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Kundenrezensionen

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am 29. März 2017
Eine "Korrektur" der Schulkenntnisse lohnt sich auch noch im fortgeschrittenen Alter. Safranski plaudert über Goethe wie über einen nahen Bekannten. Köstlich!
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...ist die große Stunde des Konformismus" (15) schreibt Rüdiger Safranskis gleich auf der ersten Seite seiner Biographie über den wohl deutschesten aller deutschen Dichter. Unsere heutige Gegenwart ist vernetzter als jemals zuvor. Jeder kann mit jedem über alles und nichts kommunizieren; der Zugang zu Filmen, Büchern und Musik, mitsamt mal mehr mal weniger qualifizierten Kommentaren zu eben diesen, ist grenzenlos. Kann ein solches Zeitalter der ultimativen Verfügbarkeit von Informationen überhaupt noch einen Menschen von solcher Schöpfungskraft und solch einer Masse von Produkten hervorbringen? Auch Goethe, so Safranski, sei immer interessierter Beobachter und Teilnehmer des politischen und kulturellen Lebens seiner Zeit gewesen. Doch viel wichtiger: "Er machte es sich zum Grundsatz, nur so viel Welt in sich aufzunehmen, wie er auch verarbeiten konnte [...]. Er konnte auch wunderbar ignorieren" (ebd.). Diese Kunst des Ignorierens, im Zeitalter des penetranten Dauerinputs eigentlich wichtiger denn je, scheint heute jedoch nur noch von wenigen beherrscht zu werden. Rüdiger Safranskis neues Buch "Goethe ' Kunstwerk des Lebens" ist eine glänzend recherchierte und hervorragend geschriebene Darstellung dieses deutschen Genius' als Mensch seiner Zeit in all seinen verschiedenen Rollen.

Safranski beschreibt das Leben des hochbegabten Sprosses einer wohlhabenden Frankfurter Juristenfamilie, der bereits zu Schulzeiten mit zahlreichen Gedichten seinen Freundeskreis beglückte, dann zum Studium nach Leipzig und Straßburg ging, dort seine vielen Liebeleien wiederum in Gedichten verarbeitete und reflektierte und später dann als Intimus des Herzogs von Weimar Karriere zu machen, ohne dabei viel arbeiten zu müssen. Safranski nähert sich dabei den entscheidenden Ereignissen im Leben Goethes anhand der von ihm zu dieser Zeit verfassten Schriften. Dabei gelingt ihm ein Einblick in das Gesamtwerk Goethes, wobei er es schafft, die zentralen Aspekte eines Werkes auf den Punkt zu bringen, ohne dabei allzu sehr zu vereinfachen oder ins platitüdenhafte abzudriften. Zudem gelingt dem Buch mit der Beschreibung von Goethes Leben und Werken sowie der Rezeption und Diskussion um eben diese eine lebhafte Rekonstruktion des politischen, literarischen und philosophischen Panoramas vom Deutschland des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Die Auswirkungen des Sturm und Drang, Goethes Freundschaft mit Schiller sowie die Revolutionskriege und Goethes persönliche Bekanntschaft mit Napoleon sind nur einige Aspekte, die Safranski hier aufgreift.

Goethe als Nonkonformist, der selten jemanden nach dem Mund sprach, aber auch von Hause aus die Unabhängigkeit besaß, dies für sein Auskommen nie nötig gehabt zu haben; Goethe der Charmeur, der ständig flirtete, aber wohl erst während seines Italien-Aufenthaltes das erste Mal mit einer Frau schlief; es sind auch diese Widersprüche, die die bis heute andauernde Faszination für diesen wohl letzten Universalgelehrten ausmachen, dem Safranski hier ein Denkmal setzt, welches wohl auf Jahre das Standardwerk über Goethe bleiben wird.
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Das erste Gedicht von Goethe erlernte ich im 5. Schuljahr. Es handelte sich dabei um "Gefunden". Der Inhalt dieses Gedichtes faszinierte mich damals so sehr, dass ich mich drei Jahre später dazu entschied, mich in Rahmen einer Jahresarbeit in Deutsch mit dem Leben Goethes erstmals zu beschäftigen. Als Lektüre verwendete ich die Goethe-Biografie von Richard Friedenthal, die ich mir in den letzten Tagen ebenso aus meiner Bibliothek gezogen habe, wie diverse Bücher von Sigrid Damm, nicht zuletzt "Christiane und Goethe", zudem Sabine Appels "Im Feengarten" und zwei wichtige Bücher von Dagmar von Gersdorff ("Marianne von Willemer und Goethe" und "Goethes Mutter"), außerdem fast ein Dutzend Bücher zu Goethes Leben aus dem Schnell-Verlag und weitere Werke aus dem Insel-Verlag. Eine innere Stimme warnte mich spontan, konkrete Vergleiche vorzunehmen.

Was kann mir Safranski noch mitteilen, was all die Autoren vor ihm nicht schon berichtet haben, so fragte ich mich?

Um dies zu erkunden, habe ich das Werk gelesen und recht bald festgestellt, dass der Philosoph Safranski dem intellektuellen Goethe mehr Raum gibt als all die anderen Autoren, die bei der Goetheerkundung wohl mehr den psychologischen Hebel angesetzt haben. Goethe aber kann man letztlich psychologisch nicht wirklich ausloten, dazu hatte er ein zu komplexes Seelenleben. Eigentlich war er ja ohnehin ein absoluter Geistesmensch, ein Analytiker mit genialen Fähigkeiten, von einer inneren Weite, die man in ihren Dimensionen ohnehin nur im Ansatz erahnen kann.

Darauf reagiert Safranski und setzt dort den Hebel an, wo Goethes Stärke lag: im Denken.

Rüdiger Safranski hat sein Buch in 32 Kapitel untergliedert und breitet das Leben, Denken und Werk des großen Frankfurter Sohns so vielschichtig aus, wie ich es in keiner der vorangegangenen biografischen Beschreibung gelesen habe. Der Biograf geht in die Tiefe. Ein Beispiel dafür führe ich weiter unten an.

Zwar sind mir sehr viele Personen aus Goethes Leben bekannt, weil ich im Rahmen meiner 15 Weimar-Exkursionen immer wieder Bücher kaufte, die sich mit dem Personenkreis um Goethe befassen und außerdem Goethes Aufenthaltsorte besuchte, um nach Spuren von ihm zu forschen. Diese gibt es übrigens auch noch in Sesenheim.

Safranski steigt in Texte von Goethe ein und macht den Geistesmenschen auf diese Weise erfahrbar. Der Biograf zitiert Goethes Werke, auch Briefe und nutzt eine Fülle von Quellen, die er auflistet. Safranski hat diverse Biografien zu Goethe gelesen, u.a. auch jene von Friedenthal und zudem Primärtexte von Philosophen sowie Sekundärliteratur studiert, auch einige Bücher, die ich eingangs genannt habe.

Safranski kennt seinen Goethe und hält mit seinem Wissen nicht hinter dem Berg. Ich bin überaus beeindruckt und frage mich wie Goethe reagieren würde, wenn er wüsste, dass ihn jemand so gut kennt. Ich vermute er würde mit diesem Menschen ein Flasche Rheingauer Riesling oder einen fränkischen Steinwein trinken und ihn im Gegenzug heiter zu analysieren beginnen:-))

Natürlich werde ich die Biografie an dieser Stelle nicht zusammenfassend wiedergeben und ich werde, wie ich schon sagte, im Rahmen der Rezension auch keine direkten Vergleiche zu anderen Biografien herstellen. Das wäre vermessen und sollte Germanistikprofessoren überlassen bleiben.

Gefallen hat mir, dass zu Anfang eines jeden Kapitels für Insider erkennbar wird, worum es in dem jeweiligen Kapitel geht. Als Beispiel hierzu sind die Vorabinfos des Einunddreißigsten Kapitels:

"West-östlicher Divan: Lebensmacht der Poesie. Islam. Religion überhaupt. Poet und Prophet. Was ist Geist? Glaube und Erfahrung. Die Anerkennung des Heiligen. Das Indirekte. Die Plotin-Kritik: der Geist in der Bedrängnis des Wirklichen. "Wilhelm Meisters Wanderjahre" als Probe aufs Exempel. "Die Sehnsucht verschwindet im Tun und Wirken". Prosa und Poesie im Streit. Warum eigentlich Entsagung?" (S.561).

Nicht grundlos habe ich die Kurzinformationen dieses Kapitels gewählt, denn hier lernt man etwas über Goethe und seine Fähigkeiten zu sublimieren kennen. Vielleicht konnte aus Goethe nur der werden, der er war, weil er in der Lage war, immer wieder zu entsagen. Entsagen machte sein dauerhaftes Sehnen möglich und verstärkte Goethes Kreativität ins Unermessliche.

Es stimmt, Goethe hat seine Freiheit schöpferisch gebraucht. "Er ist ein Beispiel dafür, wie weit man damit kommen kann, wenn man es als Lebensaufgabe annimmt, zu werden, der man ist" (Zitat Safranski: Seite 650).

Goethe ist einer der wenigen Menschen, der seinen Gaben gerecht wurde und das funktionierte meines Erachtens deshalb so gut, weil er wie kein anderer zu sublimieren in der Lage war. Spätestens nach
Safranskis Biografie habe ich daran keine Zweifel mehr.

Sehr, sehr empfehlenswert.
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am 2. September 2014
Vor dieser Goethe Biographie hat Safrankski die Bücher »Schiller: Oder die Erfindung des Deutschen Idealismus« und »Goethe und Schiller Geschichte einer Freundschaft« geschrieben. Schiller scheint er zu lieben, während er für Goethe eher Respekt hat. Am besten ist die ganze Goethe-Biographie jedenfalls in der Periode in der Schiller in Goethes Leben ist. Liegt vielleicht auch daran, dass der Autor dazu am meisten sagen kann oder daran, dass er dazu am liebsten etwas sagen wollte. Der Rest des Buches ist eine wirklich gute Goethe Biographie, die sich in meinen Augen in erster Linie an Leute richtet, die noch keine gelesen haben. Das Buch ist eigentlich für jeden, der verstehen will, was dieser Goethe war, dieser Typ an dem heute noch kein Abiturient in Deutschland vorbeikommt. Wer mit dieser Frage an das Buch herantritt kann kaum enttäuscht werden, naja vielleicht doch, weil er oder sie sich durch mehr als 750 Seiten beißen muss. Das hätte man kürzer schreiben können, vielleicht müssen. Ich habe hier eine Version von »Dichtung und Wahrheit« liegen, auch eine Goethe-Biographie von einem deutlich eitleren Autor und selbst dieser kam mit weniger als 752 Seiten aus. Sonst ist das Buch (also der Safranski) etwas witzlos, da hätte man mehr Pepp reinbringen können. Es ist sachlich, streckenweise vielleicht zu lehrerhaft um wirklich Spaß zu machen. Das hätte man etwas mutiger schreiben können, der Stoff liesse es jedenfalls zu. Der Aufbau ist chronologisch, der Leser folgt Goethe von dessen Kindheit in sein hohes Alter. Da Goethe ständig neue (Neben-)jobs hat, der Autor dieser Biographie aber Literaturwissenschaftler ist und sich in erster Linie für Goethes Texte und nur in zweiter Linie für die Person interessiert, leidet der Leser auf etlichen Nebenkriegsschauplätzen. Man hätte die Literatur etwas stärker in den Hintergrund rücken müssen oder aber die Biographie thematisch strukturieren, um dieses Dilemma aufzulösen. Hat Safranski aber nicht und deswegen gibt es keine fünf Sterne.

+ Detailreiche, verständliche und ansprechend geschriebene Biographie.
+ Bewusster Verzicht darauf sich in den unendlich vielen Interpretationen zu verlaufen, die es zu Goethe gibt
+ Besonders stark ist der Abschnitt mit Schiller.
+ Ohne Vorwissen lesbarer Einstieg in Goethes Schaffen.

– Mit 752 Seiten zu lang, ein härterer Editor hätte das Buch auf 600 Seiten gekürzt ein wirklich harter Hund auf 500.
– Der chronologische Aufbau ist für das Lebenswerk Goethes vielleicht nicht die optimale Erzählstruktur.
– Dem Buch fehlt ein wenig der Schalk, den Goethe zweifelsohne im Nacken sitzen hatte.
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am 25. Juni 2015
Ruediger Safranski schreibt kuehl und distanziert, jedoch sehr engagiert ueber Goethe und die Pyramide seines Lebens, die er doch zur Spitze brachte und damit das Kunstwerk seines Lebens vollendete. Wer wie ich, einen sehr mittelmaessigen Deutschunterricht in einem Nachkiegsgymansium "genossen" hat, wuenschte sich, dass einem Goethe so lebendig nahegebracht worden waere. Nun wird man wieder neugierig auf Goethe und will endlich den Faust 2 lesen! Uebrigens, eine geniale Vorrauschau Goethe's eines Aspekts moderner Philosophie: Faust, der und Mephisto sind die beiden Prinzipien die kein geringerer als Karl Popper als die Grundlagen der Forschung beschrieben hat: Faust (conjecture) und Mephisto (refutation).
Nur einen Aspekt fehlte fuer mich: Goethe und die Musik, seine Reaktionen auf die Vertonungen seiner Gedichte, alle Achtung fuer Freund Zelter, aber was war der Grund fuer die tiefe Abneigung Goethe's gegenueber Schubert's Vertonungen seiner Gedichte, wo doch Schubert an seinen Freund Spaun schrieb: "Nu freilich sind's Lieder vom Goethe, immer und immer nur vom Goethe! Seine Verse sind doch das Herrlichste!" und er hat 75 Gedichte von Goethe vertont!! Wie reimt sich das damit, dass der alte Goethe sich von dem jungen Felix Mendelssohn hat unendlich verzuecken lassen? Wie waers, Herr Safranski, mit einem Nachtrag zu Ihrem winderbaren Goethe Buch: Goethe und die Musik.
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am 18. Januar 2014
Schon wieder eine Goethe-Biografie? Nach den hunderten, die es schon gibt?

Andererseits: "Iphigenie" wird ja auch immer neu inszeniert, selbst wenn jedes einzelne Wort hundertmal gesprochen, hundertmal von Germanisten umgedreht wurde. Und gerade wer den Faust auswendig kennt, dürfte sich jedesmal von Neuem interessieren, wenn er wieder auf die Bühne gebracht wird und wie.

So spricht nichts gegen Neuinszenierungen von Goethes Leben. Wie Safranski herausarbeitet, hielt Goethe von den Philosophen nicht viel und von der Religion noch weniger, umso mehr aber vom Leben. Seines hat an Buntheit fast alle seiner Werke (in denen sich Großartiges ebenso wie ziemlich Missratenes findet) übertroffen. Und jedes Zeitalter, jeder gescheite Biograph gewinnt ihm etwas Neues, etwas Eigenes ab: "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen". Goethe hat vieles gebracht, und daher auch vielen etwas, vor allem sich selbst, und Safranski legt eine spannende Neuinszenierung davon auf die Bretter.

Und einen lustigen Druckfehler gibt es auch, auf S. 419: "Die Kraniche des Abakus". Oder hat sich da jemand einen Scherz erlaubt?
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am 13. Mai 2015
Dieses Buch ist eine Fleißarbeit mit hohem Unterhaltungswert. Man erfährt viel aus dem Leben, Lieben und Schaffen des großen deutschen Dichterfürsten J.W. Goethe. Immer wird der dargestellte Lebensabschnitt in Beziehung zur jeweils aktuellen geschichtlichen Situation dargestellt. Auch Interaktionen mit berühmten Zeitgenossen kommen nicht zu kurz. Die Umtriebigkeit, Rastlosigkeit im Schaffen und in der Liebe rücken einen der größten Deutschen in ein menschliches Licht. Nicht unerwähnt bleibt, welche Alltags sorgen den Meister am Rande plagten. Es gab nur wenige Passagen, die mir zu weitschweifig erschienen und die ich diagonal gelesen habe. Dieses Buch kann ich wärmstens empfehlen, nicht nur Germanisten und Deutschlehrern.
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am 21. Oktober 2013
Bücher über Goethe füllen ganze Bibliotheken. Doch dem Werk von Rüdiger Safranski gebürt darin einen Ehrenplatz. Goeteh als Mensch, trotz seiner Genialität, ist verständlich, ohne Schnörkel und einer Erhebung aufs Podest, dargestellt. Aber eben nicht nur seine Lichtgestalt, sondern auch seine menschlichen, nichtsdestotrotz auch unangenehmen Charakterzüge finden ihren Platz. Und genau das ist es, was dies Biografie so angenehm aus andern hervorragen lässt.
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am 4. September 2013
Beginnen wir mit den Äußerlichkeiten: Unter dem Schutzumschlag verbirgt sich ein in grünes Leinen (?) gebundenes, gewichtiges Buch, das in die Hand zu nehmen eine Freude ist. Die damit verbundene Anmutung von Ohrensessel, Kaminfeuer und einem guten Glas Rotwein ist womöglich gewollt und mir im fortgeschrittenen Lebensalter gar nicht mal unsympathisch. Der Eindruck des "Wohltemperierten" und Behaglichen vermittelt sich auch über Safranskis Sprache und ist natürlich Geschmacksache - wie auch das nach den Regeln der alten Rechtschreibung benutzte ß, das ich wie einen alten, schon verloren geglaubten Bekannten begrüßt habe.

Obwohl ich mich schon mehrere Jahre mit Goethe beschäftige, habe ich noch einiges lernen können aus dieser Biographie. Über Faust II und Wilhelm Meisters Wanderjahre vor allem, aber auch über die Dramen, die mir bisher nur dem Namen nach bekannt waren. Manchmal wehte mich bei der Lektüre allerdings eine Kühle an, die denn doch befremdet. Wenn es um die Schwester Cornelia und ihr tragisches Schicksal geht beispielsweise. Das gehaltvolle Buch von Sigrid Damm über sie findet sich zwar im Literaturverzeichnis, scheint aber ansonsten recht spurlos an Herrn Safranski vorbeigegangen zu sein. Aber das sind Kleinigkeiten, die am positiven Gesamteindruck nichts oder kaum etwas ändern. Ich werde das Buch mit Sicherheit noch ein zweites, vielleicht sogar ein drittes Mal lesen. Es gibt nicht viele Bücher von denen ich das sagen kann.
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am 8. Oktober 2013
Die facettenreiche Biographie Goethe - Kunstwerk des Lebens" von Safranski ist spannend und lehrreich zugleich. Besonders hervorheben möchte ich drei von Safranski besonders gut dargestellte, für das Verständnis Goethes und seiner Zeit aufschlußreiche Charakterisierungen, nämlich die Farbentheorie Goethes, Goethes Plotinkritik und Goethes Kontakte zum Philosophen Fichte.

a) Goethe setzte sich dafür ein, daß Fichte eine Professur für Philosophie in Jena erhielt. Die Darstellung der idealistischen Philosophie Fichtes als Weiterenwicklung der Moralphilosophie Kants mit Safranskis treffender Beschreibung des zum Idealismus konträren Materialismus als "Selbstverdinglichung" des Menschen ist meisterhaft einschließlich der Erklärung des späteren Atheismus-Vorwurfs gegen Fichte wegen seiner alleinigen Ableitung der Religion aus der Moral (Kant!) ohne Raum für Monotheismus. Safranskis Charakterisierung Fichtes als erster Politkommissar" der Geschichte wegen seiner geplanten Reden an die Soldaten der Befreiungskriege gegen Napoleon ist besonders originell und treffend.

b) Die Erläuterung der Goetheschen Platon-Plotin-Kritik durch Safranski ist ebenfalls überzeugend und klar: Goethes Einwände gegen die platonische Vorstellung, die konkrete Wirklichkeit sei stets Manifestation einer allgemeinen Idee und sei deshalb immer ein "Abstieg" wird mit dem Gegenargument Goethes, daß auch aus konkret Gegebenem eine Evolution hin zu höheren Stufen zu beobachten sei, nachvollziehbar kritisiert.

c)Die Beschreibung der Farbenlehre Goethes, der sich selbst als Naturforscher verstand und sich mit seiner Farbenlehre explizit gegen Newton positionierte (was schon damals auf allgemeine Ablehnung gestoßen ist), ist ebenfalls gut zu lesen und klar. Safranski gelingt es, den Goetheschen Gedanken, eine Farbe zeige sich in Bezug auf weißes Licht stets als Intensitätsverlust, bedingt durch das Auftreffen des Lichts auf einen Gegenstand, nachvollziehbar darzustellen (in der Praxis ergibt die Überlagerung der Farben des Farbkreises in der Tat nicht "weiß", sondern "grau"). Safranski zeigt nun auf, daß Goethe der unmittelbaren Anschauung der Natur (ohne Hilfsmittel wie Mikroskop, Fernrohr etc.) den Vorzug vor mathematisch-physikalischen Abstraktionen gibt. Dies ist im Zeitalter der absolut unanschaulichen Quantenphysik natürlich besonders irritierend.

Ich kann diese vorzügliche Biographie, die die Geschichte und die geistigen und geistlichen Strömungen der Goethezeit lebendig werden läßt, nur empfehlen.

Gerhard Mall
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