, in der die Mehrzahl der Menschen ihre Existenz nicht von der Bebauung eigenen Landes bestreitet. Eine solche Umwälzung vollzog sich zuletzt im Anschluss an die Jungsteinzeit, als der Mensch vom Jagen und Sammeln zur sesshaften Agrarkultur überging. Können wir feudal-agrarisch strukturierte Gesellschaften wirklich mit unseren Staatswesen sinnvoll vergleichen? Zum zweiten haben sich auch die Verhältnisse von Lebenszeit und technischem Fortschritt vollkommen verschoben. Im zweiten Jahrhundert nach Christus konnte ein Mensch in einem wohlorganisierten und weitgehend friedlichen Empire wie dem römischen leben und seinen Lebtag lang keinen nennenswerten Wandel der Technik, der Produktion, et cetera..., erfahren. Das war die meiste Zeit der Geschichte für fast alle Menschen wahr. Heute hat sich die Lebenszeit eines Menschen nur geringfügig geändert, vielleicht lebt der moderne Mensch doppelt so lang wie der alte Römer, aber der Zeittakt technischer und ökonomischer Veränderung hat sich verhundertfacht oder gar vertausendfacht (wie einige Optimisten behaupten). Da stellt sich die Frage, ob die USA wirklich etwas aus der Betrachtung der Geschichte des byzantinischen Reiches lernen können oder ob nicht ganz neue Spielregeln gelten und dazu noch die Veränderung (...der Veränderung...) der Spielregeln sich exponentiell beschleunigt.
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am 12. Juni 2015
In zugegeben langsam schon ungewohnter fachlicher Strenge werden Fragen über den aktuellen Zustand der Welt, speziell das Verhältnis Europas zu den USA behandelt.
Kernfragen sind dabei: Was sind Imperien, was macht sie aus, warum entstehen und vergehen sie und was hat das alles mit Heute zu tun ?
Die Analyse ist spannend, aber ernüchternd. Man sollte das Buch zur Pflichtlektüre für Poroschenke, Erdogan und andere machen. Man versteht sogar den Nohostkonflickt, wenn man sich die Argumentationsweise des Autors zu Eigen macht.
Und man versteht plötzlich: Die Konflikte, die uns tagtäglich (zum Glück nur) in den Medien heimsuchen, sind noch lange nicht vorbei.
Schade fand ich die Unterbelichtung des historischen Teils des Buches, etwas mehr Geschichte über vergangene Imperien hätte ich sehr gut gefunden.
Die Kindle-Umsetzung ist einwandfrei.
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am 31. Juli 2005
Herfried Münkler ist in seiner Aussage, dass sich in der deutschen Wissenschaft nur noch wenige mit Theorie und Geschichte von Imperien beschäftigen, nur zu unterstützen. Er legt nun eine Arbeit vor, die sich mit Imperien vom Römischen Reich bis zu den USA beschäftigt. Dabei nimmt Münkler die 4 Machtformen der politischen, ökonomischen, militärischen und ideologischen Macht nach Michael Mann als Grundlage. Auf dieser Grundlage erörtert er anhand des Römischen Reiches, China, des Osmanischen Reiches, Spanien und Portugal, des Britischen Empire und schließlich den USA die Entstehung, Erhalt und Niedergang von Imperien.
Dabei geht er nicht nur auf die Zentren der Imperien ein, sondern stellt stark auch die Peripherie von Imperien in den Vordergrund, beleuchtet nicht nur die Push- sondern auch die Pull-Faktoren.
Etwas ausführlicher hätte ich mir den Faktor Geographie für die Bildung und Erhaltung von Imperien gewünscht (deshalb auch nur 4 Sterne).
Das Buch hat schließlich als Zielpunkt die Frage, ob die derzeitigen USA ein Imperium sind oder nicht. Münkler läßt diese Frage eigentlich offen, da sie (noch) nicht zu entscheiden ist. Umso interessanter ist dafür die Aussage, dass sich die Europäische Union stärker am Modell des Imperiums orientieren muss, will sie ihre Peripherie und Umwelt im Griff behalten.
Ein rundum gelungenes Buch, das sich auch sehr gut liest.
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am 22. Dezember 2005
Münkler versucht in seinem Buch, die Herrschaftsstrukturen von Imperien im historischen Kontext zu erarbeiten. Der Ansatz, dies nicht nur staubtrocken und theoretisch zu tun, sondern seine Argumentation auch durch Beispiele zu belegen, machen das Buch interessant und auch für den interessierten Laien ohne Studium der Politikwissenschaften lesenswert.
Allerdings offenbart Münklers Werk einige fundamentale Schwächen, die es letztendlich zu einem enttäuschenden Buch machen:
1) Der Autor hat sich zu sehr auf die gegenwärtige (Außen-) Politik der Bush-Administration in den USA eingeschossen. Eine Betrachtung der Politik anderer Präsidenten findet oft nur in Nebensätzen und Randbemerkungen statt. Teilweise wird die Fixierung auf die Bush-Administration derart überspitzt, dass Münkler die Grenze zur Unsachlichkeit überschreitet. Der Untertitel "... vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten" ist ebenfalls irreführend. Es geht für den Autr ausschließlich um die USA, er nutzt die hsitorischen Beispiele nur als schmückendes Beiwerk.
2) Bei dem Versuch, seine Imperiums-Theorie anhand von Beispielen zu belegen, offenbart Münkler das Phänomen der selektiven Wahrnehmung. Anstatt existierende Imperien zu analysieren und dort Gesetzmäßigkeiten herauszuarbeiten um anschließend eine ganzheitliche Imperialismus-Theorie zu entwickeln, betreibt der Autor Rosinenpickerei in der Geschichte, um seine Hypothesen zu bestätigen. So werden selbst von Imperien, die Münkler eigentlich nicht als solche anerkennt, Beispiele angebracht, wenn dies zur Untermauerung seiner Thesen hilfreich erscheint. Objektivität, Koheränz und eine klare Argumentationslinie bleiben auf der Strecke.
3) Das ganze Buch, sofern es nicht von den USA handelt, ist sehr im westeuropäischem Gedankenraum verhaftet (zudem man die USA aufgrund Ihrer Geschichte ja auch zählen muss). Auch in anderen Gegenden der Welt stattgefundenen Entwicklungen zu berücksichtigen wäre wünschenswert gewesen. Dies geschieht leider nur unzureichend.
Fazit: Der für das Buch gut gewählte Ansatz wird von methodischen und fachlichen Unzulänglichkeiten leider zu nichte gemacht. Dies ist ärgerlich und bedauernwert, da der Autor durchaus ein richtiges Ziel verfolgt. Die Fixierung auf die USA und das gelegentliche, zur Zeit offensichtlich populäre, "USA-Bashing" sind ebenfalls sehr störend. Dass gegenwärtige Ereignisse naturgemäß intensiver betrachtet werden, als Jahrhunderte zurückliegende ist verständlich. Für ein Buch mit dem Anspruch, eine ganzheitliche Imperialismus-Theorie zu entwickeln, ist derartiges in dieser Weise aber nicht opportun.
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