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am 20. April 2017
Warum war dieser Film kein Kassenschlager?
Man braucht ein paar Hintergrundinformationen abseits des Mainstreams, dann kann man zwischen den Zeilen viel "heraushören".
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am 7. Juli 2014
oder: der missglückte Versuch, WR gerecht zu werden

Ein schwieriger Mann, ein schwieriger Film. Ich sehe ein, dass es eine große Herausforderung gewesen sein muß, über Wilhelm Reich - gerade über seine letzten Jahre - einen Spielfilm zu machen, der sowohl seiner komplexen Persönlichkeit wie auch den gesicherten historischen Tatsachen gerecht wird. Aber das, was letztlich dabei herausgekommen ist, hat er nicht verdient. Ich kann nicht in den Lobgesang mancher "Reichianer" einstimmen, die diesen Film schon deshalb für gelungen erklären, weil er - vordergründig - für Reich Partei ergreift und nicht in die Trickkiste der wohlfeilen Gerüchte greift. Aber das ist auch schon alles Positive, was ich über diesen Film zu sagen habe.

Mein Fazit: im Film werden gesichterte historische Tatsachen gezielt und offensichtlich gewollt gefälscht und damit wird Wilhelm Reich wieder einmal - und wie so oft in der Vergangenheit - von seinen angeblichen Schülern und Bewunderen Gewalt angetan. "Gut gemeint" ist eben oft "schlecht gemacht". Letzten Endes wird das, was dieser Film verschleiert und verfälscht, wieder wie ein Boomerang auf Reich und sein Werk zurückschlagen.

Der Film ist ein "Biopic", also eine filmische Biographie. Wahrscheinlich muss ein Spielfilm derart komplexe Zusammenhänge vereinfacht darstellen, aber hier werden gesicherte Fakten und ziemlich dreiste Verdrehungen und Fälschungen so zusammengewürfelt, dass - wieder einmal - eine grundsätzlich verfälschte Version von Reichs Leben veröffentlicht wurde. Der Zuschauer, der die Fakten nicht kennt - und kaum jemand wird sich in die Tatsachen genau eingerbeitet haben, bevor man sich den Film ansieht - muss den Eindruck bekommen, dass Reich einer staatlichen Verschwörung verschiedener Behörden zum Opfer gefallen ist. Es ist das Märchen, das heute in der alternativen Szene so gerne geglaubt wird und das in unzähligen Verschwörungs-Veröffentlichungen unhinterfragt kolportiert wird.

Was ist verfälscht worden? Es geht um viele kleine Details. Die meisten sind nicht gravierend, und es würde ein sehr langer Artikel werden, wenn ich auf alle fehlerhaften Details eingehen wollte, die mir aufgefallen sind, aber in der wichtigsten Verdrehung der Tatsachen geht es um den hauptsächlichen Plot des Films, um die Ursachen der Verfolgungen, denen Reich sich in seinen letzten 10 Jahren in den USA ausgesetzt sah und es geht um die Personen, die dahinter standen.

"The Strange Case of Wilhelm Reich" heißt dieser Film im in seiner englischen Originalversion. Und "The Strange Case of Wilhelm Reich" war der Titel des Artikles von Mildred Brady, einer Journalistin, die sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen bei Reich eingeschlichen und bei ihm - der sich nach der Pleite mit Einstein der Öffentlichkeit weitgend entzogen hatte - ein Interview ergattert hatte. Dann hat sie im Stil des investigativen Journalismus einen diffamierenden Artikel veröffentlicht, eine Mischung von Tatsachen, dreisten Lügen und schleimigen, sexualisierten Anspielungen, der Reichs Arbeit im Forschungsinstitut Orgonon ins Perverse verzerrte - Wilhelm Reich als eine real existierende Version von Frankenstein. Das Resumee des Artikels war, dass Brady die Behörden aufforderte, sie sollten dem Treiben Reichs ein Ende bereiten. Dieser Artikel - und dass emotionell pestilente Personen ihn für bare Münze und als Anlass nahmen, gegen Reich vorzugehen - hatte die jahrelangen juristischen Verfolgungen Reichs, die Zerstörung seiner Arbeit, die Verbrennung seiner Bücher und die gerichtliche Entscheidung "es gibt keine Orgon-Energie" zur Folge, die in den USA heute noch gilt. Diese Ereignisse brachten Reich schließlich ins Gefängnis wo er kurz vor seiner Entlassung viel zu früh verstarb.

Obwohl der Film in seinem (englischen) Titel direkt auf den Brady-Artikel anspielt, kommen weder der Artikel noch Mildred Brady im Film vor. Ich konnte das zunächst gar nicht glauben. Warum sollte dieser zentrale Aspekt verschwiegen werden? Schließlich geht es in diesem Film hauptsächlich genau um diese Frage: Wie kam es zu den Verfolgungen, denen Reich sich in seinen letzten Jahren ausgesetzt sah?

Man sollte meinen, Reichs Geschichte könnte einen gute Grundlage für einen spannenden Spielfilm sein, es könnte ein Gerichtsthriller daraus werden wie z.B. "Die Akte" oder "Philadelphia". Herausgekommen ist ein verwirrendes Sammelsuruim von Szenen, die sich der Zuschauer selbst im Kopf zu einer Handlung zusammensetzen muss. Ein typisch deutsch-österreichischer Autorenfilm: staubtrocken, anstrengend, belehrend und langweilig wie eine Schulfernsehsendung. Letztlich macht er dasselbe wie der Brady-Artikel. Tatsachen, Erfindungen und Unterstellungen werden so zusammengemischt dass die Zuschauer mit einer hintergründigen "Botschaft" versorgt werden können. Das ist Manipulation. Hier wird "zum Wohle Reichs" manipuliert.

Reichs Leben ist voll von herzzerreißenen und schaurigen Geschichten: Er hatte bereits als Kind Sex mit einer Hausangestellten und er selbst hat dies eher als einen Vorteil seiner Biographie dargestellt. Er hat seinem Vater die Untreue seiner Mutter verraten, die sich daraufhin das Leben nahm und auch der Vater verstarb kurz darauf (an einer Grippe, aber auch an an Lebensüberdruss). Als 17jähriger war er Gutsbesitzer in der Bukowina und er musste seinen Hof auf der Flucht vor den einmarschierenden Russen verlassen. Ein Jahr später war er an der italienischen Front eingesetzt und überlebte als einziger seiner Division. Dort verliebte er sich in eine verheiratete Frau und erlebte die erfüllende sexuelle Liebe. Es war der Trigger für das, was er dann später als Freud-Schüler erforschte: er hat als erster Arzt die wissenschaftliche Frage gestellt, was sexuelle Gesundheit und die wahre Funktion des Orgasmus ist, und er hat damit gleichzeitig auch die Tatsache enthüllt, dass alle Psychoanalytiker selbst im sexuellen Sinne krank sind - was diese mit seinem Ausschluss aus der Psychoanalyitischen Vereinigung beantworteten. Er wurde von den Nazis als Jude, von den deutschen Kommunisten als Revisionist und von der skandinavischen Skandalpresse als Sexguru verfolgt und er floh auf dem letzten Schiff vor Ausbruch des 2. Weltkriegs in die USA. Reich hat seinen besten Freund - Theo Wolfe - und seine Frau Ilse so lange mit Wutausbrüchen und Unterstellungen bombardiert, sie hätten hinter seinem Rücken eine Affäre gehabt, bis Wolfe sich zu Tode gesoffen und Ilse Reich verlassen hat. (Im Film ist Ilses Trennung weitgehend unmotiviert dargestellt.)

In dieser Weise könnte ich eine Story nach der anderen benennen. Reichs Leben war gleichzeitig Schicksalsroman, Wissenschaftskrimi und Agententhriller, aber das alles sind Tatsachen, historisch belegbar. Nichts davon kommt im Film vor.

Und so bleibt auch völlig unklar, warum Reich denn von Gerichten und Gesundheitsbehörden in einen existenzvernichtenden Strudel von Verfolgungen und Intrigen verstrickt wurde. Aus einer gut recherchierten Folge von Tatsachen, die z.B. in den Büchern "Wilhelm Reich - der heilige Zorn des Lebendigen" von Myron Sharaf, in "USA gegen Wilhelm Reich" von Jerome Greenfield oder auch in der Biographie seiner Ehefrau Ilse Ollendorf vollkommen deutlich und für jedermann nachvollziehbar aufgeschlüsselt wurden, wird in diesem Film ein Konglomerat von düsteren Verschwörungstheorien, dunklen Andeutungen und Vermutungen, aus denen der Zuschauer, der sich nicht detailliert mit dem Leben Reichs auseinandergesetzt hat, den Eindruck bekommen muss: Irgendwelche Behörden, "die da oben", "die Regierung", "der CIA", "das FBI", "die FDA", "die Justiz" oder wer auch immer, müssen ein prinzipielles Interesse daran gehabt haben, Reich und sein Werk zu zerstören. Damit wird allenfalls dem paranoiden Weltbild professioneller Verschwörungstheretiker Rechnung getragen. Wilhelm Reich wird damit posthum Unrecht angetan.

Ständig laufen im Film düster dreinblickende Männer in grauen Regenmänteln und mit grauen Hüten herum, die anonym offenbar Böses im Schilde führen - fast kam ich mir vor wie bei "Momo", wo die grauen Männer den Menschen die Zeit stehlen. Dieses mal stahlen sie mir die Zeit. Verschwörungs-Kitsch.

Natürlich darf ein Autor und Regisseur einen Film machen, in dem er die Verfolgungen gegen Reich auf seine Weise interpretiert. Aber hier wird etwas durch und durch Unredliches getan: Es werden historische Tatsachen genommen und zitiert und dann werden die Tatsachen verdreht, indem Entscheidendes einfach nicht gezeigt wird oder es wird dreist gelogen. Selbst im Abspann wird dem Verschwörungstheorie-Gedanken gehuldigt, indem behauptet wird, dass eine Autopsie Reichs verhindert wurde, was einfach nicht stimmt (Eva Reich hat der Autopsie widersprochen und nicht wie scheinheilig unterstellt wird, irgendwlche Behörden). Das hat der Regisseur im Nachhinein in einem Interview auch zugegeben. Wozu also solche Fälschungen historischer Tatsachen? Das muß einen Grund haben, und das interessiert mich - es ist eigentlich das einzig Interessante an diesem Film.

So wird - weil die wahren handelnden Personen (bis auf Reichs Ex-Anwalt und den ihn später verfolgendnen Staatsanwalt Peter Mills - im Film Peter Hills) nicht gezeigt werden - ausgerechnet Reichs letzte Partnerin Aurora Karrer als Verräterin dargestellt. Aber Aurora war eine (wahrscheinlich heute noch) lebendige tatsächliche Person, die hier zum Sündenbock gemacht wird. Was im Film nicht gezeigt wird: Aurora war in den letzten zwei Jahren Reichs Lebenspartnerin. Mit ihr - die ihm als eine der ganz wenigen Menschen auch im Gefängnis zur Seite stand - hatte er vor, nach seiner Entlassung in die Schweiz zu gehen und dort ein neues Leben anzufangen, ein neues Institut aufzubauen. Es mag den Tatsachen entsprechen, dass Aurora Karrer vom FBI unter Druck gesetzt wurde, als Informantin gegen Reich auszusagen - darüber weiß ich nichts. Aber dass sie Reich verraten hat, ist pure Erfindung.

Es geht also um Verschwörungstheorien. Der Film bedient ein Klischee, das hier in Europa vollkommen anders aussieht als in den USA. Schon Reich selbst und seine Nachfolger in den USA sind voll in die Verschwörungsfalle getappt. Reich hatte geglaubt, die Verfolgungen wären auf die Kommunisten, aus der Sowjetunion gesteuert, zurückzuführen und er konnte sehr ausfallend und verletzend werden, wenn jemand es wagte, seine Verschwörungstheorien in Frage zu stellen. Jedoch: Wenn Wilhelm Reich an Verschwörungen glaubte, nachdem er die Nazis, die Kommunisten, die Klatschpresse, die Staatsanwaltschaft und die FDA an seinen Hacken gehabt hatte, ist sein Glaube an Verschwörungen zumindest nachzuvollziehen. Jemand, der real verfolgt wurde, leidet wohl kaum an Verfolgungswahn, selbst wenn er nicht in jeder Situation die Übersicht hat, wer ihm denn gerade jetzt an den Kragen will. Aber die heutigen Neo-Verschwörungstheoretiker hatten nie mit HAARP-Sendern oder mit Chemtrail-Flugzeugen, mit der NSA, mit Islamisten oder anderen boshaften Institutionen zu tun über die sie sich in Internet-Foren ereifern. Es sind wohlfeile Gerüchte der neurotischen Wohlfühlgesellschaft, die man mit demselben wohligen Gruseln konsumiert wie am Sonntag den Tatort. Dennoch sind europäische Verschwörungstheoretiker offenbar anders gepolt als amerikanische.

Wenn man das aktuelle Buch von Charles Konia (ein führender Kopf im American College of Orgonomy) "The Emotional Plague" liest, kann man erstaunt feststellen, dass man als Linker oder als Liberaler schon an einer schwerwiegenden emotionellen Peststörung leidet und dass auch so etwas wie Gewerkschaften und deren Arbeitskämpfe ernstzunehmende Krankheitssymptome sind. Die amerikanischen Orgonomen sind stramme Rechte und stimmen Töne an, die wohl eher in die Teaparty-Ecke gehören.

Die Filmemacher standen also im Konflikt: Die europäischen Reich-Anhänger (wie auch die Filmautoren) sind in der Mehrzahl (aktuelle oder ehemalige) Linke und die amerikanischen Reichianer sind (vorwiegend stramme) Rechte. Man will den Film doch beiderseits des Antlantiks vermarkten. Was tut man? Man sucht eine Person, der man den ganzen Scheiß in die Schuhe schiebt und die im Auftrag irgendwelcher grauer Männer, den guten, sympathischen Wilhelm Reich ans Messer liefert. Es ist das Wesen der Verschwörungstheorien: Desinformation wird als "Aufklärung" maskiert.

Ich will ein Beispiel für die Unverfrorenheit benennen, mit der Aurora für alles "Böse" eingespannt wird. Zunächst die historischen Fakten: Als die FDA (die US-Gesundheitsbehörde) nach dem Brady-Artikel aktiv wurde, wollte sie die Unwirksamkeit der Orgonakkumulatoren beweisen und hat der Mayo Klinik - der damals wie heute renommiertesten Krebsklinik der USA - dafür einen Forschungsauftrag erteilt. Dr. Richard Blasband, der spätere Direktor des American College of Orgonomy, war als Student an diesen Untersuchungen an der Mayo Klinik beteiligt und er hat mir 1989 in einem Interview selbst erzählt, was damals geschah: Nach jeder Behandlung von Krebskranken im Orgonakkumulator verbesserten sich deren Laborwerte signifikant. Erst als man jeden Patienten nur einmal und nur weniger als 5 Minuten in den Akkumulator setzte, waren keine positiven Wirkungen mehr feststellbar. Daraufhin wurden alle Untersuchungsprotokolle, die bis dahin entstanden waren, vernichtet und die Untersuchung wurde noch einmal so durchgeführt, dass jeder Patient nur einmal für weniger als 5 Minuten im Akkumulator saß. Diese Untersuchungen rechtfertigten dann das Ergebnis, dass die FDA bestellt hatte, nämlich dass der Orgonakkumulator unwirksam ist - obwohl die Mayo Klinik genau das Gegenteil bewiesen hatte: Dass der Akkumulator gerade bei Krebspatienten im hohen Maße positiv anschlägt.

Im Film wird das dieses Szenario so abgehandelt (ich beschreibe den genauen Ablauf der Szene):

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Ein Mann im grauen Mantel und mit grauem Hut (ein Agent) steht am See und raucht. Aurora kommt über die Steine kletternd auf ihn zu. Es ist offenbar ein konspiratives Treffen. Sie stellt sich einen Meter hinter ihn. Keine Begrüßung.

Agent: (ohne sich zu zu ihr zu drehen) Wie kommen Sie voran?

Aurora: Ich denke, ganz gut. Allmählich vertraut er mir.

Agent: (dreht sich zu Aurora) Gibt es über die Sex-Kisten etwas zu berichten?

Aurora: Er nimmt an, dass die meisten Menschen vor allem an sexuellen Blockaden leiden. Folglich ist die Reaktion im Akkumulator häufig sexueller Natur.

Agent: Und? Wie war das bei Ihnen?

Aurora: (fasst sich peinlich berührt an den Hals) Viele seiner Patienten berichten von bemerkenswerten Heilerfolgen durch Nutzung der Akkumulatoren. Er hat sogar bei Krebspatienten Erfolge erzielt.

Agent: (holt ein Zigarettenetui heraus, hält es Aurora geöffnet hin) Und?

Aurora: (nimmt sich eine Zigarette) Aber Sie könnten in einer Testreihe beweisen, dass die Akkumulatoren absolut wirkungslos sind.

Agent: (gibt Aurora Feuer) Was meinen Sie damit?

Aurora: Sie müssten bloß sicherstellen, dass sie nur für kurze Zeit während ihrer Sitzung benutzt werden.

Ein Hund läuft im Hintergrund ins Bild, der Hund bellt.

Aurora: (dreht sich zum Hund um) Sie müssen sofort verschwinden. Der Hund ist immer in seiner Nähe.

Der Agent geht, verschwindet hinter einem Felsen. Aurora trifft auf Reich.

Reich: Was machen Sie denn ganz allein hier am Ufer?

Aurora: Ich hab' frische Luft gebraucht.

Reich: Frische Zigarettenluft? (sieht zu den Bäumen hoch) Mögen Sie auch Bäume?

Aurora: Ja.

Reich: Die sind ein wahres Wunder der Natur.

Reich ruft nach seinem Hund und geht weiter.

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Es sind also nicht die übereifrigen Ärzte der Mayo Klinik, die sich als willfährige Schergen den Verfolgungsbehörden von sich aus andienten, sondern es war "Auroras Verrat". Ich kann mir einen weiteren Grund für diese Geschichtsfälschung vorstellen: Vielleicht wollten die Filmproduzenten die Vermarktung des Films in den USA nicht mit einem wahrscheinlich sehr teuren Prozess der Mayo Klinik gegen dessen Veröffentlichung belasten.

Das ist die Krux an allen Verschwörungstheorien: die Hölle, das sind "die anderen". Menschen rechtfertigen ihr eigenes neurotisches und emotionell pestilentes Verhalten, indem sie irgendwelche dunklen Mächte außerhalb von sich selbst für "das Böse" verantwortlich machen. "Projektion" im klassischen Sinne. So sind sich österreichische Filmemacher nicht zu schade, die Verfolgung Reichs einer jungen (heute alten) Frau in die Schuhe zu schieben, deren einziger Fehler es war, sich nach Reichs Tod nicht lautstark in (die reichianische) Szene zu setzen. Es ist ein lebender, fühlender Mensch, der hier gerichtet wird, es ist die Frau, die Reich in seinen letzten zwei Jahren geliebt hat und die ihn geliebt hat. Die emotionelle Pest hat keine Achtung vor der Liebe - sie ist daran interessiert, die Liebe mit allem möglichen Dreck zu besudeln. Das war eines der wichtigsten Forschungsbereiche Wilhelm Reichs in den letzten 10 Jahren: die Funktionen der emotionellen Pest.

Dr. Richard Blasband - der Arzt, der als Student an den Fälschungen der Mayo Klinik beteiligt oder zumindest ihr Zeuge war - wird im Abspann als medizinischer Berater genannt. Rebecca Blasband war für das englische Script mit verantwortlich. Die Filmemacher handelten also sehr wahrscheinlich im Wissen um die Tatsachen und in voller Absicht.
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TOP 500 REZENSENTam 10. Dezember 2013
Ich habe vor 20 Jahren die Bücher von Reich verschlungen, weil ich wissen wollte worin der Zwist zwischen Freud und Reich bestand. Dazu würde ich sagen, der Schüler ist über seinen Meister hinausgewachsen und hat den Menschen umfassender gesehen und nicht nur als Sklaven seiner Triebe und Fehlentwicklungen. Es wurden die Schriften von Freud und Reich verbrannt, weil die Psychoanalyse den Nazis suspekt war, sie könnte ja einen Beitrag zur Emanzipation und sexuellen Befreiung leisten . Außerdem hatte Reich einen ansatzweise jüdischen, familiären Hintergrund.
Ein anderer Rezensent vergleicht die Orgon- Forschungen Reichs mit denen von Viktor Schauberger, und Nikola Tesla. Diesen Vergleich finde ich berechtigt. Tesla baute in den 30 ger Jahren bereits eine Autokarosserie aus Pflanzenfasern. Schauberger eine „Wasserturbine“, die er sogar als Antrieb für einen Flugkörper verwenden wollte.
Reich hat mit seinen „Wetterexperimenten“ und ebenfalls mit einer Verbindung von Nuklear- und Orgonenergie experimentiert, wobei er feststellte dass die Wirkung viel höher als erwartet war. Er hat sich bei diesem Experiment auch Strahlenschäden zugezogen und hatte ohnehin Herzprobleme, deswegen halte ich es für möglich, dass er einfach auch eines natürlichen Todes im Gefängnis gestorben ist. Seine Nichtanerkennung hat ihm „das Herz gebrochen“.
Wenn man damals vor dem Orgon Akkumulator so große Angst hatte, diesen Menschen und genialen Erfinder zu zerbrechen, dann frage ich mich, warum hat seine Tochter Eva Reich diese Forschung später nicht weitergeführt? Die Zutaten zu einem solchen Akkumulator kann man aus dem Internet bestellen, das meiste daran, ist im Baumarkt zu finden.
Wenn an der Krebsheilung etwas dran ist, warum versucht niemand die Erfolge zu reproduzieren?
Ich finde es gut, dass durch den Film, die Person Wilhelm Reichs wieder in die Diskussion gerät. Der Film ist mit exzellenten Schauspielern besetzt, also cineastisches Vergnügen ist angesagt. Ob man sich dabei an historische Fakten gehalten hat, oder mehr künstlerische Freiheit angestrebt hat, finde ich nicht ganz so wichtig. Denn die Fakten kann man in vielen Büchern nachlesen.
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TOP 1000 REZENSENTam 23. Januar 2015
Ein Film kann immer nur den Versuch unternehmen, ein Bild der Wirklichkeit zu zeichnen. In der zurückhaltenden Information an die Zuschauer heißt es: "Nach einer wahren Begebenheit". Wer nicht zu den 68ern gehört und die Schriften des dem Marxismus nahestehenden Psychiaters Wilhelm Reich über die sexuelle Revolution in Raubkopie auf dem Campus erworben hat oder später in den mittlerweile geschlossenen Läden des 2001-Verlages im Gesamtwerk gestöbert hat, weiß womöglich gar nichts über den umstrittenen Psychoanalytiker und Zeitgenossen Sigmund Freuds und Albert Einsteins. Der Film schafft Abhilfe. Der Regisseur Antonin Svoboda macht Wilhelm Reich und seine Tochter Eva Reich nicht zuletzt über die beiden Hauptdarsteller Klaus Maria Brandauer und Julia Jentsch, die in Sophie Scholl - Die letzten Tage kongenial die Sophie Scholl verkörperte, einem großen Publikum überhaupt erst einmal bekannt. Der Schwerpunkt liegt auf Reichs Jahren in den USA, in denen er sich als "Orgon"-Therapeut und Regenmacher betätigte.

In den Augen der etablierten Wissenschaft gelten die Forschungen Reichs bestenfalls als Pseudowissenschaft und schlimmstenfalls als Scharlatanerie. Dabei war die wissenschaftliche amerikanische Psychiatrie der 1940er und 1950er Jahre durch die allerbrutalsten Behandlungsmethoden geprägt, auf die sich sogar die Familie der Kennedys einließ. In Posener John F. Kennedy: Biographie liest man, daß Joseph Kennedy an seiner geistig behinderten Tochter Rosemary, der jüngeren Schwester von John F., nachdem sie verhaltensauffällig wurde, eine partielle Lobotomie durchführen ließ. Das ist eine Operation, die man wegen der partiellen mechanischen Zerstörung des Frontallappens, also eines persönlichkeitsrelevanten Gehirnareals, eigentlich nur Nazi-Ärzten zugetraut hätte, die aber in den USA bis in die sechziger Jahre tausendfach durchgeführt wurde. De facto kommt die Lobotomie der Liquidierung der betreffenden Person gleich.

Im Film tritt Dr. Donald Ewen Cameron, der damalige Vorsitzende der amerikanischen psychiatrischen Vereinigung, der mit eigenen brachialen Methoden die Persönlichkeit von Patienten auslöschte und sie auf das Niveau von Kleinkindern brachte. Im Film verschuldet er unter zynischer Verletzung des hippokratischen Eides den Tod eines achtzehnjährigen Patienten, nachdem er dessen Frontalhirn gezielt operativ beschädigt hatte.

Dem Regisseur gelingt es, den Zuschauer zu verunsichern: Die Grenzen zwischen Wissenschaft und Scharlatanerie verschwimmen, die Trennung von Gut und Böse wird unscharf. Im Abspann heißt es über Cameron, der übrigens psychiatrischer Gutachter bei den Nürnberger Prozessen war: "1957 wurde Dr. Cameron von der CIA beauftragt, MKULTRA zu entwickeln, die Grundlage für KUBARK, dem Handbuch für Verhör- und Foltermethoden der CIA. Die im Buch beschriebenen Methoden werden heute noch eingesetzt." Das entspricht den Tatsachen und es ist guter Brauch, den Nachspann einer filmischen Erzählung für gesicherte Fakten zu reservieren.

Daß die amerikanischen Behörden eine Autopsie Reichs verboten haben, ist jedoch die Erfindung des Regisseurs. Sie gehört damit zur Erzählung, wird jedoch von Svoboda unzulässigerweise in den Nachspann plaziert. Der FBI-Direktor J. Edgar Hoover soll seinerzeit sogar persönlich über das Ergebnis der Autopsie, die eine schwere Aorta-Verengung ans Licht brachte, informiert worden sein.

FAZIT
Wegen der Vermischung von Fakt und Fiktion im Abspann gebe ich drei statt fünf Sterne. Eine solche Desinformation des Zuschauers ist einfach inakzeptabel. Trotzdem ist dem Regisseur die allerbeste Spielfilmunterhaltung gelungen, die es schafft, das Minimum an Allgemeinbildung über den Zeitgeist und die Zeitumstände jener Jahre zu vermitteln. Es ist eine Erzählung über Wilhelm Reich, die man zwar als eine begreifen muß, die sich bewußt über Fakten hinwegsetzt und vieles wegläßt, die man aber unbedingt gesehen haben muß.

Wem das zuviel ist, kann sich ja wenigstens "Cloudbusting" auf The Whole Story von Kate Bush anhören oder sich das offizielle siebenminütige "Cloudbusting"-Video auf Youtube ansehen, in dem Kate Bush Peter, den kleinen Sohn Reichs, und Donald Sutherland Wilhelm Reich spielt ;-).
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am 8. November 2013
Ein Film, in dem der Mensch Wilhelm Reich und seine Arbeit wieder präsent werden. Er hat die Psychoanalyse weiterentwickelt, in dem er erkannte, dass für eine gesunde Entwicklung, wie auch die Heilung von psychischen Erkrankungen die Einbeziehung des Körpers unumgänglich ist. Diese Erkenntnis ist inzwischen in allen Bereichen, die sich mit Gesundheit beschäftigen angekommen, ohne bewußt zu machen, dass Wilhelm Reich dafür die Grundlagen gelegt hat.
Vielen Dank an die Filmemacher mit dem Wunsch, dass der Film viele Zuschauer finden möge.
Christel Heberlein
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am 9. Juni 2014
abgesehen davon, dass Klaus Maria Brandauer mein absoluter LIeblingsschauspieler ist: Die Story finde ich gut aufbereitet und ziemlich nahe an der wirktlichen Historie, soweit ich das nach meinen eigenen Recherchen beurteilen kann. Ein Film zum immer wieder anschauen. Lädt ein zum Hinterfragen des Establishments, egal in welcher "Branche".
Schade, dass Wilhelm Reich nahezu in Vergessenheit geraten ist. Gottlob trägt dieser Film dazu bei, dass er und seine rebellischen Gedanken nicht ganz verschwinden.
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am 9. September 2013
Als Psychiater und Schüler von Sigmund Freud beschäftigte sich Dr. Wilhlem Reich hauptsächlich mit dem Fließen und Erstarren der Lebensenergie, die er Orgon nannte.
Dr. Wilhelm Reich schrieb einige aufklärerische Bücher von "Äther, Gott und Teufel" in dem er sich auch mit der Erdexpansion beschäftigte über "Christusmord" bis hin zu "Massenpsychologie des Faschismus".

Eine wirklich sehr interessante Persönlichkeit, die in dem Film von niemand geringerem als Klaus Maria Brandauer verkörpert wird.
Allein schon diese Tatsache macht den Film interessant.
Nur gibt es diesen Film nicht zu kaufen!
Zufall? Oder soll man diesen Film nicht sehen?

Schließlich verfolgte man Reich im Nationalsozialmus ebenso wie später im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten".
Offenbar hatte Reich einiges entdeckt, was den Herrschaften in Deutschland ebenso unangenehm war, wie den Herrschaften in den USA.

Reich glaubte durch die Anwendung seines Orgon-Akkumulators die Lebensenergie wieder stärken und sogar Krebs besiegen zu können.
Diese alternativen Thearapieansätze brachen später auch den Doktoren Issels und Hamer "das Genick".

Spricht man bei Bücherverbrennungen immer vom Dritten Reich, so muß man bedenken, daß hier auch die angeblich so liberalen USA die ganzen Bücher und Gerätschaften des Dr. Reich verbrannten und verboten hatten.
Was war die Ursache, daß die mächtigen USA vor einem einzelenen Mann wie Dr. Reich oder Victor Schauberger und seinen Entdeckungen eine solche Angst haben mussten?

Ging es etwa um die Entdeckung von Dr. Reich mit der er es in der Wüste regnen lassen konnte? (OROP, Wüste und DOR)
Dies wäre der Natur und den Menschen sehr nützlich, wird aber sih von den Hintergrundmächten ebenso unterdrückt, wie die Erfindungen des Nikola Tesla, die es ermöglichten für jedermann ohne jeden Umweltschaden (Cernobyl, Fukushima) Strom zu erzeugen.
Der Nachteil an der Entdeckung Teslas war, daß daran kein Großkonzern etwas verdienen konnte. Die Energie war, im Gegensatz zur kernenergie, nicht monopolisierbar.

Merkwürdig, daß alle Naturforscher, die etwas natürlich entdeckten, was die großen Monopole zum Einsturz bringen konnten beseitigt wurden.
Tesla, Schauberger, Reich, Hamer...
So sollen ja auch zumindest Schauberger und Reich in den USA ermordet worden sein.

Um so interessanter ist die Lektüre der Bücher dieser Herren.
Sicher wäre auch der Film interessant, aber den kann man ja nicht bekommen.
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am 17. Dezember 2013
DVD mit dem Spielfilm hatte Defekte beim Abspielen.
2. DVD lief einwandfrei.
Das heisst es lag nicht am Player.

Habe die DVDs retourniert und anstandslos mein Geld zurückbekommen.
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am 5. März 2014
Der Film ist trotz Brandauer ein Flopp. Die Dokumentations-DVD ist dagegen außerordentlich gut. Kann ich nur empfehlen.
Auf jeden Fall, ERST die Doku ansehen.
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am 5. März 2015
der film ist in österreich über die EDITION DER STANDARD erhältlich
[...]

einfach immer wieder ansehen und staunend genießen
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