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am 4. April 2013
Der 2-fache Doktor und Professor für Volkswirtschaftslehre, Joachim Starbatty, hat in diesem Buch "Tatort Euro" seine Theorien und Ansichten zur Euro-Krise zusammengetragen. Dabei geht es Starbatty nicht um die Auflösung der ganzen Euro-Zone in nationale Währungen, was er laut Seite 295 für nicht wünschenswert erachtet, sondern er fordert eine konsolidierte Euro-Zone (S.257). "Ein solcher Euro-Verbund könnte auch den US-Dollar herausfordern (S.244)." Auch aus dem Euro bereits ausgeschiedene Länder könnten gemäß Starbatty nach einem längeren Zeitraum im Vorraum der Währungsunion - im System des Wechselkursmechanismus II - und bestandener Tauglichkeitsprüfung wieder in den Euro aufgenommen werden. Die Sparprogramme Merkels für die Krisenländer - von Starbatty als Austerity- und Reformprogramme bezeichnet - sieht er laut Seite 293 wirkend wie eine angezogene Handbremse in einem PKW. Sogar im Aufstieg der Rechtsradikalen im Frankreich der 1930er Jahre, hervorgerufen durch Deflation, sieht Starbatty Parallelen zu heute. Auf Seite 173 schreibt Starbatty: "Die Parallele zu Angela Merkels Politik, über internes Sparen, also über deflationäre Politik, die verloren gegangene Konkurrenzfähigkeit der notleidenden Euro-Staaten zurückzugewinnen, ist frappierend." Schon im Vorwort zum Buch meint Hans Magnus Enzensberger auf Seite 11: "Die Politiker tun immer so, als ob sie Länder retteten; in Wirklichkeit geht es ihnen um das Überleben der nationalen Banken. Länder sind wichtiger als Banken." Hier möchte ich noch einfügen, dass es für die Gläubigerstaaten günstiger wäre ihre Banken im Notfall nach einem Euro-Austritt des betroffenen Krisenlandes zu retten, als durch eine "Rettung" sämtlicher internationaler Banken und Privatanleger, die gar nichts mit dem Gläubigerstaat zu tun haben, durch die sog. Rettungsschirme. Auf Seite 227 beschreibt Starbatty, dass Unternehmen, Banken und Versicherungen einen Austritt Griechenlands längst "eingepreist" hätten. Auch Finanzminister Schäuble gehe es mit der Forderung nach Sperrkonten für Zahlungen an Griechenland nur um die Rettung der eigenen Banken (S.244). Ferner beklagt Starbatty 2 kalkulierte Brüche des EU-Rechts durch Regierungen und Parlamente. So behaupten Politiker der schwarz-gelben Regierung ständig, dass die rot-grüne Regierung Schröder zusammen mit anderen Euro-Ländern (darunter auch konservativen) den Wachstums- und Stabilitätspakt der EU zu Grabe getragen habe, welcher den Euro-Ländern Vorgaben zu Neu- und Gesamtverschuldung machen sollte. Was jedoch schwerer wiegt, ist der Umstand, dass die schwarz-gelbe Regierung Merkel laut Seite 21 die No-Bail-Out-Klausel des Vertrages über die Arbeitsweise der EU in Artikel 125 (Artikel 125 AEUV "Lissabon-Vertrag", S.39) missachtet hat, der vorschrieb, dass die Euro-Staaten einander nicht für die Schulden des anderen Euro-Staates haften und sich keine Transferunion bilden sollte. Starbatty geht sogar noch weiter, indem er damit auf Seite 22 die marktwirtschaftliche Ordnung der EU auf eine sozialistische Basis gestellt sieht. Mehrmals im Buch (z.B Seite 242) beschreibt Starbatty die Probleme eines "Moral Hazard"-Verhaltens, das sich daraus ergibt, dass bei einer Transferunion Reformanstrengungen, welcher Art auch immer, in Krisenländern moralisch übergangen werden, weil andere schon für die Fehler der Krisenländer haften. Die Risikowahrnehmung verschiebe sich ungesundem Maße. Noch schlimmer wäre dieses "Moral Hazard"-Verhalten bei Euro-Bonds einzuschätzen, so Starbatty. Einen zweiten Bruch des EU-Rechts sieht der Autor im EZB-Beschluss vom 26.Juli 2012 unbeschränkt Staatsanleihen notleidender Schuldnerstaaten aufzukaufen (S.25, S.187). Dass das Bundesverfassungsgericht auf beide Rechtsbrüche (noch) nicht ausreichend geantwortet habe, ist tragisch. Immerhin habe das Bundesverfassungsgericht im Fall der Klage zum neunköpfigen Sondergremium des Bundestages, welches allein über die Aufstockung der deutschen Finanzmittel für den ESM-Rettungsschirm bestimmen sollte, dieses Vorhaben verworfen (S.49). Jetzt muss der Bundestag der Kapitalaufstockung für den ESM zustimmen. Laut Seite 163 hat das Bundesverfassungsgericht am 12.September 2012 den Bundestag aufgefordert völkerrechtlich sicherzustellen, dass keine Vorschrift des ESM-Vertrages "so ausgelegt werden kann, dass für die Bundesrepublik Deutschland ohne Zustimmung des deutschen Vertreters höhere Zahlungsverpflichtungen begründet werden."

Das Argument, dass Deutschland in der Euro-Krise Kreditzinsen kassiere, die immer noch höher als die Kosten der Kapitalaufnahme seien, widerlegt Starbatty auf Seite 75 damit, dass wir ja immerhin gewaltige Kreditrisiken eingehen, die wahrscheinlich als Verlust zu verbuchen sein werden. Den Grundfehler des Euros sieht der Starbatty darin, dass der Euro die Zinsen im Euro-Raum auf deutsches Niveau gesenkt habe und alle Staaten, also auch die Krisenländer, mit je einer Stimme in der EZB vertreten seien (S.88, wie auch Deutschland nur eine Stimme hat) und so ihre Niedrigzinspolitik durchsetzen konnten (S.77). Sowohl die Griechen hätten diese Zinsen für staatlichen und privaten Konsum ausgegeben (S.78) als auch die Spanier hätten die Niedrigzinsen für ihre Immobilienblase benötigt, die unlängst geplatzt ist (S.103 ff). Auf Seite 103 steht unter anderem: "Besonders anfällig für Blasen sind Immobilienmärkte. Eine Senkung des Zinssatzes von 5 auf 4 Prozent reduziert die Finanzierungskosten um 20 Prozent oder halbiert die Tilgungsdauer von 30 auf 15 Jahre." Auf Seite 104 steht dann: "Wenn dann die Notenbanken die Gefahren solcher Vermögenspreisblasen erkannt haben und den Refinanzierungssatz in Trippelschritten erhöhen - von 2 auf 2,25, von 2,25 auf 2,5 Prozent ... - dann wissen die Anleger, dass das so weitergeht, und wollen mit einem raschen Engagement dem erwarteten Zinsanstieg zuvorkommen. Und so treibt dann die Geldpolitik den Boom noch, weil sie prozyklisch und nicht, wie gewollt, antizyklisch wirkt." Was Starbatty von der geplanten Bankenunion hält, schreibt er auf den Seiten 111 und 112. Die Bankenunion folge den Wünschen Südeuropas, wobei der EZB-Präsident, Mario Draghi, und sein Direktorium für die Bankenaufsicht zuständig sein werden, was grundsätzlich anzuzweifeln ist. Denn auch hier gilt, "ein Land - eine Stimme". Damit sind z.B. das kleine Malta und das große Deutschland absolut gleichberechtigt. Die Bankenunion ist nach Starbatty ein weiterer Schritt in Richtung Haftungsunion. Ich möchte an dieser Stelle noch schreiben, dass die Bankenunion auch vorsieht die deutsche Einlagensicherung, die jedem Deutschen ein Vermögen bis zu 100.000,00 Euro durch Gesetz absichert, nach dem Willen der Krisenländer zur Finanzierung derer Haushalte herbeigezogen werden soll. Die Bundesregierung konnte dem bis jetzt widerstehen. Fragt sich nur, wie lange noch? (Siehe dazu auch die Sendung "Hart aber fair" in der ARD-Mediathek vom 25.03.2013 mit dem Titel "Der Fall Zypern - wem kann man in Europa noch trauen?") Zum ESM-Rettungsschirm heißt es auf Seite 134 des Buches, dass der ESM nach einem ordentlichen Beschluss die Möglichkeit hätte, Banken direkt zu rekapitalisieren. "Dann würden also die Steuerzahler des Landes X für die Schulden der Bank in Land Y in Haftung genommen." Der ESM wird laut Seite 153 den EFSF am 30.Juni 2013 ablösen. Auf Seite 238 schreibt Starbatty dann noch: "Da nur ein dauerhafter Euro stabil ist, wird sich die EZB nicht an ihre Zusage halten können, nur Staatsanleihen der Länder anzukaufen, die sich an den Strengen Auflagen des ESM-Vertrages orientieren. Die EZB wird dies unlimitiert und unkonditioniert tun müssen."

Auch Hans-Werner Sinns Thema der Target-Salden findet Eingang in das Buch von Starbatty. Auf Seite 140 meint Starbatty z.B., dass die Target-Salden als Forderungen der Bundesbank entstehen und sich als Belastungen der Schuldner-Zentralbanken gegenüber dem Euro-System ausweiten. "Als Target-Falle erweisen sich diese Salden, falls entweder Deutschland oder Spanien aus der Währungsunion ausscheidet, weil diese Salden dann nach Maßgabe des Auf- und Abwertungssatzes entwertet würden. Um dies zu vermeiden, müsste Spanien mit allen Mitteln in der Währungsunion gehalten werden und Deutschland dürfte nicht ausscheiden." Dem Thema "Target-Falle" hat Starbatty ab Seite 205 ein ganzes Kapitel gewidmet. Dort stellt er ausführlich die wissenschaftliche Debatte um die Target-Salden dar. Gustav Horn, wirtschaftspolitischer Berater der deutschen Gewerkschaften, meinte Sinn für seine Target-Theorien hart attackieren zu müssen und wirft Sinn laut Seite 208 vor, "dass Sinns Forderung nach einem Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone jenes finanzielle Desaster heraufbeschwöre, vor dem Sinn selbst immer gewarnt habe. Dann allerdings, so Horn, wären die transferierten Mittel "perdu". Damit bestätigt er Sinns These von der Target-Falle: Deutschland könne sich aus der Eurozone nicht lösen, da ansonsten die Forderungen der Bundesbank abgewertet würden. Sinns Forderung nach einem Ausscheiden Griechenlands ist insofern konsequent, als dieses Land weder innerhalb noch außerhalb der Währungsunion die kreditierten Beträge wird zurückzahlen können. Bei einem Ausscheiden können wir sogar annehmen, dass Griechenland zur Ablösung solcher Forderungen eher in der Lage wäre, da die Abwertung der neuen griechischen Währung, die wieder Drachme heiße könnte, die Erzielung von Leistungsbilanzüberschüssen möglich machte." Auch Personen wie Bert Rürup, Ex-Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (auch "die 5 Weisen" genannt), und Carsten Schneider, haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, scheinen Sinns Theorie der Target-Salden auf Seite 209 zu bestätigen. Auf Seite 303 des Buches steht dann auch noch: "Wenn nun Politiker in den Gläubigerstaaten rufen: "Diesen Verlust des Austritts wollen wir nicht tragen!", so erinnern wir daran, dass wir es hier mit "sunk costs", mit irreversiblen Kosten zu tun haben, die noch zunehmen, wenn die Politik den Irrweg weitergeht." Die Entstehung der Target-Salden erklärt Starbatty folgendermaßen auf Seite 210 f.: "Da in der Währungsunion Anpassungen über den Wechselkurs entfallen, kommen jetzt die nationalen Notenbanken ins Spiel. Die nationalen Geschäftsbanken offerieren ihnen minderwertige Sicherheiten, erhalten dafür erstklassige Euro-Noten, die sie an ihre Kunden weiterreichen, damit diese die gewünschten Importe tätigen können. Über die bereits geschilderten Kanäle landen diese Mittel bei den nationalen Zentralbanken, die damit Forderungen gegen die entsprechenden Partnernotenbanken erwerben." "Neuland" würde man nach Seite 212 beschreiten, wenn man fragt, ob Zentralbank-Verluste wirklich reale Verluste sind. So könne sich die Notenbank die benötigte Liquidität selbst beschaffen, indem sie Geld druckt. "Eine Notenbank kann dagegen nicht Konkurs gehen, da sie keine Liquiditätsschwierigkeiten kennt; es sei denn, sie hätte am offenen Markt US-Dollars aufgenommen und diese an notleidende Notenbanken verliehen."

Auch zu den gängigen Argumenten der Befürworter der Euro-Rettungsschirme nimmt Starbatty Stellung. Zuerst aber schreibt er, was Angela Merkel am 17.März 2010 vor der Bankenrettungspolitik im Deutschen Bundestag zum Besten gab: "Er (Bundesfinanzminister Schäuble) hat Vorschläge gemacht, dass wir für die Zukunft ein Vertragswerk bekommen, aufgrund dessen es als Ultima Ratio sogar möglich ist, ein Land aus dem Euro-Raum auszuschließen, wenn es die Bedingungen langfristig immer wieder nicht erfüllt. Sonst kann man nicht zusammenarbeiten." Dass die Politik der EZB langfristig Inflation bedeutet, schreibt Starbatty u.a. auf der Seite 170. Dass eine Null-Zins-Politik nicht unbedingt zu Inflation führen muss, sieht man am deflationären Japan (S.191). Starbatty schreibt daher auf Seite 194: "Wir müssen prüfen, wohin das von der EZB frisch gedruckte Geld fließt." Das Geld fließe nach Starbatty auch in Blasen. "Bricht Frankreich unter seiner Last zusammen, dann ist die europäische Staatsanleihen-Blase geplatzt und die Zinsen für alle Staatsanleihen der Eurozone schießen durch die Decke (S.201)." Auch die Aussage, nach der ein Austritt aus der Währungsunion für Griechenland zwangsläufig zu Inflation führe, widerlegt Starbatty ab Seite 231 f: "Richtig ist, dass die Verteuerung ausländischer Produkte auf das inländische Preisniveau durchschlägt. Dies ist aber ein Einmaleffekt, genau wir ein Erdölpreisschock. Wie soll es bei vorherrschender Rezession und gedrückten Realeinkommen zu Inflation kommen? Doch nur, wenn die griechische Regierung massiv Geld drucken ließe, um ihren Verpflichtungen nachkommen zu können, und die Menschen ihre Geldillusion verlören." Das Argument, dass bei anhaltenden Rettungsschirmen auch Inflation oder Blasenbildung droht, erwähnt Starbatty hier leider nicht. Doch auf Seite 291 schreibt er dafür: "Wenn die Geldmengenaufblähung nicht durch Lohnerhöhungen und Preissteigerungen der Konsumgüter absorbiert wird, sondern die Preise für reale Aktiva treibt, also Vermögensblasen entstehen, werden einzel- und gesamtwirtschaftliche Fehlentwicklungen und Kettenreaktionen ausgelöst." In Bezug auf die Inflation schreibt Starbatty auf Seite 297: "Der Politik geht es daher nicht darum, welche Form der Entschuldung für die Bürger die am wenigsten schädliche ist, sondern wie sie das unbemerkt tun kann. Und hier bietet sich die Inflation geradezu an." Starbatty schreibt auf Seite 232: "Wenn dieselben Experten bei einer Aufwertung nach einem Ausstieg aus der Eurozone Arbeitslosigkeit bei uns erwarten, wie kann dann umgekehrt bei einer Abwertung Arbeitslosigkeit entstehen?" Eine ähnliche Überlegung wird auf Seite 253 von Gregor Gysi in seiner Rede vom 23.April 1998 vor dem Deutschen Bundestag zitiert: "... alle würdigem am Euro, dass sich die Exportchancen Deutschlands erhöhen würden. Wenn das so ist, dann müssen doch andere Produktionsunternehmen in anderen Ländern darunter leiden. Anders ginge es doch gar nicht." Ab Seite 217 geht Starbatty dann auf das erfolgreiche Modell des wegen der Wirtschaftskrise ehemaligen Pleite-Staates Island ein, das das private Kapital der Banken zur Kasse bat und nicht die Kunden und Kleinsparer und aus eigener Kraft sein Schicksal gewendet habe (S.218). "Die isländische Regierung hat aus Angst, dass Kapital aus Island abwandere, zusätzlich Kapitalverkehrskontrollen eingeführt (S.223)."

Ein Vorteil der D-Mark sei auch gewesen, dass der Währungsraum der D-Mark das nationale Territorium bei weitem überstieg und deswegen der Bundesregierung überaus hohe Notenbankgewinne eintrug (S.84). Deutsche Banken hatten vor der Euro-Einführung übrigens Bedenken, dass sie wegen dem Vertrauensbonus, den die D-Mark genieße, die Zinsen, die geringer waren als bei ihren Konkurrenten in den europäischen Nachbarstaaten, bei einer einheitlichen Währung verlieren (S.94). Starbatty stellt auf Seite 169 außerdem fest: "Der geringere Preisanstieg in Deutschland entspricht einer realen Abwertung des Euro bzw. einer realen Aufwertung der Länder mit höherem Preisanstieg." Auch die Mär von Notwendigkeit des Euro für die deutschen Exporte widerlegt Starbatty auf den Seiten 246 und 247: "Der Exportanstieg ist für Deutschland von 45,4 Prozent im Jahr 2000 auf 39,7 Prozent im Jahr 2011 zurückgegangen." Schuld für diesen Rückgang sei auch die den Krisenländern auferlegte Sparpolitik, die den Binnenkonsum in diesen Ländern abgewürgt und somit Verluste für deutsche Exporte bedeutet haben. Auf Seite 251 beschreibt Starbatty dann die von seinem Lehrmeister Karl Schiller so bezeichnete Sozialdividende. "Diese Sozialdividende gibt es seit Beginn der Währungsunion nicht mehr. Seit dem Jahre 2000 sind die Realeinkommen für die abhängig Beschäftigten nicht gestiegen; für die unteren Lohnklassen sind sie sogar gesunken." "Wenn die "Sozial-Dividende" wie früher wieder ausgeschüttet würde, wären auch die Masseneinkommen höher, weil importierte Produkte wie Textilien, Benzin oder Heizöl billiger würden und damit auch mehr Kaufkraft für inländische Produkte zur Verfügung stände." Ich füge hinzu, dass auch Maschinen- und Autoteile billiger importiert werden könnten. Deutschland ist nämlich nicht nur im Export ein Global Player, sondern auch im Import eine der führenden Nationen. Auf Seite 306 heißt es: "Wenn sie sich von den hier vorgebrachten Argumenten nicht überzeugen lassen wollen, dann sollten sie auf die Schweiz schauen, wo trotz eines aufgrund des Zuflusses von Fluchtkapital in die Höhe getriebenen Schweizer Franken die Arbeitslosenquote zu den niedrigsten in Europa gehört und die Wachstumsrate deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegt." Auf Seite 273 schreibt Starbatty aus Sicht der Volkswirtschaftslehre: "Eine Volkswirtschaft hat drei unmittelbare Parameter, um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern: Zins, Wechselkurs und Lohn. In der Währungsunion werden die Parameter Zins und Wechselkurs vergemeinschaftet, stehen also nicht mehr unter nationaler Kontrolle." Und über den Lohn entscheiden die Tarifvertragsparteien, wenn es keinen gesetzlichen Mindestlohn gibt. Letztlich vermutet Starbatty auf Seite 257, dass mehr "Europa" in den Reden der Regierung auch mehr Kompetenzen für Brüssel bedeute. Auf Seite 272 nimmt Starbatty dann noch an, dass die Währungsunion die politische Union, also Vertiefung des EU-Machtapparates, erzwingen soll.

Einen kurzen Exkurs zum Thema "Währungskrieg" findet man dann auch auf Seite 285 des Buches: "Der Nutzen aus der Abwicklung von Erdölkontrakten in US-Dollar wird stark überschätzt. Wenn die Erdölexporteure ihre Dollareinnahmen in Importe von Investitions- und Konsumgütern oder in zinstragenden Anlagen außerhalb des Dollarraums anlegen wollen, müssen sie Dollars in die gewünschten Devisen eintauschen. Damit wird ein eventueller Aufwertungsgewinn des Dollar, wenn er zur Begleichung des von Erdölrechnungen gebraucht wird, wieder wettgemacht."

Mehr dazu und noch einige Links findet man im Kommentar zu dieser Rezension!

Herzliche Grüße und Vergelt's Gott
Euer Dominique
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am 17. März 2013
Nun hat auch Prof. Joachim Starbatty ein Buch über die Euro-Misere geschrieben. Es ist schon beachtlich, mit welcher Taktrate neue Bücher über die ungeliebte Währung auf den Markt kommen. Aber dieses Buch hat es in sich. Starbatty gehört zur ersten Riege der Euro-Kritiker, der immer gegen eine gemeinsame Währung war. Als geschichtsbewusster Währungsexperte mit genauem Blick in die Praxis kannte er die Gefahren einer Währungsunion und hat sie lange vor der tatsächlichen Euro-Einführung formuliert. Dabei sitzt er nicht im Elfenbeinturm oder stellt willfährige Gutachten aus, sondern mischt sich mit unbequemen Analysen - die allesamt längst durch den Gang der Geschichte bestätigt sind - in die Politik ein. Kurzum: Wenn wir Antworten in Währungsfragen suchen, finden wir das pralle Leben bei Joachim Starbatty.

Der Mann weiß zu erklären und versteht es auch den Bogen zu schlagen über die Jahrzehnte und Jahrhunderte. 2000 Jahre Staatspleiten haben eines gemeinsam: immer dachten die Mächtigen sowie die Funktionselite: "Dieses Mal ist alles anders". Das dem nicht so ist, wird einem verständlich, wissenschaftlich formuliert und gut lesbar in dem vorliegenden Buch dargelegt. Auch schwierige Argumentationszusammenhänge legt Starbatty nachvollziehbar dar. Wichtiger aber ist ein Punkt, auf den Starbatty besonderen Wert legt: die Widerlegung der Argumente, mit denen die Funktionselite den Otto-Normalverbraucher sedieren und ihn im Glauben lassen, daß alles seine Richtigkeit hat und auf dem Weg in einen suprantionalen Eurostaat – was das auch immer sein mag – eben gewisse Rückschläge dazugehören. Starbatty weist nach, daß es sich samt- und sonders um Scheinargumente handelt. Daher ist dieses Buch besonders den Euro-Verteidigern ans Herz zu legen, die hin- und herschwankend am Ende der Mehrheit vertrauen. Diese „Mehrheit“ - sofern es eine ist - besteht aber längst nur noch aus vom System Begünstigten, die von dem Euro profitieren, die breite Masse hat seit der Euroeinführung – weder hier noch in der Südzone – nichts von der neuen Währung auf Dauer gehabt. Die Schäden werden wir dennoch alle gemeinsam bezahlen müssen.

Mehrere Aspekte machen das Buch daher zu einem interessanten und lehrreichen Werk der Währungsgeschichte:

Starbatty als Zeitzeuge:
Mehrere Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht sowie die Analyse des Scheiterns lange bevor der Euro wirklich das Licht der Welt erblickte machen Starbatty zu einem echten Zeitzeugen. Er hat früh die Schwäche der Währungsunion erkannt und auch analytisch dargelegt. Ob es die Lateinische oder die Skandinavische Münzunion war, stets sind diese gescheitert. Starbatty hat den Prozess des Euro immer auch als aktiv Handelnder begleitet und mit anderen Professoren dagegen geklagt. Durch sein profundes Wissen verstehen wir auch die institutionellen Zusammenhänge dieses gedehnten Scheiterns auf Raten. Starbatty will aber nicht nur klagen, sondern auch erklären und auf den dauerhaft dysfunktionalen Charakter der Währungsunion hinweisen. Nachdenklich müsste es uns machen, daß die Argumente, die er vor der Einführung des Euro ausgesprochen hat, tatsächlich auch so eingetroffen sind. Die volkswirtschaftliche Entscheidung ist längst zuungunsten des Euro gefallen. Er wird nun politisch am Leben gehalten, da wir die Folgen dieser in den 90ern getroffenen Fehlentscheidung fürchten.

Starbatty als Währungsexperte:
Hat man das Buch durchgelesen, versteht man, was der Unterschied zwischen einem Wechselkurssystem und einer Währungsunion ist. Ein Wechselkurssystem erfüllt immer seinen Zweck und kann atmen. Irgendwann gibt es dann auch seinen Geist auf, hat aber zwischenzeitlich seine Funktion den Güterhandel international zu organisieren erfüllt und wird weiterentwickelt (Bretton Woods, Goldstandard, EWS, etc…). Eine Währungsunion zwischen ungleichen Partnern jedoch ist von Anfang an ein dysfunktionales Gebilde, da der Zins und der Wechselkurs als Puffer ausfallen und sich Ungleichgewichte aufschaukeln, die das System irgendwann zum Einsturz bringen. Kapitalfehlleitung ist immer das originäre Ergebnis einer Währungsunion. Starbatty bietet viel Währungsgeschichte auf um Verständnis zu erzeugen für die immer gleichen Probleme von falschen Wechselkursen. Da Deutschland im Vergleich zu seinen südlichen europäischen Nachbarn immer eine diszipliniertere Währungspolitik gefahren hat, hat die DM weniger inflationiert wie die Währungen der südlichen Länder. In einer Währungsunion hat aber die Möglichkeit gefehlt im Euro aufzuwerten. Die Kehrseite ist die fehlende Abwertung der Südländer. Da nun der „deutsche Euro“ nicht mehr aufwerten konnte haben wir – kaum zu glauben, aber wahr – „Valutadumping“ betrieben und sind somit einfach immer billiger geworden. Dieser Prozess lässt sich nicht einfach umkehren, sondern kann nur korrigiert werden, wenn wir stärker inflationieren (Vorschlag Frankreich, Lagarde) oder die Südländer eben eine reale Abwertung vornehmen, d.h. Millionen Preise, Löhne und Verträgen nach unten! ändern. Wer die starken gewerkschaftlichen Strukturen in diesen Ländern kennt, wird den naiven Charakter dieser Vorgehensweise sofort erkennen. Und Inflation in Deutschland ist eben auch nicht per Gesetz durchsetzbar. Man inflationiert nicht auf Knopfdruck. Die Mechanismen der Währungsunion werden durch das vorliegende Buch verständlich erklärt und auch der Laie erkennt, was er vorher bereits ahnte: das Projekt Euro ist zum Scheitern verurteilt, da es sich einfach nicht regulieren lässt, es sei denn durch eine strangulierende Zentralgewalt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Starbatty der Entlarver:
Quer durch das Buch werden wir allen nur erdenklichen Argumenten begegnen, mit denen die vermeintlichen Euro-Retter derzeit die Bevölkerung ruhig stellen wollen. Starbatty entlarvt sie durch seine stringente und nachvollziehbare Argumentation. Dabei folgt er gerade nicht einem universitären Modelldenken, wo geschraubt wird, bis es passt, sondern bedient sich seines Wissens um volkswirtschaftliche Zusammenhänge und strickt in diese geschichtliche Beispiele ein, denn das Problem ist nicht neu und auch in der Volkswirtschaftslehre wird das Rad nicht alle zehn Jahre neu erfunden. Das hartnäckigste Argument, daß nur eine große Währungsunion Deutschland im Sturm der Globalisierung bestehen lässt, widerlegt Starbatty mit der treffenden Analyse, daß die Antworten auf die Globalisierung in den Betrieben selber gefunden werden müssen und nicht in einem Währungsverbund. Sonst müsste es ja Ländern wie Island (Wachstum 3% 2011), Schweden, Scheiz und Polen deutlich schlechter gehen. All diese Länder weisen durchgehend bessere Daten in Bezug auf Wachstum und Beschäftigung auf als die Euro-Zone und alle stehen einem Eintritt in die Euro-Zone ablehnend oder kritisch gegenüber.

Starbatty als „Über den Tellerrand-Hinausblicker“:
Stets sind die Zusammenhänge des Buches auch in den größeren Kontext der Weltwirtschaft eingebettet. Die Euro-Krise ist ja nicht die einzige Krise, vor der wir stehen. Aus den USA schwappt immer wieder die Finanzkrise zu uns rüber und auch die Verwerfungen zwischen den Leistungsbilanzüberschuss- und Defizitländern ist ein Dauerproblem, welches schon vor dem Euro existierte. Immer kann Starbatty den Zusammenhang herstellen und erläutert die trickreichen Verbindungen, die sich nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen geben. Ein gängiges Argument für den Euro ist z.B. dabei immer wieder die angeführte Inflationsrate, welche niedriger sei als zu Zeiten der D-Mark. Starbatty erläutert hierbei, daß a) die Inflationsrate in der Euro-Zone als „harmonisches Mittel“ die Inflationsexzesse in der Südzone ausblendet, die unter dem Gewicht des großen Sozialproduktes der starken Länder niveliert werden und b) sind die Inflationsraten unter der DM eben unter Produktionsverhältnissen zustande gekommen, in denen durch die gute Beschäftigungslage eben höhere Löhne durchgesetzt werden konnten und damit eine Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt wurden. Ebenfalls sind die Industriestaaten seit den 90ern einem starken Deflationsimport u.a. aus Asien ausgesetzt, der für eine niedrige Inflationsrate sorgt und uns dauerhaft mit billigen Importen versorgt. Man versteht nach der Lektüre, daß Inflationsrate nicht gleich Inflationsrate ist, und daß sich die Inflation (oder eigentlich die „Preissteigerung“, Inflation ist lediglich die Aufblähung der Geldmenge, die Preissteigerung die Folge davon) mit unterschiedlicher Geschwindigkeit durch unterschiedliche Sektoren „hindurcharbeitet“. So verstehen wir, daß die Zinsen in der Südzone lange Zeit negativ waren, da die Preis- und Lohnsteigerungsraten mit schnellerer Geschwindigkeit abgelaufen sind als die Zinsen für Kredite, die ja künstlich niedrig waren. Die exorbitanten Preissteigerungsraten haben sich wie ein Bohrer durch die Südländer gefressen und dabei eine gigantische Kapitalfehlleitung erzeugt, wie man an den Bauruinen in Spanien überdeutlich erkennen kann.
Starbatty ordnet die Zusammenhänge, trennt, was nicht zusammengehört und schafft die Verbindungen, die notwendig sind um das ganze Dilemma zu verstehen.

Starbatty der Mahner:
Aber es bleibt in dem Buch nicht nur bei der Analyse. Starbatty empfielt auch Wege aus dem Dilemma. Daß er hier nicht die rosa Brille aufhat versteht sich von selbst. Starbatty zeigt z.B. anhand des isländischen Beispiels (Insolvenz der Banken, Enteignung der Gläubiger, temporärer Abschied von den Finanzmärkten, Abwertung der isländischen Krone und interne Neuorganisation) daß ein Neustart möglich und notwendig ist. Er zeigt aber auch Wege auf, welche die Währungsunion nehmen könnte und weist auf die Konsequenzen hin. Dieser Abschnitt des Buches besteht erfreulicherweise nicht nur aus läppischen pro Forma Vorschlägen, sondern es werden mögliche Auswege aus dem gemeinsamen „Schuldensumpf“ aufgezeigt. Unter anderem geht er auf das "Omlette-Argument" ein, nach dem die Euro-Retter argumentieren eine Währungsunion sei wie ein Omlette und die verrührten Eier könnten nicht mehr voneinander getrennt werden. Natürlich kann ein Land austreten, wenn der langfristige Schaden eines Verbleibes im Omlette größer als der langfristige Nutzen ist. Wirtschaft ist immer ein "Omlette", wir geben unsere Arbeitskraft und unsere Ersparnisse in einen anonymen Markt hinein und kriegen Leistungen daraus wieder zurück. Wenn das Omlette aber anbrennt, dann muss jemand die Pfanne vom Herd nehmen. Starbatty scheut sich auch hier nicht vor unbequemen Antworten und zeigt Lösungen auf. Lösungen - die wie in Island vollzogen - nicht realitätsfern sind, sondern in der Währungsgeschichte immer nachweislich zum Erfolg und zur Heilung geführt haben. Und damit ist dieser Teil auch der spannendste des Buches.

Die vorliegende Darlegung kann daher jedem an dem Euro-Dilemma Interessierten empfohlen werden. Auch über die Euro-Krise hinaus erzeugt es Verständnis für Fragen der Währung, der volkswirtschaftlichen Kapitalbildung und Fehlleitung sowie den wirtschaftlichen Stürmen, die hin- und wieder über uns hereinbrechen, weil wir glauben, die Gesetze des Marktes hätten für Jeden Gültigkeit, nur nicht für uns….
99 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 27. Juni 2013
Starbatty hat alle Fakten auf seiner Seite, wenn er die von politischen Wunschvorstellungen geprägte Durchsetzung des
Euro und seine tatsächlichen ökonomischen Realitäten beschreibt. Das Buch ist nicht nur fachlich hochklassig, sondern dabei auch noch unterhaltsam.
4 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 3. August 2013
Stellt unsere Position und die Position der gesamten Eurozone in dieser von Lügen, Vertragsbrüchen, gebrochenen Versprechungen u. Ausflüchten geprägten Situation sehr realistisch u. nachvollziehbar dar.
Eine Person fand diese Informationen hilfreich
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am 21. April 2013
In seinem Vorwort fasst der Autor die Situation aus seiner Sicht zusammen. Es mag verwundern, aber der Autor hält Europa, sprich die alte Idee wie auch die Währung für rettungsfähig. Er fordert die Bürger auf, das zu schützen, was er meint, das es des Schutzes bedarf...das Recht, die Demokratie und ihr Vermögen.

An das Vorwort knüpfen sich vierzig von Hans Magnus Enzensberger zusammengestellte, für jeden einfach beantwortbare Fragen an. Die Antworten erschließen sich unschwer aus den letzten Drei-Jahren Euro-Historie (ketzerisch Euro-Hysterie).

Vorwort und Fragenkatalog machen knapp acht Seiten aus; wer zweifelt, ob er das Buch überhaupt mal in die Hand nehmen soll, mag sich dieses nicht umfangreiche Intro zu Gemüte führen.

In seinen fünf Kapiteln durchstreift der Autor die Geschichte der Währung von ihren Anfängen bis heute. Dies geschieht ausgesprochen sachlich, er poltert nicht, lässt an den Stellen, an denen man auch schreien könnte, stets gut dosiert Ironie, Sarkasmus oder Zynismus walten. Der Autor schreibt fundiert, stellt ökonomische Lehren und deren Begründer dar und mutmaßt, was die denn wohl zu dieser Geschichte sagen würden, wenn sie noch könnten. Genauso beleuchtet er die Politik zu den jeweiligen Zeiten, ihr Agieren, beschreibt die Rolle der Bundesbank und ihre schleichende Entmachtung zu Lasten der EZB und deren geplanter Mutation zu einer politikabhängigen Zentralbank a la France; und er lässt auch all die damit einhergehenden Halbwahrheiten, damit Betrügereien der Politiker gegenüber den Bürgern, also an uns, nicht unerwähnt.

Er wirft der Politik zu Recht unverhohlen Lügen bei der Einführung des Euro vor, mehrfach auch eingeräumten Rechtsbruch bei den wahnwitzigen Aktionen zur angeblichen Rettung der Währung. Wer erinnert nicht Steinbrücks in einem Spiegel-Interview auffindbaren Schandsatz: Das Recht (Maastricht, no bail out Klausel)zerschellte an den Klippen der Realität.

Der Autor fordert im Ergebnis nicht mehr, als dass sich restlos alle an das Recht zu halten haben; weil das schon lange nicht mehr geschieht, also Recht, hier u.a. Maastricht, zur Beliebigkeit verkommen ist, ist nicht nur die Demokratie gefährdet, weil ja alles vollkommen rechtsfrei nur noch dem Dackel, pardon, dem Euro geopfert werden kann und muss, womit dann letztlich, durch Inflation und Steuererhöhungen die Vermögen der noch vermögenden Bürger hoffnungslos aufgezehrt werden. Herr Dr. Starbatty ist mit diesem Vorwurf nicht alleine. Das im Jahre 2012 erschienen Buch des ehmeligen Verfassungsrichters Paul Kirchhoff

Deutschland im Schuldensog: Der Weg vom Bürgen zurück zum Bürger

liegt auf der identischen Ergebnislinie.

Wer geschichtlich noch tiefer in das Thema und dies aus britischer Sicht einsteigen will, mag sich mit der Anfang Januar 2013 erschienenen zweiten Auflage des excellenten Buches von Bernard Connolly The rotten heart of Europe beschäftigen.

Für mich das beste deutschsprachige, in jeder Beziehung verständliche Buch zur Geschichte und zur aktuellen Situation dieser uns aufgezwungenen Währung.

Nachtrag, August 2013...schaut euch das Video unter to google desolation euro an.....kommt von der Insel....so gut, so bestätigend!
17 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 1. April 2013
Mit das Beste, was man zum Thema aktuell zu lesen bekommt: Starbatty argumentiert lückenlos und widerspruchsfrei und absolut klar. Ein profunder Kenner der Materie, der auch für "Nichtökonomen" verständlich und spannend zu schreiben versteht und kein Blatt vor den Mund nimmt. Dieses Buch wirft ein klares Licht auf "nebulöse" Vorgänge im Zuge der Eurokrise. Höchst lesenswert.
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am 4. April 2013
Das Buch ist eine gute Aufklärung über alle Nachteile von Euro. Die sog. Euro-Retter haben Angst vor dem Wandel. Sie haben gemeinsam eine schwierige wirtschaftliche Konstruktion gebaut, die jetzt sich nicht kontrollieren lässt. Davor haben schon Wissenschaftler vor der Euro-Einführung (z. B. Milton Friedmann) gewarnt. Das ist selbstverständlich, weil sie einfache ausprobierte ökonomische Regeln ignoriert, wie früher die kommunistische Planwirtschaft. Es gab nur politische Gründe, Visionen eines starken Europa als Block, quasi ein Staat und Gegengewicht gegenüber anderen Großmächten. Die Euro-Retter sind tatsächlich nur Wächter einer kranken Konstruktion, Hüter von Status quo. Sie versuchen ganze Zeit Löcher zu flicken, weil sie Angst haben alles radikal zu verändern, d.h. zu nationalen Währungen zurückzukehren. Sie wissen, dass sie eine Pandora Buchse öffnen können und dabei wäre ihre Macht verloren. Aber je länger warten sie, desto mehr verschlimmert sich die Lage. Ein gefährlicher, aber viel versprechender Wandel ist jedoch notwendig. Das Buch ist für jeden kritisch denkenden Bürger zu empfehlen.
St. S.
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am 4. April 2013
Über die Eurokrise ist schon viel berichtet und geschrieben worden, es ist praktisch so, wie Karl Valentin es auf den Punkt brachte: "Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen." Vielfach wurde mit Polemik nicht gespart und wem die Sachargumente ausgingen, der schreckte mitunter auch vor persönlichen Diffamierungen nicht zurück. Eigentlich will man davon nichts mehr hören. Leider ist es aber nun einmal so, dass die Krise noch nicht vorüber ist, sondern ganz im Gegenteil ihre volle Entfaltung wohl noch vor uns zu liegen scheint. Was also tun? Sachliche Informationen, Abwägen aller Alternativen (die es tatsächlich gibt) und ehrliche Antworten sind meines Erachtens die einzigen Möglichkeiten, die hier zielführend sind. Vor diesem Hintergrund halte ich den Titel des neuen Buchs von Joachim Starbatty für verfehlt: "Tatort Euro", das klingt nach einem Kriminalfall, also irgendwie nach Polemik. Aber gerade das ist das Buch nicht, es ist im Gegenteil eine sehr sachliche Analyse und ehrliche Bestandsaufnahme des "Experiment Euro". Vielleicht wäre das der treffendere Titel, vor allem da der Autor emeritierter Professor für Volkswirtschaftslehre ist.

Besonders gut gefällt mir die ganzheitliche Herangehensweise des Autors. In der Eurokrise gibt es keine einfachen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge und ohne Kenntnis der historischen, politischen und monetären Hintergründe sind die Krise, deren Ursachen und mögliche Auswege nicht zu verstehen: Globalisierung, Staatsschulden, Geldtheorie, Machtpolitik und weitere Aspekte spielen eine wesentliche Rolle. Joachim Starbatty gelingt es sehr gut, diese komplexen Zusammenhänge anschaulich darzustellen, besondere ökonomische Kenntnisse sind für das Verständnis jedenfalls nicht erforderlich. Er analysiert die Argumente für unterschiedliche Lösungswege und erörtert deren mögliche Folgen. Dem Leser wird recht schnell klar, dass sich die Politik derzeit auf dem Holzweg befindet. Er legt aber nicht nur den Finger in die Wunde, sondern erläutert auch mögliche Alternativen, wie zum Beispiel eine Konsolidierung der Eurozone.

Einen schmerzlosen Heilungsprozess gibt es aus der Eurokrise nicht, auch für uns Deutsche nicht, die wir bisher aufgrund unserer wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit durch eine starke mittelständische und industrielle Basis noch fast krisenfrei sind. Die Krise wird aber auch uns einholen. Es ist daher an der Zeit, die Weichen auf eine sich positiv hinentwickelnde Zukunft zu stellen, gegen das ihre Besitzstände wahrende Beharrungsvermögen der etablierten politischen und ökonomischen Eliten – in einer Demokratie gibt es keine Alternativlosigkeit.
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TOP 1000 REZENSENTam 3. April 2013
Starbattys Darstellung ist für Politikinteressierte insgesamt gut verständlich. Nur für wenige Passagen sind Kenntnisse zu Währungstheorie und -politik erforderlich. Gut gefällt mir, daß Starbatty nicht nur volkswirtschaftlich argumentiert, sondern auch historische Hintergründe erläutert. Somit ist das Buch auch für Leser zu empfehlen, welche sich eher für die politischen und geschichtlichen Aspekte der "Eurokrise" (Starbatty sagt: "Eurozonenkrise") interessieren. Nur einen kleinen Mangel sehe ich: Man merkt, daß das Buch wohl relativ flott veröffentlicht wurde. In der 1. Auflage sind doch ein paar (weniger als eine Handvoll) Tippfehler und Unfeinheiten enthalten, die bei einem gründlichen Lektorat wohl korrigiert worden wären. Diese Fehler sind nicht gravierend und mindern den inhaltlichen Eindruck nicht. Für 20 Euro kann man aber eigentlich erwarten, daß Flüchtigkeitsfehler vor der Veröffentlichung korrigiert werden.
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TOP 1000 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 10. März 2014
Erdrückende Staatsschulden und eine anhaltende wirtschaftliche Talfahrt im Süden Europas ziehen die Euro-Zone nach unten. Der Autor, ein bekannter Volkswirtschafler und Kläger gegen den Brüsseler Euro-Wahn, benennt das Grundübel der Rettungspolitik: Man rettet Banken, aber keine Länder. Von der Politik sei keine Hilfe zu erwarten, der Bürger müsse selbst aktiv werden für Demokratie, Rechtsstaat und Freiheit. Noch steht Deutschland vergleichsweise gut da, aber was passiert, wenn die Brennpunkte Griechenland, Italien Spanien den Norden infizieren, wenn Deutschlands Milliarden nicht mehr reichen, die drohenden Staatspleiten im Süden zu verhindern? Starbatty meint, man müssen bei Wahlkreiskandidaten, Gewerkschaften und bei den Kirchen für eine alternative Politik werben, d.h. dem Austritt der Schuldenstaaten aus der Währungsunion, um sie so in die Lage zu versetzen, durch Abwertung ihrer dann wieder eingeführten nationalen Währung die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Hier stellt sich jedoch die Frage, wieviel Vernunft man bei den etablierten Kräften noch erwarten kann? Dem Autor, der sein Buch offensichtlich vor dem Aufkommen der „Alternative für Deutschland (AfD) verfaßt hat, kann man entgegenhalten, daß nun mit Hilfe dieser neuen Partei wenigstens theoretisch die Möglichkeit besteht, die geballte Ignoranz im Bundestag aufzumischen. Denn in diesem Punkt besteht bei Starbatty und AfD Einigkeit: Der Euro-Austritt kann kein Tabu sein. Der Kontinent befindet sich heute in einer Zerreißprobe, und schuld daran ist die Gemeinschaftswährung. Anhand des isländischen Beispiels (Insolvenz der Banken, Enteignung der Gläubiger, temporärer Abschied von den Finanzmärkten, Abwertung der isländischen Krone und interne Neuorganisation) zeigt der Autor, wie es besser gehen kann. Man muß nur wollen…
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