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TOP 500 REZENSENTam 5. Juli 2013
Zum Einen sollte man nicht dem Fehler verfallen und dieses Buch mit seinem Vorgänger zu vergleichen, zum Anderen sollte man eben gerade, wenn der Vorgänger einen Preis erhielt, dem Autor eine neue Chance einräumen, vor allem dann, wenn er komplett etwas Neues versucht. Natürlich macht ein Autor immer neugierig, wenn sein Vorgänger wie hier den deutschen Buchpreis erhielt, schliesslich möchte man wissen, was der Autor Neues bringt. Während Ruge in In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie den Niedergang einer DDR-Familie zwischen Widerspruch und Anpassung über einen Zeitbogen von über gut 50 Jahre beschrieb, (es gibt darüber einen sehr sehenswerten Dokumentarfilm), geht er hier den Spuren eines Mitte-Vierzigers nach, der sich von seinem alten Leben in Berlin lossagt, um in einem kleinen Dorf in Andalusien in eine stille Sinnsuche einzutreten...

Die "Wende" scheint noch wie ein leises Echo im namenlosen Protagonisten nachzuklingen. Seine Ehe mit seiner Frau Karoline ist gescheitert, der Kontakt zu seiner Tochter steht unter dem Einfluss seiner Expartnerin, seine feste Stelle in der Chemietechnik ist gekündigt, überhaupt beginnt er zu kündigen, was zu kündigen ist, Wohnung, Versicherung, Telefonanschluss, die Wohnungseinrichtung wird verscherbelt. Nachdem der Protagonist Berlin hinter sich lässt, und damit auch sein dortiges Leben, macht er sich auf, um dem Neuen, dem Unbekannten eine Möglichkeit zu eröffnen. Seine Reise geht über Basel, Barcelona, bis zu jenem Capo de Gata. Ein desillusionierender Ort, der sich alles andere als behaglich erweisen wird. Er quartiert sich in einer schäbigen Pension ein, die von einer muffigen Wirtin geführt wird.

Sein Kontakt ist u.a. auf ein paar Fischer und einen Amerikaner eingestellt, nebst jener Katze, die gegen Ende eine Rollen spielen wird. Er ist viel alleine, zu einem Grossteil, hören wir seine Monologe, genau so, als ob alles wirklich so erlebt wurde. Er spielt Billard, sammelt Muscheln am Strand, für Frauen, die ihm etwas bedeutet haben. Er liest Henry Miller und erzählt dem Amerikaner, dass er einen Roman schreiben möchte, doch ist der Protagonist in einer Schreibkrise. Ein Buch das vom Scheitern erzählt und der Suche, nach einem Neuanfang, der von vielen Erinnerungen durchdrungen ist. Die Stimmung in diesem Buch flimmert in der Schwebe, zwischen einer gescheiterten Vergangenheit und einer nicht wirklich sichtbaren Zukunft. Ein stilles Buch, zwischen einer Selbstentfremdung, die den Neuanfang, den Sinn im Leben, der Sehnsucht nach einem neuen Leben in stiller Weise nachgeht.

Mir hat dieses Buch sehr gefallen, vielleicht sogar besser als sein Vorgänger. Mir gefällt die Stille im Buch. Mir gefällt auch, dass sich ein Mensch aufmacht, sich der Fremde anvertraut, um für sich eine neue Lebensorientierung zu gewinnen. Hier konfrontiert sich jemand mit sich selbst, sucht den Abstand zu einem vergangen Leben, sehnt sich nach einem besserem Leben, als es bis anhin war. Das muss nicht weiss Gott spektakulär erzählt werden. Hier geht ein Mensch von der Metropole in ein einsames abgefackeltes Fischerdorf, um zu sich zu kommen. Mein Gott, wie wunderbar. Ich persönlich kann Eugen Ruge zu seinem neuen Buch nur gratulieren, denn dieses Buch hat mich durch seine Schlicht- und Einfachheit auf eine ganz eigene Art und Weise berührt, denn der Ton ist dermassen authentisch gehalten, dass man wirklich das Gefühl bekommt, hier erzählt jemand etwas, das er auch so erlebt hat, wunderbar.

Klare Leseempfehlung.
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TOP 500 REZENSENTam 5. September 2013
Nach dem großen Erfolg von In Zeiten des abnehmenden Lichts" durfte man gespannt sein, wie das Folgewerk von Eugen Ruge einerseits aussehen, andererseits aufgenommen werden würde. Die bisherigen Rezensionen, die ich gelesen habe, waren ausnahmslos positiv und auch ich kann dem Buch nichts Schlechtes attestieren. Es ist - zum Glück - ganz anders als der Vorgängerroman, eher eine Novelle und bei weitem nicht so tragend und raumgreifend, wobei einige identische Elemente der beiden Bücher nicht zu verleugnen sind: Der Protagonist muss persönliche und gesellschaftliche Brüche verkraften und flieht in ein spanischsprachiges Land und zwar an einen Fleck, den man getrost als das Ende der Welt bezeichnen könnte. Dort liest er eine identische spanische Zeitung immer wieder, ohne sie wirklich zu verstehen, und erinnert sich zudem an seine Großmutter, die im Exil in Mexiko lebte. All das trifft auf den Protagonisten Peter, aber auch auf Alexander Umnitzer aus dem Vorgängerroman zu.
Zum Inhalt: Peter kündigt kurz nach der Wende zunächst seine Stelle als Chemiker, danach seine Wohnung und alle Versicherungen und beschließt, in den Süden zu reisen, wo er zumindest erst einmal kein schlechtes Wetter befürchten muss und möglicherweise seine Schriftstellerkarriere durch neue Eindrücke voranbringen kann. Mehr durch Zufall landet er in Andalusien in Cabo de Gata und will dort zunächst nur einen Tag bleiben und dann nach Afrika weiterreisen, auch weil der Ort mehr als ungastlich daherkommt. Dann allerdings bringen ihn ein paar zufällige Umstände doch dazu, einige Wochen im Ort zu verbringen. Er arrangiert sich sodann mit seiner Zimmervermieterin, gewöhnt sich eine Arbeits- und Freizeitroutine an, auch wenn sich dabei zunächst keine belastbaren schriftstellerischen Ergebnisse einstellen, und trifft einige Durchreisende, wird nach einiger Zeit sogar von den Einheimischen gegrüßt. Trotzdem verbleiben in ihm etliche Rätsel über den Ort, die er aber nicht lösen, nur benennen kann. Ein Wendepunkt der Geschichte tritt sodann ein, als ihm beim Abschicken von Postkarten ein Kätzchen vor die Füße läuft und ihn sogar bis in sein Zimmer begleitet, wo er es anzufüttern versucht. Das ist zunächst nicht von Erfolg gekrönt, aber am Ende kommt das Kätzchen wieder und verbringt sogar die Nächte bei ihm im Zimmer. Er bemerkt an sich selbst, dass er die Gesellschaft des Tieres sehr schätzt, kein Wunder bei der Beschreibung der Bevölkerung vor Ort. Er gewöhnt sich einen solchen gleichbleibenden Alltagsablauf an, dass er irgendwann das Gefühl verspürt, die Zeit habe angehalten. Dieser Eindruck wird aber durch eine Rückkehr ins Leben zerstört, als sich nämlich einerseits Cabo de Gata zu Frühlingsbeginn mit Touristen füllt, andererseits das Kätzchen trächtig ist und Peter, als der trotz Abwehrversuchen des Kätzchens versucht, es am Bauch zu streicheln, einen Prankenhieb verpasst bekommt und die Katze fortan nicht mehr gesehen ward. Der Schluss des Buches ist ein Rückblick des jetzt erfolgreichen Autors nach etlichen Jahren auf diese Zeit des Stillstands und der Selbstbesinnung und den dann doch fertiggestellten Roman in dieser Zeit.
Die Lektüre ist angenehm, die Sprache trotz der kargen Umstände der Geschichte reichhaltig und schön, man liest gewissermaßen in einem Rutsch durch und kann am Ende den Empfindungen des Autors über das Erinnern, das Sichbedingen von Hoffen auf eine Situation und deren Eintritt oder auch die Unergründlichkeit des Lebens selbst innerlich zustimmen. Das einzig Bedauernswerte nach der Lektüre ist: es bleibt nichts haften. Die Geschichte passiert und verschwindet wieder aus dem Gedächtnis des Lesers. Auch das ist gute Literatur, aber eben kein Meilenstein.
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am 13. Januar 2016
Den ersten Roman von Eugen Ruge "In Zeiten des abnehmenden Lichts" fand ich umwerfend, großartig, berührend, fesselnd, brillant! "Cabo de Gata" war nicht schlecht, hat aber bei weitem nicht die suggestive Kraft des Erstlings.
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am 1. Mai 2015
Nach dem "Abnehmenden Licht" fand ich "Cabo de gata" sehr schwach. Irgendwann ging mir das ewige "Ich erinnere mich (nicht)" auf den Geist, und das Minimalistische verwandelte sich in Langeweile. Spiegelt das Buch vielleicht die Gefühlslage unserer überdrüssigen, degenerierten Gesellschaft? Dann passt es wieder. Ein Stern für das schöne Cover und einer für das bizarre Setting - das war's. Gut, dass ich das Buch nicht gekauft, sondern aus der Bücherei geholt hatte.
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am 14. Juni 2013
Gleich vorab: Ich kenne den viel gelobten Roman "In Zeiten des abnehmenden Lichts" nicht und habe deshalb diese Novelle ohne jede Erwartung gelesen.
Ganz besonders gefiel mir an "Cabo de Gato" die melancholische Stimme des Erzählers, eines Mannes, der in den 90er Jahren Berlin verlässt, um irgendwo in der Ferne seinen großen Roman zu schreiben. Er gibt alles auf, steigt in einen Zug Richtung Süden, lässt die Dinge auf sich zukommen.
Sein Bild von Andalusien (Sonne, Meer und Fischer-Romantik) findet er in Cabo de Gato nicht unbedingt bestätigt. Doch trifft er Menschen, die ihn begeistern. Auch gefällt ihm mehr und mehr sein einfaches Leben in einer winzigen Pension. Er wirbt um die Liebe und Zuneigung einer streunenden rot getigerten Katze.

Eine Geschichte über die Sehnsucht nach der Ferne und darüber, dass es im Leben immer anders kommt, als man glaubt. Und dass es voller Überraschungen ist, wenn wir einfach das Wagnis eingehen, den berühmten ersten Schritt zu tun.
Literarisch gefiel mir die knappe Form des Erzählens und die kurz eingestreuten Erinnerungen, wie jene an die Zeiten "vor dem Eisernen Vorhang" (leider kam die Passage "Ich erinnere mich...." so oft vor, dass ich nur 4 Sterne geben kann).
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am 10. November 2014
Der in Berlin lebende Erzähler, ein Mann „in den besten Jahren“, realisiert eines Morgens, wie überdrüssig er der immer gleichen Tagesroutine ist. Er fühlt sich in einer enervierenden Tretmühle gefangen, aus der er sich aber nicht befreien kann. Ohne lange zu zögern, zieht er die Reißleine, kündigt Job, Wohnung und ein paar andere Verpflichtungen, entledigt sich eines Gutteils seines Besitzes, sagt der Ex-Partnerin Lebewohl und setzt sich, nur mit einem Rucksack als Gepäck, in einen Zug gen Süden.

Ein festes Ziel hat er nicht, gelangt nach einem Aufenthalt im hektischen Barcelona schließlich eher durch Zufall in das andalusische Fischer-Dörfchen Cabo de Gata in der Provinz Almería. Dort mietet er bei einer Witwe ein spartanisch eingerichtetes Zimmer über ihrem Restaurant, wo er insgesamt 123 Tage bleibt.

Er spricht kein Spanisch, die Einheimischen keine Fremdsprache. So beschränken sich die Kontakte zu ihnen und den wenigen Durchreisenden auf ein Minimum; Namen sind dabei unwichtig.
Obgleich – oder gerade weil? - auch die Aktivitäten begrenzt sind, entwickelt sich auch hier bald eine feste Tagesroutine. Und nicht nur das: Er liest immer dieselbe Zeitung und dasselbe Buch, geht immer gleiche Wege und auch sein Essen bietet kaum Variationen.
Dies alles wird jedoch nicht von einem mit Stress und Zwang verbundenen „Müssen“, sondern bar jeder Verpflichtung vom freiwilligen „Wollen“ und einer ruhigen Gelassenheit bestimmt.

Diese absolute Unverbindlichkeit hört peu à peu auf, als eines Tages eine Katze vorsichtig Kontakt zu dem Erzähler aufnimmt. Beide nähern sich sehr langsam und vorsichtig einander an, und schließlich übernimmt der Mensch Verantwortung für das Tier.
Eines Tages jedoch wehrt sich die schwangere Katze gegen ein Zuviel an Fürsorge und verschwindet für immer. Bald darauf bricht der Erzähler seine Zelte in Cabo de Gata ab.

Der „Clou“ des Buches besteht darin, dass die Handlung nicht in der Gegenwart stattfindet, sondern sich der Erzähler 20 Jahre später an seinen Aufbruch und Aufenthalt in Cabo de Gata erinnert.

Resümee:
Dies ist ein leises Buch, eines, das zum Nachdenken animiert: über das Leben, über Veränderungen, Sehnsüchte, Sinnsuche, vielleicht auch über die eigene Lebensgeschichte. Man muss sich auf das Buch einlassen können, das heißt in der richtigen Stimmung sein, um die Erinnerungen des Autors auf sich wirken zu lassen.

Der Ausdruck „ich erinnere mich“ durchzieht das gesamte Buch wie ein roter Faden. Und obwohl es ein ruhiges, besinnliches Werk ist, mit einer scheinbaren Leichtigkeit geschrieben, ist es dennoch spannend.

Gerade darin liegt der Reiz: Äußerlich passiert wenig, schon gar nichts Weltbewegendes, das Leben plätschert offenbar gleichförmig dahin. Umso mehr spielt sich jedoch in der Gedankenwelt des Erzählers ab, in den Erinnerungen an alltägliche Begegnungen und Beobachtungen. Dabei hat der Autor auch alles Andalusien und die spanische Mentalität Betreffende hervorragend eingefangen.

Der Ausdruck „ich erinnere mich“ und das dem Buch vorangestellte Motto - „Diese Geschichte habe ich erfunden, um zu erzählen, wie es war.“ - bekamen für mich einen besonderen Sinn.
Denn sowohl die Situation in Cabo de Gata als auch die Situation des Erzählers in Berlin konnte ich aus eigenem Erleben sehr gut nachvollziehen. Und so begannen auch meine gedanklichen Kommentare beim Lesen oft mit „ich erinnere mich“ (ebenfalls daran) bzw. „so war es“ oder „so ist es“ (auch bei mir), denn im Gegensatz zum Protagonisten habe ich unser kleines andalusisches Dorf nicht wieder verlassen.
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am 16. Juni 2013
Eugen Ruges DDR-Familienroman habe ich gerne gelesen, er hat mir gerade auch sprachlich gefallen. Ich fand ihn angenehm unprätentiös geschrieben, mit trockenem Witz und Ironie.

„Cabo de Gata“ aber hat mich enttäuscht. Es ist ein schmales Buch, nur wenig drauf auf den Seiten. In solchen Fällen ist dann gern die Rede von „verdichteter“ Prosa und der Kunst des „Einfachen“. Wenn es doch so wäre. Aber schon der Anfang, der in Berlin spielt, ist bei aller Kürze immer noch zu weitschweifig. Bei der Frühstücksszene und der Schilderung der Monotonie im Alltag eines unschlüssigen Schriftstellers habe ich mich gefragt, warum ich das lesen soll. Nur die knappe Darstellung des Vaters beim Abschiedsbesuch (der Historiker Wolfgang Ruge erhält ein weiteres ziemlich ungnädiges Porträt) fand ich gelungen.

Dann geht es nach Spanien, die Inhaltsangabe haben ja schon andere Rezensenten geliefert. Eine Weile habe ich das gern gelesen: Ich mag die Stimmung schlechtgelaunter Reiseberichte, in denen Figuren durch unwirtliche Weltgegenden irren und selbst nicht genau wissen, was sie da eigentlich verloren haben. Aber nach einer Weile erschöpft sich dieser Reiz, und der „Roman“ (vom Umfang ist es bloß eine Erzählung, die mit 20 Euro recht teuer zu bezahlen ist) entwickelt sich zur Darstellung der nicht endenden Schreibkrise. Schriftsteller, die darüber schreiben, dass es mit dem Schreiben nicht klappt – darauf kann ich verzichten, solche Geschichten habe ich schon zu oft gelesen.

Unbefriedigend auch die Katzengeschichte am Ende, einerseits banal, andererseits aber auch gewollt bedeutungsschwanger, ohne dass sich die Message (was hat die Katze mit der toten Mutter zu tun?) erschließen würde. Der dünne Aufhänger besteht im Namen „Cabo de Gata“. Da „flackerte das eine, das magische Wort auf: gata. Cabo de Gata. Ich bin am Kap der Katze. Ich erinnere mich, dass es mir tatsächlich wie Schuppen von den Augen fiel…“

Die Schuppen wären besser oben geblieben. Der Name des Kaps ist nämlich nicht von Gata-Katze abgeleitet. Der ursprüngliche Name lautet Cabo de Ágata, Achat-Kap – nach dem funkelnden Stein, der sich in den Hohlräumen des magmatischen Gesteins befindet und im Wechsel des Sonnenlichts Farbe und Aussehen ändert.

Kap der Katze – das war leider nichts.
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am 15. Dezember 2014
Der Versuch, als Schriftsteller eine Krise zu überwinden, scheitert. Aber er scheitert interessant. Dabei wird die Südostzecke Spaniens im Winter beschrieben - sehr eindrucksvoll. Das Einzige, was der realistioschen Schilderung fehlt, ist ein Hinweis auf die endlosen hässlichen Plastikgewächshäuser.
Aber es geht ja um die menschen, um Ruge selbst und um die Leute aus Cabo de Gata und um eine Katze. Und was da an Gwefühlen und beobachtungen erzählt bzw. erinnert wird, ist großartig gestaltet.
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am 27. Mai 2014
Dabei hatte ich mich nach all der guten Kritik auf das Buch sehr gefreut, endlich mal wieder etwas Spannendes von Eugen Ruge zu lesen. Doch leider wurde ich enttäuscht. Oder ge-täuscht?Der Titel klingt interessant. Ruge versteht es mit Sprache als solche umzugehen. Doch nichts, aber auch gar nichts ist interessant an dieser Geschichte. Sie bleibt banal, weil sie sich nicht entwickelt. Es gibt nur einen Protagonisten, der von seiner Lebensgefährtin weggegangen ist und sich nun um eine herumstreunernde Katze kümmert, die ihn an seine verstorbene Mutter erinnert. Wirklich, das ist alles. Sonst gibt es nichts. Keine Kanten, keine Tiefen, keine Handlung, keine tieferen Gedanken, keine anderen Charaktere. Einfach nur nichts. Das ist frustrierend. Ich habe das Buch nur bis zum Ende gelesen, weil ich wissen wollte, ob es doch noch eine Wendung oder irgend eine verborgene Message gibt. Gab es nicht. Am Ende blieb das fade Gefühl, dass der Autor vielleicht ein aktuelles persönliches Problem verarbeitet, sich mit dieser Geschichte therapeutisch behandelt und zu allem Unglück noch Geld braucht. Ich hoffe darauf und wünsche dem Autor wieder bessere Zeiten! Das Buch habe ich im Hotelzimmer gelassen, für den Fall, dass es jemand an einem fernen Strand in Europa auf Deutsch lesen und sich doch noch für diese Geschichte begeistern kann...
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VINE-PRODUKTTESTERam 29. April 2014
Ein schmaler Roman des Buchpreisträgers Eugen Ruge, eher eine Schreibübung, ein nicht aus dem Tritt kommen, dieses (netto) 150 Seiten umfassende Buch mit dem Titel "Cabo de gata", das "Kap der Katze".

Ein etwa 40jähriger Ostdeutscher kündigt einige Zeit nach der Wende erst seinen Job und dann seine Wohnung. Verschenkt, verscherbelt und verschrottet seinen kleinen Besitz, setzt sich in den Zug über Basel nach Barcelona, weil er zwar nicht weiß, wohin er genau will, aber doch so viel, dass es im Süden sein soll. Nach einem kurzen Aufenthalt in Barcelona reist er weiter über Almeria in ein kleines Dorf namens Cabo de gata. Er spricht kein Spanisch, die wenigen Bewohner dort weder Deutsch noch Englisch. Und so ist nicht nur sein Tun auf das Nötigste reduziert, sondern auch seine Kommunikation mit anderen Menschen. Auf das Nötigste und weniger.

Er, der autobiografische Ich-Erzähler, beginnt einen Roman, bei dem er über den ersten Satz nicht hinaus kommt. Über viele erste Sätze, um genau zu sein. Aber wie bei so manchem im Leben ist nicht das Ergebnis das Ziel, sondern das Ziel selbst ist das Ziel. Es gibt Fragen, die sind sich selbst genug und es gibt Tätigkeiten, an deren Ende steht kein Produkt. Eigentlich wie das Leben selbst.

Struktur und Halt bringt am Ende eine Katze in die reduzierte Existenz. Aber wie soll es anders sein, auch diese Begegnung ist nicht von einem Happy End gekrönt, sondern mündet im Nichts. Wie das Leben eben. Vier Sterne für ein kurzes Lesevergnügen, das sich der Verlag teuer bezahlen lässt.
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