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Kundenrezensionen

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am 2. Oktober 2013
Das Buch ist im ursprünglichen Sinn des Wortes eine radikale Kritik. Im Gegensatz zu anderen Kritikern wirft Kurt Flasch der Kirche nicht ihre gesammelten Untaten an den Kopf. Er zerlegt stattdessen als anerkannter Experte für das spätantike und frühmittelalterliche Denken die geistigen Grundlagen des Christlichen Glaubens. Seine Grundthese ist, dass es gar keinen historisch durchgehenden christlichen Glauben gibt. Dies sei am Beispiel des Seelenbegriffs erläutert:
"Heute überlagern sich im Seelenbegriff des Christentums drei archäologische Schichten:
Zuunterst die neutestamentliche Erwartung baldiger Auferstehung der Toten,
zweitens die Tröstung mit dem Übergang der Geistseele in die Ewigkeit,
drittens die mehr oder minder halbherzige Hume-Nachfolge, also Kritik am substanziellen Seelenbegriff. Natürlich will niemand die Wort 'Seele' verbieten oder auch nur entbehren; was in Frage steht, ist allein ihr Charakter als zeitüberlegene Substanz und damit der frühere philosophische Beweis ihrer Unsterblichkeit."

Der Autor analysiert sehr präzise und dennoch auch für einen Laien verständlich die zeitliche Bedingheit und den historischen Wandel des Christlichen Glaubens. Er zitiert zahlreiche Widersprüche in den Evangelien, die darauf zurückzuführen sind, dass sie jeweils in einem anderen historischen Kontext gemacht wurden. Es ist nicht das Ewige Wort Gottes sondern offensichtlich ein von Menschen in ihrer jeweiligen historischen Situation gemachtes Konstrukt. Flasch zeigt auch sehr schön, dass man moderne Theologie nicht mehr nach rationalen Kriterien betreiben kann. Es gibt zuviele historische Widersprüche, zuviel historischen Ballast, den man nicht mehr unter einem (rationalen) Hut bringt. Ein Beispiel dafür ist die Hl. Dreifaltigkeit und die logisch damit eng zusammenhängende jungfräuliche Geburt Mariens. Andere Konstrukte wie die Gnadenlehre des Augustinus sind in ihrer Menschenverachtung nur abstossend.
Der Autor ist in einer liberal-katholischen Umgebung aufgewachsen. Er beschreibt seine Abkehr vom Christentum als den Gewinn intellektueller Fröhlichkeit:
"Ich habe nichts weggeworfen außer Formeln; mir fehlt nichts was ich einmal hatte. Ich habe nur etwas genauer hingesehen, und dabei bröckelte die barocke Stuckherrlichkeit alter Beweispaläste ab. Ich habe an Inhalt nichts verloren: Ich kenne die Entwicklungsschritte Jahwehs; ich lehne seine Opfersucht und Blutrünstigkeit ab; ich beteilige mich nicht an der Lobhudelei, die er sich wünscht. Der himmlische Hofstaat ist schöne orientalische Poesie".

Ich bezweifle nicht, dass dies für den Autor zutrifft. Für die Menschheit allgemein bin ich jedoch skeptisch. Ich hatte in meiner Jugend die Hoffnung, dass sich die Weihrauchschwaden verziehen und damit der Blick der Menschheit etwas klarer wird. Das wäre besonders im vom dumpfen, gegenreformatorischen Katholizismus geprägten Österreich eine notwendige Aufgabe. Der Einfluss der Katholischen Kirche ist stärker und schneller zurück gegangen, als ich jemals zu hoffen wagte. Ich kann allerdings keinen entsprechenden Zuwachs an Aufklärung erkennen. Es hat sich stattdessen ein unglaublicher esoterischer Aberglaube und ein beliebiger Mix aus dem Religionssupermarkt breit gemacht. Aber das ist eine andere Geschichte, die mit dem Anliegen des Autors direkt nichts zu tun hat.

Wer eine geistreiche und fundierte Kritik des Christentums - aller Schattierungen - lesen möchte, sollte sich dieses Buch zulegen. Es ist keine oberflächliche Polemik. Man muss ein bisserl mit- und nachdenken um den Autor folgen zu können. Es tut aber wohl, dass inmitten des modernen Getöses noch derartige Bücher geschrieben werden.
133133 Kommentare| 154 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. September 2014
Das Buch hat m.E. einige Vorzüge: Es ist über weite Strecken verständlich geschrieben und, was den Umfang betrifft, in kurzer Zeit zu bewältigen; der Autor geht von seinem persönlichen Zugang und seiner Geschichte aus; er fundiert seine Argumente mit genauen Bibel- und Geschichtskenntnissen; er polemisiert nicht, will nicht zum Atheismus bekehren, sondern gibt "bloß" zu bedenken.
Allerdings hat das Buch auch ein paar Schwächen: gerade das Kapitel über den Gott der Philosophen ist ohne Vorkenntnisse schwer zugänglich; und die beiden letzten Kapitel (über die Seele und Himmel und Hölle) sind etwas dünnflüssig geraten, als ob der Autor unter Zeitdruck geständen wäre.
Dennoch: Die Vorzüge überwiegen und müßten jedem/jeder, der/die bereit ist, sich auf die präsentierte Faktenlage einzulassen und den eigenen Glauben oder Unglauben zu reflektieren, zumindest zu denken geben. Und wer nach der Lektüre weiterhin glaubt, kann dies nur begründen mit dem geflügelten (und treffenden) Wort: Credo quia absurdum est...
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am 2. Januar 2014
Als Autor eines fast gleichnamigen Buches ist es mir eine Freude, diese Rezension hier einzustellen:

Schon vor Jahren hat ein Großer seiner Zunft, Herbert Schnädelbach, Professor für Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin, sich vom Christentum verabschiedet. Wiederum gilt es auf eine Neuerscheinung aufmerksam zu machen, verfasst von Kurt Flasch, einem ebenfalls hoch angesehenen Repräsentanten der deutschen Philosophie, seines Zeichens Philosoph und Historiker, ausgewiesen in antiker und mittelalterlicher Philosophiegeschichte. Schon der Titel seines Buches lässt an Klarheit der letztendlichen Aussage nichts zu wünschen übrig: »Warum ich kein Christ bin«. Auch er stellt sich zum Ende seines beruflichen Wirkens und angesichts seiner 83 Jahre und des unvermeidlichen eigenen Schlusspunktes die Frage nach der Wahrheit, die angeblich im christlichen Glauben verborgen liege.

Nicht traumatische Erfahrungen mit Kirche und Pfarrern, im Gegenteil freundliche Erinnerungen an Begegnungen mit bischöflichen Freunden im Elternhaus und an aufopferungsvolles Verhalten von Christen gegenüber Verfolgten in der Nazidiktatur lassen Flasch ein positives Verhältnis zu Christenmenschen und vor allem auch zu den kulturellen Leistungen des Christentums bewahren. Nicht das Ressentiment eines Kirchengeschädigten noch Religionsfeindlichkeit sind seine Motive. Es sind unverbogener Menschenverstand, also das eigene angestrengte und intellektuell redliche Nachdenken, und das Ausbleiben jener Barmherzigkeit eines Gottes, der in den Vorstellungen Gläubiger so alles herrlich regiere, die ihm den Abschied vom Christentum zwingend machten.

Ausgelöst wurde seine kritische Haltung dem Christentum gegenüber durch einen seiner Hochschullehrer, der sich in seiner Forschungsarbeit akribisch an die historische Methode hielt, befasste er sich mit dem Christentum, ließ er alle Wissenschaftlichkeit fahren. Flasch irritierte dieses Verhalten außerordentlich. Er schreibt: »Und ich begann mich zu fragen, ob der Glaube nicht zuweilen den Verstand ruiniert«.

Flasch nimmt sich die biblischen Texte vor und wendet dabei konsequent die historisch-kritische Methode an, die er aufgrund ihrer Wissenschaftlichkeit ausdrücklich verteidigt. Sie besagt bekanntlich, dass Texte - hier die biblischen Erzählungen - aus ihren damaligen Kontexten heraus zu verstehen und zu deuten seien. Die Methode fragt nach Ort und Zeit der Textentstehung, sucht nach Vorläufern des Textes, untersucht und vergleicht Sprachformen, richtet ihren Blick auf verdeckte Absichten im Text. Diese Methode geht davon aus, dass ein Text eine Historie hat, die zu berücksichtigen sei, die Kriterien der Methode sind Wissenschaftlichkeit und Nachvollziehbarkeit.

Das Ergebnis seiner jahrelangen Studien ist, dass den allermeisten Jesus-Worten ihre Echtheit abgesprochen werden muss. Verworfen wird auch die Jungfrauengeburt, die Dreifaltigkeitslehre, die Unsterblichkeit der Seele, die Wundergeschichten. Am wenigsten glaubwürdig sei die Auferstehung von Jesus, das zentrale Ereignis des christlichen Glaubens. Gerade hier seien die Texte so widersprüchlich, dass sie als Dokumente wertlos seien. Kein Wunder, dass der Theologe Joseph Ratzinger die historisch-kritische Methode mehr als nur argwöhnisch betrachtet. Dieser will »die historisch-kritische Betrachtung [daher] >ergänzen<, >ausweiten< oder >überwinden<. Aber das heißt nur, daß man deren Logik nicht verstanden hat«, stellt Flasch kühl fest.

Hinsichtlich der Ethik der Bibel kommt Flasch zu ähnlich negativen Einschätzungen. Die Zehn Gebote seien bloße Rechtsvorschriften, die auch andere Völker hervorgebracht haben, sie begründeten noch keine Moral. Die Bergpredigt hat das nahe Ende der Welt vor Augen und skizziert daher eine Utopie, der die diesseitige Welt gleichgültig sei. Und Flasch spricht von »abstoßender Großmäuligkeit«, wenn Prediger verkündeten, dass ein Leben ohne Bezug auf Christus sinnlos sei.

Flasch, der nicht mehr glauben kann und auch nicht mehr glauben will, geht es um den Anspruch auf Wahrheit und Gültigkeit des Christentums. Seine Antwort ist sehr eindeutig: Die christliche Lehre ist eine Konstruktion und erfüllt den Anspruch auf Wahrheit und Gültigkeit nicht. Und darüber hinaus: »Der Erlösungsreligion Christentum entspricht kein Bedürfnis mehr«. Der zum Agnostiker mutierte Flasch beschreibt seine Abkehr vom christlichen Glauben als »Gewinn intellektueller Fröhlichkeit«.

Das alles wird in einer unpolemischen und verständlichen Sprache abgehandelt, der auch der Nicht-Theologe und Nicht-Philosoph gut folgen kann, und die gelegentlich einer gewissen rheinisch-humorvollen Note nicht entbehrt. Als aufklärende Lektüre ist sein Buch sehr beachtenswert, es facht die christentumskritische Diskussion weiter an, vor allem weil aus kompetenter und renommierter Feder stammend. Es reiht sich sachkundig ein in eine zunehmende Zahl kritischer Schriften zu Glauben und Kirche.
88 Kommentare| 30 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. September 2013
Dieses Buch ist keine Abrechnung mit der Kirche oder eine allgemeine Auseinandersetzung mit der Religion. Kurt Flasch weist in seinem Vorwort darauf hin, dass dieses Buch keine Kirchenkritik sei, sich auch nicht mit dem Zustand der Kirchen beschäftige. Ihm gehe es allein um die kirchliche Lehre und um seinen Weg zu der titelgebenden Erkenntnis. Den Titel des Buches trug bereits vor vielen Jahren eine zweisemestrige Vorlesungsreihe an der Uni Bochum. Man kann das Buch also eine nachgeholte schriftliche Begründung nennen.
In zwei Teilen und in insgesamt 9 Kapiteln befasst sich Flasch, ausgewiesener Mittelalterhistoriker und Philosoph, mit den verschiedenen Glaubensbegründungen und den Themen der christlichen Lehre, wobei er sich eigentlich sich nur auf die katholische und evangelische Lehre bezieht. Die orthodoxen Kirchen bzw. Lehrern bleiben weitgehend ausgespart. Kurt Flasch lässt für die Prüfung des Wahrheitsgehalts der kanonischen Texte, hebräische Bibel und das Neue Testament, nur die Methode der historisch-kritischen Textanalyse zu. Ebenso verfährt er streng philosophisch mit dem Wahrheitsanspruch der Christen, mit der Ethik und anderen Aussagen. Er legt also an die kanonischen Texte die Maßstäbe einer wissenschaftlichen Textkritik an, wie er sie bei der Analyse alter Texte erlernt hat. Dies ist aber keine innerkirchliche Kritik, sondern wird von außen an die Kirchenlehre herangetragen. Erwähnenswert auch die grundsätzliche Einstellung Kurt Flaschs zur Kirche. Er selbst hat keine negativen Erfahrungen mit Kirche und Priestern gemacht. Es waren die Antworten auf seine Fragen an die Texte und an die Dogmen sowie seine wissenschaftlichen Erfahrungen als Textinterpret und Philosoph, die ihn zur Abkehr vom Christum veranlassten.
Diese Fragen und Analysen, die für manchen Laien sicherlich gelegentlich ermüdend sein können, sind für den philosophisch Interessierten eine überaus spannende Lektüre. Vor allem, weil Flasch, der sich als Agnostiker und nicht als Atheist versteht, seine Analysen und Thesen ohne Häme und Polemik ausführt. Allerdings scheut er auch keine deutlichen Worte, wenn er bestimmte Neodogmatiker angreift oder auch nebenbei bekannte Christen wie Küng, und Drewermann kurz abfertigt. Klaus Berger wird zwar namentlich nicht erwähnt, jedoch kann man an einigen Stellen mühelos seinen Namen ergänzen.
Ich kann in dieser kurzen Rezension nicht die vielen exemplarischen Analysen anführen, deshalb seien nur einige Beispiele genannt. Wenn also von Wunderheilungen in einigen Evangelien die Rede ist, dann fragt Flasch konkret nach, wann wurde der Text verfasst, gibt es Beweise dafür oder tauchen in anderen, oft älteren Texten, diese oder ähnliche Wunderberichte auf. Widersprechen sich die Evangelien zu bestimmten Fakten, dann ist ihm das ein Indiz, dass eine Version nicht stimmen kann und er fragt sich, warum man dem Verfasser dann in anderen Punkten glauben sollte. Insbesondere lehnt er die Vorstellung ab, dass die Bibel Gottes Wort sei und belegt seine Argumentation mit vielen Beispielen. Beispielhaft seine Fragen an das Glaubensbekenntnis der Katholiken. Dabei fordert Flasch keineswegs, dass sich die Leser bzw. Gläubigen seinem Votum anschließen, er will niemanden zum Nichtchristen bekehren. Was er aber erwartet, dass sich jeder Gläubige diesen gewonnenen kritischen Erkenntnissen stellt. Was der Gläubige dann damit macht, das ist Flasch dann nicht mehr wichtig.
Die teilweise geäußerte leichte Kritik, dass Flasch die moderne Entwicklung des Christentums nicht ausreichend berücksichtige, geht an dem Anliegen Flaschs vorbei. Auch heute noch wird das Glaubensbekenntnis gebetet, wird der Glaube an die Dogmen der unbefleckten Empfängnis, der Auferstehung Jesu, Himmelfahrt etc. gefordert. Flasch wendet sich ausdrücklich nicht gegen Religion, sondern er schreibt: Religion ist vielgestaltiger, bunter, uriger. Sie erzeugt poetische Vielfalt und Geschichtsbezug." Er akzeptiert die heute geäußerte christliche Wahrheit nicht als alleinige Wahrheit. Vielmehr plädiert für einen relativistischen Wahrheitsbegriff. Das mag für einige unbefriedigend sein, aber die vielen Beispiele bzw. Textsorten, die er dafür anführt, machen deutlich, dass damit alle gut leben könnten. Allerdings glaubt er nicht so recht daran, dass es dazu kommen könnte. Die monotheistischen Religionen brauchen das zugleich universalistische und faktisch-objektivistische Wahrheitskonzept: Da ihr Gott der einzige Gotte sein soll, muß er es für alle sein." (S. 106) Jan Assmann lässt grüßen.
Dieses Buch kann ich nur jedem empfehlen, der sich mit der christlichen Religion und ihren Werten und Anschauungen befassen will. Allerdings ist es keine einfache Lektüre, man muss es sicher mehrmals lesen, um es in allen Facetten zu verstehen. Flasch lässt den Leser an seinen Überlegungen teilhaben und macht seine Analyse überprüfbar. Seine Ausführungen sind kein oberflächliches Gerede wie von Manfred Lütz und auch keine Polemik und keine penetrante Besserwisserei a la Klaus Berger. Christ, Atheist oder Agnostiker können ganz entspannt dieses Buch lesen und sich an der dargestellten Vielfalt und am Erkenntnisgewinn freuen.
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TOP 500 REZENSENTam 3. März 2016
Sine ira et studio zerpflückt Kurt Flasch die zentralen Mythen des Christentums. Die Bibel hat doch Recht, aber nur wenn man weiß, was wann warum und von wem geschrieben wurde. Wer danach noch Christ bleiben will, weiß zumindest, welche Bären er sich nicht mehr aufbinden lässt.
R Opelt, Autor (Im Schatten des Kriegers)
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Zu der Art von kirchen- und religionsfeindlicher Büchern, deren Autoren mit geradezu heiligem Furor ihren Antiklerikalismus oder Atheismus zelebrieren, zählt dieses Werk des deutschen Philosophen und Historikers Kurt Flasch eindeutig nicht. Hier schreibt ein vorsichtig abwägender, weiser alter Mann, einst selbst ein Christ, der sich mit den zentralen Glaubensinhalten der christlichen Religion mit großer Sachkenntnis und spürbarem Wohlwollen - allerdings nicht frei von feiner Ironie - auseinandersetzt.
Einem religionshistorischen Teil und Überlegungen zum 'wahren Glauben' folgen erhellende Analysen von Gottesbild, Erlösung und Ethik im Christentum. Am Interessantesten erscheinen indes die am Ende des Buches zusammengefassten Gründe, die den Autor schließlich dazu veranlassten, sich nicht länger als Christ zu verstehen. 'Ich bin kein Christ, wenn man unter einem Christen jemanden versteht, der an Gott, an ein Leben nach dem Tod und an die Gottheit Christi glaubt.' Dafür, warum er das nicht mehr tut, führt er eine Reihe von Gründen an, die sich Großteils auf rationale Argumente stützen. In der seit Jahrhunderten von Kirchenmännern immer wieder betonten, auf 'Vernunft' basierenden Begründung des christlichen Glaubens, erkennt er einen offensichtlichen, inneren Widerspruch.
Die zentrale Botschaft des Christentums ' die Erlösung der Menschheit von einer etwas fragwürdig konstruierten 'Erbsünde' ' kann Flasch nicht länger überzeugen. Seit dem von Satan provozierten 'Sündenfall' habe die Menschheit ihm gehört. Um sie aus seinen Klauen zu befreien und wieder zu Gott zurückzuführen, wäre ein listig eingefädelter Coup erforderlich gewesen, der den Tod Jesu Christi - des einzig unschuldigen Menschen auf Erden - bedingte. Tolle Geschichte. Daß ein allmächtiger Gott seinen eigenen Sohn auf die Welt schicken, erniedrigen und töten lässt, um auf diese Weise ein die Menschheit erlösendes Sühneopfer zu bringen, scheint Flasch eine in höchstem Maße unplausible Vorstellung zu sein. 'Das hätte Gott billiger haben können.'
Dass, ganz nebenbei, die seit Jahrhunderten kontrovers diskutierte Trinitätslehre schließlich weder im Neuen noch im Alten Testament zu finden ist, sondern eine 'inkongruente Konstruktion des 4. und 5. Jahrhunderts' darstellt, ist nicht dazu angetan, die Zweifel des Autors zu beseitigen. Die Lehre von den 'Zwei Naturen in Christus' wirft überdies Fragen auf, die nicht beantwortet werden können, ohne den Boden der Logik zu verlassen. Die Fehleinschätzung des Gottessohnes von seiner nahe bevorstehenden Wiederkunft, ist offensichtlich problematisch: 'Demnach weiß er als Mensch den Jüngsten Tag nicht, den er als allwissender Gott gleichzeitig kennt.'
Flasch liefert dem Agnostiker ein umfangreiches Arsenal zur Bestätigung seines Standpunkts. Dem Gläubigen dagegen bietet das Buch eine Reihe von Denkanstößen zur Auseinandersetzung mit der christlichen Religion. Schließlich hat Gott uns als mit Vernunft begabte Wesen geschaffen. Warum also nicht die Vernunft gebrauchen, um die von Flasch formulierten Zweifel auszuräumen und seinen eigenen Glauben zu festigen'?
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am 2. Februar 2014
Kurt Flasch ist kein Pamphletist. Er verfaßt also keine schrille atheistische oder agnostische Kampfschrift, nein, es ehrt ihn, wie er um die Begriffe, das „Mysterium“ und die Wahrheit des christlichen Glaubens ringt – mit der klaren, dem Leser nachvollziehbaren Konsequenz, kritisch für sich entscheiden zu müssen, kein Christ (mehr) zu sein.

Eingangs erläutert der Autor sein Herkommen aus einem sich liberal verstehenden katholischen Milieu, er protokolliert seine Zweifel und die Impulse gedanklicher Mentoren, stellt klar, er wäre kein Kirchengeschädigter, um so mehr aber jemand, der nach dem modernen Stand historisch-kritischer und philologischer Forschung in nicht weniger als einer ganzen Lebensbilanz nun mal nicht zu der Überzeugung kommen kann, das Christentum wäre in seiner Lehre wahr.

Flasch argumentiert gründlich, sehr kohärent und genau, dabei aber nicht immer konzise, denn offenbar ringt der Autor sehr leidenschaftlich um die Probleme; er möchte seine Einwände gegen den immensen Schatz des Christentums in Komplexität gründlich und erschöpfend durchdeklinieren. Daher erscheint die Darstellung hier und da etwas redundant und wiederholt in mancher Schleife Passagen und Beispiele. Zudem: Viel erste Person, aber das mag der persönlichen Perspektive geschuldet sein, denn Flasch ist es wichtig, darauf zu verweisen, daß er ausschließlich aus seiner subjektiven Position seinen Zweifel und seine Konsequenzen beschreibt. Keine Frage, er wertschätzt Religionen, deren Anhänger und deren Institutionen. Insofern läßt er es nicht an Pietät vermissen – dieser Form distanzierter Toleranz, mit der sich wiederum die Gläubigen gegenüber den Agnostizisten bzw. Atheisten schwertun.

Der Autor will offenbar selbst sichergehen und erschöpfend umfassend sein. Er bräuchte es jedoch vielleicht nicht in dieser Breite zu exerzieren. Zum Gottesbegriff, den Gottesbeweisen (und ihren Widerlegungen) sowie zum Problem des Bösen und somit der Theodizee ist bereits genug hinterlassen, was Flasch hier noch mal sehr ausführlich aufgreift – mit dem gewissen Nachteil, daß dies in dieser Fülle etwas sehr systematisch Lehrbuchhaftes hat. Mag sein, er wollte ein Kompendium des eigenen Unglaubens schreiben, um die dessen gründlich selbst zu vergewissern. Das gelang. – Stark ist er dort, wo er selbständig erörtert und urteilt, etwa das Problem der "Erlösung", ausgehend von einfachen Fragen: Wovon eigentlich? Mit welchem Ziel? Weshalb das blutige Opfer des Sohnes? – Ebenso so treffend der Diskurs zu Seele, Himmel und Hölle. Ja, durchaus wortreich, aber dadurch die eigenen Thesen zuende denkend und seine Themenkreise vollständig abschreitend..

Man liest hier also keine polemische Abrechnung, sondern den nachvollziehbaren Gedankengang eines Menschen, der abendländisch-aufklärerisch auf die Vernunft setzt, vor der die Lehre des Christentums – so wie sie vermittelt und in Bekenntnissen vertreten wird – letztlich keinen Bestand haben kann.

Wer es kürzer und griffiger lesen möchte, sei auf David Humes „Dialoge über natürliche Religion“ oder gleich auf Norbert Hoersters kurzen „Die Frage nach Gott“ verwiesen.
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am 17. August 2015
Kurt Flasch hat mit dieser Monographie dem Wunsch von Freunden und Hörern seiner philosophischen Vorlesungen an der Universität entsprochen, die Gründe darzustellen, die ihn bewogen haben, nicht mehr Christ sein zu wollen.

Die von Flasch zitierten historisch-kritischen Analysen, vor allem die Umdeutungen von Texten durch Übersetzungen in andere Sprachen sind sehr aufschlussreich, beispielsweise bedeutete der jüdische 'Name' von Gott ' Jahwe' ursprünglich 'Ich bin da', während in der griechischen Übersetzung sinngemäß 'Ich bin, der ich bin' in späterer Zeit mit der Ideen-Lehre der griechischen Philosophie viel besser vereinbar als 'Ich bin da ', da die Vorstellung eines unbewegten Bewegers (Aristoteles) oder einer höchsten Idee (Platon, Plotin) die Integration griechischer Philosophie in die christliche Theologie erheblich erleichterte, wobei hier vor allem Augustinus und Thomas von Aquin zu nennen sind.

Ein weiteres wichtiges Beispiel für den Einfluss von Übersetzungen auf die Theologie ist die Übersetzung des hebräischen Worts für ' junge Frau', welches verheiratete Frauen einschloss, in die griechische Sprache mit 'Jungfrau', wodurch die von Augustinus entwickelte Lehre der Erbsünde erst möglich wurde: seit dem Sündenfall Adams sind nach dieser Theorie nämlich alle nicht von einer Jungfrau geborenen Kinder befleckt, also von Geburt an Sünder.

Mir bisher völlig unbekannt waren römisch-christliche Vorstellungen eines schlechten Gottes, der die Welt steuert, wie sie ist (Teufel), und eines guten Gottes, der eher Ideen repräsentierte und eher dafür zuständig war, wie die Welt sein sollte. Der Sündenfall des Adam lieferte die Menschheit ausnahmslos (und nicht nur den Adam) dem schlechten Gott aus, während der Kreuzestod des unbefleckten, von einer Jungfrau geborenen Jesus, die Teufelsherrschaft durch Täuschung (Überlistung) des Teufels brechen konnte. weil jener nicht gemerkt hatte, dass Jesus unbefleckt war. Irgendwie hat diese Vorstellung auch etwas mit einem Schuldschein zu tun und Flasch weist darauf hin, dass auf Bildern der Kreuzigung gelegentlich in der Hand einer dargestellten Figur in der Tat ein Schuldschein abgebildet war.

Ganz allgemein zeigt Flasch zahlreiche Inkonsistenzen christlicher Theologie auf, beispielsweise die Lehre von der Dreifaltigkeit, die gerade zu den Opfer- und Erlösungsvorstellungen des Christentums in Widerspruch gerät, beispielsweise wäre das Geschäft mit dem Teufel ja nur denkbar, wenn Jesus eben nicht "wahrer" Gott, wie es das Dogma von der Dreifaltigkeit verlangt, wäre.

Besonders aktuell ist die Kritik Flaschs an modernen Entwicklungen der christlichen Theologie, wobei ich hier nur seinen Hinweis auf philosophisch absurde Thesen moderner evangelischer Theologen wie Dietrich Bonhoeffer und Karl Barth nennen möchte. Bonhoeffer und Barth verbieten gänzlich das Denken irgendeiner Gottesidee als satanischen Hochmut, beanspruchen damit aber die alleinige Deutungshoheit und verbieten faktisch jeden Diskurs, nach meiner Auffassung ein Beispiel dafür, wie protestantische Bescheidenheit in Arroganz umschlägt.

Nach Flasch interpretieren moderne Theologen die biblischen Texte als Allegorien (von griechisch 'allos' (anderer) und 'agora' (Markt)), was vollständige Beliebigkeit zur Folge hat, wie sich wissenschaftstheoretisch leicht zeigen lässt, vergleiche auch Popper, Logik der Forschung, wo das Problem der Beliebigkeit durch die Einführung von "ad hoc"-Hypothesen nach Gutdünken ausführlich diskutiert wird.

Die philosophischen Arbeiten von Flasch unterstützen überzeugend die Auffasssung, die beispielsweise auch der Philosoph Ernst Tugendhat ('Anthropologie statt Metaphysik") vertritt, es sei generell intellektuell unredlich, eine Religion bzw. einen Glauben zu akzeptieren, und Kurt Flasch hat überzeugend dargelegt, dass dies mindestens für das Christentum zutrifft.

Ich möchte diese einzigartige, ausgezeichnete, klar geschriebene Monographie von Kurt Flasch zur Lektüre sehr empfehlen.
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am 24. November 2015
Ich habe dieses Buch mit großem Gewinn gelesen. Jeder Satz kündet von der tiefen Sachkenntnis des Verfassers, seine Kritik ist in der Sache (unvermeidlich) oft vernichtend – aber nie polemisch. Zudem zeigt er einen bemerkenswerten Weg auf, wie Gläubige zu den Aussagen ihrer Religion stehen können, ohne deren objektive Wahrheit behaupten zu müssen. Die an zahllosen Stellen des Alten und Neuen Testaments zu stellende Frage, ob das Beschriebene denn als historisches Ereignis zu werten sei (der sich etwa Ratzinger in seinen Jesus-Büchern durch langatmige Ausführungen entzog, indem er scheinbar tiefsinnige Sätze schrieb, hinter denen man aber vergeblich einen Sinn sucht) - für diese Frage hat Flasch eine praktikable und dennoch nicht unangemessen versöhnliche Antwort gefunden. Die Lektüre dieses Buches sollte am Anfang jedes Theologie-Studiums stehen … wenn es anschließend denn noch Studierwillige gäbe.
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am 8. Februar 2014
Es gibt schon reichlich religionskritische Bücher. Dieses Buch gehört meiner Meinung nach mit zu den besten. Es zeichnet sich durch völlige Unaufgeregtheit aus und demonstriert eindrucksvoll wie man trotz katholischem Background zu einer naturalistisch humanistischen Weltsicht gelangen kann. Keine Spur Fanatismus bzw. Fundamentalismus ist in Flaschs Buch zu entdecken, sondern nur ein umfassendes kirchengeschichtliches Wissen – überzeugend aufgearbeitet mit der Logik eines genialen Philosophen. Er beschreibt für jeden nachdenklichen und aufgeschlossenen Leser völlig verständlich, d.h. Schritt für Schritt nachvollziehbar, seinen persönlichen Weg der Abkehr vom Christentum bzw. hin zur Ungläubigkeit. Leider scheint Flasch zu meinen, Atheisten hielten die Nichtexistenz Gottes für beweisbar und möchte sich deshalb lieber nicht als Atheist bezeichnen. Ansonsten begeistert sein Buch durch absolut geradlinige, logische und konsequente Argumentationsweise.
Ein wirklich empfehlenswertes Buch für Gläubige sowie Ungläubige – einfach großartig!
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