Hier klicken MSS Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Jetzt informieren Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ Mehr dazu Fire Shop Kindle Ghostsitter longss17

Kundenrezensionen

3,8 von 5 Sternen
31
3,8 von 5 Sternen
Format: Kindle Edition|Ändern
Preis:10,99 €
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 24. August 2014
Wie soll man so etwas bewerten? Ich habe es verschlungen! Und ich könnte schwören, dass jedes Wort darin der Realität entspricht !!! ;)

und mitlerweile habe ich es das 4. Mal verschenkt...
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 4. November 2013
"Ein gutes Herz" ist einfach genial!
Mit diesem Buch hat sich der großartige Leon de Winter selbst übertroffen und einen Roman geschrieben, der ähnlich einem Feuerwerk explodiert und die schillerndsten Bilder an den Himmel projiziert und dem Leser/Betrachter vor fassungslosem Staunen den Mund offenstehen lässt.

Leon de Winter hat eine Gruppe illustrer Hauptfiguren für "Ein gutes Herz" zusammengeführt. Da wären Theo van Gogh, radikaler und vor Jahren ermordeter Filmemacher, der in einem Bereich zwischen Himmel und Hölle auf sein weiteres Schicksal wartet; sein Betreuer in diesem Zwischenreich, Jimmy, ein schwarzer Franziskanerpriester, der sein Herz vor seinem Tod einem ganz bestimmten Mann gespendet hat; Max Kohn, ehemaliger jüdischer Drogendealer und König der Unterwelt, hochintelligent und nun nur noch vom Gedanken, vergangenes Unrecht wiedergutzumachen, beherrscht; Sonja Verstraete, Ärztin und mit allen Männern auf verschlungene Weise vertraut. Und zu guter letzt, Leon de Winter selbst!
Die Leben dieser fünf Hauptfiguren sind zum Teil seit vielen Jahren eng verwoben. Als sich ihre Wege in Amsterdam wieder kreuzen, könnte der Zeitpunkt nicht schlechter gewählt sein. Denn eine Gruppe radikalisierter junger Marokkaner, in den Niederlanden aufgewachsen und ausgebildet, mit hervorragenden Zukunftschancen, beschließt, ein Zeichen zu setzen und führt mitten in Amsterdam einen Terroranschlag durch. Naiv und blauäugig wollen sie die Welt aufrütteln, der Gedanke, dass ihren Taten Tote folgen könnten, irritiert sie und jedwede Opfer werden den Ungläubigen angelastet.

Leon de Winter, Max Kohn und Theo van Gogh sind die gelungensten literarischen Figuren, die sich ein Leser nur wünschen kann. Ihre Eigenheiten und politischen Ansichten werden perfekt in Worte gefasst. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion lösen sich komplett auf. Manchmal hat man als Leser das Gefühl, einer Reportage oder einem CNN-Live-Bericht zu folgen. An einigen Stellen muss man sich in Erinnerung rufen, dass es im realen Amsterdam keinen Terroranschlag gab, dass dies alles frei erfunden ist.
Leon de Winter schreibt über menschliche Einzelschicksale und Tragödien, verwoben mit dem großen Welttheater, das manchmal die Lebenswege des einzelnen brutal durchkreuzt und binnen Sekunden Lebenswege komplett umlenkt. Und dennoch ist jede einzelne Seite dieses Buches allerbeste Unterhaltung!
11 Kommentar| 20 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 7. Oktober 2013
Wer sich politisch gut unterhalten will und sture Gedankenstränge hasst, der soll Leon de Winter lesen. Was für ein Autor, ironisch, kein Mainstream, immer wieder mal eine Finte, die man nicht vermutet hat. Bin keine Engel-Versteherin, kein Esoterik-Tüdelü, aber jetzt fahre ich auch gern bis zu meiner Wolke.Mal sehen, wen ich begleiten darf?
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. September 2013
Wenn Leon de Winter den toten Theo van Gogh im Wartezimmer zum Himmel vor lauter Heimweh nach allem Irdischen 36 Gauloises und ebenso viele Chivas Regal auf einmal rauchen und trinken lässt (ja, in der Ewigkeit ist alles möglich), der Qualm dem einstigen Regisseur dabei aus sämtlichen Kopföffnungen dringt, dann ist das große - ach, was, zum Teufel mit der Angst vor starken Adjektiven - dann ist das göttliche Komödie! Ich habe selten so gelacht und gleichzeitig doch so mitgelitten. Was dem niederländischen Autor mit diesem Roman gelungen ist, findet beinahe keine Worte, man möchte nur noch jauchzen vor Begeisterung und dieses Buch jedem, der da kommt, in die Arme legen. Damit er es lese und die himmlische Botschaft dann seinerseits verkünde.
Einfühlungsvermögen, Selbstironie, erzählerische Superkraft, der ein irrwitziger, politsch höchst brisanter Plot entspringt, in dem sich am Ende dennoch alles fügt UND die Tatsache, dass Leon de Winter seine Figuren einfach liebt - seinen früherern Widersacher van Gogh sogar auf besonders versöhnliche Weise - geben diesem Buch sowie seinem Schöpfer unbedingte Einzigartigkeit. Was viele scheuen, scheut de Winter nicht: Sentimentalität, Theatralik, große Gefühle und vor allem den Mut zur eigenen Wahrheit - auf wundervoll undiplomatische Art lässt er seine Figuren (und damit auch sich selbst) Menschen sein und gewinnt dabei mit jedem Satz. Ein großer Wurf voller Saft und Kraft, der mich nach vollendeter Lektüre sofort zum Regal marschieren ließ, um einen früheren de Winter hervorzuziehen: "Leo Kaplan". Und auch hier schallt es froh aus mir heraus: Lesen!Lesen!Lesen!
Darauf einen Chivas Regal, und wenn es sein muss, auch 35 mehr!
44 Kommentare| 38 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 18. September 2013
Ein neuer Roman eines meiner Lieblingsautoren? Der wird natürlich zum Erscheinungstermin bestellt und gleich gelesen. Und nachdem mich der letzte Roman "Das Recht auf Rückkehr" eher ratlos zurückließ, war ich von "Ein gutes Herz" wieder begeistert. Ein echter de Winter. Skurrile Geschichte, absurde Situationen und bei allem Überbordenden doch wieder eine Tiefe und Wärme, die ich kaum in anderen Büchern finde.

Ein halbkrimineller jüdischer Geschäftsmann, Max Kohn, entdeckt durch sein neues Herz seine Bestimmung. Er reist nach Amsterdam in der Gewissheit, dort nicht gern gesehen zu sein. Seine große Liebe Sonja ist derweil mit dem Schriftsteller Leon de Winter liiert. Der wiederum kennt den Bürgermeister Amsterdams Job Cohen sehr gut. Der dann wiederum, hat seine Verbindungen zu Max Kohn. Und später löst ein Fußballteam, das aus jungen Marokkanern besteht, Panik in Amsterdam aus. Und so finden alle Beteiligten ihren Weg zueinander. Herzen werden gebrochen, Lebensentwürfe infrage gestellt und alles endet in einem großen Finale. Dabei spielt der ermordete Filmemacher Theo van Gogh eine entscheidende Rolle.

Es ist mal wieder ein typischer und damit wundervoller Roman von Leon de Winter. Die einzelnen Charaktere sind toll herausgearbeitet und all ihre Handlungen, mögen sie auch noch so absurd erscheinen, sind logisch. Leon de Winter mag seine Figuren und das merkt man. Es lässt sie einfach Menschen sein, mit ihren Fehlern, ihren Obsessionen und Gefühlen. Jeder von ihnen hat seinen eigenen Hintergrund.

Sprachlich ist de Winter wie immer über jede Kritik erhaben. Es ist nun nicht gerade ein Jugendbuch, aber man kann dem Plot jederzeit folgen, egal welche interessanten Wendungen hinzukommen. Immer wieder schimmert ein feiner Humor durch und auch sich selbst gegenüber spart de Winter nicht mit Ironie. Ob es um die ganz großen Gefühle oder um politische Ansichten geht, der Autor trifft immer den richtigen Ton.

Der Roman selbst ist schwer einzuordnen. Es ist ein Gesellschaftsroman, ein Krimi, ein politisches Buch und gelegentlich ein Thriller – aber immer ein echter de Winter. Der Autor spielt mit der Vermischung aus Fiktion und Realität. Dies merkt man an den real existierenden Figuren (unter anderem ja auch der Autor selbst), die aber in der Geschichte so handeln, als wären sie erfunden.

Fazit: Lesen!

Leon de Winter, 1954 in den Niederlanden geboren, begann schon in seiner Jugendzeit, Bücher zu schreiben. Aber auch Filme übten eine große Faszination auf ihn aus, so dass er sogar begann, an der Filmakademie zu studieren. Aber bekannt wurde er vor allem durch seine Romane. In diesen kehren die Themen Judentum, Schriftsteller und unerreichbare Väter immer wieder, so dass man davon ausgehen kann, dass viele seiner Bücher autobiografische Züge tragen.
Leon de Winter bietet mit seinen Ansichten zum Islam und zum Staat Israel regelmäßig Diskussionsstoff. Er lebt und arbeitet heute in Amsterdam und Los Angeles und ist mit der Schriftstellerin Jessica Durlacher verheiratet.
11 Kommentar| 21 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 19. August 2014
Ich gebe zu, ich hätte dieses Buch nicht gekauft, wenn mir nicht eine gute Freundin (die viel von Büchern versteht) dringend dazu geraten hätte. Einerseits war ich ein wenig enttäuscht von den vorangegangene Büchern des Autors, andererseits erschien mir die Geschichte aus den verschiedene Beschreibungen zu abenteuerlich. Das ist es in gewissem Sinne auch, aber es ist ein höchst vergnügliches und auch toll geschriebenes Abenteuer. De Winters fantastische, und erfrischend unkonventionelle Ideen über ein Leben nach dem Tod am Beginn des Buches haben mich schmunzeln lassen. In weiterer Folge tritt diese etwas augenzwinkernd mythische Grundlage das Buches aber angenehm in den Hintergrund, kommt erst am Ende wieder stärker zum Tragen und wird ganz am Ende vom Autor gekonnt aufgelöst. Generell hatte ich während des Lesens einige dieser Momente, wo ich befürchtete das Buch könne jetzt abfallen oder das könne jetzt wirklich nicht gut gehen: zum Beispiel wenn der Autor sich selbst als Person ins Buch einbringt; Oder auch die Geschichte mit dem Herzen, die am Anfang doch zu phantastisch wirkt. Aber de Winter bekommt diese sonst leicht ins peinliche abfallenden Passagen mit Bravour, und mittels eines ausgezeichneten Plots wunderbar hin.

Eigentlich wollte ich einen Thriller schreiben, gibt de Winter im Buch selbst zu. Zum Teil (aber eben nur zum Teil) hat er diesen auch geschrieben. Hier hätte man sich zwar einiges "überdramatisches" sparen können - diese Passagen lesen sich wie ein Filmplot, man sieht die Bilder auf einer Leinwand, manche Szenen in Zeitlupe - aber die terroristischen Hintergründe sind selten so erschreckend genau herausgearbeitet worden (auch wenn das einige wohl als politisch wenig korrekt ansehen werden).

Für mich ist De Winter, nach Leo Kaplan, wieder ein wirklich großes Buch gelungen. Chapeau!
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. April 2015
"Leon war okay, ein bisschen spinnig zwar - was er so erzählte, klang immer ein bisschen strange -, und er war auch ziemlich dick und behaart wie ein Affe, das konnte man sehen, wenn er aus dem Bad kam. Dass Mama das gefiel, verstehe ich nicht." So Leon de Winter selbstironisch über seine Romanfigur "Leon de Winter" in diesem großartigen, spannenden Roman.

Ausgangspunkt ist die (reale) Ermordung des holländischen Filmemachers Theo van Gogh durch den Islamisten Mohamed Boujeri im Jahre 2004. Dieses reale Ereignis wird im Roman gleich im ersten Kapitel in einer biblisch an das alttestamentliche Buch Hiob angelehnten Szene im Himmel gespiegelt, in der der bereits verstorbene Theo durch einen ebenfalls verstorbenen "Berater" Jimmy in die Aufgaben und Möglichkeiten eines Schutzengels eingewiesen wird. Und genau in dieser wilden Mischung von Fakten und Fiktion geht es dann über 500 Seiten weiter. Jeweils in ich-Perspektive tauchen Kapitel für Kapitel reale zeitgeschichtliche Personen auf (z.B. der holländische Innenmininister Piet Hein Donner, der Amsterdamer Bürgermeister Job Cohen, der Rechtspopulist Geert Wilders), und dann wieder erfundene Personen (z.B. die wunderschöne Sonja, der Franziskanerpriester Jimmy, der 10jährige Nathan). Leon de Winter versetzt sich außerordentlich einfühlsam in all diese unterschiedlichen Charaktere hinein, spricht ihre Sprache, denkt ihre Gedanken und erzählt die spannende Geschichte eines dreifachen Terroranschlages in Amsterdam: mitten in der Stadt geht eine Bombe hoch, auf dem Flughafen wird ein Flugzeug besetzt, und in einer Schule findet eine Geiselnahme durch eine Gruppe junger fanatischer Islamisten statt.

"Ziemlich beste Feinde" hat Dirk Schümer seine sehr lesenswerte Rezension zu diesem fantastischen Roman in der FAZ vom September 2013 überschrieben. Darin verweist er u.a. auf "die angenehm inkorrekte Tendenz der Zeitungskolumnen Leon de Winters, der nicht einsehen will, warum begründete Islamkritik heutzutage gleich als rechtsradikal gilt". Genau diese politisch inkorrekte Tendenz hat mir beim Lesen des Romans gut gefallen. Leon de Winter schreibt tatsächlich ein Buch über einen Menschen, der ihn offensichtlich gehasst und bei jeder Gelegenheit öffentlich geschmäht und verunglimpft hat: Theo van Gogh. Aber er macht diesen Theo im Roman nicht etwa nieder, sondern lässt ihn zum Schutzengel werden. Und das geht dann immer so weiter: Leon de Winter lässt in seinem Roman munter Moslems, Juden, Christen, nicht-Religiöse, Verliebte, Hasserfüllte, Politiker, Künstler, Männer, Frauen, Kinder zu Wort kommen - und immer, ohne sie zu verunglimpfen, ohne sie zu karikieren, mit einem gewissen Respekt und mit Würde und mit Glaubwürdigkeit. Das ist hohe Kunst. Und das regt sehr zum Nachdenken an über unsere geschlossene gesellschaftliche Debattenkultur, in der heutzutage Vieles von dem, was de Winter hier schreibt, weder gedacht noch gar öffentlich ausgesprochen werden darf. Respekt!
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. August 2013
Eines sei ganz zu Anfang gesagt: der neue Roman von Leon de Winter ist nicht nur ein großes Lesevergnügen, sondern auch eine Art literarischer Standortbestimmung de Winters nach Jahren heftiger Auseinandersetzungen mit seinen Gegnern. Leon de Winter ist nicht nur in der niederländischen Öffentlichkeit als ein entschiedener Kritiker des Islamismus in allen seinen Spielarten bekannt, sondern auch als scharfer und kompromissloser Kommentator zeitgenössischer Entwicklungen.

Hatte er vor fünf Jahren in seinem letzten Roman „Das Recht auf Rückkehr“ in einer Art SF-Story den Staat Israel auf den Rest von Tel Aviv eingedampft gesehen und so ein düsteres Bild von der Zukunft eines Staates und seiner jüdischen Bewohner gemalt, für dessen Existenzrecht und Selbstverteidigungsrecht gegen seine arabischen und islamistischen Feinde er eintritt wie kaum ein zweiter, kehrt er in seinem neuen Roman wieder in die Niederlande zurück.

In einem wahnsinnigen Plot führt er nicht nur den toten Theo van Gogh, der im Himmel sozusagen auf Bewährung ist und seinen auf Erden inhaftierten Mörder wieder zusammen, sondern er lässt Freunde und Bekannte von ihm, wie den Amsterdamer Bürgermeister Job Cohen und den Anwalt Bram Moszkowicz in eine Handlung verwickelt werden, die den Leser von Kapitel zu Kapitel mit neuen Wendungen überrascht. Da wird aus einer harmlos scheinenden Fußballmannschaft junger Marokkaner eine Gruppe von Terroristen, ein dubioser jüdischer Geschäftsmann und Drogendealer bekommt das Herz eines schwarzen Priesters und Theo van Gogh im Himmel von ebendiesem Priester die Aufgabe, Max Kohn, den Geschäftsmann, als Schutzengel zu begleiten.

Auch Leon de Winter selbst spielt eine Hauptrolle in einem Roman, in dem der Plot bis kurz vor dem Ende immer neue Verwicklungen und vorher ungeahnte Zusammenhänge bereithält. Wer sich mit der niederländischen Innenpolitik der letzten zehn Jahren etwas auskennt, und vielleicht auch die Auseinandersetzungen um Pim Fortuyn, Theo van Gogh und jüngst um Geert Wilders verfolgt hat, der kann auch die Feinheiten der Anspielungen de Winters gut verstehen.

Leon de Winter hat einen Roman geschrieben, in dem er auch seine persönliche Auseinandersetzung mit einem Teil der niederländischen Intellektuellen beschreibt, aber auch ein besorgtes und hellsichtiges Szenario entwirft, von der bevorstehenden Explosion der Gewalt im Herzen unserer Gesellschaft. Dass er dabei die Notwendigkeit metaphysischer Synergien beschreibt, ist neu und vielleicht nicht nur ironisch gemeint.

Leon de Winters Buch ist mehr als ein Thriller. Es ist eine durchaus plausible Geschichte, die geschickt mit den Grenzen von Fiktion und Realität spielt.
11 Kommentar| 32 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. März 2016
Leon de Winter polarisiert, Theo van Gogh hat polarisiert und beide haben sich nicht riechen können.

Jetzt muss aber erstmal sortiert werden: Leon de Winter ist einer der Schriftsteller der Niederlande und geistert immer wieder durch die Medien, eben nicht nur wegen seiner Bücher, sondern auch wegen seiner Religion und seinen Attacken auf den Islam.

Theo van Gogh, tatsächlich der Urenkel von dem gleichnamigen Bruder des großen Vincent, war ein niederländischer Filmemacher, der nicht zuletzt aufgrund seines gewaltsamen Todes traurige Berühmtheit erlangte. 2004 wurde er auf offener Straße von Mohammed Bouyeri niedergeschossen, dieser schnitt ihm die Kehle auf und heftete mit einem Messer ein Bekennerschreiben an (in) seinen Körper. Anlass war ein islamkritischer Kurzfilm van Goghs (siehe unten) – Submission – in dem eine Muslima die Unterdrückung der Frau in der islamischen Welt und Religion anprangert.

Theo van Gogh und Leon de Winter waren sich nie grün, weil van Gogh de Winter immer wieder dessen (angeblicher) Zurschaustellung seines jüdischen Glaubens und die Vermarkt seiner Familiengeschichte vorwarf – eine Fehde die über 20 Jahre dauerte, sich nicht nur in Beschuldigungen erschöpfte, sondern Beleidigungen und Lügen beeinhaltete.

Umso erstaunlicher daher, dass in de Winters neuem, heute erscheinenden, Buch Auftritt 1 dem verstorbenem Filmemacher und dem Tag seines Todes gebührt. Doch van Gogh “erwacht” wieder im Himmel und hier gehen die Verwicklungen los. Er bekommt einen ihn anleitenden “Engel-Erzieher” zur Seite gestellt, der ihn auf seinem Weg zu Stufe 2 des Verstorbenseins begleitet und ihm die Betreuung eines (lebenden) Ex-Gangsters aufträgt. Dass Engel Jimmy zufällig dem Verbrecher Max Kohn nach seinem Tod sein Herz gespendet hat, der vor Jimmy mit einer verflossenen Liebe liiert war, die jetzt mit dem Autor, de Winter selbst, zusammen kommt, lässt bereits auf mannigfache Verwicklungen schließen, die im Laufe des Buches immer verzwickter, aber auch raffinierter werden. Alle Verbindungen sind, bis auf eine unglaubwürdige, um den Kreis zu schließen, etwas hineingedokterte Halbbruderschaft, von erheiterndem Einfallsreichtum.

Doch in diesem Buch geht es nicht (nur) um ein lustiges Ränkespielchen zwischen Engeln, sondern um die Bedrohung durch Terrorismus in Europa, denn elf junge Marokkaner planen einen Anschlag auf die Oper in Amsterdam und der Anführer dieser Bande ist der Sohn der ehemaligen Rechten Hand des van Goghs zugewiesenem Schützling. Während immer weitere persönliche Verwicklungen ans Licht kommen, stellt sich heraus, dass der Anschlag auf die Oper nur Schritt eins in einem perfiden Plan war.

Obwohl ich ein belastbarer Leser bin musste ich bei folgender Szene schwer schlucken:

Er zog etwas hervor, was er die ganze Zeit hinter seinem Rücken versteckt hatte. Flügel. Wunderschöne weiße Flügel im weißesten Weiß, das Theo je gesehen hatte, transparent wie Glas, leicht wie Luft, zart wie der feinste Samt.

Das ist nicht starker Tobak, das ist drüber und wenn mir eine solche Schilderung nicht erst auf Seite 385, sondern 25 vorgesetzt worden wäre, man hätte mich wahrscheinlich vergrault. Aber trotz des Himmelszenarios weiß de Winter seine Figuren realistisch zu führen, vermengt Realität und Fiktion geschickt und schafft einen Roman, der packend die Sorgen des modernen Europa vor dem nicht zu beherrschenden, weil nicht einzuschätzenden und zu fassenden Terror, und der eigenen Geschichte im Zeitgeist der Niederlande zusammenfügt. Sympathisch, wenn auch nicht immer glaubhaft, macht er auch vor der eigenen Person nicht halt und lässt sich Dingen sagen wie:

“Oder klingt das jetzt wieder zu rechts […]?”

LdW ist aber auch derselbe Autor, der seine sympathische Freundin Sonja Geert Wilders für seinen Rechtspopulismus angreift (und dies überaus überzeugend):

Ich kenn mich mit dem Islam nicht aus. […] Aber man kann die Leute nicht ungestraft Jahr für Jahr in ihrer tiefsten Überzeugung beleidigen. […] Und damit sind Sie nicht nur für sich selbst, sondern für uns alle Risiken eingegangen. Im Grunde für die gesamte Gesellschaft. Sie haben Extremisten provoziert. Die werden nicht weniger extremistisch, wenn man Reden über sie hält, wie Sie es tun.

Der polarisierende de Winter hat ein Buch geschrieben, in dem alle Pole zwischen denen er sich aufreibt und er aufgerieben wird, vorkommen und erstaunlich unvoreingenommen miteinander konkurrieren. Am Ende bricht er, zum Glück, noch ironisch mit den Engeln und lässt mich aufatmen als ihm van Gogh im Traum erscheint.

“Bring mich als Engel in deinem Buch unter.”

“Das ist zu viel des Guten, Mensch.”

“Mach einen Engel aus mir. Aber wir haben keine Flügel. Den Fehler darfst du nicht machen.”

[…]

“Ohne Flügel. Warte… Nein, mach mal mit Flügeln. Ist nicht verkehrt, wenn die Menschen denken, dass wir Flügel haben…”

Ein gelungener Roman zwischen Realität und Fiktion, der dazu anregt auch mal hin und wieder in unser Nachbarland zu schauen und was dort politisch so am vorgehen und kochen ist.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. November 2016
.... nachdem ich alle 10 (?) Leon de Winter-Romane davor gelesen habe. Und die fand ich alle gut!
Ein "literarisches Spiel" also, wie er selbst schreibt, diese "Mischung aus Fiktion und Realität". Mystikbetrieb mit dem toten Theo van Gogh, dessen Haß er also verarbeiten wollte - gut. Am Anfang dachte ich oweia, mit der Zeit fand ichs doch ganz lustig, am Ende wird das langsam lächerlich. Dazwischen doch viel Spannung, da kam Hoffnung auf. Dann der Plot mit dem 3-fachen Terroranschlag mit Islamisten, die ja gaaar niemand töten wollen - klar!
Was einfach gar nicht geht bzw. woran ich mich nicht gewöhnen konnte, ist der Autor selbst als Protagonist im Roman. Auch Selbstironie-/-kritik helfen da nicht. Und dann darf sogar noch Geert Wilders als potentieller Held "mitspielen"... najaaa.
Nur de Winters "echte" Frau (J.Durlacher) muß draußen bleiben. Dafür hat er sich "vorübergehend" von ihr getrennt - auch nee, sie von ihm natürlich ;-) Dafür ist eine Playmate-gleiche Nervzicke mit ihrem superhellen Söhnchen dabei...mhm!
Showdown mit happy End - die Bösen werden erwischt und müssen sterben - gähn, und Theo van Gogh darf -sich noch schnell von de Winter verabschiedend- endlich gen Himmel ziehen - uff!!
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

20,99 €
18,99 €
10,99 €

Brauchen Sie weitere HilfeHier klicken

Gesponserte Links

  (Was ist das?)