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am 17. April 2013
Zwei Dinge vorweg:
1. Meine Rezension beinhaltet zwar Teile der Handlung, jedoch nur bis zu den erhobenen Missbrauchsvorwürfen gegen Lucas. Dies ist zugleich Teil der offiziellen Filmbeschreibung. Ich verrate also nicht zu viel.

2. Die DVD war (zum Zeitpunkt des Verfassens meiner Rezension) noch nicht erschienen. Ich habe den Film also damals im Kino gesehen. Wer in meiner Rezension Angaben zu Features, Bonusmaterial, Ton- sowie Filmqualität oder Menüführung vermisst, sei bis dato vertröstet: Es bleibt vorerst bei einer inhaltlichen Beschreibung. So viel sei aber gesagt: Unbedingt in dänischem Originalton anschauen!

Handlung
**********
Lucas lebt ein scheinbar einfaches und zufriedenes Leben in einer dänischen Kleingemeinde. Die Nachbarn sind Altbekannte, Jugendfreunde und Verwandte, man trifft sich regelmässig zum Nacktbaden am Weier, hilft einander mit Mehl, Eiern und Marmelade aus, geht miteinander auf die Jagd oder in die Kirche und trinkt abends in grosser Runde Selbstgebrannten. Wahrlich - hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein!

Lucas ist ein vierzigjähriger Kindergärtner und wohnt einen Steinwurf vom Kindergarten entfernt. Jeden Morgen spaziert er durch die Gemeinde zur Arbeit, wo die Kinder bereits hinter Büschen und Steinen auf ihn lauern. Der familiäre Dorfcharakter macht auch vor der Arbeit nicht Halt: Lucas ist Nanny, Mama, Ersatzpapa, Kindergärtner und bester Freund der Kinder. Er tollt mit den Kleinen im Grünen, begleitet sie an's stille Örtchen, holt sie von zuhause ab und bringt sie abends wieder heim. Sowohl die Kinder als auch deren Eltern vertrauen Lucas blind. Zugleich sind die Kinder für den geschiedenen Lucas, der erst vor Kurzem seine Stelle als Lehrer verloren hat, Lucas grosse Erfüllung und sein eigentlicher Lebensinhalt.

Besonders bei der kleinen Klara aus der Nachbarsfamilie scheint Lucas einen Stein im Brett zu haben. Klaras Vater Theo ist - wie beinahe alle Väter im Dorf - ein guter Freund von Lucas. Doch in Theos Ehe liegt einiges im Argen: Klaras Eltern streiten sich des Öfteren und Klaras grosser Bruder kämpft gerade mit den Tücken der Pubertät. Klara gerät, als weitaus jüngstes und verletzlichstes Familienmitglied, ein wenig in Vergessenheit. Sie ist hochsensibel, verträumt und mit ihren fünf Jahren vor allem noch viel zu jung, um mit der Situation adäquat umzugehen. Klara scheint den Leidensdruck auf ihre ganz persönliche Art und Weise zu absorbieren. Aufgrund dessen entwickelt Klara u.a. eine latente Zwangsstörung. So darf sie weder auf Fugen noch auf Streifen, Randsteinkanten oder Rillen treten. Sie umgeht sogar zuhause akribisch den Plattenboden. Lucas - als Kindergärtner und Freund der Familie - nimmt sich ihrer an, so gut er eben kann. Morgens holt er Klara von zuhause ab und bringt sie abends wieder heim. Hand in Hand zusammen unterwegs, achtet Lucas auf den Weg, während Klara die Fugen und Rillen auf dem Boden im Auge behält.

Von den Eheproblemen in Klaras Familie hält sich Lucas - aus Respekt vor Theo und als Freund der Familie - so gut er kann fern. Klara hingegen scheint in Lucas einen (neuen) Freund, Papa und Beschützer gefunden zu haben, der sie als Einziger versteht, ihr zuhört und sich um sie kümmert. In ihrer infantilen Art, Dankbarkeit zu zeigen, schenkt Klara Lucas ein Herz aus Bügelperlen und lässt es unauffällig in seine Tasche gleiten. Später, bei einer Tollerei im Kindergarten, küsst Klara Lucas schliesslich auf den Mund. Lucas reagiert sofort und stellt Klara zur Rede. Klara, eingeschüchtert und zurückgewiesen, streitet alles ab.

Eines Tages, bei Klara zuhause, bekommt sie auf dem iPad ihres grösseren Bruders pornographische Inhalte zu sehen. Was für den pubertierenden Bruder zum Erwachsenwerden gehört, verstört Klara zusätzlich. Überwältigt und als quasi "stummen Hilfeschrei" verarbeitet Klara das Gesehene zu einer phantastischen Geschichte, die sie eines Tages Grethe - ihrer Kindergärtnerin und einer langjährigen Arbeitskollegin von Lucas - anvertraut. Auch im Hinblick auf Lucas' Zurückweisung nach Klaras Kuss ist Lucas für Klara nicht mehr nur Beschützer, sondern jemand weiteres, der sich ihren Anliegen verschliesst. Und so soll ihr Lucas näher gekommen sein, als sie es sich zu Beginn gewünscht hat.

Inhalt
**********************

Klaras detailreiche Schilderung des Übergriffs finden auf Anhieb Gehör. Woher hat Klara diesen Detailreichtum? Wie kommt sie zu diesen Beschreibungen von Lucas?

"Jagten" zeigt brutal aber fein inszeniert, wie die Gesellschaft - in diesem Falle die dänischen Gemeinde - auf Klaras Vorwürfe Lucas gegenüber reagiert. Gleichsam ist dies - abseits der Schuldfrage - die eigentliche Handlung von "Jagten". Und die gibt mehr als genug her.

Vinterberg schneidet dabei eine Reihe heikler Gesellschaftsthemen an:

- Alltaspsychologische Argumentationen ("Im Zweifel für das Kinde!", "Ein Kind lügt nie!", "Seht ihn Euch an. Er war schon immer der Ruhigste im Dorf!").
- Ein selbsternannter Schulpsychologe, der Klara mit seinen Suggestivfragen jene Antworten entlockt, die er von Anfang an zu hören beabsichtigt.
- Eine aufgebrachte Lehrerschaft die sich plötzlich dazu ermächtigt fühlt, als Richter über Klaras und Lucas Leben aufzutreten.
- Klaras Eltern, die zwischen den Aussagen ihres Kindes und der langjährigen Freundschaft zu Lucas stehen.
- Entferntbekannte und Einwohner aus dem Dorf, die die Anschuldigungen gegen Lucas brühwarm aufnehmen und mit eigenen Ideen ausschmücken. Plötzlich will es jeder gesehen und gewusst haben.
- Hausfriedensbruch und Morddrohungen gegen Lucas und seine Familie.
- Und schliesslich die scheinbar hoffnungslose und von elender Scham besetzte Situation, in welcher sich der Beschuldigte befindet.

Nicht nur Lucas sondern auch der Zuschauer bricht hart mit den erhobenen Vorwürfen. Es machen sich Ohnmacht und Fassungslosigkeit breit, die einen tief erschüttern. Das zugleich grösste Dilemma ist, dass man jede einzelne Sichtweise der involvierten Personen sehr gut nachvollziehen kann. Von der Sicht des Metzgers, der Lucas täglich Hand in Hand mit der kleinen Klara gesehen hat bis hin zu Theo, der sich über jeden Zweifel erhaben auf die Seite seiner Tochter stellt und seinen langjährigen Freund der Pädophilie bezichtigt.

Eigene Meinung
****************
Ich habe dem Film im Vorfeld sehr kritisch gegenüber gestanden. Das Thema Pädophilie und/oder sexueller Missbrauch an Kindern ist mehrfach und vielerorts laienhaft und stereotyp abgehandelt worden. Sei dies im Film, in der Literatur, der Tages- und leider auch der Fachpresse.
Der einzige Beweggrund, warum ich mir den Film angesehen habe war die Hoffnung, dass ich es a) nicht mit einem überladenen Hollywood-Abklatsch zu tun habe und weil ich b) in der Vergangenheit mehrheitlich gute wenn nicht gar überwältigende Erfahrungen mit nordländischen Filmen gemacht habe. Und so hat mich auch Jagten ziemlich überzeugt.

Bei Vinterberg bleibt in der Fülle der verarbeiteten Dilemmata zwar keines ausgelassen, jedoch greift er die einzelnen Sachverhalte sehr emotional gefärbt und fein inszeniert auf. Überladen wirkt's zu keiner Zeit. Sowohl das Drehbuch als auch der fassungslose und ohnmächtigen Hauptdarsteller Mads Mikkelsen, dessen überragende schauspielerische Leistung ich an dieser Stelle noch einmal hervorheben möchte, überzeugen auf voller Länge.

Zudem verwendet Vinterberg sehr viele clever ausgewählte und empathische Momente, die im Film immer wieder aufgegriffen werden. Als Zuschauer wird man dadurch emotional an die Geschichte gebunden. Die Personen wachsen einem sehr an's Herz. Durch die schroffe, brüderliche und nordländische Art fällt der Fokus gezielt auf das rein Zwischenmenschliche, die Emotionen und die Freundschaft untereinander. Dies erlaubt es einem als Zuschauer, den Film nicht als "Schauspiel", sondern als mögliches Szenario zu erleben, das einem selbst oder einem Freund passieren könnte. Man denkt sich: Wie würde ich handeln? Was würde ich tun? Auf wen soll ich böse sein und wer trägt die Verantwortung für das Geschehene? Könnte ich meinem besten Freund jemals wieder in die Augen schauen? Und würde ich es wagen, an den Aussagen meines eigenen Kindes zu zweifeln?
Egal, für was man sich entscheiden würde: Es gibt mindestens ein Gegenüber und mindestens ein Gegenargument, welches für oder dagegen sprechen würde, so dass man als Zuschauer ständig dazu angehalten ist, die eigenen Vorurteile zu überdenken und zu korrigieren. Es gib also weder einen Pro- noch einen Antagonisten, kein wirkliches Gut und kein Böse, keine Schuld- und keine Undschuldsfrage sondern schlicht die unbequeme Wahrheit und die Frage, wie es zu so etwas kommen kann und vor allem, wie es weiter gehen soll.
Eine Frage mit starkem gesellschaftlichen und sicherheitspolitischem Charakter. ALlgemein lässt Vinterberg sehr viel Raum für eigene Gedanken und Interpretationen. Auch während des Films. Die Dialoge z.B. sind kräftig und "griffig", aber spartanisch und teilweise eher knapp. Das lässt einem Zeit.

Auch der spartanische aber umso heftigere Schluss steht meiner Meinung nach für das Insgesamt des Filmes. So viel sei verraten: Das Ende könnte nüchterner und zugleich zermürbender kaum sein. Auch hier verzichtet Vinterberg bewusst auf eine komplizierte Argumentationskette, wie man es aus anderen Filmen kennt und die sich ohnehin nur unschlüssig auflösen lässt.
Und wenn ich auf das eingangs Erwähnte noch einmal zurückkommen darf: Wenn möglich unbedingt in dänischem Originalton ansehen! Ich halte den Originalton durchaus nicht überall für viel ergiebiger. Aber gerade im Hinblick auf dieses "Puristische" des Filmes halte ich es hier für empfehlenswert. Das Raue und Brüderliche der dänischen Sprache unterstreicht den emotionalen Inhalt, wo die deutsche oder englische Sprache vielleicht bereits zu ausufernd und zu überladen gewesen wäre. Ausserdem unterstreicht es die hervorragende schauspielerische Leistung, was ich mir vor allem bei den sehr feinen und teilweise flüsternden Dialogen der kleinen Klara mit Synchronisation problematisch vorstellen könnte.

Als abschliessendes Fazit:
Ein gutes Zeichen für mich und somit für die Qualität des Filmes war, dass ich nicht völlig verstört Gedanken darüber gemacht habe oder gar die Handlung noch einmal durchgehen musste, weil sie keinen Sinn ergibt, sondern dass ich den Film an und für sich unbeschwert verdaut habe. Ich war zwar zu Tränen gerührt, aber gleichzeitig dazu angehalten, mich sachlich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Gleichzeitig meisterhaft wie auch betrübend war die Tatsache, dass ich in diesem Film ein mögliches Szenario erkannt habe, das sich ohne Weiteres auf mein Leben übertragen liesse. Oder auf das eines Freundes. Oder das meines Nachbarn. Oder auf das Leben eines jenen, den ich nur flüchtig aus dem Dorf kenne. Und darin liegt für mich die wahre Kunst von "Jagten." Ein Film, der mit so viel auskommt wie eben nötig ist, den Fokus auf das Wesentlichste lenkt und genau deswegen viel mehr bietet, als es so manch andere (überladenere) Produktion wahrscheinlich getan hätte.

Das Geheimnis
*************
In meinen Augen steckt das Geheimnis des Filmes in Vinterbergs apolitischer Annäherung an die Thematik. Keine Floskeln, keine Anspielungen auf medial prominente Fälle, sondern pure Emotionen. Der Rahmen des Filmes bewegt sich ausschliesslich auf gesellschaftlichem, ethischem und psychologischem Niveau. Und ich halte Vinterberg sehr zugute, dass er auf eine zwanghaft aufgedrückte "Mässätsch" (= Message) verzichtet hat. Somit findet jeder Zuschauer seinen ganz persönlichen Zugang zum Thema. Auch solche Zuschauer, die - in welcher Art auch immer - u.U gar persönlich davon betroffen sind.

Meisterhaft, vier Sterne!
1212 Kommentare| 78 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. April 2014
...für jeden sein, der sich beruflich mit derartigen Problemstellungen zu befassen hat. Ganz "Großes Kino" zum Thema Vorverurteilungen und der "Blindheit" bei derartigen Thematiken. Leider steigt die Unreflektiertheit mit dem Fehlen von tatsächlichen Beweisen. Dazu kommt die grenzenlose Empathie mit dem vermeintlichen Opfer, die so weit geht, dass alles, was nicht in dieses Bild passt, einfach negiert wird, weil die "Empathen" jeden Zweifel an der "Version" des "Opfers" als eine Art weiterer "Gewalt" gegen das "Opfer" sehen. Das kann soweit gehen, dass "Opfern" eine Traumatisierung durch ständiges Zureden erst "eingepflanzt" wird.....und dann nimmt das Unheil seinen Lauf.....und endet zuweilen anders als dieser Film.....
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am 14. September 2013
Darf man bei mutmaßlichem Kindesmissbrauch auf der Seite des Beschuldigten stehen? Diese Frage stellt „Die Jagd“, ein Film des dänischen Regisseurs Thomas Vinterberg, der 2012 seine Premiere feierte und im März diesen Jahres in die deutschen Kinos kam. Seit zwei Wochen steht das Werk auch als DVD und Blu-Ray in den Läden.

Es ist ein heikles Thema, das der Film behandelt und es ist sicher auch keine leichte Kost, die der Zuschauer hier zu sehen bekommt. Der Lehrer Lucas arbeitet nach der Schließung seiner Schule als Erzieher im örtlichen Kindergarten, den auch die kleine Tochter seines besten Freundes besucht. Das Mädchen fühlt sich stark zu Lucas hingezogen. Als es jedoch Zurückweisung erfährt, schlagen die Gefühle um und das Mädchen äußert gegenüber der Kindergärtnerin (erfundene) Dinge über Lucas, die diese als Beschreibung eines sexuellen Übergriffs durch den Erzieher deutet. Während der folgenden anderthalb Stunden zeichnet Vinterberg das Porträt eines zu Unrecht beschuldigten Mannes, der zwar versucht, gegen die Vorwürfe vorzugehen und wiederholt seine Unschuld beteuert, von seinen Mitbürgern aber nur Abweisung erfährt. Nach und nach fallen auch seine Freunde und Vertrauten von ihm ab, nur wenige glauben ihm. Zum Plot gesellt der Regisseur außerdem eine Vater-Sohn-Geschichte, die ebenfalls von den Vorfällen beeinflusst wird. Dabei verliert sich Vinterberg dennoch keineswegs in komplizierten Beziehungsgeflechten, sondern schafft es, die Handlung fokussiert und konsequent zu erzählen. Unterstützt wird er dabei von Hauptdarsteller Mads Mikkelsen, der hier schlicht grandios agiert und für diese Leistung völlig zu Recht den Darstellerpreis in Cannes bekommen hat. Er verkörpert den verzweifelten, hilflosen Beschuldigten so intensiv und lebendig, dass man beinahe vergisst, einen Film zu sehen und nicht die Realität. Wie selbige bei einem Szenario wie diesem aussehen könnte, zeigt der Film nur zu gut. Unvorstellbar erscheint die Geschichte mitnichten.

Allerdings konzentriert sich „Die Jagd“ nicht krampfhaft auf die im Mittelpunkt stehende Person des Ausgegrenzten; vielmehr richtet sich der Blick auch auf das Verhalten der Gesellschaft um ihn herum. Dabei spielen Vertrauen, Mitläufertum und die Fähigkeit, zu vergeben, eine große Rolle. Genauso wie die Reaktion auf den Vorwurf des Kindesmissbrauchs, die sich vehement gegen den Beschuldigten richtet und diesem im Grunde keine Chance lässt. Der Film behauptet keineswegs, dass Fälle wie der dargelegte die Regel sind, er zweifelt nicht an der Schwere des beschriebenen Verbrechens, er spricht sich nicht gegen Sensibilität in Bezug auf das Thema aus, nicht dagegen, zunächst vom Schlimmsten auszugehen. Doch er kritisiert die Endgültigkeit, die die Vorwürfe haben, wenn sie an die Öffentlichkeit gelangen, er kritisiert, dass die Menschen oft nicht wahrhaben wollen, dass auch die Möglichkeit eines Missverständnisses, einer Unschuld des Angeklagten besteht.

„Die Jagd“ ist ein zermürbendes Drama über einen von der Gesellschaft Ausgestoßenen, der – trotz der scheinbaren Ausweglosigkeit – nie seinen Lebenswillen verliert und nie aufhört, für seine Würde zu kämpfen. Dem Film, dessen triste Grundstimmung irgendwie an „Winter’s Bone“ erinnert, gelingt es, das schwierige Thema Kindesmissbrauch, von einer ganz neuen Seite zu beleuchten und überzeugt damit auf ganzer Linie. Neben der Story überzeugt er außerdem durch eindringliche und tolle Bilder, die durch die hervorragende Kameraarbeit und den Schnitt möglich gemacht wurden. Getragen wird das Ganze vom durchgängig phänomenalen Cast, allen voran der oben bereits genannte Mads Mikkelsen, den wahrscheinlich viele noch als James-Bond-Bösewicht in „Casino Royale“ in Erinnerung haben und der zurzeit als Hannibal Lecter in einer amerikanischen Serie zu sehen ist. Des Weiteren ist auch die Leistung der jungen Annika Wedderkopp hervorzuheben, die in der Rolle des Mädchens – der Ursache für den Konflikt des Films – glänzt. Noch dazu hat das Drehbuch die schwierige Aufgabe, ein passendes Ende für die Handlung zu finden, mit Bravour gelöst. Darüber soll an dieser Stelle allerdings nicht zu viel verraten werden.

Auch wenn der Film vereinzelt einige Längen aufweist, stellt er doch ein Highlight des laufenden Kinojahres dar. Hier kann man ohne zu zögern zugreifen. „Die Jagd“ ist das Geld auf jeden Fall wert.

Meine Wertung: 9,5/10
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am 12. Oktober 2013
Der Film zeigt, wie ein aufrichtiger Mensch zum Opfer einer Lüge wird. Ein kleines Mädchen, mit völlig haltloser Phantasie, lässt den Verdacht anmuten, dass dieser Typ, Lukas, sie sexuell missbraucht haben soll. Plötzlich gerät sein Leben völlig aus den Fugen, er wird zum Opferlamm. Man wird gegen ihn tätig, denunziert ihn, macht ihm das Leben zur Hölle.
Ich finde es mutig und toll, dass dieses Thema in solcher Weise als Film umgesetzt wurde. Die beklemmende Intensität und die psychische Zerreißprobe für das Opfer, der ein Täter sein soll, sind sehr gut dargestellt. Mads Mikkelsen spielt hervorragend.
Ein gutes Psychodrama, das einen nachdenklich stimmt und schockiert. Erschütternd ist auch die Tatsache, dass wenn wie im Film, so etwas passiert, der Ruf dieses Menschen wohl für immer ramponiert sein wird. Es bleibt immer die Frage zurück: Hat er es vielleicht doch getan?
Von dem her ist dieser Stoff schon sehr harter Tobak!!!
Empfehlenswert!
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am 17. November 2013
Das war jetzt mal ein sehr intensives Filmerlebnis.........
schreibe diese Rezension noch während dem Abspann und immer noch
erzeugt dieser Film bei mir "Nachwehen".....
nach einer guten halben Stunde Laufzeit lag die Sympathie klar
beim Unschuldigen,die Antipathie richtete sich gegen den Kleinstadt-Mob.
Alles nichts Neues?-Doch!-Weil erzählt mit dieser nordisch kühlen
Präzision und Unaufgeregtheit der dänischen Filmschule!
DANKE für die Erinnerung daran,daß Filme auch mehr sein können als
Krawumm und Oberfläche,die bei mir weniger tief gehen als der Finger in der Nase...;-)
Dann aber-ohne spoilern zu wollen-schwenkt das Ganze in recht konventionelle
Bahnen um,und hat mich am Ende zwar nicht enttäuscht,aber doch fast überraschend
zurückgelassen.Das letzte Filmdrittel-verlaufend nach einem 08/15-Drama(auch wenn
mit der allerletzten Szene nochmals ein (richtiger) Schwenker erfolgt)!
Und trotzdem.....inszeniert nah am Realen,von einem großartigen Mads Mikkelsen
getragen,-schnürt Vinterberg den Strick um die Kehle immer weiter zu.
Beklemmung...die bleibt!!
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Inhalt/Story:

Lucas,der gerade eine Scheidung verarbeitet,ist als Kindergärtner tätig
und liebt seinen Job.In seinem Heimatdorf ist er sehr beliebt und wird geschätzt.
Dann ändert sich alles.Die kleine Klara,die stets seine Nähe sucht,fühlt sich
abgelehnt und deutet bei der Kindergartenleiterin an,das Lucas sich sexuell an ihr
vergangen hat.
Damit beginnt der Albtraum für Lucas;das unbewiesene Gerücht verbreitet sich wie
ein Lauffeuer und schon bald ist Lucas Freiwild.
Kann er die Situation aufklären....-oder geschieht schlimmeres....?

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Persönlicher Eindruck:

Die Jagd ist ein sehr intensiver und unangenehmer Film.
Extrem glaubhaft,mitreissend verkörpert von Charakterkopf Mads Mikkelsen,wird die
Geschichte des Niedergangs eines respektierten Menschen gezeigt,der den Mechanismen
einer Lüge fast hilflos gegenübersteht.Mit allen Konsequenzen.......
wie würde man sich selber verhalten,wenn man so etwas von einem Nachbarn hört?
Oder was wäre,wenn man selbst im Verdacht stehen würde?
Mich hat dieser Film mehr als nachdenklich gemacht,und ein flaues Gefühl
im Magen hinterlassen.

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Fazit:

Ein bedrückender Film,der ohne Effekthascherei die Problematik
des Protagonisten zeigt.
Denn ein Gerücht ist wie ein Virus,das sich unter unbeteiligten
Mitläufern verbreitet,bis es jeder für die Wahrheit hält.
Wehrt man sich nicht,weil man nicht noch Öl ins Feuer giessen will,
wird das als Schuldeingeständnis interpretiert.
Wehrt man sich irgendwann doch,um sich einen Funken Würde zu bewahren,
wird man um so mehr gehasst!
Gefangen in einem Strudel der Gewalt,vergeblich schwimmend gegen eine
übermächtige Strömung.

DIE JAGD bekommt von mir für die brilliante,realitätsnahe Inszenierung
auf jeden Fall 5 Sterne!!Gelungen,absolut genial gespielt und dargestellt-
meine vollste Hochachtung vor dem Regisseur Thomas Vinterberg,der dieses
verstörende Tabuthema ja schon mit dem Meisterwerk"Das Fest" in Szene
zu setzen verstand!!

Laufzeit: 120 Minuten,die nicht unbedingt für einen biergeschwängerten
Stimmungsabend geeignet sind.
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TOP 1000 REZENSENTam 7. Oktober 2013
Der neue Film vom dänischen Dogma95 Mitbegründer Thomas Vinterberg heißt "Die Jagd" und ist vielleicht sogar noch eine Spur eindringlicher als seine bislang beste Arbeit "Das Fest" aus dem Jahr 1999. In beiden Filmen geht es um sexuellen Mißbrauch - "Das Fest" war eine Abrechnung mit dem 60jährigen Vater, dessen Sohn an diesem Geburtstag den Mißbrauch des Vaters an den Kindern offenbart. In "Die Jagd" geht es um einen Lehrer, der fälschlicherweise in den Verdacht eines Kindesmißbrauch gerät. Extrem nachhaltig ist der Schluß des Films, bei dem die Männer tatsächlich auf eine Jagd gehen und durch eine Sekundensequenz der Geist der Geschichte noch einmal hervorgehoben wird. Das sollte nicht verraten werden, es ist jedenfalls ein genialer Fingergriff des Regisseurs, ich frage mich nur, ob diese Sekunde tatsächlich das ganze Ausmaß dieser vorangegangenen Katastrophe wiedergibt oder ob es nicht sogar ein bissel beschönigt. Dieser Jagd ging nämlich eine menschliche Jagd und Hatz voraus, die durch die unbedachte Äusserung eines Kindes die primitivsten Ausmaße menschlichen Verhaltens offenbaren, alles unter dem Deckmantel gängiger Normen. Denn beim sensiblen Thema des Kindermißbrauchs kommen auch die geheimen Lynchwünsche der bürgerlichen Gesellschaft zu Tage. Ausgelöst durch die kleine 5järige Klara (Annika Wedderkopp), die sich gerne mit dem geschiedenen Lucas (Mads Mikkelsen) trifft, nicht nur wegen der Liebe zu dem Hund von Lucas. Das kleine Mädchen fühlt sich beim erwachsenen Lucas geborgen und himmelt ihn etwas an. Lucas selbst arbeitet derzeit im Kindergarten von Grethe (Susse Wold) und versucht als geschiedener Vater mehr Kontakt zu seinem geliebten 14jährigen Sohn Marcus (Lasse Vogelstrom) zu bekommen, was seine Exfrau immer wieder verhindert oder zumindest begrenzt. Klaras Eltern sind oft im Streit, Vater Theo (Thomas Bo Larsen) ist der beste Freund von Lucas - seit Kindertagen. Aus Eifersucht behauptet die kleine Klara, dass Lucas ihr sein Geschlechtsteil gezeigt hat. Grethe reagiert zunächst auf diese Äußerung irritiert, sie zettelt aber sehr schnell den Rufmord an, indem sie dem Beschuldigten keine Möglichkeit der Rechtfertigung gibt, sondern pädagogisch korrekt das Kind befragt, allerdings so subjektiv, weil der Täter schon feststeht und weil Kinder ja nie lügen können. So wird aus begründeter Angst eine hysterische Hexenjagd mit starken Tendenzen zur Selbstjustiz....
Obwohl man ja schon anmerken muss, dass Mads Mikkelsen gefühlt inzwischen in jeder 3. europäischen Kinoproduktion auftaucht - dieses Mal wird er seinem guten Ruf als großer Schauspieler mehr als gerecht. Die Rolle des Lehrers Lucas spielt er sagenhaft gut, der Film brachte ihn in diesem Jahr die dritte Nominierung als bester Schauspieler für den europäischen Filmpreis ein - er musste sich allerdings von Altstar Jean Louis Trintignant in Hanekes "Liebe" geschlagen geben. "Die Jagd" ist ein sehr bedrückender, atmosphärisch unglaublich dichter Film über die Auswüchse bürgerlicher Gerechtigkeit. Der vermeintliche Täter wird zum Opfer, weil diese Dynamik weitere Täter hervorbringt.
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am 20. August 2013
Realistisch, emotional, eiskalt. Der dänische Film Die Jagd" punktet durch seine Nähe zur Realität. Ohne große Effekte schafft der Film es doch, dass man als Zuschauer mitfiebert, weint, bangt und verzweifelt. Dieser Film kann Angst machen vor der Stumpfsinnigkeit vieler Menschen und der Folge von ausgesprochenen Worten. Anschauen und nachdenken....
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am 11. Januar 2014
Ein Film der wirklich unter die Haut geht und zum Nachdenken anregt. Besonders wenn man daran denkt, das jeder einzelne von uns in diese Situation kommen kann. Als Berufsschullehrer habe ich vor sowas am meisten Angst. Eine schlichte Aussage oder Beschuldigung und man wird seines Lebens nicht mehr froh.... genauso wie der Hauptdarsteller in diesem Streifen. Lucas, selbst Familienvater aber geschieden, arbeitet als Erzieher in einem Kindergarten. Alles läuft gut, die Kinder lieben ihn, ganz besonders Klara die Tochter seines besten Freundes. Sie will mit ihm kuscheln und küsst ihn auf den Mund. Lucas macht ihr klar, dass sich das nicht gehört und dass man nur seinen Vater auf den Mund küsst. Klara fühlt sich nach dieser Abweisung verletzt und er zählt der Leiterin des Kindergartens, dass Lucas sie angefasst hätte und er ihr seinen Penis gezeigt hat. Die Kindergärtnerin ist verpflichtet das zu melden. So erfahren es die Eltern, die Freunde und in kürzester Zeit die ganze Kleinstadt. Und die Stadt macht Jagd auf den Kinderschänder...

Ein Film der einen schockt und man sich vor dem Fernseher absolut hilflos fühlt und dem Darsteller am liebsten helfen will...
Geheimtipp der Extraklasse!
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am 26. August 2013
Mads Mikkelsen gehört eindeutig nicht erst seit „Hannibal“ zu einem meiner Lieblings-Schauspieler. In diesem Film von Thomas Vinterberg stellt er erneut unter Beweis, was für ein großartiger Schauspieler er ist und wurde dafür mit Recht in Canne als bester Darsteller ausgezeichnet. Die Story selbst ist erschreckend realistisch und sehr gut in Szene gesetzt.
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Gewöhnlich kann ich wirklich recht abdriften, wenn nichts Dramatisches in einem Film geschieht. Entsprechend hatte ich gedacht, dass ein Film, von dem ich vorher bereits annahm, dass er mit relativ ruhigen Tönen daherkommen würden, mich zum Wegträumen oder Ablenken mit diversen Tätigkeiten bewegen würde. Anders als erwartet fesselte mich der Film jedoch sehr.

Das ist zu einem guten Teil dem guten, emotionalen und authentischen Spiel der Darstellerriege geschuldet. Ich fühlte mit den Menschen und dem, was sie mir hier - wie bei allen Filmen - "vormachten". Im Mittelpunkt des Films steht der Vorwurf einer Kindesmisshandlung, deren Tatsächlichkeit oder Fälschlichkeit sich Verlauf des Films herausstellt.

Im Folgenden möchte ich eine Facette des Films thematisieren, die zwangsläufig Filminhalte vorweg nimmt. Vor diesem Spoiler lasse ich infolge dessen einen kleinen Abstand. Damit der Geneigte die nun folgenden Worte nicht lesen muss.

Unabhängig davon, ob im Endeffekt etwas geschehen ist und diese Auflösung innerhalb des Films will ich natürlich nicht vorwegnehmen, macht der Film darüber nachdenklich, wie man mit Kinderschändern umgehen darf. Allzu schnell ist man da mit allzu spektakulären Forderungen bei der Sache. Aber man macht sich nie darüber Gedanken, wie sich der Täter fühlt oder was diesem gegenüber legitim ist. Der Film brachte mich persönlich erstmals ins Nachdenken hierüber, da er die Perspektive des Täters in den Mittelpunkt stellt.

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Der Film thematisiert - wenngleich dies nicht ausgesprochen wird - das False Memory Syndrom. In einer gewissen Variante zumindest. Damit ist gemeint, dass sich jemand fälschlicherweise an eine Misshandlung oder überhaupt an etwas erinnert. Obgleich es in Deutschland entsprechende Fälle gab (vgl. die Wormser Prozesse oder den Montessori Prozess) und es auch fachliche Veröffentlichungen zum Thema gab (vgl. dazu die Bücher von Michael Yapko und Elizabeth Loftus), ist das Thema meines Erachtens viel zu wenig präsent. Zu schnell glaubt man eines Erachtens, das was gerade ein Kind erzählt, nicht falsch sein könne. Und der Film zeigt - wie dies auch in der Realität schon geschehen ist - welche Prozesse dazu führen, dass sich ein einmal erhobener Vorwurf verselbständigt und eine Eigendynamik entwickelt.

Zum Glück gibt es objektiv nachgewiesene Fälle dieser Art. Denn "falsche Erinnerungen" oder "Erinnerungsverzerrung", wie man zum "False Memory Syndrome" auch synonym sagt, wird allzu gerne schnell zu einer Erfindung von Tätern erklärt, mit welcher sich diese zu schützen versuchen. Zwar kann und wird dies zwar in der Praxis auch geschehen, jedoch darf dies nicht von der Tatsache ablenken, dass Erinnerungen fehlbar sind und deren Wirklichkeit entsprechend sorgfältig geprüft werden sollte.
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