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Kundenrezensionen

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am 20. Oktober 2005
Spenglers Werk ist zweifelsohne bedeutsam. Hier haben wir es mit einem - vielleich sogar DEM - Klassiker der Anti-Moderne zu tun. Man muss Spenglers anti-demokratische Gesinnung und teils recht bornierten Konservativismus nicht teilen, um nicht scharf- und tiefsinniges in seinem Werk zu finden. Manche seiner Beobachtungen, zum Beispiel über das Phänomen der Kinderlosigkeit in spät-zivilisierten Gesellschaften, lesen sich hoch aktuell und beeindrucken besonders in Anbetracht der fast huntert Jahre, die seit Erscheinen des Buches vergangen sind. Bei den gerade in Deutschland stark ausgeprägten Vorbehalten dem Werk gegenüber stellt sich die Frage: wer hat das Buch überhaupt ganz gelesen? Gewiss ist Spengler methodisch manchmal dunkel, aber nichts desto Trotz ist der Grundgedanke seiner Kritik der Moderne - denn darauf läuft es über weite Strecken hinaus - die Auseinandersetzung wert. In Zeiten, die sich ideologisch immer weniger selbst in Frage stellen, muss das Niveau eines Spenglers erst einmal wieder erreicht werden. An alle, die sich überlegen das Buch zu kaufen: Spengler setzt viel historisches Wissen voraus, manchmal mehr, als selbst sehr gebildete Laien mitbringen.
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Die Weltgeschichte als Geschichte des stetigen Fortschritts: Aus der finsteren Barbarei der Vorzeit, über schmerzliche Kriege und lange Lernprozesse hat sich die Menschheit eine sichere Zivilisation erarbeitet und geht weiterhin einer glänzenden Zukunft entgegen, so die weit verbreitete Ansicht. Gegen solchen Fortschrittsoptimismus erhob Oswald Spengler wortgewaltig Einspruch. In seiner über 1000-seitigen Geschichtsphilosophie "Der Untergang des Abendlandes" (1918) legte er eine Art Lebenszyklustheorie der Hochkulturen vor: Alle Kulturen der Welt ähneln sich demnach in bestimmten Phasen; das ist ihre Homologie - ein Begriff, den Spengler der Biologie entlehnte. Der Clou dieses Verfahrens, für das er von den Fachwissenschaftlern stark kritisiert wurde: Es ließen sich Aussagen darüber machen, wie sich die Kultur des Abendlandes weiter entwickeln würde. Spengler kam zu dem niederschmetternden Ergebnis, das dem Buch den Titel gegeben hat: Die Zeit des Abendlandes sei so gut wie abgelaufen, mit der modernen Zivilisation sei es in die letzte Phase des Verfalls eingetreten. Eine spannende These, die viel Staub aufwirbelte. Spenglers von Goethe und Nietzsche beeinflusstes Werk ist eines der wirkmächtigsten des 20. Jahrhunderts. Auch heute noch werden hin und wieder ähnliche Thesen geäußert, etwa von Samuel Huntington ("Kampf der Kulturen").
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am 17. Februar 2007
"Das ist der Untergang des Abendlandes" pflegte meine Oma zu sagen, wenn im Fernsehen Berichte über die "Achtundsechziger" - die heutige Politikergeneration - erschienen. Der Titel von Spenglers Buch ist zu einem geflügelten Wort geworden, das den Bekanntheitsgrad seines Werkes bei weitem übertrifft. Schade eigentlich, dass Spengler heute überwiegend negativ beurteilt wird. Er hat den Versuch einer umfassenden vergleichenden Geschichtsbetrachtung unternommen, allein dieser Selbstanspruch macht ihn schon lesenswert. So oder so, historische Analysen sind immer relativ und Ansichtssache. Woran jedoch der Wert eines Historikers gemessen werden kann, ist seine Fähigkeit, auf Grund seiner Betrachtungen der Vergangenheit eine zutreffende Analyse der Gegenwart und eine Prognose für die Zukunft erstellen zu können. Und dies kann Spengler brillant. Generationen von Kritikern und Abschriftstellern haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Schwächen seiner morphologischen Betrachtungsweise herauszustellen. Doch letzten Endes können sie nicht an der Tatsache vorbei, dass Spengler in seiner Vorhersage Recht behalten hat. Die von ihm so genannte "Fellachenkultur" als Zukunftsbild der aufgeklärten Gesellschaft ist tatsächlich eingetroffen - und wir sind Teil von ihr. Vielleicht ist dies der Grund, warum Spengler immer wieder angegriffen wird? Aus der Vielzahl historischer Werke ist "Der Untergang des Abendlandes" wie ein Fels, dem auch der schmutzige Wind politisch verzerrter Urteile nichts anhaben kann. Absolut lesenswert und eine gute Alternative zur Bundeszentrale für politische Bildung.
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am 5. Februar 2011
Der Autor war bereits nach dem Ersten Weltkrieg in aller Munde wegen diesem Buch. Das Werk soll, wie der Untertitel besagt, eine Morphologie der Weltgeschichte sein. Geschichte ist für Spengler eine Erscheinung des Lebens und habe wie alles Lebendige typische Formen, und die Formen könnten wieder untereinander verglichen werden, was dann zu Feststellungen gleichlaufender Gesetzlichkeiten führe, so dass man schließlich auf dieser Grundlage vom Vergangenen her Voraussagen machen könne über das Kommende. Spengler unterscheidet acht große Kulturgestalten, wovon besonders seine Darstellung der antiken Kultur als einer Erscheinungsform des appollinischen Seelentums, der abendländischen Kultur als einer Erscheinungsform des faustischen und der arabischen Kultur als einer Erscheinungsform des magischen Seelentums interessieren.
Immer sind ihm die Kulturen lebendige Organismen, die aufblühen, welken und sterben und auf die man sogar die Begriffe Frühling, Sommer, Herbst und Winter anwenden könne. Diese biologische Einstellung bringt es mit sich, dass Spengler das Christentum nicht als gewachsene Kultur betrachten kann. Es wird wie auch andere Ideologien aufgeteilt auf die lebendigen Träger, die es erst ermöglichen. So umfasst z. B, die arabische Kultur Judentum, Urchristentum, Kirchenväter, Neuplatonismus und Islam. Die Prophezeiung des Unterganges des Abendlandes stützt Spengler nun auf einen Vergleich unserer heutigen Kultur mit bereits untergegangenen Kulturen. Die dort zu beobachtenden Verfallserscheinungen seien auch in der abendländischen Kultur schon da: Überwiegen des Rationalismus und der Technik - bei allen Kulturen stehe die Technik am Ende- Entstehung der Großstädte, des Kosmopolitismus, der Demokratie, der Humanitätsidee, des Pazifismus, der Menschenrechte und der Bruderliebe.
Spenglers Werk gliedert sich ein in die große Reihe moderner Geschichtsphilosophien, die über Lessing, Herder, Hegel, Marx bis Toynbee und Jaspers reichen. Bei Spengler sind aber die einzelnen Kulturerscheinungen nicht mehr wie bei Hegel sinnvoll in einem Absoluten aufgehoben, er stellt auch nicht wie Marx alles gesellschaftlich-geschichtliche Leben unter ein einziges Gesetz, noch hegt er den allerdings auch schon sehr verdünnten »philosophischen Glauben« an den Menschen, der bei Jaspers immer noch ein Ganzes zusammenhält. Spengler, der Mathematiker, verfällt in das andere Extrem: er sieht nur noch das fließende Leben, entwirft mutige Analogien.
Ist schon der Analogieschluss überhaupt mit Vorsicht zu gebrauchen und ist es äußerst fraglich, ob die Betrachtung der Kulturen nach biologischen Gesichtspunkten nicht mit unzureichenden Kategorien arbeitet, so steigert sich bei Spengler die Unsicherheit seiner Thesen noch besonders durch die von ihm beliebte, höchst persönliche, ja willkürliche, mystisch-genialische Sicherheit, mit der er seine Schau hinstellt. Und doch nahm er für sein Werk wissenschaftliche Exaktheit in Anspruch.
Die Einzelforschung hat jedoch eine Menge seiner Sätze widerlegt, und heute steht ihm in Toynbees »Gang der Weltgeschichte« ein Werk gegenüber, das wirklich auf exakter Forschung beruht. Spengler hat trotzdem großen Eindruck gemacht; teils weil er manches sehr gut gesehen hat, teils weil sein Kulturpessimismus der allgemeinen Zeitstimmung begegnete, teils auch weil seine schriftstellerische Vitalität von großer Suggestivkraft war. Der allgemeine philosophische Untergrund der Spenglerschen Weltanschauung ist ein brutaler Biologismus. Das Leben, das die geschichtlichen Prozesse hervorbringt, ist nicht mehr wie bei Hegel die Idee oder bei Bergson ein élan vital, sondern eine Vitalität im Sinne von Brutalität. »Es handelt sich in der Geschichte um das Leben und immer nur um das Leben, die Rasse, den Triumph des Willens zur Macht, und nicht um den Sieg von Wahrheiten, Erfindungen oder Geld. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht: sie hat immer dem stärkeren, volleren, seiner selbst gewisseren Leben Recht gegeben, Recht auf das Dasein, gleichviel ob es vor dem Wachsein recht war, und sie hat immer die Wahrheit und die Gerechtigkeit der Macht, der Rasse geopfert und die Menschen und Völker zum Tode verurteilt, denen die Wahrheit wichtiger war als Taten und Gerechtigkeit wesentlicher als Macht«.
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am 7. Oktober 2010
Oswald Sprengler analysiert das Wesen einer Kultur oder auch einer Kulturepoche sehr eindrucksvoll. Das Ganze ist sehr philosophisch gehalten und erfordert eine Menge Aufmerksamkeit sowie Interesse an der Thematik. Leider ist dieses Werk in der heutigen historischen Betrachtungsweise kaum noch gefragt. Dazu muss einfach gesagt werden, dass sich Sprenglers Werk nicht einfach so lesen lässt, sondern man eher von einem Studium sprechen muss. Die wirkliche Auseiandersetzung mit dieser Materie erfordert viel Kraft und den Willen dazu außerdem eine Menge Zeit. Es ist keine Bettlektüre, da man bei eintretender Müdigkeit schnell den Faden verliert und den philosophischen Gedankengängen nicht folgen kann. Dennoch ist dieses Werk für den gewissenhaften Historiker eine Pflichtlektüre ebenso für Soziologen.
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am 1. Juli 2012
... er wird nur angestrengt totgeschwiegen. Wir haben allen Grund, ihn zu fürchten, weil er grimmige Einsichten wachruft, die wir lieber vergessen hätten. Mit blindem Eifer bauen wir an einer idealen Welt, die höchsten moralischen Standards genügen soll. Leider zählen aber nicht Wünsche und Vorstellungen, sondern ausschließlich Tatsachen, so Spengler. Während andere Kulturen den unerbittlichen Lauf der Welt als das Tatsächliche hinnehmen und seine Auftriebskräfte nutzen, gerät der Westen im Glauben, er sei am Ende der Geschichte, auf abschüssiges Gelände. In Spenglers leicht verständlichem Essay "Der Mensch und die Technik" heißt das so: "Statt das technische Wissen geheim zu halten, den größten Schatz, den die "weißen" Völker besaßen, wurde es auf allen Hochschulen, in Wort und Schrift prahlerisch aller Welt dargeboten, und man war stolz auf die Bewunderung von Indern und Japanern. ... Es beginnt statt des Exports ausschließlich von Produkten der Export von Geheimnissen, von Verfahren, Methoden, Ingenieuren und Organisatoren. Selbst Erfinder wandern aus. Der Sozialismus, der sie in sein Joch spannen möchte, vertreibt sie." Der "Untergang des Abendlandes" gehört zu den Schlüsselwerken des 20. Jahrhunderts. Wer es gelesen hat, wird es nie wieder vergessen.
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am 27. Juli 2006
Ein alter Schinken aus der Weltkriegszeit verkündet den Untergang seiner eigenen Kultur, wird anfangs bejubelt, später belächelt und bald darauf zum philosophischen Sondermüll erklärt. Schwarzmalerei. Analogie-Naivität. Herrisches Vokabular. Die Kunst des Totsagens kann so einfach sein.
Dennoch empfehle ich dieses Buch als Genußmittel.

Wer auf der Suche nach einer Geschichtsphilosophie ist und sich vor allem für die Wahrheit interessiert, tut gut daran, sich über die Unzulänglichkeiten Spenglers zu beklagen und es dabei zu belassen; wer jedoch eine weitere Quelle der Inspiration aufstöbern will, sollte seine Wünschelrute bei Seite legen und hier mit beiden Händen schöpfen.
Der vielbeschworene Kulturpessimismus kann dem Autor nur von Leuten vorgeworfen werden, die von seinem Werk lediglich den Titel kennen. Spenglers Empfinden für epochale Mentalitäten, Weltbilder und Zeitgeister zeugt von einem tiefen Verständnis des Fremden und gerät zeitweilig sogar zur Schwärmerei, auf jeden Fall aber sollte diese Arbeit als ungeheure Pionierleistung gewürdigt werden.

Spengler erzählt die "Geschichte der Wahrheit" und meint damit die gelebte Wahrheit innerhalb verschiedener Kulturen. Die ganze Erfahrung des In-der-Welt-Seins, die Innerlichkeit mit der man Religion und das Wissen um die Welt erlebt, die jeweilige Mentalität mit ihren emotionalen und kognitiven Fesseln, all das bezeichnet Spengler mit dem schönen Wort "Seele". Eine kulturgebundene Seele kann der Vergangenheit angehören und dennoch "wahr" sein, in dem Sinne wie auch die moderne Mathematik lehrt, daß durchaus mehrere in sich stimmige Axiom-Systeme unabhängig voneinander existieren können. Der ehemalige Mathematiklehrer Spengler betont dementsprechend die Bedeutung - nicht etwa der Mathematik - sondern des mathemathischen Denkens als ein Paradebeispiel für grundsätzliche kulturelle Unterschiede.

Spengler unterscheidet acht große Kulturkreise - etwa die apollinische, magische oder faustische Kultur - und findet deren authentischen Ausdruck unter anderem in Architektur & Kunst, Literatur & Sprache, Philosophie & Wissenschaft und interessanterweise auch im Geschichtsdenken. Als Kulturphilosoph entwirft der Autor erhellende, zum Teil strahlende Interpretationen menschlichen Wirkens. Selbstbewußt bewegt sich Spengler auch auf dünnem Eis, und mitunter möchte man meinen, er versuche übers Wasser zu laufen.
Die Kritiker haben es leicht.
Aber es handelt sich hier um eines der letzten großen Gemälde der Geschichtsphilosophie und solcher Art Kunstwerke ist nicht mit "wahr oder falsch" beizukommen. Für den einen oder anderen besitzt ein kühner Gedanke, der sich als falsch herausstellt, durchaus seine Berechtigung.
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am 17. Januar 2007
Wie sehr Oswald Spengler für mich zu den Hellsichtigen, ja Propheten zählt, messe ich allein an der Tatsache, dass seit dem Erscheinen dieses Werkes kein deutscher Historiker auch nur annähernd ähnlich brilliant auftrat. Weder im Denken noch in der Sprache, kann diesem Giganten einer von ihnen das Wasser reichen. International betrachtet verhält es sich ebenso. Das Werk Samuel Huntingtons -Kampf der Kulturen- zeigt, wie tief und selbstverständlich das Werk Spenglers in der globalen Denkerklasse rezipiert wurde und wird.

Ein in Deutschland vehement verleugneter Autor, von den mediokren Lehrplan-Technokraten für Höhere Schulen totgeschwiegen, vom Mittelmaß in der Wissenschaft beständig geschmäht: dies ist auch eine Bestätigung von Spenglers Aussagen, dass der Westen, die abendländische Kultur (die Faustische, wie er sie nennt) auf abschüssigem Gelände operiert. Wo wahre Größe fehlt, da satteln die Pygmäen ihre Ponys. Immer wieder widmet er sich den Sitzdenkern, wie er sie nennt, den Akademikern, die die Geschichte der Menschheit auf einem Zeitstrahl herauf und herunter fahren sehen - wie die rote Flüssigkeit in einem Thermoterglas.

Spenglers Morphologie der Weltgeschichte führt die Sitzdenker ad absurdum. Das haben sie ihm schon vor rund neunzig Jahren nie verziehen. Oswald Spenglers Werke (lesenwerter Einstieg in sein Denken: Der Mensch und die Technik, ein 80-Seiten-Essay) fehlen in keiner Regierungs-Bibliothek. John F. Kennedy hat die Exemplare geordert, die noch heute in der Bibliothek im Weißen Haus stehen.

Die dümmlichen Versuche, diesen Mann in die Nähe der Nationalsozialisten zu rücken, wollen nicht enden. Doch wen kümmerts denn? Hier haben wir einen Philosophen, verstorben 1936, den diese Gesellschaft (wieder)entdecken muss und wird. Es beruhigt im Grunde, was dort steht. Man ahnt dann wenigstens, wo die Reise hingeht, wo unsere Zivilisation enden wird. Wenn wir uns umblicken, wissen wir zugleich, dass der Prozess bereits im Gange ist. Das hat nichts mit Kulturpessimismus zu tun, das Wort ist viel zu klein für das, wofür uns Spengler die Augen öffnet.

Vieles, was er vor neunzig Jahren verfasst hat, ist genau so eingetreten -ein Grund mehr für seine Neider und Verleumder sich aufzuregen und ihn mit kleinkarierten Kritiken zu überziehen.

Ein Spengler-Zitat: Das Gegenteil von vornehm ist nicht arm, sondern gemein.

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…Welt als Geschichte gibt es ein ewig wechselndes Wahrsein" (894). Es muss etwas dran sein an einem Buch, dessen Titel idiomatisch in den Sprachgebrauch eingegangen ist. Spengler, der Privatgelehrte, der Einzelgänger, 1936 völlig vereinsamt und von der Öffentlichkeit vergessen gestorben, veröffentlichte zwischen 1918 und 1922 sein monumentales Werk "Der Untergang des Abendlandes: Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte“ und traf damit den Zeitgeist einer durch die Kriegsniederlage in ihrem Selbstbewusstsein erschütterten Nation, die sich durch den Versailler Vertrag noch zusätzlich gedemütigt sah und somit ständig das Ende einer Epoche, eines Zeitalters vor Augen hatte. Doch Spengler dachte in viel größeren Maßstäben; es war sein Ziel, ein allgemeingültiges Strukturschema – im Untertitel des Buches "Morphologie" genannt – vom Entstehen, Erblühen und Untergang von Kulturen zu entwerfen. Neben dem Abendland – darunter versteht Spengler die Geschichte Westeuropas seit 900 n. Chr. und später auch noch die Nordamerikas – identifiziert der Autor Indien, China, Babylon, die aztekische, die ägyptische, die arabische und die antike (damit meint er den griechisch-römischen Kulturkreis seit 1100 v. Chr.) Kultur als organische Einheiten, die allesamt wesentliche Strukturmerkmale teilten: "Ich sehe statt jenes öden Bildes einer linienförmigen Weltgeschichte, das man nur aufrecht erhält, wenn man vor der überwiegenden Menge der Tatsachen das Auge schließt, das Schauspiel einer Vielzahl mächtiger Kulturen, die mit urweltlicher Kraft aus dem Schoße einer mütterlichen Landschaft, an die jede von ihnen im Verlauf ihres Daseins streng gebunden ist, aufblühen, von denen jede ihrem Stoff, dem Menschentum, ihre eigne Form aufprägt, von denen jede ihre eigne Idee, ihre eignen Leidenschaften, ihr eignes Leben, Wollen, Fühlen, ihren eignen Tod hat" (29).

Nietzsches Einfluss auf Spengler – die ewige Wiederkunft des Gleichen – ist in dieser Kulturmorphologie deutlich zu spüren. Doch worin besteht dieses Gleiche, was so unterschiedliche Kulturen wie die der Chinesen und der Azteken verbinden soll? Spenglers Sprache, seine organische Herangehensweise an Kulturen, an Geschichte, ist für uns Heutige stark gewöhnungsbedürftig und entfaltet doch, oder vielleicht auch gerade deswegen, eine argumentative Kraft, der man sich nur allzu gerne hingibt. Er vergleicht Kulturen mit dem Lebenszyklus einer Pflanze, welche mit einem Samenkorn beginnt, langsam wächst, schließlich erblüht, verwelkt und am Ende stirbt. Konkret identifiziert Spengler Phasen wie die Reformation oder die Renaissance in jeder der von ihm verorteten Kulturen. Zudem erkennt er in jedem Zeitalter die Tendenz zur Versachlichung, zur Entzauberung der Welt, was dann aber immer zu einer Respiritualisierung führen würde: "Aber die Geschichte lehrt, daß der Zweifel am Glauben zum Wissen führt und der Zweifel am Wissen nach einer Zeit des kritischen Optimismus wieder zurück zum Glauben" (887).

Und doch gebe es etwas, so Spengler, was den Abendländer von allen anderen Kulturen unterscheide: Dies sei der faustische Menschentyp, der immer zweifelnde, ewig strebende Geist, der niemals ruht. Demgegenüber stellt Spengler den apollinischen Menschen der Antike, der eher sinnlich orientiert sei, nur in der Gegenwart lebe und dem das faustische Streben fremd sei. Daraus ließen sich auch die wesentlichen Unterschiede in den morphologischen Entsprechungen der einzelnen Bereiche erklären. Die antiken Götter, körperlich und sinnlich orientiert, der abendländische Gott, allmächtig, allwissend und immer fordernd. Der antike „Staat“ war am überschaubaren Maßstab der Polis orientiert, der abendländische hingegen raumgreifend, expansiv.

Zu Beginn des zweiten Teils der Darstellung konzentriert sich Spengler auf die aktuelle Situation des Abendlandes, welches er zu Beginn des 20. Jahrhundert im Stadium des Verblühens sah. Einige seiner Beobachtungen sind von bemerkenswerter Aktualität und entsprechen damals wie heute dem Lebensgefühl eines wachsenden Teils der Bevölkerung. Über das Treiben der Presse schreibt er: "Was sie will, ist wahr. Ihre Befehlshaber erzeugen, verwandeln, vertauschen Wahrheiten. Drei Wochen Pressearbeit und alle Welt hat die Wahrheit erkannt [...]. Man will nur noch denken, was man wollen soll, und eben das empfindet man als seine Freiheit" (1139+1141). Besser als jeder heutiger Zeitgenosse hat Spengler damit das aktuelle Wesen des Erziehungs- und Gesinnungsjournalismus auf den Punkt gebracht. Presse, Technisierung und Rationalisierung sieht Spengler als Zeichen von Zivilisation, die Stufe, die jede Kultur kurz vor ihrem Untergang durchlebe.

Schon seine Zeitgenossen bezeichneten Spengler als Kulturpessimisten, eine Bezeichnung, die sich bis heute gehalten hat. Er selbst hat sich vehement gegen diese Einordnung verwahrt, und in der Tat liegt seiner Geschichtsphilosophie ein zutiefst optimistischer Impetus zugrunde. Ja, alles, was ist, geht zugrunde, doch es entsteht auch immer etwas Neues, womit das Leben und Sterben von Kulturen dem ewigen Leben und Sterben in der Welt der Natur entspreche. Etwas Altes geht unter, etwas Neues entsteht – das ist nichts Fröhliches, nichts Trauriges, es ist schlicht das Gesetz des Lebens und wir Menschen können nur entscheiden, ob wir diesen ewigen Wandel passiv über uns entgehen lassen oder versuchen, ihn aktiv zu beeinflussen. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Fazit: Bis heute überwältigt "Der Untergang des Abendlandes" durch den universellen Anspruch, das Wesen von Leben, Tod, Kultur und Geschichte entschlüsseln zu wollen, seine unglaubliche Gelehrsamkeit und eine Sprachgewalt und ein Sprachniveau, welches man keinen heute Lebenden mehr zutraut zu erreichen. Das Denken und Schreiben Oswald Spenglers ist ein zentraler Teil deutscher Kultur- und Geistesgeschichte – völlig unabhängig von heute gültigen Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens – und wird auch weiterhin die Jahrzehnte überdauern.
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am 7. Januar 2016
Die Originalausgabe des Buches ist fast genau 100 Jahre alt und gerade heute ist so aktuell wie nie zuvor.
So gesehen könnte man den Autor als einen Propheten beschreiben, der genau das vorhergesehen hat, was heute passiert.
Wer hätte noch vor einem Jahr gedacht, daß große Politiker Europas von einer Deutschen Kanzlerin sagen, daß sie mit ihrer Politik ganz Europa in ein Chaos gestürzt hat?
Ganz sicher wird Frau Merkel als eine Politikerin in die Geschichte eingehen, die großen Einfluß auf die Geschichte Europas ausgeübt hat.
Meist sind es ja gerade die Politiker, die ein Land oder die Welt in ein Chaos gestürzt haben, die man noch Jahrhunderte später kannte.
Durch das unbegrenzte Einlassen von Flüchtlingen, die völlig unkontrolliert und unregistriert ins Land strömen, kommen natürlich auch Gewalttäter, Terroristen und sonstige Verbrecher nach Europa.
Dass die Polizei überfordert ist, spricht sich unter denen schnell herum und so sind bandenmäßige Überfälle zunächst auf Frauen, dann auf
Geschäfte und sicher auch Banken früher oder später an der Tagesordnung.
Was will die Polizei auch ausrichten gegen 200 gewaltbereite Nordafrikaner, die einen Mediamarkt stürmen?
Deutschland und Europa wird, wie Oswald Spengler schon vor 100 Jahren vorausgesehen hat, im Chaos versinken.
Die Menschen werden sich nicht mehr trauen zur Arbeit zu gehen, wenn gerade hier die in den letzten Jahrzehnten so propagierten Frauenarbeitsplätze nicht mehr sicher sind wie etwa Busfahrerinnen, Taxifahrerinnen, Mitarbeiterinnen bei Sozialämtern und Arbeitsagenturen, Polizistinnen.
Einzig sicher sein werden noch Politikerinnen, die scharf bewacht werden.
Deutschland importiert mit solchen Immigranten auch die Verhältnisse der Länder aus denen sie kommen.
Letztlich auch den Bürgerkrieg!
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