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am 30. August 2010
Die Novelle handelt von Lea, die bereits im Kindesalter Halbwaise wird, sich nur schwer aus diesem Trauma lösen kann und schliesslich durch die Leidenschaft zur Violine wieder ins wirkliche Leben zurückfindet. Ihrem Vater, der sich eigentlich nie die Verantwortung für ein Kind auferlegen wollte, wird sie emotional jedoch immer fremder und unverständlicher. Er verkraftet es kaum, zumal sie zu ihren Mentoren eine überaus intensive Beziehung aufbaut, und sich dem Vater damit noch mehr verschliesst. Als virtuose Geigerin erlebt Lea viel Ruhm und steht voll im Glanz der Öffentlichkeit. In ihr selbst verdunkelt sich ihr Geist jedoch zusehends. Die völlige Entfremdung und Hilflosigkeit der beiden endet in einer vorhersehbaren Tragödie.

Erzählt wird die Geschichte von einem Dritten. Dieser lernt den Vater zufällig in der Provence kennen und die beiden kehren zusammen in die Schweiz zurück. Auf der langen Heimfahrt führen sie viele intensive Gespräche. Sie entwickeln eine tiefe Verbundenheit zueinander.

Die Novelle hat mich ausserordentlich berührt. Die Eindringlichkeit und Dichte lassen einem manchmal fast das Atmen vergessen. Es ist ein sehr schwermütiges Buch, das einem, wie der Autor es ausdrückt, "mit voller Wucht" trifft.
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am 29. Oktober 2007
Nach Merciers Nachtzug nach Lissabon" habe ich mit Spannung auf sein nächstes Werk gewartet und wurde nicht enttäuscht. Selten hat mich ein Buch - er selbst nennt sein Werk Novelle" - so gefesselt wie Lea".
In der Novelle schreibt Mercier über eine Vater-Tochter-Beziehung, die in ihrer Tragweite wahrscheinlich nur Väter empfinden können, die ihre Tochter so lieben wie Van Vliet in seiner Geschichte (Ich weiß, wovon ich spreche). Lea hatte schon früh ihre Mutter verloren und durch Zufall ihre Liebe zur Geigenmusik entdeckt, für die sie eine außergewöhnliche Begabung besaß. Ihr Vater tat alles, um die Begabung zu fördern, um damit die Liebe seiner Tochter zu gewinnen, die niemandem außer ihren Geigenlehrern Zugang zu sich gestattete,. Er ging dabei so weit, Geld zu veruntreuen, um ihr eine Guarneri zu kaufen. Obwohl Lea schon internationale Erfolge errang, fand sie real nie Boden unter den Füßen und kämpfte stets gegen ihre Furcht an, Teile der Partitur in Konzerten zu vergessen.
Die Geschichte konnte kein gutes Ende nehmen. Lea zerbricht an ihren Ängsten und zerstört die Geige, Van Vliet, der die Geschichte einem zufälligen Bekannten erzählt, landet im Gefängnis.

Ich las in manchen Rezensionen Einschätzungen wie Kitsch" und nicht spannend". Solche Beurteilungen kann ich nicht teilen. Das Buch ist hervorragend aufgebaut und außerordentlich spannend, wenn vielleicht auch nicht in der Art eines Thrillers.
Ferner ist einmal mehr Merciers Sprache zu loben und bewundern. Er ist einer der besten deutschsprachigen Autoren und weiß noch in Bildern zu schildern, die anderen in dieser poetischen Perfektion nur noch selten gelingen.
Dass ich dennoch nicht die volle Punktzahl vergebe, ist ein Verweis für den Carl Hanser Verlag, der noch immer nicht die neue Rechtschreibung benutzt. Ich empfinde das als Anmaßung all jenen gegenüber, die täglich mit der Sprache zu tun und beispielsweise Jugendlichen die korrekte Muttersprache zu lehren haben.
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am 5. September 2009
Pascal Mercier habe ich vor etwa 2 Jahren für mich entdeckt. "Nachtzug nach Lissabon" - genialer Stil, irgendwie fesselnde Geschichte und doch hinterher ein störendes Problem, die Motivationspsychologie des Protagonisten nachzuvollziehen. "Perlmann's Schweigen" - erst im zweiten Anlauf geschafft. Wieder: sprachlich brilliant, ausgefeilt, hoch interessante, auch besser nachvollziehbare Geschichte, aber anstrengend zu lesen. Dennoch ein großes Vergnügen! "Der Klavierstimme" - kurz vor Schluss weggelegt und nie zu Ende gelesen - irgendwie großartig und doch irgendwie zu anstrengend, wenn man da emotional mitgeht.

Dann vor 1 1/2 Jahren das erste Mal "Lea" - stilistisch wieder ein Traum! Die Psychologie der Hauptpersonen fein ziseliert und überzeugend dargestellt, wobei Lea selbst immer ein wenig ein Rätsel bleibt - man muss sich viel zu dazudenken, wobei es sich dann letztlich doch wie klassische und eher einfache Beispiele aus der Klinischen Psychologie liest. Insgesamt fand ich "Lea" ausgesprochen mitreißend. Gegen Ende des Buches war ich bei der ersten Lektüre den Tränen nahe. Jetzt nach 1 1/2 Jahren habe ich das Buch wieder gelesen und bin wieder begeistert.
Ich habe während der Lektüre Viktoria Mullovas Aufnahmen von Bach-Partiten und Violinsonaten gehört. Äußerst empfehlenswert als Ergänzung. Bach: 6 Solo Sonatas & Partitas
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am 1. September 2009
Dieses Buch hat mich nicht mehr losgelassen, und als ich den Fehler beging, zwanzig Seiten vor Schluss ins Bett zu gehen, hat es mir sogar den Schlaf geraubt. Ein unvorstellbar feinfühlig geschriebenes Werk, erschreckend wahr und unglaublich gut.

Zugegeben, der Anfang erschien mir etwas befremdlich. Das zufällige Zusammentreffen zweier Schweizer im Ausland, eine Bekanntschaft, wie sie in der Realität wohl durchaus zustande kommen kann - in der Fremde spricht man gern mit einem Landsmann. Das Gespräch zwischen den beiden geht jedoch weit über gewöhnlichen Smalltalk hinaus. Denn einem der Männer, Van Vliet, liegen eine Menge schwerer Worte auf der Seele. Und er tut etwas, das - leider - fern der Realität liegt: er befreit sich von ihrem Gewicht, indem er sie ausspricht. Wort für Wort, Stunde um Stunde, vertraut er einem Fremden seine Geschichte an. Die Geschichte von Lea.

Es fällt mir schwer, meine Begeisterung über dieses Buch in Worte zu fassen, denn hier geht es in erster Linie um Emotionen. Die der Charaktere, doch auch die des Lesers, wenn er sich in die Geschichte Van Vliets und seiner Tochter hineinzufühlen beginnt und sich dabei in der wachsenden Verzweiflung des Erzählers mehr und mehr selbst wiederzuerkennen glaubt. Vielleicht fiel es mir leicht, in dieses Buch hineinzufinden, da ich selbst Geige spiele, doch im Grunde glaube ich nicht, dass Fachkenntnisse notwendig sind, um die ganze Größe dieses Romans zu erfassen. Natürlich ist es ein Buch über das Geigespiel - doch in erster Linie ist es ein Buch über menschliche Gefühle und Beziehungen. Und ein Buch über Grenzen.

Mein einziger Kritikpunkt ist der Wechsel zwischen den Personen, da sowohl der eigentliche Protagonist, dem die Geschichte von Van Vliet erzählt wird, als auch Van Vliet selbst sich der Ich-Form bedienen. Das sorgt Anfangs für Verwirrung - so habe ich zum Beispiel die Töchter der beiden Männer zu Beginn für ein und dieselbe Person gehalten (Lea und Leslie). Wenn man jedoch einen Bezug zu den beiden Erzählern gefunden hat, fällt es leichter, sie zu trennen, man lernt mit der Zeit, auf den Wechsel zu achten.

Ich für meinen Teil kann "Lea" nur wärmstens weiterempfehlen. Ich habe schon sehr lange kein Buch mehr gelesen, das mich so lange und intensiv beschäftigt hat, obgleich ich hinzufügen muss, dass zuviel auf einmal den Leser rasch in eine sehr trübselige Stimmung versetzen kann. Es ist faszinierend, wie gut Merciers Sprache die Emotionen transportiert.

Eines der ganz wenigen Bücher, die ich mehrmals lesen werde.
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am 19. April 2008
Mein Gefühl während der Lektüre glich einer Art morbider Lust - dem Drang, mehr erfahren zu wollen im gleichzeitigen Unzufriedensein, unablässig auf eine Handlung warten zu müssen.

Der Protagonist Martijn van Vliet schildert das dramatische Schicksal, das mit dem musikalischen Talent und Ehrgeiz seiner Tochter Lea beginnt und mit ihrem Zerbrechen an genau diesem endet. Sein Zuhörer ist der sehr in den Hintergrund tretende Erzähler, der sich Van Vliets Geschichte annimmt und sie schließlich für uns niederschreibt.

Durch das gesamte Buch ziehen sich Antizipationen, da Van Vliet in jedem Vorkommnis ein Omen zu sehen glaubt, das sich im hilflosen Konjunktiv "hätte ich doch nur" oder "wäre doch bloß nicht" seinerseits äußert. Alles scheint schief gelaufen zu sein, alles auf das tragische Ende hingedeutet zu haben von dem Augenblick an, da das Kind im Bahnhof der fremden Geigerin zuhört und den Entschluss fasst, selbst eine zu werden.

Niemand nimmt dabei wirklich die Rolle der Identifikationsfigur ein. Das mag für manch einen gerade reizvoll sein. Ich empfand es eher als eine fortwährende und unüberwindbare Distanz zum Leser:

Lea ist ein Kind, dessen Wesen sich mit dem Schlüsselereignis im Bahnhof verändert, einen festen Willen und etwas Hartes entwickelt. Das einzige, was sie nicht gänzlich unsympathisch macht, ist das Wissen des Rezipienten, dass es sich doch "nur" um ein Kind handelte, das es nicht besser weiß, und im Verlaufe des Buches, dass aus diesem Kind natürlich auch eine dementsprechende junge Frau würde.
Martijn van Vliet ist eine teils anstrengend hilflose Gestalt, die zwar genau zu beobachten, aber nicht zu verhindern weiß und schließlich daran selbst vergeht. Häufig hatte ich das Gefühl, mich einem modernen und gleichsam gealterten Werther Goethes gegenüber zu sehen, der hier letztlich aus Liebe zu seiner Tochter den Verstand verliert und jede Schilderung des Unabwendbaren in liebevolle Beschreibungen, die jedes Zwinkern und jede Schweißperle seines Kindes erfassen, verpackt.

Der Schreibstil ist fein und ausgefeilt bis zum letzten Buchstaben. Eigentlich also ein Genuss für den Leser - für mich hier eher ein Indiz mangelnder Authentizität. Schließlich handelt es sich zu neunzig Prozent des Buches um die wörtliche Rede Van Vliets, wozu der literarische Stil meiner Meinung nach ungleich widersprüchlich wirkt. Wer dermaßen mit vergangenem Geschehen und gleichzeitig schmerzlich gegenwärtigen Gefühlen zu kämpfen hat, wird kaum mit gelegentlicher Atempause im Stile bester schriftlicher Artikulation sprechen.
Und so ist es für mich auch die Handlung gewesen, das endlose in-allem-ein-Omen-Sehen, das verzweifelte Greifen nach der Zeit vor dem Moment im Bahnhof - eine Zeit, die durch die Trauer der beiden um Ehefrau und Mutter gekennzeichnet, also nicht wesentlich wünschenswerter war.

Letztlich bleiben mir Fragen nach dem Handeln und der Passivität Van Vliets. Das Einerseits: "Was hätte er veränderndes unternehmen können?" und das Andererseits: "Warum konnte er als Vater nicht durchgreifen und hat so lange nur zugesehen und resigniert?" Es ist fast zum Auswachsen. Und doch ist es genau das, was meine "morbide Lust" aufrecht erhalten und mich dieses Buch zu Ende lesen lassen hat.

Das Werk hat mir kaum gefallen. Dafür aber hat es einige Emotionen angerührt, die ich von Büchern so bisher, glaube ich, nicht kannte: Ich habe mich über Van Vliet geärgert, über ihn und seinen durch und durch geduldigen und verständnisvollen Zuhörer und über Lea, die so fern war, dass ich nicht mit ihr fühlen konnte, so sehr ich mir das auch gewünscht hätte. Es war eine interessante Erfahrung, mehr leider nicht.
Man sollte sich vorher entscheiden, ob einem das genügt.
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am 25. Mai 2007
Lea, ein Kind, was sich vor Einsamkeit nicht anders zu helfen weiß, als in ihre Begabung 'das Geigenspielen' zu flüchten. Und der Vater, Van Vliet, der ebenfalls versucht seiner Einsamkeit zu entgehen, indem er seine Tochte in ihrem angeblichen Wunsch 'Starmusikerin zu werden' fast bis zur eigenen Identitätsaufgabe unterstützt. In diesem Buch behandelt Mercier die gleichen Themen, wie in "Perlmanns Schweigen" und "Nachtzug nach Lissabon". Es geht um die Projektion eigener Gedanken und Wünsche in das Gegenüber und die daraus resultierenden Missverständnisse. Es geht um Identitätsverlust - sowohl bei der Tochter, deren Seele am Ende der Karriere in verschiedene Einzelteile zerfällt, weil sie keinen feststehenden Kern ausgebildet hat - als auch bei dem Vater, der sein bürgerliches Leben für die vermeintliche Rettung seiner Tochter aufgibt. Es geht außerdem um die Sehnsucht und Unfähigkeit, einen Menschen zu begreifen und sich im Gegenzug zu offenbaren. Themen, die bei Mercier offenbar immer wieder kehren. Trotzdem schafft er es, den Leser zu überraschen. Die genannten Themen bekommen, trotz der zahlreichen Parallelen, in diesem Buch eine andere Dimension. Hier kämpft der Protagonist nicht in erster Linie mit sich selbst, sondern mit seiner Tochter und in gewisser Weise für sie. Das ist sein Lebensinhalt. Dabei bemerkt er nicht, was für einen Druck er auf sie ausübt, da er sich im Gegenzug von ihr unter Druck gesetzt fühlt. Ein Wechselspiel, was keine Auflösung findet. Mit dem Buch hat Mercier mich wieder einmal überzeugt: Er schafft eine Metaebene, die den Leser bei Spannung hält und ihn zum Nachdenken zwingt. Erzählt mit tollen sprachlichen Bildern.
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am 11. Mai 2007
Können wir Menschen den Verlauf, den Fortgang unseres Lebens bestimmen ? Haben wir überhaupt irgendeinen Einfluß auf das, was geschieht, auf das, was offenbar geschehen soll, egal was wir tun oder wie wir uns verhalten ?

Dieser tief philosophische Untergrund zieht sich wie ein musikalisches Thema durch das ganze Buch, das Pascal Mercier eine Novelle nennt und das eine ganz außergewöhnliche Lektüreerfahrung bietet. Tatsächlich hat mich in diesem Frühjahr kein anderes Buch so bewegt und gefesselt, durch seine Themen angesprochen wie diese Geschichte von Lea, einem musikalischen Ausnahmetalent, ihrem Vater Martin van Vliet und Adrian Herzog, der das ganze Lebensdrama der beiden bei einem zufälligen Zusammentreffen der beiden Männer in der Provence erfährt und nach dem tragischen Ende der Geschichte zu Hause in Bern für die Nachwelt aufschreibt.

An verschiedenen Abschnitten der Geschichte Martin van Vliets mit seiner Tochter Lea stellt dieser dem zuhörenden Adrian Herzog immer wieder dieselbe Frage: warum ? Hätte es nicht anders kommen können, wenn ich an dieser oder jener Stelle dieses oder jenes nicht gesagt oder getan hätte ? Doch immer wieder die Antwort: "Es musste so kommen."

Und so wird der Leser atemloser Zeuge einer Entwicklung , von der er schon ziemlich am Anfang ahnt und wenig später dann auch weiß, daß sie nicht gut ausgehen wird. Und dennoch eilt der Leser ohne Unterbrechung durch die Seiten dieser Novelle, ist immer wieder begeistert von der Sprachkunst Pascal Merciers und vor allen Dingen: der Leser partizipiert an der Nähe, die die beiden Männer zwischen sich aufbauen, während die Erzählung ihren Fortgang nimmt.

"Lea" ist ein großes Buch, ein Lesegenuß ganz besonderer Art. Am Ende bleibt dem Leser mehr als nur eine außergewöhnliche Geschichte: er ist mit mehr Erkenntnis beschenkt worden, aber mit vielen offenen und ungelösten Fragen. Genau das, was wirklich gute Literatur leisten soll.

Dieses Buch ist unbedingt zu empfehlen. Man legt es, einmal angefangen, bis zum Ende nicht mehr aus der Hand.
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am 17. Januar 2010
...wie all die anderen Bücher von Mercier.

Ich habe sie mittlerweile fast alle durch, die Bücher dieses Autors und ich muss gestehen: Dieses war das Mühsamste von allen.

Zeichnet sich Mercier sonst durch eine poetisch-philosophische Sprache aus, die an Schönheit ihresgleichen sucht, aber gleichzeitig mit bezaubernder Leichtigkeit daherkommt, bleibt "Lea" hier immer seltsam bemüht. Sicher: Auch hier schreibt Mercier den einen oder anderen Satz, der anderen Autoren ganze Bücher lang nicht einfällt, aber im Vergleich zum wortgewaltigen "Nachtzug" oder dem "Klavierstimmer" reicht es an diese eben nicht heran.
Zudem wird die Vater-Tochter-Geschichte irgendwann sehr mühsam zu lesen, weil es die ganze Zeit um nichts anderes geht und diese Nabelschau auf die Dauer fast schon enervierend wirkt. Merciers andere Bücher haben immer die Eigenart, verschiedene Themen zueinander zu bringen - das fehlt hier völlig. Natürlich bleibt auch hier der Blick aus verschiedenen Perspektiven auf das Geschehen, aber es fehlt die Vielfalt.

Wer ausgefeilte und schöne Sprache sucht, ist bei Mercier nie verkehrt, aber dieses Buch gehört sicher nicht zu den Besten von ihm. Eine eingescränkte Empfehlung.
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am 15. Oktober 2015
Schwer lastet diese Geschichte auf der Brust des geneigten Lesers. Die Handlung, die Sprache, die Erzählweise drücken nach unten, sodass es schwer ist dieses Buch zu lesen. Jedenfalls erging es mir so.

Die Autor, der Schweizer Peter Bieri, der seine Romane unter dem Pseudonym Pascal Mercier veröffentlicht, verliert sich in Kapriolen, die er sowohl sprachlich, inhaltlich und auch erzählerisch schlägt. Dadurch bekommt dieses Buch den Hauch von Schwülstigkeit, bei aller Dramatik der Handlung. Und ein Drama ist es, keine Novelle wie der Titel ankündigt. Bieri selbst spricht in seinem Nachwort von einer Tragödie.

Lea steht im Zentrum der Geschichte, die federführend von einem Ich-Erzähler präsentiert wird. Dazwischen erleben wir die Story auch aus der Sicht des Vaters von Lea, der in der direkten Rede zu Wort kommt. Diese richtet er an den Ich-Erzähler, einen Mann, den er in Frankreich kennen lernt und mit dem gemeinsam er die Heimreise nach Bern antritt. Auf dieser Reise, die vier Tage dauert, erzählt Martijn van Vliet Adrian Herzog seine Lebensgeschichte.

Im Focus dieser Geschichte steht seine Tochter Lea, die nach dem frühen Tod der Mutter Genesung in der Musik findet und selbst eine erfolgreiche Geigerin wird. Es zieht sie von einem Protegé zum nächsten bis sie allein gelassen zusammenbricht.

Von all der Tragik dieser Familiengeschichte berichtet Adrian Herzog dem Leser, weil er mit dem Druck der Geschichte nicht umgehen kann, sie jemandem mitteilen muss. Er vergleicht sich selbst mit Martijn, beneidet ihn zeitweise um die intensiven Emotionen, die dieser erlebt hat, ist in der Hauptsache doch voller Fürsorge und Mitgefühl für seinen Gesprächspartner.

Ich tat mich schwer mit der Geschichte, die von “Tyrannei der Begabung” handelt, denn so viel Schwermut und Dramatik haben mich zu Boden gedrückt, Die Story ist nicht uninteressant, der Aufbau klar durchdacht und die Sprache fingerfertig benutzt. Alles in allem jedoch ist von allem zu viel da, was ein klebriges Gefühl zurück lässt. Man mag nicht glauben, dass ein Mann diesen Roman geschrieben hat, denn er trieft vor sprachlichen Bildern und anderen rhetorischen Stilmitteln, die auf eine emotionale Ergriffenheit schließen lassen, die ich von einem Philosophen so nicht erwartet hätte.

Ein Blick in die Presselandschaft zeigt, dass der Roman bei den großen deutschen Zeitungen auch nicht gut ankam:

“Professor Kitsch
Als Philosoph heißt er Peter Bieri. Als Bestsellerautor nennt er sich Pascal Mercier. In seinem neuen Buch „Lea“ macht der eine dem anderen wenig Ehre. Merciers Roman ächzt unter der Bedeutungsschwere, die Bieris philosophischen Schriften fremd ist.” So die Überschrift einer Rezension von Volker Weidermann aus der FAZ vom 06.05.2007.

Im Deutschlandfunk heißt es von Eberhard Falcke am 10.06.2007: “Abgeschmackte Stimmungsmacherei
Das Schicksal kommt im Roman “Lea” von Pascal Mercier schnell auf Touren und der Schwulst ebenfalls. Doch wo es dermaßen abgeht, saust der Erfolg bekanntlich gerne hinterher.”

Mein Fazit: Die Geschichte als solche ist lesbar, wenn auch nicht neu. Das Buch bleibt bei mir, vorerst. Ich bezweifle allerdings, dass ich es weiter empfehlen oder/und verschenken bzw. es selbst noch einmal lesen werde.
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am 10. Juni 2007
In der Tat ist es für einen Buchhändler nicht eben förderlich, wenn ein Rezensent ein Buch schlecht bewertet. Doch wenn es einen Bewertungsspielraum von fünf Sternen gibt, sollte man den auch benutzen.

Ich erlaube mir daher einmal eine abweichende Meinung über das Buch Lea" des Philosophen Peter Bieri, alias Pascal Mercier, und hoffe damit einen kleinen Beitrag auch im Sinne des Andersens Märchens Des Kaisers neue Kleider" zu leisten und den nackten Tatsachen einmal ins Auge zu blicken.

Lassen es Sie mich daher unverzüglich niederschreiben: Das Buch ist gähnend langweilig! Und lassen Sie mich fortfahren: Das Buch ist die Inkarnation des Kitsches. Kein Klischee, das hier ausgelassen wird.

Es dräuen ferner lauter dunkle Fügungen, nach dem Motto "Mit des Schicksals Mächten ist kein ewŽger Bund zu flechten!" Das Ganze ist von einer zermürbenden Depressivität und selbst die minimalistischsten Gefühlsanwandlungen erhalten schicksalshafte Bedeutung. Noch das banalste Verhalten der "Violinprinzessin" wird zum Edelmenschentum hochstilisiert.

Auch fand ich keine Spur von "aufwühlender Dramatik", stattdessen nur zermürbende Monologe und eine diffuse und ständig retardierte Entwicklung der Handlung.

In einem Wort, das Buch ist prätenziös und will besonders durch Anspielungen auf das noch Kommende gewollt geheimnisvoll wirken. Doch es gibt kein Geheimnis. Und so geht die "geheimnisvolle Violinprinzessin" den langen "entsagungsvollen Weg durch die Welt der Töne in einem verzehrenden Fieber bis zu Ihrem bittersüßen Ende".

Angeblich inspiriert durch Claude Sautets Film "Ein Herz im Winter" hat Bieri dieses Buchprojekt zehn Jahre lang verfolgt. Das Thema hätte durchaus etwas hergegeben. Herausgekommen ist ein banales Buch.
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