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TOP 500 REZENSENTam 14. März 2008
Auch Richard Wagners geniale Frühoper "Der fliegende Holländer" hat zahlreiche Einspielungen auf Tonträger erfahren. Dazu zählen so berühmte Aufnahmen wie die von Fricsay (DGG), Dorati (Decca), Sawallisch (Philips) und Klemperer (EMI).
Die hier von Berlin Classics wieder vorgelegte Produktion aus dem Jahr 1960 hat ebenfalls viele Vorzüge aufzuweisen. Sie entstand in der (West-)Berliner Grunewaldkirche mit gesamtdeutschen Kräften, knapp ein Jahr vor dem Mauerbau. Es war eine Co-Produktion zwischen ELECTROLA Köln und dem VEB Deutsche Schallplatten Berlin.
Franz Konwitschny (1901-1962), der Dirigent der Aufnahme, ist wegen der damaligen verzwickten politischen Situation im Westen viel zu wenig bekannt geworden. Das ist bedauerlich, denn er war ein Künstler von hohen Graden und als Dirigent des deutschen Repertoires über viele Jahre eine der tragenden Säulen in Dresden, Leipzig und Ostberlin. Wagners geniales Frühwerk gestaltet er mit eher verhaltenen Tempi und weiten Spannungsbögen, mehr die lyrischen als die dramatischen Aspekte der Partitur betonend. Die Themen und Strukturen der Oper werden sorgfältig und glasklar herausgearbeitet. Dazu standen ihm hervorragende Kräfte, nämlich der Chor der Berliner Staatsoper sowie die Staatskapelle Berlin, zur Verfügung. An keiner Stelle ist ein Abfallen der Spannung festzumachen, beide Formationen leisten glänzende Arbeit.
Eindeutiger Mittelpunkt der Aufnahme ist Dietrich Fischer-Dieskau. Er gestaltet die Titelfigur im Bewußtsein seiner sängerischen Möglichkeiten nicht sonderlich kraftvoll, verleiht ihr aber dafür geradezu transzendentale Züge und entwirft damit ein faszinierendes Psychogramm des bleichen Seemanns. Jede Phrase, jede Note wird nicht nur tonschön gesungen, sondern mit höchster Intelligenz gestaltet. Auch der Daland von Gottlob Frick verdient Bestnoten. Der Sänger besaß eine der schönsten Baßstimmen des 20. Jahrhunderts; im Wagner-Fach war er seit früher Jugend zu Hause, und das bringt auch dieser Aufnahme zusätzlichen Gewinn. Der junge Fritz Wunderlich läßt in der kleinen Rolle des Steuermanns schon ahnen, zu welchen großartigen Leistungen er befähigt war. Sein herrlicher Tenor erhebt den Steuermann fast in den Rang einer Hauptrolle. Sieglinde Wagner war eine grundsolide Sängerin und bewährt sich auch hier wieder als Mary. Es ist schade, daß sie kaum je von der Plattenindustrie ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt wurde. Nur wenige, meist nicht sehr attraktive Nebenrollen wurden ihr übertragen.
Als Senta kam Marianne Schech zum Einsatz, und sie ist der eigentliche Schwachpunkt dieser Aufnahme. Sie kann weder stimmlich noch darstellerisch mit ihren Kolleginnen Leonie Rysanek (Decca), Anja Silja (EMI) oder Astrid Varnay (Decca) ernsthaft konkurrieren. Ihrer Stimme fehlt es einfach an Leuchtkraft, und auch schauspielerisch bleibt ihre Leistung eher schwach. Die Partie des Erik zählt gottlob nicht zu den tragenden Rollen, so daß Rudolf Schock mit seinen ewigen Höhenproblemen und seinem mangelnden Stimmglanz nicht allzu viel verderben kann. Warum hat man keinen Sänger vom Format eines Wolfgang Windgassen heranziehen können? Schock wurde eigentlich immer überschätzt, aber als Wagner-Sänger war er doppelt fehl am Platze. Schech und Schock haben den fünften Stern für diese ansonsten ausgezeichnete Aufnahme leider verhindert.
Dirigent, Chor und Orchester habe ich weiter oben bereits mit Lob bedacht, und von den gemachten Einwänden abgesehen verkörpert diese Aufnahme beste deutsche Operntradition, wie sie an den führenden Häusern im deutschen Sprachraum zu dieser Zeit noch Standard war.
Die Aufnahmetechniker haben gute Arbeit geleistet. Der Produzent Fritz Ganss und sein Team haben für eine klare, gut gestaffelte klangliche Umsetzung des Werkes Sorge getragen. Die Stereowirkung ist imponierend. Ein schön illustriertes Textheft mit dem vollständigen deutschen Libretto liegt bei, und so kann man das preisgünstige 2 CD-Album im modernen Digipack jedem Opernliebhaber bedenkenlos empfehlen.
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Auch Richard Wagners geniale Frühoper "Der fliegende Holländer" hat zahlreiche Einspielungen auf Tonträger erfahren. Dazu zählen so berühmte Aufnahmen wie die von Fricsay (DGG), Dorati (Decca), Sawallisch (Philips) und Klemperer (EMI).
Die hier von Berlin Classics wieder vorgelegte Produktion aus dem Jahr 1960 hat ebenfalls viele Vorzüge aufzuweisen. Sie entstand in der (West-)Berliner Grunewaldkirche mit gesamtdeutschen Kräften, knapp ein Jahr vor dem Mauerbau. Es war eine Co-Produktion zwischen ELECTROLA Köln und dem VEB Deutsche Schallplatten Berlin.
Franz Konwitschny (1901-1962), der Dirigent der Aufnahme, ist wegen der damaligen verzwickten politischen Situation im Westen viel zu wenig bekannt geworden. Das ist bedauerlich, denn er war ein Künstler von hohen Graden und als Dirigent des deutschen Repertoires über viele Jahre eine der tragenden Säulen in Dresden, Leipzig und Ostberlin. Wagners geniales Frühwerk gestaltet er mit eher verhaltenen Tempi und weiten Spannungsbögen, mehr die lyrischen als die dramatischen Aspekte der Partitur betonend. Die Themen und Strukturen der Oper werden sorgfältig und glasklar herausgearbeitet. Dazu standen ihm hervorragende Kräfte, nämlich der Chor der Berliner Staatsoper sowie die Staatskapelle Berlin, zur Verfügung. An keiner Stelle ist ein Abfallen der Spannung festzumachen, beide Formationen leisten glänzende Arbeit.
Eindeutiger Mittelpunkt der Aufnahme ist Dietrich Fischer-Dieskau. Er gestaltet die Titelfigur im Bewußtsein seiner sängerischen Möglichkeiten nicht sonderlich kraftvoll, verleiht ihr aber dafür geradezu transzendentale Züge und entwirft damit ein faszinierendes Psychogramm des bleichen Seemanns. Jede Phrase, jede Note wird nicht nur tonschön gesungen, sondern mit höchster Intelligenz gestaltet. Auch der Daland von Gottlob Frick verdient Bestnoten. Der Sänger besaß eine der schönsten Baßstimmen des 20. Jahrhunderts; im Wagner-Fach war er seit früher Jugend zu Hause, und das bringt auch dieser Aufnahme zusätzlichen Gewinn. Der junge Fritz Wunderlich läßt in der kleinen Rolle des Steuermanns schon ahnen, zu welchen großartigen Leistungen er befähigt war. Sein herrlicher Tenor erhebt den Steuermann fast in den Rang einer Hauptrolle. Sieglinde Wagner war eine grundsolide Sängerin und bewährt sich auch hier wieder als Mary. Es ist schade, daß sie kaum je von der Plattenindustrie ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt wurde. Nur wenige, meist nicht sehr attraktive Nebenrollen wurden ihr übertragen.
Als Senta kam Marianne Schech zum Einsatz, und sie ist der eigentliche Schwachpunkt dieser Aufnahme. Sie kann weder stimmlich noch darstellerisch mit ihren Kolleginnen Leonie Rysanek (Decca), Anja Silja (EMI) oder Astrid Varnay (Decca) ernsthaft konkurrieren. Ihrer Stimme fehlt es einfach an Leuchtkraft, und auch schauspielerisch bleibt ihre Leistung eher schwach. Die Partie des Erik zählt gottlob nicht zu den tragenden Rollen, so daß Rudolf Schock mit seinen ewigen Höhenproblemen und seinem mangelnden Stimmglanz nicht allzu viel verderben kann. Warum hat man keinen Sänger vom Format eines Wolfgang Windgassen heranziehen können? Schock wurde eigentlich immer überschätzt, aber als Wagner-Sänger war er doppelt fehl am Platze. Schech und Schock haben den fünften Stern für diese ansonsten ausgezeichnete Aufnahme leider verhindert.
Dirigent, Chor und Orchester habe ich weiter oben bereits mit Lob bedacht, und von den gemachten Einwänden abgesehen verkörpert diese Aufnahme beste deutsche Operntradition, wie sie an den führenden Häusern im deutschen Sprachraum zu dieser Zeit noch Standard war.
Die Aufnahmetechniker haben gute Arbeit geleistet. Der Produzent Fritz Ganss und sein Team haben für eine klare, gut gestaffelte klangliche Umsetzung des Werkes Sorge getragen. Die Stereowirkung ist augezeichnet. Das beiliegende Textheft enthält das vollständige deutsche Libretto.
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am 23. April 2015
habe 4 einspielungen, 5 mal live gehoert - dies ist die beste, mit abstand. auch die klangqualitaet ist fuer eine historische aufnahme wirklich zufirednestellend.
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Nachdem mich Franz Konwitschnys Tannhäuser-Aufnahme von 1962 in ihren Bann gezogen hatte, wurde ich auf seine zwei Jahre jüngere Gesamteinspielung des Fliegenden Holländers aufmerksam. Erstaunlicherweise besteht eine faszinierende Kontinuität zwischen beiden Interpretationen.

Das Sängerensemble...

... ist in großen Teilen identisch: Gottlob Frick (später Landgraf Hermann) singt Daland und Marianne Schech (Venus) Senta, Fritz Wunderlich (Walther) singt den Steuermann und Dietrich Fischer-Dieskau (Wolfram) die Titelpartie, den Holländer. Nur Rudolf Schock als Erik und Sieglinde Wagner als Mary finden sich nicht bei der Tannhäuser-Aufnahme wieder.

Orchester und Chor...

... sind ebenfalls dieselben: Es spielt die Staatskapelle Berlin, und es singt der Chor der Deutschen Staatsoper Berlin. Beide demonstrieren nur 15 Jahre nach Kriegsende, daß sie an die großartigen Leistungen und die Tradition der Jahre zuvor anzuknüpfen vermögen.

Beste Voraussetzungen...

... also für einen Holländer, der aufhorchen läßt. Und diese Erwartungshaltung wird vollends befriedigt. Es sind einige der namhaftesten deutschen Sänger der Zeit versammelt, die zu Recht eine (goldenen) Generation des Wagner-Gesangs mitgeprägt haben. Das zahlt sich aus, wenngleich die Leistungen insgesamt eher lyrisch rund – im Sinne eines Gesamtensembles – sind, als daß sie extreme Glanzlichter an Charakterstudien bringen. So ist es dieses Ensemble, das sicherlich auch kleine Schwächen hat, aber mit seiner großartigen Homogenität besticht und damit für Ausgleich sorgt.

Hinzukommt ein Dirigent, der sich ganz dem Werk verschrieben hat und eine handwerklich ausgereifte Interpretation bietet. Der Begriff des Kapellmeisters klingt heutzutage fleischlos und mehr nach trockener Tätigkeit als nach Kunst, aber Konwitschny zeigt, was wirklich dahintersteckt: fachliche Reife und Ausgewogenheit sowie Wissen um die Seele des Werks. Deshalb gelingt ihm eine sehr stimmige Sicht der Seemannsoper. Die stürmische Seite des Werks kommt dabei ebenso markant zum Ausdruck wie die melodischen Momente oder die wuchtigen "Chornummern". Darüber hinaus beschert die Berliner Grunewaldkirche dem Mitschnitt – wie zwei Jahre später dem Tannhäuser – ein harmonisches, in meinen Augen angenehmes Klangbild.

Das Tolle dieser Aufnahme ist für mich die umfassende Balance der Interpretation, ohne daß dabei an Ausdruck gespart wird. Dieser Holländer ist künstlerisch aus einem Guß, in sich stimmig und überzeugend in den Leistungen seiner Beteiligten. Letztlich steht die Einspielung auch als ein exemplarisches Dokument für eine Zeit, in der es noch "rein" deutsche Produktionen gab, bevor der Musikmarkt sich vollständig internationalisierte.
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am 13. Juli 2012
So habe ich mir das vorgestellt! Zeitlos schön, Stimmen, die man zuordnen kann. Ein Abenteuer für die Seele. Welch eine Aufnahme!
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Nachdem mich Franz Konwitschnys Tannhäuser-Aufnahme von 1962 in ihren Bann gezogen hatte, wurde ich auf seine zwei Jahre jüngere Gesamteinspielung des Fliegenden Holländers aufmerksam. Erstaunlicherweise besteht eine faszinierende Kontinuität zwischen beiden Interpretationen.

Das Sängerensemble...

... ist in großen Teilen identisch: Gottlob Frick (später Landgraf Hermann) singt Daland und Marianne Schech (Venus) Senta, Fritz Wunderlich (Walther) singt den Steuermann und Dietrich Fischer-Dieskau (Wolfram) die Titelpartie, den Holländer. Nur Rudolf Schock als Erik und Sieglinde Wagner als Mary finden sich nicht bei der Tannhäuser-Aufnahme wieder.

Orchester und Chor...

... sind ebenfalls dieselben: Es spielt die Staatskapelle Berlin, und es singt der Chor der Deutschen Staatsoper Berlin. Beide demonstrieren nur 15 Jahre nach Kriegsende, daß sie an die großartigen Leistungen und die Tradition der Jahre zuvor anzuknüpfen vermögen.

Beste Voraussetzungen...

... also für einen Holländer, der aufhorchen läßt. Und diese Erwartungshaltung wird vollends befriedigt. Es sind einige der namhaftesten deutschen Sänger der Zeit versammelt, die zu Recht eine (goldenen) Generation des Wagner-Gesangs mitgeprägt haben. Das zahlt sich aus, wenngleich die Leistungen insgesamt eher lyrisch rund – im Sinne eines Gesamtensembles – sind, als daß sie extreme Glanzlichter an Charakterstudien bringen. So ist es dieses Ensemble, das sicherlich auch kleine Schwächen hat, aber mit seiner großartigen Homogenität besticht und damit für Ausgleich sorgt.

Hinzukommt ein Dirigent, der sich ganz dem Werk verschrieben hat und eine handwerklich ausgereifte Interpretation bietet. Der Begriff des Kapellmeisters klingt heutzutage fleischlos und mehr nach trockener Tätigkeit als nach Kunst, aber Konwitschny zeigt, was wirklich dahintersteckt: fachliche Reife und Ausgewogenheit sowie Wissen um die Seele des Werks. Deshalb gelingt ihm eine sehr stimmige Sicht der Seemannsoper. Die stürmische Seite des Werks kommt dabei ebenso markant zum Ausdruck wie die melodischen Momente oder die wuchtigen "Chornummern". Darüber hinaus beschert die Berliner Grunewaldkirche dem Mitschnitt – wie zwei Jahre später dem Tannhäuser – ein harmonisches, in meinen Augen angenehmes Klangbild.

Das Tolle dieser Aufnahme ist für mich die umfassende Balance der Interpretation, ohne daß dabei an Ausdruck gespart wird. Dieser Holländer ist künstlerisch aus einem Guß, in sich stimmig und überzeugend in den Leistungen seiner Beteiligten. Letztlich steht die Einspielung auch als ein exemplarisches Dokument für eine Zeit, in der es noch "rein" deutsche Produktionen gab, bevor der Musikmarkt sich vollständig internationalisierte.

(Das Begleitheft ist in deutscher und englischer Sprache.)
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am 27. Juli 2009
Nasser Dämon mit Charakter !

Ein dem Meer entsteigendes Ungeheuer, welches eigentlich schon tot ist und trotzdem schön singen kann, wirkt auf den ersten Blick etwas unglaubwürdig. Wir befinden uns mit Richard Wagner jedoch in der Zeit der Hochromantik, in der so ziemlich allem Leben eingehaucht wurde, was da kreuchen und fleuchen konnte. Ob es sich nun um singende Drachen handelte oder eben um Seeungeheuer.

Mit Dietrich Fischer- Dieskau hat man für diese Aufnahme nun einen Charakter- Bariton engagiert, der dem Unhold "Holländer" geradezu intellektuelle Züge verleiht. Ob gehaucht, geseufzt oder gestöhnt: Dietrich Fischer- Dieskau gibt seinen Figuren eine Authentizität, die in der Musikwelt ihres Gleichen sucht. Dabei ist es nicht die große Stimme, mit der er überzeugt. Sein großes Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten verleiht seinem Protagonisten Dramatik und seelischen Tiefgang in einem.

Im ersten Akt sind mit Gottlob Frick als Daland, Fritz Wunderlich als Steuermann und eben Dietrich Fischer- Dieskau drei kongeniale Musiker zu hören, die sich die musikalischen Bälle nur so zuspielen. Da rauschen die Wogen und klimpern die Seeräuberschätze !

Leider kann dieses Weltniveau im zweiten Akt nicht gehalten werden, da sowohl Marianne Schech als Senta, als auch Rudolf Schock als Erik nicht über die stimmlichen Mittel ihrer Kollegen verfügen. Beiden Sängern fehlt es an Jugendlichkeit in der Stimme, beide klingen etwas abgesungen. Trotzdem ist beiden eine gewisse Ensembletauglichkeit nicht abzusprechen, die nicht gerade einfachen Gesangsrollen werden zumindest intonationssicher dargebracht.

Aus diesen durchaus unterschiedlichen Sängern formt Franz Konwitschny nun ein derart homogenes Ensemble, dass man sogar geneigt ist, die kleinen stimmlichen Unpässlichkeiten zu verzeihen. Die musikalische Transparenz Konwitschnys ist für die Sechzigerjahre beispielhaft, die Exaktheit und Sauberkeit von Musikern und Sängern beeindrucken noch heute.
Die 4,5 Seesterne werden aufgrund der Charakterstärke des Rezensenten großzügig aufgerundet !
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am 30. Januar 2016
Ich war neugierig aufgrund der vielversprechenden Besetzung und war nach dem ersten Anhören beeindruckt. Ein Holländer aus einem Guss. Mit einer erstklassigen Sängerriege, gut besetzt für die jeweiligen Rollen und ohne Schwachpunkt. Besonders bemerkens- und hörenswert, wie Dietrich Fischer-Diskau den Holländer gestaltet, keineswegs rein liedhaft, sondern ausdrucksstark, präzise und gescheit. Ein ganz außergewöhnliche und überzeugende Rollengestaltung. Auch die anderen Partien sind kompetent besetzt. Gottlob Frick ist ein fabelhafter Daland mit seinem kräftigen, angenehmen Bass. Und den Steuermann hat man noch nie besser und präsenter gehört als von Fritz Wunderlich. Ein unglaubliches Hörerlebnis. Marianne Schech gibt eine sehr gute Senta (die Ballade ohne CD-Wechsel, wie bei so vielen anderen Einspielungen). Den Erik von Rudolf Schock finde ich durchaus akzeptabel, was ihm an strahlender Höhe fehlt, gleicht er mit einer schönen Mittellage aus. Insgesamt eine hochkarätige Sängerbesetzung, die gänzlich deutschsprachig ist - bei Wagner sicher kein Nachteil.
Der Dirigent Franz Konwitschny achtet auf einen ausgewogenen, eher weichen und lyrischen Orchesterklang, ohne die Feinheiten der Partitur zu vernachlässigen. Er sorgt mit seiner Gestaltung dafür, dass die Sänger stets präsent und verständlich sind und wirklich singen dürfen, ohne zu plärren. Bei wenigen Szenen könnte man sich vielleicht etwas mehr Orchesterpräsenz wünschen. Die Staatskapelle Berlin setzt die Oper aber ansonsten gekonnt in perfekten Wagnerklang um. Ein besonderes Lob gebührt dem Chor der Deutschen Staatoper Berlin: klangschön, dramatisch und von der Aufnahmetechnik perfekt eingefangen.
Eine Aufnahme, die man mit Genuss hören kann und die mit hochgelobten Einspielungen locker mithalten kann.
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am 22. März 2004
Ein wirklich grossartiger Holländer, der besonders durch hervorragende Sängerleistungen hervorsticht: Daland wird durch den m.E. besten Basssänger unserer Zeit, Gottlob Frick, einzigartig interpretiert. Ebenfalls ausgezeichnet Dietrich Fischer Dieskau, der einen in seiner Wärme und dann wieder Verzweiflung eindrucksvollen Holländer gibt. Auch die beiden Frauenstimmen der Senta durch M. Schech und Mary durch Sieglinde Wagner gefallen. Das Ganze wird zudem noch getoppt durch den unvergesslichen Fritz Wunderlich, der die "Nebenrolle" des Steuermanns unerreicht darbringt sowie einem guten Rudolf Schock als Erik. Alles in allem grosse Wagneroper mit einigen der besten Sängern für dieses Fach, unterstützt von einem frischen und schönen Orchesterspiel unter der Leitung von F. Konwitschny. Sehr zu empfehlen, da auch die Klangqualität sehr gut ist was nicht selbstverständlich ist, da die Aufnahme aus dem Jahre 1960 stammt.
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am 29. Februar 2004
Überragende Sängerleistungen verleihen dem in den 60er Jahren aufgenommenen "Holländer" seinen Rang. Dietrich Fischer-Dieskau in der Titelpartie kann alle seine Stärken ausspielen. Er artikluliert hevorragend, die Stimme ist variabel und ausdrucksstark. Besonders die Dämonie und Verzweiflung des Verdammten gestaltet Fischer-Dieskau fast erschütternd. Auf der Bühne wären ihm z. B. George London, Josef Metternich, Otto Edelmann und ein Hans Hotter, in jungen Jahren, überlegen gewesen. Diese Sänger waren alle stimmstärker und mehr "Bühnentiere" als der große Liedinterpret. Im Studio muß Fischer-Dieskau kaum forcieren und die Stimme künstlich groß machen, dadurch ist dieser Holländer eine seiner besten Leistungen im ach so schwierigen Wagnergesang.Die Krone gehört jedoch zwei anderen Sängern. Fritz Wunderlich als Steuermann und Gottlob Frick als Daland. Wunderlich singt mit seinem strahlenden Tenor einen in jeder Beziehung hinreissenden Steuermann. Es ist aber nicht nur die phänomenale Stimme. Mit jedem Ton ist Wunderlich der emotional-gewinnende jugendliche Liebhaber. Väterliche Rollen waren eine Domäne von Gottlob Frick. Daland ist bei ihm kein kupplerischer Schurke. Er verkörpert ungemein glaubhaft, den fürsorglichen, etwas naiven Vater, der das unerwartete Glück seiner Tochter sichern will. Fricks schwarzer und doch so warmer Baß ist für diese Rollenauffassung wie geschaffen. Er singt äußerst variabel und differenziert, dadurch wird die ganze Spannbreite dieser Figur fast suggestiv erlebbar. Wieder ein maßstabsetzendes Rollenporträt dieses großen Künstlers. Die ganze Menschlichkeit, die Frick auch als Privatmensch auszeichete, wird in seinen Vaterrollen grandios erlebbar. Der Schwachpunkt dieser Aufnahme ist die zwar korrekt singende aber viel zu mütterlich wirkende Senta von Marianne Schech. Die traumatische Schwärmerei der histerisch getriebenen Träumerin kann nicht vermittelt werden. Andere Interpretinnen dieser Rolle, wie Leoni Rysanek oder Anja Sillja waren Marianne Schech bei der Realisierung und Charakterisierung der Senta haushoch überlegen. Rudolf Schock ist ein markanter Erik. Franz Konwitschny verkörpert den stets soliden, verläßlichen Dirigenten alter Prägung. Obwohl er er die Romantik und auch Dramatik des Holländers voll aufblühen läßt, werden die Sänger von ihm quasi "auf Händen getragen" und niemals zugedeckt. Musiktheater im besten Sinne. Was ihm fehlt ist das glühende Feuer, die Leidenschaft, die ungeheure Intenität, die beispielsweise Georg Solti auszeichnete, der allerdings aus fast jeder Oper eine Sinfonie mit Stimmen machte, was häufig zu Lasten der Sänger ging. Ganz extrem im legendären Solti-Ring zu erleben.
Diese Holländer-Aufnahme wäre mit einer überzeugenderen Senta zur Referenzaufnahme geworden. Durch die fabelhaften sängerischen Leistungen von Wunderlich, Frick und auch Fischer-Dieskau erhält diese Aufnahme jedoch ihren hohen künstlerischen Rang und hat dadurch die Höchstwertung mit 5 Sternen verdient.
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