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Kundenrezensionen

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am 19. März 2013
Um es kurz zu sagen: der Film deckt sich im Kern in unglaublich vielerlei Hinsicht mit den Erzählungen meines Großvaters, der den Russlandfeldzug von Anfang bis zum Ende als Wehrmachtssoldat mitgemacht hat und mir davon berichtet hat, als ich ein Kind war. Es ist alles zu sehen, was ich aus seinen Erzählungen kannte: der Hurrapatriotismus, die wachsende Grausamkeit von allen Seiten, die menschliche Verzweiflung, die Selbstverständlichkeit mit der die meisten die Judenverfolgung hinnahmen, die Kameradschaft im Feld, die Angst davor zu sterben, die heimlich wachsende Erkenntnis der Sinnlosigkeit und Aussichtslosigkeit des Krieges und der Versuch, an Lügen zu glauben um der Wahrheit nicht in's Gesicht sehen zu müssen.

Ich empfinde den Film als längst überfälliges Werk, das die menschlichen Regungen, den Alltag, die Sternstunden und die Abgründe einer deutschen Generation zeigt, die in der Niederlage erkennen musste, dass ihr Patriotismus von den Nazis ausgenutzt worden war. Mein Großvater sagte mir, während des Krieges hätten die meisten seiner Kameraden immer geglaubt auf der Seite der Guten zu stehen.
Als dann nach dem Krieg laut ausgesprochen wurde, was in den KZ's geschehen war, wie in Russland, Polen und woanders gemordet worden war, als Deutschland in Trümmern lag und deutlich wurde wie viel Glauben und Hoffnung missbraucht worden war, begann man sich für sein Mitmachen insgeheim zu schämen. Mein Großvater sagte, er sei für Deutschland ausgezogen, hatte auf Hitler schwören müssen und hatte mit dem Hakenkreuz an der Brust gekämpft, obwohl er für die Nazis wenig übrig hatte. Und mit jedem glänzenden Sieg am Anfang, sagte er, hatten alle nur an Deutschland gedacht, aber eigentlich nur den Nazis geholfen. Jetzt, am Ende, lag alles offen. Wo war der Spiegel, in den man da nach dem Krieg noch genau schauen wollte ?

Oder um es aus der Erinnerung mit den Worten meines Großvaters zu sagen : "Bei uns gab es auch Helden, da haben sich auch viele aufgeopfert und viele sind gefallen. Aber Junge, für wen ? Nit für Deutschland ! Für Verbrecher ! Und aus uns Soldaten ham sie dann am Schluss auch Verbrecher gemacht !"

Diese Tragik dieser Generation darzustellen, ist die große Leistung des Films

Von daher : sehr verdiente fünf Sterne !
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am 21. März 2013
Fünf Freunde feiern im Juni 1941 ihren letzten Abend gemeinsam in Berlin, ehe es für sie in verschiedene Himmelsrichtungen geht. Die beiden Brüder Wilhelm (Volker Bruch) und Friedhelm (Tom Schilling) werden mit der Wehrmacht in Russland einmarschieren. Charlotte (Miriam Stein) wird ihnen in einem Feldlazarett weit hinter der Front folgen, denn sie hat sich freiwillig als Krankenschwester gemeldet. Die lebenslustige Greta (Katharina Schüttler) träumt davon ein UFA-Star zu werden, während ihr Freund Viktor (Ludwig Trepte) als Jude versucht seine Eltern von einer Flucht aus Berlin und aus Deutschland zu überzeugen. Nach diesem Abend trennen sich die Wege dieser fünf Freunde, mit dem Versprechen sich an Weihnachten wiederzusehen...

"Unsere Mütter, unsere Väter" gehört, wie sicherlich auch schon vielfach geschrieben, definitiv zu den besseren Weltkriegsaufarbeitungsfilmen. Ich persönlich würde ihn durchaus auf einer Ebene mit Filmen wie "Stalingrad", "Der Untergang" oder auch "Steiner - Das eiserne Kreuz" sehen, wobei Letzterer sicherlich mehr Action als Schauspielkunst zu bieten hatte. In einer Sache sind sich aber beide Filme sehr ähnlich, als Ein- und Überleitungen wurden historische Filmaufnahmen genutzt. Die vor allem auch bei "Steiner - Das eiserne Kreuz" seinerzeit zu einer Kontroverse geführt haben, weil die Originalvideos deutlich das ganze Leid dieses Krieges zeigten, was man seinerzeit wohl so noch nicht erwartet hatte.
Hat man in den vergangenen Produktionen noch auf überwiegend namenhafte Schauspieler gesetzt, so treten sie in "Unsere Mütter, unsere Väter" nur in Nebenrollen auf. Der Fokus des Ensembles liegt hierbei auf fünf, eher unverbrauchten Schauspielern, von denen ich persönlich nur Tom Schilling aus dem Film "Napola" kannte bzw. wahrgenommen hatte. Das hatte den angenehmen Vorteil, dass man als Zuschauer schon einmal völlig unvoreingenommen gegenüber den Protagonisten war und man wurde nicht enttäuscht. Alle fünf Hauptdarsteller liefern ein beeindruckendes Schauspiel ab.

Da ist Wilhelm, der die Blitzkriege gegen Frankreich und Polen miterlebt hat, quasi als Soldat der ersten Stunde und dementsprechend von der Stärke der Wehrmacht überzeugt ist und auch in seiner Familie daher ein entsprechendes Ansehen genießt, besonders gegenüber seinem Vater. Der im Laufe des Krieges allerdings jeglichen Illusionen beraubt wird. Sein Bruder Friedhelm ist hier anfangs mehr der Träumer und der einzige, der eine Ahnung davon entwickelt, was Krieg wirklich bedeutet. So ist er auch derjenige, der von allen Protagonisten die größte Entwicklung in allen drei Filmteilen nimmt und er vielleicht am Ende für diejenigen steht, die bis zur letzten Patrone kämpfen mussten, weil sie es einfach anders nicht mehr konnten oder wollten, denn dafür haben sie einfach zu viel Leid gesehen und es selber gebracht.
Charlotte nimmt eine ähnliche Entwicklung, allerdings in die andere Richtung. Als überzeugte Nationalsozialistin scheut sie auch vor Denunziationen nicht zurück. Aber spätestens als die Front immer näher rückt und Verwundeten immer mehr und immer schlechter versorgt werden, beginnt sich ihr Weltbild zu wandeln und alles woran sie geglaubt hat, gerät ins Wanken. Greta träumt von der großen Karriere und ihre Affäre mit einem verheirateten Gestapo-Mann bringt sie fast ans Ziel ihrer Träume - ehe sie von allen vielleicht den brutalsten Absturz erlebt. Viktor als Jude hat vielleicht von allen die schlechtesten Karten, schon von Anfang an - wie sollte es auch anders sein. Seine Entwicklung kann man im Grunde auf den blanken Wunsch einfach zu überleben herunterdividieren, denn das ist die einzige Chance die er wirklich hat. Denn dieser Film zeigt deutlich, dass die Juden auch in Osteuropa verhasst waren und dort als Übel für den Krieg gesehen wurden. Ein kleiner aber nachhaltiger Versuch der Macher, dieses Gut-Böse oder Schwarz-Weiß-Bildnis, dass sich immer wieder aufbaut zu untergraben, um damit dann zu zeigen, dass dieser Krieg nicht zwischen Gut und Böse unterschieden, sondern nur bei Leben und Tod einen Unterschied gemacht hat. Gleiches gilt übrigens auch in der späteren Inthronisierung von Ex-Nazis in den Verwaltungsapparat des Nachkriegsdeutschlands - auch ein Thema, dass so noch nicht im TV behandelt wurde.

Gewollt war es von den Machern, dass sich alle Protagonisten in den verschiedenen Entwicklungsstadien immer mal wieder begegneten. Das wirkt phasenweise vielleicht etwas konstruiert, liefert aber eine nicht zu verachtene emotionale Komponente mit. Bemerkenswert fand ich es auch, dass der gesamte Krieg gegen Russland (1941 - 1945) in diesem Dreiteiler aufbereitet wurde. Angefangen mit dem Vorstoß der Wehrmacht kurz vor Moskau, über die Panzerschlacht bei Kursk bis hin zum jähen Ende irgendwo zwischen Berlin und der polnischen Grenze. Es wird gezeigt wie die Wehrmacht und Sonderkommandos immer brutaler gegen die Zivilbevölkerung vorgingen. Ganz nach dem Motto "Wir töten Sie, bevor sie uns töten" und daraus sich ein brutaler Partisanenkrieg entwickelte. Die Macher des Films zeigen ziemlich eindrucksvoll, wie sich hier eine Mördertruppe entwickelt hat.

Die Effekte in dieser TV-Produktion kann man definitiv als gelungen werten. Der Einsatz von Handkameras und einer schnellen Schnittfolge kennt man sonst nur aus Hollywood- oder internationalen TV/Serien-Produktionen. Der Zuschauer bekommt nicht den Eindruck "nur" zuzuschauen, sondern er ist förmlich mitten drin, wenn die Soldaten versuchen eine völlig sinnlose Telegrafenstation zurückzuerobern.
Was ich allerdings ein wenig vermisst habe, waren stellenweise die Aufnahmen aus Berlin, vor allem der obligatorische Fliegeralarm fehlte im Sinne der Authentizität. Auch die häufigen Standortwechsel waren als Zuschauer etwas verwirrend, spätestens dann, wenn mal Schnee lag und dann wieder nicht. So blieb bei mir leider auch der Eindruck haften, dass die Story vor allem zum Ende hin sehr gerafft wirkte. So fällt für mich vor allem der dritte Teil im Vergleich zu den ersten beiden Folgen hier etwas ab. Ob es hier noch die Option auf einen Directors Cut gibt, kann man bei einer TV-Produktion allerdings nicht zwingend erwarten.

Unterm Strich haben die ersten beiden Teile locker die 5-Sterne-Hürde genommen, der dritte Teil fällt aufgrund des Eindrucks, dass hier versucht wurde die Story zu raffen etwas ab, was bei fünf Handlungssträngen vielleicht auch einer zu viel war. Insgesamt ist "Unsere Mütter, unsere Väter" aber ein beklemmender, spannender und unerwartet authentischer Film. Vor allem nach den ersten beiden Teilen, war ein beklemmendes Gefühl bei mir definitiv vorhanden. Das ZDF scheint dies schon nach dem ersten Teil geahnt zu haben, so dass es bei der TV-Ausstrahlung direkt im Anschluss die obligatorische Aufklärungs- und Erklärungsdoku gab. Ich fand sie persönlich unnötig und man hätte sich dies fürs Ende des dritten Teils aufsparen können, denn somit wurde die bedrückende Story wieder verklärt und der Zuschauer fand sich doch wieder im Knoppschen-Augenzeugenberichten-Doku-Stil wieder, ohne das vorher Gesehene ersteinmal sacken zu lassen. Das fand ich nicht so gut, sollte aber den Eindruck des eigentlichen Film nicht schmälern - 5 Sterne für ein ziemlich intensives, authentisches und spannendes TV-Erlebnis.
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TOP 500 REZENSENTam 20. März 2015
Ich schätze die meisten neueren Verfilmungen zu den Gegebenheiten und Aspekten des zweiten Welkriegs eigentlich nicht, schon gar keine vom Fernsehen produzierten. Als ich im Fernsehen jedoch den Trailer für diesen Mehrteiler sah, musste ich ihn mir zulegen und wurde nicht enttäuscht!
Die Geschichte von einer Gruppe Freunden, die sich in den Wirren des Krieges verliert, aber sich schwört wieder zusammen zu kommen, wenn alles vorbei ist, scheint zwar konstruiert aber wurde so umgesetzt, dass man auf elegante Weise verschiedene Schicksale von Menschen aus allen Lebensbereichen dieser Zeit, mit verschiedenen ethnischen Hintergründen spannend und überzeugend erzählt.
Ich kann die Serie nur empfehlen. Herausstechendes Hightlight aus dem Strudel der sonstigen hochgelobten Pseudo-Geschichtchen rund ums Thema.
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am 30. April 2013
Es ist erstaunlich, wie positiv der ZDF-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ von vielen bewertet wird. Erklären läßt sich dies wohl nur durch die zweifellos guten schauspielerischen Leistungen der Darsteller und die Suggestivkraft der Bilder. Die Geschichte selbst und die Figuren sind jedoch alles andere als historisch authentisch, weil sie schlicht nicht repräsentativ für ihre Generation und allzu widersprüchlich gezeichnet sind. Heutige Sichtweisen und Wertungen werden in die Vergangenheit projiziert und überdies bestimmte Zusammenhänge verschwiegen, so daß insgesamt ein verzerrtes Bild der damaligen Wirklichkeit vermittelt wird.

Problematisch an dem Film ist vor allem, daß er nicht ansatzweise die prägenden Erfahrungen wiedergibt, die die deutschen Soldaten nach Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 machten. Der überraschende deutsche Vorstoß traf nämlich auf personell und materiell weit überlegene sowjetische Truppen, so daß die von der NS-Propaganda aufgestellte These, man führe einen Präventivkrieg, sich zu bestätigen schien. Die deutschen Soldaten kämpften also in dem Bewußtsein, einem sowjetischen Angriff gerade noch rechtzeitig zuvorgekommen zu sein.

Auf ihrem Vormarsch, vor allem im Baltikum und der Ukraine, wurden sie von großen Teilen der einheimischen Bevölkerung zunächst als Befreier vom kommunistischen Terror begrüßt. In zahlreichen Städten (etwa in Lemberg) fanden sie in Gefängnissen Tausende vom sowjetischen Geheimdienst NKWD ermordete politische Gefangene auf. Besonders brisant daran ist, daß die Einheimischen für diese Taten die mit den Kommunisten gleichgesetzte jüdische Bevölkerung verantwortlich machten, so daß es auch ohne deutsches Zutun zu schweren Pogromen kam. Auch hier schien fatalerweise die Wirklichkeit die NS-Propaganda zu bestätigen.

Eine andere prägende Erfahrung im Ostfeldzug der Wehrmacht war, daß von Soldaten der Roten Armee immer wieder in Gefangenschaft geratene deutsche Soldaten (häufig Verwundete) bestialisch ermordet wurden, oft nach vorhergehender Folter und Verstümmelung. Und dies nicht etwa erst als Reaktion auf deutsche Verbrechen, sondern praktisch ab Beginn der Kampfhandlungen. Auch im kurz darauf einsetzenden Partisanenkrieg im Hinterland der Front wurden immer wieder derartige Grausamkeiten dokumentiert. In die Hände der Sowjets zu fallen, bedeutete zumindest in den ersten Jahren der Auseinandersetzung fast immer den Tod (lediglich 5 Prozent der 1941 und 1942 gefangengenommenen Deutschen überlebten!). Entsprechend erbittert wurde gekämpft.

All diese Dinge werden in dem Film unterschlagen. Stattdessen werden vollkommen unvermittelt deutsche Verbrechen wie die Vollstreckung des Kommissarbefehls (Liquidierung sowjetischer Politkommissare), Vernichtungsaktionen der SS-Einsatzgruppen gegen Juden, Erschießungen von Partisanen bzw. „Partisanenverdächtigen“ und ähnliches gezeigt. Es ist richtig, daß ein Film über den Rußlandfeldzug dies deutlich und in aller Drastik vorführt. Diese Verbrechen hat es ja tatsächlich gegeben. Es ist jedoch mehr als problematisch, gleich zwei der Hauptfiguren (Wilhelm und Friedhelm) als Vertreter der Wehrmacht unmittelbar in diese Vorgänge verstrickt zu präsentieren.

In Wirklichkeit waren der seriösen Forschung zufolge von während des gesamten Krieges etwa 18 Millionen deutschen Soldaten (einschließlich Angehörigen der Waffen-SS) allenfalls 5 Prozent an Kriegsverbrechen oder heute als Kriegsverbrechen gesehenen Handlungen beteiligt. Höhere Angaben dürften kaum realistisch sein. Durch den Film entsteht also ein vollkommen schiefes Bild. Zu bedenken ist dabei auch, daß die Judenvernichtung durch Erschießungskommandos und der Partisanenkrieg im Hinterland der Front überwiegend von SS- und Polizeiverbänden durchgeführt wurden, wobei sie von einheimischen Hilfstruppen unterstützt wurden. Die Wehrmacht war hieran nur am Rande beteiligt. Ebenfalls verschwiegen wird in dem Film, daß die Wehrmacht den verbrecherischen Kommissarbefehl nur zum Teil ausführte und ihn verbreitet sabotierte. Der Widerstand von unten führte schließlich sogar dazu, daß Hitler den von ihm erlassenen Befehl im Mai 1942 aufhob.

Auch sonst sind die Figuren wenig realistisch in ihrem Verhalten. Weshalb ausgerechnet der Ernst-Jünger-Leser Friedhelm innerlich Pazifist bzw. Antimilitarist nach heutigem Muster ist, obwohl er offenbar aus einem deutschnationalen Elternhaus stammt und sein Bruder Offizier ist, erschließt sich nicht. Noch weniger sein bewußter Versuch, nachts im Alarmposten mit Hilfe seiner glimmenden Zigarette feindliche Bomber auf die Stellung seiner Einheit aufmerksam zu machen und zum Angriff auf die eigene Truppe zu provozieren. Wäre er überzeugter Kommunist, könnte man eine solche Handlungsweise ja noch nachvollziehen. Aber so wie es dargestellt ist, ist das Ganze wenig plausibel.

Man muß sich klarmachen, daß die Deutschen damals fast alle Patrioten waren (wie die Menschen in so ziemlich jedem anderen Land). Es spielte letztlich keine Rolle, wie man in den Krieg hineingeraten war. Wenn eine derartige Auseinandersetzung erst einmal im Gange ist, geht es für jede Seite nur noch darum, sich zu behaupten und Freiheit und Unabhängigkeit des eigenen Landes zu bewahren. Es ist keineswegs so, daß nur die Anhänger des NS-Regimes im engeren Sinne sich einen deutschen Sieg wünschten. Auch diejenigen, die dem System distanzierter gegenüberstanden, wollten den Krieg auf keinen Fall verlieren. Dies gilt selbst für die Mehrzahl derjenigen, die dem deutschen Widerstand gegen das NS-Regime angehörten.

Die Motivation, Deutschland zu verteidigen, war allgemein hoch. Und gerade auf dem Kriegsschauplatz im Osten war so ziemlich jedem deutschen Soldaten klar, daß man hier gegen ein bösartiges Terrorsystem kämpfte, das bereits viele Millionen Menschen auf dem Gewissen hatte und nicht nur für Deutschland, sondern für Europa insgesamt eine massive Bedrohung darstellte, die es abzuwehren galt. Nicht ohne Grund kämpften an der Ostfront mehrere hunderttausend Freiwillige aus ganz Europa auf deutscher Seite (Franzosen, Niederländer, Skandinavier u.a.), ebenso wie mindestens eine Million Russen, Ukrainer, Letten, Esten, Litauer usw.

Letzteres wäre kaum möglich gewesen, wenn sich die Wehrmacht nicht im allgemeinen gegenüber der einheimischen Zivilbevölkerung ähnlich korrekt verhalten hätte wie in Westeuropa. Getrübt wurde das ansonsten gute Verhältnis im Osten allerdings durch die Unterdrückungspolitik der deutschen Zivilverwaltung und der SS (insbesondere die Aushebung von Zwangsarbeitern) und den sich entfaltenden Partisanenkrieg, in dem es zu für diese Art Krieg typischen Exzessen auf beiden Seiten kam. Letztlich verhielten sich die an diesen Kämpfen beteiligten Wehrmachtsteile aber nicht anders als andere Armeen in vergleichbarer Lage (etwa amerikanische Truppen im Korea- und Vietnamkrieg oder französische im Algerienkrieg).

Die Härte der Kämpfe, die Angst und Verzweiflung der Soldaten und die extremen Bedingungen insbesondere des Kriegswinters 1941 werden in dem Film durchaus eindrucksvoll und treffend wiedergegeben. Man macht sich jedoch falsche Vorstellungen, wenn man davon ausgeht, die deutschen Soldaten hätten nur widerwillig den Kampf geführt. Die Kampfmoral und die Widerstandskraft der deutschen Truppen, denen praktisch immer eine gewaltige zahlen- und materialmäßige Übermacht gegenüberstand, war trotz allem gerade an der Ostfront erstaunlich hoch, was auch von den Gegnern anerkannt wurde. Desertiert sind nur sehr wenige. Insofern ist die Entwicklung Wilhelms eher untypisch, wenn auch vielleicht nicht vollkommen unmöglich.

Sehr seltsam und unglaubwürdig ist schließlich auch die Figur der Charlotte, deren Schuldigwerden doch ziemlich konstruiert wirkt. Daß sie einerseits persönlich mit einem Juden (Viktor) befreundet ist, dann aber gezielt nach einem ersten Verdacht in den Sachen der von ihr ausgesuchten einheimischen Hilfsschwester Lilija herumsucht, sie als Jüdin identifiziert und meldet (auch wenn sie es recht schnell bereut), ist doch ziemlich unglaubhaft. Wieso sollte ein realer Mensch sich so verhalten? Hier ging es wohl darum, die idealistische Krankenschwester, die sich freiwillig zum Lazaretteinsatz an die Front meldet, auf keinen Fall zu positiv darzustellen.

Geradezu absurd ist schließlich die Szene, in der die eigentlich todgeweihte Lilija in sowjetischer Uniform wieder auftaucht und einen Rotarmisten gerade noch davon abhält, Charlotte zu vergewaltigen bzw. die Vergewaltigung abbricht. Sinngemäß mit den Worten, die Sowjetsoldaten kämen als „Befreier“ und seien „keine Vergewaltiger“ – ganz als hätte es sich nur um seltene Einzelfälle gehandelt. Hier ist die Grenze zur Geschichtsklitterung vollends überschritten. Für mich ein negativer Höhepunkt des Films. Viel schlimmer hätte man die etwa 2 Millionen von Rotarmisten vergewaltigten deutschen Frauen und Mädchen, von denen viele nicht überlebten, nicht verhöhnen können.

Die Absicht des Drehbuchschreibers, die Figur der Charlotte so darzustellen, war wohl, die tatsächliche oder vermeintliche Wirkung der antisemitischen Propaganda während der NS-Zeit vorzuführen und ihr als besonders scharfen Kontrast die edelmütige und keinesfalls auf Rache sinnende Lilija gegenüberzustellen. Charlotte muß natürlich – zumindest für einen kurzen Moment – dem „Gift des Antisemitismus“ erliegen, sonst wäre sie nach Ansicht der Macher des Films keine typische Deutsche der Zeit. Daß dieses Bild keineswegs der damaligen Wirklichkeit entspricht und nicht einmal überzeugte NS-Anhänger mehrheitlich harte Antisemiten waren, zeigte sich besonders deutlich etwa bei den von der NS-Führung initiierten Pogromen des 9. November 1938, die von der Mehrheit der Deutschen (einschließlich Anhängern der NS-Bewegung) als Schock erlebt und mit Entsetzen aufgenommen wurden. Hierfür gibt es vielfältige historische Belege (SD-Berichte über die Stimmung im Volk, Aussagen von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels und zahlreiche Überlieferungen von Zeitzeugen).

Man darf nicht den Fehler machen, die Stärke des Antisemitismus unter den damaligen Deutschen zu überschätzen. Auch für die Wahlerfolge der Nationalsozialisten ab Anfang der dreißiger Jahre spielte er keine entscheidende Rolle. Es ist sogar eher so, daß die NSDAP von vielen eher trotz als wegen ihres Antisemitismus gewählt wurde. Gerade in den Jahren ihres Aufstiegs wurde das Thema in der Wahlpropaganda der Partei nicht in den Vordergrund gestellt. Ausschlaggebend für die Anziehungskraft der NS-Bewegung in dieser Zeit waren vielmehr ihre konsequente Gegnerschaft zum von so ziemlich jedem Deutschen von links bis rechts als nationale Erniedrigung und Knechtung erlebten Diktatfrieden von Versailles, die Unzufriedenheit mit dem bestehenden Parteiensystem der Weimarer Republik und nicht zuletzt ihre radikale Gegenposition zum Kommunismus, der aufgrund der Erfahrungen zwischen 1918 und 1923 mit kommunistischen Aufständen in Deutschland und der nach Westeuropa gelangten Nachrichten über die rote Terrorherrschaft in Sowjetrußland mit Millionen Toten nachvollziehbarerweise von vielen als ernste Bedrohung gesehen wurde.

Als dann ab 1929 mit Beginn der Weltwirtschaftskrise sich die Situation zuspitzte, Massenarbeitslosigkeit und Verelendung um sich griffen und es zu einer starken politischen Polarisierung und entsprechender Radikalisierung bis hin zu bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen kam (vor allem zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten), erschien die NSDAP breiten Kreisen in Bürgertum, Bauern- und Arbeiterschaft als hoffnungsvolle Alternative zum in ihren Augen gescheiterten Weimarer Staat. Ihr Ideal einer solidarischen Volksgemeinschaft, die eine Überwindung der Klassengegensätze und einen Dritten Weg zwischen Liberalkapitalismus und Kommunismus versprach, war damals ungemein attraktiv und elektrisierte vor allem die deutsche Jugend. Nach der Machtübernahme Hitlers schien vieles davon Wirklichkeit zu werden. Die Souveränität Deutschlands wurde wiederhergestellt (Revision des Vertrags von Versailles), und es folgte ein wirtschaftlicher Wiederaufstieg des Landes. Viel realistischer wäre es also gewesen, Charlotte ebenso wie Wilhelm und Friedhelm als authentische Vertreter dieser idealistischen Jugendgeneration zu zeigen, die nicht wissen konnte, daß Hitler Deutschland in einen Krieg führen würde, der sich dann ab 1941 zu einem neuen Weltkrieg ausweitete. Einmal in diese Situation geraten, die für ihr Land existentielle Gefahr bedeutete, zögerte kaum einer von ihnen, es mit ganzem Einsatz zu verteidigen.

Die dunkle, verbrecherische Seite des NS-Regimes – sein zunehmend totalitärer Charakter und die von ihm ausgeübte brutale Gewalt- und Terrorherrschaft – wurde für die meisten Deutschen erst im Laufe des Krieges nach und nach sichtbar. Das ganze Ausmaß der Verbrechen wurde allerdings erst nach Kriegsende deutlich. Dies gilt speziell für den Völkermord am Judentum Europas in den Vernichtungslagern im Osten Europas, der unter größter Geheimhaltung erfolgte und nur wenigen in Deutschland vor 1945 bekannt wurde. Die verschiedensten Zeitzeugen beteuerten, während des Krieges keine Kenntnis über die Vernichtungslager gehabt zu haben. Prominente Beispiele sind der sozialdemokratische Altbundeskanzler Helmut Schmidt oder Marion Gräfin Dönhoff (spätere Herausgeberin der linksliberalen Wochenzeitung „Die Zeit“), die während des Krieges Widerstandskreisen nahestand und trotz entsprechend besserer Informiertheit aussagte, „den Namen Auschwitz erst nach dem Krieg zum erstenmal gehört“ zu haben. Zu den Judendeportationen sagte sie gegenüber ihrer Biographin Alice Schwarzer: Man habe gewußt, „die Leute werden weggeschafft in den Osten. Aber daß es keine Arbeitslager, sondern Vernichtungslager waren, das habe ich erst nach dem Krieg erfahren. Auf die Idee, daß sie umgebracht werden, konnte kein Mensch kommen …“ Die ebenfalls in Verbindung zu Widerstandskreisen stehende Journalistin Ursula von Kardorff berichtete hingegen, sie habe kurz nach Weihnachten 1944 – also nicht einmal ein halbes Jahr vor dem Zusammenbruch des NS-Regimes – die schreckliche Wahrheit über die Funktion der Lager im Osten erfahren.

Die sich während des Zweiten Weltkrieges verschärfende Judenverfolgung wurde von vielen Durchschnittsdeutschen am Rande durchaus wahrgenommen. Daß ein großangelegter Massenmord im Gange war, überstieg jedoch die Vorstellungskraft der meisten und wurde nur von wenigen durchschaut. Überdies banden die sich zuspitzende Kriegslage, der alliierte Bombenkrieg, die Sorge um Angehörige an den Fronten und der tägliche Kampf ums Überleben die Aufmerksamkeit der Menschen und ihre Energien. Nur gerüchteweise kursierten von Fronturlaubern stammende Informationen über Massaker der SS an Juden im Osten, aus denen sich jedoch kein Gesamtbild ergab. Für den Normaldeutschen – sofern er als Soldat oder Zivilist von solchen Vorgängen erfuhr – war keineswegs klar, ob es sich um einzelne verurteilenswerte Exzesse der SS handelte oder System dahintersteckte. Ein Beleg dafür, wie gut die Geheimhaltung des Völkermordes in den Vernichtungslagern funktionierte, dürfte die Tatsache sein, daß zumeist selbst die jüdischen Opfer der Deportationen keine Vorstellung davon hatten, was mit ihnen geschehen würde.

Die Geschichte des Juden Viktor und seiner Familie in dem Dreiteiler hat sicherlich noch am meisten Berechtigung, auch wenn man Details seiner Flucht wie den Sprung aus dem Deportationszug bei relativ hoher Geschwindigkeit etwas unrealistisch finden mag. Auch werden sich in der Realität wohl nicht allzu viele deutsche Juden den Partisanen der Polnischen Heimatarmee angeschlossen haben. Mutig von den Machern des Films war es immerhin, den ausgeprägten Antisemitismus in Polen nicht zu verschweigen, sondern mehrfach deutlich hervorzuheben. Daß antijüdische Einstellungen in Osteuropa allgemein recht stark und weit verbreitet waren (weit mehr als in Deutschland und den Ländern Westeuropas!), ist ja nur den wenigsten bewußt. Dennoch ist der Film auch hier etwas einseitig, da er nicht zeigt, daß Teile der Polnischen Heimatarmee Juden durchaus halfen und ihr Leben retteten. Die Kritik aus Polen ist also nicht vollkommen unbegründet, wenngleich hier die Grundtendenz der Darstellung wohl stimmig und historisch korrekt ist. Die Figur der Greta dient hingegen nur dazu, eher seltene Verhaltensweisen und Erfahrungen in einer Person zu bündeln (Verrat des jüdischen Partners aus Karrieregründen; Verurteilung zum Tode wegen defätistischer Äußerungen usw.) und das wenig sympathische Bild der damaligen Deutschen zu komplettieren.

Insgesamt muß man feststellen, daß der Film den Deutschen von damals nicht gerecht wird. Er stellt sie entweder als Klischee-Nazis, tumbe Masse oder charakterschwach dar und führt sie auf diese Weise regelrecht vor. Ein vollkommenes Zerrbild, das hier gezeichnet wird. Problematisch ist wie gesagt vor allem das Bild der Wehrmacht im Rußlandkrieg, die sich gegenüber der einheimischen Zivilbevölkerung im allgemeinen sehr viel besser verhielt, als heute zumeist behauptet wird. Die Botschaft des Films, der Krieg bringe nur das Schlechteste im Menschen zum Vorschein, ist ebenfalls in ihrer Einseitigkeit höchst zweifelhaft. Zwar dürfte kaum jemand bestreiten, daß Krieg das Niederste im Menschen hervorbringen kann. Wie sich immer wieder gezeigt hat, bringt er jedoch – und zwar insgesamt wohl sehr viel häufiger – gerade auch das Edelste in ihm zum Vorschein (Kameradschaft in Not und Gefahr, Mut, Tapferkeit, Selbstlosigkeit, Opferbereitschaft, die höchsten Tugenden, zu denen Menschen fähig sind). Und besonders deutsche Soldaten haben dies in beiden Weltkriegen immer wieder unter Beweis gestellt. Wir müssen uns der großen Mehrheit unserer Vorfahren einschließlich der Masse unserer damaligen Soldaten gewiß nicht schämen.

Ein Film wie der Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ trägt wenig dazu bei, sich ein halbwegs realistisches Bild der Zeit zu machen. Wer tiefere Einblicke gewinnen und wirklich verstehen möchte, kommt nicht darum herum, zum Buch zu greifen und sich neben Erinnerungen von Zeitzeugen differenzierten historischen Darstellungen zuzuwenden. Zum Ehrlichsten und Authentischsten, was ich selbst über die Phase der späten Weimarer Republik und die NS-Zeit gelesen habe, gehören für mich die in zwei Bänden erschienenen Kindheits- und Jugenderinnerungen des Historikers und Journalisten Wolfgang Venohr (1925–2005), der in seiner Jugend zunächst begeisterter Hitlerjunge war und von 1943 an als Soldat einer deutschen Elitedivision am Krieg teilnahm. Mindestens ebenso lesenswert ist seine in eine ausgezeichnete Darstellung der Zeit eingebettete Biographie des Hitlerattentäters Claus von Stauffenberg (20. Juli 1944).

Hier für Interessierte die Titel:

Wolfgang Venohr: Erinnerung an eine Jugend (1997)

Wolfgang Venohr: Die Abwehrschlacht. Jugenderinnerungen 1940–1955 (2002)

Wolfgang Venohr: Stauffenberg – Symbol des Widerstands. Eine politische Biographie (2000)

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Außerdem noch einige differenzierte Darstellungen zur Wehrmacht:

Philippe Masson: Die deutsche Armee. Geschichte der Wehrmacht 1935–1945 (1996)

H. Poeppel u.a. (Hrsg.): Die Soldaten der Wehrmacht (1998)

Franz W. Seidler: Die Wehrmacht im Partisanenkrieg. Militärische und völkerrechtliche Darlegungen zur Kriegführung im Osten (1999)

DVD: Die Geschichte der Wehrmacht, Polar Film (2006)

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Ebenfalls sehr zu empfehlen:

Walter Kempowski: Das Echolot. Barbarossa `41. Ein kollektives Tagebuch (2002)

Philipp von Boeselager: Wir wollten Hitler töten. Ein letzter Zeuge des 20. Juli erinnert sich (2008)

Herbert Reinecker: Ein Zeitbericht unter Zuhilfenahme des eigenen Lebenslaufs (1990)

Alfred de Zayas: Völkermord als Staatsgeheimnis. Vom Wissen über die „Endlösung der Judenfrage“ im Dritten Reich (2011)

Konrad Löw: Deutsche Schuld 1933–1945? Die ignorierten Antworten der Zeitzeugen (2010)
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am 3. August 2016
Der Film zeigt ohne große Übertreibungen und künstlichen Schnick-Schnack das Leben (und teilweise Sterben) der 5 Hauptpersonen.

Auch sehr empfehlenswert für alle (wie mich), die der ständigen 2. WK Dauerberieselung im TV überdrüssig sind und die üblichen Erzählungen des Krieges nicht mehr hören können. Ein fast neutraler Blickwinkel im Film macht es sehr angenehm zu sehen.

Bei ARTE im TV vor einigen Tagen gesehen und daher auf DVD bestellt. Bestellung fehlerhaft durchgeführt, aber das ist eine andere Bewertung. Daher hier 4 Sterne.
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am 21. August 2013
Bei der Unmenge an Besprechungen zu dieser Filmtrilogie möchte ich meine Rezension stichwortartig in Pro und Contra Listen halten.
Ich vergebe 4 Sterne. "Unsere Mütter, unsere Väter" ist unbedingt zu empfehlen. Er zieht jeden unweigerlich in seinen Bann und man kann die beiden DVDs in einem Rutsch ansehen. Obwohl er einer der besten Filme über den 2. Weltkrieg ist, muss ich ihm den fünften Stern versagen, da er ein paar ärgerliche Schwächen hat, die zudem vollkommen unnötig sind.

Pro:
- neu und überfällig ist der Ansatz, sich einfache, typische im Krieg kämpfende Deutsche herauszupicken und sie über Jahre zu "begleiten".
- wie es der Mehrheit der Deutschen entsprach, sind die 5 Hauptrollen weder richtige Nazis noch Gegner.
- grossartige schauspielerische Leistungen.
- es wird sehr deutlich, wie der Krieg verroht und wie unterschiedlich Menschen darauf reagieren.
- die Ausweglosigkeit des Einzelnen wird verständlich.
- glaubhafte Darstellung der Kämpfe.
- glaubhaft, das keiner einen Überblick hatte.
- hervorragende Darstellung, wie und warum der Leutnant nach der Vernichtung seiner Einheit schlicht abschaltet und geht.
- es wird darauf verzichtet, den moralischen Zeigefinger zu heben. Die "political correctness" erforderte bisher ja immer, das der Grundtenor ist, das der Deutsche der Böse ist. Das ist hier glücklicherweise nicht der Fall. Der Krieg ist das Böse, nicht der Deutsche oder der Russe.
- dieser Film zeigt wie viele normale Deutsche am Rande an Verbrechen teilgenommen haben. Sie zeigt sie aber nicht als Verbrecher. Sie zeigt, das der durchschnittliche Kriegsteilnehmer weder Held noch Verbrecher war, sondern eine arme Sau.
- wie kein anderer Kriegsfilm versteht er es auf glaubhafte Weise, sich in die fünf Hauptrollen hineinzuversetzen, ihren Weg zu verstehen.

Contra:
- das die Hauptrollen alles Charaktere sind die höhere Schulen besucht haben und aus Berlin kommen, ist zu elitär. Mittelschüler aus Oldenburg oder Volksschüler aus Hanau wären typischere Deutsche gewesen.
- das eine davon eine durch SS-Förderung kurzzeitig bekannte Sängerin wird, ist noch elitärer.
- das zu den 5 Freunden auch ein Jude gehört und keiner der anderen vier auch nur latent antisemitisch ist, ist nicht unbedingt glaubhaft, zumindest nicht zeittypisch.
- Es wird nicht herausgearbeitet - dabei ist es bei der Beurteilung der Deutschen 1941 wichtig zu wissen - das bis zum Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion das Dritte Reich erheblich weniger Verbrechen begangen hat als die Sowjets. Ein einfacher deutscher Soldat konnte in der Tat mit einigermaßen gutem Gewissen gegen das Reich des Bösen ziehen. Er bekämpfte WIRKLICH das Böse (das er das zusammen mit dem Teufel tat, steht auf einem anderen Blatt).
- die Handlung unter den polnischen Partisanen ist zu einseitig. Zwar gab es unter denen auch Antisemiten, aber sich diese Minderheit herauszupicken, ist so unnötig wie die internationale Kritik herausfordernd.
- die Freunde treffen sich zu oft "zufällig" wieder (ok, das ist der besseren Dramaturgie geschuldet).
- die Grausamkeit der russischen Partisanen, ein Erlebnis vieler im Ostkrieg, taucht gar nicht auf, deutsche Massaker schon. Einzig im Ansatz ist das Thema der Massenvergewaltigungen der Roten Armee zu sehen, und da greift unglaubwürdigerweise eine russische Offizierin ein, die durch ein Wunder die Nazigefangenschaft überlebt hat.
- das der besonders grausame, durch und durch verkommene SS-Offizier schon ganz kurz nach Kriegsende wieder als Funktionär von den Amerikanern eingesetzt wird, ist, wenn auch im Einzelfall vorgekommen, doch sehr weit hergeholt. Da sassen - neben vielen Mitläufern - doch vor allem von den Nazis vorher herausgeworfene Fachleute die nicht Parteimitglied werden wollten (wie mein Großvater, der als Antinazi nach dem Krieg von den Alliierten zum Bürgermeister gemacht wurde).
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am 18. April 2013
Es ist schwierig eine Rezension zu schreiben über einen Film, eine Auseinandersetzung mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte, der mich und viele andere Zuschauer so sprachlos macht, so tief ins Herz trifft, Zusammenhänge fühlbar, erlebbar macht ohne nicht ständig Superlative zu bemühen.
Was dem ZDF mit seinem DreiTeiler gelungen ist, ist wohl einer der besten, detailliertesten und bewegendsten "Versuche" diese Zeit genauer die Jahre 1941-1945 in eine filmische Form zu bringen.
Ich schreibe "Versuch" denn, wie man hier auch in vielen Kritiken liest, fühlt sich der eine natürlich nicht richtig dargestellt, kritisiert ein anderer die Auslassungen, Vereinfachungen oder die für eine dramaturgisch, geschlossenen Form eines Spielfilms notwendige künstlerische Freiheit.
Sicherlich wäre es real fast unmöglich daß die fünf Freunde im Laufe der Jahre immer wieder aufeinandertreffen.
Doch all dies ist Suchen nach der Nadel im Heuhaufen, zeigt ausschließlich wieviel Zündstoff auch heute noch in der Thematik liegt und ist zu vernachlässigen im Angesicht dieser kraftvollen, unglaublich bewegenden und unvergesslichen Gesamtleistung. Alle Spielfilme, sei es dieser, sei es "Schindlers Liste", seien es Kriegsepen wie "James Ryan", "Das Boot" oder Filme die versuchen im kleinen Rahmen das große Grauen darzustellen wie "Drei Tage im April" oder "der letzte Zug" können immer nur mosaikartige Ausschnitte bieten.
Man sollte sie auch niemals gegen sachliche Reportagen ausspielen.
Warum nicht alle Formen nutzen, die jede für sich ob sachliche Reportage oder in Spielfilmhandlung umgesetzte und dadurch erfühlbar gemachte Einzelschicksale jeweils Eindrücke vermitteln können.
Erklärbar, durch und durch alle Aspekte zu berücksichtigen ist unmöglich.
Das ist es auch was diese 12 Jahre und auch nicht zu vergessen, die vielen Jahre zuvor, die den Nährboden bereiteten, so unglaublich faszinierend , so verstörend machen.
Dieses Jahrhundertverbrechen wird eben nie vollständig verstandesmäßig erfassbar sein. Diese 12 Jahre zeigen in komprimierter Form alles wozu der menschliche Geist in seinen Abgründen unter welchen Vorraussetzungen auch immer fähig seien kann. Die Frage nach uns selbst, unseren Handeln, unserer Psyche stellt sich somit auch heute Tag für Tag aus Neue.
So bin ich froh über jede neue Form, in der dieses Thema behandelt wird, das niemals ruhen, niemals vergessen werden sollte. Nicht aus Schuldfragen. Oh, nein.
Alle die das NS- Regime in der Hinsicht auf primitive Weise immer wieder instrumentalisieren (man siehe im Ausland die Merkel- Puppen mit Hitlerbärtchen) sind genauso auf dem Holzweg, wie die die diese Zeit ganz ignorieren.
Denn wir sehen ja wie die gefährlichen Auswüchse auch und gerade heute noch aktiv sind.
Unter all diesen Aspekten ist es phänomenal was für ein packendes Monument mit hervorragenden Schauspielern, einem unglaublich authentischen Decor, einem so facettenreichen Drehbuch hier geschaffen wurde.
Eine filmische Sternstunde, ein Jahrhundertfilm.
Vielleicht auch der letzte der sich noch auf Zeitzeugen berufen kann.
Alles was einem Film nur an Mitteln möglich ist um einen Einblick in diese Zeit des Grauens zu ermöglichen wird hier umgesetzt. Wenn man, wozu ich raten würde alle drei Teile hintereinander schaut, spürt man der Film gibt bei Gott keine schnellen Antworten und geht so tief in die Seele, unmöglich einzelne der unzähligen Aspekte herauszuheben.
Hunderte kleine Szenen die dieses Gesamtbild entwickeln, in das der Zuschauer hineingesogen wird.
Sie betrachten diesen Film nicht, sie erleben ihn mit. Sehen, spüren, fühlen Sie, lieber Interessent diese Erfahrung selbst.
Nicht einzelne Staaten, nicht einzelne Charaktere,nein, der Krieg als solches ist das Monster das jedes Menschenleben, jede einzelne Seele vergiftet und zerstört. Sein gnadenloser Mechanismus zermalmt jedes menschliche Schicksal in seinem Getriebe. Da ist der Schöngeist, der durch den Krieg zur emotionslosen Tötungsmaschine wird, da ist die Sängerin, ein wenig angelehnt an Zarah Leander, die durch die Gunst des Regimes zum gefeierten Star wird und genauso schnell wieder gnadenlos geopfert, da ist der Jude, ständig flüchtend vor dem sicheren Tod, da ist die Krankenschwester, die obwohl nur Gutes tun zu wollen zur Verräterin wird, da sind die stummen Mitläufer, die Nazi-Größen, die monströs und menschenverachtend, sadistisch handeln,am Kriegsende jedoch wieder ihre Fähnlein nach dem Wind richten und vieles mehr.
Jeder Dialog, jede Gefühlsnuance unglaublich mitreissend, verstörend, bewegend.
Freunde werden zu Verrätern, der Tod, die Angst , die Auswegslosigkeit allgegenwärtig.
Jeder Täter ist auch Opfer zugleich. Jeder wird durch diesen Krieg ein Stück seines Menschseins und seiner Empathie aufgeben. Menschliche Wracks, menschliche Bestien. Jeder verliert hier seine Unschuld.
Fazit: In allen Punkten eine phantastische, hautnahe, unvergessliche, unfassbar beindruckende Gesamtleistung, die aber auch wirklich jede Aufmerksamkeit, jede Auszeichnung mehr als verdient hat.
Ich hatte Tränen in den Augen, einen dicken Kloß im Hals und konnte erst einmal nur stumm dieses Filmwerk auf mich wirken lassen. Danke an das ZDF und an alle Beteiligten für diesen Mut, dieses Können, diese Hingabe an ein weiß Gott brisantes Thema.
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am 17. April 2013
Die DVD ist identisch zum Kinofilm. Es handelt sich um einen Actionfilm anlehnend an die Ereignisse vom Krieg, der in der gesamten Spieldauer keine Langeweile aufkommen lässt. Ideal auch als Ergänzung zu "Der Untergang".
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am 8. November 2015
Ganz großer Nazi-Grusel...

Ein SS-Sturmbannführer ist zugleich örtlicher Gestapo-Chef, - und geht höchstpersönlich wie ein kleiner Plattfuß-Kriminaler angezeigten Trivial-Delikten wie Hören von Swing-Musik nach!

(Sowieso Quatsch, - Teddy Staufer war ein auch in Deutschland populärer holländischer Jazzmusiker, dessen Platten bei der Swing-Jugend (von Gleichaltrigen "Stinte" genannt) sehr beliebt waren. Realistisch übrigens dargestellt im TV-Dreiteiler "Tadellöser & Wolf". Swing war nämlich keineswegs verboten, höchstens die ältere Generation und stramme Nazis meckerten über die "Negermusik" , - so wie es später mal die Alten über Bill Haley oder die Beatles taten, mehr war nicht! Nur ca. 50 Jazz-Platten standen auf dem Index, alles andere war frei erhältlich, wenn auch oft - je nach Ladenbesitzer -, nur "unterm Ladentisch", aber das war reine Privatsache, bestraft wurde niemand! Und die deutscheTanz- und Unterhaltungsmusik jener Zeit, z.B. das Orchester Willy Berking, die Lieder der "chilenischen Nachtigal" Rosita Serrano oder der schönen und witzigen Evelynn Künnecke usw. war ihrerseits fröhlich "swinging" im Stil, so groß war der Unterschied zu Benny Goodman & Co.. garnicht!)

Na und dann ist der kleine Gestapo-Dienststellenleiter plötzlich mächtig wie Heinrich Himmler persönlich, ein Wink von ihm und sogar eine bekannnte von ihm selbst aufgebaute Schlagersängerin landet ohne Prozeß mir nichts, dir nichts wegen einer kurzen Bemerkung in einer Kneipe im Gefängnis und wird später erschossen. Für so etwas kam man in Wirklichkeit lediglich vor Gericht, so wie für "Feindsender hören" - und mußte 300 RM Gedlstrafe zahlen! Erst bei mehrfachen notorischen Wiederholungsfällen oder für bereits bekannte Kommunisten usw. konnte es gefährlich werden.

Ansonsten trifft in dieser Weltkriegs-Schmonzette auf wundersame Weise Jeder Jeden im Mega-Inferno wieder, - sogar die russisch-jüdische Ärztin im Lazarett, die angezeigt und vom SD verhaftet wurde, ist gegen Kriegsende auf einmal wieder da: als edel gesinnte Kommandeuse brutaler russischer Rotarmisten (Blödsinn, es gab komplette Frauenkompanien, einzelne Panzerfahrerinnen, Pilotinnen usw., aber sowas nicht), die sich streng Vergewaltigungen verbittet (der ertappte Rotarmist knöpft sich die Hose zu und salutiert beschämt) und die deutsche Krankenschwester, die sie einst anzeigte, mit Zivilkleidung versorgt und verzeihend rettet!

Auf-hö-ren - Kitsch laß` nach!

Lobenswert und neu im deutschen Fernsehen ist indes, daß polnische Partisanen als fanatische Antisemiten vorkommen, bereit, in einem von ihnen überfallenen Zug unerwartet vorgefundene Juden in den Waggons sterben zu lassen. O-Ton Partisanen über Juden: "Wir ertränken sie wie Katzen!"

Leider entspricht der polnische Antisemitismus im Film ausnahmsweise der historischen Wahrheit. Ebenso, daß Rotarmisten beim Eintreffen im aufgegebenen deutschen Lazarett die zurückgebliebenen Schwerverletzten erschießen! Dafür den zweiten Punkt, für den Mut der Macher, das politisch inkorrekt zu thematisieren.

Was die Kampfszenen betrifft, sicher, mit den heutigen Mitteln ausstattungsmäßig (Waffen,Fahrzeuge, Kulissen usw.) sehr gut, - ich empfehle aber, das Geschehen betreffend, lieber alte Landser-Hefte zu lesen. Die enstanden ja nach dem Krieg mit dem Anspruch, statt Generalserinnerungen das kleine arme Frontschwein zu Wort kommen zu lassen. Der wurde auch erfüllt, und die Geschichten von ehemaligen Landsern geschrieben, naturgemäß nicht immer literarisch brillant, dafür aber realistisch!

Und wenn es um bewegte Bilder vom Krieg und Dritten Reich gehen soll, die wirklich einen Eindruck vom wahren Geschehen vermitteln können,dann die frühen Nachkriegsfilme, bei denen jeder, vom Spielleiter und Schauspieler bis zum Beleuchter, nicht lange zuvor noch selber Soldat oder sonstwie dabei gewesen war:

- In jenen Tagen (1946, der erste Nachkregsfilm überhaupt)
- Am grünen Strand der Spree (vier Teile, darunter der erste Film, der die Erschießung von Juden und anderen Zivilisten zeigte)
- Die Brücke
- Des Teufels General
- Die 08/15-Trilogie
- Hunde wollt ihr ewig leben (Stalingradfilm)
- Der Stern von Afrika (über den Jagdflieger Hans-Joachim Marseille)
- Canaris (über den später im Konzentratonslager ermordeten Chef der Abwehr)
- Haie und kleine Fische (U-Bootfilm)
- Die Mörder sind unter uns (über Nachkriegskarrieren von NS-Tätern)
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am 6. September 2014
For us this is a very different film because it is from the German perspective during WWII. We are British and only ever see things the other way in films. This told us so much about how things were and how it was in Deutschland for ordinary people. It is so well made with a good cast, good filming and a great script. It told the story truthfully and did not get sloppy and sentimental, but instead showed the grim reality of war and how awful that really is. But it also let you take the characters to your heart, to feel their emotions and understand how they felt about all that happened.
Every politician who wants to start a war should be made to watch this film.
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