Fashion Sale Hier klicken Strandspielzeug Neuerscheinungen Cloud Drive Photos OLED TVs Learn More designshop Hier klicken Fire Shop Kindle Sabaton festival 16

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 16. März 2013
Im Mittelpunkt des Buches stehen zunächst die Grundsätze des John Maynard Keynes, der zu den bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts gehört. Die Autoren weisen dabei auf den Irrtum von Keynes hin, der annahm, dass unsere materiellen Begierden von Natur aus endlich seien. Und wenn diese irgendwann erfüllt seien, dann würden sich die Menschen von ihnen abwenden, um sich „höheren Zielen“ zu widmen.
Das Problem: Die bisherigen Erfahrungen, dazu gehören auch die aus der aktuellen Wirtschaftskrise, weisen eher darauf hin, „dass die materiellen Begierden keine natürlichen Grenzen kennen.“ Und sie nehmen sogar noch weiter zu, sofern wir sie nicht bewusst einschränken.

Der These der Autoren, dass der Kapitalismus gerade auf dieser grenzenlosen Expansion der Begierden basiert, kann ich uneingeschränkt beipflichten. Der Kapitalismus habe uns zwar Wohlstand über alle Maßen beschert, doch zugleich den größten Vorzug dieses Wohlstands weggenommen: das Bewusstsein, genug zu haben.
Das Buch erläutert sehr interessant, dass die Philosophen und Denker der Antike im Unterschied zu Keynes davon ausgingen, dass „der Erwerbstrieb immer zum Exzess neigt und seine Eingrenzung unweigerlich einen willentlichen Aufwand erfordert.“ Und selbst Epikur sei der Meinung gewesen, „dass Genuss am besten zu erreichen sei durch die Unterdrückung aller überflüssigen Begierden, einschließlich der Gier nach Reichtum.“ Doch leider wurde dieser Rat in der Moderne zu wenig oder nicht beachtet. So bleibt die bittere Erkenntnis, dass es im reinen Kapitalismus keine Impulse gibt, sich zu etwas Edlerem oder Höheren zu entwickeln.

Der Niedergang des Ideals von einem guten Leben sowie die heute fehlenden Verbote haben zu einer grenzenlosen Ausweitung der Begierden und zur Neigung zur Unersättlichkeit geführt. Verstärkend wirken zudem negative Eigenschaften wie Neid und Langeweile sowie unsere Fixierung auf Konsum und Arbeit.
Interessant ist zudem die Warnung, vom Wachstumsstreben zum Streben nach Glück überzugehen. Beide seien falsche Ideale. Denn das wahre Ziel als Individuen und als Staatsbürger sei es nicht „einfach glücklich zu sein, sondern Grund zum Glücklich sein zu haben.“ Verbunden sei dies mit folgenden Dingen: Gesundheit, Respekt, Freundschaft, Muße.

Das Buch zeichnet jedoch nicht nur eine düstere Vision, sondern lässt auch Hoffnung aufkeimen. Die Autoren formulieren als Aufgabe, dass wir uns „aus den Fragmenten der Weisheit, die uns geblieben sind, ob in Traditionen der Vergangenheit oder in unseren eigenen, tief begrabenen Intuitionen, ein Abbild des guten Lebens rekonstruieren.“ Sie fordern uns auf, darüber nachzudenken und uns darauf zu besinnen, wozu Geld und Reichtum da ist und was es heißt, ein gutes Leben zu führen. Und am Ende der Überlegungen muss eine kollektive Vision von einem guten Leben stehen.
Interessant: Die im Buch vorgeschlagenen Lebensentwürfe widersprechen den am höchsten geachteten ökonomischen Glaubenssätzen, weil sie auf eine Welt des Mangels ausgerichtet sind. Und weil es darum geht, den ganz armen Menschen weltweit dabei zu helfen, auf unser Niveau der allgemeinen materiellen Grundversorgung zu kommen. Zudem zielen die Vorschläge darauf ab, die gesellschaftlichen Einrichtungen so zu gestalten, dass sie das gute Leben begünstigen. Dazu gehört unter anderem, Lebensweisen entdecken, in denen das Geldverdienen nicht im Mittelpunkt steht.

+++++ Mein Fazit: Ein sehr lesenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt und den Mythos eines guten und grenzenlosen ökonomischen Wachstums aufräumt. Übrigens: Bezogen auf die Biologie des Menschen wachsen ab einem gewissen Alter nur noch Krebsgeschwüre grenzenlos - und die führen dann unweigerlich zum Tod, wenn man sie nicht stoppen kann.
0Kommentar| 48 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. Mai 2013
Ich habe dieses Buch durchaus interessiert und aufgeschlossen gelesen, und finde es grundsätzlich gut, dass derzeit einige Titel auf dem Markt sind, die sich dem Thema Kapitalismus, Lebensweise etc. annehmen.

Ich habe die ersten Kapitel gelesen, fand einige Abschweifungen zu Keynes etwas zu ausführlich, konnte dem Tenor aber weiterhin folgen. Etwas geschluckt habe ich allerdings bei der für mich persönlich naiven Aussage, man "müsse einfach daran glauben, dass der Mensch an sich kein faules Wesen sei", dass eine gewissen Struktur brauche, sondern alle könnten bei geänderten Bedingungen und weniger verpflichtender Arbeit für den Lebensunterhalt der Literatur, Philosophie und Muße fröhnen. Das wirkt auf mich wie eine sehr verklärte Sicht aus dem intellektuellen Elfenbeinturm der beiden Autoren. Mit der Lebenswirklichkeit einer Vielzahl von Menschen hat das aber nichts zu tun.

Ich hätte dies noch hinnehmen können, wären die Autoren dann nicht in Kapitel 5 dazu übergegangen, die komplette Umweltschutzbewegung samt und sonders als faschistische, religiöse Märchenbrüder hinzustellen. Sie begründen ihre Abwertung der gesamten Umweltschutzbewegung damit, dass sie einen Mann namens Klages zitieren, der bereits 1913 ein Schreckensszenario niederschrieb, in dem er seine Befürchtungen formulierte, dass der Mensch die (Um-)Welt zugrunde richten würde. Die Begründung der Autoren, dass dies ja nur Unsinn sein kann ist, dass sie sagen, Klages wäre Antisemit gewesen. Welchen Zusammenhang es zwischen diesen beiden Dingen geben muss, ist mir nicht klar. Die Tatsache dass jemand Antimsemit gewesen ist, heißt ja nicht automatisch, dass er ansonsten keinen vernünftigen Gedanken in seinem Leben gehabt haben kann. Dann wird von den Autoren aber noch weitergeschlossen, dass aufgrund dieses Klages, und weil er Antisemit war, und sich die Umweltschutzbewegung im Sinne seiner Gedanken zur Umwelt gegründet haben (es kann ja nicht sein, dass da einige andere Menschen auch unabhängig zu den gleichen Schlüssen gekommen sind...) alle heutigen Umweltschützer nicht ernstzunehmende, fanatissche Spinner sind, denen man vielleicht auch gleich noch den Antisemitismus unterjubeln kann.

Ich selbst gehe auch nicht mit allen Ansichten der Umwelschutzbewegung konform, aber deshalb gleich den kompletten Umweltschutz als unsinnig hinzustellen, und das auch noch mit Rassismus in Verbindung zu bringen, das war mir zu viel und vor allem zu undifferenziert. Und es passt einfach nicht zusammen, am Anfang des Buches selbst zu schreiben, man "müsse einfach glauben, dass der Mensch gut sei, und sich alle nur der Muße und der Literatur und dem Respekt widmen wollen", und dann gleichzeitig Klimaforscher, die wissenschaftlich arbeiten, als religiöse Gläubige ohne empirische Basis zu titulieren, wenn diese voraussagen, dass der Klimawandel negative Auswirkungen auf den Planeten haben wird.
Wäre ein wirklich guter Ansatz gewesen, leider haben sich die Autoren aber dann zu sehr in ihrem persönlichen philosophisch-intellektuellen Elfenbeinturm verloren und die gesamte Umweltbegwegung als Witz bezeichnet. Schade.
11 Kommentar| 60 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. August 2014
Das Thema ist hochaktuell. Die beiden Autoren vertreten die zwei wichtigsten Fachgebiete zu diesem Thema: Wirtschaftswissenschaften und Philosophie. Ihre Aussagen sind empirisch begründet und beziehen sich auf eine Vierlzahl an Quellen. Die Darstellungsweise ist klar, präzise und verständlich. Der Sti lebendig und ansprechend. Inhaltlich umfassend. Ihre Position ist gut begründet und keinesfalls ideologisch geprägt.
Fazit: Uneingeschränkt empfehlenswert. Das Beste was ich zu diesem Thema gelesen habe.
22 Kommentare| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 5. Juni 2013
Grundsätzlich kann ich den Ansichten der Herren Skidelsky größtenteils zustimmen. Die Auffassung, Glück und Erfolg an materiellem Besitz zu messen und Krisen mit dem Rezept „Mehr vom Gleichen“ meistern zu wollen, ist längst an ihre Grenzen gestoßen.

Warum also nur zwei Sterne? Weil sich das Buch in langatmigen wissenschaftlichen bzw. philosophiegeschichtlichen Exkursionen zu den Themen Glück, Reichtum, Wachstum etc. verliert. Aus diesen folgen dann Erkenntnisse, die dem Leser, der dieses Buch gekauft hat, vermutlich vorher schon bewusst waren.

Lediglich im letzten Kapitel (nachdem man sich durch ca. 240 Seiten Theorie gequält hat) folgen einige mehr oder weniger konkrete Ansätze zur Veränderung, die sich aber mehrheitlich auf Politik und Wirtschaft beziehen. Von beiden erwarte ich mir persönlich nicht viel.

Wer also philosophisch-wissenschaftliche Grundlagen sucht, um sein konsumkritsches Weltbild zu untermauern, findet diese wahrscheinlich hier. Wer aber nach Ansätzen sucht, was er/sie am eigenen Leben ändern kann, ist mit „Selbst denken“ von Harald Welzer sicher besser bedient. Letzteres Buch kann ich nur empfehlen.
0Kommentar| 20 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 18. Juli 2013
Das Buch der beiden Verfasser hat große Erwartungen bei mir geweckt. Besonders hat mich die Antwort auf die Frage interessiert, wie viel ist denn nun genug? Leider geben die Verfasser auf die von ihnen aufgeworfene Frage selbst keine Antwort. Solche Antworten werden auch nicht angedeutet.
Aus der Bedürfnispyramide ist bekannt, dass existenzielle Bedürfnisse, Essen, Trinken, Kleidung, Schuhe, Wohnung, Gesundheit, Mobilität, Bildung, Freizeit, Kultur u. v. a. m. das Leben der Menschen ausmachen. Einige davon erhalten den biologischen Lebensprozess, andere entwickeln sich mit der kulturellen Entwicklungsstufe einer Gesellschaft. Für beide können Entwicklungsländer, Schwellenstaaten und Industriestaaten, die sich wieder nach der Regierungsform unterscheiden, gegliedert werden.
Die Bedürfnisse lassen sich in Güter und Dienstleistungen zu deren Befriedigung unterscheiden und als die dazu erforderliche Geldsumme einschließlich eines Notfonds. Schon damit können verschiedene Lebensmodelle diskutiert werden. Maßstab sollte jedoch nicht die massenhafte Verschwendung von Ressourcen und Arbeit in den Industriestaaten sein. Andererseits muss die Reduzierung der Verschwendung durch Verderben der Lebensmittel und solcher Güter, die durch Moden bzw. schnellen Modellwechsel veralten und damit unbrauchbar werden, auf die Wachstumserwartungen einer Marktwirtschaft außerordentlich deutliche Rückwirkungen haben. Anders ausgedrückt: Die Frage: Wie viel ist genug?, ist eine starke Position gegen die Marktwirtschaft. Auch diese Position ist nicht ausgearbeitet.
Was war positiv? Die Autoren, R. und E. Skidelski knüpfen an alte philosophische Auffassungen der Griechen vor mindestens 2.300 Jahren an. Es scheint fast so, dass heute die gleichen Fragen wie damals interessant werden. Warum ist das so?
Im Hinblick auf die ungelösten Menschheitsfragen ist das auch gar kein Wunder und wird uns wohl die nächsten Jahrzehnte weiter beschäftigen. Diese Beschäftigung wird dann wieder zu neuen Büchern führen. Ob diese Bücher mehr Antworten geben oder mehr Fragen offen lassen muss sich dann erweisen.
Meine eigenen Arbeiten zur Wirtschaftslehre werden Antworten auf die gestellten Fragen nur im Kontext geben. Ein moralischer Appell wird damit nicht verbunden sein.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. März 2013
Neben dem ebenso grandiosen und wertvollen Bestseller "Der grösste Raubzug der Geschichte - warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden" ist dieses Werk von Vater und Sohn ein wegweisendes und wichtiges Buch über unsere wirtschaftliche Zukunft. Diese zwei Bücher läuten einen Epochenwandel ein. Jeder sollte diese zwei Meisterwerke lesen.

Ewiges Wachstum gibt es nicht und nicht Geld arbeitet, sondern Menschen arbeiten!
Es ist an der Zeit, daß wir uns vom den Gedanken des ewigen Wachstums verabschieden zu all unserem Besten. Weniger ist mehr! Vielleicht hatte Keynes doch recht, daß wir irgendwann nur noch 15 Stunden in der Woche arbeiten müßen und trotzdem davon gut leben können.

Fakt ist: Es muß was geändert werden. Das momentane System in seiner jetzigen Form ist für jeden offensichtlich gescheitert. Dieses wertvolle Buch trägt einen wichtigen Teil dazu bei und ich hoffe, daß möglichst viele Menschen dieses Buch lesen und umsetzen.

4 Sterne, weil das Buch nicht immer flüssig und gut zu lesen ist und weil ein paar Punkte zu weit hergeholt sind. Von der Aussage ist es aber definitiv richtungsweisend.
33 Kommentare| 14 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 24. April 2013
Was lief eigentlich schief? Keynes, so die Autoren, Vater und Sohn Skidelsky, sah für die entwickelten Länder noch die Möglichkeit einer rosigen Zukunft voraus. Er ging davon aus, dass Bedürfnisse an einem bestimmten Punkt befriedigt sind, es also keines endlosen Wachstums bedürfe. Bedenken hatte er einzig in Bezug auf eine Art von Bedürfnissen, die auf Statusabsicherung abzielen, bzw. sich aus dem Ehrgeiz, anderen etwas voraus zu haben, ergeben. Der moderne Kapitalismus hat jedoch eine Dynamik entwickelt, die über all das weit hinaus geht. Nicht zuletzt täte hier eine gigantische Werbeindustrie ihr Werk, die den Konsumenten immer neue Produkte und Dienstleistungen schmackhaft macht. Doch auf diese Weise opfern Menschen immer mehr Lebenszeit, um alle möglichen materiellen Dinge anzuhäufen bzw. die restliche Freizeit mit Entertainment auszufüllen und kommen doch nie an den Punkt, wo sie mit ihrem Leben zufrieden sind.

Letztendlich macht das derzeitige System niemanden wirklich glücklich. Ist das Streben nach Glück deshalb nicht eine geeignete Triebkraft für eine Wende zum Positiven? Nur bedingt, meinen die Autoren. Zwar gibt es mit der ökonomischen Glücksforschung mittlerweile sogar eine akademische Sparte, die mit umfangreichen Erhebungen zu belegen scheint, dass wachsender Wohlstand tatsächlich nicht mit wachsendem Wohlergehen einhergeht (World Value Survey, Easterlin-Paradox). Doch wird dies durch Forschungen infrage gestellt, die zu dem Ergebnis kommen, dass Lebenszufriedenheit mit wachsendem Einkommen bzw. materiellem Wohlstand zwar nicht linear steigt, wohl aber in einem logarithmischen Verhältnis. Natürlich - dies erweist sich bestenfalls in einer bereits sehr materialistisch" orientierten Gesellschaft als zutreffend, aber Fakt ist: so etwas wie einen Konsens gibt es auf diesem Feld nicht.

Ganz ähnlich verhalte es sich mit dem Plädoyer für ökologische Nachhaltigkeit. Auch hier gibt es immer lauter werdende Stimmen, die die These einer menschengemachten Erderwärmung als Mythos bezeichnen. Soweit Klimaveränderungen überhaupt stattfänden, seien diese naturbedingt, etwa durch unterschiedliche Sonnenzyklen. Ebenso gibt es in der Ressourcenfrage Kontroversen, v.a. auch die weit verbreitete Ansicht, dass gerade das in Gang bleiben der Wirtschaftsmaschinerie die Chance der Entwicklung innovativer, umweltfreundlicher Technologien und Produkte garantiere.

Ein gesellschaftlicher Kurswechsel, so die Autoren, könne bzw. dürfe u.a. aus diesen Gründen nicht mit utilitaristischen Argumenten motiviert werden, sondern mit moralischen. Eine grundlegende Umorientierung wäre auch dann angeraten, wenn Ressourcenknappheit noch keine übermäßige Brisanz hätte. Es müsse ganz einfach eine Fokusverschiebung stattfinden: Nicht fortwährendes Wachstum, himmelstürmender Fortschritt, das ewige Höher-Schneller-Weiter verleihen der menschlichen Existenz Sinn, Würde und Erfüllung. Es geht darum, sich neu darüber klar zu werden, was das Leben tatsächlich lebenswert macht. Von dieser Warte aus erfahren wirtschaftliche Fragen dann eine angemessene Zuordnung und Gewichtung.

Was gehört für die Autoren zu einem guten Leben? Sehr gut nachvollziehbar formulieren sie folgende Hauptziele: Gesundheit, Sicherheit, Persönlichkeit, Respekt, Freundschaft. Darin enthalten sind bereits verschiedene Unterziele, bspw. ausreichende Ernährung beim Faktor Gesundheit, Freiheitsrechte, Bildung, Muße für die Entfaltung und Entwicklung der Persönlichkeit. Zur Umsetzung ihres Programms reflektieren sie u.a.folgende Maßnahmen: ein bedingungsloses Grundeinkommen, Entglobalisierung, Einschränkung von Werbung, Gesetzgebung gegen Luxus - wie einst unter Solon oder auch bei den Römern.

Gegen Ende des Buches werfen die Skidelskys die Frage auf, ob ein gesellschaftliche Wende ganz ohne die inspirierenden und Gemeinschaft stiftenden Kräfte der Religion vonstatten gehen könne. Sie kommen zu dem Schluss, dass dies schwer vorstellbar wäre. Die meisten liberalen Reformer des 19. und 20. Jahrhunderts seien Christen gewesen.

Das Buch ist interessant und anregend, doch mit seinem paternalistischen Staatsverständnis typisch europäisch. Es ist schwer vorstellbar, wie eine so radikale Umgestaltung wie sie die Autoren im Sinn haben, von oben her - zumal im nationalen Alleingang in einer globalisierten Welt - funktionieren könnte. Schon eher scheint Veränderung bottom up denkbar, auf der Grundlage eines immer mehr Menschen erfassenden, allmählichen Bewusstseinswandels an der gesellschaftlichen Basis. Und tatsächlich gibt es ja bereits einen Trend zu verantwortungsvollem Konsumentenverhalten, ethischem Investment, Crowd Funding, Eigeninitiative und ehrenamtlichem Engagement, Unternehmertum, das sich an solidarökonomischen Konzepten orientiert usw. Auf diese Art könnten tatsächlich tragfähige neue Strukturen wachsen, welche ökonomische Stützpfeiler, die gegenwärtig noch unerlässlich scheinen, entbehrlich machen, Produktionsmuster infolge bewussterer Nachfrage verändern, ohne Unternehmen zu zerstören oder auch sozialstaatlichen Aufwand reduzieren, da Menschen besser in Netzwerke nachbarschaftlicher bzw. ehrenamtlicher Hilfe eingebunden sind. Ohnehin können in einer Demokratie nur auf diesem Weg Mehrheiten für so grundlegende politische Kurskorrekturen, wie sie die Autoren im Sinn haben, entstehen.
0Kommentar| 10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 15. August 2013
Diese Denktradition als Ideal eines maßvollen Lebens gab es schon in zurück liegenden Epochen.
Insofern nichts neues, aber aktuell zu den derzeitigen "Wachstumsdiskussionen" in eine neue Betrachtunsweise gerückt.
Neu auch, dass ein Ökonom und Philosoph in einer gemeinsamen Buchform beschreiben und empfehlen, wie man zur Rückkehr des Maßhaltens und eines vernüftigen wirtschaftlichen Verhaltens finden kann.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. September 2013
Der Titel klang in meinen Ohren vielversprechend, bin ich doch selbst seit Jahren dabei, der dumpfen Konsumhaltung den Kampf anzusagen und ein wirklich gutes Leben anzustreben. Entgegen meiner Erwartungen fand ich den Schreibstil enttäuschend, noch schlimmer aber den Inhalt. Da wird ein Grundeinkommen befürwortet (optional sogar als Einmalzahlung), ohne zu erläutern, wie die Mittel dazu erwirtschaftet werden sollen. Ein Verschwenden durch die Begünstigten wird in Kauf genommen mit Verweis darauf, dass auch schon Erben das Vermögen ihrer Vorfahren vergeudet hätten.
Als eine der essentiellen Zutaten zu einem guten Leben wird Respekt im Sinne von Würde aufgeführt, was ich noch leicht nachvollziehbar finde und nicht unbedingt ein Buch dazu gebraucht hätte. Bei folgendem Satz jedoch bin ich völlig anderer Meinung "Man kann große Zuneigung zu einem Hund haben, wird ihm aber weder respektvoll noch respektlos begegnen." (S.213/214)
Ich zolle beispielsweise einer Amsel, die ihre Brut ohne fremde Unterstützung groß zieht sicher mehr Respekt als manchem menschlichem Individuum, das sich selbst um jeden Anspruch von Respekt gebracht hat. Die respektlose Behandlung von sogenannten "Nutz"-Tieren finde ich zum Verzweifeln. Im Buch wird zwar die Sklaverei als Beispiel für die vollkommene Verweigerung von Respekt angesprochen, die Brücke zum Umgang mit anderen fühlenden Mitgeschöpfen aber nicht geschlagen. Fazit: Ein ganz und gar uninspirierendes Buch, das sich nicht mal angenehm liest.
22 Kommentare| 10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Wenn es um Wirtschaftspolitik geht, dann hört man immer wieder, wie unverzichtbar das wirtschaftliche Wachstum ist, genauso wie eine gute, sich immer weiter steigernde Nachfrage nach Konsumgütern. Das schafft und sichert Arbeitsplätze, bringt allgemeinen Wohlstand und führt dazu, dass wir uns letztlich alle wohlfühlen. Und die Alternativlosigkeit dieser Zusammenhänge ist ja wohl auch jedem bekannt, oder etwa doch nicht?

Die beiden Skidelskys jedenfalls, der Vater Robert ist Wirtschaftshistoriker, sein Sohn Edward Philosophieprofessor, wagen es die Frage nach dem guten Leben wieder in den Mittelpunkt zu stellen und dann von hieraus zu fragen, wie eine Ökonomie aussehen müsste, die diesem guten Leben letztlich dient und es zur vollen Entfaltung bringt. Nach ihrer Analyse verstellen wir uns das gute Leben durch zu viel Konsumrausch und zu wenig Muße, durch Gier, die sich schon längst von unseren wirklichen Bedürfnissen gelöst hat. Um unsere Ökonomie neu zu justieren, identifizieren sie Basisgüter, die ihrer Meinung nach die Grundlage für ein gutes Leben bilden und an denen sich unser wirtschaftliches Handeln orientieren sollte. Diese Basisgüter – die sie durchaus als ergänzungsfähig ansehen - sind für sie: Gesundheit, Sicherheit, Respekt, Persönlichkeit, Harmonie mit der Natur, Freundschaft und Muße. Die Basisgüter sind für die Autoren nicht nur universell gültig und für ein gutes Leben unbedingt notwendig, sondern auch gut an sich, also nicht bloßes Mittel um etwas anderes zu erreichen. Außerdem sind sie sui generis, d. h. sie sind nicht Bestandteil anderer guter Dinge (so ist zwar z. B. Freiheit von Krebs ein finales und universelles Gut, aber es ist nicht sui generis, denn es ist Bestandteil des höheren Gutes Gesundheit). Schließlich sind alle Basisgüter für ein gutes Leben unersetzlich. Die Folgerungen daraus für eine neue Ökonomie bestehen dann für die Autoren vor allem in der Einsicht, dass es nicht mehr um eine immer stärkere Maximierung individueller (Schein-)Bedürfnisse gehen sollte, sondern der Einzelne sollte sich wieder mehr als Teil einer Gesamtheit betrachten. Als durchaus wegweisend sehen die Autoren in diesem Zusammenhang insbesondere die katholische Soziallehre an. Durch den Niedergang des Religiösen und eine individualistisch verengte Ökonomie würden wir uns ihrer Meinung nach letztlich unserer ethischen Sprache berauben. Sie fordern von der Wirtschaft, dass sie ausreichend Güter und Dienstleistungen für unsere Grundbedürfnisse bereitstellt und uns einen guten Lebensstandard ermöglicht. Zugleich müsse aber der dafür benötigte Arbeitsaufwand beträchtlich reduziert werden, damit die Menschen wieder mehr Zeit für die rechte Muße haben. Zu sorgen wäre für eine gleichmäßigere Verteilung von Vermögen und Einkommen. Und mehr Gewicht sei auf Lokalität, statt auf Zentralisierung und Globalisierung zu legen. Dabei treten sie für einen gemäßigten Paternalismus ohne Zwang durch den Staat ein, der durchaus ein Recht dazu habe, die Basisgüter zu fördern, allerdings ohne dabei das Basisgut der Persönlichkeit zu verletzen. Um ihr Programm zu verwirklichen, erhoffen sie sich die Schützenhilfe der Religionen, denn ohne sie sei es doch sehr zweifelhaft, ob die große Wende gelingen könne.

Das Buch der beiden Skidelskys steigert sich von einem zwar durchaus interessanten, aber irgendwie doch gemächlichen Überblick über die Theoriegeschichte rechter Ökonomie hin zu ihrem spannenden Gegenentwurf einer Ökonomie, die das Ziel des guten Lebens hat. Vater und Sohn untermauern dabei ihren visionären Entwurf immer wieder mit harten Fakten und haben meinen Blick in der Tat geweitet. Allerdings hatte ich manchmal das Gefühl, das sie auch hin und wieder ein bisschen in den Bereich des Utopischen abdriften. Das gute Leben wieder in die Mitte zu stellen finde ich aber wirklich einen guten und inspirierenden Ansatz.

Ein kämpferisches und auch sehr mutiges, wichtiges Buch, das ich gerne gelesen habe.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Gesponserte Links

  (Was ist das?)