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am 8. Januar 2015
...atmosphärisch intensiv und kontrastreich, ästhetisch bebildert. Mit fast minimalistisch wirkendem Agieren der Darsteller,
überzeugt der Film "Zeuge gesucht" von Robert Siodmak letztendlich doch, trotz der etwas unglaubwürdig fatalistischen Verhaltensweise der männlichen Hautperson Scott Henderson, der allzu widerstandslos seiner Todesstrafe entgegensieht.
Das Highlight und der größte Lichtblick sowohl für den Betrachter, als auch in der Geschichte, ist die Hauptdarstellerin Ella Raines.
Als seine Sekretärin "Kansas", ist diese Augenweide (und überzeugende Schauspielerin) diejenige, die sich mit aller Intensität, für wirkliche Aufklärung des Falles einsetzt...
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TOP 1000 REZENSENTam 24. März 2014
"Zeuge gesucht", der im Original "Phantom Lady" heißt, ist ein Film Noir aus dem Jahr 1944 von Robert Siodmak und gleichzeitig dessen Auftaktsfilm in diesem Gerne, dem später die noch erfolgreicheren Klassiker "Die Wendeltreppe", "Rächer der Unterwelt", "Schrei der Großstadt" oder "Gewagtes Alibi" folgen sollten. Auch die Story von der treuen Sekretärin zu ihrem Boss wurde in der Folgezeit oft kopiert, mir fallen in diesem Zusammenhang Henry Hathaways "Feind im Dunkel" ein, in dem eine beherzte Lucille Ball für ihren Chef durchs Feuer ging, auch Fanny Ardent in "Auf Liebe und Tod", einem Meisterwerk von Truffaut, rettet ihren geliebten Arbeitgeber durch ihr Eingreifen. In "Zeuge gesucht" ist es Ella Raines, die nicht möchte, dass ihr Boss auf dem elektrischen Stuhl landet. Dieser Boss, gespielt von Alan Curtis, ist dann tatsächlich auch die einzige Kritik am ansonsten lupenreinen Vertreter der schwarzen Serie, denn er wird zu unbeteiligt dargestellt. Einen Mann, der sehr bald seine Hinrichtung erwartet, hätte ich gerne so kämpferisch und emotional gesehen wie beispielsweise ein Tyrone Power aus "Zeugin der Anklage".

Zur Story: Scott Henderson (Alan Curtis) hatte mal wieder wie so oft in letzter Zeit Krach mit seiner Frau. Der 32jährige Ingenieur versucht seinen Frust in einer Bar zu vergessen, wo er eine ebenso unglückliche Frau (Fay Helm) trifft, die zwar ihren Namen nicht nennt, aber sich von Scott dazu überreden lässt mit ihm eine Show der Diva Estela Monteiro (Aurora Miranda) zu sehen. Sie nehmen ein Taxi und erleben wie der Star vor Wut kocht, weil die mysteriöse Begleitung von Sctott denselben Hut aufhat wie sie selbst. Die beiden verabschieden sich. Als Scott Zuhause auftaucht, ist die Polizei unter der Leitung von Inspektor 'Burgess (Thomas Gomez) schon bei der Spurensicherung. Scotts Frau wurde ermordet und er gilt aufgrund des Streits sehr schnell als Hauptverdächtiger. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die geheimnisvolle Phantom Lady nicht auffinden lässt. Sogar der Barkeeper und der Taxifahrer beschwören, dass Scott alleine - ohne Begleitung - war. Nur seine loyale Sekretärin Carol Richman, genannt Kansas (Ella Raines) ist von der Unschuld überzeugt. Sie beginnt eigene Recherchen anzustellen. Auch Hendersons bester Freund, der Künstler Jack Marlow (Francot Tone) hilft mit, als er von Südamerika zurückkehrt. Doch die fremde Frau bleibt verschwunden...

Siodmak gelingt es eine mysteriöse Atmosphäre aufzubauen und zu halten, die Suspence-Anteile erinnern etwas an Alfred Hitchcock und die Form und Stil sind am alten deutschen Film orientiert, ein perfektes Spiel von Licht und Schatten sozusagen. Er bietet auch einen erschreckend makabren Schurken an, der schwer krank seinem Instinkt folgt, aber lange Zeit unentdeckt bleibt. Als aufmerksamer Zuschauer kommt man aber schnell dahinter, wer dieser Killer ist. Das Wissen tut aber dem spannenden Vergnüngen keinen Abbruch. Eine großartige Szene ist auch die finale Konfrontation zwischen dem rettenden Engel und dem enttarnten Teufel. Hier agiert der Schurke teuflisch gut.
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TOP 1000 REZENSENTam 15. Oktober 2014
[Enthält Spoiler]

Ich mag Robert Siodmaks »Phantom Lady / Zeuge gesucht« (1944) sehr, und ich wünschte, man könnte ihn zu den ganz großen Meisterwerken des Film noir rechnen. Doch solch ein Meisterwerk ist der Film trotz seiner vielen Vorzüge leider nicht.

Der Beginn ist meisterhaft: Es gibt keine große Exposition. Ein fast leeres Lokal, melancholische Jukebox-Musik, strangers in the night. Eine Zufallsbekanntschaft an der Bar, trübe Stimmung auf beiden Seiten. Aus einer Laune heraus willigt sie ein, mit ihm ins Theater zu gehen, damit seine Karten nicht sinnlos verfallen. Ein netter Abend. Man trennt sich, ohne einander den Namen genannt zu haben. Dann der Schock. Er kommt nach Hause, seine Frau ist tot, er selbst der Hauptverdächtige. Nur die Frau aus der Bar könnte ihm ein Alibi geben, doch sie ist eine phantom lady. Die eigentliche Geschichte beginnt.

Ella Raines spielt ›Kansas‹. Sie ist Mitarbeiterin des tatverdächtigen Scott Henderson, der ein Ingenieurbüro betreibt. Kansas himmelt ihren Chef an und macht sich auf die Suche nach der geheimnisvollen Frau, während Scott im Gefängnis in eigenartige Lethargie versinkt. Sie bekommt Unterstützung durch den ermittelnden Polizeiinspektor, der an seinen eigenen Ermittlungsergebnissen zu zweifeln beginnt.

Die nächtlichen Szenen, in denen Kansas zwei Zeugen zur Korrektur ihrer Aussagen bewegen will, sind exemplarisch für die Szenengestaltung bzw. die Gestaltung von Szenenfolgen im Film noir. Absolut fabelhaft, was Siodmak hier zusammen mit seinem Ausstatter und seinem Kameramann zustande bringt. Unübersichtliche, manchmal klaustrophobische Bauten, kontrastreiche tiefenscharfe Schwarzweißbilder von Räumen, in denen überall Unheil zu lauern scheint, und eine Tonspur, deren Geräusche eine eigene Dynamik entfalten (insbesondere in der Verfolgungsszene und in der Jam-Session-Szene). Das wirkt ungeheuer modern. Die Stadt als bedrohliches Labyrinth, in dem der Einzelne unterzugehen droht. Auch die Schauspieler sind überwiegend in exzellenter Form, nur Alan Curtis wirkt ebenso farblos wie die Figur, die er spielt.

All das macht den Film auch beim wiederholten Sehen noch zu einem Vergnügen. Doch dann kommt der Schluss, und der ist in mehrfacher Hinsicht missraten. Ganz am Ende steht das Happyend, in dem Normalität und Biederkeit die Oberhand behalten. Dem wird die Ausnahmeexistenz des Künstlers gegenübergestellt: eine asoziale Lebensform, mindestens am Rande des Psychopathologischen. Genie und Wahnsinn reichen sich die Hand, so dass Gewalt und Mord nicht fern sind. Für diejenigen, die die plumpe Botschaft bis dahin nicht mitbekommen haben, hängt in der Schlüsselszene die Reproduktion eines Van-Gogh-Selbstporträts deutlich sichtbar an der Wand, – natürlich das mit dem verbundenen Ohr. Psychologie auf ›Bild‹-Zeitungsniveau.

Auch dramaturgisch ist die Auflösung der Spannungsszene am Schluss höchst unbefriedigend. Sorgfältig wird zunächst eine Situation der Ausweglosigkeit aufgebaut. Doch dann klopft es einfach an der Tür, der Bösewicht springt aus dem Fenster und Friede, Freude, Eierkuchen. Das war schon beim ersten Sehen des Films unglaublich enttäuschend und ist seitdem nicht besser geworden.

Zur DVD: Offenbar konnte man auf eine sehr gute Kopie zurückgreifen. Die Bildqualität ist exzellent, nur im ersten Filmdrittel ist eine ganz leichte Kratzspur am rechten Bildrand zu bemerken. Als Extra gibt es den Trailer. Deutsche Untertitel fehlen, auch die englischen Untertitel, die das Cover verspricht, habe ich nicht entdecken können. Sehr informativ ist Thomas Willmanns ausführlicher Essay zum Film im 12-seitigen Booklet.

Fazit: Unbedingt sehenswerter Film in sehr guter Präsentation. Unter den nicht erstrangigen Filmen der schwarzen Serie vielleicht der beste.
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am 9. März 2014
Dieser Artikel stand - gemeinsam mit einer anderen DVD - auf einem Wunschzettel zum letzten Weihnachtsfest. Mal davon abgesehen, daß der Film gut ankam, waren sowohl ich, als auch der Beschenkte gut bedient mit der Kaufabwicklung und dem Artikel selbst: Bild und Ton dieses Filmklassikers sind gut aufbereitet worden und die Lieferung des Artikels ging zügig. Bei diesem Kauf waren alle Beteiligten sehr zufrieden. Einer Weiterempfehlung steht also nichts im Wege.
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am 20. Oktober 2014
Entgegen der Beschreibung bei Amazon bzw. auf der DVD Rückseite gibt es für diesen Film keine(!!!) Untertitel - glatt gelogen!
Der Film ist durchaus interessant, auch der Ton ist gut.
Bewerte hier aber auch die DVD - deshalb nur 2
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am 27. März 2014
Liebe schon seit vielen Jahren klassische Schwarz-weiß Filme und dieser Film ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass auch in der modernen Technik-Zeit Schwarz-weiß Filme ihren ganz besonderen Reiz haben (oder vielleicht gerade deswegen).
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am 8. Januar 2014
Als Robert Siodmak, der begnadete Regisseur,seinem Bruder Curt Ende der 30er Jahre nach Hollywood folgte, war es zunächst sehr schwierig für ihn, überhaupt Arbeit zu finden. Sein Bruder vermittelte ihm schließlich einen Kontrakt mit dem kleinen Studio UNIVERSAL, das in den 30er Jahren mit Serien wie DRACULA und FRANKENSTEIN überlebt hatte. Entsprechend niedrig war das Budget, mit dem Siodmak arbeiten musste. Außenaufnahmen entfielen gänzlich und so haben wir es hier mit einer Studioproduktion zu tun,bei der es allerdings hervorragend gelang, das New York der frühen 40er Jahre und die typische Atmophäre von Cornell Woolrich zu generieren. Woolrich war ein Autor, der es meisterhaft verstand, die dunkle Seite von New York zu zeigen, lebte er doch selbst überwiegend nachts und ausschließlich in düsteren Hotels - teilweise mit seiner Mutter. Ihm verdanken wir eine ganze Reihe ausgezeichneter Stories, die zu Film Noirs verarbeitet wurden wie z. B. auch Hitchcocks "Rear Window" (Das Fenster zum Hof). Produziert wurde "Zeuge gesucht" von Joan Harrison, einer englischen Produzentin, die auch für mehrere frühe Hitchcock-Filme verantwortlich zeichnet.
Auf die Story will ich hier nicht eingehen. Das hat Tristram Shandy in seiner Rezension bereits ausführlich getan. Die Stars sind Franchot Tone (bekannt aus vielen MGM-Produktionen der 30er Jahre), Alan Curtis und als Debütantin Ella Raines, die noch in vielen späteren Noirs eingesetzt werden sollte. Als Nebendarsteller ganz hervorragend Elisha Cook jr. (Der Malteser Falke).
Siodmak produziert ausschließlich im Studio und schafft es, die Story fesselnd und spannend zu realisieren. Hier beginnt, was sich später in "Der schwarze Spiegel", "Die Killer", "Gewagtes Alibi" und vor allem in "Strafsache Thelma Jordon" in perfekter Weise fortsetzen sollte.
Das Bild ist ausgezeichnet, der Ton etwas künstlich. Das Beiheft sehr informativ voll von Background-Informationen, die man sonst überhaupt nicht zur Kenntnis bekommen würde.
Die 4 Sterne gibt es aufgrund der erkennbaren Budgetprobleme.
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am 30. März 2014
Der Film ist sicher gut, und trägt natürlich die Handschrift von Robert Siodmak. Aber man ist enttäuscht, wenn man einen richtigen Film Noir erwartet. Nach einem spannenden Beginn verläuft die Suche nach der Zeugin eher träge, und die Auflösung ist alles eher als überraschend. Das glatte Happy end ist dann das, was man gerade von dieser Filmgattung nicht erwartet! Es fasziniert die expressionistische Bildsprache, aber das wars dann auch schon.
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am 26. Dezember 2013
Phantom Lady von Robert Siodmak ist ein Film Noir aus dem Jahre 1944 und bildet gemeinsam mit Frau ohne Gewissenvon Billy Wilder und Laura (Cinema Premium Edition, 2 DVDs) [Special Edition]von Otto Preminger die drei frühen, stilbildenden Beispiele dieser Filmgattung. Robert Siodmak versuchte sich in der Folge, sehr erfolgreich, mehrmals im Film-Noir-"Genre" und wurde ein Experte dieses Filmstils (Criss Cross, The Killers, The Spiral Staircase, The Dark Mirror etc), ähnlich wie Preminger (Whirlpool, Where the Sidewalk Ends, Fallen Angel, Angel Face). Beide Regisseure, beides jüdische Emigranten, der Eine aus Berlin, der Andere aus Wien wurden somit zu den Künstlern in Hollywood die mit am einflußreichsten am Noir-Mythos mitgezeichnet haben. Wilder jedoch blieb der "Meister aller Klassen" und besuchte die düsteren Strassen der Verbitterung, Verlorenheit und Verzweiflung nur noch in The Lost Weekend und Sunset Boulevard. Manche sagen, Ace in the Hole sei auch ein Film Noir. Der Eine sagt so, der Andere so.

In einer Reihenfolge müsste Laura an erster Stelle stehen, als DER Hyper-Klassische-"Studio"-Noir. Die Titelheldin, deren Bild die Männer in ihren Bann zieht, ist nur bedrohlich durch ihre wahnsinnige Schönheit. Die Frau stellt sich aber als good-good-girl heraus, die fast nichts ahnt von den Obsessionen, die sie auslöst. Hier klingen aber schon sanft die Themen des Film Noir an, die ihn kennzeichnen werden: ohnmächtige Männlichkeit vs übermächtige Weiblichkeit. Der Kampf der Geschlechter wird zum Ende hin jedoch ins Positive hin aufgelöst. Es gibt also noch Trost.
Phantom Lady geht einen Schritt weiter. Die Titelfigur ist eine Leerstelle, eben die Zeugin die gesucht wird. Im Laufe der Handlung stellt sich heraus, daß besagte Dame in einer "mental institution" lebt, einem Irrenhaus. In dieser Lady klingen schon all die psychotischen Störungen der femme fatale an, die wir hier noch wie aus der Ferne betrachten dürfen. Später, in Double Indemnity, werden wir aus allernächster Nähe Zeuge ihres fatalen Sogs.
In Phantom Lady wird auch der männliche Held, oder besser gesagt, den wir als solchen ausmachen, von der "leading lady" im Laufe der Handlung verdrängt. Männlichkeit ist hier also ebenso ein Phantom, dem die Hauptfigur, Kansas, bravurös von Ella Raines gespielt, nachjagt. Sie ist quasi ein good-good-good-good-girl, die alles dafür tut, daß die Unschuld ihres Angehimmelten bewiesen werden kann. Alan Curtis spielt hier den männlichen Gegenpart so Pappkameradenhaft, daß man hier nicht mehr von bedrohter Männlichkeit sprechen kann, sondern schon fast von verschwindender.
Kansas wiederum stellt nicht nur einen konservativen Gegenentwurf zur "Phantom Lady" dar, also das all-american-girl aus der Mitte der Gesellschaft, die rechtschaffen, gut und aufopferungsvoll ist; auch sie deutet Abgründe an. In einem Kapitel des Films, geht sie soweit einen möglichen Zeugen, der Scotts (Alan Curtis) Besuch eines Konzerts mit jener Phantom Lady bezeugen und ihm somit ein Alibi für die Zeit des Mordes an seiner Ehefrau verschaffen könnte, so zu bezirzen, daß sie sogar mit ihm schlafen würde, wenn es sein müsste. Kansas "spielt" hier nur die lüsterne Schlampe, schlüpft in die Rolle der weiblichen Verführerin. Doch, obwohl Ella Raines daraus ein Schmierentheater macht, und sie nach jedem Kuss sich angewidert den Mund abwischt, ahnen wir doch etwas von ihrem sexuellen Potential. Die Verwandlung zur destruktiven Sex-Göttin wird hier nicht zur Vollendung gebracht, aber immerhin scheint eine Doppelgesichtigkeit durch, ein noch nicht Besorgnis erregender Grad an Schizophrenie. In einer Szene, in der Kansas mit dem Zeugen in ein Jazz-Lokal geht, und ihm, ein Drummer, dabei zusieht, wie er mit anderen Musikern jammt, kriegt die orgiastische Musik und die vor Ekstase verzerrten Gesichter von Kansas und dem Drummer deutlich sexuelle Bedeutung. Aber Kansas schaut dem Mann nur zu, während er sich an seinem Spiel, nun ja, aufgeilt, und sie sind körperlich getrennt. Der Sex hat etwas selbstbezogenes, ist also eher Selbstbefriedigung, als Geschlechtsverkehr. Der Mann bleibt ein kümmerlicher Wicht. Bis zum Schluß kommt es nicht zur Vereinigung von Kansas und ihrem Angehimmelten Scott. Dessen Stimme ertönt nur aus einem Sprechgerät, und Kansas lauscht entzückt seinen Worten. Nähe findet nicht statt. Die Krise der Geschlechter scheint eingeläutet.
Schon zu Beginn, als Scott von seiner nächtlichen Begegnung mit der Unbekannten nach Hause zurückkehrt und von der Polizei begrüßt wird, schwebt das Bild seiner ermordeten Ehefrau drohend und übermächtig über ihm. Da ist sie wieder, die ins Bild gepresste Weiblichkeit; wie das Bild von Laura, wie das Bild der Verführerin in Woman In The Window [UK Import]. Die Frau hat Macht über den Mann jenseits ihrer physischen Präsenz. Sie beherrscht seine Gedanken und das Bild, das er sich von ihr in seinem Kopf macht.
Die Krise der Männlichkeit wird am eindrucksvollsten durch den psychopathischen Mörder personifiziert, für den Mord oder Gewalt, Ersatz für Liebe und Sex sind. Dieser Mann hat schon komplett die Kontrolle über sich und seinen Körper verloren. Seine Hände führen ein Eigenleben und er erinnert an Conrad Veidt aus HANDS OF ORLAC 1924, oder an Peter Lorre aus M - Eine Stadt sucht einen Mörder - 80th Anniversary Edition (+ DVD) [Blu-ray]. Hier zeigen sich Siodmaks deutsche Wurzeln und seine Einflüsse. Die Verführergestalten des deutschen Stummfilms, die Mabuses und Nosferatus, sind in der Gestalt von Franchot Tone zu einem modernen Faschisten gereift, der sein Leben als wertvoller erachtet, als das seiner Opfer. Seine pathetische Kunst, seine Plastiken und Statuen, würden gut in eine Sammlung nationalsozialistischer Kunst passen.

Die Krisen, Obsessionen und Abgründe, die in Phantom Lady nur angedeutet sind, entfalten dann in Double Indemnity ihre volle Blüte. Die Frau ist kein bad-good-girl, wie in The Big Sleep [UK Import] z. B., sondern ein bad-bad-girl. Die Macht der Verführerin ist nun uneingeschränkt; die Krise der Geschlechter ist nun zu offenem Krieg geworden. Es herrscht mittlerweile Mord und Totschlag!
Double Indemnity ist ein "Brücken"- Film zur zweiten Phase des Film Noir, weg von den klassischen Studiokulissen mit A-Level-Hollywood-Stars, wo der männliche Held die Welt zum Schluß mit der Schönen im Arm retten, oder zumindest seine Rätsel auflösen kann, hin zu den düstereren Plots, bösartigeren Frauen, ohnmächtigeren Männern in semi-dokumentarisch gehaltenen Stil, mit B-Stars, kein Happy End.
In Phantom Lady gibt es noch Licht am Ende des Tunnels, in Double Indemnity sind wir endgültig in der Hölle gelandet.

ZUR DVD: die Film-Noir-Reihe von Koch Media hat ja mittlerweile hervorragende Arbeiten veröffentlicht, teilweise Filme, die so erst ihre Veröffentlichung auf DVD in Deutschland erfahren haben. Meistens warten diese Ausgaben mit etwas spärlichen Extras auf, wie Trailer und Fotodokumente von den Dreharbeiten oder promotional material. Das ist hier leider nicht unähnlich. Erwähnt sollte aber der sehr lesenswerte und sehr kluge Aufsatz von Thomas Willmann sein. Wer keine Lust hat 15,99 für diese Ausgabe ausgeben möchte, und sich trotzdem für einen Cineasten hält, sollte zweimal überlegen. Phantom Lady gehört in jede ernstzunehmende Filmsammlung. Merry Christmas.
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am 31. Dezember 2016
Kommt ein Mann in eine Bar. Es ist Scott Henderson (Alan Curtis). Der leitende Angestellte hatte Ärger mit seiner Frau und will sich abends am Tresen einen Schluck gönnen. Er hat noch 2 Konzertkarten. Eine ihm unbekannte Frau (Fay Helm), die gerade in der Bar ist, lässt sich schliesslich dazu überreden, spontan mit Scott ins Variété-Theater zu gehen. Sie amüsiert sich leidlich und vereinbart mit Scott, dass man weder einander die Identität mitteilen, noch sich jemals wieder sehen werde. Scott hat aber bald andere Sorgen als das Bedauern um die entgangene Bekanntschaft. Denn er betritt die eheliche Wohnung und muss feststellen, dass schon eine finster dreinblickende Abordnung der Polizei ihn erwartet und ihm eröffnet, seine Frau sei ermordet worden. Neben dem Verlust seiner Gattin, die eine reiche Erbin war, muss Scott auch eine Mordanklage verkraften. Im Büro kann man die Nachricht von Scotts Anklage kaum fassen. Seine Angestellte Carol (Ella Raines), genannt Kansas, übernimmt soweit möglich Scotts Aufgaben. Sie hat aber auch privat etwas für ihn übrig und engagiert sich dafür, dass Scotts Alibi, nämlich die unbekannte Frau aus der Bar, ausfindig gemacht werden kann. Ohne dieses Alibi ist Scotts Verurteilung so gut wie sicher. Katherine erhält Unterstützung von Polizeiinspektor Burgess (Thomas Gomez), der auch daran zweifelt, dass Scott den Mord begangen hat. Nicht ganz so engagiert zeigt sich Scotts Geschäftspartner Jack Marlow (Franchot Tone). Carol begibt sich unerschrocken in die Künstler-Szene und einige sehr riskante Situationen, um etwas über die Identität der unbekannten Frau heraus zu finden. Der auffällige Hut, den die gesuchte Frau getragen haben soll, wird schliesslich Carols Ansatzpunkt. Jack begleitet Carol immer öfter, ohne aber bewusst die Ermittlungen zu fördern. Erst spät fällt Carol auf, dass Jack vielleicht gar nicht auf ihrer Seite ist und dass Scott in eine Falle gelockt wurde.
Der Film „The Phantom Lady“ (Universal Pictures, 1944) gilt als einer der ersten von Regisseur Robert Siodmak, die unter dem Genrebegriff „Film Noir“ bekannt sind. Es folgten später noch bekanntere Werke. Hier kommen klassische und weniger typische Elemente dieser Filmgattung zusammen. Die städtische Umgebung und die Suche nach dem wahren Verbrecher gehören zur ersten Sorte von Elementen, die im Wesentlichen von einer Frau durchgeführten Nachforschungen und die teils Avantgarde-mässig anmutende künstlerische Umgebung dagegen sind eher ungewöhnlich. Siodmak hat es aber geschafft, das alles geschickt in die Geschichte einzubauen, und es passt sehr gut, denn das Geschehen wirkt dadurch weniger bedrückend, verliert aber trotzdem nicht an Spannung. So kann man den Film gesamthaft sicher als gelungen bezeichnen und es erstaunt nicht, dass Siodmak dem Genre noch eine Zeit lang treu blieb und ihm weitere sehr sehenswerte Beispiele anfügen konnte.
Die DVD aus der „Film Noir Collection“ von Koch besteht primär aus dem 83 Minuten langen Film. Das schwarz-weisse Bild im Format 4:3 ist ziemlich scharf und bringt die besondere Bildsprache des Films gut rüber. Einige Gebrauchspuren am Filmmaterial sind aber noch zu sehen. Die einzigen vorhandenen Tonspuren sind Deutsch und Englisch in Mono 2.0. Beide sind recht gut verständlich. Was die Untertitel angeht, wird auf dem Umschlag zu viel versprochen (englische Untertitel), denn es gibt schlicht keine auf der ganzen DVD. Das Bonusmaterial (das übrigens nicht alles auf dem Umschlag erwähnt wird) besteht aus dem Trailer in englischer Sprache und einer manuell zu bedienenden Bildergalerie mit einigen Plakat- und sonstigen Aushangmotiven. Was Hintergrundinformationen angeht, muss es wieder einmal das eingeklebte „Booklet“ richten. Darin sind u. a. Angaben zu Regisseur Robert Siodmak, Produzentin Joan Harrison und Cornell Woolrich, dem Autor der literarischen Vorlage, zu finden. Der Film und die Umstände, unter denen er entstand, werden auch teilweise umrissen. Gesamturteil: Aus der Filmwiedergabe hätte man sicher mit den Sprachen mehr rausholen können, sodass es zu dem sehr gelungenen Film eine wirklich standesgemässe Edition gegeben hätte. Der Konjunktiv lässt schon erahnen, dass es für eine Top-Wertung nicht reicht. Die DVD-Ausstattung ist in Ansätzen gut, aber nicht üppig; immerhin können die schriftlichen Beiträge das zum Teil kompensieren. Das reicht für drei von fünf Besuchen hinter den Theaterkulissen und eine Hutschachtel.
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