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am 5. Oktober 2013
Kästners "Fabian - Die Geschichte eines Moralisten" ist nun endlich - nach über 80 Jahren - in der vom Autor ursprünglich beabsichtigten Form und unter seinem Wunschtitel, "Der Gang vor die Hunde" erschienen.

Wer Kästner schon als Kind gelesen hat, erkennt sofort seinen typischen Stil wieder, der wirkt wie mühelos hingeworfen. Auch die pointierten Dialoge, den frechen Witz, das alles kennen wir bereits aus "Das doppelte Lottchen" oder "Emil und die Detektive" und haben die heiteren Illustrationen von Walter Trier vor Augen. Doch die Bilder, die Kästner im "Gang vor die Hunde" malt, erinnern an die Werke von George Grosz, der wie kein anderer die Dekadenz der Weimarer Republik verbildlicht hat, sein Erzählton manchmal an seine Gedichte.

Die Situation zur Zeit der Erstausgabe, gesellschaftlich wie politisch, ist prekär. Der erste Weltkrieg hat die alte Ordnung in einer blutigen Welle weggeschwemmt, die Philosophie des Humanismus scheint ad absurdum geführt, eine neue Ordnung hat sich noch nicht etabliert. Die deutsche Wirtschaft ist dabei, zusammenzubrechen, Arbeitslosigkeit und Armut steigen exponentiell. Eine verzweifelte Lebensgier greift um sich; Berlin tanzt auf dem Vulkan.

Kästner lässt die Figur des Fabian als passiven Beobachter durch dieses Berlin flanieren. Es gibt im Grunde keine Handlung, doch der Text wäre nicht Kästner, läse er sich nicht trotzdem höchst unterhaltsam. Figuren treten umstandslos auf, verkörpern etwas (Opportunismus, Verzweiflung, Gier), zeigen etwas (das gewandelte Geschlechterverhältnis, den Verfall der Moral, den Wahnsinn des Kapitalismus) und treten ebenso umstandslos wieder ab. Manche sind nicht totzukriegen, andere kommen so sinnfrei ums Leben, dass man Einspruch erheben möchte. Der Protagonist hält sich aus allem heraus und versucht, seine Ideale hochzuhalten. Zwar gelangt er sukzessive zu einer realistischeren Lebenshaltung, aber da ist es schon zu spät. Wer Erfolg haben oder auch nur überleben will, muss sich prostituieren. Wer das nicht tut, geht unter, wie am Ende Fabian (und mit ihm die Moral), buchstäblich baden geht.

Kästners Sprache spart sich literarische Schnörkel; sie ist frivol, sie ist direkt, sie nennt die Dinge beim Namen. Das wirkt auch nach 80 Jahren noch erfrischend provokant. Sein Roman verblüfft nicht nur durch ein zeitloses Menschenbild, sondern auch als Instrument der Propaganda: Etwas, das der Autor, ganz wie seine Figur Fabian, zwar meisterlich beherrscht, aber verachtet. Jedoch, wie Kästner selbst in seinem Nachwort von 1931 sagt: Der Roman "wollte mit angemessenen, das konnte in diesem Falle nur bedeuten, mit allen Mitteln, in letzter Minute Gehör und Besinnung erzwingen." Wir wissen, dass ihm das nicht gelungen ist. Das aber macht den Roman und seine Intention nicht kleiner.

Der Anhang des Münchner Literaturprofessors und Kästnerbiographen Sven Hanuschek, gut ein Viertel des Textumfanges, setzt alles in Perspektive. Hier kann man im Detail die Textänderungen im Vergleich zur Erstausgabe nachlesen. Hier gibt es das Kapitel, das Kästner als Ersatz für das ursprüngliche, wegzensierte Kapitel 3 schreiben musste, alle Nachworte des Autors, und die sehr wechselvolle Rezeptionsgeschichte des Romans enthält es auch.

Kann man den "Gang vor die Hunde" also auch heute noch mit Gewinn lesen? Vor allem: Mit mehr Gewinn als die Erstausgabe? Man kann nicht nur, man sollte! Aber Warnung: (Literatur-)Geschichte fügt Ihnen erhebliche Denkanstöße zu.
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am 21. März 2016
"Fabian trat zum Tisch. Bücher und Broschüren lagen in Stapeln darauf. Darüber an der Wand, hing eine Stickerei mit der Inschrift: “Nur ein Viertelstündchen.” Er hatte, als er einzog, den Spruch vom Sofa entfernt und über den Büchern angebracht."

Spontan fällt mir kein Autor ein, der mich in dieser Form seit meinen frühen Kindertagen bis heute so gleichbleibend begeistert hat und zwei Werke stechen aus seinem Oeuvre, wahrscheinlich nicht nur für mich, besonders heraus: Emil und die Detektive und Fabian. Schon anlässlich meines Dresden Besuchs im Sommer hatte ich Fabian - Die Geschichte eines Moralisten wiedergelesen und greife nun erneut zu ihm. Der Gang vor die Hunde heißt es in der Neuauflage nun, in der Version, der Urfassung, die Erich Kästner eigentlich veröffentlichen wollte. Ein Buch voller Leben, Sterben, Politik und Sex. Die Neuausgabe liefert die Urfassung “erstmals als durchgehend lesbaren Text, mit allen gestrichenen Passagen und der Rekonstruktion stilistischer Details.” Die Aufzählung und Kommentierung der Änderungen, Umarbeitungen, Streichungen, Neubearbeitungen und Wiederveröffentlichung gestrichener Kapitel ist müßig und nicht meine, sondern die, mit Bravour erledigte, Aufgabe des Nachwortes der neuen Ausgabe. Ich will dagegen lieber die Kraft und Schönheit dieses Werkes preisen.

erichkaestnerdergangvordiehundefabian(Jakob) Fabian ist Germanist im Berlin Anfang der 30er Jahre und rutscht aus einem Job in der Werbung für Rauchwaren in die Arbeitslosigkeit. Er zieht mit seinem Freund (Stephan) Labude durch die Berliner Clubs, Ateliers, trifft Frauen, Arbeitslose, Nazis und Kommunisten; er verliebt sich und wird verletzt. Das trostlose Berlin von damals, das versucht seinen Dreck mit dem Glitzer von Bordellen zu übertünchen, wird von Fabian als (fast) Außenstehendem porträtiert. Menschen, die verzweifelt versuchen Arbeit zu finden, resignieren und wieder Hoffnung schöpfen, solche die sich und ihre Ideale für Karriere und schnelles Geld verkaufen, reiche und geniale Erfinder, die zur Rettung der eigenen Gesinnung lieber zu Bettlern werden und bei Fremden auf dem Sofa schlafen, alle sind sie hier versammelt und durch alle Zeilen starrt den Leser immerzu die Fratze des Verfalls der Weimarer Republik an. Fabian der Moralist wird zum Realisten und gebrochenen Mann. Die Entwicklung zur Tragödie hat mich, nicht nur, beim ersten Lesen, damals aber besonders nachhaltig, tief berührt (und so etwas sage ich doch recht selten?!).

Beim Wiederlesen und Sehen der Verfilmung war ich überrascht wie viel Sex in diesem Buch steckt, aber auch wie viel hellsichtige Weissagung der Zukunft Deutschlands und Europas ohne in den Pessimismus abzugleiten – es bleibt die Geschichte eines Moralisten, während die Welt den Gang vor die Hunde antritt. Kästner war anwesend als die Nazis seinen Fabian in die Flammen warfen, Nazideutschland ist schwer denkbar, wenn Deutschland erkannt hätte, was Kästner schon 1931 wusste.

Diese Neuveröffentlichung ist richtig, sie ist wichtig! Eine neue Kraft schöpft dieses bahnbrechende Werk durch seine (Rück-)Bearbeitung, z.T. ungeschliffene Rohheit vermittelt eine neue, ursprünglichere Authentizität. Nicht missen möchte ich dieses Buch, die Erinnerungen an die erste Lektüre, den flauen Magen am Ende. Ich kann jeden nur ermutigen dieses Buch (wieder) zu lesen, warum nicht die Neuausgabe zum Anlass nehmen; derweil suche ich meine alte Ausgabe von Emil und die Detektive.
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am 8. Oktober 2013
Der Roman ist eine Neuauflage von Kästners „Fabian“ und zwar in der Form, wie Kästner ihn ursprünglich geschrieben hat. Bei der Erstauflage musste er einiges ändern und sogar ein ganzes Kapitel neu schreiben, spätere Auflagen erhielten nur marginale Änderungen. Hier ist der Roman erstmals mit dem Text und dem Titel veröffentlicht worden, wie ihn der Autor vorgesehen hatte, also sozusagen der „Directors Cut“.

Der Roman erzählt von einigen Tagen im Leben Jakob Fabians und nimmt den Leser mit auf eine Reise durch das Berlin um 1930, lässt die Weltwirtschaftskrise, den aufkommenden Nationalsozialismus, aber auch das turbulente (Liebes)Leben der damaligen Zeit lebendig werden.

Im Anhang finden sich außer den verschiedenen Vorworten, die der „Fabian“ im Laufe der Zeit von Kästner selbst erhalten hatte, auch eine Auflistung der verschiedenen Änderungen inkl. des Kapitels, das der Autor alsErsatz für das zunächst gestrichene geschrieben hatte. Außerdem findet sich dort ein umfassendes Nachwort des Herausgebers dieser Ausgabe, Sven Hanuschek, das den Roman perfekt abrundet und dem Leser nicht nur Einblicke in die Biografie Kästners und in die damalige Zeit vermittelt sondern z. B. auch die Umstände der Entstehung des Romans und der Änderungen.

Der Roman ist auf jeden Fall lesenswert, nicht nur für Kästner-Fans, er ist ein Stück Literaturgeschichte und lässt sich auch heute noch mit Gewinn lesen.
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am 27. November 2013
„Machthunger und Geldgier sind Geschwister, aber mit mir sind sie nicht verwandt“, sagt Jakob Fabian, er ist Kästners tragischer Beobachter der Auswüchse und Paradoxien einer Gesellschaft, in der sich die Kunst prostituieren, sich die Kreativität den Forderungen des Formalismus unterwerfen muss – um etwas zu beissen zu haben, in der das Kleinbürgertum verelendet, die Arbeitslosigkeit die Menschen entweder in den Suizid oder die Revolution treibt und sich auf der einen Seite der Waagschale, die Sitten in Auflösung befinden, andererseits humorfrei jede Abweichung von der Norm Empörung hervorruft.

Der studierte Jakob Fabian will Distanz halten zu so einer Welt, abwarten, bis sich die Anständigkeit durchsetzt, erst dann will er seine Verweigerungshaltung aufgeben. Da wird er durch die Liebe kurzfristig in Versuchung geführt. Doch es ist zu spät, zehn nach zwölf, er hat zu lange gezögert.

Erich Kästners Ironie, sein teilweiser Sarkasmus wird oft als Humor verkannt, ist jedoch purer Gesellschaftspessimismus, paradoxerweise begleitet von einer nicht totzuschlagenden Hoffnung auf Besserung, obwohl Mensch auf Schritt und Tritt doch eines Besseren belehrt wird. Der Mensch lebt in einer dem Selbstzweck dienenden sinnentleerten Mühle (Maschinerie), die ihn seiner Identität beraubt.

„Der Gang vor die Hunde“ ist trotz seiner Geschichtsbezogenheit vor der großen Rezession der frühen 30er Jahre aktuell, scheint die heutige Gesellschaft abzubilden, denn der Mensch bleibt über Jahrzehnte, ja über Jahrhunderte hinweg, das, was er ist: Mensch im Schlechtesten und im Besten, immer haarscharf beieinander.

Fazit: Emotionen weckt dieser Roman nicht, er ist auch trotz Wortwitz nicht lustig. Er ist eine Bestandsaufnahme. Doch wer Erich Kästners Kinderbücher liebt(e), muss auch diesen Kästner lesen. Denn „Der Gang vor die Hunde“ ist ein echter, grossartiger Kästner, ein Kästner für Erwachsene. Kästners Gespür für Bilder, für groteske Zusammenstellungen, die Fähigkeit, zeitlose Wahrheiten lakonisch auf den Punkt zu bringen ist ganz grosse Literatur.
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am 26. März 2014
Kästner schreibt ehrlich, wortgewaltig und trotz Bitterkeit in einer gewissen Leichtigkeit über die Verwirrung und Traurigkeit, die sein Charakter erfährt. Das Berlin der 30er jahre scheint dem heutigen Berlin nicht so unähnlich zu sein, was interessant und erschreckend zugleich ist. Das Buch hat mich berührt und fasziniert. Jeder sollte Kästner so kennen.
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am 19. Juli 2017
Die zwei Hauptcharaktere dieses Romans, Fabian und Labude, haben ihr Studium erfolgreich beendet, fristen allerdings eher ein desolates Dasein. Irgendwie irren sie ziellos durch ihr Leben, auf der Scuhe nach dem rechten Weg. Erschwerend hierbei ist die Epoche dieses Romans, wo Nachkriegswehen, Hoffnungslosigkeit durch Arbeitslosigkeit oder die herannahende Naziherrschaft ihre Schatten werfen. Fixierte Ziele können die beiden so nicht erreichen, der Roman endet letztlich in der Katastrophe.

Fazit: mit Sicherheit ein sehr brisanter Roman während seiner Debützeit, wo die Trostlosigkeit diese Zeitspanne wiederspiegelt. Zusätzliches Öl im Feuer waren zu jener Zeit die detaillierten Liebschaften, weshalb der Autor eine Titeländerung und Kürzung vollziehen musste.
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am 12. Januar 2015
Literarische Reise in die Zwischenkriegszeit, die es sich durchaus zu lesen lohnt. Interessante Geschichte, wenngleich zeitenweise auch etwas langatmig. Keine wirklich spannende Handlung, die von der ersten bis zur letzten Seite fesselt, aber Atmosphäre und Sittenbild der Zeit werden gut vermittelt, Schreibstil des Autors herausragend (literarisch wertvoll).
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am 14. Oktober 2013
"Der Gang vor die Hunde" ist ein Buch, welches mir Erich Kästner, den ich natürlich durch andere Bücher wie "Emil und die Detektive", "Das doppelte Lottchen" oder auch "Das fliegende Klassenzimmer" zu schätzen weiß, nun in einem ganz anderen Licht erscheint. "Der Gang vor die Hunde" ist nämlich keinesfalls ein Kinderbuch, sondern ein wirklich dekadentes Buch, wo es nicht wundert, das es gekürzt werden musste, da es so wie es jetzt 80 Jahre später einfach besser in die Zeit passt. Erschienen sind nur Auszüge und das Buch verlor auch seinen Originaltitel und ist als "Fabian - Die Geschichte eines Moralisten" auf den deutschen Buchmarkt geworfen worden. Um herauszufinden, was letztendlich gekürzt wurde, lohnt es sich erstens "Fabian" zu lesen oder sich eben dem Anhang in "Der Gang vor die Hunde" zu lesen.
Für mich war "Der Gang vor die Hunde" ein Einblick in das Leben nach dem ersten Weltkrieg. Politisch und wirtschaftlich muss sich Deutschland erst einmal wieder erholen. Fabian ist nur Beobachter und führt uns durch Berlin. Gewährt uns Einblicke, die uns tatsächlich erstaunen lassen. Personen werden teilweise oberflächlich betrachtet, teilweise ein klein wenig mehr. Manches Leben erscheint uns sinnlos und die Frage ist: "Was haben die jetzt im Buch zu suchen?" Wieder andere scheiden so schnell wieder aus der Handlung heraus, das sich die Frage lohnt: "Wie viel Wert hat ein Leben?" Moralisch könnte man das Buch natürlich verwerfen, obwohl es in unserer Zeit, wenn man die Sexualität betrachtet doch um einiges offener zugeht. In einer Zeit wie dieser in der "Der Gang vor die Hunde" spielt ist es eher verwerflich und verwunderlich wie offen Erich Kästner damit umgeht.

"Der Gang vor die Hunde" ist definitiv kein Buch, was man so eben zwischendurch lesen könnte, dafür ist es wirklich zu prekär und dekadent, das sich das zweite oder dritte mal Lesen zumindest für mich lohnen würde, um wirklich alles aufnehmen zu können und zu verstehen, was Erich Kästner eigentlich ausdrücken wollte.

Natürlich gibt es eine Leseempfehlung, denn einen Erich Kästner mal von einer anderen Seite zu betrachten lohnt sich auf jeden Fall!
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Ich lese Kästner sehr gern – bisher hatte ich „Fabian“ aus der Feder von Erich Kästner schon immer einmal lesen wollen, aber es noch nicht geschafft. Nun habe ich mich an die ungekürzte Fassung gewagt: „Der Gang vor die Hunde“ !!!

Man muss dazu wissen, dass „Fabian“ – weit bekannter als „Der Gang vor die Hunde“ vor dem Erscheinen verändert und verkürzt worden war. Nun liegt zum ersten Mal die Geschichte so vor, wie sie Kästner erdacht und vorgesehen hatte. Einmalig !!!

Gliederung und Inhalt:
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Jakob Fabian ist arbeitslos – seines Zeichens Germanist – wir befinden uns in den 20er Jahren und Berlin ist überhitzt. Die Stadt ist vielfach im Ausnahmezustand. Als obszön verschrien – wohl gemerkt in der gekürzten und veränderten Fassung - war das Buch, welches Kästner im politischen und erotischen Berlin spielen lässt.

Die mir nun vorliegende Fassung wurde von Sven Hanuschek, den man als Kästner-Experten bezeichnen kann, rekonstruiert. Ein Nachwort ist angefügt, welches ebenso interessant ist und detaillierte Einblicke liefert.

Leseprobe:
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17. Kapitel

Kalbsleber, aber ohne Flexen – Er sagt ihr die Meinung – Ein Reisender verliert die Geduld

„Ich habe gelogen“, sagte die Frau am anderen Morgen. „Ich gehe gar nicht ins Geschäft. Und die Wohnung gehört mir. Und wir sind ganz allein. Komm in die Küche.“
Sie goss Kaffee ein, strich Brötchen, klopfte ihm zärtlich auf die Wange, band die Schürze ab und setzte sich zu ihm an den Küchentisch. „Schmeckt's?“ fragte sie munter, obwohl er nicht aß. „Blass siehst du aus, Schatz. Es ist aber auch kein Wunder. Greif tüchtig zu, damit du wieder groß und stark wirst. ….

Mit zahlreichen typisch „Kästnerischen“ Pointen versehen und einer Schreibweise, bei der man sofort Kästners Stil spürt, ist diese Geschichte lebendig, spannend, real und authentisch – einmal bezogen auf den lebendigen Stil und auch bezogen auf den glaubhaft realen Inhalt.

Polistisches Berlin und Leben zur damaligen Zeit – aber auch der Hauptcharakter und sein Leben werden ideal miteinander verbunden.

Interessant fand ich die passive Betrachtungsweise, innerhalb derer der Autor seinen Protagonisten mit dem Buch verbindet. Auch wird die wirtschaftliche Lage Berlins – Deutschlands damals thematisiert und in die fiktive Handlung eingebunden.

Die Handlung ist nicht so einfach zu beschreiben, da es sie im Prinzip gar nicht gibt, oder doch ??? Ich kann es nicht beschreiben und erklären, man muss es gelesen haben, wenn man Kästner mag – dann sowieso, wenn man ihn kennen lernen möchte, dann auch unbedingt.

Ich finde das Buch absolut genial, habe „Fabian“ noch nicht gelesen, werde es zum Vergleich ganz gewiss aber noch tun.

Kästner nimmt hier in jedem Fall kein Blatt vor den Mund – das hat mir gefallen, das war gut so und ich bin echt froh, dass man das Buch jetzt endlich in seiner Originalfassung lesen kann und auch mit dem Titel versehen, den der Autor für seine Geschichte vorgesehen hatte.

Absolute Empfehlung !!!
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am 6. Januar 2014
Endlich....es ist schon erstaunlich, wie lange es dauerte, nun kann man endlich denn unzensierten Text Kästners lesen. Es ist ein Genuss, diese Sprache, dieser Humor bei aller Ernsthaftigkeit. Ich fühlte mich zurückversetzt in diese besondere Zeit des vergangenen Jahrhunderts. Mit dem Abstand der Jahre wird es aus meiner Sicht noch interessanter.
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