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Bei David Bowie ist es "Toys" von 2001, bei Neil Young ist es schon viel länger her, 1977, und heißt "Chrome dreams", Rod Stewart fertigte 1992 ein Album, was als "Once in a blue moon" für Gerüchte sorgte und Bruce Springsteen lies bei der Entstehung von "Darkness on the edge of town" 1977/78 glatt ein ganzes Doppel-Album liegen u.s.w.
In vielen Musikerkarrieren gibt es den Fans bekannte Lücken; Alben, die komplett fertig gestellt wurden (oder zumindest nahezu), um dann letztlich doch nicht zu erscheinen. Die Gründe dafür waren unterschiedlich, doch meist spielte eine Blockadehaltung der jeweiligen Plattenfirma zumindest auch eine Rolle; selbst bei Weltstars, wie den oben genannten; und meist erzeugte dies Spannungen, die zur baldigen Trennung von Firma und Künstler führten, wenn sie nicht schon vorher bestanden. Bei Bowie war es so, bei Johnny Cash ebenfalls, und auch bei Kunze war die Situation Ende 2000 nicht anders.

Mit "Korrekt" war es im Vorjahr gelungen an die Erfolge bis Mitte der neunziger Jahre wieder anzuknüpfen (die beiden Alben "Richter Skala" (1996) und "Alter ego" (1997) liefen im Vergleich zu den Alben der zehn Jahre davor leider eher mau) und Kunze arbeitete mit seinem Produzenten, Co-Komponisten, Freund und musikalischen Mastermind Heiner Lürig nun am Nachfolge-Album. Wie stets, nach künstlerischen Vorsätzen, nicht mit Blick auf die Charts. Es gibt zwar den Pop-Heinz, aber nur nach des Künstlers eigenem Bedürfnis, nicht auf Bestellung.
Als Kunze und Lürig die fertige Vorproduktion (die man getrost als schon Veröffentlichungsreif bezeichnen kann) des 15 Songs umfassenden neuen Albums namens "Jesus Tomahawk" in der späten Mitte 2000 der Plattenfirma zur Abnahme vorlegten, begann das große Gefasel von Marketingstrategen, Kugelschreiberhaltern und Aktionärsbeglückern, die vieles menschliche nicht haben, am wenigsten: Ahnung von Musik.
Kurzum, sechs der 15 Songs wurden abgelehnt (man kann einem etablierten Künstler auch ebenso gut ins Gesicht spucken, um etwa das selbe zu sagen), auch die meisten der anderen neun sollten doch nochmal irgendwie zeitgemäßer überarbeitet werden und auch der Albumtitel "Jesus Tomahawk" nebst bereits ebenfalls entworfenem Cover geht gar nicht (das Titelstück selbst wurde immerhin als Albumtrack für in Ordnung befunden). Kunze und Lürig mögen doch noch ein paar neue Songs schreiben (es müssen ja letztlich nicht unbedingt 15 werden) und diese neuen werden bei den Aufnahmen dann auch gleich von einem aktuell angesagten Produzenten im Studio begleitet und nicht von dem zum damaligen Zeitpunkt bereits 15 Jahre überwiegend erfolgreichen Team Kunze/Lürig allein produziert (an der Stelle hätte man den Künstlern auch glatt ein zweites mal ins Gesicht... aber lassen wir das).

Kürzen wir hier ab; im Januar 2001 erschien dann das, was daraus wurde, das nur noch 13 Songs beinhaltende Album "Halt". Um dem Gebot der Fairness gerecht zu werden, muss man zugegeben, dass das letztendlich veröffentlichte Album zweifellos ein durchweg gutes wurde. Die Substanz der neun Stücke, die bereits für "Jesus Tomahawk" geschrieben waren, ist durchweg beste Kunze/Lürig Teamarbeit, die Modifikationen fielen zuallermeist vergleichsweise behutsam aus und verstiegen sich nicht zu irgendwelchen Zeitgeist-Mätzchen. Auch die vier nun noch neu entstandenen Stücke (neben dem neuen Titelsong "Halt", waren dies "Wo waren wir stehen geblieben", "Sie müssen mich nicht mögen" und "Bist du zufrieden jetzt?" - letzteres wäre doch in Richtung Plattenfirma ein gelungener Albumtitel gewesen), die auf Geheiß der Plattenfirma von Chris von Rautenkranz (arbeitete derzeit mit Acts wie Die Sterne und Blumfeld) produziert wurden, fallen nicht unangenehm auf. Von dem vermeintlichen frischen Wind, den die Plattenfirma durch diese Maßnahme dem Album einprügeln wollte, ist allerdings auch nichts zu spüren - ist wohl auch besser so! Rautenkranz konnte ja letztlich auch nichts dafür, dass er als Gastarbeiter abkommandiert wurde, und war offenbar so anständig, einfach nur die Produzenten-Gage zu kassieren und sich ansonsten fleißig zurück zu halten und den beiden Alt-Profis nicht zu erklären, wie man ein Album Charts-tauglich trimmt. Und für die hat es ebenfalls gereicht; mit Einstieg auf Platz 10 in die Albumcharts, übertraf "Halt" den erfolgreichen Vorgänger tatsächlich noch ein wenig. Die Erwartungen der Plattenfirma wurden offenbar dennoch nicht erfüllt; das Gemoser und Streichen von Titeln und Bestehen auf Wechsel im Produktionsteam wiederholte sich bereits 2003 bei der Entstehung des übernächsten Albums "Rückenwind"; danach war Kunze dann weg und wechselte nach 22 Jahren die Firma - besser is'!

Wie wäre "Jesus Tomahawk" denn nun gewesen, wenn es wie gedacht erschienen wär? Gut 13 Jahre konnte darüber nur spekuliert werden, nun ist der Vergleich möglich. Immerhin! Auf "Chrome dreams" warten wir seit 1977 vergebens und Bowies "Toys" ist einstweilen auch nicht in Sicht. Ja gut, Bruce Springsteen und Rod Stewart erbarmten sich beide im Jahr 2010, da waren es dann aber schon gut 33 und 17 Jahre, die seit Fertigstellung ihrer unveröffentlichten Alben vergangen waren.

"Jesus Tomahawk" ist ein durch und durch sehr gutes, im besten Wortsinn typisches Kunze-Album, was ohne Not hätte genauso stehen bleiben können.
Im Grundcharakter sehr viel erdiger als "Halt" und, insbesondere durch die sechs komplett gestrichenen Songs, verkopfter. Wie auch auf dem Vorgänger "Korrekt" mischen sich eingängige durchaus Mainstream taugliche Nummern mit eckigen Gesellen, die in Text und Ton soweit von Popmusik weg sind, wie Neil Young stimmlich von Placido Domingo. "Jesus Tomahawk" lohnt sich keineswegs nur der sechs gekippten Songs wegen, auch die neun, die sich auf "Halt" retten konnten, sind zum Teil doch sehr anders instrumentiert (allen voran "Gehen"), bei anderen fallen die Unterschiede nur minimal aus - hörbar sind sie aber immer.

Und die Weggesperrten? Es wäre schade gewesen, wären sie im Archiv verrottet! Das wunderbar monotone Text-Klang-Gebilde "Der Fahrradladen" und der recht klare Rocksong "Nach mir die Flut" wurden ja bereits als B-Seiten verbraten, allerdings in anderen, ebenfalls überarbeiteten Versionen (die hier auf "Halt" als Bonus angefügt wurden), auf "Jesus Tomahawk" finden sich hier nun ebenfalls die ursprünglichen Varianten. Gemeinsam mit den vier bisher völlig unbekannten Stücken, bilden die sechs verstoßenen ein ungewöhnlich großes Spektrum Kunzes musikalischer Vielfalt ab (was der Plattenfirma wohl zu viel des Guten war):
"So sehr" - ein psychotisches Liebeslied, getarnt in einem freundlich-harmlosen Pop-Gewand, aber mit Widerhaken.
"Killing no murder" - Ethno-Pop mit textlichen Anleihen zum Titelstück
"Weil sie nicht gestorben sind" - typischer Kunze-Vieltext-Rock, knackendes Arrangement, kryptischer Text, hypnotische Aura, ein ausgesprochen guter Song!
"Was ist eine Frau?" - lässiger, humorvoller Country-Rock, textlich für Leute, die über Mario Barth auch bei bestem Willen einfach nicht lachen können; das übliche Rätselraten von Männern über die Handlungsweisen von Frauen, aber eigentlich ein dickes Kompliment, ach was, ein ergebenes Niederknien vor ihnen.

Das bei der nun vorliegenden Deluxe-Edition das eigentlich offizielle Album auf CD2 nur als Appendix des bisher unveröffentlichten herhalten muß, und auch das Cover sich ganz auf das bisher vermisste konzentriert, rückt die Geschichte wieder gerade. Trotz starker Überschneidungen, möchte ich fortan keines der beiden Alben missen. Sie wirken wie sehr ungleiche Geschwister.

So, und nun freue ich mich erwartungsvoll auf "Out among the stars"; gewissermaßen das "Jesus Tomahawk" von Johnny Cash, was 1984 von Columbia abgelehnt und im Archiv verkramt wurde, und was nun endlich dreißig Jahre später im März doch noch erscheint; Heinz wird sich wohl auch darauf freuen.
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