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Über die Manipulation der Seele durch 'digitale Alchemie', 'Zerlegung des menschlichen Selbst zum Zwecke besserer Ausbeutung', über die 'Mechanisierung des Menschen', die globalen Finanzmarktkörper, 'Marktstaaten' und die 'Mathematik des Eigennutzes'

Beurteilt nach der Menge der Informationen, die dieses Buch vermittelt, verdient es fünf Sterne, denn das Thema, das Schirrmacher zur Diskussion stellt, ist brisant. Der Titel deutet an, dass es sich um 'das Spiel des Lebens' namens 'Ego' handeln wird. Ich kenne diesen Begriff aus der Psychologie im Sinne von 'Egospielen' die auf dem Spielfeld der Beziehungen gespielt werden. Da wird Ego als ein Teil unseres Bewusstseins definieret, der sich auf Kosten anderer durchsetzen, sie kontrollieren und beherrschen will. Doch Schirrmacher gebraucht dieses Begriff in einem abgewandelten Sinne. Er versteht unter EGO einen virtuellen 'Doppelgänger' des Menschen, den er Nr 2. nennt, ein Wesen, das sich aus einem spieltheoretischen Modell entwickelt hat, das langsam die Kontrolle über den 'wahren Menschen' übernimmt und ihn, uns, in seelenlose Ego-Maschinen verwandelt, für die nichts zählt außer Nutzen und Profit.

Laut Schirmmacher kam die Spieltheorie beim Kalten Krieg zum Einsatz. Nach Wikipedia ist die Spieltheorie ein Teilgebiet der Mathematik und wird zu den Wirtschaftswissenschaften gerechnet. Sie modelliert Entscheidungssituationen, 'in denen der Erfolg des Einzelnen nicht nur vom eigenen Handeln, sondern auch von den Aktionen anderer abhängt'. Logisch, dass sie in allen Konkurrenzsituationen zum Einsatz kommen kann, bei denen es um den Sieg geht: sei es der Kalte Krieg, sei es der Krieg auf der Börse oder in einem Kaufhaus. Denn im Grunde genommen trägt jeder von uns durch seine Entscheidungen zum 'Sieg' oder zur 'Niederlage' anderer bei (z.B. wenn ich mich entscheide, 'Spiegel' zu kaufen, 'siegt' 'Spiegel', entscheide ich mich für 'Bild', siegt 'Bild'), also sind wir alle - ob wir es wollen oder nicht - in 'Spiele' involviert, bei denen der Wohl anderer von unseren Entscheidungen abhängt, was letztendlich darauf hinausläuft, dass wir für andere 'Gegner' sind, die es auszutricksen gilt. Doch es ist nicht so einfach, zu wissen, was der andere denkt, was er vorhat, was er will, welche Entscheidungen er treffen wird, denn Menschen sind irrationale Wesen, deren Entscheidungen nur zu einem geringen Teil bewusst getroffen werden. Das stellt für unsere 'Gegenspieler' ein Problem dar, denn dadurch wird unser Verhalten im wörtlichen Sinne 'unberechenbar'. Ein Problem, das unlösbar erschien, bis 'man' auf die Idee kam, die das zentrale Thema dieses Buches darstellt: statt sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was der Gegner als Nächstes tun wird, müsse man sein Verhalten so programmieren, dass es rational, d.h. berechenbar wird. 'Wenn man annahm, dass jeder Mensch seinen eigenen Vorteil sucht, konnte man sein Verhalten mathematisch bestimmen'. 'Alle Probleme mit dem Unsicherheitsfaktor 'Mensch' lösen sich in Wohlgefallen auf, wenn man zwingend annimmt, dass er bei dem, was er denkt und tut, immer nur an seinen eigenen Vorteil denkt'.

Das Ziel, den Menschen dazu zu bringen, seine Entscheidungen nach dem Prinzip des 'Eigennutzes' zu fällen, um ihn berechenbar zu machen, kann auf eine traditionelle Art und Weise erreicht werden, durch Indoktrination, Gehirnwäsche und Manipulation, aber auch 'mithilfe von Technologien, die einem ihre Spielregeln aufzwingen'. Als ich das las, da fielen mir die modernen Computerspiele ein, die besonders gut dazu geeignet sind, unser Verhalten zu modellieren. 'Wer sich bei Computerspielen in digitale Figuren (Avatare) versetzt, der ändert auch im realen Leben sein Verhalten', denn er macht seine Eigenschaften zu eigen: emotionale Kälte und rigides Verhalten, denn das seien 'die Charakteristika der meisten roboterhaften Avatare in den Rollenspielen' 'Generell ist es so, dass man das Verhaltensmuster aus der virtuellen Welt einübt.' (nach Prof. Ulrich Wagner in: Anna Ernst WAZ 3.1..2013).

Das ist auch der Tenor des Buches von Schirrmacher: das Ziel der Politik und der Ökonomie sei es heutzutage, uns in vernünftige, 'rationale' kaltblütige Spieler zu verwandeln, deren Verhalten sich durch Algorhythmen erfassen und voraussagen lässt. Wie es scheint, ist dieser Plan aufgegangen. Heute ist der egoistische 'homo oeconomicus' weit verbreitet, er lebt er unter uns, und niemandem fällt auf, dass er 'unmenschlich' ist (Lynn A. Stout, Expertin für Finanzmarkregulierung, nannte ihn einen Soziopathen), denn die Haltung, die er repräsentiert, wird allgemein gefördert und gilt heutzutage als Zeichen der psychischen Gesundheit. Über diesen Menschen ' den Schirrmacher 'Nr.2' nennt -, der zunehmend Kontrolle über uns übernimmt und unsere Transformation in 'vernünftige' 'Ego-Maschinen' vorantreibt, handelt dieses Buch. Dafür hätte 'Ego Das Spiel des Lebens' glatte 5 Sterne verdient. Hätte. Denn wie interessant sein Inhalt auch sein mag, es ist schlecht geschrieben. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, denn Schirrmacher ist ein erfahrener Journalist gewesen, doch nachdem ich 'Ego' gelesen habe, muss ich den Autoren der negativen Rezensionen Recht geben: obwohl Schirrmacher über ein profundes Wissen darüber verfügt, worüber er schreibt, und Meister der deutscher Sprache ist, ist dieses Buch nicht druckreif:

Es enthält zu viele nicht zu Ende gedachten Gedanken, Gedankensprünge und Wiederholungen, ich vermisse darin eine klare Linie und einen logischen Aufbau der Kapitel, das Buch ist mit Informationen überfrachtet, die den Rahmen des anvisierten Themas sprengen, es enthält zahlreiche Anspielungen an Menschen und Ereignisse, deren Kenntnis Schirrmacher bei seinen Lesern nicht voraussetzen durfte, weil sein Buch an Laien gerichtet ist' Ich habe bei der Lektüre dieses Buches oft das Gefühl gehabt, dass Schirrmachers Gedanken schneller waren, als seine Fähigkeit (oder Lust), ihnen eine klare Form zu verleihen, er überschlug sich oft, ließ eine Idee fallen und ging direkt zu einem anderen Thema über. Schön und geistreich geschrieben, aber schwer zu lesen. Warum hat Schirrmacher all diese Fehler begangen? Um - seinen bevorstehenden Tod ahnend - möglichst viel zu sagen, bevor es zu spät wird? Ich habe keine Ahnung. Wichtig ist, dass es ein gut recherchiertes Buch ist, das es verdient, empfohlen zu werden, denn trotz seiner Schwächen ist es ein Augenöffner, der uns dringend auf die Gefahren des Informationsimperialismus aufmerksam macht und alle, die bereit sind, sich auf seine Gedanken einzulassen, gegen den Verlust der Seele impft. Ilona Banet
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Ich denke, ich muss mich nicht erst als spirituellen Menschen outen, wenn ich das Buch bespreche. Doch es ist ausdrücklich meine Sichtweise auf das Buch! Die Begriffe “EGO” und “Spiel des Lebens” gehören zu den “Haupt-Schlüsselworten” in einem spirituellen Bewusstsein – und der “segensreiche” Titel (wenn ich auf den Verlagsnamen “Blessing” anspielen darf) ist eine Herausforderung. Es ist völlig anders als erwartet. “Ego” und “Spiel des Lebens” bekommen plörtlich eine ganz andere Bedeutung. Und dann hat mich das Buch gepackt, in seinen Bann gezogen und ich habe es in einem durchgelesen – mit einer nächtlichen Schlafpause, die ich dann wirklich auch brauchte.
Das Buch hat mich erschüttert, es hat mir Angst gemacht (im Sinne von: die da oben haben mich voll unter Kontrolle und im Griff). Es war die erste Reaktion. Und dann wurde mir schnell bewusst: Es ist MEINE Angst, der Autor spielt nicht mit Ängsten, sondern pro-voziert nur das, was da ist. Da ist nur ein Spiegel über mein eigenes Marionetten-Dasein.
Mein Fazit: Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der noch bereit ist, sich erschüttern zu lassen, der bereit ist, nicht wegzuschauen, der bereit ist, sich komplett in Frage zu stellen – als Opfer oder als Täter im globalen Manipulations-System.
Die Herausforderung ist unser Menschsein – und da spielen politische Einstellungen, gesellschaftliche Positionen, “Klassen-Bewusstsein” keine Rolle mehr: Wer bist du als Mensch? Was lässt du geschehen? Welchen Beitrag leistest du für das Erwachen der Menschheit zum globalen Humanismus? Es gefällt mir, dass hier jeder “sein Fett wegbekommt”, auch die Spirituellen. Am Ende zählt nicht das, was man sich einbildet, sondern nur der Beitrag, den man faktisch für eine “bessere Welt” leistet. Wer sich durch dieses Buch nicht erschüttern lässt, der ist schon verloren. Frank Schirrmacher, Sie haben mich erschüttert – auch mit Ihrem viel zu frühen Tod.
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am 5. Juli 2014
Für einen unbedarften Leser streckenweise schwer verständliche Gedankengänge und Schlussfolgerungen. Schade dass der Autor so früh verstarb. Er wäre sicher noch öfter gesellschaftskritisch positiv aufgefallen
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am 9. Mai 2017
Leider nicht so ganz mein Favorit. Wirkt ein wenig so, als ob eine These auf 300 Seiten aufgeblasen wurde, die auch ohne weiteres auf 2 Seiten Platz gehabt hätte: Computer und Internet haben die Welt so beschleunigt, dass der bürgerliche Kapitalismus nicht mehr funktioniert.
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Die Gedankenmodelle der Ökonomie beherrschen die Sozialwissenschaften. Die vollständige Ökonomisierung der Welt wird Realität. Frank Schirrmacher spricht von "ökonomischem Imperialismus". Unterstützt wird dieser Eroberungsfeldzug durch ausgefeilte Strategien (Spieltheorie), die kluge Physiker und Mathematiker während des Kalten Krieges aus Gründen der militärischen Abwehr entwickelt und in Computerprogramme gegossen haben.

Die zugrunde liegenden Ego-Strategien werden heute in weiterentwickelten Programmen u.a. an der Börse verwendet und bewirken, dass der Mensch sich den implementierten Regeln unterwirft und auch unterwerfen muss. Es entsteht eine auf Egoismus beruhende Eigendynamik, die nicht mehr kontrollierbar ist, zumal wir es mit Unternehmen als (Evolutions-)Akteuren zu tun haben. Systeme formen zunehmend den Menschen.

Autor Schirrmacher wählt für sein Anliegen eine Erzählform, die es dem interessierten Leser nicht leicht macht, seine Botschaft zu verstehen. Zweifelsohne ließe sich das Thema verständlicher und kürzer fassen, als in einer Mischform aus Sachbuch, Roman und Science Fiction. Es ist kein Zufall, dass Erinnerungen an Aldous Huxleys "Schöne neue Welt" und andere gesellschaftskritische Werke wach werden. Schirrmacher warnt vor einem gesellschaftlichen Horrorszenario.

Die Struktur des Buches erinnert an ein Hologramm. Im ersten Kapitel wird eine Facette des Problems unscharf formuliert und jedes weitere Kapitel führt dazu, dass das Gesamtbild an Kontur gewinnt, ohne jedoch wirklich scharf zu werden. Es ist kein stringenter Aufbau erkennbar, sondern Schirrmacher springt von Kapitel zu Kapitel, wiederholt sich, lässt historisches Wissen einfließen und skizziert ein düsteres Gesamtbild.

Der Mensch wird Opfer seiner eigenen Techniken und Strategien. Die Ökonomisierung hat gesiegt. Kann dieses Szenario durchbrochen werden?

M.E. muss sich das Individuum über Systeme bzw. digitale Entscheidungsfindungen hinwegsetzen, wieder Mensch werden. Das impliziert bewusste Entscheidungen gegen optimierte Ego-Strategien, ein Aufbegehren gegen computergestützte geistige Armut. Der Preis dafür ist hoch, er besteht in Irrationalität und Angreifbarkeit.

Schirrmacher will durch dieses (leider schwer verständliche) Buch aufrütteln, Diskussionen in Gang setzen. Es ist eine Mahnung.
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TOP 500 REZENSENTam 18. Februar 2013
Das Buch ist sicherlich an der einen oder anderen Stelle etwas überzogen, aber mit seinen Gedanken kann der Autor den Leser für das eigentliche digitale Problem sensibilisieren. Die Bandbreite der Betrachtungen des Autors geht von der Börse, zu den Finanzen, der Politik und den großen Firmen des Internet. Er zeigt mit unseren selbst gelieferten Daten im Netz wird man Teil der Masse und berechenbar durch Algorithmen und es besteht die Gefahr, dass wir uns auf einen ökonomischen Imperialismus zu bewegen.
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In was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn selbst Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der konservativen FAZ, zum Kapitalismuskritiker mutiert? Reiht sich der Journalist nun ein in die Phalanx der Mindestlohnbefürworter, Elitenbasher und Salonsozialisten, die das System lieber heute als morgen kollabieren sehen würden? So schlimm kommt es dann nun doch nicht. Schirrmacher interessiert sich mehr für die historische Stunde Null des algorithmusbasierenden Finanzkapitalismus, der unser aller Leben heute mitbestimmt. Seine überraschende These: Dieselben spieltheoretischen Modelle, die im Zeitalter des Kalten Krieges das Verhältnis der beiden Supermächte gesteuert haben, bilden heute die Grundlage unseres Wirtschafts- und Finanzsystems: "Sie [die Modelle der Spieltheorie; M.D.] sind von überragender Bedeutung für die Geschichte, die dieses Buch erzählen will: Wie der einzelne das Gefühl haben konnte, dass sich das ganze Universum gegen ihn verschworen hat, und wie nach dem Ende des Kalten Kriegs ein neuer Kalter Krieg im Herzen unserer Gesellschaft eröffnet wird" (17).

Grundlage des gegenwärtigen Finanzsystems sei, so Schirrmacher, ein im Kalten Krieg erdachtes spieltheoretisches Modell der dem Militär nahestehenden "Rand Cooperation", welches davon ausgehe, dass Menschen und Systeme stets nur aus Eigennutz handeln würden (vgl. S. 25f.). Dabei bestehe das Problem darin, "dass die Theorie nicht nur Handeln beschreibt, sondern Handeln erzwingt, sie ist nicht nur deskriptiv, sondern auch normativ. Sie postuliert nicht nur Egoisten, sie produziert sie" (68). Mit dem Ende des Kalten Krieges habe dieser Algorithmus ein neues Betätigungsfeld gefunden, auf dem er sich bis heute tummele: "Man schrieb den 9. November 1989. Jetzt zog der Kalte Krieg ins 'business' ein. Und zwar buchstäblich. Er packte seine Koffer und zog an die Wall Street" (74).

Dieses "Monster", so Schirrmachers Bezeichnung dieser Kreatur, zerstöre zwar keine Städte mehr, aber es "hinterließ stattdessen eine Spur neuer Häuser und ganzer Stadtviertel, deren menschliche Bewohner zwangsgeräumt worden waren" (161). Wenn das Streben des Einzelnen nach Gewinnmaximierung zur Grundlage der globalen Ökonomie werde, wenn das "Gier-ist-gut"-Prinzip eines Gordon Gekko, des fiktiven Vorbildes aller Investmentbanker aus dem Film "Wall Street", die alleinige Basis, die alleinige Handlungsmaxime von Kauf und Verkauf sei, dann seien Immobilienblasen, verschuldete Staaten und kriselnde Währungen die logische Konsequenz. Diese Handlungsmaxime beschränke sich allerdings nicht nur auf den ökonomischen Bereich, sondern wirke sich auch auf den politischen Bereich aus, in dem alles, was dem "Monster" nützt, plötzlich als alternativlos dargestellt wird.

Man sieht, Frank Schirrmacher bewegt sich mit seiner Kritik an den Gebaren der Finanzindustrie auf moderatem Niveau und ist keineswegs zu einem großen Umverteiler mutiert. Denn wer ist heute nicht gegen "die Finanzmärkte"? Da ruft ja sogar der Wirtschaftsflügel der FDP nach mehr staatlicher Kontrolle. Schirrmacher schafft es durchaus, diesem Themenkomplex mit Fokus auf dessen spieltheoretischen Grundlagen neue Facetten abzugewinnen und durch Ausflüge in die Welt der Literatur von Frankenstein zu Dr. Jekyll und Mr. Hyde dem Abstrakten ein Gesicht zu geben und für die Allgemeinheit halbwegs verständlich zu gestalten. Ärgerlich ist jedoch, dass das Buch ziemlich mies redigiert worden ist. Zu viele inhaltlichen Aspekte und Formulierungen werden zum Teil wortwörtlich wiederholt, so dass man den Eindruck erhalten muss, dass einige Passagen des Buches aus Schirrmachers Beiträgen in der FAZ mit der Methode copy-paste zusammengetackert worden sind.
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TOP 1000 REZENSENTam 19. Februar 2013
Ausufernder Egoismus ist gemäß Schirrmacher keine Grundeigenschaft des Lebens selbst, sondern eine Erfindung von amerikanischen Militärs und Wirtschaftswissenschaftlern. Diese modellierten schon in den 1950 Jahren den idealen Menschen - den Homo oeconomicus - den sie im Rahmen der sich gerade in der Entwicklung befindlichen Spieltheorie, bei der alle Teilnehmer eigennützig und gemäß egoistischen Motiven handeln, benötigten. Schirrmacher bezeichnet den so gestalteten idealen fiktiven Doppelgänger des Menschen, an dessen Eigenschaften auch die realen Menschen zukünftig auszurichten waren, in seinem Text als "Nummer 2".

Und so liest man auf Wikipedia über den später tatsächlich (wie passend) an paranoider Schizophrenie erkrankten Mitbegründer der Spieltheorie John F. Nash: "Ab 1950 war Nash vier Jahre lang in den Sommermonaten an der Rand Corporation mit geheimer Forschungsarbeit beschäftigt, wo auch Kenneth Arrow, John Milnor (der bei Rand mit Nash zusammenarbeitete) und andere an Anwendungen der Spieltheorie auf strategische Situationen im Kalten Krieg arbeiteten." Genau darauf zielt Schirrmacher ab.

Später - als der Kommunismus überwunden war und die geschickten Wissenschaftler nichts mehr zu tun hatten - habe man - so Schirrmacher - die genialen Techniken auf außermilitärische Bereiche angewendet. Zahlreiche Experten der Denkfabriken des Militärs wechselten - so geschult - an die Börse und brachten dort ihre spieltheoretischen Algorithmen und die damit verbundenen modellhaften Vorstellungen vom egoistischen Menschen zur Anwendung. So entstanden der Neoliberalismus, die Automatisierung der Märkte und die automatisierten Menschen gleich mit dazu, die sich in ihrem Handeln mehr und mehr der Nummer 2 angleichen mussten, ansonsten hätten sie die Algorithmen für ihre Entscheidungen (finanziell) bestraft. Nummer 2 setzte zu seinem Siegeszug rund um die Welt an, drang in immer mehr Gehirne ein und machte sie sich ihm gleich. Hierdurch verlor der Mensch gewissermaßen seine Seele. Für "BigData" wurde er mehr und mehr berechenbar und damit auch ausbeutbar, sei es auf den Finanzmärkten, bei Facebook oder den Handelshäusern im Internet. Die kritischen und egoisierenden Algorithmen verselbstständigten sich derweil mehr und mehr, um schließlich Krieg gegen sich selbst zu führen.

Daneben gab es weitere Akteure und Theorien, die eine solche globale Gehirnwäsche begünstigten, beispielsweise Richard Dawkins mit seiner Theorie der egoistischen Gene, die die Vorstellung vom stets egoistisch handelnden Homo oeconomicus zusätzlich biologisch unterfütterte.

Doch was kann der gemeine Bürger noch tun in einer solch bedrückenden Situation? Schirrmacher empfiehlt den Ausstieg aus dem Ego-Kapitalismus, in dem wir uns nur noch so verhalten, wie wir in seinem Sinne sollen und modelliert wurden und nicht, wie wir eigentlich sind. Sein Rat ist, einfach nicht mehr mitzuspielen.

Spätestens hier offenbart Schirrmacher, dass er sich in seinem Denken maßgeblich von der Memetik Richard Dawkins hat leiten lassen. Viele seiner Überlegungen aber auch Schlussfolgerungen erinnerten mich denn auch an das Buch des Memetikers Karl Olsberg Schöpfung außer Kontrolle: Wie die Technik uns benutzt, der in ganz ähnlicher Weise den individuellen Ausstieg als Lösung empfiehlt.

Doch zurück zum modernen Ego-Kapitalismus. Hier stellt sich zunächst die Frage, was Kapitalismus eigentlich ist. Gemäß Marx sind kapitalistische Unternehmen solche, die ihre Produktionsmittel selbst besitzen, oder in den Worten der Systemischen Evolutionstheorie: Sie sind menschliche Superorganismen, die eigenständige Kompetenzen besitzen. Und sie sind bestrebt, ihre Kompetenzen zu bewahren (fast identisch argumentieren Nelson/Winter in An Evolutionary Theory of Economic Change oder Hanna Fearns in Entstehung von Kernkompetenzen: Eine Evolutionstheoretische Betrachtung).

Das hat mehrere unmittelbare gravierende Konsequenzen:
1. Die machtvollsten, ressourcenreichsten Akteure auf den Märkten sind überhaupt keine Menschen, sondern menschliche Superorganismen. Menschliche Emotionen dürfen wir von ihnen nicht erwarten.
2. Die ach so gefeierte Kooperation ist ihnen im Allgemeinen untersagt. Sie sollen konkurrieren, um die beste Ware zum günstigsten Preis zu produzieren, und nicht zusammenarbeiten, um den Verbraucher preislich über den Tisch zu ziehen.

Kurz: Völlig egal, ob wir Menschen nun allesamt der Gattung Homo oeconomicus angehören oder nicht, von den Hauptakteuren in Marktwirtschaften - den Unternehmen - werden genau solche Eigenschaften erwartet.

Stellen wir uns dazu einmal beispielhaft 10 Unternehmen mit gleichem Marktanteil, gleichem Umsatz und gleichem Jahresgewinn von 10 Mrd. Euro vor Steuern vor. Wenn eines dieser Unternehmen seine Zentrale auf eine Steuersparinsel verlegte, könnte es ggf. mehrere Milliarden Euro an Steuern sparen. Es wäre damit in der Lage, mehr in die Forschung und Entwicklung zu investieren und höhere Tantiemen an die Aktionäre auszuschütten. In der Folge würde sein Börsenkurs (sein Börsenwert) steigen, und der der anderen Unternehmen sinken. Schuld daran wären nicht nur die von Schirrmacher ausgemachten spieltheoretischen Börsenalgorithmen, sondern Jupp Schmitz aus Bottrop genauso. Denn einerseits würde nun sein Lebensversicherer seine Aktiendepots umshiften und Jupp Schmitz seins (sofern er hat) womöglich auch, denn warum fallende Kurse und wenig Dividende dulden, wenn man steigende Kurse und mehr Dividende haben kann. Die zwingende Konsequenz daraus wäre: Alle anderen neun Unternehmen werden ihre Zentrale ebenfalls auf die Cayman Islands verlegen. Das hat nichts mit Spieltheorie, mit Nash-Gleichgewichten, mit der Mär vom Homo oeconomicus, bizarren Börsenalgorithmen oder Schirrmacherschen Verschwörungstheorien zu tun, sondern mit dem natürlichen Bestreben jedes marktwirtschaftlichen Unternehmens, die eigenen Kompetenzen zu bewahren. Es geht ihnen darum, nicht geschluckt oder sonstwie vom Markt verdrängt zu werden.

Wollte man die obige einhellige Reaktion der Unternehmen also verhindern, würde es nichts nützen, an die Moral der Aktionäre und Manager zu appellieren. Stattdessen müsste man die Märkte regulieren. Konkret: Man müsste Bedingungen schaffen, die die Verlagerung der Firmenzentrale auf eine Steuersparinsel als ökonomisch wenig sinnvoll erscheinen lässt.

Entsprechend argumentieren heute praktisch alle dem Club of Rome nahestehenden Ökonomen und Wissenschaftler (z. B. F. J. Radermacher,G. Maxton für eine verstärkte Regulierung von Märkten, ganz im Gegensatz zu der zur Blütezeit des Neoliberalismus erfolgten Deregulierung.

Doch warum ist eine solche Regulierung so schwer (bzw. warum wird sie nicht gemacht), während Deregulierung so einfach erscheint? Ganz einfach: Deregulieren kann man national, regulieren jedoch in einer Welt der globalen Märkte und Unternehmen oftmals nur global. Und das ist dann wirklich sehr sehr schwer.

Zu den Zeiten, als "Deutsche Bank" noch für ein primär in Deutschland operierendes deutsches Unternehmen stand, war es verhältnismäßig leicht, Märkte im Sinne der in einer Gesellschaft (einem Staat) lebenden Menschen (den Bürgern) zu regulieren. Man musste beispielsweise lediglich Kinderarbeit verbieten, und dann war das kein Thema mehr. In einer globalisierten Welt sieht das jedoch ganz anders aus. Dort bieten sich für globale Unternehmen zahlreiche Schlupflöcher, zu deren Nutzung sie oftmals regelrecht gezwungen sind, wollen sie nicht gegenüber der Konkurrenz zurückfallen. Und noch einmal: Diese menschlichen Superorganismen sind keine Menschen, obwohl sie das Marktgeschehen heute weitestgehend dominieren. Allein deshalb geht Schirrmachers Analyse in die Leere. Ihr Hauptmanko ist, dass ihr eine tragende Theorie fehlt, auf der die wesentlichsten Aussagen beruhen. In solchen Fällen greift man dann gern zu Verschwörungstheorien.

Immerhin: Das von Schirrmacher gewählte Thema ist interessant.
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Er ist wieder da. Frank Schirrmacher hat es wieder ganz nach oben geschafft auf die Bestsellerlisten: Zwischen „Crossfire“, „Fit ohne Geräte“ und „Shades of Grey“ sein neuer Wurf in den Debatten-Ring.

Viel wurde und wird er angefeindet als Citizen Kane des bundesrepublikanischen Hochfeuilletons, regelmäßig verspottet für seine apokalyptische Rhetorik, die immer den Eindruck erweckt, dass hier und heute ein neues Zeitalter beginnt – und wir hätten es nicht gemerkt, wenn FS es uns nicht gesagt hätte. Dieser Sound ist längst jenseits von Gut und Böse: ein Markenzeichen.

Die Finanz-, Banken- und Börsenkrisen haben vielfach zur bürgerlichen Zerknirschung geführt. Die Linke habe „in vielem Recht gehabt“ in ihrer Kritik am Neoliberalismus, verkündete Schirrmacher vor einiger Zeit. Das Feuilleton der FAZ, dem er vorsteht, scheint im Zeichen der Krisen zumindest in den politischen Wallungswerten eine Wende zu vollziehen: von Carl Barks zu Karl Marx, könnte man verkürzt sagen. Kaum verwunderlich jedenfalls, dass sich jetzt schon Jakob Augstein an Schirrmacher ranschmust.

„Ego“ setzt diese Linie fort: Es ist eine Art Beinahe-Verschwörungstheorie, deren Reiz wie üblich bei Verschwörungstheorien darin besteht, dass sie Tatbestände und Ereignisse nicht im Allerweltlicht erscheinen lässt, sondern durchscheinend macht für eine Hinterwelt ominöser Strippenzieher. Kurz gesagt: In den fünfziger Jahren, „in der Kälte des Wettrüstens“, wurde „von Militärs und Ökonomen“ ein Menschenbild entworfen, eine neue Ausformulierung der alten Idee des „Homo oeconomicus“ – der Nutzenmaximierer, der Mensch der Spieltheorie, der immer auf seinen Vorteil bedacht ist, nichts als sein eigenes Interesse verfolgt, der sich auf eine Formel bringen lässt.

Inzwischen habe „Nummer 2“ (so Schirrmachers Formel für diese Modell-Kreatur) längst die Denkfabriken verlassen und sei wie ein Monster-Parasit ins wirkliche soziale Leben eingedrungen. Die neoliberale Ökonomie, die Börsen, die Computerisierung, das Internet, an dem wir hängen – alles Teil des Verhängniszusammenhangs, der Arbeits- und Freizeitwelt erfasst hat.

Das klingt halb faszinierend, halb an langen Haaren herbeigezogen. Wichtiger ist, dass Schirrmacher auf dieser Grundlage detailliert und polemisch eine „schöne neue Welt“ an die Wand malt, in der die Menschen immer berechenbarer und manipulierbarer werden. Das ist nicht neu, aber hier werden vielfältige Aspekte der Entwicklung interessant dargestellt. Nur ein Zitat über die Floskel des "lebenslangen Lernens": „So ist 'lebenslanges Lernen', das so ausgeruht und beschaulich klingt, oft genau das Gegenteil dessen, was man damit verbindet: die Fähigkeit, ständig zu verlernen, an was man noch gestern geglaubt hat, auch seine eigene Identität.“

Schirrmacher macht zudem aufmerksam auf hierzulande wenig bekannte Theorien und Diskurse, die vor allem im angelsächsischen Raum eine wichtige Rolle spielen. Dass Bram Stokers Vampir-Klassiker „Dracula“ eine Menge mit den Finanzmärkten des späten 19. Jahrhunderts zu tun hat – dergleichen sind Schlaglichter, die Schirrmacher in jedem Kapitel einstreut und die ich interessant finde.

Ich erwarte von diesem Autor keine abgehangene Wissenschaftsliteratur, in der jeder Satz abgesichert ist. Das können andere besser. Schirrmachers Bücher sind Provokationen, suggestive Beschwörungen, wuchernde, verwilderte ESSAYS im Sinn des Versuchs und des Versucherischen. Es sind Argumentationsphantasien, die mit Bildern und Gedankenspielen arbeiten und sich von Stapeln aktueller, aber oft entlegener Sach-Literatur und vielen Gesprächen mit bedeutenden Zeitgenossen, zu denen man als FAZ-Herausgeber Gelegenheit hat, inspirieren lassen zu Assoziationsketten und verwegenen Fortschreibungen. Manches wirkt aufgeblasen, manches unsinnig, dann aber werden wieder faszinierende, erhellende Schneisen durch den beängstigenden Wirrwarr heutiger Existenz geschlagen. Anregend und herausfordernd soll es sein – und das ist es.
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am 15. August 2016
Frank Schirrmacher zeichnet mit "Ego: Spiel des Lebens" das Bild des Menschen als eine „Marionette“, welche, getrieben von Bedürfnissen und Eigennutz, den eigenen Handlungsspielraum aufgibt zugunsten von "Nr. 2", eines Doppelgängers, der sukzessive menschliche Denk- und Handlungsweisen unterläuft und sie mit den Anforderungen einer (großteils noch verdeckten) Informationsökonomie in Einklang bringen möchte.
Die Wurzeln von „Nr. 2“ sucht Schirrmacher an unterschiedlicher Stelle, führt vor allem aber Mechanisierung (18. Jahrhundert), Industrialisierung (19. Jahrhundert) und spieltheoretische Denkmodelle (Mitte 20. Jahrhundert, Kalter Krieg) als zentrale Strömungen an. Nicht alle Passagen sind dabei konsistent und gut strukturiert, einzelne Kapitel wirken gar fehl am Platz und so mancher Gedankengang wirkt sprunghaft und nicht zu Ende gedacht. Nichtsdestotrotz besitzt der Text insgesamt einen (an mancher Stelle vielleicht zu) hohen Informationswert und bietet vor allem auch interessante geschichtliche Rückblenden (besonders die Kapitel zur Mechanisierung im 18. Jhd. fand ich sehr interessant). Da man sich die Fülle an Einzelinformationen aber sowie nicht einprägen kann, beurteile ich ein Sachbuch auch gern danach, inwiefern es eine kritische Haltung zu einem bestimmten Thema fördert und zum eigenen Nachdenken anregt. Und an dieser Stelle, so finde ich, ist es Frank Schirrmacher durchaus gelungen, aktuelle Entwicklungen in das richtige Licht zu rücken.
Zugegeben, der Text ist nicht immer leicht lesbar, viele Sätze sind verschachtelt und mehr als einmal springt der Autor von einer Information zur nächsten (manchmal beschleicht einen sogar das Gefühl, möglichst viele Infos sollten in das Buch gepackt werden), trotzdem habe ich das Buch gern gelesen und empfehle es vor allem ökonomisch interessierten Lesern. Ob möglicherweise auch der Tod Schirrmachers zur einschlagenden Popularität dieses Werks beigetragen hat vermöge ich nicht zu sagen, ich jedenfalls finde, dass das Buch etwas Aufmerksamkeit durchaus verdient.
Den Schlusssatz „Die Antwort war falsch“ habe ich für mich so interpretiert, als dass der Mensch immer noch einen letzten Handlungsspielraum besitzt, einer völligen Durchökonomisierung seines Lebens Einhalt zu gebieten, indem er eben alles daran setzt, sich nicht mittels Informationen kalkulieren zu lassen, sondern selbst wieder gestalterisch wirkt. (Bitte korrigieren Sie mich).
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