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am 7. Juni 2010
Auf 690 prallgefüllten Seiten legt der Fischer Verlag das bekannte Werk Laurence Sterns in einer Neuauflage vor.
Werke, müsste man eigentlich sagen, denn Stern hat seine Hauptfigur innerhalb von 8 Jahren in 9 Einzelbänden in den 1760er Jahren in seinem alltäglichen Leben und seinen ausufernden Ansichten über dies und das und alles und jeden verewigt.
Auf der ersten Seite des ersten Bandes noch chronologisch korrekt mit der Zeugung Tristrams beginnend. Dort allerdings beginnt bereits der einzigartige, themenassoziierende Stil des Buches, denn auf seine tatsächliche Geburt muss man nun schon bis zum dritten Band der neun Romane warten.
In den ersten beiden Bänden wird zunächst der Vorlauf gestartet, um auch ja alle kausalen Zusammenhänge über das Lebensumfeld (mitsamt dem unglaublich erläuterten Ehevertrag der Eltern) ausführlich mit zuteilen. Und da dem Ich.Erzähler Tristram bei seinen Erläuterungen immer wieder eine andere, bestimmt auch noch wichtige Kausalität um seine Geburt und deren Vorlauf herum einfällt, dauert das eben, bis wirklich alles erschöpfend dargestellt ist.
Falls Tristram nicht etwas vergessen hat. Aber auch nach seiner Geburt ist ja noch genügend Zeit und Raum vorhanden, bei Gelegenheit zurückzugreifen und alte Stränge unter neuen Gesichtspunkten noch einmal aufzunehmen.

Von der ersten Seite an geht es, ohne durchzuatmen in einem stetigen assoziativen Redefluss, munter durch Erlebnisse, Geschichten, Ansichten in wenig chronologischer Reihenfolge und mit mancherlei plötzlichen Abbrüchen gerade Erzählten in assoziativen, ausufernden Sätzen "wie außer Rand und Band dahinpolternd" (lässt uns Tristram Shanty schon auf der ersten Seite wissen) durch eine unermessliche Vielfalt kreativer Einfälle und, zumindest für Tristram und seinen Autor, wichtiger Einsichten.

Gerade weil Tristram Shanty sein Leben ganz genau, absolut konkret und ohne auch nur die geringste Kleinigkeit zu vergessen erklären will, ufert jeder Gedanke, jedes Erlebnis, jede Geschichte in unglaubliche Nebenströme aus, die aber, alle für sich, wiederum ganz neue Horizonte einbringen, das Auge auf ganz andere, auch kleine, Dinge des Lebens lenken und diese drehen, wenden, plötzlich wieder fallen lassen, weiter gehen in der Ursprungsgeschichte und dann doch unverhofft wieder aufgenommen werden. Jedes Formmaß eines klassischen Romanes sprengend und eine hohe, inenre AKtivität des Lesers voraussetzend.

Immerhin, im Blick auf einige Familienmitglieder, vor allem auf seinen Vater, erhält der LEser doch ein breiteres Bild. Das aber natürlich nur, weil es einen wichtigen kausalen Zuasmmenhang zum Leben Tristram Shantys gibt.
"Ihr habt gewiss schon von den Lebensgeistern gehört, wie sie vom Vater auf den Sohn transportiert werden... nun, mein Wort darauf, neun Zehntel von eines Mannes Verstand oder Unverstand, seiner Erfolge oder Misserfolge in dieser Welt hängen ab von den Regungen und Aktivitäten ebenjener Lebensgeister".
So verstanden wird klar, warum gerade der schrullige Vater als Erzeuger von neun Zehnteln der Lebensgeister Tristrams eine herausragende Rolle im Buch erhält. Dann noch wissend, dass sich Tristrams Vater durch und durch für einen Philosophen von Gottes Gnaden hält, erklärt vieles an den Ansätzen der Lebesngeschichte, auch nur einen Teil der abstrusen Theorien des Vaters in Tritrams Leben wieder zu finden oder zumindest im Verlauf der Erzählung zu Verdeutlichen. Der Einfluss der Nasengröße auf das Leben eines Menschen wird in genial-humorvoller Weise fast schlüssig erläutert, wie auch der Ehevertrag der Eltern in einem einzigen, endlos scheinenden Satz zu guter Letzt Wort für Wort erhellend dargelegt wird.

Gegen den Glauben an eine strenge Ordnung, gegen "richtig" und "falsch", die Kategorien damals der Aufklärung und heute der bürgelrichen Existenz, schreibt Sterne in einer Art und Weise an, die nie verletzt, die seine oft schrulligen und mit Merkwürdigkeiten ausgestatteten Protagonisten immer im beschreibenden lässt ohne ins Wertende abzurutschen. Mit dieser Art der Darstellung und seinem mäandernden, assoziativen, ständig springenden Stil gelingt ihm eine seltene Kunst: Er tritt mit dem Leser in einen kontinuierlichen Dialog.

Einem Dialog voll der Freiheit, auch wenn das Chaos droht, ohne jeden erhobenen Zeigefinger und mit einer Ernsthaftigkeit bei der Betrachtung noch so surrealer Erlebnisse und Marotten, dass der Leser, wenn er sich auf diesen Stil einlässt, mehr und mehr das eigene, oft enge Korsett von Vorschriften, Regeln und Kategorien des Lebens aufschnürt und mit einem breiten Lächeln in den Mundwinkeln einen deutlichen Anhauch jener Freiheit erlebt, die Nietsche meinte, als er Sterne als den "freiesten aller Schriftsteller" bezeichnetet.

Ein wunderbares, mitnehmendes, erhellendes und aufatmendes Leseerlebnis allererster Güte in bester und den Duktus wirklich treffender Übersetzung durch Michael Walter
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am 30. Juli 2013
Noch nie hab ich beim Lesen Abschweifungen so sehr genossen! Anfangs noch ungewohnt, freut man sich dann schnell auf sämtliche Nebensächlichkeiten und skurrilen Personen, die der Autor vorführt. Von Onkel Tobys Schambein bis zum sonderlichen Ehevertrag der Eltern und herrlich humorvollen Wort-Neuschöpfungen: der Autor hat eine so ausufernde Phantasie, dass man nur noch schmunzeln und bewundern kann. Und natürlich schließt man den Ich-Erzähler mit all seinen Marotten schnell ins Herz.
Ich hatte jedenfalls viel Spaß beim Lesen!
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am 28. April 2007
... braucht man nichts mehr zu sagen - dieser Klassiker der Weltliteratur sollte längst zum Schulstoff gehören. Wohl aber lohnt es sich, etwas zur Übersetzung zu sagen. Wer den Tristram im englischen Original gelesen hat - was ich hiermit nachdrücklich empfehle - weiß, dass ein durchschnittlicher Übersetzer sicherlich überfordert wäre. Michael Walter scheint ein ganz außerordentlicher Übersetzer zu sein. Es ist ihm scheinbar mühelos gelungen, eine überaus beeindruckende deutsche Übersetzung zu schaffen, die die Atmosphäre des Originals in einzigartiger Weise einzufangen weiß. Ein großartiger ewiger Roman, der durch die gewohnt hervorragende Ausstattung des Eichborn Verlages einfach Spaß am Lesen vermittelt.
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am 5. Januar 2015
infos über autor und werk sind hinreichend im net verfügbar und durchweg voll des lobes für diese schrullige type, die leise plätschernd bis aufwallend rauschend über alles plaudert was der vorhumboldtsche bildungsbürger seinerzeit für wissenswert erachtete. ganz nebenbei schlägt hier die stern(e)stunde für die literarische moderne und hat seitdem wohl kaum einen schreiberling kalt gelassen. ein spaß für alle, die solche späße lieben.
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am 11. Juli 2016
Dieses Buch ist für alle diejenigen, denen es möglich ist, über den Tellerrand hinweg zu schauen. Irrsinnig komisch und mit einer Sprache, die das Herz wärmt. Traut Euch!
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am 28. Oktober 2015
Bis Seite 100 habe ich gehofft auf die verschwurbelte Sprache ansprechen zu können- es ist für mich eine Qual! Man sollte durchschnittliche Menschen warnen, vielleicht fehlt es mir an Geist (wäre neu) oder an Humor (wäre noch unwahrscheinlicher ). Offensichtlich muss es Menschen geben, die das toll finden. Bei mir läuft das unter unsinnige Ausgabe. Schade! Ich kenne Menschen, die nie zum Punkt kommen, das geht mir wahnsinnig auf die Nerven - und dann kauf ich mir dieses Buch.
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