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am 20. November 2017
Der Autor zählt mit diesem Werk für mich zu den großen Historikern unserer Zeit. Er beschreibt eindrucksvoll die Umstände, die letztendlich zu einer der größten Katastrophen des vergangenen Jahrhunderts, dem 1.Weltkrieg, geführt haben. Christopher Clark verfügt über ein fundiertes umfassendes Wissen über die politischen Hintergründe der damaligen Zeit. Wer es gelesen hat, wird die komplizierten Zusammenhänge besser verstehen, die zum Attentat auf den österreichischen Thronfolge Franz Ferdinand und seine Frau Sophie und zum darauffolgenden Weltkrieg geführt haben.
Das Buch ist für mich eine klare Empfehlung
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am 26. Januar 2017
In sehr eindrucksvoller Art beschreibt Christopher Clark den Weg in den Ersten Weltkrieg. Entgegen vielen Meinungen spricht er Deutschland nicht von der Kriegsschuld frei, sondern er analysiert und charakterisiert die damaligen Gegebenheiten und entbindet Deutschland von der ALLEINIGEN Kriegsschuld. Das Werk verlangt allerdings ein aufmerksames Lesen und ist nicht für "Querleser" geeignet.
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TOP 500 REZENSENTam 3. März 2016
Nicht umsonst ist Clarks Vorgeschichte des 1. Weltkriegs ein Bestseller geworden. Gerade weil er aus einem englischsprachigen Land kommt, ist sein neutraler Standpunkt so glaubhaft, entlarvt er das Schwarz-Weiß-Denken von den guten Alliierten und den bösen Deutschen als Geschichtsklitterung der Sieger. In Wirklichkeit haben die Imperialisten des 19. Jahrhunderts kollektiven Selbstmord begangen und das auch noch aus Dummheit und Kurzsichtigkeit. Mögen heutige Politiker daraus ihre Lehren ziehen!
siehe auch:Tantalus Welt: Die Überwindung nationaler Traumata
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TOP 500 REZENSENTam 18. November 2017
Christopher Clark: Die Schlafwandler
Die Debatte über die Schuld der großen Mächte am Ausbruch des Ersten Weltkrieges zählt zu den großen Kontroversen der Geschichte. Lange Zeit dominierte die Historiografie der Sieger. Der Vertrag von Versailles benannte Deutschland ausdrücklich aus Urheber des Krieges und bat das Land derart zur Kasse, dass es darüber nie mehr auf die Beine gekommen wäre. Die liberalen und linken Funktionseliten der Bundesrepublik beeilten sich nach dem noch katastrophaleren Ausgang des Zweiten Weltkrieges diesen Schuldspruch der Siegermächte auch für den Ersten Weltkrieg möglichst vollständig zu kanonisieren. Kaum ein Schüler meiner Generation lernte im Geschichtsunterricht etwas anderes, als dass das das aggressive Deutschland die Welt im Juli 1914 in den großen Krieg gestürzt hätte. Berühmt-berüchtigter Höhepunkt dieser Alliiertenhistoriografie war das Buch von Fritz Fischer „Deutschlands Griff nach der Weltmacht“, das ein Historiker zeigt, der wie ein schlechter Kriminalkommissar sich bei der Lösung eines Falles nur auf einen einzigen Verdächtigen konzentriert. Erst in der letzten Generation beginnt sich vor allem im angelsächsischen Sprachraum eine realistischere Deutung der Quellenlage durchzusetzen. Stillschweigend wurde in der wissenschaftlichen Diskussion von der deutschen „Alleinschuld“ zur „Hauptschuld“ (August Winkler) abgerückt. Die Pointe des vorliegenden Werkes von Christopher Clark dagegen ist der Nachweis, dass alle Seiten in den Krieg hineingeschlittert und damit „mitschuldig“ seien, auch die Deutschen, aber dies noch nicht einmal in erster Linie.

Clark beginnt seine Darstellung mit einer sehr detaillierten und zugleich erschreckenden Nahbetrach-tung der extrem rückständigen serbischen Gesellschaft, deren grotesker Chauvinismus den Funken generierte, der die Welt in Brand setzen sollte. Was es dort zu lesen gibt, klingt wie eine Horrorshow aus einer andern Welt. Serbien besaß zwar eine wilde Armee, befand sich aber nach der Vertreibung der muslimischen Stadtbevölkerung in einem hoffnungslosen Prozess der Reurbanisierung. Vor die Wahl gestellt, entweder den Brandwein oder die Schulbücher zu besteuern, entschied sich das serbische Parlament für das letztere. Benebelt von der Erinnerung an das multikulturelle Reich Stefan Dusans fordern die Serben die Wiedervereinigung aller Südslawen in einem Groß-Serbien, wobei Kroaten und Bosnier kurzerhand zu Serben erklärt werden. Der halbe serbische Staatsapparat konspiriert mit einheimischen oder bosnischen Terrororganisationen, die habsburgischen Amtsträger in Bosnien nach dem Leben trachten.

Im zweiten Kapitel folgt eine sehr eingehende Betrachtung der europäischen Bündniskonstellationen, angefangen vom ausgewogenen Bismarck’schen Gleichgewichtssystem bis zur schrittweise Ver-schlechterung der deutschen Position im unmittelbaren Vorfeld des Ersten Weltkrieges. Selbstver-ständlich war die deutsche Politik aggressiv, herausfordernd und expansionistisch, oft auch ungeschickt und unaufrichtig, doch darin unterschied sie sich in keiner Weise von der Politik der anderen Mächte. Alle rafften und intrigierten so gut sie konnten, was der Autor an zahlreichen Quellen verdeutlicht. Vor allem die berühmte britische Denkschrift zur deutschen Außenpolitik von Ehre Crewe („Memorandum on the present state of British relations with France and Germany“ 1907), übrigens ein Paradestück des deutschen Oberstufengeschichtsunterrichtes, wird einer überzeugenden Neuinterpretation unterzogen. Während Crowe in seinem Memorandum alle britischen Ambitionen und Ansprüche wie selbstverständlich als begründet darstellt, erscheinen die gleichen Aktivitäten von deutscher Seite als unerhörte Aggressivität. In Wahrheit führten nicht unannehmbare deutsche Expansionsgelüste zur verhängnisvollen Einkreisung des Reiches sondern unvorhersehbare Veränderungen der Machtkonstellationen außerhalb Europas, die Deutschlands Gegner begünstigten. Wer hätte voraussehen können, das Japan Russland 1904/5 vernichtend schlagen und damit der britischen Außenpolitik viel breiteren Spielraum gegenüber Russland gewähren würde? Hätte Russland in Fernost gesiegt, wäre es ganz sicher nicht zu der krisenhaften Zuspitzung auf dem Balkan gekommen.
Ohne die großen Leitlinien aus dem Auge zu verlieren, steigt Clark zur Freude des Lesers immer wieder tief in die Detailgeschichte ein, was ausgesprochen unterhaltsam zu lesen ist. Seiner Ansicht nach wurde die Bedeutung der Monarchen im Vorfeld des Ersten Weltkrieges weit überschätzt, in Wahrheit waren sie nur unbeholfene Störer komplexer Strategien, die aber selbst innerhalb der einzelnen Länder höchst umkämpft waren. Der französische Ministerpräsident Callao, der im Zusammenhang mit der zweiten Marokkokrise an einem Ausgleich mit Deutschland interessiert war, musste seine Verhandlungen hinter dem Rücken seiner Ministerien führen, die ganz andere Signale aussandten. Als die Einigung vollzogen war, stürzte er wegen vermeintlich zu weitgehender Zugeständnisse ebenso wie sein deutsches Pendant Kinderlen Wächter wegen zu geringer Kompensationen. Auch Zufälligkeiten spielten eine verhängnisvolle Rolle: der russische Ministerpräsident Stolypin, der das Zarenreich vom Weg der Expansion zu inneren Reformen führen wollte, wurde 1911 ermordet, ein absoluter Unglücksfall für den weiteren Gang der Geschichte. Unglücklich für Deutschland war auch der Aufstieg des britischen Außenministers Sir Edward Grey, einem begnadeten Fliegenfischer und Tennisspieler, der jahrelang daran arbeitete, Großbritannien fest gegen Deutschland in Stellung zu bringen - ohne dies aber der etwas anders orientierten britischen Öffentlichkeit wirklich deutlich zu machen, so dass Deutschland im unmittelbaren Vorfeld des Ersten Weltkrieges zu verhängnisvollen Fehleinschätzungen gelangte. Ein Grund für dieses Taktieren hinter den Kulissen war bei allen Akteuren die Angst vor der Macht der neu aufgekommenen Massenpresse, die alle Stimmungen aufgriff und ins Hysterische verstärkte. Auf der anderen Seite wurde die (bezahlte) Presse oft auch als Instrument der Außenpolitik benutzt, wobei nie klar war, ob Artikel von der Regierung platziert, autorisiert oder unabhängig waren. Außerdem besaßen die Militärapparate in allen Systemen ein mehr oder weniger starkes Eigengewicht gegenüber der politischen Führung. Im Falle Deutschlands haben sie über die Flottenbauprogramme den Gegensatz zu Großbritannien verschärft und in der Gestalt des Schlieffen-Plans soger den Eskalationsprozess vollendet.

Rein ereignisgeschichtlich begann der Erste Weltkrieg nach Clark nicht erst 1914 sondern bereits 1911 mit der grundlosen Annexion Libyens durch Italien, ein Raubzug, der von den Ententemächten ausdrücklich unterstützt, von Deutschland und Österreich-Ungarn aber kritisiert wurde. Dieser Angriff „enthemmte“ die christlichen Balkanstaaten, die in den beiden folgenden Balkankriegen über den Rest des Osmanischen Reiches in Europa herfielen und die gesamten Machtverhältnisse auf dem Balkan auf den Kopf stellten. Diese Verschärfung der Balkanfrage konnte ganz und gar nicht im deutschen Interesse liegen, weil sie Österreich-Ungarn in einen verschärften Gegensatz zu Russland brachte und damit auch Deutschland unter Zugzwang setzte. Tatsächlich war es Russland, das seit den Balkankriegen eine immer aggressivere Politik auf dem Balkan verfolgte und jede Rücksicht auf die Interessen Österreich-Ungarns vermissen ließ. Unterstützt wurde es dabei von einem französischen Bündnispartner, der die serbische Armee mit Waffen ausrüstete und die russischen Eisenbahnlinien, die bei einem anstehenden Krieg eine entscheidende Rolle spielen würden, finanzierte. Bei dem Treffen von Wilhelm II und Zar Nikolaus II vereinbarten Deutsche und Russen zwar ihre Bündnispartner auf dem Balkan zur Zurückhaltung aufzufordern, woran sich aber nur Deutschland, nicht aber Russland hielt. Dass die Deutschen zur gleichen Zeit das Osmanische Reich reorganisierten und damit indirekt russische Expansionspläne behinderte, mag das Zarenreich in seiner offensiven Haltung nur noch bestärkt haben.

Was die Beschreibung der eigentlichen Krise nach der Ermordung des habsburgischen Thronfolgers betrifft, offeriert Clark im Grunde nichts Neues, aber die unparteiliche Darlegung der Quellenlage erzwingt eine Neubewertung. Abgesehen von den moralisch indiskutablen Begeisterungsstürmen über den Mord von Sarajewo in Serbien., Russland und anderswo zeigt sich, dass Russland wider besseren Wissens schon unmittelbar nach dem Attentat den Österreichern jede Berechtigung abspricht, das „unschuldige„ Serbien zur Verantwortung zu ziehen. Allerdings war Serbien keinesfalls unschuldig. Der serbische Ministerpräsident Pasic hatte von den Anschlagsplänen in Sarajewo gewusst, sich aber außerstande gesehen, die Mordpläne zu verhindern. Die Russen, die über die serbischen Terroraktivitäten genau informiert waren, standen trotzdem hinter ihrem aggressiven serbischen Verbündeten. Nur vor diesem Hintergrund ist der berüchtigte „Blankocheck“ der deutschen Seite zu verstehen, der den Österreichern am 6. Juli bedingungslose Unterstützung zubilligte. Andererseits ist aber auch ein gewisser Fatalismus auf deutscher Seite unverkennbar, denn man war sich darüber im Klaren, dass die Zeit gegen die deutsche Position spielte, dass Russland immer mächtiger wurde und dass man irgendwann würde kämpfen müssen, warum dann notfalls nicht jetzt? Außerdem hofften die Deutschen, dass die Franzosen ganz ähnlich wie bei der Bosnienkrise von 1908 den Russen die Unterstützung im Ernstfall versagen würden, was eine Sprengung des deutsch-französischen Bündnisses bedeutet hätte. Doch der französische Präsident Poincare, der Sankt Petersburg zwischen dem 20. bis 23. Juli besuchte, dachte gar nicht daran, den russischen Verbündeten zurückzuhalten. Russland in dieser zugespitzten Situation, eine Woche vor Kriegsausbruch, noch einmal einen Blankoscheck übereicht zu haben, muss als ganz wesentlicher Schuldanteil Frankreichs gewertet werden. Auch bei der Beurteilung des österreichischen Ultimatums an Serbien und der serbischen Antwort geht Clark neue – und überzeugende - Wege. Dass die Österreicher unter Punkt 5 und 6 des Ultimatums vom 23.7. die Mitwirkung österreichischer Beamter bei der Aufklärung der Sarajewo-Morde auf serbischen Territorium forderten, erscheint Clark vor dem Hintergrund jahrzehntelanger serbischer Terroraktionen mehr als gerechtfertigt. Insgesamt hält er das Ultimatum sogar noch für zurückhaltend formuliert, wenn man es mit den Ultimaten der Nato an Serbien im Balkankrieg der Neunziger Jahre vergleicht. Ganz im Unterschied etwa zu August Winkler, der die serbische Antwortnote vom 25.7. als weitgehend zustimmend und deeskalierend einordnet ( was schlicht unverständlich ist ) beurteilt Clark die serbische Stellungnahme als klare, wenngleich verklausulierte Ablehnung. Als daraufhin die Österreicher teilmobil machen, beginnt sich das militärische Räderwerk in ganz Europa zu drehen. Aber auch hier ist die Reihenfolge entscheidend. Nicht Deutschland war die erste unbeteiligte Macht, die anschließend mobil machte, sondern Russland (30.7.) Edward Grey, der Leiter der britische Außenpolitik, simulierte in dieser Phase nur Vermittlungsbereitschaft, ohne es ernst zu meinen. In Wahrheit war er fest entschlossen, Frankreich und Russland beizustehen. Da seine Position aber der Meinung maßgeblicher englischer Kreise widersprach, täuschten sich die Deutschen in verhängnisvoller Weise über eine evtl. britische und waren bass erstaunt, als die Briten am 4.8. in den Krieg eintraten. Dass sich die Deutschen bei dem deutsche Einmarsch in Belgien im Zuge des Schlieffenplans einen schweren Völkerrechtsbruch leistete, wird von Clark keinesfalls beschönigt sondern als wesentlicher Schuldanteil auch der deutschen Seite zugerechnet.

So entpuppt sich am Ende die Juli Krise als Folge extrem verschachtelter Handlungsabläufe zwischen durch und durch eigensüchtigen Akteuren, die schließlich in den Weltkrieg mündete. Ob allerdings die Metapher von den „Schlafwandlern“ den Kern der Sache trifft, kann man nach der Lektüre des Buches bezweifeln. Denn überblickt man die ganze Fülle des Materials, das in dem vorliegenden Buch ausgebreitet wird, liegt die Hauptschuld zweifellos auf serbischer, russischer und nicht zuletzt auch auf revanchistisch-französischer Seite. Die deutsche Situation dagegen hatte etwas Tragisches. Als fortschrittlichste Industriegesellschaft Europas wurde es durch die englische Weltmacht an der Geltendmachung ihrer Interessen im internationalen Rahmen gehindert und in Europa durch ein revanchistisches Frankreich und ein marodes Österreich-Ungarn in die Zange genommen. In der Be-trachtung des Krieges als ultima ratio unterschied sich Deutschland allerdings nicht von anderen Mächten, in der Bereitschaft diesen Weg notfalls auch zu gehen, allerdings auch nicht.

Was ist das Fazit, mag man sich nach der Lektüre des Buches fragen. Welche Folgen hatte die Veröf-fentlichung dieser profunden Neubewertung der Julikrise, ihrer Vorgeschichte und Folgen? Kann man sagen, dass die Fakten und Argumente Clarks das herrschende Geschichtsbild geändert haben? Au-ßerhalb Deutschlands zweifellos, dort gilt das „Hereinschlittern“ der Staaten in den großen Krieg, wenngleich in unterschiedlicher Akzentuierung, inzwischen als Konsens. Nicht aber in Deutschland und schon gar nicht bei den linken Meinungseliten. Für sie gilt die angestaubte Fischer-These von der deutschen Alleinschuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges noch immer als ein Element ihres Narrativ vom autoritären und demokratischen Sonderweg der deutschen Geschichte – zeitgemäß aufgebrüht in dem Geschichtswerken des Staatshistorikers August Winkler. Dazu ein aktueller Nachtrag. Während meiner Lektüre des vorliegenden Buches bemerkte eine Mainstreamjournalismus zur besten Sendezeit, gleichsam nebenbei bei irgendeiner Reportage die Deutschen hätten den Ersten Weltkrieg „angezettelt“ (Sabine Rau am 13.11. in der Tagesschau ). Noch immer triumphiert auf diese Weise die trötende Dummheit, massenmedial und mainstreamkompatibel verbreitet, über Wahrhaftigkeit und Redlichkeit. Das hat die gegenwärtige Lage sogar ein wenig mit der Julikrise gemein.

Serbien vor dem Ersten Weltkrieg
Einleitend Serbien. 1829 als eigenes Königreich unter osmanischer Suprematie anerkannt, zwei Familien die Obrenovics und die Karadorjevicz leiten den Kampf gegen das osmansiche reich und sind sich spinnefeind bis hin zu Nord und Totschlag. In Serbien vorwiegend bäuerliche Bevölkerung mit sehr bewusst gelebten Liedüberlieferungen, die denen Erinnerung an die große Zeit Stefan Dusans verklärt wird. „Bergkranz“ Epos zur Verherrlichung der Vorgänge von 1389 Mitte des 19. Jhdts ist das Nationalepos.
Milan (Vater) und Alexander Obrenoizc - skandaöse willkürliche Herrschaft ( Vater – Sohn Dynarchie, nachdem Milan 1890 wegen einer Affäre zurückgetreten war), die sich über Verfassung und Recht nach Belieben hinwegsetzt und wegen der Feindschaft zu Bulgarien (von Russland unterstützt) eine östereichfreundliche Politik verfolgt. Wirtschaftliche Abhängigkeit von Ö-U als Absatzmarkt und Waf-fenlieferant (Skoda in Porag) außerdem verhasst, weil vieel Serben in Ö U Herrschaft leben
Mit dem bestialischen Mord an Alexander III in Belgrad (Aktivitäen von Dimitrijevic „Apis“ – einr der Königsmörder schnitt fleisch aus den brüsten der Königin und trug es jahrleang in einem Koffer mit sich ), der von der Bevölkerung gefeiert wird, kommt ein Karadojewivc als König Peter auf den Thron. Dominante politische Rolle von Nicola Pasic, dem Führer der Radikalen Partei, (größte Partei, vor-nehmlich Bauern) - langsame Abkehr von Ö-U – Neuorientierung der Kreditnehme und Waffenkäufe nach Frankreich (Verpfändung der Steuereinnahmen) ab 1906 – Schweineimportsperre durch Ö-U, dadurch Umorientierung der Schweineexportindustrie auf andere Länder (Zollunion mit Bulgarien) Grundproblem des serbischen Staates eine Art Doppelherrschaft der zivilen Verwaltung und der Armee, innerhalb derer die Königsmörder von 1903 zentrale Positionen besezen. ( personelle Kontinuität Apis) – Allgemeine expansionistische großserbische Attitüde, die alle Kroaten und Bosnier kurzerhand zu Serben erklärte – dieser großserbischen Attitüde konnten sich auch die wenigen „gemäßigen“ Kärfte nicht entziehen. Interventionen serbischer Freischärler ( finanziert durch das serbische Parlament ) in Makedonien – Serbische Wirtschaft litt unter der Abwanderung der muslimischer Stadtbewohner, eine Reurbanisierung fand statt, die Macht ruhte nur auf den Bauern, die sich ab 1840 wie die Kaninchen vermehrten, so dass die landwirtschaftlichen Pro Kopf Erträge bis 1900 um ein Viertel sanken Alphabetisierungsragte von 27 % eine der niedrigsten in Europa, das Bauernparlament, vor die Wahl gestellt, Schulbücher oder Schnapps zu besteuern, entschied sich für die Schulbücher- Kaum Kapitalimport wegen fremdenfeindlicher Schikanen. Myhos von der Zolleinschnürung durch Österreich wird als Grund für die Rückständigkeit
1908 Hyper-Radikalisierung der Serben durch die Annexion Bosnien Herzegowinas. Scheinbare Kriegsvorbereitungen Serbiens gegen Ö-U- Bildung von Guerillaorganisationen an der Grenze nach Bosnien Herzegowina, Kronprinz ruft zum Krieg auf Hunderttausende demonstrieren in Belgrad (Dabei war der serbische Außenminister Milovanocicz im Vorherein über die Annesion B H durch den russischen Außenminister informiert worden, der seinerseits sich mit der Annexion einverstanden erklärt hatte – Serbien muss zwar nachgeben, doch die Verbitterung führt zur weiteren Radikalisierung der Offiziere, zur Gründung der Terrororganisation „Schwarze Hand“ und zur Intensivierung der Beziehungen zu Frankreich. Etablierung von Terroristenausbildungslagern ist ein offenes Geheimnis in den Kaffeehäusern von Belgrad. Fehleinschätzung der Österreicher, als sei die Schwarze Hand nur eine innerserbische Opposition Verbindungen zu anderen radikalen Gruppierungen wie dem „Jungen Bosnien“ (1910 fehlgeschlagenes Attentat des serbischen Bosniers Zerajicz auf den österreichischen Gouverneur, Verehrung des Attentätergrabes in Sarajewo, Schrift „Tod eines Helden“ durch Zerajics Freund Gacinovicz wird begeistert gelesen (auch von Gavilo Princip, der das Grab Zerajics besucht) – Start einer Terrorserien gegen Funktionsträger des Habsburgerreiches in Bosnien: 7 Attentate und 12 vereitelte Attentate bis 1914.
Was den eroberten Gebieten eines geplanten Großserbiens blühte, wurde deutlich, als sich das ser-bische Territorium nach den beiden Balkankriegen fast verdoppelte. In den neuen Gebieten mit nichtserbischer Bevölkerungsmehrheit brachen Mord und Totschlag vor allem gegen Muslime aus, so schimm, dass es sogar international ruchbar wurde, ohne dass das die Serben zu interessieren schien (Selbst unter den Türken war das Ausmaß an Rechtssicherheit größer gewesen). Treibende Kraft: die brutale serbische Militärverwaltung. Als die serbische Regierung diese Gebiete der zivilen Verwaltung unterstellen will, kommt es zu einem Konflikt zwischen ziviler und militrischer Führung, der in einen Staatsstreich gegen die Regierung Pasic gemündet wäre, hätten nicht Russland und Frankreich ein Machtwort gesprochen, das Pasic im Amt ließ (Mai 1914) Unmittelbar bevorstehende Wahlen im Juni 1914
Das bevorstehende Attentat auf den Reformhabsburger Franz Ferdinand wurde durch die Schwarze Hand akribisch organsiert, war aber dem Pasic über seinen Spitzel Ciganovic bekannt. Anweisungen Pasics, die Verschiebung von Terrorwaffen nach Bosnien zu verhindern, werden nicht befolgt. Über diverse Kanäle wurden Warnungen an Österreich gesandt, aber eben nicht so , dass sie die wirkliche Bedrohungslage deutlich machgen. Pasic war ein Gefangener seiner eigenen chauvinistischen Kultur, wollte zwar aktuell Frieden, wusste aber auch, dass die Irredentistischen Ziele Serbiens nicht ohne Krieg erreicht werden konnten – eine zu deutliche Warnung hätte seinen Sturz bedeutet, so blibe ihm nur die Hoffnung, dass das Attentat schief ging. Insgesamt ergibtide Letüre des einleitenden serbienkaptiels für den Leser doppelt einschokierendes Bild; einerseits, weil er einen außer Rnd und Band geratenen Chauvimsus bis in die kleiensten Kleingikeiten dekuvrierrt und anderereits weil daas sich daraus ergebende neuenBild der vernatwortung so krass vom öffnetichen gehichtsbidl abweicht. Dabei ssit eigeltich nichts von demneu, was clark schreibt. Die einedeutige verwiclugn Serbiens in den mord an FF war schon in Friedocuhs Würthles zu Unrecht völlig vergessenem Buch „Die spur frht nach belgrad§ aus dem jahre 1978 nachzulesen.
Fazit: das österreichische Ultimatum nach dem Mord von Saarajewo war so etwas von gerechtfertigt, weil eine unabhängige innerserbische Unterssuchung mit Sicherheit zur Vertuschung geführt hätte. Regierung konnte gar nicht gegen die Schwarze Hand vorgehen.

Vorgeschicht der Julikrise
Vorgeschcihte der Annexion von BH, Jungürkishe revolition und Ablauf des 30järhigen veraltungs-mandats. Annexion B Hs war immer vorgehsene gewesen ohne dass R widersprochen hätte. Die eig-neltiche Anexion war 1908 mit dem russ Aue0nminister Iswolski geheim abgesprochen worden (Kompensation Zugeständnisse anden meerengen) , Doch dieser leugnete alles, als er erkannte, wie ablehnend die russcihe Öffentlichkeit reagierte und dass er die versprächeen Kmpenation an den Meerngen duch Widersrandd de Biten nicht bekommenw rüde. Verfeidugn ahrental und Iswolski – Öffentliher Agramprozess gegen die srbokraotische Oppstion im palement von zagreb vergiftet das Verhältnis weiter. Österreich sitzt gefälschten Dokuemtnena uf,d ie eine bezahlutng der serbokroati-schen Oppostion aus belgrad beweissen sollen – schwere Verfeindugn der Alteure in Wien und Belgrad – Kesseltreibeng egen den östrr Gesandten Forgach in beggrad, der abbbreufen wird,a ber 1914 eine verhägnisvolle rolel spielenw rid,,
Italein ist wegend er Annexion suer, weil sich ÖU weigert KOMPENSATIONEN an der Adria rauszurü-cken, Vertiefung der Verbindugnen zu Montenegro, dessen Kanaonen das habsburgische Kotor bef-dorhten – eenso Konflit wegen alabnien
it der Julikrise gein.
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am 9. Februar 2016
Dieses Werk ist offensichtlich als Standardwerk für den 1.Weltkrieg angelegt und ausserordentlich umfassend und mit unzähligen Quellenangaben bestückt. Ich kann es für den wirklich interessierten Leser nur empfehlen, wer sich aber nicht durch rund 800 Seiten arbeiten will sollte eher zu etwas kürzeren Abhandlungen greifen.
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am 14. Juni 2015
"In ganz Europa gehen die Lichter aus; wir alle werden sie in unserem Leben nie wieder leuchten sehen."
(Sir Edward Grey, britischer Außenminister, am 3. August 1914, kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges und kurz vor dem britischen Kriegseintritt)

Selten hat mich ein Geschichtsbuch derart fasziniert, selten war ein wissenschaftliches Geschichtsbuch derart umstritten - und von derart erbärmlichen Missverständnissen umrahmt.

Für die verheerende Wirkung, welche der Erste Weltkrieg für die Geschichte Europas (und der Welt) bedeutete, haben verschiedene bedeutende Persönlichkeiten und Historiker unterschiedlich eingängige Metaphern und Formulierungen gefunden: Der Begriff der "Urkatastrophe des 20 Jahrhunderts" (G. F Kennan) soll hier ebenso hervorgehoben werden wie die jüngste Einschätzung Jörn Leonhards, der diesen Weltenbrand mit der "Büchse der Pandora" verglich; jenes unheilvolle mythische Gefäß, aus dem nach seiner Öffnung alle Übel dieser Welt entwichen.
Doch betont der Autor des vorliegenden Buches zurecht, dass trotz der Gräuel dieses Konfliktes das eigentliche Problem in der Frage zu suchen ist, welche "undurchsichtigen und verworrenenen" Ereignisse dieses Armageddon möglich gemacht haben (Schlafwandler, S. 720). Die Diskussion über diese Frage ist ebenso alt wie der Erste Weltkrieg selbst, kontroverse und enorm aufgeladene Debatten beschäftigen sich seit Jahr und Tag mit der Frage, "wer schuld war"; eine Frage, die hier erheblich komplizierter zu beantworten ist als beim Zweiten Weltkrieg.
Bislang galt - zumindest in Deutschland - die These der Hauptschuld Deutschlands und seiner Verbündeten: Diese hätten Europa mutwillig und möglicherweise geplant in den Weltkrieg gezogen.

Der in Cambridge lehrende Historiker Christopher Clark hat es nun auf sich genommen, diese These dezidiert infrage zu stellen, indem er die Frage nach den Ursachen des Ersten Weltkrieges durch einen "multiperspektivischen" und beeindruckend facettenreichen und differenzierten Blick auf alle Akteure der Zeit vor und während der Krise von 1914 zu beantworten sucht.
Clark gehört unbestritten zu den herausragenden Historikern unserer Zeit, der mit seinen Werken über "Preußen" und "Wilhelm II." Meilensteine der modernen Historiographie vorgelegt und mit diesem Buch eine Darstellung geliefert hat, die wohl das Beste ist, was es über die Genesis des Ersten Weltkrieges gibt. Auch hier zeigt Clark seine Fähigkeit, durch originelle und anregende Argumentationen ältere Interpretationen zurechtzurücken und neue, interessante Sichtweisen anzubieten.
Nach der Lektüre seiner Wilhelm-Biographie war mir ziemlich klar, dass Clark demnächst auch eine komplette Arbeit über seine Sicht der Kriegsursachen des Ersten Weltkrieges vorlegen würde.
Vielen Lesern ist wohl entgangen, dass der Autor in dieser Biographie bereits viele Thesen vorweggenommen hat, die in diesem Buch eine Rolle spielen (so die Bewertung des deutschen Kaisers, der Julikrise, der Bündnis- und Balkanpolitik sowie der Flottenrivalität zwischen Deutschland und Großbritannien).
Bei aller Bewunderung über dieses Werk, über das schon so viel geschrieben wurde - auch hier auf Amazon - bleibt die unangenehme Frage, wie viele seiner Bewunderer (und Gegner) sein Buch überhaupt in Gänze gewürdigt und gelesen haben.
Denn es ist kein Buch für jedermann, es ist komplex, gehalt- und anspruchsvoll, erfordert Konzentration und tiefes Interesse sowie ein gewisses Maß an Vorbildung, um zu verstehen, welche Interpretation der Autor hier liefert.
Auch und gerade die Reaktionen auf dieses "Buch des Jahres" zeigen, dass es oft genug relativ oberflächlich behandelt und z.B. auf die lange und heiß diskutierte "Kriegsschuldfrage" sowie auf seinen Titel reduziert wird, den viele Leser offensichtlich falsch verstanden haben.
Dabei ist das Buch von bestechender argumentativer und intellektueller Qualität - ich habe noch nie ein Buch gelesen, das so voll von anregenden, anspruchsvollen und scharfsinnigen, doch zugleich einleuchtenden Reflexionen und Interpretationen war - teilweise mehrmals auf einer Seite. Damit kann sich wohl kein anderes Buch zum Thema messen. Niemals zuvor ist wohl das gegenständliche Thema derart kompetent durchdrungen worden.

Clark versucht seinem Thema durch drei Hautzugänge gerecht zu werden, die im wesentlichen davon geprägt sind, dass die Lage auf dem Balkan, der Krisenregion Europas, von der der Krieg ausging, vor 1914 ebenso in den Blick genommen wird wie die Interaktion aller Großmächte, die Formen, Entwicklungen und Charakteristika ihrer Außenpolitik vor und nach dem Attentat von Sarajewo, das Ende Juni 1914 die Krise einleitete, die zum Krieg führte.
Hierbei untersucht er erstens die beiden Antagonisten Österreich-Ungarn und Serbien, ihre staatlich-politischen Eigenschaften und ihre Beziehung zueinander, weil von diesem Konflikt der Erste Weltkrieg ausging.
Zweitens befasst er sich ausführlicher mit der Außenpolitik der verschiedenen an der späteren Krise beteiligten Großmächte, um zu zeigen, wie die Polarisierung Europas und eine Lage zustande kommen konnte, in der der Krieg ausbrechen konnte.
Drittens rekonstruiert er minutiös den Verlauf der "Julikrise", in welcher durch leichtfertiges und fahrlässiges Handeln der verschiedenen Akteure die Weichen auf den Krieg gestellt wurden.

Clarks Buch ist wie gesagt nicht für jedermann geschrieben und nicht jedermann wird damit durchgekommen sein; die Ausgangsfrage wird umfassend beantwortet ohne dass jedem Leser diese Antwort oder besser, diese Antworten gleichermaßen offensichtlich ins Gesicht springen werden; es ist im ganzen Buch viel von "Zweideutigkeit", "Komplexität", "Unduchsichtigkeit" und "Ambivalenzen" die Rede., was auf die Hauptthese des Buches ebenso hinweist wie auf das Hautproblem bei der Lektüre:
Von der Komplexität der Bedingungen des Kriegsausbruches ausgehend, will Clark diese Komplexität der Entwicklungen deutlich machen, was die Lektüre für den Leser ebenso schwierig macht.
Die Hauptthese des Buches lautet, dass der Erste Weltkrieg keineswegs von einzelnen Staaten geplant und zielstrebig vorangetrieben wurde, sondern das Resultat eines multipolaren, vielschichtigen Interaktionsprozesses der beteiligten Mächte war, in welchem viele Entwicklungen und Aktivitäten eine Rolle spielten.

Das Buch beginnt mit einer Darstellung des serbischen Staates, der laut Clark spätestens seit 1908/09 von agressiven, chauvinistisch-irredentistischen Strömungen und Netzwerken durchdrungen war. Diese Netzwerke bildeten eine den Österreichern auch als solche bewusste Gefahr des Habsburgerreiches, dessen serbische Völker die verschwörerischen Netzwerke Serbiens "befreien" wollten, ohne dass die Belgrader Regierung willens oder in der Lage war, diese konspirativen Tätigkeiten zu stoppen oder auch nur einzudämmen.
Dass Serbien tief von diesen Strömungen, die eine Gefahr für den Bestand Österreich-Ungarns bedeuteten, durchdrungen war, erschien der Wiener Regierung als eine Tatsache und bestimmte zunehmend deren Haltung.
Dazu kam, dass seit 1908/09 Russland eine zunehmend feindselige Haltung gegenüber Wien und eine zunehmende Annäherung an Belgrad an den Tag legte, um auf dem Balkan seinen Einfluss auszuweiten.
Die später verhängnisvollen Szenarien zeichnen sich hier schon ein wenig ab...

Im Folgenden nimmt Clark eine Neubewertung der Herausbildung der Bündnissituation vor, welche mit dazu betrug, dass der Weltkrieg ausbrechen konnte.
Er macht deutlich, dass die Bündnisse zwischen Großbritannien, Russland und Frankreich, welche zu einer wachsenden Isolation Deutschlands führten, nicht infolge einer deutschen aggressiven Außenpolitik zustanden kamen, ja nicht einmal von Anfang an und in erster Linie gegen Deutschland gerichtet waren:
Russland sah das Bündnis mit Frankreich als Garant für eine Eindämmung Östereichs auf dem Balkan, England wollte durch den Schulterschluss mit Frankreich und Russland koloniale Spannungen und imperiale Rivalitäten abbauen.
Deutschland hingegen spielte lange Zeit in den bündnisstrategischen Kalkulationen der Großmächte eine eher untergeordnete Rolle, wurde aber als anmaßender Emporkömmling empfunden.
Dennoch trug auch Deutschland durch seine leichtfertige und dilettantische Politik zu seiner Isolation bei.
Doch relativiert Clark hierbei die Rolle der deutschen Flottenpolitik, die in der Forschung massiv überschätzt werde und von Großbritannien längst nicht als die große Bedrohung wahrgenommen wurde wie oft dargestellt (S. 205, auch 414).
Das Bündnissystem selber war weniger Resultat als VORBEDINGUNG der feindseligen Haltung der Mächte gegen Deutschland, weil sich Russland und Frankreich entschlossen, ihr Bündnis mit dem Schicksal der krisengeschüttelten Balkanregion zu verbinden:
Infolge der Balkankriege verschoben sich die Kräfteverhältnisse auf dem Balkan, und Russland und Frankreich übten bald einen großen Einfluss auf den durch diese Kriege gestärkten serbischen Staat aus.
Russland wollte so seinen Einfluss auf der Halbinsel stärken, um möglichweise ein Sprungbrett zur Arrondierung der türkischen Meerengen zu bekommen, Frankreich sah in der Unterstützung dieser offensiven russischen Balkanpolitik eine ideale Vorbedingung für eine günstige Ausgangslage eines möglichen Krieges gegen Deutschland: Wenn es auf dem Balkan zu einem Konflikt zwischen Wien und Belgrad kommen würde, standen Petersburg und Paris, so viel war spätestens seit 1912 klar, aufseiten des serbischen Verbündeten...
Auf diese Weise legten Frankreich und Russland (mit stillschweigender Unterstützung Großbritanniens) eine gefährliche Zündschnur an die österreichisch-serbische Grenze, denn dort herrschte wie gesagt ein enormes Konfliktpotential aufgrund der Bedrohung des österreichischen Staates durch das irredentistisch imprägnierte Serbien.
Das serbische aggressive Verhalten 1912/13 verstärkte dieses Konfliktpotential noch, weil Österreich zunehmend der Ansicht war, hier helfe nur die Sprache der Härte - und eventuell der Gewalt, während Frankreich und Russland ein zunehmend anti-österreichisches Verhalten und Denken an den Tag legten, das ihr Verhalten während der Julikrise noch bestimmen sollte.

Eine zentrale These Clarks lautet daher:
Weil Serbien seinen irredentistischen Untergrund nicht einzudämmen imstande war und die Entente ihr Bündnis dennoch und mit dezidierter Wendung gegen Österreich mit dem Schicksal Serbiens verband, weil also die Entente den Grundstein dafür legte, dass ein regionaler Konflikt zwischen Wien und Belgrad einen großen Flächenbrand auslösen konnte und weil Österreich zunehmend empfindlich auf diese wahrgenommene Bedrohung reagierte und mit Deutschland verbündet war, konnte der Krieg möglich werden (S. 470f. und 454 ist diese These komprimiert).
Jedoch macht Clark deutlich, dass vor 1914 keine europäische Macht einen Präventivkrieg plante, in keinem Land entsprechende militärische Kriegstreiber die Plattform der Politik übernahmen und bestimmten, sodass die These eines deutschen Präventivkrieges anlässlich der "günstigen Gelegenheit" anno 1914 seine Plausibilität komplett einbüßt, aber auch revisionistische Thesen eines angeblich geplanten französischen "Revanchekrieges" oder eines russischen Waffengangs zur Eroberung der Meerengen beiseite geschoben werden müssen.
Allerdings - dies beinhaltet die obige These Clarks auch - boten die oben skizzierten bündnispolitischen Weichenstellungen eine Grundlage für die spätere Eskalation der Julikrise, gaben den Rahmen vor, in welchem diese später stattfand.
Und was vielleicht genau so wichtig ist: Clark hebt hervor, dass dieses "Balkan-Szenario" keineswegs eine "unpersönliche Notwendigkeit" war, sondern Resultat eines Prozesses, den Paris und Petersburg herbeigeführt hatten. Es war nicht objektiv notwendig, sondern Ausdruck einer parteiischen Bündnis- und Außenpolitik. Großbritannien übernahm jedoch - ebenso wie nachfolgende Historiker bis heute - die Meinung, es sei geradezu unausweichlich (gewesen), dass die Entente eingreifen und einen großen Krieg in Kauf nehmen müsse, sollte Österreich gegen Serbien vorgehen - Russland müsse dann Partei für Serbien, und Paris und London Partei für Russland nehmen. Doch dieses Szenario war alles andere als unvermeidlich, sondern Resultat der französisch-russischen Bündnispolitik. Umgekehrt wurde - und wird - bis heute Wien und Berlin kategorisch ihre Politik vorgehalten. (S. 460f.)

Doch zeichnet sich Clarks Buch eben dadurch aus, dass er es bei solchen Urteilen nicht belässt, sondern in einem eigenen Kapitel deutlich macht, dass auch die Formen und Charakteristika der Außenpolitik selber ihren Teil zu einer Situation beitrugen, in welcher der Krieg ausbrechen konnte:
Die Uneinheitlichkeit des Entscheidungsprozesses, hervorgerufen durch die unklare Rolle von Monarchen, Regierungen, Botschaftern/Diplomaten und öffentlicher Meinung sowie verschiedener rivalisierender Instanzen sorgte für eine für Außenstehende unklare und unberechenbare Außenpolitik, machte es schwer, Intentionen und Signale der Staaten zu deuten - ein Klima des permanenten Misstrauens wirkte sich verheerend auf das Weltstaatensystem aus.
Hinzu kommt, dass man mit Clark nicht einfach den einen Staat für eine bestimmte Haltung einseitig verurteilen darf, sondern berücksichtigen muss, dass alle Entscheidungsträger von spezifischen "Narrativen", Weltbildern, Einschätzungen und Feindbildern geprägt waren. Diese Prägungen sorgten nicht nur vor, sondern vor allem während der Julikrise für verheerende Missverständnisse.
Hierzu eine persönliche Anmerkung: Die Außenpolitik jeder macht war offensichtlich, wie Clark zeigt, von unterschiedlichen Persönlichkeiten und widersprüchlichen Signalen geprägt, überall gab es friedfertige, aber auch kriegsbereite Haltungen; daher scheint es unsinnig, die Verantwortung für den Ausbruch des Krieges nach "Staaten" zu verteilen.

Das Kapitel über die Julikrise nun ist nun der Teil des Buches, auf den sich die größte Aufmerksamkeit richtet
ABER: Mein Eindruck nach der Lektüre war, dass es schwierig ist diese Krise, die sich aus dem Sarajewoer Attentat vom 28. Juni 1914 ergab, zu deuten ohne die von Clark breit erörterten Vorbedingungen zu berücksichtigen.
Besonders hervorzuheben ist zunächst einmal, dass nach Clark die Belgrader Regierung die ganze Krise, ja das Attentat hätte verhindern können, da man um entsprechende Pläne wusste, eine eindeutige Warnung an Wien jedoch unterließ, weil, so vermutet Clark, man auch Angst vor der Aufdeckung der ganzen Dimension der terroristischen Aktivitäten hatte, in die man ja selber verstrickt war.
Belgrad hätte also das Attentat verhüten können, und vielleicht wäre dann nie ein Krieg ausgebrochen, denn nach Clark deutete 1914 vieles auf eine Verständigung der Blöcke hin.
Die Großmächte nun reagierten nach dem Attentat auf dieses mit Verhaltensweisen, die alle zusammen und jede für sich verhängnisvoll waren. Folgendes war dabei kennzeichnend:
Das österreichische Bewusstsein des serbischen Ursprungs der terroristischen Gefahr, welche sich direkt gegen den Habsburger Staat richtete und diesen nun ins Mark getroffen hatte; die serbische Unfähigkeit, ein der Krise angemessenes Vorgehen gegen die Hintermänner des Attentates an den Tag zu legen; die deutsche Isolation, welche eine unbedingte Unterstützung für den Wiener Bündnispartner praktisch unumgänglich machte; die beschriebene "Balkanisierung" und Serbien-Affinität des russisch-französischen Bündnisses und die Unfähigkeit und Weigerung der gesamten Entente, irgendwelche österreichischen harten Schritte gegen Serbien zu akzeptieren, trugen zu einer Atmosphäre der Intransigenz und Unnachgiebigkeit bei; eine Neigung, der jeweils anderen Seite aggressive Ansichten zu unterstellen und sich selber als rein defensiv anzusehen.

Österreich und Deutschland trugen - dies betont allerdings Clark viel zu schwach - ENTSCHEIDEND zur Auslösung wie zur Verschärfung der Julikrise bei, indem sich Wien, von Berlin unterstützt, früh auf ein kriegerisches Vorgehen gegen Serbien festlegte. Jedes nicht-militärische Vorgehen wurde als unzureichend verworfen. Deutschland unterstützte Wien darin, stellte sich uneingeschränkt hinter seinen Partner und glaubte, dass Russland sich "raushalten" würde.
Man rechnete also damit, den Krieg lokalisieren zu können. Außerdem wollte man über diese Krise die russische Kriegswilligkeit "austesten"; sollte Russland wider erwarten eingreifen, dann war man ja immerhin der Angegriffene!
Russland wiederum verhielt sich nun in der Tat entsprechend, ergriff früh militärische Vorausmaßnahmen (Mobilisierung), Frankreich und Russland stellten sich ebenso unbedingt hinter Serbien wie Deutschland sich hinter Wien stellte.
Es gab einen französisch-russischen "Blankoscheck" für Serbien also ebenso wie einen deutschen für Österreich; dies hat jüngst auch Jörn Leonhard betont.
Und nur aufgrund der russischen Rückendeckung konnte Serbien auf das österreichische Ultimatum, welches am 23. Juli einging und harte Forderungen an den serbischen Staat richtete, so ausweichend und unbefriedigend antworten, wie es das tat.
Clark stellt fest, dass die weit verbreitete Annahme, die serbische Antwort sei äußerst entgegenkommend gewesen, falsch ist.
Wien nun reagierte auf diese Quasi-Ablehnung des Ultimatums durch die Kriegserklärung an Serbien, Russland wiederum nahm dies zum Anlass, die Mobilisierung seiner Armee voranzutreiben. Damit provozierte man eine deutsche Kriegserklärung und damit setzte sich der Bündnismechanismmus in Gang, weil Deutschland entsprechend seiner Kriegspläne auch dem sicheren russischen Verbündeten Frankreich den Krieg erklären musste.
Großbritanniens Haltung war viel zu lange unklar geblieben als dass dessen zaghafte Friedensfühler etwas hätten bewirken können; man trat schließlich vor allem deshalb in den Krieg ein, weil man Angst davor hatte, den zukünftig sehr mächtigen russischen Verbündeten mussgünstig zu stimmen - nicht etwa, weil man Belgien "rächen" wollte, wie dies nach wie vor behauptet wird.

Somit kann kein Staat ganz von einer Mitschuld am Ausbruch des Krieges freigesprochen werden; es handelte sich hier um ein kollektives Versagen des europäischen Staatensystems voller falscher Kalkulationen und verhängnisvoller Fehlentscheidungen. Da Clark nachweisen kann, dass von allen Staaten in der ein oder anderen Weise ein verhängnisvoller Beitrag zur Auslösung des Weltkrieges ausgegangen ist, lautet seine Schlussfolgerung, dass die Suche nach einem "Hauptschuldigen" gleichsam müßig und es nicht sinnvoll sei, hier ein "blame game" zu spielen. Das ist übrigens NICHT zu verwechseln mit einer Clark oft - und zu Unrecht - unterstellten Ansicht, wonach das Kaiserreich ausdrücklich von einer Kriegsschuld entlastet, als "unschuldig" dargestellt, gleichsam "freigesprochen" werden solle. Anstatt zu versuchen, wie bei einem Gerichtsverfahren einzelnen Staaten eine Kriegsschuld nachzuweisen, sollte man nach Clarks Ansicht lieber nach den komplexen Vorbedingungen fragen, welche den Krieg möglich machten. Für ihn handelt es sich bei der Entstehungsgeschichte des Ersten Weltkrieges nicht um ein Verbrechen, einen "Thriller", sondern um eine "Tragödie." (S. 716) Hier kann man ihm durchaus widersprechen; selten in der Geschichte wurde in diesem Maße eine derart monströse Katastrophe durch das fahrlässige und skrupellose Verhalten einiger weniger Männer ausgelöst - das hatte schon etwas Verbrecherisches.

Natürlich kann man nun Clark außerdem - wie ich - vorwerfen, dass er trotz dieser beeindruckenden neuen Einsichten und Erkenntnisse nicht doch zur nach wie vor naheliegenden Schlussfolgerung gelangt, dass das Verhalten Deutschlands und Österreichs am als schwerwiegendsten für die Entwicklung und Eskalation der Julikrise anzusehen ist. Die wichtigsten und folgenreichsten Entscheidungen wurden hier getroffen, der erste kriegerische Schritt (gegen Serbien) wurde hier beschlossen, es wurde durch den scharfen Eskalationskurs gegenüber Serbien bewusst ein Weltkrieg riskiert, der den Beteiligten nicht unwillkommen war. Man kannte das von Clark beschriebene "Balkan-Szenario" ganz genau - und brachte dennoch den Stein erst ins Rollen, legte, um Volker Ullrich zu zitieren, als erster die "Lunte an das Pulverfass." Die Handlungen der anderen Mächte waren sicherlich verheerend - insbesondere die französisch-russische Balkanpolitik vor, aber auch in der Julikrise sowie die serbische Innenpolitik -, aber doch nicht ganz so bedeutsam wie die in Wien und Berlin getroffenen Entscheidungen.
Max Weber hat einmal geschrieben, dass der Wissenschaftler wissenschaftliche Arbeit und Werturteile streng voneinander getrennt halten müsse; erst auf der Grundlage des wissenschaftlich Erarbeiteten könnte der Wissenschaftler mögliche Werturteile anbieten.
Clark hat genau dies befolgt und durch seinen differenzierten, multiperspektivischen Ansatz, der die Schuldfrage konsequent vermeidet und alle Seiten berücksichtigt, erst die Grundlage geschaffen, um die Frage nach der Verantwortung für den Kriegsausbruch besser beantworten zu können. Wenn man seine Arbeit aber so bewertet, dann kann man sie auch loben, ohne ihre Schlussfolgerungen zu teilen - die nämlich die Schuldfrage ebenfalls nicht berühren, sondern ausblenden. Ich persönlich bin gerade auf der Grundlage von Clarks Befunden weiterhin der Ansicht, dass man Wiens und Berlins Entscheidungen schwerer gewichten muss als die in den anderen Hauptstädten.

Aber man sieht: Auch wenn ich Clark längst nicht in allem zustimme, so komme ich doch nicht an der Ansicht vorbei, dass man es hier mit dem besten Buch über das Thema zu tun hat. Er hat gezeigt, dass der Ausbruch des Krieges hervorging aus schrecklichen Fehlern ALLER beteiligten Mächte, und dass erst diese Fehler im Zusammenhang die Situation im Sommer 1914 eskalieren ließen. Er zeigt die lange und komplexe Vorgeschichte der Julikrise und versucht, allen Staaten gerecht zu werden. Er bemüht sich, die Handlungen der beteiligten Staatsmänner vor dem Hintergrund des Kontextes und der Wahrnehmungen, die sie leiteten, zu erklären. Er tut all dies minutiös, differenziert, unglaublich scharfsinnig und ausgewogen. Am wichtigsten: Er erzählt eine Vorgeschichte des Kriegsausbruchs, die zeigt, dass die Schuldfrage längst nicht das wichtigste ist und man auch ohne sie die vielleicht beste Geschichte der Ursprünge des Ersten Weltkrieges erzählen kann, die es jemals gab. Man nenne mir eine bessere Arbeit über den Kriegsausbruch 1914! So etwas war schon lange nötig.

Ein letztes: So gut Clarks Buch ist, so erbärmlich schlecht ist seine Rezeption:
Sowohl nationalistische Deutschland-Apologeten vom rechten Rand als auch Vertreter der älteren Historikerzunft (wie Wehler, Winkler, Röhl usw,) unterstellen Clark die abenteuerlichsten Dinge, insinuieren u.a., dass Clark die Deutschen von einer Schuld am Weltkrieg freispreche usw.
Die rechten Nationalisten feiern dies als Auftakt eines nötigen "Revisionismus" der neueren deutschen Geschichte, die deutsche Historikerzunft sieht absurderweise einen Versuch Clarks, die deutsche Vorkriegspolitik zu verharmlosen.
Gerade die Kommentare Heinrich August Winkers, Hans-Ulrich Wehlers und John Röhls sind dabei oft genug fehlerhaft, undifferenziert und gehen komplett an Clarks Buch vorbei. Offenbar hat man sich gerade unter deutschen Historikern so sehr an die Lesart gewöhnt, vor allem die deutsche Rolle beim Kriegsausbruch in den Mittelpunkt zu rücken und die Handlungen der anderen Mächte an den Rand zu drängen, dass man nun jeden Versuch, die unbestreitbaren Fehler Deutschlands vor und im Juli 1914 in den europäischen Kontext einzubetten, als glatten Geschichtsrevisionismus abstempelt. Mit meist ziemlich dürftigen Argumenten.
Dabei kann, um dies hier ausdrücklich festzuhalten, keine Rede davon sein, dass Clark die Deutschen von der Mitverantwortung an der Julikrise und am Kriegsausbruch freispricht. Er selbst hat dies ausdrücklich klargestellt und in seinem Buch selber, durch die Hervorhebung der schweren Fehler der deutschen Politiker vor und in der Julikrise keinen Anlass für solche Vorwürfe gegeben. Was die Argumente Annika Mombauers, Gerd Krumeichs und Wehlers angeht, wonach Clark in seinem Buch vor allem ausführlich über die französischen, russischen und serbischen Ursprünge des Krieges referiert und dem entsprechende ausführliche Erörterungen zur deutschen Rolle schuldig bleibe, weshalb er unverhältnismäßig argumentiere, so fällt erstens dieses Argument z.T. auf ihre Urheber zurück, denn jahrelang wurde vor allem der deutsche Anteil an der Kriegsauslösung behandelt; und zweitens (und damit zusammenhängend) behandelt Clark vor allem diejenigen Aspekte ausführlich, die bis dato vernachlässigt worden sind. Die deutsche Rolle ist hinlänglich untersucht und wird von Clark weder bestritten noch unterschlagen. Was die Politik der anderen beteiligten Staaten angeht, sah sich Clark zu ausführlichen Erläuterungen gezwungen. Dennoch ist an den entsprechenden Vorwürfen, Clark hätte den deutschen (bzw. deutsch-österreichischen) Anteil an der Eskalation der Krise stärker gewichten müssen, etwas dran. Gleichwohl ist dies kein Grund, in Clarks Buch etwas anderes zu sehen als das beste Buch zum Thema.
Was die Hoffnungen der (wirklichen) Revisionisten angeht, so stellte Clark vor einiger Zeit unmissverständlich klar:
"Eine Debatte über den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wie jene über den Ersten wird es niemals geben."
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am 5. Januar 2017
Neutral und sachlich, gründlich recherchiert und mit detaillierten Belegen und Quellen versehen, plausible Schlussfolgerungen und messerscharfe Wertungen, unterhaltend und immer lehrreich. „Die Schlafwandler“ ist das Beste was es derzeit zum Thema Ausbruchs des 1. Weltkrieges gibt und sicherlich eines der besten Sachbücher überhaupt.
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TOP 1000 REZENSENTam 9. September 2013
Ein halbes Jahrhundert ist es jetzt her, dass Fritz Fischer die westdeutsche Geschichtswissenschaft mit seinen Thesen über die Schuld des Deutschen Kaiserreiches am Ausbruch des Ersten Weltkrieges in Aufregung versetzte. Ein entfernter Nachhall der von Fischer ausgelösten Debatte ist noch in aktuellen Darstellungen zur Vorgeschichte und Geschichte des Ersten Weltkrieges zu spüren. Zwar teilt heute niemand Fischers Position, das Deutsche Reich habe gezielt auf einen großen europäischen Krieg hingearbeitet und sich an einem "Griff nach der Weltmacht" versucht. Doch in vielen deutschsprachigen Arbeiten - man denke etwa an einschlägige Darstellungen von Volker Berghahn, Klaus Hildebrand, Wolfgang Mommsen oder Gregor Schöllgen - fällt eine einseitig deutschlandzentrierte Sicht auf die Krise vom Juli 1914 auf. Die Fehlkalkulationen und Fehlentscheidungen der deutschen Führung werden weithin als maßgeblicher kriegsauslösender Faktor betrachtet.

Ausgehend von der Illusion, Russland und Frankreich seien nicht bereit, sich wegen eines Konfliktes auf dem Balkan militärisch zu engagieren, habe die deutsche Führung nach dem Attentat von Sarajewo auf eine Lokalisierung des absehbaren österreichisch-serbischen Krieges gesetzt und der Wiener Regierung einen "Blankoscheck" für ein rasches Losschlagen gegen Serbien ausgestellt. Abgesichert durch die Rückendeckung des deutschen Bündnispartners habe Österreich einen harten, kompromisslosen Kurs gesteuert, der zwangsläufig Russland als Schutzmacht Serbiens auf den Plan gerufen habe. Als sich die Krise zugespitzt habe, habe Berlin nicht mäßigend auf Wien eingewirkt. Im Gegenteil, die Führung des Deutschen Reiches habe bewusst auf Risiko gespielt, um zu "testen", wie kriegswillig Russland sei und wie sich die Entente in dieser explosiven Situation verhalten werde. Die Reichsleitung, seit Jahren über Deutschlands außenpolitische Isolation und das militärische Erstarken Russlands besorgt, sei gewillt gewesen, Frankreich und Russland notfalls durch einen Krieg nachhaltig zu schwächen, sollte es nicht gelingen, die Gegner auf diplomatischem Wege auseinanderzudividieren. Diese Risikostrategie der deutschen Führung sei fehlgeschlagen, weil sich Russland auf die Seite Serbiens gestellt, Frankreich seine Bündnisverpflichtungen gegenüber Russland erfüllt und Großbritannien wider Erwarten keine neutrale Haltung eingenommen, sondern Partei für Frankreich und Russland ergriffen habe.

Christopher Clark unternimmt es in seinem neuen Buch, diese allzu sehr auf Deutschland fokussierte Sicht auf die Julikrise durch eine Perspektive zu ergänzen, die auch die anderen Großmächte sowie eine Reihe kleinerer europäischer Staaten in den Blick nimmt. Clark möchte herausarbeiten, welche Prozesse und Entwicklungen, welche Entscheidungen und Zäsuren eine Situation entstehen ließen, die den Ausbruch des Ersten Weltkrieges möglich machte. Ihm geht es nicht darum, die Kriegsschuldfrage neu zu stellen und die Schuld am Kriegsausbruch einem einzelnen Staat zuzuweisen, wie dies in der Vergangenheit oft geschehen ist. Clarks dezidiert personenbezogene Darstellung (das Buch ist über weite Strecken eine klassische Diplomatiegeschichte) rückt die Akteure in den Mittelpunkt, die in den Jahrzehnten vor dem großen Krieg in Europas Hauptstädten über den Gang der Außenpolitik bestimmten - Monarchen, Regierungschefs, Außenminister, Diplomaten. Wer waren diese Männer, und von welchen Erfahrungen und Wahrnehmungen wurde ihr politisches Handeln beeinflusst? Wie und in welchen institutionellen Strukturen liefen Entscheidungsprozesse ab? Welche Überlegungen und Berechnungen waren für außenpolitische Entscheidungen und Weichenstellungen ausschlaggebend? Clark möchte ein "multipolares" und "interaktives" Bild von der europäischen Staatenwelt am Vorabend des Ersten Weltkrieges zeichnen. Daher räumt er allen fünf Großmächten - Deutschland, Österreich-Ungarn, Großbritannien, Frankreich und Russland - gleich viel Raum ein. Wie wirkten die Großmächte aufeinander ein, sei es als Verbündete, sei es als Gegner, und welche Dynamik ergab sich aus dieser Interaktion? Außerdem bezieht Clark, wenn es geboten ist, kleinere Staaten wie Italien, Serbien und Bulgarien in die Darstellung ein.

Da Clark der Auffassung ist, dass die Rolle Serbiens in der Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges lange Zeit vernachlässigt wurde, lässt er sein Buch in Belgrad beginnen, mit der Ermordung König Alexanders durch nationalistische Offiziere im Juni 1903 (Kap. 1). Der Umsturz und der Dynastiewechsel zogen eine außenpolitische Neuorientierung Serbiens nach sich, weg von Österreich-Ungarn, hin zu Russland. Das Königreich, so Clark, sei fortan ein Unruheherd auf dem Balkan gewesen, denn sowohl die Regierung unter dem zwielichtigen Ministerpräsidenten Nikola Pasic als auch schwer zu bändigende nationalistische Untergrundorganisationen hätten sich der Expansion Serbiens und der Errichtung eines großserbischen Staates verschrieben. Künftige Konflikte mit Österreich-Ungarn seien deshalb abzusehen gewesen. Die serbische Regierung habe nichts gegen die Untergrundorganisationen getan und damit indirekt den Weg zum Attentat von Sarajewo geebnet. Dieser kritische Blick auf die serbischen Verhältnisse und ihre destabilisierenden Wirkungen nach außen (u.a. auf das von Österreich annektierte Bosnien-Herzegovina) steht in auffälligem Kontrast zu dem positiven Bild, das Clark in Kapitel 2 vom Habsburgerreich zeichnet. Österreich-Ungarn sei mitnichten dysfunktional und moribund gewesen. Innenpolitisch sei es stabil gewesen; außenpolitisch sei es allerdings durch den lautstarken serbischen Chauvinismus und Russlands wiedererwachendes Interesse am Balkan unter Zugzwang gesetzt worden.

Im dritten Kapitel skizziert Clark die Blockbildung in Europa in den Jahren unmittelbar vor und nach 1900. Frankreich und Russland schlossen 1894 eine Allianz. Es folgten die britisch-französische Entente cordiale von 1904 und das britisch-russische Abkommen von 1907. Clark betont, die von Großbritannien mit Frankreich und Russland eingegangenen Bündnisse seien ursprünglich nicht gegen Deutschland gerichtet gewesen, sondern hätten vorrangig der Klärung und Beilegung von Konflikten an der kolonialen Peripherie gedient. Aus britischer Sicht sei Russland ein gefährlicherer Gegner als Deutschland gewesen. Eine Verständigung mit Russland sei daher für London wichtiger gewesen als ein Zusammengehen mit Deutschland. Die Dreier-Entente dürfe im Übrigen nicht als solides Bündnis ohne innere Widersprüche betrachtet werden, denn alle drei beteiligten Staaten hätten unterschiedliche Vorstellungen davon gehabt, wer ihr Hauptgegner sei und welche Pflichten im Ernstfall gegenüber den Bündnispartnern zu erbringen seien. Frankreich, auf eine Revanche für 1871 sinnend, habe in Deutschland seinen Hauptgegner gesehen, Russland hingegen in Österreich-Ungarn. Das Deutsche Reich habe derweil eine in ihren Zielsetzungen unklare "Weltpolitik" betrieben und sich schrittweise in die außenpolitische Isolation manövriert. Einer kleinen Gruppe antideutsch gesonnener britischer Diplomaten um Außenminister Grey hätten die Missgriffe der deutschen Politik als Vorwand gedient, das energisch aufstrebende Deutschland zum lästigen Nebenbuhler und neuen Hauptgegner Großbritanniens hochzustilisieren. Ein Krieg zwischen der Entente und den Mittelmächten sei aber 1907 keineswegs vorprogrammiert gewesen.

Das vierte Kapitel ist den Entscheidungsträgern gewidmet, den Strukturen, in denen sie tätig waren, und den Einflüssen, denen sie sich ausgesetzt sahen. Clark stellt die These auf, interne Rivalitäten in Regierungen, Kabinetten und Außenministerien sowie Unklarheit in Bezug auf die Kompetenzen und Befugnisse politischer Akteure hätten es Außenstehenden immer wieder erschwert, Entscheidungsprozesse nachzuvollziehen und zu verstehen. Es sei für die Regierenden oft schwierig gewesen, das Handeln ihrer Verbündeten und Gegner in den anderen Hauptstädten zu durchschauen und zu deuten. Die Ungewissheit über die Absichten von Freund und Feind und das aus dieser Ungewissheit resultierende Misstrauen hätten die Kommunikation der Regierungen untereinander erschwert. In diesem Kapitel - wie auch an vielen anderen Stellen - gelingen Clark treffsichere und teilweise faszinierende Porträts der handelnden Staatsmänner.

Mit den Kapiteln 5 und 6 kehrt Clark zur Ereignisgeschichte zurück. Die beiden Balkankriege von 1911/12 erwiesen sich als entscheidende Zäsur. Russland, das seine außenpolitischen Ambitionen nach der Niederlage gegen Japan wieder auf Europa, den Balkan und die Dardanellen richtete, nahm das zunehmend selbstbewusster auftretende Serbien unter seine Fittiche, freilich nicht aus panslawischer Solidarität, sondern um Österreich-Ungarn in Bedrängnis zu bringen. Frankreich intensivierte sein Engagement auf dem Balkan ebenfalls. Auch dies geschah nicht uneigennützig, sondern aus der Überlegung heraus, dass ein österreichisch-serbischer Konflikt das beste Szenario darstellte, um Russland an der Seite Frankreichs in einen Krieg mit Deutschland hineinzuziehen. Ohne Russlands Hilfe hätte Frankreich nicht gegen Deutschland bestehen können. Paris war ab 1912 bereit, Petersburg eine französische Version des Blankoschecks auszustellen: Wenn Russland Serbien in einem Krieg mit Österreich-Ungarn unterstütze und Deutschland zugunsten Österreichs interveniere, so sei für Frankreich der Bündnisfall gegeben, dann werde es zusammen mit Russland gegen Deutschland in den Krieg ziehen. Umfangreiche französische Kredite an Russland und Serbien dienten dem Zweck, beide Staaten für den erwarteten Waffengang zu rüsten.

Clark kommt zu dem Schluss, die Einkreisungsängste der deutschen Führung seien berechtigt gewesen. Die Bereitschaft der Russen und Franzosen, einen Balkankonflikt zum Anlass für die Abrechnung mit Deutschland zu nehmen, habe den Handlungsspielraum der Deutschen auf verhängnisvolle Weise eingeschränkt und sie in dem Entschluss bestärkt, die gegnerische Koalition bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit militärisch niederzuringen. Spätestens an diesem Punkt wird jedem Leser klar, dass aus Clarks Sicht von einer Alleinschuld Deutschlands am Ausbruch des Ersten Weltkrieges nicht gesprochen werden kann. Der deutsche Anteil am Ausbruch des Krieges wird von Clark keineswegs in Abrede gestellt, aber durch eine Neubewertung und Neugewichtung des Vorgehens der anderen Staaten, besonders Frankreichs und Russlands, relativiert. In den Kapiteln 7 bis 12 zeichnet Clark minutiös das Attentat von Sarajewo und den Verlauf der Julikrise nach. Die Fehler aller beteiligten Regierungen werden anschaulich herausgearbeitet, Fehler, die in Kombination miteinander zu einer schrittweisen Verschlimmerung der Situation führten: Belgrad verweigerte auf provozierende Weise eine Mitwirkung an der Aufklärung des Attentats. Wien, von Berlin ermuntert, setzte von Anfang an ausschließlich auf eine militärische Aktion gegen Belgrad, zog andere Optionen nicht in Betracht und verschloss die Augen vor der Möglichkeit einer russischen Intervention. Berlin hoffte, der Konflikt werde sich lokalisieren und zum Austesten der russischen Kriegswilligkeit nutzen lassen. Petersburg sprach Wien rigoros das Recht ab, in irgendeiner Form gegen Belgrad vorzugehen, eine unnötig schroffe Position, die Paris und London fatalerweise übernahmen. Keiner der Akteure konnte die entstandene Situation noch überschauen geschweige denn im Alleingang kontrollieren und beherrschen.

Paris tat nichts, um Petersburg zurückzuhalten, auch nicht vor der Generalmobilmachung am 29./30. Juli, mit der Russland die Weichen endgültig in Richtung Krieg stellte. Nun hatte Berlin keine andere Wahl, als ebenfalls mobil zu machen. Der französische Präsident Poincaré und der russische Außenminister Sasonow, seit Jahren vereint in rabiater Feindseligkeit gegenüber Deutschland, hatten unversehens den Balkankonflikt bekommen, der ihrer Ansicht nach nötig war, um gemeinsam gegen das Deutsche Reich vorgehen zu können. Bis Ende Juli hoffte Berlin, London werde neutral bleiben. Mit dem Hinweis, dass Frankreich und Russland gar nicht direkt bedroht seien, lehnte die britische Regierung bis zum 1. August eine Parteinahme ab. Tags darauf erfolgte dann der jähe Umschwung. Nicht die Verletzung der Neutralität Belgiens habe den Ausschlag gegeben, so Clark, sondern die Furcht, Großbritannien werde sich Russland wieder zum Feind machen, wenn es nicht an seiner und Frankreichs Seite gegen Deutschland in den Krieg ziehe. Mit dem Kriegseintritt habe Großbritannien zweierlei erreichen wollen: Eindämmung der deutschen Gefahr und Festigung des Bündnisses mit Russland, dessen Bestand nicht riskiert werden durfte. Dem Sog, den die anderen vier Großmächte mit ihrer starren Bündnistreue und ihrer kaum verhohlenen Kriegswilligkeit ausgelöst hatten, konnte sich am Ende auch Großbritannien nicht entziehen.

Um all das zu erzählen, was hier mit wenigen Worten zusammengefasst wurde, braucht Clark über 700 Seiten. Sein Buch ist unnötig lang. Allzu oft lässt Clark seiner Erzählfreude ungebremst freien Lauf. Jedes der zwölf Kapitel hätte gestrafft und gekürzt werden können, ohne dass die Darstellung dadurch an Anschaulichkeit und Überzeugungskraft eingebüßt hätte. Dies ist kein Buch zum Schmökern. Die Komplexität der Erzählung entspricht der Komplexität des Themas. Clark hat es sich selbst als Autor nicht leicht gemacht. Er ist den beschwerlichen Weg gegangen, er hat bekannte Quellen noch einmal gelesen, er hat neue Quellen erschlossen, er hat einem Thema, zu dem schon alles gesagt schien, neue Einsichten abgerungen. Das hat aber auch seinen Preis: Die Lektüre erfordert mehr Geduld und Konzentration, als mancher Leser aufzubringen bereit sein mag. Ungeachtet dieser kritischen Bemerkungen ist festzustellen, dass Christopher Clark nach seiner Geschichte Preußens erneut ein großes und bedeutendes Werk vorgelegt hat. Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Historiker sich noch einmal grundsätzlich mit einem Thema beschäftigt, das bereits als "erledigt" galt. Über dieses Buch wird man noch lange diskutieren. Wer sich künftig mit der Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges befasst, der wird an Clarks "Schlafwandlern" nicht vorbeikommen. Hut ab vor einem großen Historiker unserer Zeit!

(Ich weiß, ich weiß, die Rezension ist viel zu lang. Aber man könnte über dieses Buch noch viel mehr schreiben ...)
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am 23. März 2017
Das Buch ist zum einen sehr detailliert und beleuchtet die vielen verschiedenen Aspekte, Faktoren und beteiligten Parteien, die alle zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges in Europa beitrugen. Dabei werden auch viele interessante Anekdoten eingeschoben, die die teilweise etwas sehr wissenschaftliche Herangehensweise Clarks gut auflockern, bevor es dem Leser zu langweilig wird.

Zum anderen jedoch ist die schier riesige Anzahl an beteigten Personen etwas störend, da es sehr schwierig ist, alle erwähnten Namen im Kopf zu behalten, sodass man sehr oft zurückblättern und nochmal nachlesen muss, um wieder zu wissen, um wen es sich nochmal handelt.

Außerdem muss man sich erst einmal durch die gesamte Vorgeschichte durchkämpfen, ehe es im letzten Drittel des Buches endlich um die eigentliche Julikrise, die mit der Ermordung des österreichischen Thronfolgers begann und in den gegenseitigen Kriegserklärungen der europäischen Großmächte mündete, geht. Für mich als sehr Geschichtsinteressierten war es allerdings in Ordnung, obwohl ich auch zeitweise einige Mühe hatte, bei der Stange zu bleiben.
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am 16. November 2016
großartige Analyse, unglaublich reich an Fakten und dabei spannend wie ein Kriminalroman geschrieben und das von einem Cambridge Professor für Geschichte.
Ein Ausnahmebuch, das man nicht mehr weglegen kann, auch wenn die über 700 Seiten anfangs respekteinflößend wirken.
Als Brite ist Clark sicher nicht parteiisch, aber es gibt sicher Länder, in denen diese umfassende Recherche keine hemmungslose Begeisterung auslösen dürfte....
Serbiens aggressiver Ultranationalismus, Frankreichs ständig auf Deutschland-Haß und Vernichtungsideen besessene Regierung kommen in Clarks durch unzählige Fakten belegte Analyse sehr schlecht weg, auch Russlands letzlich zum globalen Krieg führende Entscheindung, wegen der österreichischen Kriegserklärung an die an der Aufklärung des Thronfolgermordes kooperations-unwillige serbische Regierung, auch gegen das bis dahin noch unbeteiligte Deutschland mobil zu machen, wird sehr kritisch beschrieben.
Auch wenn Clark betont, dass die Suche nach einem "Schuldigen" angesichts der Entwicklungen müßig und sinnlos ist, so kommt doch dem ständigen Kriegstreiben der Regierung Poincaré und der bedingungslosen Unterstützung der Aktionen Serbiens durch panslawistische Sympathien in Russland der entscheidende Schritt zur Katastrophe zu.
Clark räumt auch gründlich mit dem Märchen auf, die Großmächte wären unwillig in diesen Krieg geschlittert.
Er weist akribisch nach, wie die Bündnispolitik gezielt zu und für einem solchen Krieg geplant wurde, wie am Balkan die Zündschnur zur politischen Detonation gelegt wurde, von der man sicher sein konnte, dass sie zur Eskalation führen würde.
Schritt für Schritt gingen die Großmächte über Jahre hinweg ihren Weg in die Apokalypse und wenn das Buch auch "Schlafwandler" heißt, sie taten es offenkundig sehr wohl mit offenen Augen.
Clarks bemüht sich im Objektivität, so werden auch Präventiv-Kriegs Befürworter in Österreich wie Conrad von Hötzendorf kritisch durchleuchtet, auch der plumpen Verhandlungstaktik des deutschen Kaisers wird ausreichend Raum gewidmet.
Das Beeindruckendste an dem Buch sind sicherlich auffällige Parallelen zu aktuellen politischen Brandherden und möglichen Konsequenzen von politischen Drohgebärden, die im Juli 1914 binnen drei Tagen zum Weltkrieg führten.
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