flip flip Hier klicken Jetzt informieren Xmas Shop 2017 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ HI_PROJECT Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle MusicUnlimited AmazonMusicUnlimited BundesligaLive wint17



am 2. August 2017
raffinierte Story, hochintelligent , klasse Schauspieler, schwarze Serie , Gänsehauteffekte , mit einem Schuss Humor. Lässt den Zuschauer erst einmal ratlos zurück, braucht etwas Zeit zur Verarbeitung.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. Juni 2003
Die Welt ist in zwei Lager gespalten: die einen verehren Lynch, die anderen hassen ihn. David Lynch stand schon immer für das Unkonventionelle. Seit "Der Elefantenmensch" gehört er zwar zu Hollywood, schafft es aber wie nur wenige andere (z.B. Kubrick oder Tarantino), den eigenen Weg konsequent zu verfolgen. Kennen Sie die wundervolle Serie "Twin Peaks"? Haben Sie "Blue Velvet" gesehen? Oder haben Sie sich auf "Lost Highway" eingelassen? Dann wissen Sie ja, worauf Sie sich mit "Mulholland Drive" einlassen. Nein, genaugenommen wissen Sie es nicht.
Ich will hier nicht auf den Inhalt des Films eingehen, der ursprünglich als Serie geplant war. Nur soviel: Keines seiner Werke war surrealer (höchstens Lost Highway kommt nahe heran). Atmosphäre, durch Farben und Musik/Ton wundervoll inszeniert, spielen eine tragende Rolle. Schockeffekte erster Klasse wechseln sich ab mit Zeitreisen in die Goldenen Zwanziger, der Zuschauer macht Abstecher auf eine Party eines Filmregisseurs, auf die dunkle, verlassene Ranch eines Cowboys, er wird Zeuge eines Mordes und eines Selbstmordes, um letztlich in einem Theater der Einsamkeit zu lauschen ("Silencio!"). Versuchen Sie nicht, diesen Film zu verstehen, lassen Sie sich einfach darauf ein.
P.S. die deutsche DVD ist nicht übermässig gut ausgestattet, hat aber immer noch mehr zu bieten als das US-Pendant (dieses ist völlig bonusleer). Etwas Hinter-den-Kulissen-Material, Bio-und Filmografien, Trailer etc. sind ja immerhin etwas. Bild und Sound kommen derweil gut rüber. Schade nur, dass es keinen Audiokommentar gibt. Der hätte vielleicht einigen Zuschauern Aufschluss gegeben.
0Kommentar| 17 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. Mai 2011
Daß dieser Film in 2 großen Arbeitsphasen entstand, unterbrochen durch ein dazwischen liegendes Finanzierungsaus, ist ihm sehr anzumerken. 3 bis zum Schluß unvollendete Handlungsstränge kippen im letzten Drittel in eine genauso unvollendete vierte Geschichte, die jedoch chronologisch davor liegt, alles bisher erlebte jedoch umwertet und schließlich mehr Rätsel aufgibt, als dieser Schwenk löst. Was bleibt sind magisch rätselhafte Momente, skurrile Typen, unklar aufgeladene Bilder und die einzige, eigentlich nur zu banale Gewissheit, daß es keine eindeutige Antworten gibt und die Realität nur in Näherung aller denkbaren Möglichkeiten beschreibbar ist. Das Ende, so unlogisch und traumatisch-geträumt es daherkommt, entläßt den Betrachter mit einem ganzen Bündel unentscheidbarer Fragen und der noch wahrscheinlichsten Ahnung, daß das Leben eine einzige große Wiederkehr ist.
Und was kann man von einem Stück Kunst mehr erwarten, als Bilder, in die man eintaucht, Bilder, an die man sich noch lang erinnert und Fragen, die einem lange nachgehen...
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. Juni 2012
Vorweg:

Meine Rezension bezieht sich ausschließlich auf den Film - wer Informationen zum beworbenen Film-Paket und den enthaltenen Extras sucht, kann meine Rezension einfach überspringen.

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Mein Gefühl vor dem Film: "Endlich ... Mulholland Drive!"

Wieder einmal ein Film von Lynch, den ich mit irrer Vorfreude erwartete:

- Was kommt da auf dich zu?
- Wirst du dich am Ende ärgern, weil der Film keinen Sinn ergibt?
- Wird es ein Augenöffner?
- Wirst du eine ganz neue Filmerfahrung machen?
- Oder ist es einer von diesen Filmen, die um jeden Preis besonders sein wollen?

Wie heißt es heute so oft (das man es schon kaum noch hören kann): Ist das Kunst oder kann das weg?

<< Inhalt >>

Ein aufstrebendes Starlet in Hollywood - eine gedächtnislose Fremde - eine beginnende Liebschaft - ein junger, impulsiver Regisseur - Eifersucht und Betrug - ein Auftrags-Mord - und hinter allem ein äußerst bedrohliches Gefühl latent wirkender Abgründe der menschlichen Seele.

<< Filmansatz > >

"Mulholland Drive" ist ein "essayistischer" Film, will meinen, dass er sich aus vorerst unzusammenhängenden Szenen zusammensetzt: Immer wieder neue Personen - plötzliche Ausschnitte aus deren Leben, die nicht eingeleitet werden und in keine Beziehung gebracht werden können. Rückgriffe auf vorherige Szenen, die aber nicht richtig zu diesen passen. Nach 2/3 des Films ein scheinbar unverständlicher Bruch ...

<< Atmosphäre >>

Der Lynch-Klassiker ist ein detailverliebter Film mit sehr sparsamer Musik. Viele Szenen sind äußerst skurril und äußerst verwirrend. Die Desorganisation der Handlung und die z.>T. schaurigen Episoden bewirken ein permanentes Gefühl der Bedrohung, des Schauders und einer unangenehmen Hilflosigkeit. Wir können uns nicht gedanklich vorbereiten auf das, was möglicherweise kommen kann - wir können keine Alternativen vorwegnehmen - keine Handlungsausgänge antizipieren. Alles erscheint denkbar - und somit haben wir nichts in der Hand. Viele Einzel-Szenen sind extrem packend, prickelnd oder wiederum bedrohlich - jedenfalls dann, wenn wir uns auf jede Szene neu einlassen können.

<< Finale Wirkung >>

Natürlich werden wir als Zuschauer mit vielen Fragezeichen hinterlassen. Und natürlich erzeugt das auch ein gewisses Ausmaß an Dissonanz:

- Warum keine Auflösung?
- Warum keine Erklärungen?
- Warum keine Deutungshinweise?
- Soll ich den jetzt nochmal schauen?
- Soll ich mich jetzt erst noch schlau machen, was gemeint sein könnte?

Das mag nicht für jeden etwas sein. "Mulholland Drive" ist kein Film, für "einen" Filmabend. Ein Genuss dieses Films bedarf eigentlich einer gewissen Vor- und Nachbereitung. Dazu muss man irgendwie auch erst einmal bereit sein - oder sich derart fesseln lassen, dass die Bereitschaft nach dem Film entsteht. Jedenfalls wirkt "Mulholland Drive" nicht, wenn man ihn an sich vorbeiziehen lässt und ihn als "merkwürdig und unfertig" abtut.

<< Nachbereitung >>

Ich habe der Nachbereitung dieses Films ungefähr 2 Stunden gewidmet und sie fast ebenso sehr genossen, wie den Film selbst. Ich habe mich über Lynch selbst und die Entstehungsbedingungen des Films informiert. Ich habe die Schauspieler nachrecherchiert. Und natürlich habe ich mich mit Interpretationsansätzen beschäftigt, die im Netz nicht schwer zu finden sind.

Interessant finde ich (A)die zehn kryptischen Hinweise von Lynch zur Rezeption des Films:

(01) Schenken Sie dem Anfang des Films besondere Aufmerksamkeit: Zwei wichtige Hinweise finden sich bereits vor dem Eröffnungstitel.
(02) Beobachten Sie, wann und wo rote Lampenschirme eine Rolle spielen.
(03) Achten Sie darauf, wie der Titel des Films heißt, für den sich Adam Kesher Schauspielerinnen anhört und ansieht. Wird dieser Titel an anderer Stelle wiederholt?
(04) Ein Unfall ist ein schreckliches Ereignis ' Beachten Sie genau den Ort des Unfalls.
(05) Wer gibt wem einen Schlüssel ' und warum?
(06) Achten Sie genau auf die Kleidung, den Aschenbecher, die Tasse Kaffee.
(07) Was wird im Club Silencio gefühlt, beobachtet und gewonnen?
(08) Hilft Camilla allein ihre Begabung?
(09) Beobachten Sie genau die Vorkommnisse im Umfeld des Mannes hinter Winkie's.
(10) Wo ist 'Tante Ruth'?

Und (B) die folgende sehr ausführliche Analyse des Films (die aber Spoiler enthält):

[ ... ] (Link im Kommentar)

<< Mein Fazit >>

"Mulholland Drive" ist ein sehr atmosphärischer, spannender, psychologisch-interessanter und nicht zuletzt erotisch-prickelnder Film, der einem als Zuschauer sehr viel abverlangt. Ein Film, der an Komplexität kaum zu überbieten und daher auch sehr anstrengend ist. "Mulholland Drive" ist gleichzeitig auch ein filmisch höchst interessanter, technisch anspruchsvoller und ausgesprochen abwechslungsreicher Film mit erstklassigen Schauspielern und viel, viel Interpretationsspielraum. Wer sich der Anstrengung interpretativer Gedanken nicht verwehrt, der wird ganz bestimmt ziemlich begeistert sein ...
11 Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 9. Oktober 2017
Mit diesem Mystery-Thriller aus dem Jahr 2001 beschert uns David Lynch eine ganz besondere Filmerfahrung, in der dem Zuschauer keine Minute der Unaufmerksamkeit gegönnt ist, ohne womöglich die Bedeutung der metaphorischen Bildsprache eines jeden flüchtigen Moments zu verlieren.
Hollywoods sonnengetränkte Strassen werden in dieser Geschichte zum Schauplatz eines Alptraums.
Rita (Laura Harring) überlebt einen Mordanschlag am Mulholland Drive und verliert jegliches Erinnerungsvermögen. Gemeinsam mit der noch erfolglosen Schauspielaspirantin Betty (Naomi Watts) versuchen sie Ritas von Rätseln umhüllte Identität zu entschlüsseln, wobei sich auch eine leidenschaftliche aber auch sehr tragische Liebesbeziehung entwickelt...
Vieles bleibt im Unklaren, führt weg vom Verstand, hin zur Abstraktion des Traums und dessen Tücken. Mittels verschwommener Aufnahmen wird dies umso intensiver verdeutlicht. Dass dies als Stilmittel genutzt wird, um die Filmmetropole als illusionäres mitleidloses Puppentheater zu entlarven, ist jedenfalls wesentlich gewisser als die eigentliche Handlung selbst.
Mit der begeisternden Darstellungskunst der gesamten Besetzung, seinen oft so unerklärlichen Ideen und abstrusen Bildern schafft es David Lynch, eine atemberaubende, magische Atmosphäre aufzubauen, die sich letzendlich als eine Illusion entpuppt. Das Grauen, die Abwesenheit menschlichen Mitgefühls wird von ihm in jeder Sekunde des Films sehr wirkungsvoll verdeutlicht, von einem Psycho-Score mit tiefen schweren Geigen und Synthesizer Themen glänzend untermalt.
Sicher, wenn Filmkenner aus Cannes schon zehn Hinweise von Lynch zum Verständnis dieses Films bekommen mussten, darf man die eigene Position im Heimkino in dieser Hinsicht wohl als recht hoffnungslos betrachten. Erwartet man einen schlüssigen Unterhaltungsfilm ist man hier fehl am Platz, doch wenn man auf die eigene phantasievolle Interpretation setzt wird man ihn lieben.
Rätselhaft, spannend, sehr undurchdringlich und sehr sehenswert.
1717 Kommentare| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. September 2017
Es geschah im Sommer diesen Jahres, arte erfreut sich des Zelebrierens eines 25-jährigen Bestandsjubiläums und sendet neben „lost highway“ den hiermit rezensierten „Mulholland Drive“, merkwürdigerweise diesmal gar mit dem Logo der Criterion Collection und somit nicht ohne einen überraschenden USA-Bezug eines labels, welches hierzulande kaum Bekanntheit findet und erlangt...
Der Bildschirm färbt sich bereits zu anfänglichem Beginne rabenschwarz, tänzelnde Groteskgestalten fröhlichen Schwungs zaubern sich über die Leinwand und wir werden Zeugen des Erzeugens überlebensgroßer Schattenbilder, willkommen in den Welten der surrealen Version der berühmt-berüchtigten „Stadt der Engel“, engelsGLEICH ist sie fürwahr, engelsBRAV mitnichten gar – zum Glücke.

25 Jahre nach Roman Polanskis Unterbewusstseinsreise „Der Mieter“, zollt Lynch seinem möglichen, denkbaren und potentiellen Inszenierungs-Idol Tribut in bisweilen nahezu vollkommener Perfektion, dabei entfaltet er zwar nicht die Schwärze und „laute“ Schonungslosigkeit eines (insbesondere) lost highway oder Inland Empire, überzeugt aber hinsichtlich der Zeichnung seiner Hauptprotagonistin dafür auf charakterlicher Ebene und erschafft damit den vermutlich warmherzigsten Film seines ansonsten so atemberaubend ominösen Oeuvres, nichtsdestoweniger handelt es sich auch im Falle Mulholland Drives um ein zuweilen recht kaltes Kleinod dramatisch düsteren Soundtracks, verzerrt-grotesker Gesichter, Visagen und Visionen sowie rabenschwarzer finst'rer Nächte, die von Pech, Tiefe und unbändiger Ungewissheit geprägt zu sein scheinen, so sagenhaft schön uns Hollywood hier auch eigentlich zu empfangen vermag.
In alsbaldiger Zukunft einer noch nicht verarbeiteten oder gar abgeschlossenen Vergangenheit und Gegenwart (falls eine Aufarbeitung diesbezüglich überhaupt im Bereich des Möglichen läge), tritt eine zu sehen sein werdende Schönheit kühlen Gesichtsausdrucks in erhabener Erscheinung hervor, dunkel ihr Haar, dunkel ihr Auge, dunkel ihre Seel' und hell der Mond, der auf ihren Lippenduft der Verführung zu scheinen scheinet.
Wenn ich einem so unendlich zartfühlenden Film wie Mulholland Drive nicht die Höchstwertung angedeihen lasse, dann wohl wahrlich nur deshalb, weil Inland Empire und Lost Highway für mich die NOCH faszinierenderen Rauschgifte seines filmischen Bewusstseins darstellen, dennoch ist MD, magisch wie er uns betören darf, einer der besten 2001er Filmhöhepunkte , was in einem solch sagenhaften Kino- und TV-Jahr neben Werken wie Chihiro, Snowbound, Invisible Circus, lost and delirious sowie u.a. auch Dark Water durchaus etwas heißen will.
Nächte an deren Anmut ich dächte, öffnen ihre Pforten jenseits von Gut und Böse, Gott und Betenden, Grauen und Bestreben, Güte und Brutalem, denn so kontrastreich-“zartbrachial“ das Werk auch sein mag, blenden wir wiederkehrend sämtliche Vermutungen aus, schalten die Analyse vorübergehend-, so das denn möglich ist, mehr oder weniger ab und folgen lediglich dem Rausche einer Dame, die völlig fasziniert ist, neu in Los Angeles angekommen zu sein.
Lichter strahlender Kraft entfachen das Potential einer nächtens in die Wege zu leitenden Erleuchtungszeremonie , die zweite Dame der mysteriösen Schönheit ist der lasziven Tantendame aus „texas funeral“ nicht gänzlich unähnlich , in der Tat ist sie es jedoch keinesfalls, gleichwohl „funeral“ in einem David Lynch Film wohl ebenfalls kein Fremdwort sein dürfte, oder sind seine mehrschichtigen Charaktere unterschiedlicher Namensgebung je nach Sichtweise unsterblich?
„Es ist weder Tag noch Nacht“, beschreibet ein junger Mann die wahrhaftigen Wunder seiner geradezu alptraumhaft geprägten Lebensrealität, in für Lynch-Verhältnisse leider recht plumpen Effekten, treffen die beiden Herren, nachdem sie ihr Frühstück links liegen ließen ob der Dringlichkeit der Aufgaben im Rahmen ihres Vorhabens, auf einen schwarzen Todesengel, für den Hauch einer Momentaufnahme entschwinden alle Klänge der Umgebung in ihrer Gänze und schon in nicht allzu ferner Bälde herrscht wieder Wärme des Friedvollen , so wissen wir, -im Hinblick auf die urplötzlichen Kontraste erwiese sich eine solche Einschätzung als undenkbar und ausgeschlossen-, nie so recht, ob wir einer romantischen Film-im-Film-Komödie, oder aber einer balladenhaft langsamen Schauertragödie bedauerlicher Vorfälle beiwohnen …
Die junge, ungemein offene und durchaus ambitionierte, auch sympathische, Schauspielerin Betty betritt begeistert, fast berauscht, die unendlich große Bildfläche L.A.'s, noch bestünden nämlich Gründe zur Motivationsförderung , wo hingegen die späteren Stunden einen dunklen Schatten der vorhandenen Ängste über diese illusorischen Wunschbilder positiven Denkens werfen...
So mündet ihr grandios gelungener Auftritt in baldiger Kürze in eine brillante „Film-im-Film“-Probe, in welcher sie ihr unbestreitbares Können sehr intensiv und magnetisch unter Beweis stellt, dabei zunächst die besten Anlagen zu haben scheint, künftighin ihren Traum leben zu dürfen – gäbe es da nicht jene Welt, die Lynch für uns erschaffen hat …
Einen weiteren Bezug zum bereits angesprochenen „Mieter“ bilden die, nun ja, „unerwünschten“ Exkremente (!) im Rahmen des Mietshauses und auch wenn sich keine von Lynchs Wunderdrogen mit Polanskis Meisterwerk messen kann, so sähe ich dennoch das Potential, welches David nahezu zu 100 Prozent auszureizen und zu entfalten verstünde.
In völlig entblößter Erhabenheit, treffen die beiden Damen alsbald erstmals aufeinander, ferner macht uns ein „Gilda“-Plakat auf Lynch's ausgeprägte Liebe zum Hollywood-Kino der 40er Jahre (und zuvor) aufmerksam, der damengleiche Duft von Verführung betört unsere Sinne und macht Davids morbides Meisterwerk zu einem genüsslichen Gruselmärchen eines Albtraums , ja dieser recht späte Lynch Film macht mal wieder deutlich und hebt unmissverständlich hervor, weswegen Lynch einer dieser Regisseure ist, an deren vieldeutiger filmischer Sprache und Bildkomposition sich auch ein gewisser Atom Egoyan, allerdings eher in seinen früheren Filmen, orientierte, sein Filmvorbild war in diesem Falle aber eher „Eraserhead“ und neben „The Adjuster“ und einem seiner Kurzfilme, beträfe diese Parallele nur einen kleinen Teil seines kinematographischen Universums.
Wie auch etwa in Inland und Lost Highway, verzichtet der Meister mitnichten auf den Einsatz köstlicher Klischees, Vorurteile bezüglich der Gangsterkultur zelebriert er fast schon mit einem Augenzwinkern und versetzt uns in unendlicher Schwärze in eine dunkle Welt schwarz-metallic-farbener Luxuslimousinen vergangener Tage.
„Möchten Sie, dass wir alles abbrechen? Dann werden wir alles abbrechen!“, lautet eine alsbaldige kryptische Botschaft, doch eines wird abgebrochen nicht werden können sein … :
Schmerz!
Wie lange werden wir in unserer makabren Welt noch verweilen und was genau soll an Lynch's Welt so unrealistisch sein, wenn eine jede menschliche Realität doch ohnehin IM KOPFE stattfindet?
Über die magisch-morbide, prachtvoll personifizierte Erotik in menschlicher Gestalt jenseitigen Grauens, „Rita“ ihr Name (noch ein weiterer Hayworth-Bezug?!) , würden wir wahrlich gern mehr erfahren, doch das Rätsel bliebe zunächst ungelöst, falsch, es bleibt IMMER ungelöst – denn eine das Geschehen abschließend vollendende Lösung ist hier grundsätzlich der uninteressanteste Bestandteil eines Suchungsprozesses , in dieser Welt der Spuren nämlich, ist nur die Erforschung, ja gar die Frage, ob es das Ziel ÜBERHAUPT geben kann, von ernsthaftem Interesse und Belang, Resultate sind ausdrücklich unerwünscht!
Eine Tasche nicht unbekannten Inhaltes, ausgestattet mit Dollarnoten und einem weiteren bizarren Gegenstande, erweitert die ohnehin schon weitestmöglich ausgebreiteten Flügel der Ungewissheit, auch in der prächtigen Palmenstadt scheinbarer Unbeschwertheit, ist letzten Endes niemand gänzlich sicher vor bizarren Bildern und grässlichen Geschehnissen, Schutz wird uns in nur unwesentlichem Maße gewährt, Träger der Konsequenzen sind, unverschuldet hin oder her, letzten Endes wir selbst – und so trifft uns das Licht der Dunkelheit, blendet uns gar so sehr, dass wir mitnichten mehr wissen, was wir einstmals sahen, gegenwärtig erblicken und künftig hin womöglich noch nicht einmal überhaupt werden erleben können, je nachdem in welchen Pulszustand uns die Reise führet ....
Die scheinbar so orientierungslose Lady wirkt so „leer“ wie nur irgend möglich, als sei alles auf dieser Welt nichts anderes als ein gewaltiges Déjà-vu der Ausweglosigkeit und aussichtslosen Unklarheit.
Ihre ausgeprägten Wangenknochen verleihen ihrer ohnehin schon atemberaubenden Anmut etwas „Aristokratisches“, Unnahbares und je ferner sie uns zu sein gelobt, desto begehrenswerter macht sie sich, trotz oder gerade wegen aller Liebe zum Faszinosum, wohnt ihr etwas Beängstigendes, Beunruhigendes inne, geheuer ist sie uns keineswegs.
Einen kleinen Gastauftritt gewährt man dem Vater von Miley Cyrus, wie er sich also (glücklicherweise...) auch außerhalb der hektisch-überdrehten „Hannah Montana“ Welt im Filmkosmos aufhielte.
Es verdichten sich Hinweise bezüglich eines (selbstredend) äußerst unschönen Unfalls und es handle sich dabei um einen, über welchen nicht gesprochen werden dürfe, denn verlören wir ein Wort über selbigen, seien, so weiß es zu wirken, die Konsequenzen nicht nur unschöner Natur, sondern drastisch in ihren Maßnahmen unserer Innenwelt gegenüber, so glaubt es aus unserer Seel' ….
Ebendieser Unfall könnte unter unerwünschten Umständen auch die Frage aufwerfen, ob bzw. inwieweit Rita in ihn involviert war, sie, die sie sich ihrer Identität nicht sicher sein kann, sich ihren nachdenklichen Gesichtsausdrücken nicht erwehren kann und sich stets vom Gewande der Geheimnisse umkleiden und umfassen ließe, in etwa so ...als sei es die letzte Umarmung...
Trotz meines sichtlich lesbaren Angetanseins, kann ich am Ende des verdunkelten Tages nicht so recht leugnen, im Rahmen des ansonsten nahezu perfekten Films keinerlei Spannung „im eigentlichen Sinne“ empfunden zu haben – es ist eher ein Film, welchen man leise bewundert und in kaum wahrzunehmender Stille aufsaugt und auf sich wirken lässt, eine jede Angst bleibt dabei derart zurückhaltend, dass eine Unterhaltung über diesen Film wohl instinktiv ausschließlich im Flüstertone erfolgen könnte, denn genau das ist auch die dominierende und manipulationspsychologisch stimmige Stärke des wie ich finde dennoch minimal überschätzten Films:
Er flüstert uns in gewisser Weise stets etwas ins Ohr, nur eben derart leise und nur im Hauche körperlich zu erfühlen, nicht jedoch klanglich spürbar, dass wir nicht so recht deuten können, was jene sich an unserem Ohre befindende Person überhaupt von uns will und uns gar mitteilt...
„Sie werden mich noch einmal treffen, wenn Sie es richtig anstellen.
Sie werden mich noch zweimal treffen, wenn Sie es falsch anstellen, gute Nacht.“
Diese Drohung lassen wir uns nicht zweimal vortragen, ihre verdoppelte Erscheinung in der Darstellung, lässt sie aber umso merkwürdiger und verworrener ihre Wirkung entfalten und durchtränkt unser Ich in nahezu jeder erdenklichen Hinsicht, obzwar wir doch eigentlich auch hier wieder unschlüssig sind, weshalb uns das „Erboste“ diese Worte überhaupt vortrüge … ?
Haben wir etwas falsch gemacht, oder hat Gottes Schicksal schlicht und ergreifend „Spaß“ daran, uns irdische Puppenfiguren im Kabinett des Grauens und Tauchbad der Ängste ertrinken und versinken zu lassen?
Die Vermieterin und Tante nun gar wird zu sehen sein …,
sie läuft dabei sehr ähnlich (fast identisch) wie Ruth Gordon in Rosemary's Baby, die Polanski-Parallelen scheinen kein Ende nehmen zu wollen und so gälte es David nur noch zu fragen, ob er seiner Darstellerin bewusst dazu riet, sich an Gordon zu orientieren, was umso absurder wäre, da die Rolle der Tante im Gegensatze zu jener von Ruth eigentlich recht harmlos erscheint, oder ob meine absurde Interpretation „zu weit“ geht, hierüber dürfen Sie mit Freuden spekulieren, sich auch gerne über meine zugegebenermaßen weit hergeholte Einbildungskraft lustig machen, denn falls mein Eindruck überhaupt zuträfe, könnte es sich genauso gut um einen Zufall handeln (was allerdings erst einmal voraussetzt, dass es so etwas wie einen Zufall überhaupt gibt).
Die immense Intensität der „Szene der Schauspielszene“, ich sprach sie bereits in groben Zügen an, erschafft einen feurigen Kosmos, in dessen Universum nur zwei Menschen zu residieren scheinen, pardon, EIN Mensch, denn hier gibt es für mich nur sie...
Nicht jede Szene des Films nimmt für sich in Anspruch, sich selbst völlig ernst zu nehmen oder gar vermeintlich arrogante Abgehobenheit abstrakter Künste abzubilden, vielmehr bezöge sich das – trotz insgesamt kunstvoller Inszenierung – Augenzwinkern gerne auf die zu glitzern gelobende Glamour-Welt, in welcher sich das Schicksal Hollywoods einstmals feierlich aufzuhalten schien, ähnlich etwa wie auf anderen und doch vergleichbaren Ebenen ein Brian De Palma in „Raising Cain“, hat der Regisseur sichtlich Freude daran, sich in den ureigenen Welten seiner selbst zu verlieren.
Eine fremde Dame sich nunmehr aufzudrängen versuchend:
„Ich gehe mit Ihnen“, nicht willkommen seiendes Unbehagen breitet sich über unserem der Verwirrung unterliegenden Herzen aus und die blonde Schönheit und unsere Wenigkeit sind gleichermaßen ratlos, was geschah, geschieht und sich in die Gräber der Zukunft zieht …
Die weitestgehend wortkarge, weniger offen als Betty seiende Schönheit, die aber trotz ihrer scheinbaren Sprachlosigkeit stets etwas sagt und somit ob ihrer Präsenz auch für einen Stummfilm geeignet wäre, nähert sich nunmehr dem Akte körperlicher Zuwendung und verzärtlicht das bislang so rätselhafte Geschehen, um es nur noch undurchsichtiger zu machen und endgültig zum natürlichen und begrüßenswerten Faszinosum zu erheben.
In dieser -unter Berücksichtigung auch aller anderen zu begrüßenden Schönheiten- hocherotischen Sequenz, befinden wir uns in einem gewaltigen Meer allgegenwärtiger Ungewissheit und zelebrieren die gefühlt immer seltener werdende Tatsache, dass Filme wie diese noch dazu neigen, keinerlei Rücksicht auf uns zu nehmen, sondern trotz – oder gerade wegen – aller Sensibilität schonungslos ihr alptraumhaft-schönes Programm aufführen, selbst dann, wenn ein Zuschauer mal aufstehen und schimpfen sollte.
Das Bett im Schlafgemache verlassen nun, begeben wir uns zur Bühne des Schicksals und lauschen dem Magier mit der (deutschen) Dalton-Stimme, der er den ohnehin schon schwebend zauberhaften Film noch einmal im wörtlichen Sinne in ebendiese Richtung lenket, Mulholland Drive ist ein Werk der natürlichen Entstehung und des unbändigen Kraftentfaltungswunders einer parapsychologischen Erfahrung sinnlicher „Sünden“ und Exzesse.
Betty's anfängliches Leuchten in den Augen, droht aus keineswegs zu leugnenden Gründen zunehmend und immer mehr und häufiger zu entschwinden, ja weicht sogleich gar den Tränen, denn die ursprüngliche Vorstellung ihrerseits, in Hollywood aufzublühen, wich stattdessen einer Reise hinaus aus hiesigen Sphären, Lynchs Welt ist damit noch himmlischer, als jene Absurde Hollywoods, die er humoristisch abbildet.
Kann diese Stadt zwischen Show und grausamer „Realität“ noch unterscheiden?, worin ergründet sich ein solcher Unterschied, so er denn vorhanden sei, überhaupt?
Welcher Bewusstseinszustände bedient sich das knisternde Unheil?
Das Leben trieb sein Unwesen auf die Spitze des Traumberges und verbündet sich mit Mächten des schicksalhaften Tiefgangs von Vollkommenheit und grausamer Güte.
Ein betty-artig anmutendes Geschöpf, scheint fortan den Namen Diane zu tragen, unsere tatsächliche und wahrhaftige Betty führt es in Kürze höchstpersönlich zum titelgebenden Mulholland Drive, es ist ein „Drive-in“, uns führend auf direktem Wege ins Jenseits des Todes (el camino de la muerte träfe hier gar noch eher zu denn in den Anden), wird sie doch von Rita in eine obskure und reichlich abstrakte Märchenwelt getragen, so dunkel und funkelnd wie von schwarzer Magie durchleuchtet , lediglich der Pool bliebe hell („hell“ heißt aber gleichsam auch „Hölle“!), alles andere wird getränkt in einen Schwarzfilter der Nacht...
Ritas Quasi-Ebenbild Camilla (hat in einer Scheinwelt nicht irgendwo jeder von uns mehr als ein Gesicht vorzuweisen?), jene äußerlicherseits identische Lotusblüte der gewissermaßen vorhandenen Ähnlichkeiten, begleitet uns die Nacht über und wohnt dem Ende eines Schicksals bis zum letzten Atemzuge bei, Freunde der Nächte höret, es ist ein Ausnahmefilm ohnegleichen und die anfängliche Gestalt vom todesgleichen Schmerzgewande kehrt zurück, die Welt ist ein Phantom und wird es gerade im Zeichen scheinbarer Transparenz immer bleiben, 'silentium' ist das letztgesproch'ne Wort und die Totenstille geleitet uns entsetzlich langsam in den wohlverdienten Abspann …, ich wünsche Ihnen eine geruhsame Nacht, aus deren Tiefschlaf nur noch das Böse erwacht :)

„Mulholland Drive“ ist suggestives Kunstkino für den gehobenen Geschmack, bedient sich aber trotz dieser spaßeshalber etwas abgehoben-arrogant formulierten „Ansprüche“ nicht selten des vergnüglichen Verlangens, uns ein kleines Spielkind sein zu lassen, welches zum ersten Male in seinem Leben einem Alptraum sowie dessen facettenreicher Schönheit beiwohnen darf, dabei erzeugt der Film stets schaurige Romantik, ratlos machende Mysterien der Merkwürdigkeit und „ungefähr“ zusammenpassende Puzzle-Teile, die er mit Freuden versteckt, zudem vermag er geheimzuhalten , ob das vollständige Puzzle „wirklich“ komplettiert worden ist, oder ob wir nach der Vollendung nur den ersten Akt hinter uns brächten, um schon eine Minute darauf mit der Entstehung des nächsten Puzzles konfrontiert zu werden, einem Neubilde, mit welchem keineswegs zu rechnen war – drum rechnen Sie bitte mit ALLEM...
4 bis 5 Sterne von meiner Seite, die zwar nach mathematischem Komma-5-Prinzip wohlwollenderweise aufgerundet werden müssten, jedoch einen gewissen Bewertungsabstand zu den beiden besten Lynch-Filmen halten möchten:
Lost highway und Inland Empire nämlich, ersteren war ich bereits so frei zu beleuchten, letzteren füge ich in Zukunft hinzu, ein nächtliches Adieu.

Särge so anders,
sonderbar die Stille,
lynchen ja Herr Lynch er kann das,
es ist des Jenseits' freier Wille.

Stilvoll und makaber,
zartfühlend so klar,
die Liebe die nie da war,
und doch so sanftmütig fürwahr.

Die letzte Strophe erklungen,
der Film er neigt sich dem Ende,
das Lied des Sterbens gesungen,
ein Schicksal ohne jede schonende Wende …
88 Kommentare| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. September 2016
Ehe ihr mir jetzt Arroganz vorwerft, weil ich mir einbilde, die Handlung von A-Z verstanden zu haben - nein, das ist nicht der Fall. Aber ich kann nicht akzeptieren, dass gesagt wird, Lynch hätte keinen roten Faden beim Drehbuch und seiner Verwirklichung gehabt. Man kann aufgrund der wunderbaren Bilder, der großartigen Darstellerinnen und der traumhaften, surreal anmutenden Atmosphäre den Film auch ohne Suche nach dem roten Faden ansehen und ihn wunderbar finden - oder gnadenlos verreißen.
Der Film handelt von einer blonden und einer dunkelhaarigen Frau, die das Schicksal in Hollywood zusammenführt. und endet mit einem Selbstmord aus enttäuschter Liebe und beruflicher Frustration. Wie es dazu kommt, wird nicht chronologisch, nicht linear erzählt, und ein nicht unerheblicher Teil besteht aus Träumen von Betty Elms (Naomi Watts), in denen sie Erlebtes verarbeitet, Wünsche träumt, Misserfolge wie das Vorspielen für eine Filmrolle schönträumt, reellen Personen eine andere Rolle zuteilt und noch mehr, was es zu entdecken und entschlüsseln gilt.
Einige Vorrezensenten haben großartige Deutungen geliefert:

Persönliches Schicksal, das weitgehend vorbestimmt ist, man habe nur in sehr engem Rahmen die Möglichkeit, den Verlauf zu ändern. Der Mensch wie ein Goldfisch im Glas, der über den Horizont des Glases blicken kann, aber durch das Glas nur geringen Bewegunsfreiraum hat.

Traumdeutung. In Träumen wird Erlebtes verarbeitet, Misserfolg verdrängt, schöngeträumt, reellen Personen werden andere Rollen zugeteilt (Coco), Schuld verdrängt u.v.a.m.

Schein und Sein, die Theaterszene, in der der gesamte Ton sich als Playback darstellt, gleichzeitig auch zu deuten, dass die Welt sich weiterdreht, wenn ein Akteur ausfällt (Lied geht nach Zusammenbruch der Sängerin weiter).

In vielen Rezensionen habe ich richtige Deutungen gelesen, bisher keine, die mich den Film hat von Anfang bis Ende komplett hat verstehen lassen. Die Handlung ist nicht linear, sie kann es auch gar nicht sein, manche Träume verarbeiten Erlebtes, andere Träume sind Hoffnungen auf zukünftige Entwicklungen. Um beim Bild des Fadens zu bleiben: Lynch hat ihn zerschnitten und nicht chronologisch wieder zusammengeknotet, manchmal fasert er auch auf, und diese Faser endet im Leeren, oder sie fügt sich wieder in den Faden ein.

Ein schönes Bild, von Lynch im Interview erläutert, ist der "Mulholland Drive", eine Strasse, die zu Beginn einen Unfall erlebt, den nur Rita (Laura Helena Harring) überlebt: eine kurvige Strasse auf einem Bergrücken mit Blick auf Los Angelos, mit Abzweigungen, über die Rita in die Wohnung kommt, in der sie von Betty gefunden wird, eine Abzweigung zu dem Anwesen, wo Rita die Heirat mit dem Regisseur verkündet und Betty die Diane Selwyn (auch von Naomi Watts gespielt) kennenlernt, die Rita (bzw. Camilla Rhodes) küsst, welche nach dem Unfall ihr Gedächtnis verloren hat und sich inspiriert durch ein Filmplakat nach der Hayworth eben Rita nennt. Aber hat Betty das nicht nur geträumt???

Je öfter man sich den Film ansieht, desto mehr mag es gelingen, den "falsch" zusammengeknoteten Faden wieder in die richtige Reihenfolge zu bringen und sehen, welche Abzweigungen ins Leere laufen oder sich wieder einfügen. Nicht unmöglich, dass man manches noch falscher zusammenfügt, man wird außer den 10 "kryptischen Hinweisen" weitere sehen wie eine Szene, in der Betty mit dem blauen Schlüssel das würfelförmige blaue Kästchen öffnet und der Film seine Ebene wechselt.

Zusammenfassend hat Lynch kein unentschlüsselbares Rätsel daduch geliefert, dass es nicht alles zu entschlüsseln gibt, er vergleicht im Interview den Film mit Literatur, einem Buch, dessen Autor nach der Veröffentlichung verstorben ist und deshalb zur Interpretation nicht mehr befragt werden kann. Lynch hat nicht eine sinnlose Zusammenstellung von Szenen geliefert, auf die sich jeder einen anderen Reim machen kann, es wird eine ganz klare Struktur geben, die Lynch beim Schreiben des Buches und Drehen des Filmes im Kopfe hatte. Sie ist nicht unentschlüsselbar, aber es mag dauern oder auch misslingen, da Traumdeutungen auch mit einer Unsicherheit behaftet sind. Wenn zwei das Gleiche träumen ist es noch lange nicht dasselbe (schlagt nach, >das Gleiche< und >dasselbe< sind intuitiv (Bauchgefühl) korrekt gross und klein, getrennt und zusammen gechrieben).
Man wird aufgefordert, nachzudenken, Spuren zu verfolgen und wieder fallen zu lassen, weiter Aha-Erlebnisse durch weitere Schlüsselszenen - mit oder ohne - Schlüssel finden, und verachtet auch das Bauchgefühl nicht. Manche verachten es, weil es "unwissenschaftlich" sei. Das ist grundfalsch!

Gegebenenfalls überspringt den Abschnitt, einen Ausflug in die Neurophysiologie!

Das Bauchgefühl ist eine unverzichtbare Funktion zentraler Hinstrukturen, ohne die wir kaum lebensfähig wären. Der Neurologe Oliver Sacks beschreibt einen Menschen mit einem IQ von um 140, der es aus welchen Gründen auch immer nicht mehr hat. Der Mensch kommt im Alltag nicht klar, er kann vielleicht komplizierte Gleichungen lösen, vielleicht scheitert er aber schon vor Beginn. Er hat nämlich viele wahrscheinlich gleichwertige Alternativen: er kann mit Kuli oder Bleistift arbeiten, und jetzt überlegt er ganz vernünftig eine halbe Ewigkeit, was er nehmen soll. Beides hat Vorteile und Nachteile. Er kann überlegen, ob er vorher, zwischendurch oder hinterher noch etwas anderes macht, bei fast jeder Entscheidung haben wir Alternativen, über deren Vordringlichkeit wir ewig nachdenken können und dann nie etwas machen (es sei denn, Mutter Natur sagt uns, das wir jetzt unbedingt etwas trinken müssen). Etliche Entscheidungen, die wir treffen, geschehen automatisch, aus Erfahrung, ohne dass wir grossartig darüber nachdenken müssen, aus dem Bauch heraus. Das Bauchgefühl kann uns natürlich auch mal täuschen, wir treffen aufgrund von verankerten Erfahrungen falsche Entscheidungen. Aber das Bauchgefühl lässt uns sehr oft intuitiv das Richtige tun, ohne ewig Für und Wider abwägen zu müssen.

Ende des Ausfluges

Man kann den Film fast gar nicht verstanden haben, er kann einem trotzdem gefallen , nicht nur wegen der großartigen Bilder und der beiden fantastischen Hauptdarstellerinnen (und ja, Laura Elene Harring war tatsächlich einmal Miss America), sondern weil uns unser Gefühl sagt., der Film ist "richtig", wir können es nur rational (noch) nicht erklären. Wer das Gefühl nicht hat, ist beileibe nicht dumm, für dumm halte ich nur den, der den Film unbegründet verreißt.

Einige Rezensenten haben mich erheblich weitergebracht und finden sich vielleicht teilweise hier wieder, keiner hat den Film vollständig durchschaut und behauptet das in seiner Rezension, aber viele haben manch Rätsel gelöst, Zusammenhänge erläutert, auf Schlüsselszenen verwiesen. Wahrscheinlich wird er nie voll verstanden werden, denn Träume sind vieldeutig, und was Betty träumt, ist ja nicht allgemeingültig, sondern Lynchs Vorstellung, was dieser Traum bedeuten soll, seine Gedankenwelt.

Vielleicht löst Lynch das Rätsel einmal, vielleicht auch erst in seinem Nachlass. Bis dahin möge noch viel Zeit vergehen und David Lynch uns noch viele seiner unverwechselbaren Werke bescheren. "Lost Highway" (auch da gibt es eine Szene mit einem über eine nächtliche Straße rasenden Wagen) habe ich als weniger verzwickt empfunden und das Gefühl, Lynchs Aussage mehr verstanden zu haben als bei "Mulholland Drive", ich fühle mich fast gezwungen, beide Filme noch mehrmals zu sehen, weil es immer noch mehr zu entdecken und zu entschlüsseln gibt.

Und sollte Lynch irgenwann einmal eine kompeltte Deutung und Erklärung aller Details liefern, bleiben sicher immer noch Fragen offen, weil er Lynchs Gedankenwelt, seine Assoziationen zeigt, die er z.B. Betty träumen lässt. Wenn man sich in diesem Sinne auf diesen Film einlässt, dann kann er uns bis ans Lebensende beschäftigen und immer noch Neues entdecken lassen. Welcher Film kann das schon von sich behaupten?
Ich würde mich freuen, wenn ihr von dieser Rezension profitiert und hoffe, ein kleines Detail zur Lösung des Lynch'schen Rätselspieles beigetragen zu haben.

Für mich gehört dieses (alb-)traumhafte MEISTERWERK zu den BESTEN FIMEN ALLER ZEITEN, und ich denke, mit dieser Einschätzung stehe ich nicht alleine da.

Doc Halliday
99 Kommentare| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. Dezember 2007
Willkommen in der Welt von David Lynch. Genie oder Wahnsinn? Diese Frage stellt sich hier mit Sicherheit. Bei "Mulholland Drive" kann man ganz klar beides als Antwort geben. Der als Mystery-Thriller angelegte Albtraum ist ein verstörendes, beklemmendes, manchmal absurdes, aber durchgehend faszinierendes Rätsel... eine Extravaganz par excellence. Wirklichkeit und Traum verschmelzen in "Mulholland Drive" zu einer Welt zusammen und Lynch fesselt den Zuschauer über die gesamte Lauflänge. Man kann sich der abgründigen Faszination der Bilder einfach nicht entziehen. Naomi Watts und Laura Elena Harring spielen grandios und bilden ein knisterndes Duo.

Auf dieses Werk muss man sich einfach einlassen und auch akzeptieren, dass das Puzzle nicht eindeutig zusammenzusetzen wird. Es wird nur Versuche geben das Geschehene zu entwirren, eine allgegenwärtige Lösung gibt es nicht. Am besten lässt man sich einfach in Lynchs Bilderorgie treiben und genießt "Mulholland Drive" als Meisterwerk. Das Gehirn gerät erst nach Ende der Vorstellung richtig ins Rotieren und man kommt wohl nicht daran vorbei ihn sich noch öfters anzusehen.

10 von 10
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. September 2012
>>> ZUM FILM <<<
Zugegeben, die Filme David Lynchs sind nicht jedermanns Sache: Zu surreal, langweilig und mataphorisch für die einen - meisterhaft, genial oder wegweisend für die anderen. Filme wie z.B. Eraserhead,Wild at Heart oder Lost Highway sind allesamt sehr sperrig und nichts für zwischendurch. Durch die Interpretationsmöglichkeiten, die Lynch seinem Publikum lässt (oder muss mann schon sagen: "zumutet"?), sorgt er mit beinahe jedem neuen Film für große Fragezeichen bei den Zuschauern. Und falls er doch einmal einen Film dreht, die sich inkl. eines klassischen Spannungsbogens an ein größeres Publikum richtet, dann ist Lynch nicht mehr Lynch, der Flop vorprogrammiert und die Enttäuschung groß. Paradebeispiel: Dune - Der Wüstenplanet.

MULHOLLAND DRIVE ist hingegen ein Film aus dem Lynch'schen Universum, wie er typischer kaum sein könnte: Ein düsteres Drehbuch mit surreraler Handlung; dazu skurrile Gestalten und Charaktere, die dem Zuschauer quasi im Minutentakt vorgeführt werden - sowie Interpretation des Films, die auch in diesem Falle wieder einmal NICHT eindeutig sind bzw. sein wollen.
Dabei entwickelt sich der Film über weite Strecken beinahe Lynch-untypisch: Er erlaubt dem Publikum über eine lange Zeit, den beiden Protagonistinnen und der Handlung relativ gut folgen zu können. Man ist beinahe geneigt, sich ein wenig um das typische Lynch-Publikum Sorgen zu machen; gleichzeitig hat man Hoffnung für unbedarfte Lynch-Neulinge, weil MULHOLLAND DRIVE einem über weite Strecken das Gefühl gibt, einfach nur unheimlich und düster zu sein, nicht jedoch surreal und abgedreht oder gar unverständlich.

ABER David Lynch wäre nicht David Lynch, würde er in MULHOLLAND DRIVE nicht in einer bestimmten Szene (Stichwort: "Theaterbesuch") quasi einen Schalter umlegen und alles, was davor noch richtig und klar zu sein schien, ab diesem Zeitpunkt ad absurdum führen. Von diesem "klick"-Moment an ist der Zuschauer mehr damit beschäftigt, die Knoten in seinen Gehirnwindungen nicht zu groß werden zu lassen oder sie mit Mühe wieder zu entfernen.

Zu diesem Film existieren unzählige Interpretationsmöglichkeiten, die im www alle nachzulesen sind. Daher verzichte ich an dieser Stelle auf meine eigene Interpretation über Sinn und Unsinn der Handlung. Nur so viel: MULHOLLAND DRIVE ist tatsächlich der einzige Film, von dem ich bis heute (nach mehrmaligem Anschauen) nicht mit Sicherheit behaupten kann, ihn in all seinen Facetten verstanden zu haben - den ich jedoch trotzdem sofort jederzeit als Meisterwerk bezeichnen würde. Und auch, wenn es verrückt klingen mag: Er gehört zu meinen Lieblingsfilmen. Dafür zu sorgen, dass sich ein rätselnder und halbwegs ratloser Zuschauer gleichzeitig als ein großer Fan bezeichnet - so etwas bringt nur David Lynch fertig.

>>> ZUR DVD <<<
BILD (gesehen auf 50 Zoll-Display)
Das DVD-Bild reißt keine Bäume aus: Es rauscht beinahe permanent und wirklich scharf ist das Bild nicht. Da ich Filme in Zeiten der Blu-Ray jedoch vornehmlich in hochauflösenden Formaten anschaue, weiß ich nicht, inwieweit ich bezüglich einer DVD noch eine möglichst subjektive und hilfreiche Meinung abgeben kann. Zusammenfassend würde ich daher sagen: Das Bild ist okay

TON (gehört mit 7.1-Set)
Der deutsche Ton liegt im DTS 5.1 und DD 5.1-Format vor. Beide Tonspuren schenken sich wenig. MULHOLLAND DRIVE ist jedoch genre- und inhaltsbedingt kein Film, der durch eine hervorragende Soundspur punkten müsste oder könnte. Ich finde den Sound gut abgemischt und die im Film erzeugte düstere Stimmung wird durch den guten Sound ideal unterstützt.

EXTRAS
- Cast & Crew-Infos
- Interviews
- Produktionsnotizen
- Fotogalerie
- Making-Of
- Trailer

-> die Extras begeistern nicht und auch, wer sich bei Extras erhellende Erläuterungen zum Film erhofft, wird enttäuscht.

>>> FAZIT <<<
MULHOLLAND DRIVE polarisiert wie die meisten Lynch-Filme: Die einen hassen ihn, andere lieben ihn. Ich gehöre zur zweiten Gruppe. Warum? Der Film ist spannend, strahlt eine bedrohliche und einzigartig surreale Stimmung aus und überzeugt mit einer gelungenen Bildersprache und einem ebensolchen Soundtrack. Dass er ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr wirklich greifbar ist, erhöht für mich persönlich die Freude bei jedem neuen Anschauen. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, MULHOLLAND DRIVE vielleicht irgendwann einmal doch noch endgültig und zweifelsfrei verstehen zu können. Und falls dies nicht klappen sollte? Dann bleibt ein Film übrig, der mich fasziniert wie nur wenige sonst. Eine ganz dicke Empfehlung für Gehirnakrobaten, sowie für leidensfähige und unverbesserliche Fans von Filmen, die auch nach unzähligen Sichtungen rätselhaft bleiben...
Wem MULHOLLAND DRIVE gefallen hat, darf sich dann gleich noch an Inland Empire wagen. Gegen den wirkt ersterer geradezu wie Mainstreamkino ;-) INLAND EMPIRE war dann aber selbst für mich zu durchgeknallt und wirr...
33 Kommentare| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 31. März 2009
Zur Geschichte: Ein versuchter Mordanschlag, ein Autounfall, eine Frau, die den Unfall als Einzige überlebt, ihr Gedächtnis verloren hat, sich in einer fremden Wohnung einnistet und mit der Nichte der Besitzerin anfreundet. Jene möchte der hübschen Unbekannten helfen, sich an das Vergangene zu erinnern.
Ein Stoff, der für so manchen Film eine Grundlage bieten könnte und schon geboten hat. Nichts Neues, denkt man anfangs... doch dieser Film ist anders.
Viele Bilder und Szenen, die anfangs nicht zueinander passen zu scheinen, folgen aufeinander. Episodenartig und so schnell, dass man als Zuschauer die ganze Zeit über aufmerksam sein muss, um nicht ein wichtiges Detail zu übersehen. Dieser Film fordert - hart an der Grenze zur Überforderung. Es stimmt: er ist kafkaesk, wirkt unfertig, unlogisch, verwirrend. Aber er hat etwas. Was genau, kann ich momentan kaum beschreiben, da es schwer fällt, diesen Film in Worte zu fassen.

David Lynch ist für skurrile Mystery-Filme und Serien bekannt und hat dies mit "Mulholland Drive" erneut bewiesen. Ambivalent hat mich der Film zurück gelassen, denn anstatt die Fragen alle der Reihe nach zu beantworten, lässt er Einen mit neuen Fragen zurück.
Ich glaube, es gibt bei diesem Film nur zwei Möglichkeiten: entweder man hasst oder liebt diesen Film. Sehenswert ist er aber allemal. Es empfiehlt sich sicher, den Film einige Male zu schauen, da viele kleine Details beim ersten Mal sicher untergehen. Und die Story bietet so viel Raum zur Interpretation, dass sich in Jener die Geister scheiden.

Für Fans von "Twin Peaks" bzw. David Lynch im Allgemeinen, ist diese DVD ein Muss. Alle Anderen sollten sich nur heranwagen, wenn sie auf schwere, fordernde Kost stehen und keinen locker-leichten DVD-Abend erwarten.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

Lost Highway
3,99 €
Angel Heart
3,99 €
Inland Empire
3,99 €

Brauchen Sie weitere HilfeHier klicken