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Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
81
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am 3. März 2013
Steven Wilson hat sich unglaublich weiterentwickelt, und so ungern ich das auch sage, seine Solowerke stehen mittlerweile qualitativ weit über seinen Outputs mit Porcupine Tree. "The Raven That Refused To Sing" ist nach dem experimentellen "Insurgentes" und dem expressiven wie verträumten "Grace For Drowning" sein drittes Soloalbum. Wilson hat sich in den letzten Jahren einen guten Ruf mit neuen (5.1-) Abmischungen klassischer Prog-Alben verschafft, und so erscheint seine Herangehensweise an sein neues Album geradezu logisch: Mit einer Band aus Weltklassemusikern [Nick Beggs (bass), Guthrie Govan (git), Adam Holzman (keys), Marco Minnemann (drums), Theo Travis (winds)] hat er die sechs Titel innerhalb einer knappen Woche live eingespielt, der legendäre Alan Parsons saß an den Reglern.

Das Ergebnis ist die logische Weiterentwicklung der ersten beiden Soloalben, geschrieben vom sich immer weiter steigernden Steven Wilson, vorgetragen von einer großartigen Band. Der Mix ist wie bei Wilson üblich sehr ästhetisch, Mastering hat er zugunsten größerer Dynamik einfach mal sein lassen – warum auch nicht? Das komplette Album ist sound- wie songwritingmäßig aus einem Guss – in dieser Kohärenz dürfte eine seiner großen Stärken liegen. "The Raven That Refused To Sing" ist ein Konzeptalbum: Jeder der sechs Songs greift eine "Ghost Story" auf.

1. Luminol war schon auf der "Get All You Deserve" DVD von 2012 zu hören und ist ein großartiger Opener, der Stevens Berührung mit King Crimson nicht verleugnen kann. In zwölf Minuten ist Zeit für einen energetischen Uptempo-Teil mit fetzigem Bassriff, clusterartigen A-Capella-Gesang, einen lyrisch-balladesken Part, Mellotron-Breitwände (übrigens vom originalen King Crimson-Mellotron das u.A. auf "In The Court Of The Crimson King" zu hören ist), und wieder eine Reprise des Uptempos.

2. Drive Home klingt, vor allem im Refrain, als hätte Steven Wilson es für Blackfield geschrieben. Eine schöne langsame Nummer, wunderbares Intro, schwebendes Tenorsaxophon, aber insgesamt im Vergleich zu den anderen Nummern etwas seicht.

3. The Holy Drinker vereint dann wieder alle guten Tugenden Wilsonscher Musik: Ein etwas zurückhaltender Zehnminüter, der aber auch schonmal zeigt, wo der Hammer hängt. Einheitlicher und zusammenhängender als Luminol, mit großartigen Motiven und einer großartig rockenden Klimax.

4. The Pin Drop ist dann schon gleich der nächste Höhepunkt – und definitiv zu laut um die Stecknadel fallen zu hören. Das kürzeste Stück des Albums schiebt im Mid-Tempo-Bereich kräftig nach vorne und konzentriert auf engerem Raum genauso viele gute Einfälle und Melodien wie seine Albumnachbarn.

5. The Watchmaker ist mir nach den bisherigen ca. 8 Durchläufen noch am wenigsten im Ohr geblieben, was aber kein Argument gegen seine Qualität sein soll. Der Elfminüter reiht sich problemlos ins Album ein und weiß auf ganzer Linie zu überzeugen.

6. The Raven That Refused To Sing ist eine sehr stimmungsvolle Ballade. Bereits vor ein paar Wochen war das großartige Video im Internet zu sehen. Der Titeltrack weist weniger monumentale Einprägsamkeit wie die Balladen des Vorgängeralbums auf, bringt aber stattdessen wunderschöne Melodien und einen groß angelegten Spannungsbogen mit sich.

Die beiliegende DVD beinhaltet einen 5.1-Mix des Albums (den ich bisher noch nicht gehört habe), Bildergalerien mit Artworks von Hajo Müller (zum Teil sehr schön) und Fotos aus dem Studio von Lasse Hoile (in gewohnter Ästhetik). Außerdem gibt es eine Studio-Documentary, ebenfalls von Lasse, die definitiv nett anzusehen ist, das sollte für die meisten Fans schon als Kaufgrund der Limited Edition gegenüber der Standardversion genügen...

Fazit: Ein weiterer Meilenstein in Steven Wilsons Werk. Neben "The Raven That Refused To Sing" kann so manche ältere Wilson-Platte schonmal alt aussehen – wer waren nochmal Porcupine Tree?
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am 2. März 2016
Zu diesem Album kann und möchte ich nichts sagen, was nicht schon in anderen Rezensionen bestens und ausführlichst geschrieben worden ist - kaufen und genießen !!!
Aber eines möge mir bitte mal jemand erklären:
Was ist an DIESEM ALBUM hier anders, das es hier 453,- (vierhundert-dreiundfünfzig !) Euronen kostet ? ! ?
wenn ich es doch auch für 27,29 € haben kann (als CD) ?
oder für 19,99 € als BLUE RAY ?
Ist die Scheibe aus purem GOLD ? ( Ich meine die Hardware, nicht den musikalischen Inhalt...)
Also das möge mir hier mal jemand, bitte, erklären !
Danke im Voraus !
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am 1. März 2013
Steven Wilson hat mit seinem nunmehr dritten Album einen Meilenstein gesetzt und ein in sich stimmiges, nicht zu sperriges, dafür umso nachhaltigeres Werk geschaffen. Besser als meine Vorrezensenten kann ich es nicht schreiben, den stimmigen Beschreibungen der einzelnen Stücke ist nichts hinzuzufügen.
"Fans" des Großmeisters aus Großbritanien werden sich das Album ohnehin kaufen, allen anderen, die sich in der Welt des progressiven Rocks zu Hause fühlen, sei diese Scheibe sehr ans Herz gelegt.
Die DVD mag für alle diejenigen besonders interessant sein, die eine entsprechende 5.1-Analge ihr eigen nennen, da sich das gleiche Album entsprechend abgemischt auf der DVD befindet, dabei illustriert von einem sich verändernden Mond.
Für mich ist es ebenfalls ganz klar, schon jetzt im Februar, ein Anwärter auf das Album des Jahres 2013, so dass fünf Sterne allenfalls als Mindestvotum erscheinen!
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Warum tut er das? Hier könnten tatsächlich mehrere Gründe zu Buche stehen. Zum einen liegt diesen intelligenten schwarzen Vögeln eine in unseren Ohren wohlklingende Wiedergabe von Tönen doch ziemlich fern. Zum anderen haben sie offensichtlich bereits das neue Album des im britischen Hemel Hempstead Geborenen gehört. Hernach ist ihnen buchstäblich der letzte Krächzer im Schnabel stecken geblieben. Denn was Mastermind Steven Wilson in seinem jüngsten Werk vorlegt, darf man getrost als Superlative bezeichnen. Seine in Noten umgesetzten Geistergeschichten kommen einfach nur fantastisch daher.

Vom Bass vorangetrieben (Ähnliches ist man bereits von den großartigen polnischen Progrockern um Riverside gewohnt) startet der fulminante Opener "Luminol" flott, ja beinahe jazzig. Jedes Instrument erhält seinen eigenen Part, um sich in Szene zu setzen und fügt sich dennoch harmonisch in den Gesamtkontext des Songs ein. Nach ca. 4:30 bricht das dynamische Pushen jedoch abrupt ab und Steven kommt das erste Mal zu Wort. Doch nur kurz ist sein von Querflöte und Chorus begleiteter Gesang, bevor er einem wunderbaren Pianosolo Platz lässt. Allem Anschein nach soll jedem seiner fantastischen Musiker, die ihn bereits auf seiner letzten "Grace For Drowning"-Tour begleiteten, die Möglichkeit gegeben werden, sein Können vorzuführen, bevor sie sich letztendlich in das nun folgende Gesamtkunstwerk einordnen. Denn als solches kann man "The Raven That Refused To Sing" ganz ohne Zweifel bezeichnen. Was Wilson hier vorgelegt, krönt seinen Werdegang ohne "Porcupine Tree" um ein weiteres Mal. "Grace for Drowning" deutete bereits an, dass der Selfmademann aus Großbritannien zu den ganz Großen im Progressiv Rock gehört. Mit diesem Werk hat er sich nun selbst übertroffen. Wie kann man diesen Mann eigentlich noch stoppen?

Stoppen? Um Himmels Willen, Nein! Das liegt dem begeisterten Hörer absolut fern. Denn mit "Drive Home" erklingt als zweiter Titel die erste Ballade, welche deutliche Anleihen zu seinem Projekt "Blackfield" zeigt, das er zuweilen mit dem israelischen Superstar Aviv Geffen auf die Beine stellt. Gitarren, Streicherelemente, Melotron und vor allem der sich harmonisch einfügende Gesang von Wilson und seinem Chorus unterstreichen diesen gefühlvollen, melancholisch-elegischen Song. Kraftvoll rockig, mit düster-diabolischen Anleihen passt der heilige Trinker von Nr. 3 ("The Holy Drinker")dann schon eher in die Insurgentes-Zeit. Nach dem ebenfalls kernigen, druckvollen und nach vorn weisenden "The Pin Drop" mit seinem monumental wirkenden Chorus und seinem klirrenden Klarinettensolo folgen mit dem gleichzeitig äußerst komplexen und eingängigen, sich Schicht um Schicht aufbauenden "The Watchmaker" und schlussendlich dem titelgebenden, emotional packenden Song "The Raven That Refused to Sing" unbestritten die Höhepunkte des Albums. Wilsons "Uhrmacher" und sein "die Arbeit verweigernder Rabe" zeugen einmal mehr von der hohen Kunst der perfekten Kombination aus progressiven und ambienten Tönen, die der Brite einfach perfekt in Szene zu setzen versteht.

Fazit: Großartig arrangiert und homogen abgemischt ist Wilson durch eine perfekte Kombination aus klassischem Progressiv-Rock der 70er Jahre und modernen Einflüssen sowie einem klaren Sound ein ganz großer Wurf auf schaurig hohem Niveau gelungen. Ein Werk, das eindeutig das Zeug zum Album des Jahres hat und mich zunächst einfach nur sprachlos in den Sessel gedrückt hat. "Von dort her sendete sie nur ohnmächtige Schauer heißeren Krächzens", um es mit den Worten unseren Dichterfürsten Goethe ein wenig dilettantisch auszudrücken, wie dieses Album auf mich wirkt. Ich jedenfalls reihe mich in die Kette der "Gesangsverweigerer" ein. Dafür haben meine Boxen jetzt Hochkonjunktur.
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am 12. März 2013
Was für ein herrliches Album! Wilson schwelgt geradezu in opulenten Klängen, reichhaltigen Songstrukturen und technisch brillanter Umsetzung. Er verzichtet überdies auf musikalische Egotrips: Jeder einzelne "seiner" herausragend guten Musiker erhält seinen Raum, sodass sie diesem Meisterwerk gemeinsam eine epische Breite verleihen können, wie es nur in seltenen Glücksfällen einmal vorkommt.

Bereits der Vorgänger "Grace for Drowning" war rundum überzeugend; einzig die mitunter etwas dürftige Leadgitarre hatte mich etwas enttäuscht. Doch auch diesen Schwachpunkt hat Wilson nun ausgemerzt: Mit Guthrie Govan hat er einen der wohl besten lebenden E-Gitarristen an Bord geholt, und was hier teilweise (etwa bei "Drive Home" oder "Watchmaker") zu hören ist, ist einfach nur zum Niederknien. Interessant, dass auch Govan sich dem klanglichen Konzept des Albums vollständig unterordnet; üblicherweise (und ich empfehle aufs Dringlichste, ihn mal bei youtube zu bewundern) pflegt er einen direkteren, "bluesigeren" Sound, der hier völlig fehl am Platze gewesen wäre.

"The Raven That Refused To Sing" ist eines der besten Rockalben der letzten Jahre. Es ist komplexer, anspruchsvoller und zugleich trotzdem "hörbarer" als seine Vorgänger und sollte in keiner Sammlung fehlen!
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am 14. März 2013
spiegelt all das wieder, was mir an Musik gefällt.
Ich hätte nicht gedacht, das Herr Wilson in der Lage sein würde sein letztes Werk:
"Grace for Drowning" zu toppen, aber er hat es dennoch geschafft. Die Qualität, die
er hier mit seiner "Supercombo" zu Tage bringt, wird man bei anderen noch aktuellen
Bands verzweifelt suchen. Hab ich zuletzt noch Rush für ihr letztes Werk volle Punktzahl gegeben,
müsste ich sie jetzt definitiv abwerten!
Steven Wilson zitiert oftmals aus einer anderen Zeit, was wohl manch einer verwerflich
findet. Dieses setzt er aber in einem Rahmen um, der mir extrem gut gefällt, da hier nicht
wortwörtlich, sondern eine Ära zitiert wird. So klingt manches nach Pink Floyd, manches nach King Crimson
manches ein bisschen nach Zappa, Genesis, Yes oder nach anderen Bands; alles ins "Hier und Jetzt"
übertragen,dazu noch in einer Tonqualität die weit über dem normalen Niveau liegt und im 5.1 Sound mit der
"The dark side of the moon" - SACD ohne Probleme mithalten kann.
Auf die einzelnen Songs möchte ich nicht mehr eingehen sondern nur noch meine Favoriten nennen:
"The holy drinker", "Luminol", "The Watchmaker"; alle jazzig, schön ausgeklügelt und schräg!

Fazit:
Das beste Album seit Ewigkeiten, ich kann es immer und immer wieder hören!!!
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am 1. März 2013
von einer Band, die seine ebenso ohrwurmigen wie sperrigen Songideen 1:1 umsetzen kann, scheint wirklich in Erfüllung gegangen zu sein. Nur sechs Tage Aufnahmezeit für ein Album wie The Raven That Refused To Sing sprechen dafür. Ebenso, dass sich Wilson selbst unsicher ist, ob er hier noch von einem Soloalbum sprechen kann.

Wie auch immer - das Geistergeschichten-Album überzeugt, nein begeistert. Sechs Tracks zwischen 5 und 12 Minuten, die einem am Ende das Gefühl geben mindestens 12 songs gehört zu haben. Sechs Tracks, die vor Ideen nur so strotzen und mal extrem schön und eingängig, ein anderes mal sperrig daherkommen. Sechs Tracks, die aus zahlreichen Einzelabschnitten bestehen, aber nie zusammengebastelt, sondern wie aus einem Guss wirken. Sechs Tracks, die einfach stimmig sind. Spannend und fordernd, aber ebenso aufregend schön.

Ich war begeistert vom Vorgängeralbum Grace For Drowning und hatte mich nach anfänglichen Schwierigkeiten auch an die Jazzfusionelemente gewöhnt oder besser sie lieben gelernt. The Raven weicht davon nicht ab und so hören wir auch diesmal wieder viele Töne vom Flöten- und Klarinettenvirtuosen Theo Travis. Tatsächlich fühlt man sich in vielen Momenten an alte Jethro Tull oder King Crimson Werke erinnert. Dennoch ist The Raven brandneu und das hört und spürt man auch. Die Kompositionen sind ebenso modern wie der über jeden Zweifel erhabene Sound. Das ganze Album klingt einfach frisch und neu, vermittelt aber dieses aufregende Gefühl aus den 1970ern, als Alben noch spannend und überraschend waren.

The Raven ist Rockmusik, die einen ebenso headbangen, wie auch nach bester Pink Floyd Art nur in den Himmel schauen lassen kann (womit geklärt wäre, dass einige Parts des Albums weniger zum Autofahren geeignet sind).

Wilson hat für The Raven einige seiner besten Balladen seit Arriving Somewhere But Not Here (aus Porcupine Tree's Album Deadwing) geschrieben. Damit meine ich natürlich den grossartigen, 8-minütigen Titeltrack. Ebenso das fast ebenso lange Drive Home mit seinem langen, zum Ende hin intensiver werdenden Gitarrensolo. Und auch den langen Mittelteil des Openers Luminol, einem spannenden Track, der virtuos und temporeich anfängt, fast jedem Bandmitglied ein Solo einräumt und dann in epische, balladeske Ruhe mit fantastischen, mehrstimmigen Vocals übergeht. Auch in den anderen Songs finden sich mal verträumte, mal düstere, ruhige Abschnitte. Nie langweilig, nie flach, sondern durchweg atmosphärisch, spannend und anspruchsvoll.

Die temporeiche, rockige Seite von The Raven finden wir in The Holy Drinker, The Watchmaker, Luminol und The Pin Drop. Beinhart wird's nie, aber es rockt gehörig und - ich muss es nochmal schreiben - ist unglaublich spannend. Jeder, der auch nur ansatzweise guter Rockmusik etwas abgewinnen kann, 1970er Art- oder Progrockalben schätzte, vielleicht Pink Floyd mochte oder oder oder... sollte hier unbedingt reinhören. So etwas wie The Raven erscheint nicht oft.

Ich müsste jetzt noch über die Arbeit der Bandmitglieder schwärmen. Selten habe ich einen Bass so instrumentenhaft wahrgenommen wie von Nick Beggs. Selten waren Drums so virtuos und verschachtelt und dennoch straight und kraftvoll wie von Marco Minnemann. Selten waren Klavier, Hammondorgel und andere Tasten so hörenswert wie von Adam Holzman. Selten war eine Leadgitarre so technisch sauber wie auch emotional, als die von Guthrie Govan.

Mehr kann man nicht schreiben. Ach doch, Vocals gibt es ja auch noch. Und was für welche - von Solo bis mehrstimmig einfach fantastisch. Enginered wurde das Album von Alan Parsons, der seinerzeit maßgeblich für den Sound von Pink Floyd's The Dark Side Of The Moon verantwortlich war. Und die Streicher wurden von Dave Stewart arrangiert. Viele Topleute mit einem Album, das allerdings noch besser ist, als die Summe seiner Beteiligten. Aber Wilson sagte ja in einem Interview 'Die Chemie hat gestimmt'. Und das hört man.
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am 8. März 2013
Für Steven Wilson stellt das Rock-Album immer noch eine Kunstform dar. In akustischer, sowie physischer Hinsicht. Daher gibt er sich bei all seinen Alben die größtmögliche Mühe, jedes musikalische Detail und jede Stimmung auf den Punkt zu bringen und mit der verkörperten Form des Albums, durch das Artwork und das Material des Booklets, tatsächlich dem Kunstbegriff möglichst nahe zu kommen.

Während und nach seinem zweiten Album Grace For Drowning widmete sich Wilson in mehreren Reissue-Projekten den klassischen Alben von King Crimson, so wie einiger anderer klassischen Progrock-Alben von Prog-Größen wie ELP und Jethro Tull die er klangtechnisch aufpolierte und in 5.1 Suround abmischte.

Im Rahmen seiner Arbeit an deren Masterbändern stellte Wilson fest, dass der besondere Charme dieser Aufnahmen darin lag, dass die Bands ihre Stücke meist live einspielten und bei den Aufnahmen miteinander kommunizierten. Zudem besitzen diese größtenteils nicht großartig nachgebesserten Aufnahmen eine künstlerische Ehrlichkeit, die viele der heutigen Aufnahmen nicht mehr besitzen. Diese Erkenntnis und die intensive Beschäftigung mit dem musikalischen Werk dieser Bands, sollten dann auch die Inspiration für sein nächstes Werk The Raven That Refused To Sing darstellen. Eine Hommage an den musikalischen Geist der 70iger Jahre.

Das Album enthält sechs Songs, die Wilson speziell für seine Tourband im Hinblick auf deren musikalische Fähigkeiten komponierte. Mit dabei sind Nick Beggs (ja der von Kajagoogoo) am Bass, Marco Minnemann an den Drums, Theo Travis (Saxofon, Flöte etc.) und Adam Holzman an den Tasten. Neu ist lediglich Gitarrist Guthrie Govan, der das Sextett seitentechnisch virtuos vervollständigt und alle Soli spielt. Wilson beschränkt sich auf den Gesang, Rhythmusgitarre und zusätzlichen Keyboards. Zusätzlich verpflichtete er Alan Parsons (DER Alan Parsons) als Engineer und Co-Produzenten für The Raven und spielte mit seiner Band, die mit ihm die Grace For Drowning Tour bestritt, die Songs in wenigen Tagen live in Los Angeles ein.

Wilson setzt hier sechs von ihm verfasste und zum Teil sehr düstere Gruselgeschichten musikalisch in Szene.

Drei Songs (LUMINOL, THE HOLY DRINKER und THE WATCHMAKER) stellen hierbei musikalisch eine Verbeugung vor den Progrock-Größen der 70iger Jahre dar. Hier greift Wilson bewährte Stilelemente des Progrock von Bands wie King Crimson, Yes, Genesis, ELP oder Jethro Tull auf und vermischt diese zu seiner eigenen Progrock-Melange, der zum einen der Geist dieser Bands innewohnt, aber zugleich auch eine neue Interpretation dieses Musikgenres darstellt. Und die klingt zumeist wesentlich frischer und aufregender als die Altmeister zu ihrer Zeit. Dies liegt zum einem an den gänzlich anderen technischen Möglichkeiten der Studiotechnik und zum anderen musizieren hier wahrlich virtuose Musiker, die zum Teil seit Jahrzehnten sich ihre musikalischen Sporen verdient haben und wesentlich abgeklärter aufspielen können, als die damals noch sehr jungen Musiker der ersten Progrock-Bewegung. Daher ist dieser Vergleich vielleicht nicht ganz fair aber dennoch zutreffend. Zudem bietet Wilson hier keine großen Frickel-Epen an, sondern lässt seine Mitstreiter songdienlich ihr Können vorführen.

Die übrigen Songs (DRIVE HOME, PINDROP und THE RAVEN THAT REFUSED TO SING) bewegen sich dann eher in dem vertrauten Wilson-Klangkosmos, fügen sich aber nahtlos in das Gesamtbild des Albums mit ein. Mit dem Titelsong hat Wilson zudem ein großartiges Album-Finale geschaffen. Vom schwermütig düsteren Anfang bis zum erhebend schönen Finale, stellt er wieder einmal seine Fähigkeit unter Beweis, aus einer eigentlich einfachen Idee etwas zeitlos Schönes zu schaffen.

Wilson ist hier ein sehr homogenes Album gelungen, auf dem sich Text und Musik kongenial ergänzen, atmosphärisch dicht, virtuos eingespielt und durchweg sehr unterhaltsam. Die druckvolle aber dennoch warme Produktion des Albums ist sicherlich der Erfahrung Alan Parsons geschuldet, der hier mal wieder hervorragende Arbeit geleistet hat. Man glaubt fast mit den Musikern zusammen in einem Raum zu stehen. Das dies tatsächlich live eingespielt wurde mag man kaum glauben.
Ich denke es ist mehr als verfrüht hier von einem Klassiker zu sprechen. Dies wird die Zeit erst zeigen. Aber das Album wächst mit jedem Hören und hat meine hochgesteckten Erwartungen mehr als erfüllt. Großartig !
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am 19. Juli 2013
Im Laufe des letzten Jahrzehnts wurde Steven Wilsons Beziehung zum Progressive Rock zunehmend vertraulich. Auf dem Live-Album Get All You Deserve lieferte er die Vorschau einer beeindruckenden, neuen Band - Holzbläser und Multiinstrumentalist Theo Travis, Keyboarder Adam Holzman, Studiobassist und Stick-Spieler Nick Beggs, Schlagzeuger Marco Minnemann und Gitarrist Guthrie Govan - verleihen Wilsons Prog-Stil des 21. Jahrhunderts ein vielfältiges, erfahrenes Gesicht. The Raven That Refused to Sing (And Other Stories) ist ihre erste Studio-Aufnahme. Wilson gelang es auch Alan Parsons aus der Altersteilzeit zu überreden, um die Platte mit zu produzieren und arrangieren und dieser setzte sich vorbildlich ein: der gläserne, detaillierte Sound und die geräumige Atmosphäre des Albums reflektieren einige seiner besten Werke hinter dem Pult. Das Ergebnis ist eine Ansammlung von sechs neuen Songs - drei davon mit über zehn Minuten Länge - die das Beste widerspiegeln, nach dem der klassische Progressive Rock trachtet: gewandt geschriebene Musik mit fachmännisch arrangierten Kompositionen voller Farbe, Nuancen, Strukturen, Dynamik, Geschichte und Raffinesse, gespielt von einer Gruppe herausragender Musiker. Die Songs basieren auf Kurzgeschichten, die Wilson alleine oder zusammen mit Hajo Müller schrieb und rund um das Übernatürliche angelegt sind - obwohl das eigentlich kein Konzeptalbum ist. Indes beginnt das Album mit einem Warnzeichen - die ersten vier Minuten des Openers "Luminol" sind eine verzwickte, treibende, fast schon Fusion-artige Instrumentalübung, die einer komplexen, wunderbar geschriebenen Mini-Suite Platz macht, welche sich aus Quellen wie Pink Floyd, den frühen Genesis und King Crimson zusammensetzt - das Mellotron wurde tatsächlich auf den klassischen Platten der Letztgenannten verwendet. Während sich "Drive Home" nach und nach mit einem fast majestätischen Schwung harmonischer und textlicher Erfindung aufbaut, beinhaltet es wunderbar originelles Gitarrenspiel von Govan. "The Holy Drinker" ist ein ausgedehnter Ritt mit exzellenten Keyboards durch Holzman, einem rauchenden Gastauftritt an der Gitarre durch Parsons und einem umwerfenden Sopran-Saxofon von Travis. Es beginnt ungeheuerlich mit vielen gleichzeitig gespielten Winkeln, verliert aber nie seine Musikalität. "The Watchmakers" Intro mit trällernden, aufgeschichteten, akustischen Gitarren schleppt sich dahin, wenn das Ensemble mit furiosem Bass und Drums einsteigt, plus einem großartigen Flötensolo von Travis. Das sich steigernde Drama enthält Death Metal-Riffs, synkopierte Gesangsrefrains und eine Flut an Streichern, die es aber niemals übertreibt. Der Titeltrack beendet das Set, eine satte, geradlinige Nummer über einen alten Mann, der mit seiner schon lange verstorbenen Schwester spricht. Seine Einsamkeit und Trauer kommen in Wilsons gesanglichem Ausdruck herzzerreißend zur Geltung, ehe Streicher, Mellotron, Bläser und rollende Drums zu einem finalen, dramatischen Schluss kommen. The Raven That Refused to Sing (And Other Stories) ist das Beste aus Wilsons drei Solo-Projekten; man kann nur hoffen, dass diese spezielle Gruppe eine Weile zusammen bleibt. In puncto musikalischer Möglichkeiten scheint es mit diesem Haufen keine Grenzen zu geben.
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am 1. März 2013
Was macht ein Album zum Meisterwerk? Viel ist schon gesagt über die Virtuosität der beteiligten Musiker, den phänomenalen Sound der Aufnahme, das ausgefeilte Songwriting von Steven Wilson und das durchdachte und liebevoll umgesetzte erzählerische Konzept. Das kann man nur unterstreichen. Das trifft jedoch auf viele andere Platten zu, ob von Steven Wilson, anderen Prog-Größen oder ganz anderen Musikrichtungen.

Doch "The Raven..." kann noch mehr: es ist zudem hoch emotional und zutiefst bewegend. Selten habe ich so viele magische Momente auf einer CD erlebt.
Luminol - ist so treibend lebendig, man möchte nicht sitzen bleiben, der Körper fängt an zu zucken.
Drive Home - hat diesen wunderschön melancholischen Refrain und wird gekrönt von einem Gitarrensolo zum niederknien. Guthrie Govan spielt hier mit einer Intensität, die ich seit David Gilmour auf "Comfortably Numb" nicht mehr gehört habe. Wenn die ersten Töne des Solos einsetzen fühle ich mich schwerelos, es mich einmal mit zu Mond, wirbelt mich kräftig durch die Luft und lässt mich atemlos zurück.

Holy Drinker - kein durchatmen, volle Konfusion zu Beginn, insgesamt ein heftiger Energieschub fürs Ohr.
The Pin Drop - der einzige "nur" gute Song auf der Platte. Hat mich noch nicht wirklich gepackt.
The Watchmaker - was für Chöre! die Beach Boys wären neidisch auf diesen verschachtelten Satzgesang. Und hier passiert das auch noch zu spanndener Musik.
The Raven - zum weinen schöne Melancholie des Titeltracks. Radiohead würden sich wünschen, endlich mal wieder so einen Song zu schreiben.

Jeder Song ist voller musikalischer und atmosphärischer Highlights. Zudem ist Steven Wilson ein Meister des Timings: jeder Part bekommt genau die Zeit, die er braucht, um sich voll zu entfalten, wird aber nie totgenudelt. Bevors langweilig wird kommt immer eine Raffinesse im Arangement, ohne den Carakter des Songs zu verleugnen.

Steven Wilson liefert hier ein Werk ab, mit dem er nicht nur einen Großteil seiner eigenen Diskografie locker in den Schatten stellt, sondern dem ganzen Genre des Progressive Rock neuen Geist einhaucht. Meisterwerk, Meilenstein, Opus Magnum - Ich würde niederknien, wenn ich nicht am Schweben wäre.

Eine einzige Beschwerde habe ich aber, und die geht an den Vertrieb: warum muss auf der ansonsten wirklich tollen Limited Edition direkt auf dem Cover ein "FSK 6"-Aufkleber kleben??? Das Ding liess sich nur mit bleibenden Spuren entfernen. Da habe ich kein Verständnis dafür, das gehört auf die Verpackungsfolie. Deshalb drei Punkte Abzug, bleiben also noch 5 übrig.
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