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am 30. Mai 2016
Inhalt:
Der 18-jährige Jari möchte, bevor er in den Tischlereibetrieb seines Vaters einsteigt, noch einmal frei sein und ein wenig Spaß haben und beschließt, alleine auf einen dreiwöchigen Wandertrip aufzubrechen. Am Ausgangsort seiner Wanderung angekommen, begegnet er der geheimnisvollen Jascha, die ihn fasziniert und der er in das abgeschiedene Haus mitten im Wald folgt. Nichtsahnend, welche Ereignisse er damit in Gang setzt und welch dunkles Geheimnis der Wald und Jascha verbergen.

Meinung:
Die Atmosphäre und die Stimmung im Buch sind großartig und faszinierend. Einerseits ist da die Idylle des Waldes und der Natur, die sorglose Stimmung von Jari, der voller Abenteuerlust zu einer Wanderung aufbricht, die Schönheit und das Geheimnisvolle, das von dem Mädchen ausgeht, und plötzlich merkt man mehr und mehr, dass da etwas Böses lauert, etwas Unheimliches, etwas Bedrohliches, das zunehmend in Brutalität, in Grausamkeit, in Irrsinn umschlägt und verstört.
Das Verwirrspiel um Jari und Jascha ist hervorragend inszeniert, sodass man als Leser selbst immer wieder von Neuem erstaunt darüber ist. Das Buch kann die Spannung über die gesamte Dauer halten, wobei man jedoch keine „actiongeladene“ Spannung erwarten sollte, sondern eine unterschwellig brodelnde, ein ständiges Gefühl von lauernder Gefahr und Unheil. Gerade diese Art der Spannung hat mich umso mehr an das Buch gefesselt.
Außerdem konnte mich Michaelis mit ihrem Schreibstil begeistern. Sie beschreibt Örtlichkeiten aber auch Gedanken und Emotionen sehr bildhaft. Viele Sätze und Dialoge sind rätselhaft, mehrdeutig und auf gewisse Weise entrückt. Die Autorin lässt dem Leser sehr viel Spielraum für eigene Interpretationen.

Das Ende des Buches ist für mich leider sehr enttäuschend. Ich hatte schon relativ früh eine Idee, worauf das Ganze hinausläuft und was hinter den Geschehnissen im Wald steckt. Als die Geschichte dann voranschreitet, habe ich meine Idee allerdings wieder verworfen, da Dinge geschahen, die meiner Theorie widersprachen und sie unlogisch machten. Jetzt war ich erst recht beeindruckt und neugierig, welche Richtung die Geschichte nehmen wird und wie sich die Dinge aufklären werden. Und dann, ein paar Seiten vor Schluss, musste ich feststellen, dass das Buch genau den Ausgang findet, den ich bereits am Anfang vermutet, aber aufgrund von Ungereimtheiten im Verlauf der Geschichte als zu undurchdacht und unausgegoren wieder verworfen habe. Und nein, auch die Tatsache, dass unser Protagonist Jari nahezu permanent unter dem Einfluss von zu viel Wein oder Fliegenpilzen steht, macht das Ende nicht glaubhafter! Leider hinterlässt die gewählte Auflösung auch eine etwas seltsame und fragliche Message. Da waren mir die Geschehnisse und das Verhalten der Personen im Wald dann doch viel zu lapidar und konsequenzenlos abgehandelt.
Schade! Da für mich persönlich jedoch ein Buch erst durch seine innere Logik und Durchdachtheit zu einem ausgezeichneten Buch wird, vergebe ich für „Solange die Nachtigall singt“ knappe 3,5 von 5 Sternen. 20 Seiten vor dem Ende hätte ich dem Buch sogar noch volle 5 Sterne gegeben!
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am 9. September 2012
Die Geschichte:
Jari, der 18- jährige Tischlerssohn, begibt sich auf eine Wanderung. Die Wanderung führt ihn irgendwo hinter Zittau, im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien. Auf dem Weg trifft er ein junges, sehr hässliches Mädchen. Da beide den gleichen Weg haben, folgt er ihr. Doch als sie den Wald erreichen zieht das Mädchen seine Verkleidung aus und dahinter kommt das schönste Mädchen zu Tage, was Jari je gesehen hat. Bezaubert folgt er dem Mädchen, mit dem Namen Jascha, in den Wald, da er sowieso eine Unterkunft für die Nacht braucht. Tief im Wald erwartet ihn eine Welt voller Schönheit und Gefahren, voller Abgründe und Liebe.

Der Einstieg in das Buch ist ruhig und sanft. Man lernt Jari langsam kennen und begleitet ihn auf dem Weg in den Wald. Dort bekommt man eine wunderschöne und detailliert beschriebene Welt inmitten eines Waldes gezeigt. In dieser auf den ersten Blick harmonischen Welt, jenseits der Zivilisation, wirkt alles magisch, märchenhaft und geheimnisvoll.
Neben der Haupthandlung gibt es noch einige Passagen von drei kleinen Mädchen und als Leser fragt man sich schnell, was diese Passagen vielleicht mit Jascha zu tun haben. Alles ist sehr geheimnisvoll und bis zum Schluss wurde ich in die Irre geführt und wusste nicht, worauf das Buch hinausläuft. Es gibt viele überraschende Wendungen und das Ende ist so dermaßen anders, erschreckend und auch faszinierend, dass ich nach dem Lesen erstmal darüber nachdenken musste. Es hat mich schon sehr aufgewühlt, aber auch tief berührt.
Die Handlung ist sehr komplex und geheimnisvoll.

Insgesamt war ich leider oft sehr verwirrt und erst am Ende hat wirklich alles Sinn ergeben und die Handlung war schlüssig und nachvollziehbar. Dadurch ist mir das Lesen aber leider stellenweise etwas schwer gefallen.
In "Solange die Nachtigall singt" werden viele Tabus gebrochen und die märchenhafte Stimmung vom Anfang wird zunehmend durch Brutalität ersetzt. Es führt in die Tiefen der menschlichen Abgründe. Nie ist klar, was ist Realität und was Fiktion, was wirklich und wann wird man in die Irre geführt?

Die Protagonisten:
Jari war mir am Anfang etwas unsympatisch, weil sein einziges Ziel war, Jascha ins Bett zu bekommen. Dabei ist er eigentlich recht schüchtern und lieb. Seine zunehmende Veränderung vom ruhigen Jungen in den brutalen Jäger zu verfolgen hat mich fasziniert, aber auch teilweise erschreckt. Er macht wirklich eine wahnsinnige Entwicklung durch und bis zum Schluss ist nicht klar, auf was diese hinausläuft. Zeitweise habe ich mit ihm mitgefühlt, dann hat er mich wieder abgestoßen oder ich mochte ihn wirklich. Ich habe selten solche facettenreichen Protagonisten erlebt, die mich so in ihren Bann gezogen haben.
Jascha ist sehr geheimnisvoll und bleibt es auch sehr lange. Man erfährt als Leser zwar immer mehr über sie, aber wird doch in vielen Dingen im Dunkeln gelassem, was aber beabsichtigt ist und auch mit den Reiz des Buches ausmacht.
Die wenigen anderen Protagonisten gliedern sich gut in die Handlung ein und passen zu der Grundstimmung des Buches.

Der Schreibstil:
Der Schreibstil ist wohl das, was Antonia Michaelis ausmacht. Sie schreibt wunderbar poetisch, spannend, faszinierend, emotional und geheimnisvoll. Die ganze Handlung wird atemberaubend und schonungslos beschrieben und sie kann viele intensive Gefühle bei dem Leser hervorrufen.
Das Buch ist bis auf die Passagen über die drei kleinen Mädchen, aus Jaris Sicht verfasst (personaler Erzähler), so dass der Leser auch immer nur erfährt, was auch er weiß.

Das Cover/der Buchtitel:
Das Cover ist düster und geheimnisvoll. Es passt perfekt zu dem Buch. Ich finde, es sticht ziemlich ins Auge, da es nicht sehr viele so düster Cover in der Jugendliteratur gibt.
Der Titel passt ebenfalls sehr gut, weil ein Lied über die Nachtigall und auch die Nachtigall an sich wichtig für die Handlung ist und den Leser stets begleitet.

Fazit:
"Solange die Nachtigall singt" ist kein Buch für schwache Nerven und auch jüngere Jugendliche sollten davon Abstand nehmen.
Dennoch konnte es mich insgesamt überzeugen, auch wenn es mich schockiert zurückgelassen hat. Manchmal mag ich solche Bücher.
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am 17. September 2012
Inhalt:
Jari, ein 18-jähriger Tischler, hat gerade seine Lehre abgeschlossen und beschließt sich für zwei/drei Wochen auf Wanderschaft, in den Zittauer Gebirge, zu begeben. Am Bahnhof trifft er, in seinen Augen, auf das hässlichste Mädchen der Welt und doch, trotz ihrer Hässlichkeit, strahlt sie eine Faszination für ihn aus, der er sich nicht entziehen kann. Es kommt dazu, dass er seine Wanderschaft mit dem Mädchen, dessen Name übrigens Jascha ist, beginnt. Und nach einiger Zeit verwandelt sich dieses hässliche Mädchen, in das schönste was er je gesehen hat, nicht durch Zauberei, sondern einen Trick, denn man allerdings lesen muss, um ihn verstehen zu können.
Es ist auch der Moment, in dem Jari Jascha verfällt, er bleibt an ihrer Seite, begleitet sie bis zu ihrem Haus im Wald. Sie bietet ihn eine Unterkunft für die Nacht an, welche er gerne annimmt, doch aus einer Nacht, werden Tage und aus Tagen Wochen, bis Jari letztlich die Realität aus den Augen verliert und sich in einen Jäger verwandelt.

Meine Meinung:
Antonia Michaelis war mir schon durch „Den Märchenerzähler“ und „Die Nacht der gefangenen Träume“ ein Begriff. Besonders ihr einmaliger Schreibstil hat es für mich geschafft, dass sie eine meiner Lieblingsautorinnen ist und auch „Solange die Nachtigall singt“ kann mit einer Portion Poesie in wenigen Worten aufwarten. Der Schreibstil hat also seine bekannte Magie versprüht, nur der Rest, da habe ich keine Ahnung, was das war.

Die Geschichte klingt seltsam und genau so ist sie – seltsam. Es hat ein bisschen etwas von einem Mystery – Horror Szenario gehabt, was die Atmosphäre definitiv den Leser liefern konnte. Der geheimnisvolle Wald, dichter Nebel, rasche Szenenwechsel, plötzliches Auftauchen und Verschwinden, ja, es war alles sehr seltsam in der Geschichte und durchaus einnehmend. Was mich irgendwann gestört hat, waren diese dauerhaften Wiederholungen, die kein Ende nehmen wollten. Jascha ist verschwunden, taucht wieder auf, sie springt um Jari herum, der langsam den Verstand verliert, es geschehen komische Dinge und es geschehen noch mehr komische Dinge und eigentlich geschieht nichts aussagekräftiges. Mich hat das Buch einfach zu langweilen begonnen und da war noch nicht einmal die Hälfte der Geschichte erreicht, einzig der Schreibstil und die überspringende Atmosphäre ließ mich durchhalten, wobei gelohnt hat es sich nicht wirklich.

Es ist so, man liest immer wieder kleine Einschübe aus der Vergangenheit im Buch, wie es eben dazukam, dass Jascha jetzt alleine im Wald lebt und durch diese kurzen Sprüngen, kann man sich relativ leicht eine Geschichte zusammendichten, wie „Solange die Nachtigall singt“ enden könnte, dass es dann tatsächlich so kam, wie ich es mir vorgestellt hat, war kein Überraschung für mich. Es ist vorherzusehen, wie sich das Ganze entwickelt und welche Richtung es einnimmt.

„Ganz alleine sein ist schrecklich. Der Wind heult draußen, wenn du ganz allein bist, und klagt und weint in den Ästen. Die Kälte wird unerträglich kalt und die Dunkelheit unerträglich dunkel. Und in den Ecken lauert die Angst. Wenn du ganz allein bist im Wald, wirst du verrückt. Dann bist du verloren. Ausgeliefert. Hilflos. Dann hat dich die Nacht.“ (Seite 36)

Was die Autorin wirklich gut kann, ist die Grenzen zwischen Realität und Fiktion so zu verwischen, so dass man als Leser irgendwann selbst an sich zu zweifeln beginnt, dutzende Male nachdenken muss über eine Situation, nur um dann zu keinen Ergebnis zu kommen. Man kann die Geschichte nur wirken lassen, darf sich nicht den wirren Gedankengängen hingeben, denen man vielleicht versucht ist nachzuhängend, dann nämlich glaube ich, hat man sich verloren, oder vielleicht war dies auch mein Fehler, ich bin nicht verloren gegangen, weil ich ein viel zu rational denkender Mensch bin und mich auf viele Situationen nicht eingelassen habe. Eventuell wird das Leseabenteuer deutlich höher, wenn man die Realität loslässt und sich ins Buch fallen lässt, wie gesagt, ich konnte es leider nicht, weshalb das Buch mich nicht überzeugt hat.

Fazit:
Eine einzigartige Atmosphäre, die durch den Schreibstil von Antonia Michaelis fassbar macht, bestimmt das Buch und die Geschichte, nur leider war es das auch schon. Geprägt von Wiederholungen und Langatmigkeit, kann ich keine Empfehlung für „Solange die Nachtigall singt“ abgeben.
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am 11. September 2012
Jari ist gerade achtzehn geworden und hat seine Tischlerlehre bei seinem Vater abgeschlossen. Bevor er ins harte Arbeitsleben einsteigt, möchte Jari sein Freiheit noch ein letztes Mal in vollen Zügen genießen und beschließt, im Wald an der Grenze zwischen Deutschland, Tschechien und Polen, zwei Wochen wandern zu gehen. Doch seine Pläne werden über den Haufen geworfen, als er Jascha begegnet, deren Schönheit so rein und so vollkommen ist, dass Jari sich ihr nicht entziehen kann. Er folgt ihr zu der kleinen Hütte, in der sie vorgibt seit dem Tod ihres Vaters alleine zu leben. Eigentlich wollte er nur eine stürmische Nacht mit der dunkelhaarigen Schönheit verbringen, doch ohne es zu merken, bindet sich Jari immer mehr an Jascha und aus dem ruhigen und unscheinbaren Tischlergesellen wird ein Jäger, der sein Mädchen vor den Gefahren des Nebelwaldes beschützen möchte. Doch Jari muss schnell herausfinden, dass diese Gefahren ganz anderer Natur sind, als es den Anschein hat. Denn das Böse versteckt sich nicht im Gewand eines Wolfes oder Bären und der Wald, mit all seiner vollkommenen Schönheit, birgt mehr Geheimnisse als Jari jemals für möglich gehalten hätte... .

Nachdem mich Antonia Michaelis Werk "Der Märchenerzähler" sprachlos zurückgelassen hat - so schockierend und brutal, aber ebenso zärtlich, poetisch und liebevoll wird die Geschichte erzählt - , fieberte ich ihrem neuen Werk gespannt entgegen. Die Idee eines verwunschenen Waldes, bewohnt von einem ebenso schönen, wie geheimnisvollen Mädchen, klang absolut faszinierend und aufgrund meiner Begeisterung für "Der Märchenerzähler" waren meine Erwartungen natürlich sehr hoch.

Gleich zu Beginn des Romans wird der Leser mit Jari, aus dessen Sicht wir die Geschehnisse erfahren, bekannt gemacht. Jari ist ein junger Mann, der von Selbstzweifeln zerfressen ist. Er sieht sich immer nur als Anhängsel seines Vaters oder besten Freundes. Als eigene Persönlichkeit scheint er von anderen nicht wahrgenommen zu werden. Kein Wunder, denn er selbst nimmt sich so auch nicht wahr. Um endlich herauszufinden, wer Jari Cizek wirklich ist, begibt er sich auf eine Art "Selbstfindungstrip" in den nächstgelegenen Wald. Geplant war, dass er dort für zwei Wochen wandern geht, um danach bei seinem Vater zu arbeiten, doch als Jari Jascha kennen lernt, merkt der Leser schnell, dass sich Jaris Pläne wohl ändern werden.

Jari selbst empfand ich als einen sehr angenehmen Protagonisten. Er ist ein ruhiger und nachdenklicher Mensch, der für sein Alter schon ziemlich reif zu sein scheint. Ich persönlich habe es sehr genossen, in Jaris Gedankenwelt abzutauchen, denn diese ist unheimlich poetisch, voller Bilder und Metaphern und Jaris Blick für das Wesentliche und die Schönheit dieser Welt ist wirklich augenöffenend. Frau Michaels versteht es wie keine andere, ihre Leser alleine durch ihren märchenhaften Schreibstil und die melancholische Stimmung, die dieser erzeugt, an ihre Romane zu fesseln.

Als Jari Jascha kennenlernt, kommt eine Art subtiler Spannung auf, die bei mir während des Lesens eine Beklemmung und Bedrängnis auslöste, die ich mit Worten gar nicht beschreiben kann. Es war beinahe so, als sei ich selbst in diesem Wald, der voller Geheimnisse und Gefahren ist, gefangen, wie in einem Labyrinth, in dem ich mich immer wieder verlaufe und den Ausgang nicht finde. Jari selbst scheint dieses Gefühl anfangs nicht zu verspüren, da Jaschas makellose Schönheit in für alle lauernden Gefahren blind zu machen scheint. Doch schon bald erkennt Jari, dass mit Jascha irgendetwas nicht stimmt und dass sie das vielleicht größte Geheimnis des Nebelwaldes ist.

Wer ist sie? Wieso scheint sie immer an mehreren Orten gleichzeitig zu sein? Wie kann es sein, dass sie im einen Moment Narben an Stellen hat, an denen im nächsten keine mehr sind? Man versucht, sich nicht blenden zu lassen und hinter Jaschas Geheimnis zu kommen. Würde man sehr genau lesen, würde es einem sicherlich gelingen, doch wie Jari lässt man sich von Jaschas unschuldiger Art und ihrer Schönheit verführen. Was ist Realität und was Einbildung? Und welches Geheimnis verbirgt sich hinter Jaschas schöner Fassade?

Diesem Geheimnis kommt der Leser Stück für Stück immer mehr auf die Schliche, da Frau Michaelis einen zweiten Handlungsstang in ihre Geschichte miteinwebt. Zwar nimmt dieser Handlungsstang nur einen minimalen Teil der Geschichte ein, er ist aber ebenso spannend und märchenhaft erzählt wie der Haupterzählstrang. Man kommt Jaschas Geheimnis dadurch relativ schnell auf die Spur und glaubt schon zu wissen wie der Roman verlaufen wird. Erstaunlicherweise - und in meinen Augen macht genau das die Geschichte so undurchschaubar und spannend -, löst die Autorin dieses "Geheimnis" aber selbst recht schnell auf. Wieso die Geschichte dadurch noch spannender wird? Da Jaschas Existenz durch die Enthüllung nicht weniger verwirrend und mysteriös wird, sondern im Gegenteil eher noch unheimlicher.

Unheimlich ist dieser Roman stellenweise wirklich sehr. Nicht nur einmal habe ich mich dabei erwischt, wie ich selbst ganz ängstlich wurde, als sich mal wieder das Gefühl der Beklemmung einstellte, wenn Jari seltsame Entdeckungen macht. Dieser Roman ist atmosphärisch wirklich unheimlich dicht und beinhaltet so viele skurrile, merkwürdig abstrakte und schaurige Szenen, dass es zumindest mir während des Lesens teilweise ganz anders wurde. Gerade Jari verändert sich im Beisein des Mädchens auf geradezu erschreckend negative Art und Weise.

Auch wenn das bisher alles sehr spannend und ganz nach einem besonders guten Leseerlebnis klingt, muss ich leider sagen, dass mich "Solange die Nachtigall singt" stellenweise ein wenig enttäuscht hat. Der Roman ist durchweg extrem verwirrend und in meinem Kopf herrschte während des Lesens ein ganz schönes Durcheinander. So viele Rätsel gibt Frau Michaelis ihren Lesern auf, von denen zumindest ich hoffte, dass sie gegen Ende zufriedenstellend aufgelöst werden würden. Leider ist es aber mal wieder der Schluss, der mich enttäuscht hat. Die Autorin hat versucht das Durcheinander, das die vielen Anspielungen und Unklarheiten hervorriefen, innerhalb von zehn Seiten zu entwirren. Dass das nicht klappen kann, schon gar nicht auf authentische und nachvollziehbare Weise, ist wohl jedem klar. Es erschien mir ganz so, als habe die Autorin selbst nicht so recht gewusst, wie sie die Fäden entwirren soll, sodass sie am Ende alles nochmal komplett über den Haufen wirft und eine Erklärung findet, die so vollkommen absurd ist, dass sie einer ausführlichen Schilderung bedurft hätte, die aber vollkommen ausbleibt.

Gerade der Schluss ist es mal wieder, der den Roman in meinen Augen ganz schön runterzieht. Der märchenhafte Schreibstil und die faszinierende Idee, die dem Roman zugrunde liegt, leidet unheimlich unter den vielen Anspielungen, die den Leser einfach nur verwirren und dem absolut nicht zufriedenstellenden Schluss. Da Frau Michaelis aber mal wieder bewiest, dass sie ganz wunderbar schreiben kann und ihre Ideen immer wieder innovativ und spannend sind, sodass man sich dem Sog, den der Roman erzeugt, nicht entziehen kann, kann ich "Solange die Nachtigall singt" dennoch auf jeden Fall besten Gewissens weiterempfehlen.
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am 10. Februar 2013
Ich bin ein bisschen zwiegespalten, was dieses Buch angeht.
Auch ich war nach dem Märchenerzähler euphorisch und wollte unbedingt weitere Bücher der Autorin lesen.
'Solange die Nachtigall singt' fängt atmosphärisch und düster-spannend an, zieht einen als Leser in einen tiefen Sog ... und dann, ab etwa der Hälfte, habe ich die Geduld verloren. Ich habe trotzdem weitergelesen und ich wollte auch wissen, wie es ausgeht, es ist ein gutes, gut geschriebenes und absolut lesenswertes Buch - aber die Faszination vom Märchenerzähler, diesen meisterhaft geschmiedeten Spannungsbogen konnte es nicht erreichen.

Ein bisschen hatte ich das Gefühl, die Autorin will zu viel. Die schöne Sprache, die überbordend schönen Bilder, die gewaltige Stimmungsmalerei - das kann sie gut, das wurde schon beim Märchenerzähler hoch gelobt, das treibt sie hier auf die Spitze. Das Buch spielt in einem düster-schönen Nebelwald im Nirgendwo zwischen Deutschland, Tschechien und Polen, einem Märchenwald mit einer Höhle und einem grundlosen schwarzen See und Rosen in einer Schlucht und Büschen voller reifer Schlehen. Mit einem Wolfsrudel und der Legende einer Bärin, die ihre drei Jungen sucht.
Das Buch beginnt in einem goldenen Herbst und dämmert in einen glitzernd weißen Winter hinüber. Die Farben, die Düfte, die herbstliche Stimmung - es haut einen um beim Lesen. Wirklich.
Und dann verliert sie sich in der Schönheit. Zumindest hatte ich beim Lesen dieses Gefühl. Der Tischlergeselle Jari wird von einem schönen Mädchen in den Wald gelockt, verbringt die Nacht in ihrem wunderschönen Haus und verliert sich in ihrer Welt. Er findet nicht mehr aus dem Wald hinaus, und bald will er das auch nicht mehr. Der Wald aber hütet ein düsteres Geheimnis und das Mädchen ist nicht, was sie scheint und das Haus ist voller Spiegel und ausgestopfter Tiere. Jari weiß bald nicht mehr, was Realität und was Traum ist. Der Leser auch nicht. Das hat seinen Reiz.
Doch dann häuft die Autorin Episode auf Episode, Traum auf Traum. Die Geschichte kommt ins Stocken, Jari dreht sich im Kreis. Der Leser auch. Vielleicht ist das Absicht. Aber mich hat es aus der Faszination herausgerissen, ich wollte wissen, wie es weitergeht.
Das Ende, die Auflösung fand ich ... tja, fast ein bisschen zu einfach für die enorme Erwartungshaltung, die vorher aufgebaut wird. Das hat mich ein wenig enttäuscht. Vielleicht wäre das anders gewesen, hätte ich nicht die vorherigen fünfzig oder hundert Seiten in manchen Passagen nur noch überflogen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich - auf den Mittelteil bezogen - mit surrealen Traumwelten nur bedingt etwas anfangen kann, sofern sie nicht eine konkrete Auswirkung auf die Realität haben.

Das ist kein Verriss, auch wenn er stellenweise so klingt.
'Solange die Nachtigall singt' ist ein märchenhaftes, düsteres, lesenswertes Buch, das viel Spaß macht und sich spannend anlässt - nur im Mittelteil etwas Geduld vom Leser verlangt. Allein die wunderschöne Sprache macht es schon empfehlenswert.
Nur kann es - für mich - nicht ganz die hohen Erwartungen erfüllen, die ich nach dem Märchenerzähler an das Buch gestellt hatte.
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am 31. Januar 2013
Ich fand den Märchenerzähler richtig gut und habe deshalb dieses Buch mir geholt. Ich fand es aber nicht ganz so gut wie das andere. Teilweise war es verwirrend geschrieben und es gab viele Wiederholungen. Jascha taucht auf, verschwindet und taucht wieder auf und Jari benimmt sich auch komisch an manchen Stellen. Ich konnte nicht verstehen, wieso er einiges gemacht hat. Am Anfang konnte ich mit ihm mitfühlen, aber dann irgendwann ist es mir immer schwerer gefallen. Das Ende hat mir dann wieder gut gefallen, denn es regt zum Nachdenken an wie beim Märchenerzähler auch schon.
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am 3. Mai 2016
Das Buch war mir zu sehr darum bemüht, dass alles geheimnisvoll und mystisch erscheint. Am Schluss kommt dann die Auflösung etwas plötzlich und eher schwach für meinen Geschmack.
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am 22. Oktober 2013
Jari möchte sich nach Abschluss seiner Lehre erstmal etwas gönnen, nämlich Freiheit. So beschließt er sich drei Wochen frei zunehmen und wandern zu gehen. An seinem Ausgangspunkt angekommen, geht er in eine Galerie und verliert sich dort in den Bildern, die von Wald und Geheimnissen erzählen. Dabei macht er die Bekanntschaft mit der Malerin und ist im ersten Moment von ihrer Hässlichkeit abgeschreckt. Wie es aber der Zufall so will, laufen die Zwei in die selbe Richtung, und bevor er sich versieht, hilft er ihr beim Tragen und erlebt auf der Hälfte des Weges sein blaues Wunder, denn ihre Hässlichkeit ist nur eine Verkleidung. Jari ist hin und weg und beschließt, erstmal mit Jascha mit zu gehen und seine Wanderung später in Angriff zu nehmen. Aber bald beschleichen Jari erste Zweifel, denn immer mehr Rätsel bürgt der Wald und die schöne Jascha. Er verstrickt sich immer mehr in eine Welt aus Trug und Schein und merkt auch wie er sich seiner selbst immer untreuer wird. Aber warum? Was passiert in diesem Wald? Und wer ist Jascha wirklich?
Als ich die Inhaltsangabe gelesen hatte, war ich von dem Gedanken an einem unheimlichen Wald und ein geheimnisvolles Mädchen fasziniert. Große Gefühle habe ich mir versprochen und eine märchenhafte Geschichte. Aber es war so ganz anders als erwartet. Dazu sollte ich vielleicht noch sagen, dass es meine erste Geschichte von Antonia Michaelis ist. Mir war also überhaupt nicht klar, dass sie sehr schwierige Themen der Gegenwart in so einem Buch/Geschichte verarbeitet und umso mehr war ich erstaunt und doch auch unangenehm berührt. Im ersten Moment wusste ich gar nicht so recht wohin die Geschichte laufen soll, denn die Erlebnisse im Wald waren doch recht seltsam. Wir erleben immer zwielichtige Ereignisse und denken uns, ist das nun wirklich passiert, oder schweben wir in einer Zwischenwelt. Überhaupt fand ich das Ganze nicht greifbar und zudem auch sehr unheimlich. Dabei frage ich mich immer noch, wo die Liebesgeschichte geblieben ist, denn sollte das wirklich eine gewesen sein? Für mich war es mehr eine Manipulation der Figuren im Buch, das verwischen der Wirklichkeit und das Offenbaren des Schrecklichen. Wie weit geht ein Mensch für seine Vorstellung? Wie weit lässt er sich beeinflussen? Und kann er damit leben? So wirklich glücklich bin ich mit der Geschichte nicht geworden und auch nicht warm. Ich kann mich der Begeisterung nicht anschliessen, denn für mich war die ganze Geschichte mehr als rätselhaft.
Toll fand ich aber den poetischen Erzählstil der Autorin, sie hat es wirklich geschafft, dass ich selbst nach dem Lesen, beim Zurückdenken, eine Gänsehaut bekomme. Dabei hat sie uns immer ein bisschen erahnen lassen und dies so gut dosiert, dass man die Geschichte bis zum Schluss einfach lesen muss. Allerdings haben mich die Längen und Wiederholungen gestört. So fand ich die Idee zur Geschichte und die Schreibweise zwar gut, aber mich hat auch Vieles gestört und mit einem seltsamen Gefühl zurück gelassen. Ich glaube ich konnte mich einfach nicht in diese Geschichte verlieren, da mich die Fiktion viel zu sehr beschäftigt hatte.
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am 25. Mai 2013
Da ich ja ständig auf der Suche nach neuen Büchern bin,habe ich mir vor einiger Zeit "Solange die Nachtigall singt" auf Grund der vielen guten Bewertungen gekauft.
Leider bin ich ziemlich enttäuscht. Ich lese wirklich fast alles, selbst Bücher, die eher für deutlich jüngere Leser geschrieben sind. Ich habe selten Probleme mich einzulesen und warm zu werden mit der Geschichte.
Ich vertiefe mich gern in alle möglichen noch so an den Haaren herbeigezogene Szenarien... selbst bei der Triologie von Maggie Stiefvater "Nach dem Sommer" und wie die alle hießen (hab ich geschenkt bekommen) hab ich es geschafft die ganzen Merkwürdigkeiten zu überlesen oder einfach zu akzeptieren..

Aber bei diesem Buch hat mich von der ersten Zeile an irgendwie alles gestört. Es hat sich einfach falsch angefühlt. Der eigenartige Schreibstil hat mich überhaupt nicht überzeugt... Allein diese Satzbaute a la " Ab heute würde alles anders werden. Er war 18 Jahre alt." Sowas kann ich gar nicht leiden. Das kann man vielnleicht mal einstreuen, aber nicht quasi jedes neue Kapitel damit beenden
MIr ist schon klar,daß die merkwürdige GEschichte absichtlich so merkwürdig sein soll, aber der Funke ist bei mir einfach nicht übergesprungen.
Ich musste mich regelrecht durch das Buch durchquälen (was sonst wirklich nicht vorkommt bei mir!). Wenn ich ein anderes gehabt hätte, hätte es nichts gegeben, was mich andas Buch gebunden hätte. Mich hat nichtmal interessiert, wie die Erklärung für den ganzen Mumpitz nun sein sollte.

Da lese ich wirklich lieber zum 100sten Mal die gleich alte Geschichte vom Außenseiter, der sich selbst und die Große LIebe trotz aller Widrigkeiten findet.
Aber ein 18 jähriger, der allein auf einen Aussteigertrip geht und mit einem merkwürdigen Mädchen einfach in den Wald geht, sich von heut auf morgen so verliebt in sie ist, daß ihm nichts komisch vorkommt und niee wieder von ihr weg will... also ich weiß nicht.. Vielleicht weil ich das einfach nciht nachvollziehen kann. Also mit jemanden wildfremden mitgehen, der sich in der Öffentlichkeit offensichtlich verkleidet um unerkannt zu bleiben.Ich wäre schon kilometer weit weg gewesen, als die ihre gruselige Verkleidung abgelegt hat. Die war doch von Anfang an nicht ganz dicht:-)

Ich war total erleichtert, als ich das buch endlich durch hatte und mich wieder anderen widmen konnte.
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am 20. Juli 2014
Völlig unverhofft trifft der achtzehnjährige Jari auf die geheimnisvolle Jascha, deren Schönheit er sich nicht entziehen kann. Er folgt ihr in das abgeschiedene Haus mitten im Wald, wo sie lebt. Und das, obwohl er spürt, dass dieser Ort ein düsteres Geheimnis birgt. Etwas ist geschehen. Etwas, das schrecklicher ist als alles, was Jari sich je hätte ausmalen können. Etwas, das ihn in tödliche Gefahr bringt …

Antonia Michaelis scheut sich auch in „Solange die Nachtigall singt“ nicht vor unbequemen Themen, aber das kenne ich schon aus „Die Worte der weißen Königin“, „Nashville oder das Wolfsspiel“, „Der Märchenerzähler“, „Paradies für alle“ und „Friedhofskind“, die ich alle gut bis sehr gut fand. In „Solange die Nachtigall singt“ behandelt sie unter anderem Verführungen, verlorene Unschuld und ein Trauma, das nie verarbeitet wurde. Und es steckt noch so viel mehr in diesem Buch.

„Solange die Nachtigall singt“ ist Jugendliteratur auf höchsten Niveau, aber eher für reifere Jugendliche, da es schwer verdauliche Kost und das Thema anspruchsvoll ist. Mich hat das Buch sehr zum Nachdenken angeregt. Antonia Michaelis schafft es immer wieder aufs Neue, mir den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Sie erschafft dramatische Geschichten und tragische Charaktere, die nachhallen.

An dieser Stelle möchte ich Antonia Michaelis‘ außergewöhnliche Sprache loben. Sie ist melodisch und poetisch. Antonia Michaelis verwendet kein Wort zu viel oder zu wenig. Ihr spezieller Schreibstil sticht heraus und erzeugt eine dichte Atmosphäre, in der ich mir alles bildlich vorstellen konnte, alles gespürt habe. Ihre Sprache erzeugt einen Sog, ich konnte nicht aufhören zu lesen. Ich musste wissen, was die Wahrheit hinter all dem Schein ist, egal wie verstörend, entsetzlich und grausam sie ist. Das Buch ist sehr spannend, obwohl relativ ruhig und unspektakulär von der Handlung. Aber das ist Antonia Michaelis‘ wahre Kunst. Sie bedarf keiner Action, um Spannung in ihren Büchern aufzubauen. Die Stimmung ist bedrohlich; der Leser ahnt, etwas lauert unter der Oberfläche.
Des Weiteren ist die Handlung genial verstrickt und ich wurde von den vielen Wendungen immer wieder getäuscht und überrascht.

Zudem möchte ich anmerken, dass der Schutzumschlag und der Buchrücken extrem gut gelungen sind. Wer das Buch kennt, für den ergibt die Gestaltung einen Sinn. Auch der Titel des Buches ist nicht grundlos gewählt.

Fazit: Antonia Michaelis hat mit „Solange die Nachtigall singt“ ein weiteres Meisterwerk geschrieben.
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