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TOP 500 REZENSENTam 5. April 2013
Es sieht nicht gut aus im Staate Deutschland, der hier zum Stadtstaat wird: „Und es klappt nicht, von außen zu sanieren, die Jungen merken das sofort, die ganze Stadt ist halber Schutt, komm reiß sie endlich ein!“ Jan Windmeier, Sänger der Flensburger Punkkombo Turbostaat schreit sich schon im ersten Stück des neuen Albums „Stadt der Angst“, dem fünften der Band, die Stimmbänder wund – ein „Fehler in der Konstruktion“, nichts zu machen, da hilft nur noch die Abrissbirne. Der Kniff, das Große auf’s Kleine herunterzubrechen, ist in der neueren deutschen Musikgeschichte ja so neu nicht, 1980 waberte bei den Fehlfarben der Grauschleier über der Stadt, der eigentlich das ganze Land im klammen Griff hielt, knappe zehn Jahre später philosophierte Blixa Bargeld mit seinen Einstürzenden Neubauten über das „Haus der Lüge“ („Gott hat sich erschossen, das Dachgeschoss wird ausgebaut“), Metaphernfestspiele.

Turbostaat ist die künstlerische Versinnbildlichung sonst eher fremd, als Freunde klarer Worte spielen sie wohl mal mit dem einen oder anderen Songtitel, im Text – auch dieser neuen Platte – allerdings regiert der Unmißverstand. Der Kampf gilt seit jeher der allgegenwärtigen Spießbürgerlichkeit („Psychoreal, ein Leben lang Kassenwart, psychoreal, Eierlikörgefangenschaft“/Psychoreal), der schleichende Verbräunlichung unserer Gesellschaft („Freie Wilde in euren Hallen, unterm Mantel die alte Idee“) und dem Betrug an der Jugend und der Kriegstreiberei („Und dann im Februar, auf dem Weg nach Kandahar, liegst du zitternd auf dem Boden, während andere ins Kino gehen“/Sohnemann Heinz) – Deutschpunk at it’s best.

Trotz aller ersten Wasserstandsmeldungen – ganz so anders als die vorangegangenen Alben ist auch „Stadt der Angst“ nicht geworden, von Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic, Fehlfarben) produziert, klingt die Platte etwas kantiger, organischer, auch dringlicher. Schwer außer Atem hetzt der Hörer zusammen mit der Band durch die zwölf meistenteils klassisch angelegten Gitarrenstücke, bestenfalls „Alles bleibt konfus“ fällt mit seinen leichteren Popmomenten etwas aus dem Rahmen, der Rest ist so düster und bedrohlich, wie es Zustandsbeschreibungen aus deutschen Landen nun mal sein können. Das gibt kein schönes, kein tröstliches Bild – „der Krieg ist nie vorbei, solange er sich lohnt“ – und doch sind derart schonungslose Zeilen jederzeit dringend erforderlich, der Stadtstaat ist ja schließlich noch bewohnt. mapambulo:blog
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am 12. Januar 2014
Mit „Stadt der Angst“ meldet sich eine der relevantesten Bands Deutschlands zurück – und zwar mit einem hervorragendem Album. Der Opener „Eine Stadt gibt auf“ wirkt beklemmend, Sänger Jan Windmeier begeistert erneut mit seinem eindringlichem Organ. Diese Art Gesang kann man auch nicht kopieren, man hört Turbostaat dadurch aus 1000 anderen Bands heraus. Song Nummer 2 lautet auf den Namen „Phobos Grunt“, und was auch immer dieser Titel uns mal wieder sagen soll – der Song ist absolut klasse, der Refrain großartig. Generell kann man sagen, dass die ersten 9 Songs dieser Platte herausragend sind, wobei ich hier die Single „Tut es doch weh“, „Fresendelf“ und „Alles bleibt konfus“ noch hervorheben möchte.

Gelegentlich bauen die 5 Nordlichter einige neue Elemente in ihren Sound ein, wie etwa den Anfang von „Alles bleibt konfus“, allerdings ohne ihren ureigenen Stil aus den Augen zu verlieren ( wie es z.B. Volbeat gerade tun ). Die Songs sind eindeutig Turbostaat und erinnern gelegentlich an ihre älteren Werke.

„Fresendelf“ ist das längste und auch ruhigste Lied der Scheibe. Diese Nummer besticht durch einen absoluten Sahne-Refrain, der mir jedes Mal eine Gänsehaut verpasst. Für mich der Höhepunkt dieser ohnehin schon starken Scheibe. In „Pestperle“ gibt es noch einen Seitenhieb auf Frei.Wild, die ja momentan in aller Munde sind, und hier harsche Kritik einstecken müssen.

Die limitierte Version des Albums bzw. auch die Vinyl-Ausgabe beinhalten jeweils 3 weitere Lieder, die allerdings nicht ganz die Klasse der anderen Songs erreichen.
Wer auf Deutschpunk steht, kommt an dieser Scheibe nicht vorbei. Dieses Album wird Turbostaats Status weiter ausbauen.
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am 12. Oktober 2014
Wenn Punkrock keine Phase mehr, sondern gründlich aufgesogene, zum Ethos gereifte Attitüde ist: „Stadt Der Angst“ von Turbostaat. Den Vertrag mit ihrem alten Label haben die Flensburger in Übereinstimmung gekündigt und ihr fünftes Album selbst finanziert. Was nach Berufsrisiko klingt, war für Turbostaat ein notweniger Schritt, um die Kontrolle über die eigene Arbeit wieder neu zu entfachen. „Stadt Der Angst“ ist aber dennoch kein musikalischer Neuanfang. Mit der erneuten Unterstützung von Produzent Moses Schneider setzt die Band ihre Überwindung von den üblich verdächtigen Punk-Parametern hin zu sauber ausformulierten Postpunk mit Indierock im Herz und der scharfen Hardcorekante in der Stimme Jan Windmeier`s fort. Wenn dieser halb gebrüllt, gesungen und gesprochen seine Texte über Konsum-generierte Schein-Zufriedenheit, Gentrifizierung und patriotischen Schlager-Hardrock aus Südtirol dem Zuhörer mürrisch entgegenbringt, erinnert das in seiner Intensität und Dringlichkeit an den jungen Peter Hein, der einst mit den Fehlfarben auf „Monarchie & Alltag“ die 70ger für abgemeldet erklärte und die „Neue Deutsche Welle“ mit-entstehen ließ. Auf „Stadt Der Angst“ zeigen Turbostaat dem Punk seine mögliche, subversive Energie auf. Aber nie als kredibile, Straßen erprobte Pose, sondern aus einer alltagsnahen, realistischen Perspektive. „Stadt Der Angst“: einen zeit-aktuelleren und reflektierteren Titel hätte eine Band wie Turbostaat nicht wählen können.
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am 23. Juni 2013
Für Turbostaat Fans kann man sagen, dass dieses Album eher wieder ein Schritt zurück zu "Vormann Leiss" oder "Flamingo" ist und deutlich weniger düster ausfällt als "Das Island Manöver". Turbostaat bleiben sich wie immer selbst treu und haben ein super Album im kleinen Label produziert. In der Amazon Edition sind 3 Lieder mehr drauf, die während des vergangenen Jahres auf den Touren "entstanden" sind, die absolut super sind, also auf jeden Fall entweder die LP kaufen oder diese Version.
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am 14. Oktober 2013
Die Texte sind wie immer von allererster Güte und auch musikalisch ist alles im Lot. Druckvoll auf Tempo, mit Nachdruck und Herzblut gesungen und gespielt (rasante Gitarren- und Bassarbeit, kann's beurteilen, spiele selber), übermäßige Härten werden vermieden. Wer engagierten Indie- /Deutschpunkrock schätzt, sollte unbedingt reinhören.
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am 26. August 2013
Ich bin quasi Langzeit-Fan von Turbostaat. Die bisherigen CDs kenne ich bereits zur Genüge und es stand für mich außer Frage, dass ich auch diese Scheibe wieder erwerben würde.

Beim ersten Durchhören fühlte ich mich gleich zu Hause - der gewohnte Turbostaat-Sound, Stimme, Gitarrenriffs .... einfach cool.

Nach mehrmaligem Hören muss ich jedoch konstatieren, dass dieses Album mehr als nur die logische Konsequenz aus den bisherigen Veröffentlichungen ist, also noch einen drauf legt und mit Abstand das Beste ist, was ich von Turbostaat je gehört habe.

Daher volle Kaufempfehlung für dieses Album. Ihr werdet euch ärgern, wenn ihr auf diese Scheibe verzichtet.
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am 10. Juni 2013
Diese Platte hat volle Punktzahl verdient, und wer Vormann Leiss mag, wird hier auch auf seine Kosten kommen.
Im Gegensatz zu vielen Bands mit deutschen Texten, hÃ'lt Turbostaat konstant hohes Niveau!
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am 17. Juli 2013
Diese "Scheibe" verfolgt mich seit Wochen aus allen meinen Playern. Selbst beim Einkaufen gehen mir die Melodien nicht aus dem Kopf. Mindestens so gut wie die Vormann Leiss.
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am 9. Januar 2014
Dieses Album ist unfassbar gut! Viel besser als diese Rezension! Ich kenne auch die anderen Alben und es reiht sich wunderbar ein! Kaufen!!
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am 7. Oktober 2013
Fünf Studioalben in 14 Jahren Bandgeschichte, bei TURBOSTAAT merkt man, hier geht es nicht um Quantität, sondern um Qualität. Vor allem die beiden Vorgänger “Vormann Leiss” und “Das Island Manöver” beweisen, dass es genau diese Maxime ist, hinter der die gebürtigen Flensburger stehen.

Jetzt aber auch genug vom Vergleich „Alte Scheiben / Neue Scheibe“, wen interessiert es auch schon, ob sich eine Band weiterentwickelt, wenn das Bisherige doch überzeugte?! Stillstand ist der neue Fortschritt und so machen TURBOSTAAT mit “Stadt der Angst” genau da weiter, wo sie mit “Das Island Manöver” aufgehört haben….fertig.

TURBOSTAAT haben auf “Stadt der Angst” einiges zu sagen und der Titel wurde nicht ohne Grund gewählt. TURBOSTAAT beweisen, dass Punk kritischer sein kann, als die Frage nach Dosenbier. Hier geht es um das angeknockte Deutschland und die Schreckensmeldungen, die durch das ganze Land, ob Klein- oder Großstadt, ziehen, Spießbürgerschaften, Zwänge und den Wunsch auszubrechen. Entsprechend düster fallen die Melodien und die Texte aus und ambivalent dazu treiben einem gewisse Wortkreationen und Songzeilen doch wieder ein Schmunzeln aufs Gesicht, „Eierlikörgefangenschaft“ finde ich einfach genial, weil ich sofort ein Bild vor Augen hatte, dass spießbürgerischer nicht sein kann. Ich denke, dass Texte von TURBOSTAAT traditionell dafür gemacht sind, dass jeder für sich selbst ein Bild zu den Songs / den Texten malt. Es kommt darauf an, aus welchem Blickwinkel man die Songs betrachtet, in welcher Situation man sich selbst befindet. Das macht es aus, so werden die Songs nicht langweilig, das ist Punk, so wie TURBOSTAAT ihn lebt. Diese Platte ist trotz ihrer Einfachheit kurzweilig und es lohnt sich wirklich, mehrere Durchgänge zu wagen, die Platte mal bei Seite zu legen, die Eindrücke sacken zu lassen, “Stadt der Angst” erneut zu hören und diese Eindrücke zu unterstreichen oder komplett über den Haufen zu werfen. Ich denke das macht diese CD aus, die Interpretation der Songs und Texte werden zur Quadratur des Kreises, davon lebt das Album.

TURBOSTAAT haben wieder ein gutes Album geliefert, sie bleiben sich treu, überzeugen wieder vor allem textlich mit ihrer puristischen aber doch tiefgründigen Ausdrucksweise. Hatten sie für mich lange die Monopolstellung in diesem Genre, so muss man aber auch feststellen, dass ihnen die Verfolger seit einiger Zeit auf den Fersen sind und der Abstand kleiner wird. Frau Potz, Marathonmann, Love A, Captain Planet sind nur einige Beispiele, dass die deutschsprachige Post-Punk/Post-Hardcore Bewegung auf dem Vormarsch ist. Das spricht vor allem für die deutschsprachige Musiklandschaft und nicht gegen TURBOSTAAT, die ich nach wie vor als Wegbereiter sehe. Ich leg das Album jetzt erstmal beiseite, ordne meine Eindrücke und werde nächste Woche schauen, was bei erneutem Hören passiert.
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