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am 31. Oktober 2012
4 Sterne-Bewertung vom 31. Oktober:

Neil Young and Crazy Horse sind zurück und für jeden Fan von Neil's rockiger Seite dürfte diese Doppel-Scheibe ein reinster Festschmaus sein.

Die Produktion besticht durch klaren, analogen Sound und die Songs reichen von episch mystischen Rockstücken (Driftin' Back) von über 20 Minuten Länge bis zu schleppendem Countryrock (Born in Ontario), Hard Rock (She's always dancing... klingt wie von der 87er "Life") und einer wunderschönen Young-Ballade (For the love of man).

Herzstück ist der Titel "Walk like a giant" (über 16 Minuten). Hier hat Young die ganze Explosivität seiner Liveperformance ins Studio gebracht und somit eine der härtesten Nummern seiner Karriere geschaffen. Der Song geht geradeaus, ist in Aufbau, Harmonie und Melodie nahezu perfekt und hat definitiv das Zeug zum Klassiker und wird sich irgendwo zwischen "Like a hurricane" und "Hey Hey, My My" einreihen. Schon dieser eine Song rechtfertigt den ganzen Kauf.

Fazit: Nach "Americana" auf jeden Fall ein Lichtblick, wenn auch nicht perfekt.
Einige Songs, wie "Walk like a giant", oder "For the love of man" sind großartig, keine Frage. Anderen Stücken fehlt irgendwie der alte Pepp, das I-Tüpfelchen, die Frische und der richtige Groove.
Mal sehen, wie es sich mit der Zeit nach öfterem Hören entwickelt.

Trotzdem vermisse ich persönlich den tiefgründigen, sensiblen Neil Young, den warmen Countryrock, die Mundi und die wunderschöne Pedal-Steel von Ben Keith. Alles Staub im Wind.

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Zusatz vom 07. November:

Nach mehrmaligem Hören kam die Erleuchtung. Die Platte wächst und ist nicht aufzuhalten.
Ich erhöhe auf volle 5 Sterne, eigentlich müssten es sogar 6 Sterne sein.

"Psychedelic Pill" ist vollgestopft mit mehreren Übersongs und keinem einzigen Lückenfüller. "Ramada Inn" ist einfach Wahnsinn.
Wie konnte ich nur zweifeln? Manchmal trügt der erste Eindruck... vielleicht unterbewusste Vorurteile??
Einige Sachen erschließen sich durch die Lektüre von Neil's grandioser Autobiographie "Ein Hippie-Traum", z.b. die Anspielung
auf sein Projekt PureTone in "Driftin Back".
Für mich ist die Scheibe bereits ein Klassiker im Gesamtwerk von Neil Young und kann
definitiv mit den NY and Crazy Horse-Sachen der frühen 90er mithalten. Wer schafft heute noch so einen Sound(auch wenn es nur die 5 % sind :-)??

Neil und Grazy Horse sind ein Fels in der Brandung der schnelllebigen und oft seelenlosen Musiklandschaft unserer Zeit.
"Psychedelic Pill" ist vielleicht eines der wichtigsten Rockalben der letzten Jahre und auf jeden Fall ein Monument für eine Art
der Rockmusik, die es so wohl nie wieder geben wird!
"Driftin' Back" heißt die Parole! Rette die Musik, Neil!
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Neil Young möchte mit einem von ihm selbst auf die Beine gestellten neuen Musikportal, das erstmalig digitale Dateien ohne jeglichen Verlust an Qualität und „Wärme“ präsentieren soll (wie viele Projekte zieht der Mann eigentlich noch gleichzeitig durch?) mal soeben die ganze Musikwelt revolutionieren, um dem Medium dadurch wieder mehr Stellenwert -und letztlich wieder mehr kommerziellen Erfolg- zu bescheren (näheres dazu: siehe sein aktuelles Buch).

Um dieses Ziel zu erreichen, braucht er natürlich selbst ein vorbildhaftes Referenzprodukt - deswegen wurden die Sessions für „Psychedelic Pill“ auf seiner Ranch auch auf betagten, allerdings bekannt hochwertigen, analogen Bandmaschinen aufgenommen und behutsam digitalisiert. Die -in den letzten Jahren teilweise etwas vermisste- Sorgfalt kommt dem Album extrem zu Gute. Es klingt nicht „zu garagig“, nicht wie zufällig aufgezeichnete Jam-Sessions. Die Musik wirkt dadurch sofort ernsthafter und substanzieller.

Die Stücke sind allesamt „typische“ Crazy-Horse-Nummern, elektrifizierter Folk mit Hard Rock-Attitüde und hemmungslos ausufernden Solo-/Jam-Passagen. Der Meister präsentiert sein Songwriting auf durchgehend hohem Niveau – keiner der Titel fällt ab. Ich möchte sogar behaupten, dass einige der Nummern (z. B. „Walk like a Giant“) das Potenzial haben, sich in die Phalanx der unbestrittenen Klassiker vom Kaliber „Powderfinger“, „I'm the Ocean“, „Ordinary People“ etc. einzureihen – und die Kühnheit dieser Behauptung ist mir durchaus bewusst!

„Psychedelic Pill“ stellt zuallererst einmal ein „Baucherlebnis“ ersten Ranges dar - vor allem auch, weil der Sound -zumindest für mein Empfinden- wirklich erstklassig, warm und "livehaftig" rüber kommt. Der größte Verdienst der Scheibe(n) liegt darin, dass eine neue Hörer-Generation jetzt und heute „ihre“ aktuelle Crazy Horse-Platte erfahren und auf sich wirken lassen kann. Das heißt: Es pumpt, donnert, knurrt und kracht, dass es eine Freude ist. Neil Youngs typische archaische Gitarrenriffs, seine einzigartige Art des Solierens und -erstaunlich genug- seine immer noch frisch klingende hohe Stimme thronen über diesem mächtigen Sound-Fundament und vermitteln den Eindruck, die nächsten Jahrzehnte könnten der Truppe ebenso wenig anhaben wie die zurückgelegten. Und die Qualität der Songs lässt eben nicht nur den Eindruck gefälliger Selbstplagiate aufkommen – vielmehr stellen sie eigenständige, authentische und relevante Werke dar, deren Umsetzung im -seit Jahrzehnten als „Marke“ definierten- typischen Crazy-Horse-Stil hier die einzig richtige und stimmige Herangehensweise ist. Dadurch ergibt sich geradezu ein „Zeitmaschinen-Effekt“: Crazy Horse sind Vergangenheit, heute und Zukunft, sind „Cortez the Killer“ ebenso wie z. B. „She's always Dancing“ von der neuen Scheibe.

Hier bleibt kein schaler Beigeschmack – hier atmet und schnauft der Geist des zeitlosen, ewigen Rock 'n' Rolls, geschwängert mit der Weisheit von Jahrzehnten, aber immer noch mit ungebremstem jugendlichen Elan. Ich fühle heute den Spirit des „Summer of Love“ – und freue mich gleichzeitig, dass Neil Young daran arbeitet, ein Kulturgut schadlos in das Zeitalter (a)sozialer PC-Netzwerke zu transportieren. Danke für ein sagenhaftes Album – möge es noch lange so weitergehen!

Tipp für Skeptiker: Vielleicht nicht gerade mit dem ersten Track, dem 27-minütigen „Driftin' Back“ anfangen (der eher meditativ , über das Unterbewusstsein seine Wirkung entfaltet) - die beiden Versionen des Titeltracks -auf CD1 mit heftiger Flanger-Gitarre (Danke dem Kommentar von Thomas Glggler!), auf CD2 im altbekannten Soundgewand mit „normaler“ Verzerrung- sowie das monumentale „Walk like a Giant“ haben mir persönlich sehr gut den Weg in das Werk geebnet.

Gestattet sei noch eine Werbung: Allen Crazy Horse-Fans empfehle ich das formidable Album der Billy Talbot Band: "Alive in the Spirit World".
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Also manchmal frage ich mich wirklich, wie läuft es mit der Musik eigentlich? Hat ein Mensch/Musiker nur ein gewisses Potential an Noten bzw. Songs oder ist das endlos, zumindest was die Qualität anbetrifft. Von den alten Klassikern wie Bruckner, Wagner etc. wissen wir, dass sie auch im Alter fantastisches zu leisten im Stande waren. Bei der sogenannten modernen Musik der letzten, sagen wir mal 60 Jahre, muss man leider feststellen, dass genau das Gegenteil der Fall ist, fast alle Musiker waren nach ca. 10 Jahren ausgebrannt und ideenlos, Ausnahmen bestätigen die Regel. Beim Rest war/ist es so, dass sie noch ganz gute Musik machen, aber die Qualität der frühen Jahre bei Weitem nicht mehr erreicht.
Eine große Ausnahme ist für mich Neil Young. Was dieser Kerl auch noch mit jetzt fast 67 Jahren immer wieder unter die Fans bringt, ist schon ziemlich einmalig. Nicht nur, dass er ständig seine Stilrichtung ändert, womit er ja schon des Öfteren einen Teil seiner Fans zur Verzweiflung trieb, nein auch die Qualität seiner Veröffentlichungen sind, fast immer, über jeden Zweifel erhaben und jederzeit mit seinen Frühwerken vergleichbar.
Jetzt mit "Walk Like A Giant" also Album Nummer 47, eine DoCD übrigens, wenn ich richtig gezählt habe. Und auch dieses wird seine Spuren bei den Fans hinterlassen und was für welche. Alleine schon die Tatsache, dass er wieder mit seinen alten Kumpels von Crazy Horse zusammenspielt, treibt uns Fans die Freudentränen in die Augen, wissen wir doch schon von vornherein, welcher Sound uns erwartet: krachend, rumpelnd, ohne Rücksicht auf Verluste, mit Rückkopplungen, schräg und trotzdem ohrwurmig! Vor allen Dingen aber sehr suchtgefährdend.
Alleine das Stück "Walk Like A Giant" ist schon den Gesamtpreis der CD wert. Was die vier Kumpels hier in unglaublichen 16.26 Minuten vom Stapel lassen, ist allerhöchste Qualitätsstufe und beinhaltet alles von dem, was ich oben beschrieben habe. Es beginnt mit dem sofort erkennbaren Gitarrensound Neil Youngs, unschuldigem Pfeifen, dem Rumpelschlagzeug von Ralph Molina, Billy Talbots ultratiefen Basstönen, bei denen man immer Angst haben muss, dass sie einen erschlagen wollen, dann setzt auf der linken Seite Frank Pancho" Sampedros Gitarre ein und auf dem rechten Kanal beginnt Neil schon nach kurzer Zeit mit seinen unglaublichen Gitarrensolos, die dir die Gänsehaut rauf und runter laufen lassen und an seine besten Zeiten von Cortez The Killer", Like A Hurricane", Cowgirl In The Sand" oder Down By The River" erinnern. Das Stück verbreitet eine Stimmung, als käme es direkt von seinem Live-Album Weld" herübergeschwebt und die Energie dieses Songs könne den Strombedarf einer Kleinstadt locker begleichen.
Das Album beginnt mit einem Monstrum von Song Driftin Back", der über 27 Minuten vor sich hin mäandert, immer die Gitarre von Neil im Vordergrund und in fast ruhiger Tonart, aber so sehr vereinnahmend, dass er richtig Besitz von einem ergreift und ehe man sich versieht, sind die 27:35 Min. auch schon vorbei.
Der Titelsong "Psychedelic Pill" erinnert sehr stark an "Cinnamon Girl" und läutet mit gleich den nächsten überlangen Titel mit 16:48 Min. ein: "Ramada Inn". Auch hier wieder ein Neil Young in unglaublich intensiver Spielfreude und mit endlosen Gitarrensoli, die nie langweilig werden, sondern im Gegenteil eine dermaßige Anziehungskraft ausüben, dass man sich wünscht, dass der Song endlos weiter geht, Neil Youngs wehmütiger Gesang verstärkt dieses Gefühl noch.
"Born In Ontario" ist ein netter Song über seine Geburtsstadt Omemee in Ontario, Canada, "Twisted Road" ein lockerer Country beeinflusster Song. Beide lassen kurz Luft holen und dienen nur dazu, um sich auf "Shes Always Dancing" den nächsten längeren Song vorzubereiten, der wieder von Neil Youngs Gitarre lebt und vom wunderschönen Background -Gesang von Crazy Horse.
"For The Love Of Man" ist der ruhigste Song auf dem Album und läutet das oben schon erwähnte, für mich beste Stück "Walk Like A Giant" ein. Den Abschluss macht eine Alternativ Version von Psychedelic Pill", die sich nicht sonderlich vom Original unterscheidet.
Also ein in dieser Form und Qualität nicht unbedingt erwartetes, weiteres großes Neil Young & Crazy Horse - Werk, das allemal das Zeug zum Klassiker hat!
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am 30. Oktober 2012
Nur ein paar Monate nach der Volksmusiksammlung „Americana“ erscheint mit „Psychedelic Pill“ das erste neue Crazy Horse-Material „…in nearly a decade“, wie es auf dem Promo-Kleber heißt. Ich kann das so nicht sehen. Die Zeitangabe bezieht sich auf „Greendale“, Youngs 2003 erschienenen Versuch, sein Wertesystem als stellenweise surreale Smalltown-Familiengeschichte widerzugeben. Aber auf den teilweise rudimentären Erzählsongs dieser Platte war Frank Sampedro nur aushilfsweise dabei, und es ging allein schon deswegen nicht so sehr um den Sound und die Interaktion von Crazy Horse, sondern eben um diese wechselvolle, Weichen stellende, traumatische Episode im Leben der Familie Green – einem disparaten Haufen mit dem Herzen am rechten Fleck, der so auch wirklich nur in Youngs Gehirn entstehen konnte. Von dem sein Arzt übrigens vor nicht allzu langer Zeit sagte, daß es sich verändern würde, woraufhin Young beschloß, nach Jahrzehnten voller Marihuana und Alkohol nochmal ganz anders aufs Leben zu blicken: Nüchtern. Die jeden Künstler und so auch Neil Young an einem solchen Wendepunkt überkommenden Befürchtungen, daß es nun Essig wäre mit Inspiration und Kreativität, soviel kann man gleich mal vorwegnehmen, haben sich null bewahrheitet.

Aber um schnell noch einmal zur qualitativen Einsortierung dieses Doppelalbums zurückzukommen: Eigentlich ist „Broken Arrow“ [1998] das letzte (und, nebenbei bemerkt, schwächste) ordnungsgemäße Crazy Horse-Album. Damals lebte ich noch ganz woanders, war meistens bedröhnt und hatte Haare bis zum A*!~#. Heute sind sie kurz, ich klatsche ständig schwarze Farbe rein und habe nach 40 Minuten Einwirkzeit immer das Gefühl, sie läuft mir ins (mittlerweile nüchterne!) Gehirn. Interessiert das jemanden? Nein. Warum erzähle ich es? Um deutlich zu machen, daß mich Neil Young mit und ohne Crazy Horse schon mein halbes Leben lang begleitet und damit das Thema „Alte Kartoffelsäcke kriegen es erstaunlicherweise hin, große Kunst zu produzieren“ mal ohne Bezugnahme auf die alten Kartoffelsäcke abzuhandeln. „Psychedelic Pill“, bevor ich es doch noch vergesse, ist das beste Crazy Horse-Album seit „Sleeps With Angels“ [1994] und besser als das wenige Jahre davor erschienene „Ragged Glory“

2012 scheint für Neil Young das eigentliche Jahr der Retrospektive zu sein. Seine bewußt unchronologisch angelegte Autobiografie ist gerade auf dem Markt. Im Frühjahr bot „Americana“ dem geneigten Exegeten Bezüge zwischen der Geschichte der Vereinigten Staaten und der Biografie des gebürtigen Ontarians an; nicht penibel kuratiert wie auf der mittlerweile auch schon wieder 3 Jahre alten „Archives“-Pommesbude, sondern eher zufällig und emotional aufgeladener, wie plötzlich ins Bewußtsein schießende Erinnerungsfetzen, bei denen die assoziierten Gefühlszustände mindestens so intensiv sind wie die Bilder – und vielleicht wichtiger.
„Driftin‘ Back“ heißt in diesem Sinne der Opener, und besser kann man die Parameter „Rückkehr“, „Rückschau“ und aber auch „Aufbruch“ (denn Neil Young schaut vor allem nach vorn, egal, was er gerade macht) nicht in Szene setzen: Der Song beginnt als Folk-Nummer mit den Gesängen von Crazy Horse, aber ab dem 2. Refrain wird die Band REINGEFADET! Soviel Montage gab’s noch nie auf einem Young-Album, vielleicht abgesehen von „Broken Arrow“ aus seligen Buffalo Springfield-Zeiten. Und das akustische Intro klingt, während es zügig von den immer lauter werdenden elektrischen Instrumenten übertönt wird, wie eine Titelmusik zur Vergangenheitsrevue, deren erste Szene eine Live-Sequenz aus einem Crazy Horse-Gig von Anno Dunnemals ist. Ist aber gar nicht so. Denn dies sind Crazy Horse anno 2012, und es ist, als wären sie nie weg gewesen. Gleichzeitig wabern einem Bilder und Krachfetzen aus über 40 Jahren durchs Hirn, das jetzt fast eine halbe Stunde lang schön in Form geklöppelt wird, denn so lang ist dieser Song.

Seit den frühen Neunzigern kann man in Youngs Werk einen zunehmenden Hang zum Selbstzitat beobachten. Die alte Sache. Wo hört Stil auf, und wo fängt Selbstzitat an? Welche Rolle spielen solche Grenzziehungsversuche überhaupt bei jemandem, der seit den Sixties bis heute Dutzende Platten veröffentlicht und neben Dylan der einflußreichste Songwriter aller Zeiten ist? Soll man die Freude, dieses Kribbeln im Rückenmark, das man beim Anhören von „Psychedelic Pill“ spürt, wenn DIESE BESTIMMTEN STELLEN kommen, unterdrücken? Schmälert dieser „Klingt-ja-wie…“-Effekt die verrostete Klasse dieses Albums? Ich sage: Quatsch! Selbst diese 1:1-„Like An Inca“-Stelle auf „Le Noise“ [2010] war ja wie, als würde man Jahre später an irgendeiner Ecke, WOMP!, in einen längst totgeglaubten Verwandten reinlaufen. Da kriegt man einen mächtigen Schrecken, aber es würde einem nie in den Sinn kommen, „Langweilig!“ zu rufen.
„Ramada Inn“ (fast 17 Minuten) hätte prima auf „Ragged Glory“ gepaßt und wäre dort ein strahlender Langzeitstern gewesen. Youngs Gitarrenspiel treibt einem endlich wieder Tränen in die Augen. „Poncho“ Sampedro scheint heutzutage noch dickere Saiten zu spielen als früher. Er schrummelt stinknormale Folk-Akkorde, aber niemand legt einen solchen Teppich aus stinknormalen Folk-Akkorden. Ralph Molina pafft in Trance auf seiner Snare herum, deren Resonanzfell im Dröhnen der Gitarren surrt und rauscht, und Billy Talbot spielt wieder Baß, als würde er Boxhandschuhe tragen. Diese 3 Troglodyten! Nichts daran ist neu oder ungewohnt, aber SO GUT war es Ewigkeiten nicht mehr.
„She’s Always Dancing“ (immerhin achteinhalb Minuten) ist dagegen das 21.-Jahrhundert-Pendant zu „Like A Hurricane“, hat auch die gleichen, von A-moll über G zu F absteigenden Akkordfolgen, den gleichen halluzinatorischen, nebligen Fluß – ist aber eben auch ein mit Liebe geschriebener Song. Was das angeht, konnte man sich bei Young in der Vergangenheit nicht immer sicher sein, gerade wenn‘s sich mal hinziehen durfte. Da hatten Strophen und Refrains bisweilen eher den Charakter formelhafter Alibis fürs nächste Solo. Diese Kritik kann man sich bei „Psychedelic Pill“ getrost sparen, und das gilt auch für die etwas handlicheren Stücke: „Born In Ontario“ beispielsweise, ein entschieden gut gelaunter Bastard aus, sagen wir mal, „Bite The Bullet“ und „Everybody Knows This Is Nowhere“; oder das wunderschön hingezitterte „For The Love Of Man“, bei dem ich immer an „When Your Lonely Heart Breaks“ denken muß, eine meiner liebsten Crazy Horse-Schnulzen, über die sonst kaum jemand spricht. Wo man auch reinhört, keine Schablonen, kein Selbstzweck, kein sich im Leeren verirrendes Jamming.
Das gut viertelstündige „Walk Like A Giant“ ist schließlich die Krönung dieser 80 Minuten Musik: Ein schleppender Beat wie bei „Powderfinger“, ein vierstimmig gepfiffenes (!) Thema, im B-Teil besinnen sich Crazy Horse mit „Dooo-Wha!Wha!“-Chören auf ihre Vergangenheit als Vokalgruppe „Danny & The Memories“ (Heute müßte man „Frankie & The Memories“ sagen)…und dann dieser herzerwärmende, Größe einfordernde Refrain! Das Riff danach ist zu 50% „Hey Hey, My My“, und schon bei „Driftin‘ Back“ hörte man den Alten „Hey Now, Hey How Now“ wimmern. DIESE MOMENTE meine ich! Da krieg‘ ich Pickel!
Wie ein Riese möchte ich übers Land gehen: Ab der zwölften Minute machen Crazy Horse die erderschütternden Schritte dieses Giganten physisch erlebbar. Da klappern die Tassen in der Vitrine. Lieber Gott, ich möchte das live hören! Dann bleibt er stehen, knackt mit seinen Knochen, es klingt wie uralte, gestorbene und wiedergeborene Sonic Youth. Und am Ende, wir wollen uns gerade anschicken, diese Begegnung zu verarbeiten, kommen Crazy Horse ein letztes Mal zurück, mit Huhuu-Chören und einem Sekunden langen elektrischen Rumpeln und Grollen. Da steht er nun, der Koloss, und wir können ihn schwerlich ignorieren. Er ist in unser Leben getrampelt, und wir müssen irgendwas mit ihm machen. Vielleicht sollten wir anfangen, ihn anzubeten.
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am 29. Oktober 2012
Vorweg zu den Sternen....ich tue mich schwer mit 5 -Sterne-Rezis... ich finde der 5. STern kommt, wenn ich auch in einem Jahr noch sage :Wow, was für ein Rohr!! Aber ich denke, die Chancen dazu stehen sehr gut! Warum?

Weil er mit Crazy Horse die für mich bestmögliche Begleitband überhaupt an der Seite hat! Es gibt deutlich bessere Schlagzeuger, es gibt bessere Basser und natürlich auch Gitarristen, aber zusammen und in den Themen "brachial, psych und episch" gibt es nichts gigantischeres.
Wer Youngs aktuelle Biographie liest/gelesen hat, der bemerkt das man inhaltlich hier quasi die Vertonung des Buches hat. In der geschriebenen Version finden sich gleich in den ersten Kapiteln die Erläuterung warum er mp3s nicht mag (um es vorsichtig zu formulieren) und welche Bands und Songs ihn beeinflusst haben (Dead, Dylan, Orbison, Williams). Buch und Album bilden damit für mich eine Einheit die den aktuellen Geist des Kandiers abbilden. Zusammen mit den schriftlichen Hommagen an Familie und Heimat wird das ganze komplett rund. Textlich kommt es also für mich sehr persönlich und fast etwas schwernütig daher, wenn Neil über die Erziehung der Kinder und seine Heimat Ontario singt. Man darf nicht vergessen, der gute ist auch nicht mehr der Jüngste, musste während seiner Aneurysma -OP (ich hoffe das schreibt man so...) wiederbelebt werden und hat aufgeört Gras zu rauchen und zu trinken. Das verändert wohl den Menschen....! Soviel zu den Texten und für die, die bereit sind den Texten zuzuhören! Jetzt zur Musik:

WOW! Was für ein Brett! Seit dem großartigen "Ragged Glory- Album" was für mich Crazy Horse in Bestform war (und bleibt), ist trotz einer soliden "Broken Arrow" oder "Greendale" (in CH-Manier)das hier die echte Fortsetzung! Einige der Songs - allen voran "DRIFTING BACK" und "SHES ALWAYS DANCING" werden von einer nachträglich vorangestellten Einleitung eröffnet, die dann in für mich nichts anderes als eine ausgedehnte Jam-Session münden und. Wenn ich bei manchen Alben so Sachen lese, wie "ohne endloses overdubbing live eingespüielt..." HIER klingt das auch so. Da kann ich die vier förmlich im Kreis stehen sehn und jammen! Absolut geil! Dann singt man ab und an ein paar Phrasen die einem so durch den Kopf gehen und fertig ist die pschedelische Zeitreise, die mit dem Mantra "I#m driftin' back" so passend eingeleitet wird. Einzig die Lyrics des Longtracks(die Shorttracks natürlich auch, dass sind ja qausi klassische songstrukturen) "RAMADA INN" wirken für mich wie länger zusammenŽgeschrieben! Höhepunkt hier der Hippie-Chor-Refrain : "and every morning comes the sun..." Ja gibts denn sowas heute noch (jauchz!). Dabei klingt der Chor der Boys halt nicht schnulzig, sondern genauso Roh wie die Musik. Da tritt nach Blickkontakt jeder ein Schritt vor ans Mikro und singt seine Version des Refrains in das Teil! Das ist einfach perfekt gerade weil es nicht perfekt ist!

Aber der Reihe nach: Der TITELTRACK hat viel von "Welfare Mothers" allerdings mit einer sehr satten, fast zu satten Portion "Flanger" bis der Arzt kommt, das bereits angesprochene RAMADA INN ist wahrscheinlich für die meisten der Höhepunkt des Albums und erinnert mich stark ans Greendale Album (grandpas Interview glaub ich). Nur viel besser...! "BORN IN ONTARIO" ist "Homegrown Teil 2" "TWISTED ROAD" ist die Hommage an die Musik die Young beeinflusst hat. Nicht zufällig wird der Refrain mit "how does it feel" eingeleitet und bildet so den Bezug zu "Like a Rolling Stone" was der Kanadier als einer seiner größten Einflüsse beschreibt. "FOR THE LOVE OF MAN" erinnert stark an den -ebenfalls in Buch und Twisted Road erwähnten Roy Orbison. EIne fast schnulzige Ballade, aber Neil huldigt ja hier Orbison und da muss Schnulz erlaubt sein...:-)
MEIN persönlicher Überhammer folgt aber am quasi Schluss des Albums: WALK LIKE A GIANT! DAS ist "the horse"! Wer die Jungs jemals live erlebt hat, weiss genau wie das aussieht: INs Mikro "gegrölte" emotionale Refrains, Neil's "old black" Gibson singt, röhrt, dröhnt scheint zu explodieren und gibt Geräusche von sich wie ich sie nur noch von ihm höre, Poncho spielt ehrfürchtig die Rhytmusgitarre und die Rhytmusfraktion Talbot/Molina machen das, was sie immer machen und was die einen ihnen vorwerfen und ich so sehr mag! Sie sind roh und geben Neil die Möglichkeit das zu machen was ich an IHM so mag. Nämlich das was ihm gerade so einfällt...! UNd das ist geil! Das Ende erinnert an die Live-Versionen vom Hurricane, nur dass hier die Gibson wohl nicht auf dem Boden liegt und Young mit dem Gitarrenkabel draufprügelt, aber es ist dicht dran....:-) SAUGEIL! Die "Bonusversion" von Psych. Pill" mag ich persönlich lieber als die erste Version. Aber das ist Geschmackssache...!
FAZIT:
Wer Ragged Glory mochte wird das hier lieben, wer immer schon gesagt hat, dass sich Young mal eine anständige Begleitband zulegen sollte (der hat meiner Ansicht nach zwar wirklich keine AHnung...:_) ) aber der wird das hier auch nicht mögen! Je länger ich hier schreibe, deste mehr geh ich auf die 5 Sterne...:-)

Ergänzung 1: Eins noch und das ist ganz wichtig: Ihr könnt es hören wo ihr wollt! Im Auto, Zuhause, beim Bügeln....egal, aber : ES MUSS LAUT!! :-)
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Eigentlich mag ich es nicht, wenn ich mich in die Musik einer CD hinein"arbeiten" muss. Es ist doch viel angenehmer sofort einen schnellen Zugang zu einem Album zu bekommen. Bei Neil Youngs "Psychedelic Pill" gefiel mir natürlich auf Anhieb "Driftin' Back", dass mit 27:37 Minuten herausragend ist. Allein dieser Song rechtfertigte für mich die Anschaffung des Albums. Ja und dann habe ich mich in die weiteren Songs hineinhören müssen. Nun, nach mehrmaligen Durchlaufen der CD, schließe ich mich nunmehr denjenigen an, die für "Psychedelic Pill" fünf Sterne abgegeben haben. Die CD ist musikalisch unglaublich abwechselungsreich. So eine wunderbare Balladen, wie das "For the Love of Man" und die anderen beiden rockigen Longtracks "Ramada Inn" und "Walk Like a Giant" kommen absolut überzeugend daher. Mittlerweile wurde der Song "She's Always Dancing" zu meinem Lieblingsstück auf dem Album. Auch die Covergestaltung ist gelungen. Die Songtexte werden in einem für eine CD-Beilage ungewöhnlichen Format geliefert, sehr schön handlich. Zu kritisieren habe ich allerdings, dass dieses Heftchen gemeinsam mit einer CD in ein "Schubfach" geschoben wurde. Infolgedessen könnten bei Entnahme oder Hineinschieben die CD's oder aber auch das Heftchen beschädigt werden. Aber man kann nicht alles haben. Mir ist allemal die absolut gelungene Musik wichtiger. Auch ich empfehle diese Neil Young CD sehr gerne.
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Hat man irgendwann beschlossen, Neil Young in sein Musik-Liebhaber-Herz zu schließen, ist man entweder über die Maßen leidensfähig oder sehr empfänglich für alle nur denkbaren Möglichkeiten der musikalischen Geräuscherzeugung. Ein neues Neil Young Album bedeutet seit Jahrzehnten für den Fan vor allem eines: er hat vorher keine Ahnung, was diesmal auf ihn zukommt. Will der Meister uns in den Arm nehmen und trösten oder mit Anlauf in den Hintern treten, will er entspannt Geschichten aus seinem (oder sonst wessen) Leben erzählen oder lebt er nur irgendeinen Egotrip aus. Immer ist alles möglich. Und viel!

Sein kreativer Output scheint ganz und gar unerschöpflich. Allein in den letzten 10 Jahren flogen neun reguläre Studio-Alben auf den Markt (plus einige wunderbare Perlen aus dem Live-Archiv) und wenn man die Platten - von dem einigermaßen geradlinigem "Are you passionate?" (2002) über das erzählende "Greendale" (2003), das entspannt zurückgelehnte, rein akustische "Prairie wind" (2005), dann das straight rockende und Aussagen orientierte "Living with war" (2006), das Sammelsurium liegen gebliebener, aufpolierter und aufbereiteter Schmuckstücke "Chrome dreams 2" (2007), gefolgt vom unerwartet groovenden Folk in the road" (2009) und dem an Düsternis und Versponnenheit kaum mehr steigerbaren "Le noise" (2010) und die erst Anfang dieses Jahres veranstaltete, herrlich rumpelnde Volksmusik-Veranstaltung namens "Americana" - sich noch einmal durch die Gehörgänge segeln lässt, wird einem deutlich, da war keine Wiederholung.

Und da ist "Psychedelic pill" dann jetzt doch einmal eine krachende Überraschung des alten Reiters auf seinem durchgeknallten Pferd. Mann legt das Doppel-Album ein oder auf und erlebt ein bei Neil Young höchst seltenes Gefühl bei einer neuen Platte: Es klingt wohlig vertraut! Wie ein alter Freund, den man ewig nicht gesehen und gehört hat und der nun endlich mal wieder vorbeischaut. Von der erste Sekunde ist dieses blinde Urvertrauen und Einverständnis wieder da, ohne Aufwärmphase, ohne Fremdeln und sich neu gewöhnen zu müssen. Das sind sie wieder, Neil Young und Crazy Horse, wie bei "Rust" und "Ragged glory", nur irgendwie noch besser, soweit man das im Rausch der ersten Begeisterung wirklich feststellen kann, auf keinen Fall schlechter!

Ausführlich durchanalysiert haben "Psychedelic pill" hier andere schon wunderbar, da muß ich mich nun nicht auch noch ausdünsten. Ich wollte mit dieser Rezension nur in die völlig verständlich ausgelöste Begeisterungs-Welle über das neue Album hineinspringen und etwas mitjubeln.

Ich freu mich darauf, mich an sein nächstes Album wieder erst gewöhnen zu müssen, aber es tat mal richtig gut zur Abwechslung ein neues Neil Young Album zuhören und doch vom ersten Takt an das Gefühl zu haben: hier warst du schon mal, hier wurde zwar gemalert, die Wand die hier mal stand ist auch weg, aber es riecht vertraut, die Diele knarrt immer noch und der Blick aus dem Fenster ist auch der selbe.
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am 2. Dezember 2012
Neil Young und Crazy Horse wie ich sie kenne und liebe. Doppel-CD = doppeltes Glück. Endlos-Improvisationen mit scheppernden Klampfen und ordentlich Dampf auf den Boxen ... hey, hey - my, my für mindestens die nächsten 50 Jahre!!!
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am 30. Oktober 2012
Zu solch' einer Äußerung lässt man sich schon mal gerne hinreißen, auch wenn es vielleicht nicht der geistig hellste Begeisterungsausruf ist. Darum: "Tschuldigung..."

"Helle" und absolut intelligent ist aber das hier, was Neil Young und seine absolut erfahrene geerdete Band "Grazy Horse" da vorlegen.

Für mich war dieser Mann schon immer einer "der Rock-Musiker" schlechthin, weil er:

Erstens: ...seit Jahrzehnten experimentiert, uns mit Wohlklängen einlullen kann und es gleichzeitig aber auch richtig roh "krachen" lassen kann, so, als sei er der eigentliche definitive Erfinder des "Grunge". Nur dass der ungeschliffene Gitarrensound bei Neil Young immer positiv klingt und nicht irgendwie depressiv,

Zweitens: ...sich seit ewiger Zeit für das Kulturgut "Musik" in jeder denkwürdigen Form einsetzt. Er ist nicht nur ein Künstler, sondern ein Streiter (!), ein Verfechter der guten Musik und des guten Klangs. Dieses Wirken ist in der heutigen Zeit megawichtig. Es müsste noch viel mehr "Neil Young's" geben, die der Verflachung der Musik durch die Industrie Paroli bieten und den Wahnsinn endlich stoppen, der uns in Form von saudummen Casting-Shows und Schrotthits mit bis zur Unkenntlichkeit komprimierten Klängen im Radio jeden Tag immer mehr in Besitz zu nehmen scheint,

Drittens: ...richtig schöne authentische holprige Rockmusik macht, dass es eine pure Freude ist.

"Psychedelic Pill" ist das beste Album seit "Sleep With Angels" (1994) und der Titel passt. Wo gibt es solche Pillen ? Ich werfe mir sofort eine ein, wenn damit solche Musik einhergeht und im Kopf bleibt.

Ich habe aus Kostengründen alle geplanten CD-Käufe zurückgestellt und diese CD erst einmal vorgezogen. Vollkommen zu recht, denn was da geboten wird, stellt so ziemlich alles in den Schatten, was derzeit auf dem Markt mehr oder weniger herum "kreucht" anstatt "fleucht"... (Ausnahmen bestätigen die Regel: Mark Knopfler und Black Country Communion)

Die rohen und absolut authentischen Arrangements sind auf höchstem klanglichen Niveau. So als stünden "Grazy Horse" mitten im Wohnzimmer. Man ist geneigt, anstatt den Regler der Hifi-Anlage den imaginären Gitarrenverstärker im Raum zu suchen, um diesen aufzudrehen ! Überhaupt bleibt hier nur eine Empfehlung: Laut hören !

Neil Young hat im Laufe der Jahre immer für Überraschungen gesorgt und seine große musikalische Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Er spielte immer gerne Folk und Country mit Elektrogitarren im steten Wechsel mit "harter" Rockmusik. Die meisten kennen ihn durch sein bis heute wohl meistverkauftes Album "Harvest" mit dem Hit "Heart Of Gold", aber man kann und darf (!) ihn keinesfalls darauf reduzieren.

Hier auf "Psychedelic Pill" befinden sich gleich mehrere Highlights. Zuerst kann man in den Klangkosmos der Band Grazy Horse eintauchen, wenn man sich auf den Opener "Driftin' Back" einlässt. Zugegeben; starker Tobak, mit über 20 Minuten ungewöhnlich lang und vielleicht nicht jedermanns Sache. Aber bitte: Tut's einfach ! Die Platte ist dermaßen genial, dass man wieder die Hoffnung hat, die Musikwelt ist noch nicht verloren !

Auch "Psychedelic Pill", der Titelsong, und "Twisted Road" sind einfach nur gut gemachte Songs, die stylistisch etwas "Driveby", "Western Hero" oder "Trans Am" von "Sleep With Angels" ähneln. Zudem sind "Ramada Inn" und "Walk Like A Giant" absolute extrem gute Ausnahme-Songs.

Einige reden vom Summer Of Love, der hier wiederbelebt wird, andere von "Zeitreise". Das Album transferiert aber tatsächlich die Musik der 60er und frühen 70er in die Gegenwart.

Wenn ich jetzt nicht alle auf dem Album befindlichen Lieder durchkaue hat das nur den einen Sinn, dass es immer subjektiv und schwierig ist, Musik in Worte zu fassen.
Hier auf diesem Werk ist sie einfach nur sehr gut, und jedes Wort wäre zuviel...
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am 28. Oktober 2012
Keiner der vergebenen Sterne ist zu viel...

Endlich hat Neil Young wieder vollständig zur Soundschärfe und Klanggewalt aus den Jahren 1989 - 1994 zurückgefunden. Die letzten 18 Jahre waren geprägt durch eher dahingerotzte und zwanghaft skizzenhafte Soundteppiche. Wenn man mal wie bei CHROME DREAMS II das Gefühl hatte, es geht aufwärts, wurde man durch das überwiegend eher durchschnittliche Songmaterial der Nachfolger recht schnell ernüchtert.

PSYCHEDELIC PILL liegt soundtechnisch wunderbar klar zwischen RAGGED GLORY und BROKEN ARROW ohne dabei reine Selbstzitate zu bemühen.

AMERICANA hatte bereits angedeutet, dass der große Meister wieder in der Spur ist. Der Beweis ist erbracht. Die Scheibe wird definitiv nicht nach 3 - 5 Durchläufen wieder im Regal verschwinden... (Anmerkung, ca. 1 Jahr später: Sie ist doch nach drei - vier Durchläufen im Regal verschwunden)

Muss meine Rezension nach geraumer Zeit nach unten korrigieren. Die Scheibe blendet im ersten Eindruck. Der Sound bleibt zwar der beste seit langem für eine Neil Young-Scheibe. Die Lyrics sind aber fast ausnahmslos belanglos, banal bis albern. Bis auf die drei Kernstücke weiß dieses Album schließlich auch nicht zu überzeugen. Diese drei Tracks sind allerdings jeweils mehrere Minuten zu lang. Neil versucht die frühen 90er zu kopieren. Die Gewaltigkeit von RAGGED GLORY und WELD geht dieser Scheibe aber ab. Sie erinnert eher an die Katatonie von BROKEN ARROW. Trotzdem ist es Neil Young bestes Album seit sehr langer Zeit (leider).
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