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TOP 1000 REZENSENTam 18. November 2015
[Vorsicht, Spoiler!]

Was die resolute und gutherzige Miss Cooper am Ende von Charles Laughtons Meisterwerk „The Night of the Hunter“ (1955) über die seelische Stärke von Kindern sagt, kann ebenso gut auch für den Film selbst gelten. „The Night of the Hunter“ mag mittlerweile sechzig Jahre auf dem Buckel haben, doch er gehört – jedenfalls für den Rezensenten, der ihn zum ersten Male als Kind mit angehaltenem Atem verfolgte – zu den Glanzlichtern und Meilensteinen der Filmkunst, zu den Filmen, die selbst Erwachsene dazu befähigen, die Welt wieder mit den Augen von Kindern zu sehen – eine Welt, die trotz ihres Grauens immer ihren Zauber und ihre Schönheit behält.

West-Virginia im Zeichen der Wirtschaftsdepression. Der Familienvater Ben Harper (Peter Graves) sieht keine Chance mehr, seine Frau Willa (Shelley Winters) und seine beiden Kinder John (Billy Chapin) und Pearl (Sally Jane Bruce) zu ernähren, und so überfällt er eine Bank und tötet dabei zwei Wachleute. Von der Polizei verfolgt, kommt er gerade noch rechtzeitig zu Hause an, um die Beute in der Puppe seiner kleinen Tochter zu verstecken und seinem Sohn das Versprechen abzunehmen, dafür zu sorgen, daß niemand – auch nicht Willa – erfährt, wo das Geld ist. Im Gefängnis lernt Ben den falschen Prediger Harry Powell (Robert Mitchum) kennen, der durch das Land reist, einsame Witwen umbringt und sich ihr Erspartes unter den Nagel reißt. Da Ben ihm das Versteck seiner Beute nicht preisgeben will, macht sich Powell, der wegen eines Bagatelldiebstahls inhaftiert wurde, nach Verbüßung seiner Haft auf nach West-Virginia, um sich das Vertrauen der Harpers zu erschleichen. Von ihrer Nachbarin Icey Spoon (Evelyn Varden) wird Willa recht bald dazu verleitet, den vermeintlich gottesfürchtigen Powell zu heiraten, doch nach anfänglicher Naivität bemerkt Willa, daß ihr neuer Ehemann es auf die $10.000 abgesehen hat, die er noch irgendwo im Hause wähnt, und daß er sogar die Kinder bedroht, um das Versteck herauszufinden. Diese Erkenntnis muß Willa mit dem Leben bezahlen, und als Powell nach dem Mord erneut John und Pearl bedroht, fliehen die Kinder vor ihm, indem sie auf einem kleinen Boot den Ohio River hinunterschippern. Auf ihrer Reise treffen sie auf die alte Miss Cooper (Lillian Gish), die armen Kindern – und in der Zeit der Depression gibt es davon viele – eine neue Heimat bietet. Als Powell eines Tages auftaucht und versucht, Miss Cooper dazu zu bringen, ihm die beiden Kinder anzuvertrauen, weigert sie sich, und es entbrennt ein Kampf zwischen der alten Frau und dem finsteren falschen Prediger, den man als einen archaischen Kampf zwischen Gut und Böse verstehen kann.

„The Night of the Hunter“ sollte der einzige von Laughton inszenierte Film bleiben, was sicherlich auf die eher verhaltene Aufnahme durch das zeitgenössische Kinopublikum und durch die Kritik zurückzuführen ist. Erst im Laufe der Zeit konnte sich dieser Film ein breiteres Publikum erschließen und auch positive Kritiken erhalten – wie die des Magazins „Cahiers du cinéma“, das „The Night of the Hunter“ 2008 als zweitbesten Film aller Zeiten, hinter „Citizen Kane“ einordnete. Man muß allerdings gar nicht so weit gehen, um die großartige künstlerische Leistung dieses Filmes, die freilich nicht allein von Laughton erbracht wurde, sondern auch zu einem großen Teil auf Kameramann Stanley Cortez („The Magnificent Ambersons“, 1942; „Shock Corridor“, 1963) zurückgehen dürfte, zu würdigen. Laughton und Cortez lassen den Zuschauer in eine eigenartige Märchenwelt eintauchen, in der sich das Schaurige und das Schöne in verwunschener Umarmung miteinander verschlingen, so daß sich der Film ausnimmt, wie die Erinnerung eines Erwachsenen an einen besonders intensiven Alptraum, den er als Kind gehabt hat und der ihm jetzt vor allem noch eines ist – eine wehmütige Erinnerung an jene Zeit, in der er mit Unschuld im Herzen gelebt hat und ihm die Welt zwar voller Rätsel war, dabei allerdings noch eine klare Trennung zwischen Gut und Böse aufwies. Hier wimmelt es von Tier- und Blumensymbolik, Licht und Schatten tanzen einen fieberhaften Tanz, Innenräume scheinen eng und hoch, und selbst der Tod vermischt Entsetzen mit kindlichem Wunder und malerischer Phantasie. Unvergessen bleibt beispielsweise das Bild der toten Willa Harper, die, angebunden an ein altes Auto, im Fluß versenkt wurde und deren Haare gleich denen Ophelias in furchtbarer Schwerelosigkeit mit den Ranken von Wasserpflanzen zusammen in der Strömung des Flusses zu wehen scheinen. „The Night of the Hunter“ ist voller solcher kindlich-naiver, dabei aber dunkler Bilder – ein offenkundig künstliches Spinnennetz verdeutlicht die Gefahr, in der die Kinder schweben; zwei zitternde Kaninchen am Flußufer schauen den in ihrem Boot fahrenden Geschwistern hinterher; ein Kauz fährt auf seine Beute herab, was Miss Cooper zu dem Ausspruch veranlaßt: „It’s a hard world for little things“ –, und mitunter können diese Märchenbezüge auch befremdlich auf den heutigen Betrachter wirken, wie etwa die Eingangsszene, in der Miss Cooper aus der Bergpredigt vorliest. Auch viele der Figuren scheinen rein durch die Augen von Kindern betrachtet – allen voran freilich der teuflische Prediger Powell, dessen Frömmlertum fast schon an Dickens’s Mr. Pecksniff erinnert und der von Robert Mitchum wirklich meisterhaft – in manchen Momenten, vor allem wenn er überrumpelt wird, macht er fast den Anschein eines Fuchses, der sich für klüger hält, als er ist – gespielt wird. Es ist wohl gerade die kindliche Einfachheit dieser Bilder, aus der sich ihre überragende Kraft speist – so wird der Rezensent nie den Schauder vergessen, der ihn überkam, als er zum ersten Mal Harry Powell als schwarzen Schatten am Horizont entlangreiten sah und ihn mit tiefer Stimme das wunderschöne Kirchenlied „Leaning on the Everlasting Arm“ singen hörte.

Andere Symbole sind alles andere als kindlich-naiv, wie etwa Powells Messer, das ihm wie ein Phallus aus der Tasche schnellt, als er die leichtbekleidete Dame in der Varieté-Vorstellung betrachtet. Überhaupt geht „The Night of the Hunter“ über eine reine kindliche Perspektive hinaus, indem er etwa leitmotivisch darauf aufmerksam macht, was Erwachsene Kindern unwissentlich antun und wie der Schritt ins Erwachsenenleben immer auch mit einem Verlust von Sicherheit und Geborgenheit verbunden ist. Man muß dafür gar nicht den finsteren Psychopathen Harry Powell bemühen, der da als ominöser Schatten den kleinen John verdeckt, als dieser seiner Schwester eine Gutenachtgeschichte erzählt. Schon Ben Harper, der seinem Sohn eine ungeheure Last und Verantwortung aufbürdet, reicht aus. Es ist sein Entschluß, einen Raub zu begehen und die Beute in der Puppe seiner Tochter zu verstecken, der seinem Sohn wie ein Schlag in die Magengrube fährt, als dieser mit ansehen muß, wie sein Vater vor seinen Augen von den Polizeibeamten zu Boden gedrückt wird. Menschenleben auszulöschen, um seinen eigenen Kindern eine bessere Zukunft zu bieten angesichts des allgegenwärtigen Elends – dieses Dilemma wird nicht nur durch Ben Harper verkörpert, sondern auch in einer kleinen Vignette zu Beginn des Filmes angesprochen, in der der Henker nach Harpers Hinrichtung nach Hause kommt, sich bezeichenderweise die Hände wäscht und dann nach seinen selig schlafenden Kindern sieht. Seine Frau scheint übrigens zu glauben, er sei ein einfacher Wärter und brauche den Exekutionen nicht beizuwohnen, und als der Henker ihr gegenüber andeutet, er spiele manchmal mit dem Gedanken, seinen alten Beruf wieder auszuüben, reagiert sie entsetzt, möchte sie doch nicht bangen, ihren Mann in einem Grubenunglück zu verlieren. Wie würden die schlafenden Kinder wohl reagieren, wenn sie wüßten, daß ihr Vater der Mann ist, dessen Arbeit von den anderen Kindern mit dem Lied „Hing, Hang, Hung“ auf so makabre Weise besungen wird?

Die Entzauberung der Erwachsenenwelt erfährt John denn auch durch das Verhalten des alten Fischers Birdie (James Gleason), der für ihn zu einer Art Ersatzvater geworden ist. Zwar versichert Birdie seinem Schützling durchaus aufrichtig – und wohl auch im Hinblick auf Johns neuen Stiefvater –, er könne sich immer auf seine Hilfe verlassen, doch als John mit seiner Schwester Pearl auftaucht, weil er diese Hilfe benötigt, hat sich Birdie – erschüttert durch den Fund von Willas Leiche und heimgesucht von dem eigentlich absurden Gedanken, man könnte ihm den Mord zur Last legen – so vorbehaltlos seinem Laster, dem Trunk, ergeben, daß er die verzweifelten Kinder nicht einmal wahrnimmt. Ist es hier die Schwäche, die den Erwachsenen zum Verräter werden läßt, so ist es in Icey Spoons Fall wohl eher ihre eigene Neigung zur Heuchelei und zur Herrschsucht. Hinter ihrer wortreichen Fürsorge verbirgt sich zweifellos die Lust an der Dominanz – gegenüber ihrem glücklosen Ehemann Walt (Don Beddoe) wie auch gegenüber den Harper-Kindern, die sie stets als kleine Lämmer betitelt, wobei sie aber besonders gern auf John herumhackt. Ganz zweifellos nähren sich ihre offensiven Bemühungen, Willa und Powell zu verkuppeln, aus ihrer eigenen unterdrückten Libido, wie sich aus ihrer geringschätzigen Behandlung Walts und der Aufdringlichkeit, mit der sie sich um den vermeintlich sitzengelassenen Powell kümmert, herauslesen läßt. So ist es denn auch wohl kein Zufall, daß gerade Icey wie eine Furie, mit wirrem Haar und haßverzerrter Fratze, den Lynchmob anführen wird, nachdem Powells wahre Natur für aller Augen sichtbar geworden ist. Doch ist Powell nicht der einzige falsche Prediger in dieser Geschichte.

Es wäre freilich eine zu trostlose Welt, wenn nicht Miss Cooper wäre, deren Selbstbeschreibung „I’m a strong tree with branches for many birds. I’m good for something in this world, and I know it, too“ durch Cortez grandios visualisiert wird, wenn die Kamera bei ihrem zweiten Auftritt im Film – diegetisch wäre es der erste – Johns Perspektive annimmt, indem sie, von den Füßen beginnend, langsam ihren Körper hinauffährt. Miss Cooper hat ihren eigenen Sohn verloren und sich nun dem Ziel verschrieben, diese Welt für elternlose Kinder ein wenig besser zu machen, wobei sich hinter ihrer resoluten Religiosität jedoch ein sehr großes und verständnisvolles Herz verbirgt, was sich beispielsweise in ihrem Umgang mit der naiven Ruby zeigt, die Powells Mimikry auf den Leim gegangen ist. Miss Cooper ist hier zweifellos die Gute Fee in einem Märchen, in dem es vor selbstsüchtigen oder kurzsichtigen Erwachsenengestalten nur so wimmelt.

Rezensiert wurde „The Night of the Hunter“ auf Grundlage der englischen BR, die sehr zu empfehlen ist, weil sie den Film in guter Bildqualität bringt und auch englische Untertitel zur englischen Tonspur bietet. Hinzu kommen zwei sehr interessante Features, einmal ein zweieinhalbstündiger Dokumentarfilm namens „Charles Laugthon Directs ‘The Night of the Hunter‘“ sowie ein Interview mit Stanley Cortez. Außerdem gibt es ein umfangreiches Booklet mit Hintergrundinformationen zum Film. Meines Wissens kann hier keine deutsche Ausgabe mithalten.
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am 18. Juli 2004
Nur damit hier keine Mißverständnisse aufkommen: Der Film auf der DVD ist völlig ungeschnitten!
Der Film war früher mit "FSK 18" eingestuft, wurde aber wie viele andere Werke der 50er Jahre ("Der Tiger von New York", "Laßt mich leben") neugeprüft und mit "FSK 12" freigegeben.
Der Unterschied zwischen den 93 min des Films und den 88 min auf der DVD hängt einfach mit dem sogenannten "Pal-Speedup" zusammen.
Also keine Bange beim Kauf der DVD - der Film ist völlig komplett.
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Ein surreales, poetisches Meisterwerk. Ein Ausnahmefilm. Der Widerstreit von Gut und Böse als märchenhaftes Gleichnis. Gesellschaftliche Doppelmoral einer Kleinstadtidylle, die entlarvt wird durch die unschuldige Kraft zweier Kinder, die zunächst so verloren und zerbrechlich scheinen wie Hänsel und Gretel, die ihre ausgestreuten Brotkrumen nicht mehr finden. Kann man "Die Nacht des Jägers" erklären und beschreiben? Auch nach über 50 Jahren wohnt dem seinerzeit stark unterschätzten Film ein faszinierender Zauber und eine große Wahrheit inne. Was berührt uns noch heute so sehr? Die fantastischen Darsteller (Mitchum, Gish, Winters), das in sich geschlossene Ambiente, die kontrastreichen Schwarz-Weiß-Bilder? Regisseur Charles Laughton schuf einen Bilderbogen, der unseren düstersten Kindheitsträumen entnommen scheint. Sehen wir "Nacht des Jägers", sehen wir einen Traum: Den ewigen Angsttraum von der Schlange, die züngelnd in unser Paradies eindringt.
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am 17. September 2004
Die Nacht des Jägers ist eine echte Perle des Films. Er vereint verschiedene Genre-Elemente in sich, so ist er Psycho-Thriller, Märchen, Groteske und phasenweise blanker Horror. Insgesamt harter Tobak, aber absolut fesselnd. Die ausgeprägte Bildersprache des Films ist einfach phantastisch, und die atmosphärische Dichte beeindruckend.
Der Film stammt aus der Feder von Charles Laughton ("Meuterei auf der Bounty"), der weithin eher als Schauspieler bekannt ist. Seine einzige Regiearbeit, die Nacht des Jägers, geriet in den 50ern zu einem waschechten Flop, nicht zuletzt wegen der düsteren Thematik des Films, die bei den Kino-Zuschauern Reaktionen von Empörung bis zu blankem Entsetzen hervorrufen haben wird. Heute aber gilt er völlig zurecht als Meisterwerk des expressionistischen Films. Zweifellos war der Film seiner Zeit voraus und ein Vorreiter vor allem für das Thriller- und Horrorgenre, auf das der Film jedoch nicht reduziert werden kann.
Mit Hollywood-Legende Robert Mitchum bekam Laughton ein Mimen, der mit so beängstigender Intensität die Hauptfigur, den verrückt-fanatischen und dennoch überaus charismatischen Wanderprediger Harry Powell spielt, dass einem mehr als einmal die Nackenhaare zu Berge stehen. Die Flucht der beiden Kinder vor dem Prediger über den nächtlichen Fluss gehört für mich zu einer der ästhetischsten und zugleich spannendsten Szenen der Filmgeschichte. Ein Film, den man allein schon aufgrund seiner Einzigartigkeit nicht verpassen darf. Zugreifen!
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am 16. April 2016
Der klassische Inszenierungsstil (schließlich ist der Film aus den 50er Jahren!) hat schon etwas angestaubtes an sich. Dennoch hat das Ganze eine sehr dichte Atmosphäre, spannende Momente, viel suggestiven Nervenkitzel, Momente von besonderer Bildsprache, und in erster Linie einen brillanten Hauptdarsteller namens Robert Mitchum.
Der Mann hat einfach eine sehr gute Präsenz und enormes schauspielerisches Können.
In einer fast schon ähnlichen späteren Rolle als Max Cady in "Ein Köder für die Bestie" kommt das auch in dieser Form zu tragen, auch wenn dort der diabolisch-psychopathische Charakter etwas anders angelegt ist.
Einfach grandios für seine Zeit, die subtile Inszenierung und suggestive Sogwirkung, sehr durch Mitchum auch, dass der Film als Psychothriller derart gelungen ist.
Eigentlich ein Meisterwerk. Sehr guter Film!
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Charles Laughton inszeniert, mit einen genialen Robert Mitchum in der Hauptrolle, einen Meilenstein des Filmes und einen der besten Film Noirs, die ich kenne. Stanley Cortez sorgt darüber hinaus für eine bildgewaltige Visualisierung.

Der psychotisch-psychopathische (vermeintliche) Wanderprediger Harry Powell (Mitchum) zieht einen blutigen Weg durch den Osten der USA. Im Gefängnis trifft er auf den Bankräuber Ben Harper, dessen Tod bevorsteht. Im Schlaf redet er vom erbeuteten Geld (10.000$). Grund genug für den frauenhassenden Powell, die Witwe (Shelley Winters) zu ehelichen und ein sadistisches Spiel mit den Kindern zu treiben. Doch der junge Ben Harper (Petre Graves, bekannt aus "Cobra, übernehmen Sie/Mission Impossible") und seine kleine Schwester Pearl Harper (Sally Jane Bruce) bieten dem Teufel in Menschengestalt, mit seinem hypnotisch-schaurigem Gesang, die Stirn und flüchten -samt Raub- den Fluss entlang...

Gothicstyle Fairytale, das Realismus und Expressionismus in derart poetischer Art und Weise vermischt, dass alleine die Bilder verzaubern und über 90 Minuten hinweg in Begeisterung versetzen. Laughton und Cortez stehen den Filmexpressionisten der 20er und 30er Jahre in Nichts nach. Kontrastierend zu Mitchums dunkler Rolle, spielt Lillian Gish die gute Fee, die Lichtgestalt, der das Böse nichts anhaben kann. Während Mitchum H A T E ist, steht sie für das L O V E auf seiner rechten Hand.
Überragend auch das Spiel des jungen Peter Graves.

Schade, dass dieser außergewöhnliche Film seinerzeit kein großer Erfolg war. Er war seiner Zeit wohl voraus: Diverse Tabubrüche, sowie die ungewohnte Kombination verschiedener Stilelemente sorgten dafür, dass das Publikum mit DIE NACHT DES JÄGERS nichts anfangen konnte.

Die BLU-RAY überzeugt durch eine exzellente Qualität. Gut, eine gewisse Körnung in S/W-Filmen gibt es immer. Man sieht sie aber lediglich, wenn man direkt vor dem TV steht (aber: wer schaut schon einen Film auf einem 46''LED direkt davor stehend?! Wohl keiner - und aus normaler Entfernung ist das Bild hervorragend). Lediglich bei den Luftaufnahmen ist ein deutlich wahrnehmbares Ruckeln des Bildes festzustellen, das aber nichts mit der BD zu tun hat, sondern mit der Aufnahme damals.
Dazu ein beeindruckender Ton. Selbstverständlich auf Englisch und Deutsch mit den jeweiligen UT. Als Extra ist u.a. ein interessantes 14-minütiges Featurette enthalten.

Fazit: Hypnotisch, verstörend, betörend. Teils grotesk, jedoch stets überzeugend kombiniert DIE NACHT DES JÄGERS Thriller- als auch Horrorelemente, in bester Film-Noir-Manier.
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Produkt: DVD (1 Stück). Herausgeber: Twentieth Century Fox. ASIN: B00016JDYC.
Deutscher Titel: Die Nacht des Jägers. Originaltitel: The Night of the Hunter
Produktionsland: USA. Premiere: 1955
Mit: Billy Chapin, Sally Jane Bruce, Robert Mitchum, Lillian Gish, Shelley Winters, Peter Graves u. A.
Regie: Charles Laughton (einzige Regiearbeit)
Literarische Vorlage: nach dem gleichnamigen Roman von Davis Grubb aus dem Jahre 1953
Musik: Walter Schumann
Bild: gut / SW / 4:3. Sprache: englisch. Synchronisation: deutsch, italienisch, französisch und spanisch. Untertitel: deutsch, englisch u. a.
Filmlänge: 88 Minuten und 48 Sekunden (Originallänge im PAL-Verfahren)
Genre: Thriller > Fluchtthriller > Psychothriller > Märchen > Allegorie
Specials: nur Trailer

Vorbemerkung: die filmische Kunstrichtung des Film Noir ist eine bemerkenswerte Innovation. Es gibt jedoch Werke, die über diese Kunstrichtung hinausreichen und sie sogar übertreffen. Um solch ein Werk handelt es sich bei dem hier vorliegenden Film. Wenn ich streng nachdenke, dann kann ich nicht behaupten, dass es sich bei diesem Film um Film Noir handelt, sondern dass er lediglich ein paar Elemente davon besitzt. Als Ganzes jedoch müsste man diesen Film als etwas bezeichnen, was es de facto als Genre nicht gibt. Der Film steht für sich allein und es gibt keinen zweiten, der ihm als Genre entsprechen würde. Wenn man sagt, dass der Film ein Thriller sei, so stimmt das. Aber das ist er nur im groben Sinn. Als Gesamtwerk ist er viel mehr. Viel mehr auch als Horror, Märchen, Studie, Gesellschaftsbild. Er ist etwas, was als Genre noch nicht definiert wurde. Er steht allein, weil nach ihm niemand vermochte Ähnliches zu erschaffen. Er ist ultimative Cineastik.
Vorgeschichte, die nicht im Film gezeigt wird:
Harry Powell (Robert Mitchum) ist ein Frauenmassenmörder, der unerkannt durch die Lande zieht und seine Untaten vollführt. Spezialisiert ist er auf Witwen, die er verführt und deren Vertrauen erschleicht. Nach deren Ermordungen bemächtigt er sich ihrer Geld- und Wertsachen. Dann macht er sich aus dem Staub und sucht sich ein neues Opfer.
Filmhandlung:
Er ist ein Psychopath, der in Zwiesprache mit Gott ist, dessen Bild er sich speziell für sich und seine Bedürfnisse zusammengezimmert hat. Sein Gott ist eher ein Partner, denn ein Souverän über ihn. Harry tötet, aber er sieht auch Gott als Mörder an. Von daher unterhält er sich mit ihm über das Morden, als ob es um's Wetter ginge. Er sieht die sündigen Frauen, welche ihm über den Weg laufen, als gottgeschickt an, an denen er das endgültige Urteil vollstrecken darf.
Er sitzt inmitten von Männern im Sessel und betrachtet die Darbietung einer Tänzerin auf der Bühne, die ihre Kurven verführerisch zur Geltung bringt. Dabei lässt er seine Gefühle nach Außen erkennen. Er ballt die linke Faust zusammen, auf deren vier Fingerrücken die vier Buchstaben H A T E eintätoviert sind. Er steckt die Faust in den Mantelsack, aus welchem die Schneide eines Stilettos rausbricht. Dann sagt er: "Es gibt zu viele auf der Welt, du kannst sie nicht alle töten." Es ist unerheblich, ob er diese Worte an Gott oder sich selbst richtet, denn er sieht sich als Gottes Werkzeug.
In diesen ersten Sequenzen ist bereits sehr genau der pathologisch-grenzenlose Hass Harry Powells charakterisiert, den er aufgrund falschinterpretierter Gottesbilder zu rechtfertigen trachtet. Dabei scheint er in seinem Treiben einer sich selbst uneingestandenen Mordlust und Quälsucht zu verfallen, deren bestialische Befriedigungen er unter dem Tarnmantel der Erfüllung des Willens Gottes rechtfertigt und auslebt.
Und dieser gefährliche Mensch wird besiegt durch zwei kleine Kinder und eine alte Frau, in denen sich die wahre Gnade Gottes verkörpert. Die wunderbare Lillian Gish spielt die Rolle einer alten Waisenheimleiterin unvergesslich und berührend. Die beiden Kinderdarsteller aber sind die eigentlichen Helden des Filmes: Der zur Zeit der Dreharbeiten elfjährige Billy Chapin und die damals erst sechsjährige Sally Jane Bruce.
Man kann Harry Powell die Kunst der Verführung nicht absprechen. Zunächst tritt er auf als frommer Prediger mithilfe des typisch freikirchlichen Missionierslangs, welcher bei den naivgläubigen Provinzlern auf fruchtbaren Boden stößt. Weiters gibt er sich eloquent, vorbildlich, entgegenkommend und nett. Er pocht auf Frömmigkeit und Moral, was den Kleinbürgern imponiert. Solch ein Ideal von Mann gefällt alleinstehenden Frauen mit Kindern und wird a priori heiß begehrt, ersehnt, umworben. Denn auf den Fingerrücken der rechten Hand trägt er die eintätovierten Buchstaben L O V E.
Mag sein, dass der Frauenhass des Psychopathen zusätzlich genährt wird aufgrund der vertrauensseligen Naivität der sich leicht blenden lassenden Frauen. Mag sein, dass er dahinter deren vordergründige Triebhaftigkeit herausliest, die es in jedem Falle zu ahnden gilt gemäß seinem gestörten Kodex, bzw. Komplex. Es würde nämlich die Sache anders aussehen, wenn ihn eine kritikfähige und mißtrauische Frau schlicht abweisen würde. Er scheint sich durch die freiherzige Gewährung und Willigkeit der Frauen geradezu in einen Rausch der Machtauslebung und Züchtigung hineinzusteigern.
Shelley Winters besitzt in diesem Film die undankbare Aufgabe einer gutmütigen, aber dennoch schwachen Persönlichkeit, welche für den machthungrigen Psychopathen das ideale Opfer ist.
Der Höhepunkt des Films ist der Mittelteil, der die Flucht der beiden Kinder vor dem sie verfolgenden Mörder visualisiert. Da gibt es bezaubernde Bilder des Trostes im Ungemach. Die Nachtfahrt auf dem Boot durch den stillen Fluß wirkt beinahe behütet und geborgen. Charles Laughton vermochte in diese brutale Geschichte Bilder von tiefer Hoffnung und Zuversicht hineinzuzaubern, denen man sich neben all dem drohenden Grauen nicht entziehen kann. Hier gerät der Thriller tatsächlich in den Rahmen eines Märchens. Märchen über Rotkäppchen, Hänsel und Gretel oder Der Wolf und die sieben Geißlein, sind de facto äußerst grausame Geschichten, die man jedoch als solche gar nicht wahrnimmt, wenn man sie im Gewande des Märchens betrachtet. So ähnlich ist es auch mit diesem Thriller. Am Ende siegt doch das Gute über das Böse mit einer entwaffnenden Courage und Leichtigkeit. Dennoch ist es unverantwortlich den Film mit FSK 12 freizugeben, weil seine bedrohlichen Muster einfach für Jugendliche in diesem Alter unzumutbar sind. Der Film ist zwar ein Märchen von der Tiefendimension her, jedoch ein äußerst grausamer Thriller von der vordergründigen Visualität her. Daher müsste der Film mindestens mit FSK 16 versehen werden.
Charles Laughtons einzige Regiearbeit lässt erahnen, um welch einen genialen Meister es sich bei dieser Ausnahmeerscheinung gehandelt hat. Robert Mitchum in einer seiner besten und glaubwürdigsten Darbietungen. Die Musik von Walter Schumann ist schaurig schön und sehr passend.
Die Nacht des Jägers und Ein Köder für die Bestie sind für mich die zwei besten Thriller der Filmgeschichte, die gleichwertig nebeneinander stehen, weil jeder von ihnen seine spezifische Brillanz aufweist. In jedem Fall aber ist dieses geniale Werk einer der herausragendsten und komplexesten Thriller, sowie einer der besten Filme der Filmgeschichte.
Mladen Kosar
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am 10. November 2015
Ein Highlight unter den Filmen...etwas angestaubt , aber ein Juwel von den alten Filmen.
Charles Laughton hat einen sehr guten, tiefsinnigen, psychologisch sorgfältig durchdachten und spannenden Film mit viel Menschenkenntnis und Lebenserfahrung erschaffen. Die Sichtweise der Kinder steht im Vordergrund.
Die verlogene Moral und das maskenhafte scheinheilige Getue mancher Leute wird gnadenlos entlarvt.
Es werden die seelischen Abgründe einiger Personen erschreckend authentisch dargestellt.
Das Gute siegt zum Schluss...dadurch sind manche sehr gruseligen Stellen leichter zu ertragen.
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am 7. März 2001
Ein wahrhaft märchenhafter Film, spannend von der ersten bis zur letzten Sekunde mit einer atmosphärischer Dichte, die ihresgleichen sucht. Hier gibt es Elemente des Märchens (Hänsel und Gretel), Anklänge an die expressive Filmwelt von Fritz Lang (die Schatten in der Dachkammer) und Elemente des Horrorfilms (das unter Wasser wehende Haar der ermordeten Mutter; der gleich einem apokalyptischen Reiter bei Vollmond über Land reitende, singende falsche Priester). Dabei weist der Film auf gesellschaftliche Mißstände in der Zeit der Depression hin - man denke nur an die bettelnden, vagabundierenden Kinder - und übt Kritik an für Amerika typischen falschen Pietismus. Großartig ist Robert Mitchum als Personifikation des Bösen, er spielt die Rolle seines Lebens. Am Ende siegt das Gute, das hat den Film für mich als heimlich fernsehende Sechsjährige seinerzeit erträglich gemacht. Mein fünfjährige Schwester hatte Alpträume, aber immer, wenn dieser Film im Fernsehen gezeigt wird, ruft Sie mich an: "Heike, UNSER Film kommt!"
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am 11. Juni 2014
Der Mörder reitet im Sonnenuntergang und singt einen Psalm, "schläft er denn nie"? fragt der Junge, der sich vor ihm versteckt.
Malerei, Poesie und Grauen, alles in einem Bild.
Ich habe gelesen, dass Robert Mitchum nie wieder einen Film mit Charles Laughton als Regisseur drehen wollte.
Mitchum war minimaler Minimalist, Laughton hat seine Tiefen ausgelotet. Es kam heraus, was drinsteckt, das hat selbst den super coolen Mitchum schwer getroffen. Muss man mehr sagen?
Ein Meisterwerk, weniger Hollywood, eher expressionistisch wie Fritz Lang's M.
Schwarz & Weiss, ein Must für jede Sammlung.
resus
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