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am 4. Juli 2016
Erst einmal vorweg: ich schreibe diese Rezension als eingefleischter "Paul McCartney Fan" (Beatles sowieso und das seit 1975!) . Das aber muss nicht heißen, dass man ohne weiter zu urteilen, immer gleich volle Punktzahl gibt. Paul's große Kompositionen liegen meiner Meinung nach überwiegend in den vergangenen Zeiten. Nicht umsomst sind seine Konzerte (ich war erst jüngst auf einem in München) von vielen Songs aus dieser Zeit geprägt. Auf seiner CD "NEW" sind schon Lieder, die mir gefallen, vom Stuhl reißen sie mich allerdings nicht. Paul hat sich die Jahre über nach den Beatles erst mal um seine Solokarriere gekümmert und die Songs aus Beatleszeiten (damals waren sie zeitlich noch frischer) erst mal nach hinten gestellt und immer wieder mal einen neuen aktuellen Hit produziert; komischerweise singt er diese aber heute eher selten bei Auftritten (wie Mull of Kintyre, say, say, say, Ebony and Ivory und gerade bei den 2 zuletzt genannten waren ja auch zwei andere Stars mit dabei). Ich habe alle Live-Alben von ihm und es zieht sich wie ein roter Faden, wo seine Lieblings-Songs und die des Publikums sind. Allerdings kann er sich auch eines gewaltigen Song-Volumens bedienen - so sind seine Konzerte eigentlich nur kleine Ausschnitte von dem, was möglich wäre. Nun, ich wollte die CD "NEW" auch haben und sie komplettiert meine Sammlung - vielleicht gefallen mir der eine oder andere Song dann eines Tages doch besser - so war es z.B. bei den Wings-Liedern "Letting go" oder "Listen to what the man said". Während zu Wings-Zeiten seine damaligen Kompositionen aus dieser Zeit (ebenso wie die von Danny Laine) die Liedauswahl beherrschten, sind es heute wieder viele aus den alten Beatles-Zeiten. Und gerade mit dieser Strategie können dadurch viele Leute von damals und heute das hören, was damals wie eine Flutwelle über die Radiosender tönte und Menschen auf der ganzen Welt beeindruckte.
Paul bringt allerdings schon ein paar Songs aus dem Album "NEW" live dar - die Rücksprache mit Leuten, die ebenfalls auf dem Konzert neulich war, zeigte aber dass diese Songs nicht so toll ankamen wie die Songs,auf die jeder bei den Konzerten nur wartet.
Im Endeffekt muss jeder für sich beurteilen, wie ihm die CD "NEW" gefällt oder nicht. Ich finde es darüber hinaus aber toll, dass ein Mann in seinem Alter noch solche Werke vollbringt (Mammutkonzerte und dann auch noch neue Alben). Von diesem Standpunkt her gesehen, liegt meine persönliche Beurteilung eher dann bei dreieinhalb Sternen. Da es hier aber einzig um das Album "NEW" geht, bleibe ich bei drei. Aber wie gesagt: meine Meinung muss nicht die von anderen sein - am besten selbst mal reinhören.
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Es eignet sich als ultimativer Treppenwitz der Musikindustrie, dass ausgerechnet der nach rein monetären Kriterien wohl kommerziellste Musiker überhaupt (McCartney gilt als der weltweit mit Abstand vermögendste Musiker) im Grunde keine Regel für planbaren kommerziellen Erfolg beachtet. Einigermaßen verlässlich zu prognostizieren, wie wohl sein nächsten Album klingen wird, in welche Richtung er sich bewegt, wo er Schwerpunkte setzt, war immer unmöglich.

"New" ist das 33. Studioalbum seit 1970 die Beatles in die Geschichte eingereiht wurden, fünf davon waren klassische Werke, vier erschienen unter Pseudonym (The Fireman / Twin Freaks) und loteten musikalische Grenzgebiete aus, doch auch die 24 mehr oder weniger regulären, mal ganz besonders und auch mal nicht ganz so starken Alben waren alles andere als gefällige Meterware. Und "New" bildet da keine Ausnahme, es ist neu und anders und doch alt und so wunderbar vertraut. Auch mit 71 Jahren lässt sich McCartney in kein Korsett pressen, denkt offenbar nicht daran mögliche Erwartungshaltungen zu erfüllen, bis auf die jener, die erwarten, überrascht zu werden.

Mit gleich vier Produzenten machte er sich getrennt ans Werk und schuf in separaten Sessions höchst unterschiedliches Material. Im Booklet räumt McCartney ein, dass er befürchtete, das Material könnte zu unterschiedlich geraten, um ein homogenes Album zu ergeben. Nun ein homogenes vielleicht nicht, aber ein spannendes. Er dachte daran, dass unabhängig davon, dass allein seine Stimme alles zusammenhalten wird und eine Konstante bildet, ja auch die Beatles-Alben oft sehr differenzierte Songs auf einer Platte vereinten und es hat damals funktioniert. Und es funktioniert auch über 40 Jahre später auf "New". Es funktioniert sogar ganz hervorragend. Nicht nur von Song zu Song, sondern selbst innerhalb eines Stückes horcht man oft überrascht auf, weil dieser Filou einen wieder in die falsche Richtung schickt und der Song völlig anders weiter geht , als man ihn in Gedanken schon weiter gesponnen hat.

So beispielsweise bei "Looking at her". Kopfstimme singend schlendert McCartney betulich durch den zunächst harmlos freundlichen Popsong. Doch dann wummert der gute alte Moog (der Ur-Sythesizer um 1970) aus dem Nichts kommend einmal quer durch die Melodie, wird aber wieder eingefangen, und Sir Paul schlendert weiter. Gegen Ende fängt den Moog dann aber niemand mehr ein und der Song verlässt den Raum ganz anders, als er ihn drei Minuten zuvor betreten hat.

Im Laufe des Albums (Standard: 12+1 Songs, Deluxe: 14+1 Songs) durchläuft McCartney alle Gefilde, die er seit jeher gerne durchquert und setzt hier und da neue gestalterische Akzente. Vom eingängigen Mitsing-Popsong, stillen Songwriter-Stücken, treibenden Rocksongs, experimentellen Klanggewittern, Reminiszenzen an die Beatles-Ära und der Zukunft zugewandten Klang-Expeditionen, eint er auf "New" alles und präsentiert es in unvorhersehbarem Mix - wie erwähnt, nicht nur von Song zu Song, sondern auch innerhalb eines Liedes.

Besonders aber und eigentlich im Wesen überhaupt nicht ungewöhnlich oder originell ist der +1 Song, also der 13. auf der Standard-, der 15. auf der Deluxe-Edition - das versteckte Lied, weder in der Tracklist, noch im Booklet aufgeführt.
"Scared" heißt die Nummer und beweißt, dass McCartney auch 2013 mit 71 Jahren, bei allem Drang zu außergewöhnlichen Arrangements und befähigt in allen Stilen zu komponieren, immer noch der Meister der eigentlichen Königsklasse ist: der nur am Piano begleiteten Ballade. Was ihm mit "Yesterday" oder "Let it be" schon zu Zeiten gelang, als die Menschheit sich nicht mehr ganz sicher war, ob die Erde vielleicht doch keine Scheibe ist, gelingt ihm auch in Zeiten, in denen die Menschheit darüber orakelt, ob man nicht auch auf anderen Planeten leben könnte. Ein guter Song braucht nicht mehr, als ein Klavier, das ihn spielt und einen Stimme, die ihn singt, damals wie heute. "Scared" ist so ein Song und das ruhige Finale eines sehr vielseitigen Albums.
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am 11. Oktober 2013
In einem Interview von 2007 sagte Bob Dylan: "I’m in awe of McCartney. He’s about the only one that I am in awe of. He can do it all. And he’s never let up... He’s just so damn effortless." ("Ich habe Ehrfurcht vor McCartney. Er ist so ziemlich der einzige, vor dem ich Ehrfurcht habe. Er kann alles. Und er hat niemals nachgelassen... Es fällt ihm einfach so verdammt leicht.")
Die meisten Musiker ab einem bestimmten Alter (so um die 40 meist), wenn sie sich nicht in den Ruhestand setzen, können sich nur noch wiederholen, da ihre musikalische Zwergenwelt sich halt erschöpft hat. McCartney zitiert sich gelegentlich - in überraschenden Zusammenhängen -, vor allem aber schüttelt er immer und immer wieder völlig Neues aus dem Ärmel, verdammt mühelos, wie Dylan - selbst einer der wenigen ewig Kreativen (die beiden sollten mal ein gemeinsames Album wagen...) - es sagte.
Ich bin nach zweimaligem Hören des Albums noch weit davon entfernt, die Lieder verinnerlicht zu haben. Aber zwei Dinge sind mir deutlich aufgefallen: Das Album wirkt sonderbarerweise wie aus einem Guß - trotz der verschiedensten Stile und der vier verschiedenen Produzenten. Und es ist eine echte Entdeckungsreise, auf die man geht, wenn man sich auf die Musik einläßt. Es passiert richtig viel im Hintergrund der Lieder. Wie schon auf den Platten der Beatles - nur anders...
Ein Kriterium für wirklich gute Musik ist für mich, wenn sie subtile Gefühle weckt beim intensiven Hören - und das vermag diese Musik.
McCartneys Stimme ist nach wie vor schön für meine Ohren, auch wenn sie sich im Laufe der Jahre gewandelt hat. Selbst wenn sie (gewollt) brüchig klingt, wie z. B. in Early Days.
Ob "New" sich mit "Chaos and Creation" (für mich sein bisheriges Solomeisterwerk) messen kann, kann ich noch nicht sagen. Am ehesten erinnert die CD mich - bei allen Unterschieden - an "Flaming Pie".
Möge die geheimnisvolle Quelle der Kreativität, aus der McCartney schöpft, nie versiegen!
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TOP 1000 REZENSENTam 11. Oktober 2013
Bei einem Künstler wie Paul McCartney finde ich es schon fast hämisch, wenn ich mir erlaube, sein neues Werk zu kommentieren. Eigentlich würde hier ein einziger Satz genügen, "Hallo! Er hat eine neue LP rausgebracht", um die noch Leben Fanscharen wie die Lemminge in den nächsten Plattenladen zu treiben. Oder natürlich weniger prosaisch einfach den MP3 Button zu klicken bzw. auf die Post zu warten.

“New” bringt natürlich keine musikalischen Veränderungen, zeigt McCartney aber wie im Jungbrunnen. Die 12 Songs sind „klassische“ McCartney Songs, übermütig und hochmelodisch, Brit Pop wie es sich gehört, wenn einer der Gründungsväter an den Start geht. Die sehr reflektive Stimmung seines letzten Albums „Memory Almost Full“ von vor sechs Jahren ist fast komplett verschwunden, „New“ sprüht vor mehr Energie und schaut nach vorne.

Das Album startet furios mit SAVE US, einer himmlischen kleinen Hymne. Danach geht es spannend weiter, Variationen kommen vor allen durch die verschiedenen Produzenten dazu. Mark Ronson gibt der Single NEW mit den Bläsern, dem 4/4 Beat und der süßlichen Melodien einen herrlichen bombastischen Retrotouch. An anderer Stelle in EARLY DAYS und mit anderen Produzent (Ethan Johns) wird das instrumentale Beiwerk deutlich zurückgenommen und McCartney auf das Wesentliche reduziert. Gerade Beatles Hobbybiographen werden in diesem Song ein Füllhorn von Verweisen in den Texten finden. APPRECIATE wagt sich dann sogar mit seinem Trip-Hop Beat eine Zehenspitze in die Moderne. Aber es gibt auch natürlich genügend Referenzen in die eigene musikalische Vergangenheit, so klingt I CAN BET deutlich nach den Wings und das schon fast etwas wütende QUEENIE EYE hat Anklänge von „I am the Walrus“.

Doch schon wieder so viele Worte, wie gesagt, eigentlich hätte ein "Hallo! Er hat eine neue LP rausgebracht!", McCartneys Talent war, ist und bleibt zeitlos.
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am 29. Dezember 2013
Bewertung nur zum MP3 Download: Trotz der Angabe in der Amazon Download Bestellung mit der Angabe 13 Lieder ist im Download der hidden Track der CD Scared NICHT dabei. Da wird fälschlicherweise das Booklet als Track / Lied gezählt. Finde ich nicht in Ordnung!
Nachtrag: Der hidden Track scheint am letzten Titel Road Medley dranzuhängen...
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Zuallererst: Ich bin bei weitem kein Musikprofi, der sämtliche künstlerisch wertvollen Akkorde und Kunstgriffe genau einordnen und entsprechend loben kann. Mir muss Musik vor allem melodisch einfach nur gefallen und da war, wenn man sich das bisherig Lebenswerk von Paul McCartney anschaut, natürlich hier kaum eine Enttäuschung vorprogrammiert. Man muss dazu auch anmerken, dass ich auf Grund des Musikgeschmacks meines Vaters schon ein wenig in Richtung der "Beatles" vorgeprägt bin ;). Daher fällt es mir fast schwer hier groß "wissenschaftliche" Belege für meine immerhin fünf vergebenen Sterne anzuführen, ich denke, es ist viel mehr eine musikalisch-emotionale Kiste, die McCartney mit "New" bedient, denn selten hatte ich bei einem Album tatsächlich bei jedem Stück eine andere angenehme und manchmal auch nostalgisch emotionale Regung. Dazu macht sich natürlich der fast überall durchscheinende Beatles-affine Sound positiv bemerkbar, was sicher für die Fans ebenfalls ausschlaggebend sein kann. Und obwohl ich normalerweise auf jedem Album irgendwelche Titel finde, die mich extrem langweilen, macht sich hier tatsächlich bei null Songs monotones Gähnen breit, hätte ich vorher eine Ahnung gehabt, wie vielseitig McCartney sein kann, hätte ich sicher bereits die letzten Werke aktiv gesammelt.

Wenn man mich nach meinem Lieblingsstück fragen würde, wäre zu einem natürlich das titelgebende "New" rein inhaltlich zu nennen, aber der größte Wurf ist für mich "Road", das als Bond-Soundtrack sicher recht gut funktionieren würde ;).

Für das mich sehr positiv überraschende "New" gibt es von meiner Seite her also keine Alternative als die volle Anzahl von Sternen, denn wenn man es schafft Innovationen trotz Treue zum eigenen Stil durchzusetzen, muss es schon ein Ausnahmekünstler sein.
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am 13. Oktober 2014
Das Durchhören eines neuen McCartney-Albums beinhaltet – mehr oder minder unbewusst - den Vergleich mit vergangenen Großtaten, seien es seine Beiträge bei den Beatles, mit den Wings (bei denen das meiste Material eh von McCartney selbst stammte) oder solo. Seit 1970 hat der Multiinstrumentalist viele Alben veröffentlicht, die auch heute noch aufgrund kompositorischer Meisterklasse, ausgefeilter Arrangements, guter Produktion und eingängiger Melodien bestehen können. Exemplarisch seien nur „Ram“, „Band On The Run“, „Tug of War“, „Flowers in the Dirt“ und „Chaos and Creation in the Backyard“ genannt. Nach dem eher durchschnittlichen „Off the Ground“ (1993) gab es kein mäßiges Studioalbum mehr, die Qualitätskurve ging stetig nach oben und verweilte zuletzt auf hohem Niveau. Umso gespannter war ich auf das neue Werk, erschien doch seit „Memory Almost Full“ (2007) kein neues Album mit durchgängig eigenen Songs, von der unter dem Pseudonym „Fireman“ veröffentlichen CD einmal abgesehen. Doch „New“ hat mich zunächst enttäuscht: drei bis vier gute Lieder, der Rest erschien mir wenig erinnerungswürdig. Doch spätestens nach dem dritten Durchgang weiß ich, dass ich dem Album Unrecht getan habe. Einmal mehr zieht McCartney auch hier alle Register seines musikalischen Könnens. Selbstzitate kommen zwar gelegentlich vor, einiges hat man so oder so ähnlich schon in anderen seiner Songs gehört, doch ein reines Selbstplagiat ist nicht dabei. Aus verschiedenen Stilen und Zutaten stellt sich McCartney mithilfe vier verschiedener Produzenten einen musikalischen Gemischtwarenladen zusammen, in dem es nie langweilig wird. Rockiges („Save Us“, „Alligator“) wechselt sich ab mit ruhigen, selbstreflexiven Stücken („Early Days“, „Hosanna“); psychedelischer Blues („Road“) folgt auf Beatles-Reminiszenzen („On My Way to Work“, „New“) auf experimentelles Liedgut („Appreciate“) und vieles mehr. Im versteckten Bonustrack liefert McCartney mit sparsamer Instrumentierung erneut eine seiner zeitlosen Balladen im Stile eines "Blackbird" und zeigt damit, dass er immer noch der Meister dieses Faches ist.
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am 4. November 2013
Während George Michael sich mit 45 Jahren bereis zu alt für die Popmusik gefühlt hat, zeigt Paul McCartney was auch mit 71 Jahren noch möglich ist. Für mich das beste Album seit Flaming Pie. Es bestätigt sich was bereits in den Konzerten (z.B. New York) zu sehen war: Paul hat derzeit richtig Spaß und ist in bester Spiellaune! Das Album ist rockig, erinnert mich teilweise an die guten Wings-Zeiten, ist aber wegen Einfluss aktueller Produzenten mit aktuellen Sounds ausgestattet. Macht einfach Spaß! :-)
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am 20. Januar 2017
Ich habe dieses Album für einen Fan, als Geschenk , bestellt.
Es kam sehr gut an. Wer die Musik mag , erfreut sich daran. Ich habe mit dieser Musik keine Erfahrungen , aber ich muss sagen , dass mir die Aufmachung sehr gut gefällt.
Sehr geschmackvoll und einige Extras dabei.

Auf jeden Fall empfehle ich das Album weiter! Zumindest für Fans ein sehr tolles Geschenk :)
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am 15. Oktober 2013
Für alle, denen meine Rezension zu lang ist, die Kurzfassung: McCartney hat ein mittelmäßig gutes Album herausgebracht, das nicht schlecht ist, aber eben auch nicht wirklich gut, das modern klingt (obwohl McCartney natürlich schon immer Experimente schätzte, man denke an "Press to play", an "Ou est le soleil", an "Electric Arguments" oder an das letzte Stück auf Chaos and Creation - aber mal ehrlich, das waren alles schwache Sachen), vielleicht zuerst gewöhnugsbedürftig, aber nicht wirklich mutig. Die Lieder sind nämlich zum großen Teil, wenn man sie "nackt" hören würde, typische McCartney-Stücke, wie man sie in den letzten 20 Jahren inzwischen schon hundert Mal gehört hat, den "off the ground"-Sachen nicht unähnlich. "Neu" ist nur, dass viele Produzenten die Stücke dann mächtig ausstaffiert haben, was unterschiedlich gut gelungen ist. Man kann das Album gut anhören, es rockt, es hat Balladen, es spielt mit Computern und TripHop, leider bleibt es insgesamt trotz aller bemühter Abwechslung von den Songs her oft langweilig, wobei einige Songs schon ganz gut sind. Aber ein Meisterwerk?

In seinem herzerwärmenden Vorwort deutet McCartney denn auch Zweifel an, ob es richtig war, vier verschiedene Produzenten für sein neues Album zu beschäftigen, darunter die Söhne der Produzenten-Legenden George Martin und Glyn Johns, wie üblich wischt McCartney aber alle Zweifel beiseite und redet wieder mal davon, wie locker alles gewesen sei. Das Album, das herauskam, ist dann aber doch nicht ganz so homogen und toll geworden, wie er gern möchte.
Auf jeden Fall merkt man McCartney an, wie sehr er gerne am Puls der Zeit wäre. Gelungen ist das nur bedingt.
Das erste Stück beginnt ungewöhnlich, rockt los und erinnert vage an Stoner Rock (naja), ist aber beileibe nicht das erste "harte" Stück, das McCartney schrieb (Helter Skelter; Rock Show usw), entfernt erinnert es noch an Helen Wheels, eines seiner schwächeren Wings-Stücke. "Save us" ist sehr gerade aus, aber in Ordnung. Es folgen einige Stücke, die auch alle ok sind, "On my way to work" z.B. ist ein lalala-Lied, wie es McCartney schon hundertmal geschrieben hat, klanglich im neuen Kleid. Immerhin ein interessanter break.
In "Early Days" behandelt McCartney wieder einmal sein altes Trauma. Nur er wisse, wie es gewesen sei, weil er dabei gewesen ist. Die anderen wüssten nicht "who did this and who did that". So kann er in seiner Biographie auch behaupten, er hätte ja Lennon immer beim Komponieren helfen müssen. Leider kann seiner Darstellung keiner mehr widersprechen, Lennon und Harrison leben nicht mehr. Der hu-hu-background-Gesang kommt einem bekannt vor (Goodbye Blue Sky von Pink Floyd?) Ausgerechnet das Titelstück "New" klingt am ehersten nach den Beatles, wenn man allerdings die aufgefahrenen Klangschichten wegnimmt, bleibt wieder wenig.
Ein erster größer Bruch passiert bei "Appreciate", das an Massive Attack oder Portishead erinnert und womöglich besser auf einem seiner Fireman-Projekte aufgehoben gewesen wäre. Vor allem Giles Martin, der schon das grässliche "Love" verbrochen hat, ist für den neuen, moderneren Sound McCartneys zuständig, er hat McCartney das neue Gewand verpasst, aber es ist ein bisschen wie bei des Kaisers neue Kleider. Bei "Looking at her" gibt wieder viel "programming" und zuviel Brimborium. Dabei ist McCartney immer am besten, wenn er einfach handgemachte Musik macht, wie auf dem wunderbaren hidden track, allein am Klavier, oder auch auf "Get me out of here", das den Verdacht bestätigt, dass McCartney sich unbedingt ein bisschen an den Zeitgeist anhängen will, in diesem Fall an Mumford and Sons. Klingt ein bisschen nach "Come on into my kitchen". Ziemlich furchtbar sind nach meinem Geschmack die uhu-hu-hu-/oho-ho-ho-Chöre (Everybody out there), wie man sie von all den bärtigen Folkies kennt, die gerade in sind. Ethan Johns war für die folkigen Sachen zuständig. Bei "I can bet" fragt man sich, weshalb McCartney nicht gleich Jeff Lynne eingeladen hat. Das Stück, das am wenigsten nach McCartney klingt, ist "Road", das, wie auch Track 1 und 4, mit Paul Epworth zusammen geschrieben wurde. "Turned out" beginnt wie ein Wings-Stück, insgesamt hat mich jedoch vieles von den Lieder von ihrer Struktur her an die Zeit von "Flowers in the dirt" und "Off the ground", ein ziemlich schwaches Album meiner Meinung nach, erinnert.

Dass die CD nach den Beatles klingt, wie macherorts behauptet wird, kann ich nicht unterschreiben. Auch wirklich mutige Neuerungen, wie seinerzeit bei McCartney II, sucht man vergeblich. Mich beschleicht das Gefühl, dass eine gewisse Einfallslosigkeit und Wiederholung durch die moderne Produktion, durch den sound verschleiert werden sollte (alter Wein in neuen Schläuchen). Dennoch insgesamt ein nicht schlechtes Album, das sicher noch wachsen kann. Dennoch: von den jüngeren Werken gefiel mir "Chaos and Creation" deutlich besser. McCartney wird die Kritik nicht kümmern, da er doch ziemlich von sich selbst eingenommen scheint, was man auch an den lyrics immer wieder ablesen kann ("Listen to me!"; "I know what it's like" usw.)
Also, des Kaisers neue Kleider: alle applaudieren (5 Sterne-Rezensionen) dem angeblich neuen Gewand, doch tatsächlich....
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