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am 21. April 2013
Im Grunde geht es in "Was bleibt" um Kommunikation. Die Familienmitglieder führen keine aufrichtigen Gespräche miteinander und äußern ihre Probleme nicht laut. Niemand will den anderen durch Wahrheiten verletzen und zieht daher die Lüge der Aufrichtigkeit vor. So entsteht zwischen den Figuren eine Distanz, die für uns als Zuschauer spürbar ist...

Von der Darstellerriege sticht vor allem Corinna Harfouch mit ihrem authentischen Spiel heraus. Mit der Entwicklung der Geschichte wirkte das, teilweise etwas hölzerne, Zusammenspiel der Charaktere mehr und mehr wie ein von Regisseur Hans-Christian Schmid bewusst gewähltes Stilmittel, das die Stimmung der Familienmitglieder wiedergibt. Denn auch die Charaktere sind nicht authentisch und spielen offensichtlich voreinander eine Rolle.

Das Drehbuch wartet mit glaubwürdigen Dialogen und einer guten Dramaturgie auf. Die familiäre Situation ist wie ein Pulverfass, auf dessen Explosion der Zuschauer einfach warten kann. Als diese dann geschieht, zieht das Tempo des Films noch einmal an und die bisher eher nüchterne Atmosphäre wird immer intensiver. Film und Figuren entwickeln sich hier parallel, denn auch die Menschen auf der Leinwand sehen sich im Verlauf der Geschichte immer stärkeren Emotionen ausgesetzt bzw. lassen diese zu Tage treten.

In dieser Limited Edition erhält man neben der DVD ein Buch rund um den Film. Als Bonusmaterial liegen der DVD, neben einem Wendecover, u. a. ein umfangreiches Making of, ein Audiokommentar sowie eine Trailershow bei. Das sehr interessante Buch beinhaltet u. a. Fotos aus dem Film, ausführlichste Interviews sowie Auszüge aus dem Drehbuch. Als kleines Manko ist lediglich anzuführen, dass diese Limited Edition nicht, wie man es vielleicht erwarten würde, in einer Sammlerbox angeboten wird, sondern die DVD und das Buch lediglich zusammen in einer normalen, einfach gehaltenen Plastikhülle vorliegt. Eine Sammlerbox hätte dieser Limited Edition bestimmt noch gut getan.

Fazit:

Ein kleiner Film ganz groß in einer Edition, in welcher der Inhalt (vor allem das Buch) erwähnenswert ist, lediglich eine würdige Verpackung fehlt. Alles in allem aber auf jeden Fall empfehlenswert!
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am 10. Februar 2013
Es hat keine sonderlich guten Auswirkungen auf das Wochenende an einem Freitag Abend statt sorgfältig die Tanzschuhe zu putzen “Was bleibt” im Kino zu gucken. Mit ähnlichen, zwar abgeschwächten Erwartungen ging ich in den Film, doch rechnete ich nicht damit, dass ich die 20 minütige Tramfahrt mit einem Wegbier in der Hand nach Hause gehen werde. Wäre es gesellschaftlich nicht verpönt, hätte ich mir auch eine Flasche Weißwein im Späti gekauft, um das eigene Leben mit diesen neuen Informationen zu überprüfen, abzugleichen, aufgewühlte Gefühle wieder in die Schublade zurück zu stecken und den Schlüssel wieder tief in mir, so kompliziert wie nur möglich, zu verstecken. Mein Kopf war schwer, das Gehirn voll, die Lunge schmerzte, das regelmäßige Atmen war trotz des Autismus schleppend, der Magen verengt, die Gefühle, die dann doch durchsickerten, pochten auf ihr Hausrecht und legten sich darin nieder.

Ich mag stille Filme, die beim Abspann laut in den Gedanken werden, die nachhallen. Tragend sind die elektrisierenden, schweren, kalten und manchmal warmen Dialoge. Die Worte sind real, jeder Satz passt perfekt, er sitzt und trifft dort in der angezeichneten Mitte des Kreises, wo er vorbestimmt war zu landen.

Zum Teil herrschte ein unwohles Gefühl im Kino, weil man empathisch gegenüber der sich aufbauenden Situation wurde, man hätte die Mutter gerne angeschrien, dass man jetzt nichts Essen möchte, nein, danke, hier muss jetzt etwas anderes auf den Tisch, wir müssen jetzt endlich ehrlich zueinander sein, warum grenzt das hier eigentlich soweit an der Oberfläche, dass jeder Fisch Atemnot bekäme, Mama? Manchmal erwischte ich mich sogar dabei zu kichern, wenn es offensichtlich war, dass wieder einmal versucht wurde mit der Titanic um den Eisberg der Eskalation auszuweichen, da diese unerträglichen, befremdlich und doch bekannten Dialoge mir so unangenehm waren. Man wartete nur auf den Widerstand, die scheppernde Kollision gegen den erschreckend großen Eisklumpen.

Die Mutter leidet ihr halbes Leben an einer depressiven Störung. Eine Diagnose, die das Familienbild ein wenig schief an der Wand hängen lässt. Das Haus ist, um das schräge Foto waagerecht wirken zu lassen, ein steriler Kasten, der trotz großzügiger Einrichtung leer erscheint. Selbst die Bücherregale erzählen keine Geschichte und wirken dabei wie der Rest nur aus dekorativen Gründen aufgestellt und nicht als bewohnter Gegenstand, in dem Menschen versuchen eine Idylle aufrecht zu erhalten, ein Leben, was nicht mehr ihres ist.

Die Distanz zwischen den Brüdern wird optisch mit einem Till Schweiger-V-Ausschnitt und einem plakativen Polohemd unterstrichen. Der Eine ist der smarte Zahnarzt, der auf Grund der bevorstehenden Insolvenz weiterhin von Vati finanziert wird, der Andere hingegen ist Autor, wohnt nicht mehr in dem Ort, ist dadurch nicht so intensiv in die Problematik involviert, er ist eher Außenstehender. Man kennt es, dass es einen in der Familie gibt, der anders tickt, der von einer anderen Sichtweise auf bestimmte Dinge sieht, der Probleme auf Grund des Abstandes erst sehen und ernst nehmen kann. Diese Funktion hat er als Vater eines Sohnes, seine Freundin lässt er für die Familie weiterhin in seinem Leben mitspielen, doch in Wahrheit sieht er seinen Jungen nur 48 Stunden am Wochenende.

Kleine Kinder verschweigen manchmal, dass sie auf Toilette müssen. Sie halten so lange bis zur Unerträglichkeit aus, kurz vor dem Platzen soll man nochmal die Blase anpicken, zumindest machte das meine Schwester immer, bis sie dann endlich auf’s Klo wetzen. Das machen sie nicht nur, weil sie es befriedigt, sondern auch, weil sie keinen Bock auf die Prozedur haben und diese so weit wie möglich hinaus zögern. Knopf auf, Hose runter, Schlüpfer rechtzeitig runter ziehen, auch noch möglichst treffen, danach Hände waschen, mit Seife, und dadurch wahrscheinlich verpassen, wie bei der Sendung mit der Maus ein Mädchen die Liebe mit einer Thunfischpizza vergleicht.

Ähnlich geht es der Familie. Zwischenmenschlichen Probleme werden verschwiegen, vielleicht, weil Verdrängung leichter auszuhalten ist, als die Wirklichkeit. Jedoch steht die Wahrheit jedem mit unsichtbarem Edding auf der ja ach so unbefleckten Weste geschrieben. Egal was man tut, der Edding ist wasserfest und es ist unmöglich sie wegzudenken. Der Weg zur aufrichtigen Ehrlichkeit ist zu Kräfte zehrend, zu anstrengend, er wird bei jeder Möglichkeit ihn zu betreten gründlich umgangen, obwohl er notwendig ist, sonst platzt die Blase, in der man sich ein schillerndes Leben aufgebaut hat und dann ist es schlichtweg zu spät.

Das Drama rempelte gegen die immer wieder gleichen Stellen in meinem Herzen, trommelte aufgebraust darauf herum, stoß mit einem angespitzten Holzbalken dagegen, dass das Blut ins verletzte Gewebe trat, es bildete sich ein Hämatom. Es ist immer leicht spürbar, noch blau, wenn das Blut beginnt zu gerinnen wird es dezent lila und während der Heilung goldgelbbraun. Doch wird mich die Erinnerung an den Druckschmerz weiterhin begleiten.

P.S.: Ich möchte nie, dass mich meine Kinder beim Vornamen nennen. Ich möchte Mama und keine Freundin sein.

(aus meinem Blog halligallistadt.wordpress.com)
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am 4. Mai 2013
Fürwahr bei "Was bleibt" hält der Zuschauer den Atem an.
Was für ein grosser Film. Er beeindruckt in seiner trügerischen Alltäglichkeit.
Läßt einen sogartig nicht mehr los und überzeugt durch seine filigrane, traumwandlerisch gute präzise Machart.
Er gibt einem nach aufgeblasenen deutschen "Literaturverfilmungen" Marke Tom Tykwer ("Cloud Atlas") wieder die Gewißheit welch packende,kluge und doppelbödige Meisterleistungen hierzulande möglich sind.
Hans Christian Schmied, verantwortlich für das ebenfalls geniale kleine und doch so große Juwel "Requiem"liefert hier eine so tiefgründige, facettenreiche Inszenierung, in der jedes Wort, jede Geste, jede Kameraeinstellung sitzt.
Zur Seite stehen ihm solche begnadeten Schauspielerinnen wie Corinna Harfouch, die für sich alleine schon einen ganzen Film mit ihrer Präsenz tragen kann.
"Es liegt was in der Luft" so könnte man das Gefühl des Zuschauers von der ersten Minute an beschreiben.
Etwas Unergründliches, Beklemmendes,Bedrohliches,das die Nerven anspannt.
Wenn der Dreißigjährige Berliner Marko hier in den ersten Szenen durch den Wald joggt oder nach seiner Mutter Gitte in der verlassenen elterlichen Wohnung ruft, ahnen wir bereits, hier braut sich etwas zusammen, hier ist die Idylle nur sehr brüchig.
Scheinbar banal die Grundkonstellation. Marko und sein etwa gleichaltriger Bruder haben im Alltag mit kriselnden Partnerschaften und beruflichen Problemem zukämpfen.
Ein erholsames Wochenende bei ihren Eltern soll etwas Ruhepause verschaffen.
Doch in den nächsten 90 Minuten wird diese scheinbar geborgene Idylle zunehmned angekratzt werden und darunter lauern nicht bewältigte Konflikte, Schuldgefühle,Verletzungen, Sehnsüchte .
Ein jahrelanges Brodeln, das durch seine Verdrängung erst ein trügerisch sicheres doch sehr fragiles Zusammenleben ermöglichte.
Ein Familienmitglied wird durch eine eigenständige Entscheidung, einen tragenden Stein aus dieser Mauer herausziehen, wodurch das gesamte Bauwerk Partnerschaft und Familie ins Wanken gerät.
Wie ein Luftballon bis zum Platzen gefüllt ist das jahrelange Szenario,der nur auf die alles entscheidende kleine Nadel wartet, die ihn endgültig zereissen läßt .
Dieser Auslöser ist Mutter Gitte,in fröhlicher Familienrunde eröffnet sie ihrer Familie eine durchschlagende Neuigkeit.
Seit dreißig Jahren an einer manischen Depression leidend, fühlt sie sich nun innerlich so ausgeglichen und stark, daß sie bereits heimlich seit zwei Monaten ihre Psychopharmaka,die ihr ein ausgewogenes Leben erst ermöglichten,abgesetzt hat.
Was eigentlich vielleicht Anlaß zur Freude wäre,gefriert in der plötzlich auftretenden Stille.
Die Gesichter ihrer Angehörigen mehr oder weniger im Schockzustand. Nur durch diesen Kamera-Blick auf die Mimiken von Mann und Söhnen zeigt Christian Schmied ohne Worte wieviel hier in der Vergangenheit an traumatischen Erlebnissen mit der kranken Mutter sich angehäuft haben müssen.
Die Angst vor einem Rückfall in kranke unkontrollierbare Verhaltensweisen von Gitte ist nun allgegenwärtig.
Mutter nimmt nicht mehr ihre Tabletten verkürzt gesagt ist nicht mehr kontrollierbar und Mutter verlangt nun vehement nicht mehr als kranke,hilflose, zu schonende Person sondern als vollwertig integriertes Mitglied wahrgenommen und behandelt zu werden.
Mutter stellt auch auf einmal unbequeme Fragen.
Alle so mühsam kaschierte Abgründe schälen sich jetzt so langsam heraus und das Gleichgewicht in den Strukturen beginnt zu Wanken.
Nieoffene eingestandene Konflikte drängen nun nach Antworten.
Falsches Mitleid,richtige oder bevormundente Fürsorge, Selbsbestimmung,Doppelleben.
Und mit jedem Blinzeln, jeder Geste,jeder Handlung Corinna Harfouchs suchen nicht nur die Familienmitglieder sondern auch wir Zuschauer ängtlich gebannt nach Anzeichen ob sie schon wieder kurz davor ist die Fassung,die Selbstbeherrschung zu verlieren.
"Ein Wahnsinn,daß sie die Tabletten weglässt" und wir spüren die Angst der Beteiligten.
"Wieviel habt ihr mir hier eigentlich die ganzen Jahre Theater vorgespielt um mich zu schonen?" fragt Gitte und wir können ihr entwürdigendes Leid nachvollziehen und ihre Sehnsucht endlich ernst genommen,als gleichberechtigter Partner anerkannt zu werden. Schwebende Ungewißheit als sie am Klavier endlich einmal befreit anfängt ein Lied zu singen.
Ist es eine Befreiung für die ganze Familie oder nur erster Hinweis auf eine neue kommende manische Phase.
Ein Belauern,ein Beobachten beginnt und auch hier wird zwischen allen Beteiligten noch nicht wahrhaftig und offen kommuniziert. Vollkommem ruhig inszeniert Christian Schmied diesen Schwebezustand und doch von so schneidender Spannung, die einem Hitchcock oder Chabrol zur Ehre gerreicht.
Lange geht einem dieser Film nach, und gibt uns, das ist das beste keine Antworten.
Das macht diesen Film zu solch einem großartigen, tranceartigen Mysterium.
Der Regisseur tippt unser Gehirn nur an, erzeugt unterschwellige Emotionen die wir über den Abspann hinaus mit uns tragen werden.
Fast surreale Züge nimmt der Film durch ein schockartiges Ereignis an: Gitte verschwindet,scheinbar spurlos.
Suchtrupps machen sich auf den Weg. Ihr Auto wird im Wald gefunden.
Wenn Marko sich alleine in düsteren Wäldern auf die Suche macht, erlangt der Film eine Dichte, die einem packenden Thriller alle Ehre macht.
Ganz einfach deswegen weil wir vollkommen hilflos vor dem Bildschirm sitzen und nicht ahnen können,was jetzt dort draußen in der Finsternis lauert.
Verstörend unerklärlich für alle Beteiligten sind die Vorgänge und nun kommen alle Lebenslügen auf den Tisch, Handgreiflichkeiten,Beleidigungen,Schuldzuweiseungen.
Geschickt wird sich am Ende ein neues Familienmodell im Alltag etablieren.
Doch das tiefe Gefühl der Verstörung,der Labilität nimmt der Zuschauer mit.
Jederzeit kann Alles, jeder sicher geglaubte Ankerpunkt im Leben ins Wanken geraten.
Fazit:Ein phantastisches, atemberaubendes Erlebnis, mit einer Spannung die in der Luft knistert, das in allen Bereichen packt, hinreissend gespielt und inszeniert ist und für mich zu den ganz großen deutschen Kinoperlen gehört.
Während sich in Multiplexkinos Tykwer mit seinem leeren Bombastkäse "Cloud Atlas" austoben durfte,war dieser Film nur in kleinen,unscheinbaren Kinos für eine Handvoll Cineasten zu genießen.
Es wird sich herausstellen welcher von beiden deutschen Produktionen nach Jahren noch im Gedächtnis bleiben und begeistern wird.
1010 Kommentare| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 15. März 2013
FILM (OHNE SPOILER!) Bewertung (Review):

Nach unter anderem den starken Beiträgen des Regisseurs Hans-Christian Schmidt von 23, REQUEM und STURM in den letzten Jahre liefert er mit WAS BLEIBT wieder erstklassige Drama-Kost ab. Mittels ultra-realistischer Dialoge und einfach nachvollziehbarer Probleme einer Familie wird die Geschichte ganz langsam aufgebaut und die Spannung nimmt genau so zu wie die immer mehr sichtbaren Spannungen in der Familie. Durch diesen Realismus ist die mögliche Identifikation so groß, dass man am Ende des Films das Gefühl hatte diese Familie und ihre Probleme persönlich zu kennen!

Es geht um den Umgang mit Krankheit, Angst, Ungewissheit, Liebe, Eifersucht, Wünsche und das austragen von intimen familieninternen Konflikten. Nach ca. 60 Minuten der schlanken rund 85 Minuten Laufzeit gibt es eine ungeahnte dramatische Wendung welche die Familie vollends vor große Belastungen stellt. Diese werden aber stets ohne übermäßige Pose, gerade Dialoge ohne Pomp und falsche emotionale Übersteigerung vorgetragen. Es verbleibt stets eine Distanz zum Zuschauer aber dennoch wird man ergriffen. Gestützt wird diese Stimmung von einer sehr zurückhaltenden leisen Musik die nie störend wirkt.

Regisseur Schmidt arbeitet schön die Konflikte heraus die jahrelang nicht angesprochen wurden. Alle vermeintlich doch so eingespielten Rituale und Beziehungen werden in Frage gestellt und geraten durcheinander. Schauspielerisch können die Protagonisten Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Ernst Stötzner und Sebastian Zimmler allesamt überzeugen. Freunde von realistischen Dramen mit offenen Enden, abseits von üblicher weichgespülter Happy-End Dramatik, die bis an die Schmerzgrenze geht und nach dem Abspann noch lange weiter wirkt, können hier bedenkenlos zugreifen.

4,5/5 Sternen

PRODUKT (Blu-ray/DVD) Bewertung (Review):

- BILD: neutrales 16:9 Vollbild ohne wirkliche Schwächen
- TON: dem Genre angemessen recht frontlastig, nur wenig Räumlichkeit, Blu-ray: DTS-HD MA 5.1, DVD: DD 5.1
- EXTRAS: Making of, Audiokommentar von Hans-Christian Schmid, Lars Eidinger und Bernd Lange, Postkarten-Set, Trailer
- SONSTIGES: FSK 12 uncut, Wendecover ohne FSK Logo (ggfs. nur Teil der Erstauflage
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TOP 500 REZENSENTam 2. Dezember 2012
... ist ein Satz, der ganz am Ende des Films gesprochen wird, aber auch das Leitmotiv der im Film porträtierten Familie sein könnte: Vater, Mutter und zwei erwachsene Söhne sehen sich nur noch selten als komplette Familie, meist zu Weihnachten (wie ein Kommentar des jüngeren Bruders Jakob an seinen mit dem Zug aus Berlin anreisenden älteren Bruder Marko andeutet). Nun ist aber Sommer und die Familie wird zusammengerufen, da es offensichtlich wichtige Neuigkeiten gibt. Der Vater (zumeist "Günther" genannt) hält sich nicht lange zurück und spricht von seinem Abschied aus dem Verlegergeschäft, um sich quasi als Rentner auf das Schreiben von Sachbüchern zu konzentrieren. Die Mutter (zumeist "Gitte" genannt) hat aber ihre ganz eigene Mitteilung beim abendlichen Grillen: Sie habe jetzt seit zwei Monaten die Medikamente abgesetzt und komme gut zurecht. Von Marko weiß der Zuschauer bereits seit der ersten Szene, dass er in Trennung lebt und seinen noch kleinen Sohn nur als Wochenendpapa betreut. Jakob hat eine eigene Zahnarztpraxis und eine Fernbeziehung, aber auch hier steht es mit beidem nicht zum Besten.
Ob zweite Phase nach einem langen Arbeitsleben, ob (riskanter) Ausbruch aus langer Krankheit, ob Beziehungschaos oder wirtschaftlich-beruflicher Misserfolg, immer steht für die wohlsituiert bürgerliche Fassade ein "wir schaffen das schon" im Raum. Zögerlich erfährt der Zuschauer manches Detail aus der Vergangenheit, die immer von einer Fassade aufrecht erhalten wurde und Konflikte nicht offen ausgetragen wurden. Als sich mehr und mehr die Wahrheit in einzelnen Äußerungen durchsetzt, eskaliert die Situation und die Familie scheint zu zerbrechen.

Der Regisseur Hans-Christian Schmid hat bereits in seinem frühen Publikumserfolg Nach Fünf im Urwald die Familie in den Mittelpunkt gestellt und sich in Form der Komödie damals über Alt-68er und Konflikte lustig gemacht, allerdings in Respekt vor den Figuren. Seine Filme wurden ernster und dramatischer, behielten aber trotz der Oberthemen 'Religion' in Requiem oder 'Vergangenheitsbewältigung' in Sturm ihren Bezug zum Thema Familie bzw. den existenziellen Brüchen und Konflikten menschlicher Beziehungen.

"Was bleibt" gehorcht ästhetisch eher den Gesetzen des Fernsehfilms und ist relativ konventionell in Szene gesetzt, bietet mit seinem sehr guten Drehbuch und hervorragenden Schauspielern aber wieder einen eindringlichen Blick in menschliche Seelen und liefert einen Beitrag zum Porträt der Nachkriegsgeneration und deren Kinder ('thirty-something'). Besonders das Ende des Films lässt den Betrachter nachdenklich zurück und verlangt danach, eigenständig weiter erzählt zu werden. Ein "wir schaffen das schon" ist dann jedenfalls eher zynisch oder deprimierend.
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am 2. Mai 2014
Dieser Film lässt uns zur spektakulärn Erkenntnis gelangen, dass Depressive eigentlich am Besten in der Geschlossenen aufgehoben wären, wo man in jeder Sekunde darauf achtet, dass sie nicht abhauen wie kleine Kinder. Andererseits sind Sie aber auf einen Schlag gesund, wenn Sie auf eigene Faus ihre Medikamente absetzen und bleiben dies auch monatelang. Bis irgendwann die family zu Besuch kommt und dem unzurechnungsfähigen Depressiven nach 30 Jahren endlich mal unangenehme news mitbringt. Der Depressive verschwindet dann ohne ein Wort, geht nicht ans handy, parkt am Waldrand und bringt sich irgendwo im Espenlaub um.... Ja klar.... so einfach ist diese Krankheit.
Wozu bitte braucht man eine solche realitätsferne Geschichte um vermeintliche Realität in modernen, bürgerlichen Familien darzustellen? Und ja, natütlich ging es allen Beteiligten (und nicht nur der Depressiven) besser, als jeder "beruhigt" seinen Mist an der Garderobe abgab. Der Mist ist da, mit oder ohne Familie. Dann doch lieber mit....
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am 6. Juni 2013
Eine Familienzusammenkunft in einem Bungalow am Mittelrhein. Die Verlegergattin Gitte Heidtmann (Corinna Harfouch) hat ihre beiden erwachsenen Söhne, den Schriftsteller Marco (Lars Eidinger) und den Zahnarzt Jakob (Sebastian Zimmler) inklusive deren Partnerinnen fürs Wochenende eingeladen, sie möchte etwas Wichtiges verkünden. Das ist das Setting des Films “Was bleibt” von Regisseur Hans-Christian Schmid und Drehbuchautor Bernd Lange.

Marco reist allein an, seine Ehe liegt in Trümmern. Auch bei Jakob ist das Leben durcheinander geraten, seine Zahnarztpraxis steht vor dem Konkurs. Die Probleme werden von der Mutter Gitte ferngehalten, weil diese manisch-depressiv ist und ihre fragile, nur durch Medikamente hergestellte psychische Stabilität nicht gefährdet werden soll. Auch der Vater Günter (Ernst Stötzner) hütet ein Geheimnis vor seiner Frau.

Jetzt also das Wochenende: Gitte gibt bekannt, dass sie schon seit einiger Zeit ihre Psycho-Medikamente abgesetzt hat, und löst damit bei ihrer Familie Entsetzen aus. Die unter Mühen entwickelte, auf Verschweigen aufgebaute Familienaufstellung gerät ins Wanken. Die Geheimnisse kommen auf den Wohnzimmertisch des Familienbungalows und lassen bisher weggesperrte Gefühle ausbrechen. Und irgendwann ist dann Gitte verschwunden.

Regisseur Hans-Christian Schmid seziert in “Was bleibt” mit unheimlicher Präzision die Aufstellung einer westdeutschen Bürgerfamilie. Diese Präzision ist auch seinem hervorragenden Schauspiel-Ensemble zu verdanken. Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Sebastian Zimmler und Ernst Stötzner lassen es in dem Bungalow-Kammerspiel knistern. Ein intensiver und spannender Film.
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am 27. Dezember 2012
Ich wurde von einem Bekannten eingeladen und habe den Film bei seiner Premiere in Essen sehen dürfen. Obwohl ich deutsche Produktionen eher meide und gestehen muss auch eher für einen "Blockbuster" ins Kino zu gehen, habe ich die Einladung nicht ausgeschlagen.

Kurz zur Story:
Wir begleiten Hauptfigur Marko auf einem Wochenendausflug zu seinen Eltern. Dabei ist auch sein kleiner Sohn, den er nur an Wochenenden sieht da er von seiner Frau in Trennung lebt. Wir lernen seine Eltern Gitte und Günter kennen, sowie seinen Bruder und dessen Freundin.
Gitte verkündet dann die Neuigkeit, ihre Tabletten abgesetzt zu haben, die ihr seit Jahren durch ihre Depressionen geholfen haben. Diese Neuigkeit lässt die Fassade bröckeln und bringt die angestauten Probleme der Protagonisten zum Vorschein.

Nach und nach kommen die Probleme an die Oberfläche und zeigen uns, das ein schönes Haus bzw. Geld nicht gleichbedeutend mit Glück ist. Wir erfahren das Gitte jahrelang vereinsamt ist, die Kinder erwachsen und aus dem Haus, der Mann ein erfolgreicher Verleger und so gut wie nie da. Darauf kam die Depression die dann mit Hilfe von Tabletten kontrolliert wurde. So konnte Günter sein Leben wie gewohnt sicher weiterführen und sich auch in Sachen Liebe neu umsehen. Diese Sicherheit verliert er nun, die Kontrolle über seine Frau entgleitet. Sie möchte ihn gerne begleiten wenn er für einige Monate ins Ausland geht. Doch das wird schwierig, ist der Platz neben ihm doch bereits mit einer anderen Frau besetzt. So spitzt sich die Situation langsam aber sicher immer weiter zu.

Die Praxis von Marko's Bruder schreibt rote Zahlen, er steht kurz vor dem Bankrott, seine Existenz ist bedroht. Dabei würde sein Vater ihm sofort helfen und ihm finanziell wieder auf die Beine helfen. Doch so leicht fällt es dem Bruder nicht, sein Versagen zu gestehen und sein Scheitern öffentlich zu machen.

Marko selbst leidet sehr unter der Trennung von seiner Frau. Diese Trennung hat er, ähnlich wie sein Bruder, lange verschwiegen. In diesem Fall ein Scheitern einer Beziehung und nicht das Scheitern einer Firma/Praxis.

Was bleibt am Ende vom Film? Wir erfahren nicht was mit Gitte geschehen ist. Wir sehen Sie in einer möglichen Traumsequenz nochmal zusammen mit Marko. Wie ausgewechselt wirkt sie, stark und selbstsicher. Sie ermutigt Marko, der sich zwischenzeitlich am Knöchel verletzt hat, selbst weiterzugehen auch wenn es weh tut.
Diese Szene deute ich so, das Marko seine Mutter so erlebt wie er sie sich immer gewünscht hat. Sie verlangt von ihm das, was der ganzen Familie komplett abgeht: Sich einer Sache stellen auch wenn es weh tut.
Die Probleme werden in dieser Familie anscheinend immer so lange ignoriert und totgeschwiegen, bis es keinen Ausweg, keine Rettung mehr gibt.

Möglicherweise hätte die Firma gerettet werden können, wenn der Bruder sich eher nach Hilfe umgesehen hätte. Ebenso die Beziehung von Marko und letztendlich auch die Beziehung von Gitte und Günter. Letztlich eskaliert die Situation dann im Verschwinden und wahrscheinlich auch im Tod von Gitte.

Fazit:
Auch wenn das Ende eher traurig war, man sieht abschliessend auch noch Marko zusammen mit seiner Ex-Frau die sich anscheinend wieder zusammengerauft haben.
"Was bleibt?" ist am Ende also die Trauer um die verlorene Mutter aber auch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, diesem Film kann man ruhigen Gewissens eine Chance geben.
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am 21. Dezember 2014
Ich mag die Schauspieler und finde die Darstellung der Situationen sehr gelungen. Der Gesang der Eltern mit Klavierbegleitung hat
mir sehr gefallen. Der Film spricht mich an und ich finde es sehr gut dass dieses Thema in einer Geschichte so verständlich aufgezeigt wird. Die Betroffenen wollen die Medikamente mit starken Nebenwirkungen nicht, nicht für immer. Besonders wenn sie sich besser, stabiler fühlen und die Familie steht da, geschockt, die Katastrophe auf sich zurollen sehend. Ich hatte ihn erst im TV
gesehn und war mir ganz sicher da gibt es noch mehr, beim ersten sehn ist mir zuviel verborgen geblieben. Und ich wurde nicht enttäuscht. Es ist ein toller Film.
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am 27. Dezember 2013
"Was bleibt" ist einer dieser ruhigen, etwas verrätselten Filme, die die Familie zum Thema haben.

Was ist in einer Familie so, wie es scheint und was nicht? Wer ist der Einzelne innerhalb der Familie und wer ist er außerhalb? Wie stellt sich seine Rolle dar und wohin entwickelt er sich, wenn sich die familiäre Struktur verändert, weil ein Familienmitglied -hier die Mutter- plötzlich aus unerklärlichen Gründen verschwunden ist?

Alle Schauspieler zeigen eine starke und intensive Leistung.

Der Film ist sehr zu empfehlen!
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