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TOP 1000 REZENSENTam 30. Juli 2006
Ein absolutes Highlight aus den 50s. Robert Mitchum (vielleicht in seiner besten Rolle) ist der perfekteste Filmbösewicht überhaupt, es gelingt ihm grandios diesen psychopathischen Wanderprediger zu spielen.
Neben Norman Bates in "Psycho" und Hannibal Lector in "Das Schweigen der Lämmer" dürfte er der furchterregendste Serienkiller der Filmgeschichte sein.

Als selbsternnannter Prediger auf Wanderschaft pflegt er seine Gespräche mit dem Allmächtigen und tötet immer wieder Frauen. Inzwischen über 20 Opfer und er hat es auf das Geld der ahnungslosen Frauen abgesehen. Das eigentliche Motiv ist aber sein unbändiger Hass auf das schwache Geschlecht. Sehr unheimlich wirken die Tätowierungen auf seinen Händen, auf der linken Hand steht das Wort "Hass" und auf der rechten Hand das Wort "Liebe". Wir befinden uns in den Südstaaten der USA, in den frühen 30er Jahen zur Zeit der großen Depression. Eine Zeit der großen Armut. Aus Verzweiflung begeht der junge Ben Harper (Peter Graves) einen Bankraub, er tötet dabei aber zwei Polizisten. Es gelingt ihm aber noch die Beute von 10.000 Dollar mit Hilfe seiner Kinder Pearl (Sally Jane Bruce) und John (Billy Chapin) in Pearls Puppe zu verstecken, bevor die Gesetzeshüter ihn fassen. Er wird wegen des Doppelmordes zu Tode verurteilt und zur gleichen Zeit hält sich auch der Prediger Harry Powell (Robert Mitchum) wegen eines geringfügigen Vergehens im Gefängnis auf. Dieser will unbedingt von Ben erfahren, wo das erbeutete Geld steckt. Doch dieser sagt nichts und hat auch seinen Kindern den Schwur abgenommen das Versteck niemandem zu verraten - nicht mal der seiner Frau Willa (Shelley Winters). Diese gilt als etwas leichtfertig, doch als der Prediger nach der Exekution des Mannes in der Heimatstadt der Harpers auftaucht. Es gelingt ihm mit Lügen das Vertrauen der naiven Willa zu erlangen, ebenso kann er als Prediger auch die Nachbarn Mr. und Mrs. Spoon (Don Bedoe/Eve Warden) mit seiner christlichen Gesinnung überzeugen. Auch die kleine Pearl mag den Prediger, lediglich John begegnet dem falschen Gottesmann mit riesigen Misstrauen. Der Junge merkt sehr schnell, dass hinter dem Schafspels ein reißender Wolf steckt und glaubt, dass Powell es nur auf das Geld abgesehen hat. Doch Powell kann Willa für sich gewinnen und beide heiraten. In der Hochzeitsnacht macht Powell seine Willa zu einer Predigerin im Namen Gottes. Immer wieder wenn Willa weg ist, versucht Powell das Versteck aus den Kindern herauszulocken. Seine Mittel werden immer aggressiver. Als Willa etwas merken könnte, lässt er sie verschwinden und die Kinder müssen fliehen. Während der Prediger sie auf dem Landweg zu Pferd verfolgt, sind die flüchtigen Kinder mit dem Boot unterwegs. Dabei treffen sie auf die sonderbare Mrs. Cooper (Lilian Gish), die ein Heim für obdachlose Kinder unterhält. Sie nimmt John und Pearl bei sich auf. Doch der Prediger ist nicht weit. Er fragt bald in der Stadt nach und bekommt von Ruby (Gloria Castillo), einer Schutzbefohlenen von Mrs. Cooper bald die gewünschten Auskünfte....

Die Geschichte hört sich zwar ganz simpel an, die Machart ist aber sehr komplex, sehr aussergewöhnlich und extravagant erzählt. Vor allem die Bilder sind meisterhaft durchkomponiert: Düster, teilweise expressionistisch. Hier hat der Kameramann Stanley Cortez (Der Glanz des Hauses Amberson, Shock Korridor, Der nackte Kuß, Geheimnis hinter der Tür) eine überwältigende Arbeit geleistet. Die Religionswut der Amerikaner wird von Charles Laughton in seiner einzigen Regiearbeit perfekt und von vielen Seiten beschrieben. Sie kommt letztendlich auch nicht gut weg, ganz drastisch auch die Verwandlung der Christen am Ende in einen wütenden Lynchmob. Wahrscheinlich hatte Laughton Mühe mit diesem Aufkeimen des Fundamentalismus, so beschreibt er dieses Treiben sehr bizarr, die Figur des Predigers setzt dem noch die Krone auf.
Tatsächlich steckt in seinem Film, der bei seiner Entstehung eher maue Kritiken bekam, da auch viel an Grimms Märchen oder The Wizard of Oz drin, die Odyssee der beiden Kinder gestaltet sich als eine Art Kampf des Lebens und die Suche nach "Zuhause", wo immer das auch ist. Die Familie versagt: Der Vater wird hingerichtet, die Mutter fällt auf den fremden Gottessmann herein und ehelicht ihn, da ist der erste Mann noch gar nicht lange unter der Erde.
Die Nachbarn und Freude: Oberflächliche, bigotte und engstirnige Trottel. Am Ende ein Finish zwischen Gut (Lilian Gish) und Böse (Mitchum).
Der Mann mit der Bibel letztendlich ein Frauen- und Serienmörder, der die Kinder gnadenlos jagt.
Diese ältere Mutter Teresa stellt sich schließlich dem Kampf mit dem Killer.

Das Thrillerdrama basiert auf dem gleichnamigen Roman von David Grubb. Erst viel später wurde in Laughtons Film ein einzigartiges Meisterwerk erkannt. Überwältigende Bildsprache mit einem fesselnden Soundtrack von Walter Schumann. Dazu Robert Mitchum in seiner besten Rolle seiner langen Karriere. Auch die Kinderdarsteller agieren klasse. Einen fesselnden und genialen Film hat Schauspieler Laughton da gemacht, das französische Filmmagazin Cahiers du Cinema wählte ihn sogar 2008 gleich nach Orson Welles "Citizen Kane" zum zweitbesten Film aller Zeiten.
Als historische Vorlage für Harry Powell diente Grubb der 1892 in den Niederlanden geborene Serienmörder Harry F.. Powers. Dieser trieb sein mörderisches Unwesen in den frühen 30er Jahren mit Kontaktanzeigen an alleinstehende und verwitwete Frauen. Er beraubte die Frauen und einige davon ermordete er auch. Der Mörder wurde am 19. März 1932 gehängt. Auch Harry Powell im Film erwartet am Ende das gleiche Urteil.
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am 11. August 2016
Die Nacht des Jägers von 1955 blieb Charles Laughton's einzige Arbeit als Kinoregisseur. Eine Tatsache die man bedauern muss wenn man sich den Film wieder einmal ansieht. Kritiker und Publikum reagierten vor gut 60 Jahren mit Unverständnis auf diesen hochgradig bizarren, vielschichtigen und poetischen Genremix. Der Film wurde ein Flop und Laughton war wieder "nur" Schauspieler. Die Welt war noch nicht bereit.

Es finden sich Elemente aus Märchen,- und Horrorgeschichten, aus dem Expressionismus, dem Surrealismus, dem Scherenschnitt, aus dem Film-Noir und Stummfilmen (nicht nur visuell sondern auch in Form der Stummfilmlegende Lillian Gish die hier in der zweiten Hälfte des Films eine zentrale Rolle übernimmt) in diesem durch und durch faszinierenden Film.

Die Künstlichkeit vieler Szenen, die oft von erschreckender Schönheit sind, sie ist ein Segen. Wenn die Kinder auf und über den Fluss fliehen, sich vor dem falschen Prediger verstecken, wähnt sich der Zuschauer in einem psychedelischen Albtraum. Wunderschön, irreal, und doch oder gerade deshalb zutiefst beängstigend.
Das Märchenhafte der Bilder lässt uns das Geschehen zudem, stärker vielleicht als in anderen Filmen, mit den Augen der Kinder sehen. Hier werden Urängste berührt. Gewalt sieht man dabei so gut wie keine. Es gibt viele härtere Filme, gespensterische gibt es kaum.

Und: Wann hat es jemals einen besseren Bösewicht gegeben als Robert Mitchum?
Dies ist seine beste Rolle. Eine Rolle die ihn angeblich so mitnahm dass er jahrelang nicht über sie sprechen wollte - und die er doch auch selbst als seine stärkste ansah.

Shelley Winters überzeugt in ihrer relativ kleinen Rolle ebenso wie die bereits genannte Legende Lillian Gish (die damals bereits nur noch selten im Kino zu sehen war) in ihrer großen. Die eine als zunehmend unterdrückte, steuerbare, schwache Mutter. Die andere als resolute Witwe welche die Entfremdung von ihrem eigenen Kind durch die Aufnahme heimatloser Kinder kompensiert.

Unvergesslich bleiben alle diese Darstellungen.

Dies ist vielleicht der Film den Tim Burton gerne gemacht hätte bevor ihm offenbar alles egal wurde und er seine Ambitionen an den Nagel hängte.

Einer der besten Filme aller Zeiten.
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am 18. November 2015
[Vorsicht, Spoiler!]

Was die resolute und gutherzige Miss Cooper am Ende von Charles Laughtons Meisterwerk „The Night of the Hunter“ (1955) über die seelische Stärke von Kindern sagt, kann ebenso gut auch für den Film selbst gelten. „The Night of the Hunter“ mag mittlerweile sechzig Jahre auf dem Buckel haben, doch er gehört – jedenfalls für den Rezensenten, der ihn zum ersten Male als Kind mit angehaltenem Atem verfolgte – zu den Glanzlichtern und Meilensteinen der Filmkunst, zu den Filmen, die selbst Erwachsene dazu befähigen, die Welt wieder mit den Augen von Kindern zu sehen – eine Welt, die trotz ihres Grauens immer ihren Zauber und ihre Schönheit behält.

West-Virginia im Zeichen der Wirtschaftsdepression. Der Familienvater Ben Harper (Peter Graves) sieht keine Chance mehr, seine Frau Willa (Shelley Winters) und seine beiden Kinder John (Billy Chapin) und Pearl (Sally Jane Bruce) zu ernähren, und so überfällt er eine Bank und tötet dabei zwei Wachleute. Von der Polizei verfolgt, kommt er gerade noch rechtzeitig zu Hause an, um die Beute in der Puppe seiner kleinen Tochter zu verstecken und seinem Sohn das Versprechen abzunehmen, dafür zu sorgen, daß niemand – auch nicht Willa – erfährt, wo das Geld ist. Im Gefängnis lernt Ben den falschen Prediger Harry Powell (Robert Mitchum) kennen, der durch das Land reist, einsame Witwen umbringt und sich ihr Erspartes unter den Nagel reißt. Da Ben ihm das Versteck seiner Beute nicht preisgeben will, macht sich Powell, der wegen eines Bagatelldiebstahls inhaftiert wurde, nach Verbüßung seiner Haft auf nach West-Virginia, um sich das Vertrauen der Harpers zu erschleichen. Von ihrer Nachbarin Icey Spoon (Evelyn Varden) wird Willa recht bald dazu verleitet, den vermeintlich gottesfürchtigen Powell zu heiraten, doch nach anfänglicher Naivität bemerkt Willa, daß ihr neuer Ehemann es auf die $10.000 abgesehen hat, die er noch irgendwo im Hause wähnt, und daß er sogar die Kinder bedroht, um das Versteck herauszufinden. Diese Erkenntnis muß Willa mit dem Leben bezahlen, und als Powell nach dem Mord erneut John und Pearl bedroht, fliehen die Kinder vor ihm, indem sie auf einem kleinen Boot den Ohio River hinunterschippern. Auf ihrer Reise treffen sie auf die alte Miss Cooper (Lillian Gish), die armen Kindern – und in der Zeit der Depression gibt es davon viele – eine neue Heimat bietet. Als Powell eines Tages auftaucht und versucht, Miss Cooper dazu zu bringen, ihm die beiden Kinder anzuvertrauen, weigert sie sich, und es entbrennt ein Kampf zwischen der alten Frau und dem finsteren falschen Prediger, den man als einen archaischen Kampf zwischen Gut und Böse verstehen kann.

„The Night of the Hunter“ sollte der einzige von Laughton inszenierte Film bleiben, was sicherlich auf die eher verhaltene Aufnahme durch das zeitgenössische Kinopublikum und durch die Kritik zurückzuführen ist. Erst im Laufe der Zeit konnte sich dieser Film ein breiteres Publikum erschließen und auch positive Kritiken erhalten – wie die des Magazins „Cahiers du cinéma“, das „The Night of the Hunter“ 2008 als zweitbesten Film aller Zeiten, hinter „Citizen Kane“ einordnete. Man muß allerdings gar nicht so weit gehen, um die großartige künstlerische Leistung dieses Filmes, die freilich nicht allein von Laughton erbracht wurde, sondern auch zu einem großen Teil auf Kameramann Stanley Cortez („The Magnificent Ambersons“, 1942; „Shock Corridor“, 1963) zurückgehen dürfte, zu würdigen. Laughton und Cortez lassen den Zuschauer in eine eigenartige Märchenwelt eintauchen, in der sich das Schaurige und das Schöne in verwunschener Umarmung miteinander verschlingen, so daß sich der Film ausnimmt, wie die Erinnerung eines Erwachsenen an einen besonders intensiven Alptraum, den er als Kind gehabt hat und der ihm jetzt vor allem noch eines ist – eine wehmütige Erinnerung an jene Zeit, in der er mit Unschuld im Herzen gelebt hat und ihm die Welt zwar voller Rätsel war, dabei allerdings noch eine klare Trennung zwischen Gut und Böse aufwies. Hier wimmelt es von Tier- und Blumensymbolik, Licht und Schatten tanzen einen fieberhaften Tanz, Innenräume scheinen eng und hoch, und selbst der Tod vermischt Entsetzen mit kindlichem Wunder und malerischer Phantasie. Unvergessen bleibt beispielsweise das Bild der toten Willa Harper, die, angebunden an ein altes Auto, im Fluß versenkt wurde und deren Haare gleich denen Ophelias in furchtbarer Schwerelosigkeit mit den Ranken von Wasserpflanzen zusammen in der Strömung des Flusses zu wehen scheinen. „The Night of the Hunter“ ist voller solcher kindlich-naiver, dabei aber dunkler Bilder – ein offenkundig künstliches Spinnennetz verdeutlicht die Gefahr, in der die Kinder schweben; zwei zitternde Kaninchen am Flußufer schauen den in ihrem Boot fahrenden Geschwistern hinterher; ein Kauz fährt auf seine Beute herab, was Miss Cooper zu dem Ausspruch veranlaßt: „It’s a hard world for little things“ –, und mitunter können diese Märchenbezüge auch befremdlich auf den heutigen Betrachter wirken, wie etwa die Eingangsszene, in der Miss Cooper aus der Bergpredigt vorliest. Auch viele der Figuren scheinen rein durch die Augen von Kindern betrachtet – allen voran freilich der teuflische Prediger Powell, dessen Frömmlertum fast schon an Dickens’s Mr. Pecksniff erinnert und der von Robert Mitchum wirklich meisterhaft – in manchen Momenten, vor allem wenn er überrumpelt wird, macht er fast den Anschein eines Fuchses, der sich für klüger hält, als er ist – gespielt wird. Es ist wohl gerade die kindliche Einfachheit dieser Bilder, aus der sich ihre überragende Kraft speist – so wird der Rezensent nie den Schauder vergessen, der ihn überkam, als er zum ersten Mal Harry Powell als schwarzen Schatten am Horizont entlangreiten sah und ihn mit tiefer Stimme das wunderschöne Kirchenlied „Leaning on the Everlasting Arm“ singen hörte.

Andere Symbole sind alles andere als kindlich-naiv, wie etwa Powells Messer, das ihm wie ein Phallus aus der Tasche schnellt, als er die leichtbekleidete Dame in der Varieté-Vorstellung betrachtet. Überhaupt geht „The Night of the Hunter“ über eine reine kindliche Perspektive hinaus, indem er etwa leitmotivisch darauf aufmerksam macht, was Erwachsene Kindern unwissentlich antun und wie der Schritt ins Erwachsenenleben immer auch mit einem Verlust von Sicherheit und Geborgenheit verbunden ist. Man muß dafür gar nicht den finsteren Psychopathen Harry Powell bemühen, der da als ominöser Schatten den kleinen John verdeckt, als dieser seiner Schwester eine Gutenachtgeschichte erzählt. Schon Ben Harper, der seinem Sohn eine ungeheure Last und Verantwortung aufbürdet, reicht aus. Es ist sein Entschluß, einen Raub zu begehen und die Beute in der Puppe seiner Tochter zu verstecken, der seinem Sohn wie ein Schlag in die Magengrube fährt, als dieser mit ansehen muß, wie sein Vater vor seinen Augen von den Polizeibeamten zu Boden gedrückt wird. Menschenleben auszulöschen, um seinen eigenen Kindern eine bessere Zukunft zu bieten angesichts des allgegenwärtigen Elends – dieses Dilemma wird nicht nur durch Ben Harper verkörpert, sondern auch in einer kleinen Vignette zu Beginn des Filmes angesprochen, in der der Henker nach Harpers Hinrichtung nach Hause kommt, sich bezeichenderweise die Hände wäscht und dann nach seinen selig schlafenden Kindern sieht. Seine Frau scheint übrigens zu glauben, er sei ein einfacher Wärter und brauche den Exekutionen nicht beizuwohnen, und als der Henker ihr gegenüber andeutet, er spiele manchmal mit dem Gedanken, seinen alten Beruf wieder auszuüben, reagiert sie entsetzt, möchte sie doch nicht bangen, ihren Mann in einem Grubenunglück zu verlieren. Wie würden die schlafenden Kinder wohl reagieren, wenn sie wüßten, daß ihr Vater der Mann ist, dessen Arbeit von den anderen Kindern mit dem Lied „Hing, Hang, Hung“ auf so makabre Weise besungen wird?

Die Entzauberung der Erwachsenenwelt erfährt John denn auch durch das Verhalten des alten Fischers Birdie (James Gleason), der für ihn zu einer Art Ersatzvater geworden ist. Zwar versichert Birdie seinem Schützling durchaus aufrichtig – und wohl auch im Hinblick auf Johns neuen Stiefvater –, er könne sich immer auf seine Hilfe verlassen, doch als John mit seiner Schwester Pearl auftaucht, weil er diese Hilfe benötigt, hat sich Birdie – erschüttert durch den Fund von Willas Leiche und heimgesucht von dem eigentlich absurden Gedanken, man könnte ihm den Mord zur Last legen – so vorbehaltlos seinem Laster, dem Trunk, ergeben, daß er die verzweifelten Kinder nicht einmal wahrnimmt. Ist es hier die Schwäche, die den Erwachsenen zum Verräter werden läßt, so ist es in Icey Spoons Fall wohl eher ihre eigene Neigung zur Heuchelei und zur Herrschsucht. Hinter ihrer wortreichen Fürsorge verbirgt sich zweifellos die Lust an der Dominanz – gegenüber ihrem glücklosen Ehemann Walt (Don Beddoe) wie auch gegenüber den Harper-Kindern, die sie stets als kleine Lämmer betitelt, wobei sie aber besonders gern auf John herumhackt. Ganz zweifellos nähren sich ihre offensiven Bemühungen, Willa und Powell zu verkuppeln, aus ihrer eigenen unterdrückten Libido, wie sich aus ihrer geringschätzigen Behandlung Walts und der Aufdringlichkeit, mit der sie sich um den vermeintlich sitzengelassenen Powell kümmert, herauslesen läßt. So ist es denn auch wohl kein Zufall, daß gerade Icey wie eine Furie, mit wirrem Haar und haßverzerrter Fratze, den Lynchmob anführen wird, nachdem Powells wahre Natur für aller Augen sichtbar geworden ist. Doch ist Powell nicht der einzige falsche Prediger in dieser Geschichte.

Es wäre freilich eine zu trostlose Welt, wenn nicht Miss Cooper wäre, deren Selbstbeschreibung „I’m a strong tree with branches for many birds. I’m good for something in this world, and I know it, too“ durch Cortez grandios visualisiert wird, wenn die Kamera bei ihrem zweiten Auftritt im Film – diegetisch wäre es der erste – Johns Perspektive annimmt, indem sie, von den Füßen beginnend, langsam ihren Körper hinauffährt. Miss Cooper hat ihren eigenen Sohn verloren und sich nun dem Ziel verschrieben, diese Welt für elternlose Kinder ein wenig besser zu machen, wobei sich hinter ihrer resoluten Religiosität jedoch ein sehr großes und verständnisvolles Herz verbirgt, was sich beispielsweise in ihrem Umgang mit der naiven Ruby zeigt, die Powells Mimikry auf den Leim gegangen ist. Miss Cooper ist hier zweifellos die Gute Fee in einem Märchen, in dem es vor selbstsüchtigen oder kurzsichtigen Erwachsenengestalten nur so wimmelt.

Rezensiert wurde „The Night of the Hunter“ auf Grundlage der englischen BR, die sehr zu empfehlen ist, weil sie den Film in guter Bildqualität bringt und auch englische Untertitel zur englischen Tonspur bietet. Hinzu kommen zwei sehr interessante Features, einmal ein zweieinhalbstündiger Dokumentarfilm namens „Charles Laugthon Directs ‘The Night of the Hunter‘“ sowie ein Interview mit Stanley Cortez. Außerdem gibt es ein umfangreiches Booklet mit Hintergrundinformationen zum Film. Meines Wissens kann hier keine deutsche Ausgabe mithalten.
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am 11. Juni 2014
Der Mörder reitet im Sonnenuntergang und singt einen Psalm, "schläft er denn nie"? fragt der Junge, der sich vor ihm versteckt.
Malerei, Poesie und Grauen, alles in einem Bild.
Ich habe gelesen, dass Robert Mitchum nie wieder einen Film mit Charles Laughton als Regisseur drehen wollte.
Mitchum war minimaler Minimalist, Laughton hat seine Tiefen ausgelotet. Es kam heraus, was drinsteckt, das hat selbst den super coolen Mitchum schwer getroffen. Muss man mehr sagen?
Ein Meisterwerk, weniger Hollywood, eher expressionistisch wie Fritz Lang's M.
Schwarz & Weiss, ein Must für jede Sammlung.
resus
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am 16. Juni 2017
This film, which bombed at the time of its release, is in fact a gem of a present waiting to be unwrapped. American cinema is in teh present day a mess, with little or no 'serious' films able to attract funding. This film comes from a time when US cinema was both serious and intelectually adventurous, and some of the best films that cinema has to offer coem from this 'golden' period. The movie has much to offer the viewer, and Mitchum is at his mischevious best in the central role of the errant preacher preying on monied widows. There is genuine menace in this film, and Laughton directs in manner that few would have expected before the project started. The fact that he never directed again is a travesty, as I can describe this as a lost masterpiece. Real fans of film and narrative will enjoy the content.
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TOP 500 REZENSENTam 2. Juni 2013
Charles Laughton inszeniert, mit einen genialen Robert Mitchum in der Hauptrolle, einen Meilenstein des Filmes und einen der besten Film Noirs, die ich kenne. Stanley Cortez sorgt darüber hinaus für eine bildgewaltige Visualisierung.

Der psychotisch-psychopathische (vermeintliche) Wanderprediger Harry Powell (Mitchum) zieht einen blutigen Weg durch den Osten der USA. Im Gefängnis trifft er auf den Bankräuber Ben Harper, dessen Tod bevorsteht. Im Schlaf redet er vom erbeuteten Geld (10.000$). Grund genug für den frauenhassenden Powell, die Witwe (Shelley Winters) zu ehelichen und ein sadistisches Spiel mit den Kindern zu treiben. Doch der junge Ben Harper (Petre Graves, bekannt aus "Cobra, übernehmen Sie/Mission Impossible") und seine kleine Schwester Pearl Harper (Sally Jane Bruce) bieten dem Teufel in Menschengestalt, mit seinem hypnotisch-schaurigem Gesang, die Stirn und flüchten -samt Raub- den Fluss entlang...

Gothicstyle Fairytale, das Realismus und Expressionismus in derart poetischer Art und Weise vermischt, dass alleine die Bilder verzaubern und über 90 Minuten hinweg in Begeisterung versetzen. Laughton und Cortez stehen den Filmexpressionisten der 20er und 30er Jahre in Nichts nach. Kontrastierend zu Mitchums dunkler Rolle, spielt Lillian Gish die gute Fee, die Lichtgestalt, der das Böse nichts anhaben kann. Während Mitchum H A T E ist, steht sie für das L O V E auf seiner rechten Hand.
Überragend auch das Spiel des jungen Peter Graves.

Schade, dass dieser außergewöhnliche Film seinerzeit kein großer Erfolg war. Er war seiner Zeit wohl voraus: Diverse Tabubrüche, sowie die ungewohnte Kombination verschiedener Stilelemente sorgten dafür, dass das Publikum mit DIE NACHT DES JÄGERS nichts anfangen konnte.

Die BLU-RAY überzeugt durch eine exzellente Qualität. Gut, eine gewisse Körnung in S/W-Filmen gibt es immer. Man sieht sie aber lediglich, wenn man direkt vor dem TV steht (aber: wer schaut schon einen Film auf einem 46''LED direkt davor stehend?! Wohl keiner - und aus normaler Entfernung ist das Bild hervorragend). Lediglich bei den Luftaufnahmen ist ein deutlich wahrnehmbares Ruckeln des Bildes festzustellen, das aber nichts mit der BD zu tun hat, sondern mit der Aufnahme damals.
Dazu ein beeindruckender Ton. Selbstverständlich auf Englisch und Deutsch mit den jeweiligen UT. Als Extra ist u.a. ein interessantes 14-minütiges Featurette enthalten.

Fazit: Hypnotisch, verstörend, betörend. Teils grotesk, jedoch stets überzeugend kombiniert DIE NACHT DES JÄGERS Thriller- als auch Horrorelemente, in bester Film-Noir-Manier.
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VINE-PRODUKTTESTERam 8. Februar 2006
Ein surreales, poetisches Meisterwerk. Ein Ausnahmefilm. Der Widerstreit von Gut und Böse als märchenhaftes Gleichnis. Gesellschaftliche Doppelmoral einer Kleinstadtidylle, die entlarvt wird durch die unschuldige Kraft zweier Kinder, die zunächst so verloren und zerbrechlich scheinen wie Hänsel und Gretel, die ihre ausgestreuten Brotkrumen nicht mehr finden. Kann man "Die Nacht des Jägers" erklären und beschreiben? Auch nach über 50 Jahren wohnt dem seinerzeit stark unterschätzten Film ein faszinierender Zauber und eine große Wahrheit inne. Was berührt uns noch heute so sehr? Die fantastischen Darsteller (Mitchum, Gish, Winters), das in sich geschlossene Ambiente, die kontrastreichen Schwarz-Weiß-Bilder? Regisseur Charles Laughton schuf einen Bilderbogen, der unseren düstersten Kindheitsträumen entnommen scheint. Sehen wir "Nacht des Jägers", sehen wir einen Traum: Den ewigen Angsttraum von der Schlange, die züngelnd in unser Paradies eindringt.
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am 17. September 2004
Die Nacht des Jägers ist eine echte Perle des Films. Er vereint verschiedene Genre-Elemente in sich, so ist er Psycho-Thriller, Märchen, Groteske und phasenweise blanker Horror. Insgesamt harter Tobak, aber absolut fesselnd. Die ausgeprägte Bildersprache des Films ist einfach phantastisch, und die atmosphärische Dichte beeindruckend.
Der Film stammt aus der Feder von Charles Laughton ("Meuterei auf der Bounty"), der weithin eher als Schauspieler bekannt ist. Seine einzige Regiearbeit, die Nacht des Jägers, geriet in den 50ern zu einem waschechten Flop, nicht zuletzt wegen der düsteren Thematik des Films, die bei den Kino-Zuschauern Reaktionen von Empörung bis zu blankem Entsetzen hervorrufen haben wird. Heute aber gilt er völlig zurecht als Meisterwerk des expressionistischen Films. Zweifellos war der Film seiner Zeit voraus und ein Vorreiter vor allem für das Thriller- und Horrorgenre, auf das der Film jedoch nicht reduziert werden kann.
Mit Hollywood-Legende Robert Mitchum bekam Laughton ein Mimen, der mit so beängstigender Intensität die Hauptfigur, den verrückt-fanatischen und dennoch überaus charismatischen Wanderprediger Harry Powell spielt, dass einem mehr als einmal die Nackenhaare zu Berge stehen. Die Flucht der beiden Kinder vor dem Prediger über den nächtlichen Fluss gehört für mich zu einer der ästhetischsten und zugleich spannendsten Szenen der Filmgeschichte. Ein Film, den man allein schon aufgrund seiner Einzigartigkeit nicht verpassen darf. Zugreifen!
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am 30. März 2013
Über den Inhalt eines der größten Klassikers der Filmgeschichte ist an dieser Stelle von den diversen Rezensenten schon so ziemlich alles Nennenswerte geschrieben worden.

Deshalb beschränke ich mich nach einem Augen- und Ohrenschmaus auf mein begeistertes Urteil der Blu-ray-Fassung, die bei mir keine Wünsche offen ließ:

Das schön gestaltete Mediabook mit Blu-ray, DVD plus einem 12seitigen informativen Booklet überzeugte mich auf ganzer Linie. Als Bonus bieten die beiden Silberlinge zusätzlich noch ein aufschlussreiches Feature (ca.14 Min.), in welchem u.a. Robert Mitchum und Shelly Winters über die Dreharbeiten und ihre Erfahrungen berichten.

Die Blu-ray begeistert auch den anspruchsvollen Genießer mit einem stabilen und sauberen s/w-Bild (1,66.1 / HD 1080 24p), dass sich um Längen abhebt von den bisher erhältlichen deutschen (MGM-)DVD-Fassungen. Der Ton ist in klar verständlichem DTS-HD Master Audio 2.0 abgemischt.

Die Aufmachung dieser nun endlich in HD remasterten Neuausgabe des Noir-Klassikers bekommt von mir die volle Punktzahl! Robert Mitchum als Psychopath muss man - nicht nur als Cineast - einfach gesehen haben! Einen Beitrag zur dunklen Grundstimmung dieses Albtraummärchens ("cinema") leistet dabei übrigens die Filmmusik von Walter Schumann ("Fahrenheit 9/11")
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VINE-PRODUKTTESTERam 26. Januar 2014
Ben Harper (Peter Graves) raubt 10.000 Dollar und bringt diese verwundert zu seiner Farm. Kurz bevor die Polizei ihn dort festnimmt kann er die Beute verstecken. Er ringt seinen beiden Kindern John und Pearl das Versprechen ab, niemanden zu erzählen, wo das Geld sich befindet. Da bei dem Raub zwei Menschen das Leben verloren haben wird er zum Tode durch den Strang verurteilt. In seiner Zelle befindet sich auch Harry Powell (Robert Mitchum), der sich als Wanderprediger ausgibt und sich sehr gläubig darstellt. Er versucht die ganze Zeit zu erfahren, wo sich das Geld befindet, beißt aber auf Granit. Powell ist ein Psychopath durch und durch, der nicht vor Mord zurückschreckt. Nach seiner Entlassung nistet er sich bei den Harpers nach und nach ein. Die Dörfler sind begeistert von dem frommen Mann, der sich "Love" und "Hate" auf die Fingerknöchel hat tätovieren lassen. Er heiratet die Witwe Willa Harper (Shelley Winters) und terrorisiert die Kinder wegen des Geldes. Ein irres Psychospiel beginnt...

Obwohl ich Filme mit Robert Mitchum normalerweise nicht mag, liefert er hier eine grandiose Charakterleistung ab. Der Film ist seiner Zeit weit voraus. Während er zur Entstehungszeit verkannt wurde muss man sich heute ob der außergewöhnlichen Tabubrüche und des expressionistischen Stils des Films begeistert zeigen. Es gibt darin viele bildliche Parabeln und Gleichnisse. Gerade die Darstellung des vollkommen durchgeknallte brutalen Psychos, der vorgibt ein Mann Gottes zu sein und Massen verführend in seinen Bann zieht dürfte vielen gläubigen Zuschauern damals aufgestoßen sein. Sehr empfehlenswert.
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