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Kundenrezensionen

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am 2. Oktober 2013
Kurz ein Kommentar zur leidigen Diskussion, ob dies Lyrik im eigentlichen Sinne ist: Wen interessiert‘s? Die Frage sollte m.M.n. vielmehr lauten, was das Geschriebene in einem auslöst. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich bei Lindemann manche Leute schon an der formalen Ebene aufhängen, um sich nicht mit der inhaltlichen oder der Deutungsebene befassen zu müssen, denn die sind natürlich oft unbequem, wenn nicht verstörend.

„In stillen Nächten“, Lindemanns zweiter Gedichtband nach „Messer“, enthält 99 Gedichte; die kürzesten bestehen aus ein paar Wörtern, die längsten gehen ungefähr über zwei Seiten.
Die Themen sind überwiegend düsterer Natur, als Leitmotiv könnte man Sexualität im weitesten Sinne sehen. Es gibt aber auch stillere Motive wie Einsamkeit und inneres Leid allgemein. Außerdem geht es um Beobachtungen und Wortspiele. Hier und da erschließt sich einem der (oder ein möglicher) Sinn erst nach ein bisschen Nachdenken.
Viele Gedanken und Gefühle konnte ich nachvollziehen und empfand sie als schön „verpackt“, andere waren mir fremd, doch fand ich es interessant, ihnen einmal zu folgen. Richtige Highlights, wie Schockmomente (z.B. beim erstmaligen Lesen von „Glück“ in „Messer“, brr), richtig absurd-phantastische (z.B. „Nebel“ in „Messer“) oder perfekt auf den Nagel getroffene Sachen, waren diesmal für mich nicht dabei, auch wenn das eine oder andere Gedicht durchaus hängengeblieben ist.
Im Vergleich zu „Messer“ finde ich „In stillen Nächten“ ruhiger, weniger extrem und aufs Schockieren ausgelegt. Hier eine Kostprobe der leiseren Töne, die ich gelungen finde:

Schönheit

Wenn im Garten Rosen blühen
wird jeder nur die Rosen sehen
der Veilchen Seufzer in der Luft
verwechselt man mit Rosenduft

Kombiniert wird das Ganze mit einigen Illustrationen von Matthias Matthies; scherenschnittartige Figuren, die i.d.R. irgendwie mit ihren Genitalien beschäftigt sind. Manche sind originell und erreichen m.M.n. auf illustratorischer Ebene eine ähnliche Wirkung wie die Gedichte, weil sie eine fiese Idee verkörpern.

„In stillen Nächten“ ist eine gelungene, weniger effektheischerische Gedichtsammlung als „Messer“. Neben natürlich Rammstein- und/oder Lindemann-Fans können alle Lyrik-Interessierte bedenkenlos zugreifen!
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am 11. Oktober 2013
Ich liebe Rammstein. Wenn man sich mit den Texten befasst und etwas zwischen den Zeilen lesen kann, ist man wirklich überrascht, welch lyrische Tiefe diese Texte haben. Ich hab mir das Buch letzten Freitag bestellt, und heute -1 Woche Später- halte ich es in der Hand. Zur Lieferung kann ich wirklich nicht viel sagen, da ich Berufsschule hatte und die Woche nicht da war. Egal. Ich muss sagen: Das Vorwort mit dem kleinen Gedicht "Nußknacker", hat mich wirklich umgehauen. Man erfährt viel über Lindemann in seiner Kindheit. Die Hintergründe der Gedichte reichen von Zynisch bis Zornig. "Manchmal hart, manchmal zart." Wie Alexander Gorkow es nennt. Was ich schade finde, ist, dass das Vorwort aus Gorkow's Feder stammt, nicht aus der Lindemann's. Es ist auch schwere Kost dabei, die ich persönlich 2-3 gelesen habe um mir den Sinn, bzw. Hintergrund des Textes, zu denken. Alles in allem: Ein schönes Buch und für Fans von Rammstein geeignet, die sich besonders für die Texte interessieren.

Ein kleiner Auszug:

"Liebe macht Blind (S.56)

Liebe ist ein Licht
Scheint dir hell vom Gesicht
Sich weit aus deinen Poren windet
So bin ich mit der Zeit erblindet
Und ich wunder mich so sehr
Ich erkenne dich nicht mehr"
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am 12. April 2014
Warum habe ich dieses Buch gekauft? Weil es sehr speziell ist. Hätte ich es gekauft, wenn es nicht von Til Lindemann, dem Frontman der Band Rammstein geschrieben worden wäre bzw. auf dessen Werke zurückgegriffen worden wäre? Nein. Das Buch steht bzw. liegt bei uns herum und versetzt unsere Besucher immer wieder ins staunen. Vielleicht trägt es auch dazu bei, dass unsere Gäste uns für völlig bekloppt halten. Unterm Strich unterhält es unsere Gäste, es sorgt für Lacher, Schmunzler und interessante Gespräche.

All das haben die Teekerzen all die Jahre zuvor nicht geschafft. Aus diesem Grund liegt jetzt dieses Buch auf dem Wohnzimmertisch und die Teekerzen stehen im Buchregal.
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TOP 1000 REZENSENTam 28. März 2015
Als ich erfahren habe, dass es vom Lead-Sänger Till Lindemann ein neues Werk der Lyrik geben soll, welches gleich beide seiner bisherigen Veröffentlichungen vereint, war ich ganz erpicht darauf, diese beiden Werke so bald wie möglich kennenzulernen. Sein bereits im Jahr 2005 erschienenens Werk "Messer" und das kürzlich veröffentlichte Werk "In stillen Nächten" findet nun in seinem Band "die Gedichte" einen Ehrenplatz.
Erschienen im KiWi Verlag ([...])

Inhalt:
"Bekannt ist Till Lindemann vor allem als Sänger (und Texter) der Band »Rammstein«. Weniger bekannt ist, dass er unabhängig davon seit über 20 Jahren Lyrik schreibt – Gedichte, von denen zwar einige zu Songs geworden sind, die aber als Gedichte ihr ganz eigenes Leben haben. So sind in den letzten 10 Jahren zwei Gedichtbände erschienen (»Messer«, 2005, und »In stillen Nächten«, 2013), die nun in einer Taschenbuchausgabe zum ersten Mal gemeinsam vorliegen. Höchst erstaunlich klingen diese oft fast beiläufig daherkommenden, dabei aber rhythmisch und musikalisch genauestens gebauten Texte, in denen ein abgründiges, reizbares, verletzliches lyrisches Ich in eine intime Zwiesprache mit dem Leser tritt. Darunter sind Gedichte, die – wie der Herausgeber von »In stillen Nächten«, Alexander Gorkow, schreibt – »klingen wie in kalten Nächten aus dem Eis gekratzt«, aber auch solche voller Wehmut, Sehnsucht und Gefühlsinnigkeit. Die Motive umkreisen die Abgründe der Existenz, den Hunger des Begehrens, den Körper, den Schmerz, die Lust, die Komik und Tragik der Kommunikation, die Einsamkeit und Gewalt. Der Band enthält neben den Gedichten als Illustrationen eine Reihe von Schwarz-Weiß-Zeichnungen des Künstlers Matthias Matthies."

Meinung / Eindrücke / Wirken:
Lindemanns Schreibkunst wird als Lyrik bezeichnet, jedoch im selben Atemzug stets kontrovers und reißerisch diskutiert. Doch das Fundament dieser Diskussionen ist doch stets die Frage, was Lyrik denn eigentlich ist? Was macht sie zu dem, was sie sein soll? Was sind die Merkmale? Und was zeichnet gekonnte Lyrik aus? Mir ist diese Frage im Grunde egal, denn für mich zählt das, was ich lese und das was ich dabei empfinde und interpretiere.
Mir ist bewusst, dass sich so mancher an gewissen Grenzen, die diese einzelnen Gedichte anrühren oder auch überschreiten, anstößt und den Kern der Botschaften und Inhalte daher nicht erkennen mag oder kann. Klar, diese Verse provozieren, appellieren und erregen. Aber macht nicht genau das eine Einzigartigkeit aus? Ein Wiedererkennungswert? Eine Stilmarke? Für mich hat Till Lindemann genau all diese Erwartungen erfüllt, ich mag die Band, ich mag die Diskussionen, ich mag das Anecken und ich mag das Resultat seiner Gedanken und seiner poetischen Feder.
Diese Gedichtesammlung enthält beide seiner bisherigen Werke, und mit "Messer" startet das Buch in die Welt des düsteren Schreibens.
Wie auch in "In stillen Nächten" sind in "Messer" die Themen und Aussagen auffallend und überwiegend düsterer Natur, teils melancholisch, dramatisch, abscheulich und tragisch. Neben Härte, Fakten und Erschütterung in seinem Wirken auf die Leser und Fans , gibt aber auch stillere Leitmotive, wie zum Beispiel Liebe, Einsamkeit, innerer Pein und seelisches Leid. Zudem schreibt und denkt Lindemann sehr sinnbildlich, er schildert Beobachtungen, Alltägliches, Verborgenes und spielt und jongliert mit dem Wortschatz der Sprache. Lässt man das Gelesene auf sich wirken, so dringt man ZUM Kern vor und könnte meinen, einen tiefen Sinn und Ehrlichkeit darin zu erspüren und zu erschließen. Genau das ist es, was ich auch an den Liedern und Songtexten dieser Band so liebe und bewundere.
Manche seiner Stücke jedoch lassen auch mich verwundert zurück, hier kann ich nur ungläubig schmunzeln und mir nichts weiter bei denken. Eine Sammlung aus richtigen Highlights und Glanzstücke, sowie als Gegenpol und Anstoßer richtig heftige Schocker, vor allem in "Messer" findet der interessierte Leser so einige Passagen, die wirklich Schaudern lassen.

Der Autor:
"Der Autor, Till Lindemann, wurde 1963 in Leipzig als Sohn des DDR-Kinderbuchautors und Schriftstellers Werner Lindemann und der Kulturjournalistin Brigitte Lindemann geboren. In der Jugend Leistungssportler (Schwimmen), nach einer Internatszeit Lehre als Tischler und tätig als Zimmermann, Korbflechter und Techniker. Seit 1994 Sänger und Texter von »Rammstein«. Lebt in Berlin. Bisherige Veröffentlichung: »Messer«. Gedichte und Photos, Frankfurt, 2005."

Der Illustrator/Die Illustrationen:
Untermalt werden diese speziellen und effektheischerischen und gar kontroversen Gedichte und Zeilen mit scherenschnittartigen Figuren in Schwarz-Weiß, die stets den Anschein erwecken, mit ihren Genitalien beschäftigt zu sein, oder sexistische Posen einzunehmen. Sehr einzigartig und sehr ungewöhnlich, aber absolut treffend zum Tiefen Kern der sonderbar großartigen Gedichte und der einzigartigen Lyrik dahinter. Zwar nicht ganz mein Geschmack, aber sensationell gut abgestimmt und platziert. Ebenso wie die einzelnen Verse, Zeilen und Gedichte sind auch die Illustrationen ein Aufruhr, ein Appell, eine Provokation und eine kontroverse Idee, eine bleibende Wirkung beim Leser zu erzielen. Entweder man mag es, oder man fühlt sich abgestoßen.
Ein Besuch auf der Homepage des Illustrators Matthias Matthies lohnt sich enorm, denn nebst Illustrationen zeigt er hier edle Fotografien, wunderbare Portraits und sagenhaft künstlerisches Talent mit Szenerien. ([...])

Das Cover:
Absolut treffend. SCHWARZ, mit weißer und grauer Schrift. So ist die Band, so ist Till Lindemanns Erkennungswert, so sind die Gedanken der Gedichte, so sind die Grafiken im Buch, so gestaltet sich die lyrische Aussage der Gedichte. Gute Verarbeitung, angenehme Gliederung und Aufteilung, ein interessantes Vorwort und ein stimmiges Gesamtkonzept!

Fazit:
"die Gedichte" sind ein lesenswertes Werk, ein MUSS für Fans und sogar ein Graus für so manchen Leser. Aber wer gerne kontroverse und anstoßende, jedoch tiefsinnige Botschaften erkunden mag, der sollte unbedingt zu diesem Band greifen. Rammstein- und/oder Lindemann-Fans können bedenkenlos zugreifen, andere Interessierte und Lyriker erhalten hier mal ein ganz anderes Pendant an die Schriftstellerei.
All meine Erwartungen wurden erfüllt und ich liebe dieses Buch!
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am 21. November 2013
Ich habe das Buch bestellt, obwohl ich kein Rammstein-Fan (mehr) bin, mir die Texte von Rammstein aber immer ausgesprochen gut gefallen haben. Das Buch finde ich abolut toll. Danke Till! :-)
Dieses Buch ist also nicht nur für Rammstein-Fans sondern auch für "normale" Menschen. Autor ist ja nicht ein Herr Rammstein, sondern ein gewisser Herr Lindemann. Das sollte man schon trennen.
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am 22. Februar 2014
Ich liebe diesen Gedichtband und finde ihn sogar wesentlich besser als "Messer"!
Stil und Inhalt ähnlich seines ersten Werkes. Lindemanns Art Leid, Lust und Liebe auszudrücken finde ich auf eine sehr amüsante, oft makabere und doch tiefgreifende Art und Weise grandios.
Für Fans seines Schreibstils ein Muss! Hoffe auf einen baldigen dritten Band!
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am 18. Januar 2014
Muss man mögen! Ich finde die Gedichte sind der Hammer !! War total begeistert konnte garnicht mehr aufhören, habs auf einmal durchgezogen und schau immer wieder welche an. Super Till weiter so (bin großer Rammsteinfan...)
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am 26. Januar 2016
Sorry my German isn't that fluent yet I will write in English.
In three words: I love it!
Do not hesitate to get it Rammstein fan or not, it's a peek into Till's beautiful soul. It is free of inhibitions and filled with clever rhymes and of course with a touch of his dark humor. Creativity flows through his veins and seeps through his skin. I already have so many favorite poems... Being not particularly emotional person a few of them brought tears to my eyes...
I was also able to find 'In Stillen Nächten' in English and I find one description on the back of it perfect: "There is a place inside us that's cloaked in darkness, rubbed raw with silence. It's a shadow wrapped in a shadow, and it screams but it's screams in harsh whispers."

I must add I think mine instead growls like Till.
A.
review image
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am 19. Dezember 2015
"Aus meinem Auge fällt ein Haar
ich wünsch mir was
sie wäre tot
und nicht mehr da"
- Aberglaube

Till Lindemann hat schon bei Rammstein gezeigt, was für großartige Texte er schreiben kann. Dieses Buch enthält all das: Neben ausgefeilter Poesie ("Messer") sind aber auch kleinere Skizzen ("Unverhofft") in dem Buch zu finden. Lindemann behandelt seine Lieblingsthemen: Sex, Tod, Schmerzen - Abwechslungsreich, unfassbar interessant und großartig zu lesen!
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TOP 500 REZENSENTam 8. Oktober 2013
"Tag für Tag und Stund um Stund
fließt dein Blut durch meine Venen
in Minuten und Sekunden
verdünnt mit Angst und kalten Tränen
Du treibst in deiner Einsamkeit
allein auf hoher See
Und rufst mir Worte in den Wind
die ich nicht versteh"
(Aus dem Gedicht "Vatertag")

Gedichte haben das Glück, dass sie die einzige der drei großen Kunstformen (neben Dramatik und Epik) ist, die in vielen Belangen nicht unbedingt ästethisch hohe Ansprüche erfüllen muss, um tiefe Ideen, Gefühle und Stimmungen heraufzubeschwören, um unsere innere Anteilnahme an Worten zu erreichen. Das mag etwas damit zu tun haben, dass sie ihrer Form nach, mit gezielten Umbrüchen (im klassischten Sinne sogar mit Reimen), etwas an sich haben, was der Harmonie sehr nahesteht; eine Harmonie die eindeutige Wörter und Sätze in mehrförmige Bilder, die feste Substanzen in modellierbare Ideen verwandelt - egal worum es letztlich in den Texten geht (was wiederum eine Stärke von Gedichten ist: Kontraste, die jedoch nicht direkt die Vorstellungsdichte und Schönheit schmälern).

"Hat sich der Tag im Mond verkrochen
steigt uns Fieber in die Knochen
Kein Gebet und keine Kerzen
heucheln Licht in unsere Herzen"
(Aus dem Gedicht "Schwarz)

Till Lindemann, Sänger der Band Rammstein, wird schwerlich einen Preis als bester Lyriker erhalten. Trotzdem darf man ihn einen Dichter nennen, allein schon für Verse wie diese:

"Leg dein Gesicht
auf ein Blatt Papier
ist schon ein Gedicht
und wir leben"
(Gedicht "So schön")

Der Rest ist eine Frage der Sicht und der Einstellung, die man im Bezug auf Gedichte hat. Manchem erfahrenen Kenner von zeitgenössischer Lyrik könnte der Band eher als krudes Gereime erscheinen; manchen Fan von Rammstein dürfte dagegen die eher zwielichtig-keuche Düsternis stören.

Ich denke, dass man dieses Buch vor allem als ein schwarzes Fabulierbuch lesen sollte, gespickt mit ein paar wenigen, sehr feinen kleinen Bekenntnismomenten. Das häufigste Wort im ganzen Buch ist Herz - immer wieder wird damit gespielt, taucht es plötzlich aus den Zeilen auf. Es ist ein rotes Herz in schwarzen Umgebungen, auf geradezu lebensfeindlichen Schwarzweißoberflächen liegt es, lebt es, schlägt es. Es produziert Schweiß und Schande, Schmerz und schluckende Sehnsüchte und Gedanken.

"Einmal öffnet sich der Schoß
zweimal toll von Sinnesraub
dreimal fiel ein Kind ins Moos
tausendmal mein Herz zu staub."
(Gedicht "Sehr oft")

Zwischen diesem ganzen, sehr hypnotisch-zerebralen Muster, gibt es dann und wann einzelne Streiflichter: Bilder, Ansätze von lyrischer Kontemplation und einem Ausbruch aus den schwarzen Gefügen, hinein in Einsichten, die über die Beschränkungen hinausgehen. Etwas, was dem Gedicht seit jeher innewohnt und es zu einer wichtigen, bereichernden Erfahrung macht.

"Der Horizont ist eine tiefe Saite
der März bringt sie zum Schwingen
und eine nackte Nachtigall
wird dazu brennend singen"
(Aus dem Gedicht "Frühling")

Diese Momente sind selten, aber sie sind enthalten.

Im Ganzen kann es Lindemann nicht mit "echten" Lyrikern aufnehmen. Aber muss er das? Muss ein Dichter, der auf seine Art ein Werk geschrieben hat, dass seine eigene, morbide Zeichnung erschafft, das eine kleine Lust am Abwertenden und eine kleine Freude am Pittoresken zeigt, es mit jemand anderem aufnehmen, sich mit jemandem vergleichen, der auf einem ganz anderen Feld tätig ist.

Ich würde niemandem, der gerne Lyrik liest, speziell zu diesem Buch raten. Wer etwas Abgründiges, ein wenig Zerrissenes, ein wenig Geschundenes schätzt und sich in einen Kosmos aus Gedichten voller Negation, Düsternis und Schatten begegeben will, dem kann man das Buch für ein paar Lesemomente ans Herz legen.

"Schatten sind die Stiefkinder der Sonne
von Zeit zu Zeit besucht sie der Mond."

Meine Hoffnung ist, dass jetzt, am Ende der Rezension, jeder Leser durch die Kombination aus Textbeispielen und Beschreibung, eine Vorstellung von der Art des Bandes hat und seinem eigenen Eindruck davon vetraut.
Zu den Zeichnungen: Mir persönlich haben sie nicht besonders gefallen, aber ich denke wer einen makaberen Zug in solcherlei Dingen zu schätzen weiß, wird einiges ganz nett finden - wenn auch bestimmt wenig originell.

"Kleines Mädchen, sorg dich nicht
ich schenk dir eine Dose Vögel
sind in Flammen wie das Dach deiner Beine"
(Aus dem Gedicht "Rote Haare")
33 Kommentare| 12 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

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