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TOP 1000 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 4. Januar 2014
Der Brite Robert Harris spielt auf vielen Wiesen. Studiert hatte er Geschichte in Cambridge, bevor er als Journalist bei verschiedenen renommierten Zeitungen seines Landes arbeitete. Als Romancier hatte er seinen Einstand mit dem Weltbestseller Fatherland, einer Fiktion über ein Deutschland, das den Zweiten Weltkrieg nicht verloren hatte und vor einer architektonischen Speer-Kulisse im Berlin der sechziger Jahre spielte. Enigma widmete sich der Dechiffrierung deutscher U-Boot-Codes im Zweiten Weltkrieg. Mit Lustrum und Imperium schrieb er zwei sehr an den historischen Fakten angelegte Romane über die Vita Ciceros. Ghost wiederum war eine Abrechnung mit seinem früheren Freund und Politiker Tony Blair. Vor zwei Jahren überraschte er mit Fear Index, einer spannenden Story über die Eigendynamik der durch Algorithmen getriebenen Börsenwelt. Sein jüngstes Buch, An Officer And A Spy ist die Geschichte der französischen Dreyfus-Affäre.

Den Handlungsrahmen bildet die öffentliche Verurteilung des Majors Alfred Dreyfus, eines Juden aus Mulhouse, der der Spionage für die verfeindeten Deutschen bezichtigt wird. Dreyfus wird im Januar 1895 als schuldig befunden, als unehrenhaft aus der französischen Armee entlassen und auf die Gefangeneninsel Devils Island im Südatlantik transportiert, wo er unter unmenschlichen Bedingungen als einziger Häftling weggesperrt wird. Erzählt wird die Geschichte aus dem Blickwinkel des Majors Georges Picquart, seinerseits Major und an der Überführung Dreyfus' beteiligt. Picquart steigt zum Chef der Geheimen Dienste auf und erhält Einblick in das bisherige Verfahren. Dabei wird ihm bewusst, dass es sich beim Fall Dreyfus um eine Verkettung von Fälschungen und Verschwörungen handelt und die Anschuldigungen letztendlich nicht haltbar sind.

Trotz einer erstaunlich akribischen Rekonstruktion des gesamten Falles und trotz der historisch bekannten Umstände um seine Auflösung gelingt es Harris, einen Spannungsbogen aufzubauen und bis zum Schluss zu halten. Neben der bekannten Geschichte entwirft Harris das gesamte Szenario eines auf Antisemitismus basierenden Komplotts einer in starkem Maße degenerierten Organisation. Vom Militär bis in die Ministerien wird eine Blaupause entworfen, wie von den Defiziten der eigenen Identitätsfindung hin an einem Paradigma des Sündenbocks gearbeitet wird. Von eigenen Karriereabsichten bis hin zu bewusstem politischen Kalkül werden alle Operationen synergetisch dem Ziel untergeordnet, einen Rahmen der öffentlichen Meinung zu schaffen, der die kognitive Wahrnehmung trübt, um die antisemitischen Tiraden hinnehmen und die tatsächlichen Pläne der Akteure nicht mehr identifizieren zu können. Alle auftretenden historischen Figuren sind in ihren Handlungen und Aussagen valide, von den verschiedenen Kriegsministern, die bis zur endgültigen Rehabilitierung Dreyfus' eine Rolle spielten, über die wechselnden Chefs der Geheimdienste bis zu den Meinungsmachern, von couragierten demokratischen Abgeordneten bis hin zu zu der Ikone Emile Zola, der mit seinem öffentlichen Aufruf J'accuse! eine Verurteilung und das Londoner Exil in Kauf nahm.

An Officer And A Spy liest sich wie das Modell dessen, was die die Amerikaner später ein Frame-up-Verfahren nennen sollten: Die Inszenierung eines Skandals, der an Instinkte der Angst appelliert, um eine Massenpsychose zu initiieren, die ablenkt vom systematischen Ausbau des Machtmissbrauchs. Dass die französische Gesellschaft zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in starkem Maße von den Irrationalismen des Antisemitismus geprägt war, hatte mit dem Trauma der militärischen Niederlage von 1870/71 im Krieg gegen Deutschland zu tun und der wahnwitzigen Annahme, dass gerade die deutschstämmigen Juden aus den verlorenen Gebieten Elsass und Lothringen als Agenten des Feindes aktiv gewesen seien. In dem ganzen Irrsinn liegt eine Antizipation dessen, was drei Jahrzehnte später in Deutschland unter anderen Vorzeichen den Antisemitismus in Deutschland befeuerte. Ein nicht nur lesenswertes Buch, sondern ein Muss für historisch Interessierte.
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am 10. Oktober 2013
Is what Robert Harris has Emile Zola saying at a meeting with other influential pro-Dreyfus activists in Paris during the latter part of the affair. And it really is, the complexity and the unbelievable actions of a whole group of high ranking army personnel to forge evidence and manipulate court proceedings in order to trap and convict an innocent army captain are mind boggling. The "spy" happens to be Alfred Dreyfus, a wealthy family father without any motive. It will take years from the first cracks in the presented evidence till people realize that the Army got the wrong man, and is now doing everything to derail any effort to bring out the truth. Robert Harris is narrating the story through Georges Picquart, one of the most important characters not to say the most central protagonist of the whole affair. As the new head of the "Statistical Section" - as the intelligence unit of the French Army is then called - he discovers that there is a second spy working for the Germans. This guy who calls himself Count Esterhazy is a gambler, a sleazy character, always short of money and actually seen entering and leaving the German Embassy. As the story unfolds Picquart becomes more and more convinced that they got the wrong person with Alfred Dreyfus but his superiors don't want to reopen the case and actually do everything to curtail his activities. But he will risk his career, reputation and his life and will not give up to bring out the truth. This is an excellent novel and as Georges Picquart is slowly piecing together the evidence we live through one of the most famous military scandals of all times. An absolute page turner, even more so as most of the events actually happened in France over a hundred years ago. Don't miss this one!
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am 6. Februar 2014
Wenn man sich mal an den - etwas distanzierten - Schreibstil gewöhnt hat - dann macht das Buch durchaus Spaß.
Verlogenheit, Verklärung des Militärs, Standesdünkel, Antisemitismus, Dummheit, Kadavergehorsam und die Hoffnung, alles unter einen Perser kehren zu können. Wer Geschichte und Geschichten mag - der wird sich hier wohlfühlen.
Und wer sich schon immer gewundert hat, wo das Vichy - Regime in Frankreich so plötzlich herkam - der erhält hier die Wurzeln, schön herauspräpariert, zwischen zwei Buchdeckeln serviert (oder auf dem Ink Display angerichtet).
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am 4. Februar 2014
Never has a historical novel been as timely as this one. Anti-Semitism is looming everywhere, even in France where jews are taking refuge in Israel. The Military Establishment is still stubborn enough to cling to mistakes when everyone else is aware that the experts have profoundly erred or lied. Spying for money or dishonorable motives is rampant if only mostly undetected. Robert Harris describes these attitudes in his historical novel the realism of which is frightening. Although we know the outcome, Harris manages to to keep us enthralled in gripping suspense.
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am 14. Februar 2018
Once started it's difficult to put this book down again.
What usually is regarded as an historical incident of lesser interest becomes a real thriller. Masterful !
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am 25. Februar 2014
Wie immer bei Robert Harris, stimmt hier alles: Fakten, Charaktere, Geschichte. Der Autor hat wohl alles gelesen, was es zu lesen gibt über die skandalöse Verfolgung und Verurteilung des französischen Offizier Alfred Dreyfus vor gut 100 Jahren. Aus Neid und Ressentiments haben damals Militär und Regierung systematisch „Beweise“ fabriziert, um den jüdischen, wohlhabenden, aus dem Elsass abstammende Dreyfus als Spion zu brandmarken. Trotz zahlreicher Versuche eines einzigen Offiziers und einiger Intellektuelle, die Fälschung als solche zu entlarven, bestanden Militär und Regierung sowie weite Teile der französischen Gesellschaft darauf, Dreyfus jahrelang zu misshandeln. Mit diesem historischen Material ist Harris ein großartiger Roman gelungen, der auch noch unterhaltsam illustriert, wie perfide und wie tiefverankert Rassismus in der französischen Gesellschaft ist. Wer sich über den Zustand der gegenwärtigen französischen Politik wundert – über den Aufstieg der neofaschistischen Le-Pen-Partei Front National – erhält hier eine schlüssige Erklärung. Damals wie heute steckte Frankreich in einer Identitätskrise. Damals wie heute glaubte eine bigotte, von Vorurteilten geprägte, mächtige Minderheit, dass der Feind „der Ausländer“ war. Damals war der Jude Dreyfuss – heute sind die Einwanderer aus den ehemaligen Kolonien.
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am 18. Februar 2015
Dies ist ein Roman der sich sehr gut in die geschichtliche Zeit eingliedert und viel wirkliche Ereignisse perfekt mit der erfundenen Geschichte verbindet. Am Anfang war es mir ein wenig lang, bis die Story Dampf kriegt dauert es a bisserl. Aber dann kann man es irgendwann nicht mehr weglegen. Für alle die sich für diese Periode interessieren absolut zu empfehlen.
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am 19. Dezember 2014
I actually hesitated to buy the book, as I didn't feel that the Dreyfus case is particularly interesting or relevant. But then I decided that Robert Harris' other books (I have read and enjoyed them all) are recommendation enough. I have not been disappointed.
Again, Robert Harris has conjured up the atmosphere and mentality of the times as a backdrop for credible characters performing in a closely woven plot. The tension never drops: just as you think it's all settled, a new development keeps you reading right up to the end. An excellent read!
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am 3. Oktober 2017
Wie alle Robert-Harris-Romane ist auch dieser sehr spannend und offensichtlich sehr gut recherchiert. Er hat mich dazu verleitet, mich genauer mit der Dreyfuss-Affäre und den geschichtlichen Hintergründen zu befassen und über die vorkommenden Personen im Internet noch genauere Informationen zu suchen. Wirklich empfehlenswert.
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am 31. Januar 2014
Being French, I vaguely knew the story... and was even more so curious. This book is a fresh approach to (re)discovering a great human tragedy. Makes me think that these events might have helped in France's early anti-semitic debate and possibly have helped the country not fall entirely (many still did...) into fascism like some of its neighbours. Superb execution and writing (as always) from Robert Harris. Highly recommend the book.
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