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am 24. Juli 2013
Rock Island 1864, Reste der 5th Georgia-Kavallerie befinden sich in einem Gefangenenlager der Union, wo sie unter beklagenswerten Bedingungen keine Chance zum Überleben haben. Unions-Captain Bradford (Cornel Wilde) bietet den Gefangenen die Chance auf vollständige Begnadigung, wenn sie in die Unions-Armee eintreten und im Westen gegen die Indianer kämpfen. Colonel Tucker (Joseph Cotton) sieht dies als Gelegenheit, um den sicheren Tod zu entkommen. Die Truppe schließt sich der 3.Kavallerie im entfernten Fort Thorn, in New Mexico an.
Die Begrüßung durch den Kommandeur, Major Kenniston (Jeff Chandler), ist streng und provokativ. Kenniston hasst die Rebellen und seine Arroganz sorgt für Spannungen im Überfluss. Nicht nur zwischen den Soldaten der Union und Konförderation, sondern auch zwischen ihm und seiner verwitweten Schwägerin Elena (Linda Darnell).

"Vorposten in Wildwest" ist eine echte Überraschung, unterhaltsam, kraftvoll und gehört zu einer Welle von Bürgerkriegs-Versöhnungs-Western der frühen 50er Jahre, in denen Soldaten aus Nord und Süd gegen einen gemeinsamen Feind kämpfen, wie in "Herr der rauhen Berge" oder "Verrat in Fort Bravo".
Inszeniert wurde dieses Sahnestück von Robert Wise (Kanonenboot am Yangste-Kiang) der im Western-Genre noch "Nacht in der Prärie" mit Robert Mitchum und "Mein Wille ist Gesetz" mit James Cagney ablieferte. Nach einem Drehbuch von Frank S.Nugent, dem Hausautor von John Ford, entstand ein beachtlicher Action-Western mit schönen Außenaufnahmen und einem Ensemble von erstklassigen Schauspielern.
Obwohl Joseph Cotten, Cornel Wilde und Linda Darnell die Haupdarsteller waren, so ist es eigentlich der Film von Jeff Chandler, dem damit der Durchbruch gelang.
Jeff Chandler ist Major Henry Kenniston, der nach einer Kriegsverletzung auf diesen Posten abgeschoben wurde. Misstrauisch gegenüber den Indianern und verbittert über seine Aufgabe, träumt er von einer Rückkehr in den Krieg um Rache für seine Verletzung und seinen getöteten Bruder an den Rebellen zu nehmen. Am schlimmsten ist er von der Witwe seines Bruders besessen. Er hält sie in der Festung zu ihrem eigenen Schutz gefangen, aber in seinem Herzen gelüstet er nach ihr. Als auch noch Tucker und der Captain an der schönen Witwe Interesse zeigen, begibt sich Kenniston auf einen Weg, der sowohl die Indianer und seine Männer schockiert. Als relativer Leinwandneuling war Jeff Chandler ein großer Bewunderer von Joseph Cotten, der ein gelernter Schauspieler war. Aber als der Film fertig war, hatte er alle an die Wand gespielt. Cotten gab zwar eine gute Vorstellung, aber Chandler hatte die Magie.

Bild und Tonqualität sind auf guten Koch-Niveau, dt. und engl. Tonspur,Untertitel gibt es keine.
Fehlende Szenen wurden mit dt. Untertiteln wieder eingefügt, eingeklebtes Booklet und ablösbares FSK-Logo.

Fazit: Ein mitreißender Western mit einer durchdachten Geschichte und mit realistischer Action.
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Als Regisseur Robert Wise 1950 den Western "Vorposten in Wildwest" inszenierte, hatte er zwar schon einige gute Werke abgeliefert, doch seine bis heute bekannten und berühmten Werke wie "West Side Story" (1960), "Bis das Blut gefriert" (1963), "Meine Lieder - meine Träume" (1965), "Kanonenboot am Yangtse-Kiang" (1966) oder "Star Trek - Der Film" (1979) sollten erst noch folgen. Doch schon bei dem hier vorliegenden Werk kann man erkennen, welches Regietalent in diesem Man steckte, der schließlich 1998 vom American Film Institute den AFI Life Achievement Award verliehen bekam, die höchste Auszeichnung für das Gesamtwerk eines Filmschaffenden.

Für dieses Western Highlight konnte Wise einen der Superstars der 40er und 50er Jahre gewinnen: Joseph Cotten, der in den größten Klassikern der Filmgeschichte mitwirkte wie "Citizen Kane" (1941), "Das Haus der Lady Alquist" (1944), "Der dritte Mann" (1949), "Niagara" (1950), "Im Zeichen des Bösen" (1958), "Wiegenlied für eine Leiche" (1964). Dazu den aufstrebenden Star Jeff Chandler (Der gebrochene Pfeil, 1950; Verschwörung auf Fort Clark, 1953; Drango, 1957), Cornel Wilde (Todsünde, 1950; Die größte Schau der Welt, 1952; Der Todesmutige, 1965) und Linda Darnell (Im Zeichen des Zorro, 1940; Das Lied der Bernadette, 1943; Faustrecht der Prärie, 1946). Das Drehbuch schrieb kein Geringerer als John Fords Hausautor Frank S. Nugent, der bereits die Bücher zu den Western-Meisterwerke "She wore a Yellow Ribbon", "Fort Apache" und "The Searchers" verfasste.

Vorposten in Wildwest erzählt die Geschichte eines kleinen Südstaatler Trupps, der, angeführt von Colonel Clay Tucker (Joseph Cotten), in die Gefangenschaft der Nordstaatler geraten ist, und welchem durch Captain Bradford (Cornel Wilde) eine Amnestie angeboten wird, falls sich die Truppe in den Dienst der Yankees stellt und gemeinsam mit diesen im Indianer Grenzland die Nordstaaten-Truppe unterstützt. (Ein Einsatz gegen die früheren eigenen Truppen der Konföderation soll ausdrücklich ausgeschlossen sein.) Während Tucker und Bradford anfangen Freundschaft zu schließen, hat der Fortkommandant Major Kenniston (Jeff Chandler), ein verbitterter und mürrischer Soldat, der sich an diesem Außenposten abgeschoben sieht, jedoch nur Vorbehalte gegen die Südstaatler Truppe und schikaniert diese bei nahezu jeder Gelegenheit. In seiner grenzenlosen Selbstüberschätzung und seinem tief sitzenden Haß läßt er schließlich einen Häuptlingssohn erschießen, was zu einem vernichtenden Angriff auf das Fort führt.

Ungemein prägnant sind hier die verschiedenen Charaktere und Positionen der beiden Kontrahenten herausgearbeitet. Auf der einen Seite, der freundliche und charmante Südstaatler, der die grenzenlose Loyalität seiner Untergebenen hinter sich hat, während Chandler mit Bravour den rassistischen, selbstgefälligen und überheblichen Kommandanten gibt, der seine Untergebenen in eine Katastrophe führt. Unterstützt durch das famose Skript von Nugent reiht sich dieser Streifen nahtlos in die Reihe der großen Soldatenwestern ein. Brilliant allein schon die äußerst realistische Inszenierung des Indianer Angriffs auf das Fort!

Koch Media hat dieses Kleinod fantastisch bearbeitet, so daß das DVD Bild sich durch ein klares Bild auszeichnet. Das Bildformat ist 16:9 und dieser Western kann wahlweise in Deutsch oder Englisch gesehen werden. Es muß aber an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, daß dieser Streifen Uncut ist und die ehemals geschnittenen Stellen in Englisch mit deutschen Untertiteln eingefügt wurden, was für mich die deutlich bessere Option ist gegenüber einer kompletten Neusynchro. Das Tonformat ist DTS-HD Master Audio 2.0. Als Extras bietet die DVD sowohl den Deutschen als auch Englischen Trailer, dazu eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial und ein sehr informatives 8-seitiges Bokklet mit einem Begleittext von Hank Schraudolph. Eine Veröffentlichung, der ich nur fünf Sterne geben kann und eine Top-Empfehlung für alle Westernfans.
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TOP 1000 REZENSENTam 10. März 2016
Über 60 Jahre war Regisseur Robert Wise im Filmgeschäft tätig. Er begann als Tontechniker bei John Fords "Der Verräter" (1935) und hatte 1945 mit "Der Leichendieb" seinen ersten großen Regieerfolg. Es folgten so unterschiedliche Klassiker wie "Der Tag, an dem die Erde stillstand", "Laßt mich leben", "Wenig Chancen für morgen", "West Side Story", "Bis das Blut gefriert", "The Sound of Music" oder "Kanonenboot am Yanktsee Kiang".

Sein Western "Vorposten in Wildwest" entstand 1950 und ist heute beinahe schon vergessen. Der Film war kein großer Hit und wurde auch nie Geheimtipp unter den Westernfans, aber ist dennoch wert neu entdeckt zu werden. "Two Flags West" entstand zu einer Zeit als die Kavalleriefilme in Mode waren, John Ford schuf in dieser Phase auch seine berühmte Trilogie. Darüberhinaus ist Robert Wises Western auch ein besonderer Bürgerkriegsfilm, der eine sehr spezielle Episode erzählt, die einige Jahre später auch Sam Peckinpah in "Sierra Charriba" wieder thematisierte. Die sogenannten "Galvanized Yankees" waren grauberockte Südstaatensoldaten, meist Bauern oder Einwanderer, die nicht ganz diesen enormen Südstaaten-Patriotismus in sich trugen, wurden von den blauberockten Nordstaatlern während des Krieges aus dem Gefangenenlager geholt und rekrutiert. Denn es gab weit im Westen einen gemeinsamen Feind: Die Indianer. Und die Yankees brauchten Verstärkung. Präsident Abraham Lincoln soll sogar eine besonders große Rekrutenumwandlung angeordnet haben, um für die Wiederwahl seine Entschlossenheit im Kampf gegen die Rothäute zu beweisen.

Es ist der Herbst 1864 und Colonel Clay Tuckers (Joseph Cotten) Männer sind als Kriegsgefangene erbärmlichen Bedingungen ausgesetzt. Der Hunger plagt die Soldaten, es werden nicht alle Männer überleben. Captain Mark Bradford (Cornel Wilde) macht aber den gefangenen Südstaatlern ein lebensrettendes Angebot. Wenn sie Soldaten der Nordarmee werden und gegen die Feinde kämpfen, dann gibts auch wieder Verpflegung. Nicht alle Männer wollen das Angebot der Yankees annehmen. Tucker lässt abstimmen, am Ende ist ein Gleichstand da und Tucker, der sich enthalten hat, muss nun die Entscheidung treffen. Er entscheidet sich für die Freiheit und den gemeinsamen Kampf. So werden die Männer von Bradford aus dem Gefangenenlager nach Fort Thorn gebracht. Der Kommandant des Forts ist der rassistische Major Kenniston (Jeff Chandler), der Hass gegen die Indianer und auch gegen die Südstaaten empfindet. Sein Bruder fiel in einer Schlacht des Bürgerkrieges. Bei seinen Männern ist er nicht besonders beliebt, auch provoziert er immer wieder die Indianer zu Angriffen. Heimlich empfindet er Zuneigung zu Elena (Linda Darnell), der Witwe seines Bruders. Er sieht sich auch als Beschützer dieser Frau, die allerdings seine Aufpasserrolle zunehmend als Belastung empfindet. Als Kenniston den Häuptlingsohn gefangennimmt und ihn in ermordet kommt es zum Angriff des Stammes auf das Fort...

Robert Wise hat die Geschichte sehr spannend verfilmt, man kann die Wut und Rachegefühle der Indianer gut nachvollziehen - denn man hätte wohl verhandeln können, aber Kenniston wählt den Krieg, als der Häutpling seinen Sohn zurückfordert, indem er wieder ins Fort reitet, man einen Schuß hört und er mit einem Pferd, auf dem der tote Sohn liegt, zurückkommt. Am Ende muss dieser schwierige Soldat sich selbst opfern, aber er hat durch sein Versagen viele Opfer unter den Soldaten und unter den Indianern verursacht. Jeff Chandler ist der Star dieses Films und er bleibt mehr in Erinnerung als die Figuren, die Joseph Cotten und Cornel Wilde spielen. Inmitten dieses Männertrios steht die Frau, gespielt von Linda Darnell, die von allen dreien begehrt wird.
In den Nebenrollen finden sich bekannte Western-Charakterköpfe wie Jay C. Flippen, Noah Berry jr oder Arthur Hunicutt.
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am 13. September 2013
Dieser Western von 1950 macht auf mehrere Weise auf sich aufmerksam: Einmal durch die umfangreiche Starbesetzung, zum anderen dadurch, dass Frank S. Nugent (der Hausdrehbuchschreiber von John Ford) das Drehbuch schrieb und schließlich durch den Regisseur Robert Wise ( West Side Story, Land ohne Männer). Die Stars sind Joseph Cotten, ein Topstar, der für viele Studios in Topfilmen im Einsatz war (z. "Der dritte Mann", Schatten des Zweifels, Niagara, Duell in der Sonne), Cornel Wilde ( Amber, Todsünde, Nachtclub Lilly), Linda Darnell ( Zorro, König der Toreros, Faustrecht der Prärie), Cheff Chandler (Der gebrochene Pfeil, Die Frau am Strand, Kreuzverhör). Sehr reizvoll die ungewöhnliche Konstellation, dass Süd- und Nordstaatensoldaten gemeinsam ein Fort gegen die Indianer verteidigen. Die Gegenspieler sind Cheff Chandler als Major Kenniston und Joseph Cotten als Oberst Tucker. Im Gegensatz zu dem Koch Universal Rezensenten sehe ich nicht Jeff Chandler, sondern vielmehr Joseph Cotten als die tragende Figur dieses Schwarzweissfilms. Cotten hat die schwierige Aufgabe, als Südstaatenoberst dem verborten Nordstaatenmajor Chandler gegenüberzutreten, der noch dazu (heimlich) in seine Schwägerin (Darnell) verliebt ist. "Vorposten in Wildwest" ist sicherlich nicht einer der besten Filme von Robert Wise, aber ein solider, spannender Western, der noch dazu (meines Wissens) noch nie im Fernsehen gezeigt wurde. Produktausstattung und Extras (Deutscher- und Originaltrailer und umfangreiche Fotostrecke), 7-seitiges Booklet entsprechen dem Koch Universal Standard.
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[Vorsicht, starke Spoiler!]

… ist normalerweise mein Freund; das ist Machiavelli für Anfänger. Nicht jedoch verhält es sich so, wenn wir uns in einem Western befinden und der Feind meines Feindes Indianer sind. Ist der Bürgerkrieg insgesamt ein vom Western stiefmütterlich behandeltes Thema – die meisten Western spielen ja zu einer Zeit, da dieser Bruderkrieg längst abgeschlossen war –, so gibt es doch eine Reihe klassischer Western – deren bekanntester dürfte John Sturges‘ „Fort Bravo“ (1953) sein –, in denen postuliert wird, daß auf beiden Seiten der Kampfparteien eben Amerikaner standen, die mehr verband als trennte. Dies geschieht leider auf Kosten der Indianer, die einmal mehr als gesichtslose Bedrohung dargestellt werden, in ihrer Naturgewalt dem Lande gleich, gegen das sich dereinst schon die ersten Siedler zusammenschlossen.

Robert Wises „Two Flags West“ aus dem Jahre 1950 fällt in diese Kategorie von Western, wobei er allerdings ein weniger einseitiges Bild von den Ureinwohnern zeichnet. Der Film erzählt, nachempfunden anhand historischer Tatsachen, die Geschichte des Konföderiertenobersten Tucker (Joseph Cotten), der – um seine Männer aus der Kriegsgefangenschaft zu befreien – das Angebot der Nordstaatenregierung annimmt, in der Uniform der Yankees weit im Westen die Grenze gegen die Apachen zu verteidigen. Fort Thorpe, wo er seinen Dienst tun soll, wird geleitet von dem verbitterten Major Kenniston (Jeff Chandler), der sich aufgrund einer Kriegsverletzung auf diesen Posten im Niemandsland abgeschoben wähnt und der, anders als sein Freund und Untergebener Captain Bradford (Cornel Wilde), nicht an die Verläßlichkeit der neurekrutierten Südstaatler glaubt. Um Bradford von der Richtigkeit seines Verdachtes zu überzeugen, gibt er Tucker einen Auftrag, der ihn in Versuchung bringt, wieder mit seinen Männern zu desertieren. Gleichzeitig beschwört der verbitterte Kenniston durch die willkürliche Exekution eines Häuptlingssohnes einen Großangriff der Apachen auf das Fort herauf, der auch durch den letzten Endes doch noch zur Hilfe eilenden Tucker nicht auf Dauer abgewehrt werden kann, so daß der Major schließlich sein eigenes Leben im Austausch für das Leben des von ihm getöteten Häuptlingssohnes gibt.

Jeff Chandler, den man eher mit Rollen wie der des Häuptlings Cochise aus Delmer Daves‘ „Broken Arrow“ (1950) in Verbindung bringt, spielt hier einen Offizier, den die Trauer um seinen gefallenen Bruder, die Frustration über seinen eigenen Karriereknick und die nur schlecht verhehlte Liebe zu seiner verwitweten Schwägerin Elena (Linda Darnell), die er unter allerlei Vorwänden angeblich zu ihrer eigenen Sicherheit im Fort festhält, zu einem verbitterten und vereinsamten Mann gemacht haben – und in dieser Rolle zeigt Chandler sein großes schauspielerisches Geschick. Wise gibt ihm denn auch ein paar schöne Szenen, in denen die Einsamkeit der von ihm gespielten Figur ins Auge springt, etwa wenn Szenen, in denen Kenniston allein vor seiner Unterkunft steht mit solchen, in denen Elena und Bradford den Sonnenuntergang genießen, parallel montiert werden, oder wenn er kurz darauf versucht, durch die Erinnerung an den verstorbenen Bruder bzw. Ehemann in seiner Schwägerin eine versöhnliche und vertraute Stimmung wachzurufen. Am ergreifendsten ist jedoch der Moment –wir sehen Ähnliches später verschiedentlich bei Ford wieder –, in dem Kenniston allein den Apachen, die draußen vor dem Fort warten, gegenübertritt: Das Tor ist geöffnet, vor Kenniston liegen Dunkelheit und Nebel, und er schreitet, den Rücken zur Kamera, einsam nach draußen, während sich hinter ihm das Tor schließt. Der Unterschied zwischen einem großen Regisseur wie Wise und einem übergroßen wie Ford wird allenfalls dadurch deutlich, daß Wise hier noch einen gellenden Schrei einbauen muß [1] – so als müßte auch noch dem dümmsten Zuschauer verdeutlicht werden, daß der Major in den sicheren Tod geht. Solche plakativen Zaunpfähle waren Fords Ding nicht. Dennoch ist dies eine Szene, die ihre Wirkung nicht verfehlt – auch wenn wir angesichts der kaltblütigen Exekutierung des jungen Indianers auf Kennistons Befehl wohl keine großen Sympathien für den Major hegen können.

Wise war bekanntlich ein Hansdampf in allen Gassen. So hat er eigentlich in fast jedem Genre Spuren hinterlassen – auch in einem so überflüssigen wie dem Musical. Wer „The Haunting“ (1963), „The Sand Pebbles“ (1966), den Spät-Noir „Odds Against Tomorrow“ (1959) und den vortrefflichen Western „Blood on the Moon“ (1948) kennt, weiß, daß Robert Wise jedes Genre zur Perfektion brachte, was ihm den Vorwurf einhandelte, letztlich keine eigene Handschrift entwickelt zu haben. In „Two Flags West“ würde ich allerdings eine solche eigene Handschrift schon darin erkennen, daß der Zuschauer nicht umhin kann, den Apachen eine gewisse Sympathie entgegenzubringen, denn immerhin sehen sie nach dem Tod des Majors von weiterem Blutvergießen ab, obgleich sie das gesamte Ford dem Erdboden hätten gleichmachen können.

Joseph Cotten spielt souverän und unaufgeregt, wie man ihn kennt und schätzt. Neben ihm und den bereits genannten Schauspielern wird das Ensemble durch eine Handvoll bewährter und dem Westernfreund bekannter Mimen aus der zweiten Reihe abgerundet – wie beispielsweise Arthur Hunnicutt, Noah Beery Jr. und dem Charakterkopf Jay C. Flippen. All dies macht „Two Flags West“ zu einem ausgezeichneten B-Western, den sich ein Westernliebhaber bedenkenlos ins Regal stellen kann.

[1] Hier scheint Wise sich selbst zu zitieren, denn in „The Body Snatcher“ (1948) gab es eine ähnliche Szene, in der der Schrei allerdings besser durch die Situation motiviert ist.
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1864 in Rock Island, einem Kriegsgefangenenlager in Illinois: Nordstaaten Captain Mark Bradford (Wilde) macht dem inhaftierten Männern unter Colonel Clay Tucker (Cotten) ein verlockendes Angebot. Wenn sie sich entscheiden, für den Norden die Westgrenzen gegen die Indianer zu verteidigen, kommen sie frei. Die Männer nutzen die Chance den erbärmlichen Haftbedingungen und dem nahenden Tod zu entfliehen und ziehen gen New Mexiko; Fort THORN (und dornig ist es dort, keine Frage!) wird ihre neue Heimat. Das Regiment führt der strenge und Südstaaten-hassende Henry Kenniston (Chandler), der aus seinem Misstrauen -gegenüber den aus Georgia stammenden Männern- keinen Hehl macht. Ebenfalls in Fort Thorn ist seine verwitwete Schwägerin heimisch, die sich nichts sehnlicher wünscht, als in ihre Heimat Mexiko zurückkehren zu dürfen. Die Spannung zwischen den drei Männern ist greifbar. Misstrauen prägt den Alltag, gemeinsam mit Vorurteilen. Kenniston ist ein unbeugsamer Mann, der in seinem Hass und seiner Vernageltheit weit über das Ziel hinausschießt und erst viel zu spät seine Fehler erkennt. Bradford hingegen ist offen und loyal, steht treu zu seinen Entscheidungen und hofft auf eine gemeinsame Zukunft mit Elena. Tucker wiederum ist hin und hergerissen - wem gehört seine Loyalität, den unausweichlichen Untergang des Südens durch Sherman stets vor Augen. Und doch ist er derjenige, der über sich hinauswächst und der die Hoffnung auf ein besseres Morgen nicht aufgibt. Im Zentrum steht Elena, die jedem Mann auf ihre eigene unnachahmliche Art klar macht, dass man sich von Altem, Vergangenem lösen muss und sich zu sich selbst ehrlich sein sollte.
Als Kenniston seine Unbarmherzigkeit lebhaft gegenüber dem Sohn des Häuptlings der Kiowa bekundet, scheint alles zu spät ...

Mit TWO FLAGS WEST hat Robert Wise einen starken und nachhaltigen Western, der die Aussöhnung der Bürgerkriegsparteien thematisiert, kreiert, in dem es zugleich um Toleranz zwischen den Rassen geht (hier gengenüber der native Americans). Darüber hinaus erzählt er die Geschichten dreier höchst unterschiedlicher Männer, die doch so viel gemeinsam haben. Besonders eindrucksvoll fand ich Chandlers Darstellung des gestrengen Majors, der voll des Hasses, in der Vergangenheit gefangen ist. Statt offen in die Zukunft zu blicken, hält er an Altem, längst Vergangenem fest und lässt das Leben an sich vorbeiziehen. Erst als es zu spät ist, gesteht er sich manch unliebsame Wahrheit ein. Nicht weniger beeindruckend die Figur Tuckers, der hin und her gerissen ist, zwischen Loyalität und Herkunft, Gehorsam und Liebe zum Vaterland.

Gedreht wurde in Ildefonso Puebla in New Mexico und auf einer Ranch nahe Black Mesa, wo beeindruckend schöne Landschaftsaufnahmen entstanden.
Hintergrund dieser Geschichte bilden "Galvanized Yankees": Die Inhaftierten konnten sich ihre Freiheit verdienen, indem sie im Westen die Grenzen gegen die Indianer verteidigten.

Zur BD-Ausgabe: endlich gibt es dieses Schmuckstück. Leider mit Schwächen beim Ton (der dt. Original-Synchro). Der Film erhält volle 5 Sterne, die Ausgabe ist nur mittelmäßig, deswegen einen Stern Abzug.

Fazit: Starker, eindrucksvoller Wise-Western mit gelungenem Ende! Einfach selbst sehen und die eigenen Schlüsse aus diesem reichhaltigen und tiefgründigen Film ziehen.
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am 3. August 2013
Herbst 1864: Im amerikanischen Bürgerkrieg erlässt Präsident Abraham Lincoln einen Aufruf an die Gefangenen aus den Südstaaten, sich freiwillig zum gemeinsamen Kampf gegen aufständische Indianer zu melden. Der Lohn sei die Freiheit. Ein Trupp von Südstaatlern um Colonel Tucker (Joseph Cotten, „Citizen Kane“) folgt dem Aufruf und wird von Captain Bradford (Cornel Wilde, „Lancelot – Der verwegene Ritter“) in den Norden geleitet. Im dortigen Fort Thorn führt der frustrierte Karriererist Major Kenniston (Jeff Chandler, „Der gebrochene Pfeil“) das Kommando. Sein Mord an einem Häuptlingssohn zieht einen brutalen Großangriff der Indianer auf das Fort nach sich...

Das lange Zeit verloren geglaubte Kleinod aus dem Werk von Hollywoods Regie-Legende und mehrfachem „Oscar“-Preisträger (2 mal Regie / 2 mal Produzent) Robert Wise („The Sound Of Music“, „Westside Story“) erscheint nun rund 60 Jahre nach seiner Kinopremiere erstmals frisch restauriert in HD. Das Schwarz-Weiß-Bild im Format 1.37: 1 (1080 / 24p) ist für diesen Streifen aus dem Jahr 1950 gut bis befriedigend, der Ton (DTS-HD Master Audio 2.0) liegt neben der englischen Version in deutscher bearbeiteter und Original-Version (teilweise nur untertitelt) vor. Erstere ist hervorragend verständlich und in den Action-Szenen druckvoll, während die originale Synchronisation mit ihrer nur ausreichenden Qualität (eher) etwas für Cineasten ist.

Apropos Cineasten. Autor Hank Schraudolph schreibt in dem beigefügten 7-seitigen Booklet: Der aufwändige Western ist “kein Riesenhit. Auch kein Geheimtipp unter Cineasten, aber doch … ein beachtlicher Actionfilm mit vielen ausdrucksvollen Aufnahmen...und präsentiert ein sehenswertes Ensemble...erstklassiger Schauspieler“ - neben den bereits genannten agieren u.a. so bekannte Hollywood-Größen dieser Zeit wie Linda Darnell („Amber, die große Kurtisane“), Dale Robertson („Das letzte Gefecht“) und Jay C. Flippen („Winchester `73“).

Die Blu-ray beinhaltet neben diesem informativen Booklet nur noch ein Minimum an Extras: Den deutschen und englischen Trailer sowie die obligatorische Bildergalerie mit seltenem Werbematerial und Fotos von den Dreharbeiten.

Der erstmalig in restaurierter Fassung vorliegende 96-minütige Kavalleriewestern bietet neben actionreicher Unterhaltung auch Momente zum Schmunzeln, wenn beispielsweise Nord- und Südstaatler sich eine lautstarke Gesangsschlacht liefern, indem sie ihre jeweilige Hymne um die Wette brüllen.

Fazit: Ein weiterer Leckerbissen in Koch Medias erfolgreicher Reihe „Westen Legenden“!
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VINE-PRODUKTTESTERam 27. April 2016
Die „Galvanized Yankees“ waren gegen Ende des US-amerikanischen Bürgerkriegs konföderierte Kriegsgefangene, die ihre Uniform von Grau zu Blau wandeln, also wie beim Galvanisieren von Metall die Farbe wechseln durften, um amnestiert zu werden und für die Union zu kämpfen. Viele historisch korrekte Ereignisse ranken sich um die dann aber doch fiktive Geschichte von Colonel Tucker (Joseph Cotten), der sich mit seinen Mannen „galvanisieren“ lässt, um in einem entlegenen Fort in New Mexico die Stellung gegen die „Indianer“ zu halten. Vor dem ersten Schuss vergehen 26 Minuten, in denen sich das Personal erst einmal beschnuppert. Der freundliche Captain Bradford (Cornell Wilde) aus dem Norden kann sich mit Tucker anfreunden und eher belustigt hinnehmen, dass die neu Angeworbenen ein Lied aus ihrer alten Heimat anstimmen (Lieder werden bis zum Ende eine im wahrsten Sinne des Wortes melodramatische Bedeutung haben, bis zu einem Lied-Duell à la „Casablanca“!). Major Kenniston, der Kommandant des Forts, ist voller Misstrauen und wohl auch (das wird sich bestätigen) persönlicher Verbitterung. Seine verwitwete Schwägerin Elena trägt dazu nicht ganz unwesentlich bei – hinter ihr wird jeder der drei Männer auf ganz unterschiedliche Art und Weise her sein. Die wirklich sehr schöne, dunkelhaarige Linda Darnell gibt überzeugend die Gute, die um ihre Wirkung weiß, aber auch ernsthaft um Ausgleich und Frieden bemüht ist. Natürlich werden die Spannungen am Ende in handfeste Konflikte und eine opferreiche Schlacht münden…

…aber die Geschichte ist durchgängig darauf bedacht, das Gut-Böse-Schema brüchig zu machen und verschiedene Dinge miteinander zu parallelisieren. So sind Kenniston und Bradford beide verwundet und für den Krieg nicht mehr zu gebrauchen, und beide sind es auch, die beim Werben um Elena gescheitert sind. Sie zeigen allerdings eine völlig unterschiedliche, ja geradezu entgegengesetzte Weise, damit umzugehen. Kenniston hält sie fast wie eine Gefangene im Fort, die sie doch versprochen bekommen hatte, mit dem ersten Treck zu ihrer Familie nach Kalifornien reisen zu dürfen. Bradford verschweigt selbstlos, dass sie sich dann doch einmal unter die Plane eines Wagens schleicht, obwohl es ihm persönlich natürlich lieber wäre, sie weiterhin um sich zu haben. Kenniston hadert mit seinem Einsatz auf dem „Vorposten in Wild-West“, Bradford macht das Beste daraus und versucht den Schulterschluss mit den Südstaatlern. Tucker als Figur zwischen allen Stühlen ist vielleicht der Interessanteste, der hin- und hergerissen zwischen seiner alten und neuen Loyalität ist – und nicht zuletzt deswegen auch mit Elena scheinbar widersprüchlich umgeht (gerade, was ihre Teilnahme am Treck betrifft, aber mehr wird nicht verraten). Alles hängt mit allem zusammen.

Und alle sind Fremde. Ein echter Multikultiwestern, der die nicht zuletzt in der aktuellen Flüchtlingsdebatte brennende Frage um „Integration“ bei Bewahrung der Eigenständigkeit allumfassend behandelt. "Fremd ist der Fremde nur in der Fremde" (Karl Valentin), und das sind hier alle, im privaten, geographischen, militärisch-politischen Sinn. Tucker und seine Mannen sind in einer fremden Armee, aber nahe der alten Heimat. Kenniston und Bradford sind mit ihrer Armee in fremdem Territorium. In dem Krieg, in dem sie gern wären, sind sie sowieso nicht, sondern auf einem Nebenkriegsschauplatz. Und dass es sich um einen schmutzigen Nebenkriegsschauplatz handelt, daran lässt der Film keinen Zweifel. Die „Indianer“ sind hier mitnichten nur Katalysator für den großen finalen Schulterschluss der „Weißen“, gleich einer Naturkatastrophe, wie es im Booklet heißt. Nein, sie sind Menschen und sie sind die Ureinwohner. Die bittere Ironie in einem Film, in dem die Weißen andauernd von Heimat und Heimatliebe reden und diese durch diverses Liedgut heraufbeschwören, weil alle in einer äußeren oder inneren Fremde sind, KANN einem doch gar nicht entgehen! Ausgerechnet gegen diejenigen, die als einzige das Recht hätten, von Heimat zu sprechen, wird gekämpft. Und so zeigt der Film den Endkampf auch. Erstens wird er durch einen aus Hass und Verbitterung völlig unnötigen Mord ausgelöst, den Kenniston begangen hat. Dass die Kiowa dies nicht einfach auf sich sitzen lassen, ist aus jedweder Sicht verständlich; dazu bedarf es nicht eines Klischees eines überzogenen Blutrachedurstes „primitiver“ Völker. Bezeichnend, dass Kenniston bei seiner Untat die Ureinwohner im Dialog - völlig unberechtigterweise - mit „Rebellen“ gleichsetzt, von deren - absolut berechtigter - Forderung er sich brüskiert fühlt. Nicht der Angriff der Kiowa ist hier Mittel zum Zweck des Zusammenschweißens. Nein, Kennistons Mord an einem von ihnen ist Mittel zum Zweck der Demonstration von Härte, fast Herrenmenschentum. Das muss daneben gehen. Die Schlacht ist dann auch kein „Abschlachten“, wie etwa in John Hustons unsäglichem „Denen man nicht vergibt“ (1960). Sondern ein Kampf auf Augenhöhe, ja sogar mit Vorteilen für die Kiowa, obwohl sie ohne Schusswaffen (aber in zahlenmäßiger Überlegenheit) agieren. Interessanterweise sieht man in der handwerklich sauber und flott choreographierten Action deutlich häufiger „Weiße“ als Kiowa sterben. Es wird zu einem überraschenden Ausgang kommen, der die Gegner optisch wie inhaltlich auf eine Stufe stellt. Dies ist absolut keiner dieser indianerfeindlichen Western!

Die Hinweise auf das „Fremde“ werden sogar noch dadurch gesteigert, dass auch die vierte Hauptperson, Elena, eine solche ist, nämlich Spanierin – also eh schon fremd in New Mexico, aber auch in ihrer Heimat Kalifornien eine Eingewanderte oder zumindest ein Nachkomme von Immigranten. Diese wird dann auch noch mit einem für die Handlung wichtigen indischen Fachausdruck konfrontiert; sie spricht spanisch, aber kein Hindi, bei Bradford (der das zwar auch nicht spricht, aber den fraglichen Ausdruck erklären kann) ist es umgekehrt, dito bei Tucker. Vermischung von Kulturen, aber auch noch Barrieren, allenthalben.

Neben seinem ansprechenden Inhalt ist der Film hervorragend, geradezu kongenial, in Szene gesetzt. Da haben die Macher eine der schönsten Frauen Hollywoods, und man sieht ihr dies in jedem Kostüm auch an, züchtig, aber figurbetont, und ein Mal weht die Spitze so aufregend im Wind, dass nicht nur Bradford höchst entzückt ist. Dabei setzt der Film eher unterschwellig auf Erotik und gibt dem Darnell-Charakter so gar nichts femme-fatale-Mäßiges mit. Wie sie mit ihrer unterdrückten Passion und/oder unterdrückten Wut gelegentlich nur leicht bebend irgendwo steht (gelegentlich aus leichter Froschperspektive, was bei einer Planwagen-Szene der subjektiven Sicht des entzückten Betrachters entspricht), verfehlt seine Wirkung nicht. Es ist aber so unaufdringlich gestaltet, dass es nicht vom Inhalt und davon ablenkt, dass Darnells Elena eine ganz und gar aufrichtige und anständige Frau ist. Sie kann voller Enttäuschung ihrem Schwager Sätze wie „Ich fühle mich durch Dich beschmutzt“ sagen, und man nimmt es ihr jederzeit ab. Eine der attraktivsten Damen, die diese Wirkung glaubwürdig hinbekommt, großartig. Der Film ist klug genug, dem Ganzen nicht noch eine allzu direkte Liebesgeschichte überzustülpen, auch wenn er geschickt zeigt, dass am ehesten noch Tucker Chancen hätte (beide zerrissen, offen und ehrlich, in zunächst neuer Umgebung, in der sie festzusitzen drohen, zwischen mehreren Welten und abseits der Heimat). Es gibt in dem ganzen Film keine Umarmung und schon gar keinen Kuss, und doch ist das Ganze von emotionaler Spannung, grad auch in den nur angedeuteten Liebesbeziehungen. Übrigens kann man bei den drei Werbern auch am Ende sehen, was Liebe und Tod miteinander zu tun haben, aber dies zu erklären wäre des Spoilerns zu viel.

Über Stil muss man hier ebenfalls reden; dies ist ein Film des großen Stilisten Robert Wise, auch wenn man sich bei ihm immer noch darüber Gedanken machen kann, ob ein „dienender“ Stilist auch ein „auteur“, ein Filmemacher mit einer Handschrift, ist. Ich plädiere vehement für Letzteres und hebe immer gern die Genre-Hopper auf ein Denkmal, die wenigstens nicht x-mal denselben Film machen (Hitch!), aber vielleicht doch auf den zweiten Blick mehr Kontinuität aufweisen als ein „nur“ hochtalentierter Handwerker. Wise ist insofern (ähnlich Curtiz und Lumet) unterschätzt. „Sein“ Thema hat er zwar in der Tat nicht, aber man findet Verbindungslinien zwischen seinen Filmen – was ja viel interessanter ist – eher unterschwellig. „Two Flags West“, äußerlich ein Western, lässt sich aber eher Wises Kriegsfilmen zuordnen, bei denen Wise nur dann schwach war, wenn er es allzu konventionell angehen ließ („Die Wüstenratten“). Ansonsten haben seine Kriegsfilme oftmals nicht allzu direkt mit dem Krieg zu tun, zeigen aber – bei „Land ohne Männer“ sogar ganz in Abwesenheit des Kampfgeschehens – dessen Auswirkungen. Und das heißt: Menschen sind in der Fremde und/oder in Notgemeinschaften zusammen (die Seemänner in der Wüste in „Durch die Wüste Gobi“ / die zusammengewürfelte Truppe in fremder Kultur in „Kanonenboot am Yangtse-Kiang“, wo der Tod immer außerhalb des vertrauten Bootes lauert / die verlassenen neuseeländischen Frauen in „Land ohne Männer“). Selbst noch in Wises SF-Film „Andromeda“ gibt es so eine Notgemeinschaft an einem noch nie betretenen Ort, der zu einem Gefängnis zu werden droht (einem komplexen unterirdischen Labor). Dass sich „Two Flags West“ in diesen Kosmos hervorragend einfügt, ergibt sich angesichts des bisher Gesagten von selbst. Solche Dinge illustriert Wise immer ganz gern mit einem „unbestechlichen Blick“ (Lars-Olav Beier), insbesondere mit hart kontrastierender Fotografie und beeindruckender Tiefenschärfe. Dies ist insbesondere im vorliegenden Film zu beobachten und geht einher mit beinahe geometrischen Anordnungen (z.B. Aufreihung von Soldaten) und top shots (Kavallerie als Strich in der Landschaft, von „Indianern“ beobachtet), was die wunderbaren Eröffnungsszenen solch unterschiedlicher Wise-Muscials wie „West Side Story“ und „The Sound of Music“ schon vorwegnimmt. Die harten Kontraste finden wir nicht nur in Arbeiten des Produzenten Val Lewton, bei dem Wise erste Regie-Erfahrungen sammeln konnte. Es lässt sich auch verweisen auf spätere Wise-Werke wie „Stadt im Würgegriff“, „Die Hölle ist in mir“, dem unglaublich gleißenden „U23“ sowie natürlich dem Horrorfilm „The Haunting“. Wenn bei „Two Flags West“ die Sonne brennt, so sind die Gesichter so hell und unbarmherzig hart fotografiert wie die in „U23“ (und sogar bei einer wie Linda Darnell sind minimale Haut-Unebenheiten sichtbar, ganz anders als in der seinerzeit üblichen Glamourfotografie). Wenn wir selbst noch in schattigen Nachtszenen harte Kontraste haben, wirkt dies beinahe wie die im besten Sinne gruselig-irrealen Infrarot-Effekte von „The Haunting“. Wenn das Licht gleißend ist und durch sämtliche Ritzen dringt (Gefangenenlager am Anfang!), wirft es geometrische Muster wie ansonsten Menschen oder Bauten, bringt aber auch Hoffnung in die Dunkelheit. Wise ist klug genug, dies nicht inflationär einzusetzen und hat bspw. auch eine wunderbar verhangene Morgendämmerungsszene eingebaut (bezeichnenderweise, als die Männer in die Ungewissheit des sicher bevorstehenden Endkampfes reiten müssen).

Hinzuzufügen wäre, dass Wise mal wieder ein Meister der Ellipse und des Tons ist. Bradford und Tucker sind Freunde geworden? Wird nur mitgeteilt (was positiv ist, da es zuvor geschickt erahnbar gemacht worden war). Eine Exekution, die sich als ungerecht erweist, hat bereits stattgefunden? Wird übersprungen (womit uns Wise brutal in die Perspektive desjenigen wirft, der feststellt, dass er missbraucht wurde, als es zu spät ist). Ähnlich beim Hin und Her um die Frage, ob Elena nach Kalifornien reisen darf. Und dass ein Schuss und ein Schrei, den wir jeweils nur hören, schlimmer ist als das offene Zeigen, konnte Wise ebenfalls bei einer Gewalt-Gegengewalt-Aktion zeigen. Passenderweise nehmen wir die Perspektive der jeweiligen Opfer-Gruppe ein und müssen uns wie diese das Grauen vorstellen, ohne es sehen zu können. Wise zeigt die Szenen wie eine Spiegelung: Das Fort-Tor ist jedes Mal offen, ein Mal hören die, die draußen sind, innen etwas, ein Mal umgekehrt. Ohne zuviel verraten zu wollen, sei gesagt, dass diese optisch-akustische Gestaltung eine überzeugende inhaltliche Rechtfertigung findet und noch die letzte Gemeinheit punktgenau gesetzt ist: Der markerschütternde Schrei wirkt natürlich schlimmer als das einfache „bang“, und er kommt als zweites. Wir können es denen, die sich da rächen, nicht verdenken.

Man merkt: Jede Menge Gestaltungsmittel auf allen Ebenen, die weit mehr als nur Mätzchen sind, sondern eine gelungene Umsetzung einer ohnehin schon ansprechenden Geschichte. Als Letztes ließe sich erwähnen, dass Wise in bemerkenswertem Realismus das Fort als Gemeinschaft mit Frauen und Kindern wirklich jeden Alters zeigt. Und die dienen nicht nur - so wie Hollywood das sonst macht - zum mitleiderregenden Weinen und Zittern und Schreien, wenn die Pfeile und Kugeln fliegen. Nein, hier greift ein Junge auch einmal selbst zur Waffe und schießt auf die Kiowa; ganz entschlossen und abgeklärt wirkt er dabei. Man weiß nicht, ob man das mögen soll. Und ich vermute, Wise hat dies genau beabsichtigt, da ein solches Bild damals extrem ungewöhnlich war und somit wohl kaum ein "Alle halten zusammen"-Schlachtruf sein sollte. Der Mann hatte eben wirklich einen distanzierten (aber deshalb noch lange keinen kühlen) unbestechlichen Blick. „Two Flags West“ erweist sich somit als rundum gelungen.

Die deutsche Synchro ist im besten Sinne klassisch. Der unvergleichliche Siegfried Schürenberg hatte ja bereits Clark Gable regelmäßig eine Macho-mit-Charme-und-Witz-Stimme verliehen. Nun synchronisiert er den Cotten-Charakter, kann auch dessen ernsthaftere Züge, ist aber gerade im Jovialen (und beim Flirten mit Elena) von der erfreulichen Frische, die wir von seinen Gable-Synchronisationen kennen. Falsches Deutsch wie „Das Tor ist auf“ lässt sich genauso verschmerzen wie die Tatsache, dass man es damals noch stärker mit der Eindeutschung des Englischen hatte (gerade bei Ortsbezeichnungen: „Neu-Mexiko“ statt „New Mexico“, man kennt das ja von Arizona/Ärrissona). Wie man „Yankee“ aussprach, schien unklar: Manche sagen korrekt „Jänki“, manche aber auch „Dschänki“. Dass der Cornel-Wilde-Sprecher dies tut und zudem am Anfang meint, die Gefangenen würden doch bestimmt gern aus ihrem „stinkichen“ (statt „stinkigen“) Loch herauskommen, mag auf die fränkische Herkunft des Sprechers hinweisen. Ist aber nur so eine Vermutung…
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am 13. November 2014
Toller Western aus den 50ern, mit tollen Hauptdarstellern (Jeff Chandler, Jospeh Cotten).
Zwar ist der Film in s/w, das Bild ist trotzdem gut. Orignal Synchro ebensfalls vorhanden.

Überraschend guter Western, den jeder Westernfan mal gesehen haben sollte.

Wieder einmal eine tolle Veröffentlichung von Koch Media.
4 Sterne.
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am 2. August 2013
Die Blu-Ray zu "Two Flags West", wie der Film im Original heisst, enthält zwei deutsche Tonspuren. Die eine bearbeitet, die andere nicht.

Diejenige, die bearbeitet wurde, hört sich künstlicher an (wahrscheinlich irgendwann neu-synchronisiert) und gefällt mir nicht unbedingt.
Die zweite deutsprachige Tonspur gefällt mir von der Atmosphäre her eigentlich besser, ABER: das gesprochen kommt aus einem völlig falschen Kanal, bzw, hintere linke Lautsprecherbox und nicht aus der Front-Center-Box, was beim Film schauen ziemlich störend ist.

Was ist geschehen (an der Soundanlage an sich kann es nicht liegen, weil die erste Spur korrekt ertönt)? Erst mit etlichen Umschalt-Versuche an der Anlage lässt sich der Film einigermassen an(hören).

Die Bildqualität ist nicht unbedingt so berauschend für eine Blu-Ray:
Wer gestochenscharfe Bilder, und korrekte Schwarz-Werte erwartet (es flimmert hin und wieder an den Rändern), wird hier leider enttäuscht.

Als Bonus gibt es ein Booklet sowie Bildergalerie.

Es handelt sich hier um einen Schwarz/Weiss-Film und dieser wurde in 1,37:1 Format (dem damaligen Vollbild) und wurde hier auch so korrekt aufgespielt.

Es gibt Szenen, da wird englisch gesprochen. Dabei handelt es sich wohl um Szenen die einst für die deutsche Auswertung geschnitten und nun wieder eingefügt wurden. Diese Stellen wurden mit deutschen Untertitel versehen.

Zum Film selbst: interessante Handlung, in dem zwei Soldaten-Gruppen, die Nord und Südstaatler sich zusammen raufen müssen um zu Ueberleben. Konflikte sind natürlich vorprogrammiert, besonders dann, wenn sich einer der Offiziere in die Schwester (Linda Darnell) es einstigen Feindes verliebt.
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